{"id":14293,"date":"2026-10-25T11:00:30","date_gmt":"2026-10-25T10:00:30","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=14293"},"modified":"2026-10-26T20:59:32","modified_gmt":"2026-10-26T19:59:32","slug":"predigt-jona-41-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-jona-41-11\/","title":{"rendered":"Predigt: Jona 4,1-11"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Jona-2026-L3-0401-0411_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/Jona-2026-L3-0401-0411_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/jona\/4\/\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Sollte ich nicht Mitleid haben mit Ninive?<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eUnd der HERR sprach: Dich jammert der Rizinus, um den du dich nicht gem\u00fcht hast, hast ihn auch nicht aufgezogen, der in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb,\u2002und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so gro\u00dfe Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Jona 4,10.11)<\/p>\n<p>In den ersten drei Kapiteln des Buches Jona haben wir gesehen, wie Jona zun\u00e4chst vor Gottes Auftrag floh, wie er im Bauch des gro\u00dfen Fisches Gottes Gnade erfuhr und wie er schlie\u00dflich Gottes Wort gehorchte, nach Ninive ging und dort Gottes Botschaft verk\u00fcndigte. Die Menschen in Ninive h\u00f6rten seine Botschaft, taten Bu\u00dfe und kehrten zu Gott um. Eigentlich h\u00e4tte das Buch Jona mit dem dritten Kapitel enden k\u00f6nnen. Es w\u00e4re ein wundersch\u00f6nes Happy End gewesen: Jona, der zun\u00e4chst vor Gott davongelaufen war, kehrte zur\u00fcck und erf\u00fcllte seinen Auftrag. Und die Menschen in Ninive, die zuvor in gro\u00dfer Bosheit gelebt hatten, taten Bu\u00dfe und wurden vor Gottes Gericht bewahrt. W\u00e4re das nicht ein sch\u00f6ner Abschluss gewesen? Doch das Buch Jona hat noch ein viertes Kapitel. Und pl\u00f6tzlich nimmt die Geschichte eine v\u00f6llig unerwartete Wendung. Anstatt sich dar\u00fcber zu freuen, dass die Menschen in Ninive gerettet wurden, wird Jona w\u00fctend. Er \u00e4rgert sich \u00fcber Gott und macht ihm Vorw\u00fcrfe. Da stellt sich uns eine Frage: Warum endet das Buch Jona nicht einfach mit Kapitel 3? Warum musste auch noch dieses vierte Kapitel geschrieben werden? Gott wollte uns offenbar nicht nur zeigen, wie die Menschen in Ninive Bu\u00dfe taten und gerettet wurden. Er wollte nicht nur Jonas Verhalten ver\u00e4ndern, sondern auch sein Herz. Jona war zwar Gottes Auftrag gefolgt und nach Ninive gegangen. Aber sein Herz war noch weit davon entfernt, Gottes Herz zu verstehen. Genau darum geht es im vierten Kapitel. Wir bekommen einen Einblick in Jonas Inneres und sehen, wie Gott geduldig mit ihm umgeht und ihn lehrt.<br \/>\nHeute wollen wir dar\u00fcber nachdenken, warum Jona \u00fcber Gottes Gnade so zornig wurde und wie Gott ihm half, sein eigenes Herz zu erkennen. Ich bete, dass auch wir uns in Jona wiedererkennen und lernen, Gottes barmherziges Herz besser zu verstehen.<br \/>\n<strong>1. Jona wird zornig \u00fcber Gottes Barmherzigkeit (Verse 1\u20134)<\/strong><br \/>\nSchauen wir uns zun\u00e4chst Vers 1 an: \u201eDas aber verdross Jona sehr, und er ward zornig\u201c Normalerweise w\u00fcrde man erwarten, dass ein Prophet sich freut, wenn Menschen auf Gottes Wort h\u00f6ren und Bu\u00dfe tun. Doch bei Jona war es genau umgekehrt. Warum konnte Jona, der selbst Gottes Botschaft verk\u00fcndigt hatte, nicht ertragen, dass die Menschen durch diese Botschaft gerettet wurden? Es gibt einen koreanischen Film mit dem Titel \u201eSecret Sunshine\u201c (auf Koreanisch \u201eMiryang\u201c). In diesem Film verliert die Hauptfigur Shin-ae ihren geliebten Sohn durch ein schreckliches Verbrechen. Ihr Sohn wird entf\u00fchrt und ermordet. Shin-ae f\u00e4llt daraufhin in tiefe Verzweiflung. Sp\u00e4ter kommt sie mit dem christlichen Glauben in Ber\u00fchrung. Sie beginnt, an Gott zu glauben, und findet dadurch nach und nach etwas inneren Frieden. Eines Tages fasst sie den Entschluss, dem M\u00f6rder ihres Sohnes zu vergeben. Deshalb besucht sie ihn im Gef\u00e4ngnis. Doch dort h\u00f6rt sie etwas, womit sie \u00fcberhaupt nicht gerechnet hat. Der M\u00f6rder erz\u00e4hlt ihr, dass auch er im Gef\u00e4ngnis zum Glauben an Gott gekommen sei. Er habe seine S\u00fcnden vor Gott bekannt und Gott habe ihm vergeben. Deshalb habe er nun Frieden in seinem Herzen gefunden. Als Shin-ae das h\u00f6rt, ist sie zutiefst ersch\u00fcttert. Sie selbst hatte dem M\u00f6rder noch gar nicht vergeben. Aber ausgerechnet dieser Mann behauptete, Gott habe ihm bereits vergeben. Shin-ae wird w\u00fctend: \u201eIch habe ihm noch nicht einmal vergeben. Wie kann Gott ihm dann schon vergeben haben?\u201c<br \/>\nIch denke, wir k\u00f6nnen ihre Gef\u00fchle gut nachvollziehen. Sie selbst lebt noch immer mit dem Schmerz und der Trauer \u00fcber den Verlust ihres Sohnes. Aber der Mensch, der ihr dieses schreckliche Leid zugef\u00fcgt hat, behauptet, Gott habe ihm vergeben und er habe nun Frieden gefunden. Wie sollte sie das einfach akzeptieren k\u00f6nnen? Es f\u00e4llt uns schwer zu akzeptieren, dass Gott einem Menschen Gnade schenkt, dem wir selbst kaum vergeben k\u00f6nnen.<br \/>\nBei Jona war es \u00e4hnlich. F\u00fcr ihn waren die Menschen in Ninive keine Menschen, denen man Liebe und Barmherzigkeit entgegenbringen sollte. In seinen Augen hatten sie Gottes Gericht verdient. Sie t\u00f6teten viele Israeliten und pl\u00fcnderten und versklavten viele Menschen. Doch Gott gab ihnen die M\u00f6glichkeit zur Umkehr. Und als sie Bu\u00dfe taten, verschonte er sie. Genau diese Barmherzigkeit Gottes konnte Jona nicht akzeptieren. In Vers 2 betet Jona zu Gott: \u201eund betete zum HERRN und sprach: Ach, HERR, das ist\u2019s ja, was ich dachte, als ich noch in meinem Lande war. Deshalb wollte ich ja nach Tarsis fliehen; denn ich wusste, dass du gn\u00e4dig, barmherzig, langm\u00fctig und von gro\u00dfer G\u00fcte bist und l\u00e4sst dich des \u00dcbels gereuen.\u201c Erstaunlicherweise wusste Jona ganz genau, wer Gott ist. Gott ist gn\u00e4dig. Gott ist barmherzig. Er ist geduldig und voller Liebe. Aber genau das war f\u00fcr Jona das Problem. Wenn Gott ihm selbst Gnade erwies, war das gut. Wenn Gott seinem eigenen Volk Israel Barmherzigkeit schenkte, war das ebenfalls gut. Doch dass Gott auch den verhassten Menschen in Ninive Gnade schenken wollte, konnte er nicht ertragen. Jona kannte Gottes Barmherzigkeit. Aber er wollte nicht, dass diese Barmherzigkeit auch seinen Feinden galt. Schlie\u00dflich geht Jona in Vers 3 sogar so weit, dass er Gott bittet, ihm das Leben zu nehmen. Lieber wollte er sterben, als mit ansehen zu m\u00fcssen, wie die Menschen in Ninive verschont wurden. So schwer fiel es ihm, Gottes Entscheidung anzunehmen. Da stellte Gott ihm eine Frage. Betrachten wir Vers 4: \u201eAber der HERR sprach: Meinst du, dass du mit Recht z\u00fcrnst?\u201c Gott wollte Jona dazu bringen, \u00fcber seinen Zorn nachzudenken. Jona war fest davon \u00fcberzeugt, im Recht zu sein. Die Menschen in Ninive waren b\u00f6se. Sie hatten schlimme Dinge getan und verdienten deshalb Gottes Gericht. Doch Gott wollte Jona helfen, die Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Es ist, als w\u00fcrde Gott ihn fragen: \u201eIch wei\u00df, dass du ihre S\u00fcnden verabscheust. Aber ist es wirklich richtig, dass du ihnen sogar die M\u00f6glichkeit zur Umkehr und zum Leben missg\u00f6nnst? Sind nicht auch diese Menschen, deren Bestrafung du dir w\u00fcnschst, Gesch\u00f6pfe, die ich geschaffen habe?\u201c Gott wollte, dass Jona \u00fcber seinen eigenen Zorn hinausblickt und beginnt, Gottes Herz zu verstehen. Doch Jona hielt weiterhin an seinem Zorn fest.<br \/>\n<strong>2. Sollte ich nicht Mitleid haben mit Ninive? (Verse 5\u201311)<\/strong><br \/>\nIn Vers 5 lesen wir, dass Jona die Stadt verlie\u00df und sich \u00f6stlich von Ninive eine H\u00fctte baute. Dort setzte er sich hin und beobachtete, was mit der Stadt geschehen w\u00fcrde. Obwohl die Menschen in Ninive Bu\u00dfe getan hatten und Gott das angek\u00fcndigte Unheil zur\u00fcckgenommen hatte, hoffte Jona offenbar immer noch, dass die Stadt bestraft werden w\u00fcrde. Doch Gott wollte Jona auf besondere Weise etwas zeigen. Er lie\u00df eine Pflanze wachsen, die Jona Schatten spendete und ihn vor der brennenden Sonne sch\u00fctzte. Jona freute sich sehr \u00fcber diese Pflanze. Aber am n\u00e4chsten Morgen lie\u00df Gott einen Wurm kommen, der die Pflanze schlimm zurichtete, sodass sie verdorrte. Anschlie\u00dfend lie\u00df Gott einen hei\u00dfen Ostwind aufkommen. Die Sonne brannte auf Jonas Kopf, und die Hitze wurde f\u00fcr ihn unertr\u00e4glich. Wieder w\u00fcnschte er sich, lieber zu sterben. Da fragte Gott ihn: \u201eMeinst du, dass du mit Recht z\u00fcrnst um des Rizinus willen?\u201c Jona antwortete: \u201eMit Recht z\u00fcrne ich bis zum Tod!\u201c (Vers 9).<br \/>\nSchauen wir uns Jonas Verhalten genauer an. Als die vielen Menschen in Ninive vom Untergang bedroht waren, hatte Jona kein Mitleid mit ihnen. Aber als die Pflanze verdorrte, die ihm Schatten gespendet hatte, wurde er traurig und w\u00fctend. Er konnte es kaum ertragen, dass ihm diese kleine Annehmlichkeit genommen wurde. Dass dagegen viele Menschen ihr Leben verlieren k\u00f6nnten, hielt er f\u00fcr gerechtfertigt. Genau darin lag Jonas Problem. Er betrachtete alles nur aus seiner eigenen Perspektive. Was ihm selbst n\u00fctzte, war ihm wichtig, auch wenn es nur eine kleine Pflanze war. Aber das Leben der Menschen, die er hasste, war ihm nicht wichtig. Er war vielmehr \u00fcberzeugt, dass sie das Gericht verdient hatten. Doch Gottes Herz war anders.<br \/>\nHier sollten wir besonders darauf achten, wie Gott mit Jona umging. Gott befahl ihm nicht einfach, sofort mit seinem Zorn aufzuh\u00f6ren. Und er gab Jona auch nicht auf, nur weil dieser Gottes Willen nicht verstehen konnte. Stattdessen lie\u00df Gott eine Pflanze wachsen, schickte einen Wurm und lie\u00df einen hei\u00dfen Ostwind aufkommen. Durch all diese Ereignisse wollte Gott Jona helfen, sein eigenes Herz zu erkennen. Jona war so w\u00fctend \u00fcber den Verlust einer einzigen Pflanze, dass er am liebsten sterben wollte. Doch Gott wollte ihm zeigen, wie viel wertvoller das Leben der vielen Menschen in Ninive war. Hier erkenne ich Gottes erstaunliche Geduld und Liebe. Gott hatte Mitleid mit den Menschen in Ninive. Aber er hatte auch Mitleid mit Jona, der diesen Menschen nicht vergeben konnte und voller Zorn war. Auch Jonas Herz wollte Gott ver\u00e4ndern.<br \/>\nSchauen wir uns nun die letzten beiden Verse an. \u201eUnd der HERR sprach: Dich jammert der Rizinus, um den du dich nicht gem\u00fcht hast, hast ihn auch nicht aufgezogen, der in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb,\u2002und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so gro\u00dfe Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist, dazu auch viele Tiere?\u201c Gott stellt hier die Pflanze und die Stadt Ninive einander gegen\u00fcber. Jona hatte Mitleid mit einer kleinem Pflanze, die er weder gepflanzt noch gepflegt hatte. Sie war \u00fcber Nacht gewachsen und ebenso schnell verdorrt. In Ninive lebten mehr als 120.000 Menschen, die nicht zwischen rechts und links unterscheiden konnten. Wie viel mehr sollte Gott dann Mitleid mit den vielen Menschen in Ninive haben?<br \/>\nGott sah nicht nur ihre S\u00fcnden, sondern auch ihr Leben. Er wollte nicht, dass sie in ihren S\u00fcnden zugrunde gingen, sondern dass sie Bu\u00dfe taten und zu ihm zur\u00fcckkehrten. Gottes Barmherzigkeit gilt allen Menschen. Sie reicht nicht nur zu denen, die wir m\u00f6gen \u2013 sondern auch zu unseren Feinden. Das bedeutet nicht, dass Gott die S\u00fcnde auf die leichte Schulter nimmt. Gott hasst die S\u00fcnde und ist ein gerechter Richter. Aber zugleich ist er ein barmherziger Vater, der darauf wartet, dass S\u00fcnder umkehren und zu ihm zur\u00fcckkommen. Und mit der Frage Gottes endet das Buch Jona.<br \/>\nEigentlich ist das ein etwas unbefriedigendes Ende, oder? Wir erfahren nicht, wie Jona auf Gottes letzte Frage geantwortet hat. Aber ich glaube, dass Gott diese Frage heute auch an uns richtet. \u201eIst es recht, dass du so zornig bist?\u201c und \u201eLiegt mir nicht auch der Mensch am Herzen, den du gerade hasst?\u201c<br \/>\nAls ich diese Predigt vorbereitet habe, konnte ich Jonas Gef\u00fchle sehr gut nachvollziehen. Besonders in seinem Zorn und seiner Unf\u00e4higkeit, den Menschen in Ninive zu vergeben, habe ich mich selbst wiedererkannt. Es gibt eine Erinnerung aus meiner Kindheit, die ich bis heute nicht vergessen habe, obwohl sie mehrere Jahrzehnte zur\u00fcckliegt. Damals war ich in der zweiten Klasse der Grundschule. In unserer Schule bekamen wir Milch in der Pause nach der ersten Unterrichtsstunde. Es war Fr\u00fchling und es wurde langsam w\u00e4rmer. Viele Kinder tranken ihre Milch nicht, weil sie sie nicht mochten oder nicht gut vertrugen. Deshalb blieben h\u00e4ufig einige Milchpackungen vom Vortag im Klassenzimmer stehen. Auch an diesem Tag wurde wieder frische Milch geliefert. Ich griff nach einer frisch gelieferten Packung. Doch pl\u00f6tzlich schlug mir mein Lehrer heftig auf den Hinterkopf. Ich war v\u00f6llig erschrocken und schaute ihn an. Da schimpfte er mit mir: \u201eDu musst zuerst die Milch von gestern trinken! Warum nimmst du dir einfach die neue?\u201c Ich konnte das \u00fcberhaupt nicht verstehen. Die Milch vom Vortag hatte die ganze Zeit ungek\u00fchlt im Klassenzimmer gestanden. Sie war inzwischen lauwarm geworden, und drau\u00dfen wurde es immer w\u00e4rmer. Nat\u00fcrlich wollte ich lieber frische Milch trinken. Aber weil mein Lehrer so w\u00fctend war, traute ich mich nicht, etwas zu sagen. Also nahm ich die alte Milch und trank sie. Doch damit war die Sache noch nicht vorbei. Einige Tage sp\u00e4ter sprach unser Lehrer im Unterricht \u00fcber das Einkaufsverhalten der Japaner. Er erz\u00e4hlte, dass die Menschen dort im Supermarkt bewusst Produkte kaufen w\u00fcrden, deren Haltbarkeitsdatum bald abl\u00e4uft. So k\u00f6nne man vermeiden, dass Lebensmittel unn\u00f6tig weggeworfen werden. Pl\u00f6tzlich nannte er meinen Namen und sagte vor der ganzen Klasse: \u201eAber &#8230; wei\u00df \u00fcberhaupt nicht, was Sparsamkeit bedeutet. Er will immer nur das Neue haben!\u201c Er stellte mich vor allen Mitsch\u00fclern als schlechtes Beispiel hin. Mir war das unglaublich peinlich. Mein Gesicht wurde rot, und meine Mitsch\u00fcler lachten \u00fcber mich. Zun\u00e4chst dachte ich, ich h\u00e4tte etwas falsch gemacht. Doch sp\u00e4ter fragte ich mich: \u201eWar das wirklich so schlimm, was ich getan habe? Wer h\u00e4tte die Verantwortung \u00fcbernommen, wenn ich von der Milch, die den ganzen Tag ungek\u00fchlt im Klassenzimmer gestanden hatte, Bauchschmerzen bekommen h\u00e4tte? Ich wollte doch nur frische Milch trinken. Warum musste ich daf\u00fcr geschlagen und vor der ganzen Klasse blo\u00dfgestellt werden?\u201c Ich f\u00fchlte mich ungerecht behandelt, verletzt und w\u00fctend.<br \/>\nErstaunlicherweise ist diese Erinnerung auch nach so vielen Jahren noch sehr lebendig. Ich glaube, ich habe diesem Lehrer bis heute nicht vergeben. Wenn ich an damals denke, empfinde ich sein Verhalten immer noch als ungerecht und falsch. Doch als ich \u00fcber den heutigen Bibeltext nachdachte, kam mir eine Frage in den Sinn: Wenn Jesus mich heute auffordern w\u00fcrde, diesem Lehrer zu vergeben \u2013 k\u00f6nnte ich das wirklich? Wenn ich ehrlich bin, w\u00fcrde mir das sehr schwerfallen.<br \/>\nNat\u00fcrlich l\u00e4sst sich das, was ich erlebt habe, nicht mit den grausamen Taten der Menschen in Ninive vergleichen. Wie viel schwerer muss es dann f\u00fcr Jona gewesen sein? Auch ich denke: \u201eIch habe doch gar nichts falsch gemacht. Warum sollte ausgerechnet ich zuerst vergeben? Diese Person hat sich nicht einmal bei mir entschuldigt. Warum sollte ich ihr vergeben? Er hat nicht einmal Verantwortung \u00fcbernommen. Warum sollte ich vergeben?\u201c<br \/>\nAls ich Jona 4,9 las, konnte ich mich sehr gut mit Jona identifiziere: \u201eMit Recht z\u00fcrne ich bis zum Tod!\u201c &#8211; \u201eJa, genau! Was habe ich denn falsch gemacht? Ist es nicht v\u00f6llig verst\u00e4ndlich, dass ich w\u00fctend bin? Wenn mir Unrecht getan wurde, warum soll dann ausgerechnet ich zuerst vergeben?\u201c<br \/>\nAuch ich habe manchmal das Gef\u00fchl, dass ich \u2013 genau wie Jona \u2013 bis zum Ende darauf bestehen m\u00f6chte, im Recht zu sein. Doch beim Nachdenken \u00fcber diesen Bibeltext wurde mir etwas Entscheidendes bewusst. Auch ich selbst war einmal ein Feind Gottes. Durch meine S\u00fcnde hatte ich mich von Gott entfernt und gegen ihn gelebt. Aber wie ist Gott mit mir umgegangen? Gott hat erst darauf gewartet, dass ich meine Schuld vollst\u00e4ndig erkenne, mich entschuldige und die Strafe f\u00fcr meine S\u00fcnden selbst bezahle, bevor er mich liebt? Als ich noch ein S\u00fcnder war, hat Gott mir bereits seine Hand entgegengestreckt. In R\u00f6mer 5,8 hei\u00dft es: \u201eGott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus f\u00fcr uns gestorben ist, als wir noch S\u00fcnder waren.\u201c Ich konnte meine Schuld nicht aus eigener Kraft wiedergutmachen und war von Gott getrennt. Doch Jesus wartete nicht einfach darauf, dass ich irgendwann zu ihm kommen w\u00fcrde. Er kam zuerst zu mir \u2013 durch sein Wort. Beim Bibelstudium \u00fcber das zweite Buch Mose erkannte ich, dass ich selbst ein Sklave der S\u00fcnde war, so wie die Israeliten damals in \u00c4gypten in der Sklaverei lebten. Und durch Jesaja, Kapitel 9, durfte ich erkennen, dass Jesus als ein Baby in diese Welt gekommen ist, um mich von meiner S\u00fcnde zu retten. Die Liebe, mit der Gott mir vergeben hat, war keine billige Liebe. Jesus, der im Himmel auf seinem Thron sitzt und aller Ehre und Anbetung w\u00fcrdig ist, kam als schwaches, kleines Kind in diese Welt. Er wurde in eine schmutzige Krippe gelegt. Er lebte in Demut und Hingabe und hatte auf dieser Erde nicht einmal einen Ort, an dem er sein Haupt hinlegen konnte. Und schlie\u00dflich nahm er alle Schande, alle Dem\u00fctigungen und alles Leid auf sich und starb f\u00fcr meine S\u00fcnden am Kreuz. Als ich noch ein S\u00fcnder war, hat Jesus mich zuerst geliebt und sein Leben f\u00fcr mich hingegeben. Ich bin ein Mensch, dem zuerst vergeben wurde. Als ich dar\u00fcber nachdachte, begann ich, mein eigenes Herz neu zu betrachten. Ich bin nach wie vor \u00fcberzeugt, dass das Verhalten meines Lehrers falsch war. Ein kleines Kind zu schlagen und vor der ganzen Klasse blo\u00dfzustellen, war nicht richtig. Und jemandem zu vergeben bedeutet nicht, dass sein falsches Verhalten dadurch gerechtfertigt wird. Aber eines muss sich in meinem Herzen ver\u00e4ndern: Die Gnade Jesu, der mir zuerst vergeben hat, muss in meinem Herzen gr\u00f6\u00dfer werden als mein Bed\u00fcrfnis, \u00fcber das Unrecht dieses Menschen zu urteilen. Aus eigener Kraft f\u00e4llt es mir schwer zu vergeben. Doch wenn ich an die Gnade denke, die Jesus mir erwiesen hat, bekomme ich Hoffnung, dass auch ich lernen kann zu vergeben.<br \/>\nDurch den heutigen Bibeltext ist mir eines neu bewusst geworden: Ich habe in meinem Leben oft nur darauf bestanden, selbst im Recht zu sein. Doch Gott hat mir, obwohl ich ein S\u00fcnder war, zuerst seine Barmherzigkeit erwiesen. Als ich noch ein Feind Gottes war, starb Jesus f\u00fcr mich am Kreuz. Noch bevor ich Gott suchte, kam er mir in seiner Liebe entgegen. Deshalb m\u00f6chte ich durch die Liebe und Gnade Jesu lernen, auch anderen Menschen zu vergeben. Auch k\u00fcnftig werde ich Menschen begegnen, die mich verletzen. Dann werde ich wohl wieder darauf bestehen wollen, im Recht zu sein. Doch gerade dann m\u00f6chte ich mich an die Frage erinnern, die Gott Jona gestellt hat: \u201eIst es recht, dass du so zornig bist?\u201c Und ich m\u00f6chte mich auch an Gottes letzte Worte erinnern: \u201eSollte ich nicht Mitleid haben?\u201c Gott hatte Mitleid mit Ninive und begegnete selbst dem zornigen Jona mit Geduld und Liebe. Ich m\u00f6chte Gottes Herz besser verstehen und andere Menschen mit seinen barmherzigen Augen sehen lernen. M\u00f6ge Gott uns allen helfen, nicht nur auf unserem eigenen Recht zu bestehen, sondern sein Herz besser kennenzulernen und seine Liebe und Barmherzigkeit in unserem Leben weiterzugeben. Amen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Sollte ich nicht Mitleid haben mit Ninive? \u201eUnd der HERR sprach: Dich jammert der Rizinus, um den du dich nicht gem\u00fcht hast, hast ihn auch nicht aufgezogen, der in einer Nacht ward und in einer Nacht verdarb,\u2002und mich sollte nicht jammern Ninive, eine so gro\u00dfe Stadt, in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[55,4],"tags":[],"class_list":["post-14293","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-jona","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14293","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14293"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14293\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14296,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14293\/revisions\/14296"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14293"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14293"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14293"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}