{"id":14184,"date":"2026-09-13T11:00:34","date_gmt":"2026-09-13T09:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=14184"},"modified":"2026-09-20T09:22:59","modified_gmt":"2026-09-20T07:22:59","slug":"predigt-kolosser-31-17-schulanfang-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-kolosser-31-17-schulanfang-2026\/","title":{"rendered":"Predigt: Kolosser 3,1-17 (Schulanfang 2026)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Kolosser-31-17-Schulanfang-2026-Predigt.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Kolosser-31-17-Schulanfang-2026-Predigt.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/kolosser\/3\/1-17?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">So bin ich eben? Alte Reflexe, neues Leben<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eund den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Kolosser 3,10)<\/p>\n<p>Stell dir vor, du willst morgens p\u00fcnktlich los zur Schule. Jemand sucht noch einen Schuh. Das Heft liegt nicht in der Schultasche. Du hast schon zweimal gesagt, dass ihr gehen m\u00fcsst. Beim dritten Mal wirst du laut. Und dann: Stille. Du siehst das Gesicht vor dir. Und du wei\u00dft sofort: Ouh, das war zu viel. Eigentlich k\u00f6nntest du sagen: \u201eSorry, das war zu viel. Tut mir leid.\u201c Aber w\u00e4hrend du noch siehst, was deine Worte angerichtet haben, l\u00e4uft in deinem Kopf schon die Verteidigung: Ich habe es doch mehrmals gesagt. Irgendwann muss es doch mal gut sein. Wenn die anderen endlich h\u00f6ren w\u00fcrden, m\u00fcsste ich nicht so reagieren. Vielleicht kennst du diesen Moment, in dem du l\u00e4ngst merkst, dass du jemanden verletzt hast, und trotzdem mit aller Kraft nach einem Grund suchst, warum eigentlich der andere schuld ist.<br \/>\nJetzt beginnt ein neues Schuljahr. Neue B\u00fccher, ein neuer Stundenplan, f\u00fcr manche eine ganz neue Klasse. Vielleicht hast du dir vorgenommen, ruhiger zu bleiben, fr\u00fcher anzufangen und dich nicht mehr so schnell provozieren zu lassen. Und dann denkst du ans letzte Mal: dieselben Vors\u00e4tze, ein paar Tage sp\u00e4ter dieselbe Situation. Wieder gescheitert. Kinder kennen das, Jugendliche kennen das, und wir Erwachsenen haben darin oft schon ziemlich viel \u00dcbung. Irgendwann trauen wir unseren eigenen Vors\u00e4tzen nicht mehr und sagen: \u201eSo bin ich eben.\u201c<br \/>\nIn unserem heutigen Text schreibt Paulus an Menschen, denen Gott durch Jesus neues Leben geschenkt hat. Sie geh\u00f6ren jetzt zu ihm, aber streiten, l\u00fcgen und verletzen einander trotzdem noch. Gott hat mit ihnen angefangen und gibt sie nicht auf. Darum geht es heute: Den Blick auf Jesus richten. Das alte Selbst ablegen. Das neue Selbst anziehen.<\/p>\n<p><strong>1. Den Blick auf Jesus richten<\/strong><br \/>\nPaulus beginnt mit einer Erinnerung: \u201eSeid ihr nun mit Christus auferweckt, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.\u201c (1) In anderen Worten: Jesus hat den Tod \u00fcberwunden, und weil ihr zu ihm geh\u00f6rt, hat auch f\u00fcr euch ein neues Leben begonnen. Bevor Paulus Ver\u00e4nderung fordert, erinnert er die Gemeinde daran, was Gott ihr bereits geschenkt hat.<br \/>\nAus unserem Alltag kennen wir oft die umgekehrte Reihenfolge: Streng dich an. Leist etwas. Zeig, was du kannst. Dann bist du jemand. Dann sitzt du vor einer schlechten Klassenarbeit. Auf dem Blatt steht eine dicke rote Note, aber du liest darin etwas \u00fcber dich selbst: Ich kriege es einfach nicht hin. Die anderen k\u00f6nnen das. Ich nicht.<br \/>\nAuch vor Gott versuchen wir, unseren Wert zu beweisen. Wir tun Gutes, wirken in der Gemeinde mit und hoffen, dass wir irgendwann genug vorweisen k\u00f6nnen, damit er uns annimmt. Aber wann w\u00e4re das? Wenn du eine Woche lang geduldig geblieben bist? Und was passiert am achten Tag?<br \/>\nJesus kennt uns bis in die Gedanken hinein, die wir bewusst vor anderen verstecken, und ist trotzdem f\u00fcr uns ans Kreuz gegangen. Er hat f\u00fcr uns das Leben gef\u00fchrt, an dem wir t\u00e4glich scheitern: voller Liebe zu den Menschen und in vollkommener Treue zu Gott. Er hat unsere Schuld getragen und ist von den Toten auferstanden, um uns neues Leben zu schenken. Wir k\u00f6nnen ihm nichts vorlegen, womit wir uns dieses Leben verdienen w\u00fcrden. Er schenkt es uns. Das ist das Evangelium, die gute Nachricht von Jesus. Wenn du Jesus vertraust, gilt das auch f\u00fcr dich: Du geh\u00f6rst zu Gott, weil Jesus dich angenommen hat. Du ver\u00e4nderst dich nicht, damit Jesus dich annimmt. Weil Jesus dich angenommen hat, kannst du dich ver\u00e4ndern. Du kannst eine schlechte Klassenarbeit nach Hause bringen, ohne dass Gott seine Liebe zu dir zur\u00fccknimmt. Wenn du etwas nicht verstanden hast, darfst du nachfragen und Hilfe annehmen, obwohl du lieber derjenige w\u00e4rst, der schon alles kann. Das hei\u00dft nicht, dass uns alles egal sein soll. Als Christen d\u00fcrfen wir unser Bestes geben: in der Schule, im Studium, im Beruf. Flei\u00df und Erfolg sind gro\u00dfartig! Aber sie sind nicht dein Retter. Deinen Erfolg darfst du als Geschenk Gottes feiern. Und wenn du scheiterst, f\u00e4llst du nicht tiefer als in seine H\u00e4nde. Vor ihm musst du keinen besseren Sch\u00fcler spielen, als du bist. Deshalb fordert Paulus uns auf: \u201eTrachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist.\u201c (2) Mit \u201edroben\u201c verweist er auf Jesus, der bei Gott herrscht. Das beten wir jede Woche im Apostolischen Glaubensbekenntnis. Sich nach ihm zu richten, hei\u00dft deshalb auch: Ich frage mich zu Hause, in der Schule oder im Job, was jetzt zu ihm passt. Gerade dann, wenn ich entscheiden muss, ob mir mein guter Ruf wichtiger ist oder der Mensch, den ich verletzt habe.<br \/>\nPaulus schreibt weiter: \u201eDenn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott.\u201c (3) Einfach gesagt: Ihr geh\u00f6rt zu Jesus. Das alte Ich, das sich st\u00e4ndig beweisen und verteidigen muss, ist mit ihm am Kreuz gestorben. Es hat nicht mehr das Sagen. Eure Schuld und euer bisheriges Leben bestimmen nicht mehr, wer ihr seid. Noch sehen wir nicht vollst\u00e4ndig, was Gott uns geschenkt hat. Aber Vers 4 verspricht: Wenn Jesus wiederkommt, wird auch an uns sichtbar, dass wir zu ihm geh\u00f6ren und seine Herrlichkeit teilen. Was du heute an dir siehst, ist also noch nicht alles. Und Gott wartet nicht einfach ab, ob du dich nun endlich besser anstellst. In Philipper 2, Vers 13 schreibt Paulus: \u201eDenn Gott ist\u2019s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.\u201c<br \/>\nUnd in den letzten Wochen haben wir im Galaterbrief gesehen: Diese Ver\u00e4nderung bewirkt der Heilige Geist. Gott weckt in uns den Wunsch, anders zu leben, und hilft uns, Schritte zu gehen, vor denen wir bisher Angst hatten. Wenn wir ihn um Hilfe bitten, auf sein Wort h\u00f6ren und uns von anderen zurechtbringen lassen, sind wir nicht nur Zuschauer. Wir m\u00fcssen selbst hingehen, zuh\u00f6ren und die Entschuldigung aussprechen.<br \/>\nAls ich noch zur Schule ging, habe ich einen verletzenden Spruch \u00fcber einen Mitsch\u00fcler gesagt und ihn dabei ziemlich gut nachge\u00e4fft. Die anderen haben gelacht, und f\u00fcr einen Moment hatte ich genau das, was ich wollte: ihre Aufmerksamkeit. Aber mit meinem Gesp\u00fcr f\u00fcr die Stimmung, auf Koreanisch \u201eNunchi\u201c, merkte ich auch, dass ich ihn emotional verletzt hatte. Meine erste Ausrede war schnell da: War doch jetzt nur Spa\u00df. Chill jetzt. Und sobald ich daran dachte, meinen Fehler zuzugeben, schob sich die n\u00e4chste hinterher: Die anderen machen das doch auch. Warum sollte ausgerechnet ich mich entschuldigen? Obwohl ich wusste, dass mein Spruch verletzend gewesen war, suchte ich weiter nach einer Erkl\u00e4rung, mit der ich gut aus der Sache herauskommen w\u00fcrde. Wenn ich ehrlich gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte ich zugeben m\u00fcssen: Ich wollte auf seine Kosten cool sein. Genau das wollte ich nicht zugeben.<\/p>\n<p><strong>2. Das alte Selbst ablegen<\/strong><br \/>\nSolange ich mich innerlich so verteidige, halte ich meinen eigenen Fehler bequem auf Abstand. Ich kann stundenlang dar\u00fcber diskutieren, wie sich die anderen benehmen, wie \u00fcberempfindlich jemand reagiert oder dass Leute einfach keinen Spa\u00df verstehen. F\u00fcr meinen Spruch hatte ich l\u00e4ngst genug Erkl\u00e4rungen gefunden. Hierzu sagt Vers 8: \u201eNun aber legt auch ihr das alles ab: Zorn, Grimm, Bosheit, L\u00e4sterung, schandbare Worte aus eurem Munde;\u201c Solche Worte sind oft unser Alltag: der Ton, mit dem wir zu Hause jemanden anfahren. Der Kommentar, mit dem wir einen Kollegen vor den anderen blo\u00dfstellen. Der Witz, \u00fcber den alle lachen k\u00f6nnen, solange sie selbst nicht gemeint sind. F\u00fcr uns selbst finden wir schnell eine Erkl\u00e4rung. Wenn der andere ausrastet: sein Aggressionsproblem. Wenn ich ausraste: Mein anstrengender Tag. Wer ersch\u00f6pft ist oder unter Druck steht, braucht Entlastung und Hilfe. Trotzdem gilt auch nach einem langen Tag: Meine Worte bleiben meine Worte. Genau wie mein Spruch \u00fcber den Mitsch\u00fcler mein Spruch blieb, egal wie cool ich mich in dem Moment f\u00fchlte. Der andere tr\u00e4gt die Verletzung auch dann, wenn ich meinen Zorn erkl\u00e4ren kann. Nicht jede Wut ist b\u00f6se. \u00dcber Unrecht d\u00fcrfen wir zornig werden. Aber wenn ich andere einsch\u00fcchtere und verletze, muss ich daf\u00fcr Verantwortung \u00fcbernehmen, auch wenn ich mich v\u00f6llig im Recht f\u00fchle. L\u00e4stern geht inzwischen auch ganz leise: \u00fcber WhatsApp, Snapchat, Discord, you name it. Du m\u00f6chtest nicht mehr \u00fcber einen Menschen herziehen, aber sobald sein Name auftaucht, liest du mit. Du siehst einen Screenshot und den ersten Kommentare. Einer ist schon ziemlich lustig und trifft auch zu, und w\u00e4hrend die Nachrichten auflaufen, dr\u00fcckst du auf den lachenden Emoji. Du hast kein Wort geschrieben. Am n\u00e4chsten Tag \u00f6ffnest du den Chat wieder, sobald etwas aufleuchtet. Jetzt willst du wissen, was es Neues \u00fcber ihn gibt. Der Vorsatz, nicht mehr mitzumachen, steht noch. Dein Finger ist schon auf dem Display. Du kannst den Chat stummschalten, den n\u00e4chsten Screenshot nicht weiterleiten und schreiben, dass du bei den abwertenden Kommentaren nicht mehr mitmachst. Das kann sich maximal uncool anf\u00fchlen, ist aber konsequent.<br \/>\nN\u00e4chste Szene: Du schaust kurz aufs Handy. Eigentlich war dein Tag okay. Dann die Story in Instagram. Urlaub. Sonne. Alle lachen. Schon wieder unterwegs? Wie k\u00f6nnen die sich das leisten?Eben hast du dich noch aufs Wochenende gefreut. Jetzt schaust du dich zu Hause um: Bei uns bleibt alles liegen. Die kriegen ihr Leben hin. Wir nicht. Und schon suchst du nach dem Haken: Die haben doch blo\u00df Gl\u00fcck gehabt. So toll sind die nun auch wieder nicht. Du legst das Handy weg. An deinem Tag hat sich nichts ge\u00e4ndert. Aber er f\u00fchlt sich pl\u00f6tzlich schlechter an. Der Kollege wird bef\u00f6rdert. \u201eWarum der und nicht ich? So gut ist der doch gar nicht.\u201c Das ist Neid. Und darunter sitzt dieser Gedanke: Wenn ich das h\u00e4tte, wenn ich so leben k\u00f6nnte, dann w\u00e4re ich endlich jemand. Aber wann w\u00e4re es genug?Paulus nennt dieses uners\u00e4ttliche Habenwollen Habsucht und G\u00f6tzendienst. Mein Besitz soll mir Sicherheit und Wert geben. Er bekommt den Platz, der eigentlich Gott geh\u00f6rt. Doch es bleibt nicht in meinem Kopf. So bekommt der Kollege meine abf\u00e4llige Bemerkung ab. Der Mensch aus dem Chat h\u00f6rt, wie wir \u00fcber ihn lachen. \u201eSo bin ich eben\u201c l\u00e4sst den anderen mit der Verletzung allein. Paulus schreibt in Vers 6: \u201eUm solcher Dinge willen kommt der Zorn Gottes \u00fcber die Kinder des Ungehorsams.\u201c Gott nennt das nicht harmlos. Er zieht Menschen zur Rechenschaft, die sich seinem Willen widersetzen. Genau diese Schuld hat Jesus am Kreuz getragen. Er hat das Gericht auf sich genommen, das wir verdient haben. Darum finden wir bei ihm Gnade. Und jetzt h\u00f6rt, was Paulus in den Versen 9 und 10 \u00fcber uns sagt: \u201edenn ihr habt den alten Menschen mit seinen Werken ausgezogen und den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat.\u201c Du hast den neuen Menschen bereits angezogen. Und du wirst weiter erneuert. Morgen sitzt du vielleicht wieder neben diesem Kollegen. Du musst nicht erst warten, bis du nur noch gute Gedanken \u00fcber ihn hast. Du kannst aufh\u00f6ren, nach seinem n\u00e4chsten Fehler zu suchen, und ihm zuh\u00f6ren. Sag Gott: \u201eIch habe ihn kleingemacht, um selbst gut dazustehen.\u201c Ohne noch ein \u201eAber er hat doch auch &#8230;\u201c hinterherzuschieben. Er kennt deine Schuld und vergibt dir. Bitte jemanden, mit dir zu beten und nachzufragen, statt wieder mit \u201eBei mir ist alles bestens\u201c auszuweichen.<br \/>\nUnd das Handy? Entfolge dem Kanal, der dich immer wieder in diesen Vergleich zieht. Schau auf das, was Jesus dir l\u00e4ngst geschenkt hat: Vergebung, Zugeh\u00f6rigkeit, Hoffnung. Danke ihm f\u00fcr den Menschen, der dir zugeh\u00f6rt hat. Was kannst du selbst weitergeben? Du teilst, weil dir klar wird, wie krass du selbst beschenkt bist. Was ist die eine Sache, die du dir immer wieder sch\u00f6nredest und die du heute vor Gott beim Namen nennen willst?<\/p>\n<p><strong>3. Das neue Selbst anziehen<\/strong><br \/>\nDieser Schritt kostet \u00dcberwindung. Genau an diesem Punkt stand ich damals auch. Als ich \u00fcber meinen Mitsch\u00fcler und meinen Spruch nachdachte, musste ich mir endlich eingestehen, was ich so gern wegschieben wollte: Ich hatte ihn verletzt, nur um selbst gut dazustehen. Und Jesus hatte genau diese Schuld am Kreuz getragen. Ich durfte auf seine Vergebung vertrauen, ohne noch schnell eine letzte Erkl\u00e4rung hinterherzuschieben, warum mein Verhalten doch irgendwie verst\u00e4ndlich war.<br \/>\nAls ich zu meinem Mitsch\u00fcler ging, klopfte mein Herz. Was w\u00fcrde er sagen? W\u00fcrde er mir \u00fcberhaupt glauben? Ich konnte mir noch so viele Szenarien ausmalen. Am Ende musste ich vor ihm stehen, ohne seine Reaktion kontrollieren zu k\u00f6nnen. Ich sagte ihm, dass mein Spruch verletzend und komplett daneben war und dass es mir leid tut. Ich bat ihn um Vergebung. Danach muss ich aushalten, was der andere zu sagen hat, auch wenn ich am liebsten gleich wieder etwas richtigstellen w\u00fcrde.<br \/>\nAber was, wenn ich das Opfer war? Wenn mir jemand Dinge an den Kopf geworfen hat? Wenn ich am n\u00e4chsten Tag noch daran knabbere, w\u00e4hrend der andere schon wieder ganz normal auf mich zukommt? Dann hilft uns dieser Vers: \u201ewie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!\u201c (13) Jesus hat unsere Schuld vergeben und sie dabei absolut ernst genommen. Wenn ich aus dieser Vergebung heraus lebe, lerne ich, jemanden nicht f\u00fcr immer auf seinen schlimmsten Moment festzunageln. Ich muss ihm nicht bei jeder passenden Gelegenheit das zur\u00fcckzahlen, was er mir angetan hat.<br \/>\nBei tiefen Wunden kann das ein langer Weg sein. Du merkst immer wieder, wie sehr es noch schmerzt, obwohl du eigentlich vergeben willst. Diesen Schmerz musst du nicht herunterspielen. Vergebung, neues Vertrauen und echte Vers\u00f6hnung sind kein Paket, das immer gleichzeitig geliefert wird. Manchmal kommen die in Teillieferungen. Genau das muss auch der checken, der um Vergebung bittet. Mein Mitsch\u00fcler war mir keine sofortige Freundschaft schuldig. Auch dann nicht, als ich mich endlich \u00fcberwunden hatte. Ich konnte Verantwortung \u00fcbernehmen. Aber ich konnte ihm nicht vorschreiben, wann er mir wieder vertrauen sollte. Denn sonst w\u00e4re es schon wieder nur darum gegangen, dass ich mich besser f\u00fchle. Dem anderen Zeit lassen. Zuh\u00f6ren, auch wenn die Antwort vielleicht unbequem wird. Das ist die Liebe, von der Paulus hier spricht: \u201e\u00dcber alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.\u201c (14)<br \/>\nStell dir vor, jemand sitzt dir gegen\u00fcber und erz\u00e4hlt von seinem Fehler. Mitten im Satz stockt er, schaut weg und sagt: \u201eDu denkst jetzt bestimmt auch, dass ich das nie lerne.\u201c Du hast schon einen Ratschlag im Kopf. Aber du l\u00e4sst ihn ausreden. Er erz\u00e4hlt, was er getan hat, und wartet auf dein Urteil. Du redest seine Schuld nicht klein. Aber irgendwann sagst du: \u201eJesus wusste das l\u00e4ngst. Und trotzdem hat er dich nicht fallen gelassen.\u201c Ihr betet zusammen und \u00fcberlegt, wie er das Gespr\u00e4ch mit dem Menschen anfangen kann, den er verletzt hat.<br \/>\nUnd vielleicht sitzt du morgen auf dem anderen Stuhl. Du f\u00e4ngst einen Satz an, brichst ab und \u00fcberlegst, ob du den Rest wirklich sagen willst. Wer h\u00f6rt dir dann zu, ohne deine Schuld kleinzureden oder dich darauf festzulegen? Bei wem musst du nicht so tun, als h\u00e4ttest du deine alten Reflexe l\u00e4ngst im Griff? F\u00fcr Paulus sind wir ein Leib. Der andere ist kein Gegner, den ich im Streit besiegen muss. Wir geh\u00f6ren beide zu Jesus. Sein Friede soll auch dann unseren Umgang bestimmen, wenn ich lieber zur\u00fcckschie\u00dfen w\u00fcrde.<br \/>\nIch h\u00f6re auch dem zu, der kaum die richtigen Worte findet. Mein Abschluss und mein Kontostand geben mir bei Gott keinen besseren Platz. Und wenn mir jemand sagt: \u201eDer Spruch eben war daneben\u201c, darf ich zuh\u00f6ren, statt mich beleidigt zur\u00fcckzuziehen.<br \/>\n\u201eLasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen\u201c, schreibt Paulus in Vers 16. Die Message von Jesus soll bei uns einziehen und zu Hause sein. Das ist wie nach einem Umzug: Die Kartons stehen noch im Weg, und du greifst automatisch dorthin, wo in der alten Wohnung der Lichtschalter war. Du wohnst schon in der neuen Wohnung, aber die alten Reflexe sitzen noch. Wer kennt dich so gut, dass er nach deinem \u201eAlles bestens\u201c noch einmal nachfragt? Wenn ihr in einem Team zusammenarbeitet, in einer Bibelgruppe zusammensitzt und euren Alltag teilt, k\u00f6nnt ihr solche Menschen f\u00fcreinander werden. Genau daf\u00fcr gibt es die Kinderstunde, Joynity und Manna. Ich bete deshalb daf\u00fcr, dass diese und die kommenden Generationen hier miteinander \u00fcben k\u00f6nnen, was es im echten Leben hei\u00dft, Jesus nachzufolgen.<br \/>\nUnd wir singen, wie vorhin. Mit Worshipliedern danken wir Gott. Manchmal stehst du einfach da, dir fehlen komplett die Worte, und dann h\u00f6rst du aus dem Mund der anderen genau die Hoffnung, die du selbst gerade brauchst. Ich kenne solche Momente: In einer meiner dunkelsten Stunden, als ich selbst keine Zukunft mehr gesehen habe und mir jede Lebenslust gefehlt hat, waren da ein paar Kollegen aus dem A-cappella-Chor. Die mit voller Inbrunst gesungen hatten: \u201eBecause He lives, I can face tomorrow. Because He lives, all fear is gone.\u201c Weil Jesus lebt, gibt es ein Morgen. Weil Jesus lebt, muss die Angst nicht das letzte Wort haben. Und in diesem Moment waren das f\u00fcr mich nicht einfach nur Lyrics aus einem Lied. Diese Worte gaben mir Hoffnung. Und das ist auch Gemeinde: Manchmal hast du selbst keine Worte mehr, dann singt jemand anderes f\u00fcr dich mit. Du h\u00f6rst dann Hoffnung, bevor du sie selbst wieder f\u00fchlen kannst. Und diese Hoffnung bleibt nicht im Worship. Sie geht mit dir raus. Nach Hause. In die Schule. An den Arbeitsplatz oder auch schon in das n\u00e4chste Gespr\u00e4ch. Genau da setzt Paulus an: \u201eUnd alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.\u201c (17) Also nicht nur das, was wir hier singen. Sondern auch das, was wir morgen sagen. Wie wir reagieren. Wie wir miteinander umgehen. Wenn du zu Hause erst zuh\u00f6rst, bevor du zur\u00fcckschie\u00dft, lebst du als jemand, der zu Jesus geh\u00f6rt. Welcher Mensch soll in dieser Woche genau diese Geduld oder Freundlichkeit bei dir erleben?<\/p>\n<p><strong>Schluss<\/strong><br \/>\nVielleicht hast du jetzt ein konkretes Gesicht vor Augen, oder dir ist eine Sache eingefallen, die du schon viel zu lange sch\u00f6nredest. Bitte Gott um Mut f\u00fcr den n\u00e4chsten Schritt. Vielleicht steht ein Gespr\u00e4ch an. Vielleicht brauchst du jemanden, der dich dabei begleitet.<br \/>\nMorgen fr\u00fch wird es wahrscheinlich wieder hektisch. Der Schuh ist weg. Das Heft fehlt. Die Uhr tickt. Und du merkst vielleicht schon wieder, wie es in dir hochkommt. Dann kannst du kurz innehalten, bevor du laut wirst. Und wenn die Worte doch wieder fliegen, kannst du stehen bleiben. Den anderen ansehen. Und aussprechen, was so verdammt schwerf\u00e4llt: \u201eEs tut mir leid.\u201c<br \/>\nWenn du Jesus vertraust und trotzdem weiter mit alten Reflexen k\u00e4mpfst, dann komm damit zu ihm. Langsames Wachstum bedeutet nicht, dass seine Gnade irgendwann aufgebraucht ist. Er hat dir neues Leben geschenkt. Und er arbeitet weiter an dir. Lass dir helfen.<br \/>\nVielleicht wei\u00dft du schon einiges \u00fcber Jesus, hast ihm dein Leben aber noch nie anvertraut. Dann darfst du heute damit anfangen. Sag ihm ehrlich, wo du schuldig geworden bist. Sag ihm, dass du dich nicht selbst retten kannst. Vertrau darauf, dass Jesus f\u00fcr deine Schuld gestorben und auferstanden ist. Und bitte ihn, dein Leben zu f\u00fchren.<br \/>\nLasst uns beten: Vater, danke f\u00fcr das neue Leben, das du uns durch Jesus schenkst. Danke, dass wir uns deine Liebe nicht erarbeiten m\u00fcssen und mit allem zu dir kommen d\u00fcrfen, was wir vor anderen verstecken. Richte unseren Blick auf Jesus. Hilf uns durch deinen Heiligen Geist, unsere Ausreden fallen zu lassen, unsere Schuld ehrlich zu bekennen und alte Reflexe abzulegen. Gib uns Mut, um Vergebung zu bitten, und begleite die Menschen, deren Verletzungen noch tief sitzen. Bring uns bei, zuzuh\u00f6ren, geduldig zu sein und den anderen ernst zu nehmen, auch wenn uns das etwas kostet.<br \/>\nSei bei unseren Kindern und Jugendlichen, ihren Familien und Lehrern in diesem neuen Schuljahr. Gib ihnen Mut und Vertrauen auf dich. Lass in Joynity eine Community wachsen, in der diese und kommende Generationen zusammen trainieren, was es hei\u00dft, dir nachzufolgen. St\u00e4rke alle, die dir heute ihr Leben anvertrauen, und hilf uns, mit jedem R\u00fcckschlag wieder zu dir zu kommen und aus deiner Gnade zu leben. In Jesu Namen. Amen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; So bin ich eben? Alte Reflexe, neues Leben \u201eund den neuen angezogen, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat.\u201c (Kolosser 3,10) Stell dir vor, du willst morgens p\u00fcnktlich los zur Schule. Jemand sucht noch einen Schuh. Das Heft liegt nicht in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":"","_members_access_role":[],"_members_access_error":""},"categories":[39,4,52],"tags":[],"class_list":["post-14184","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kolosser","category-predigt","category-schulanfang"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14184","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14184"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14184\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14189,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14184\/revisions\/14189"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14184"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14184"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14184"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}