{"id":14140,"date":"2026-08-02T11:00:11","date_gmt":"2026-08-02T09:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=14140"},"modified":"2026-08-27T09:21:27","modified_gmt":"2026-08-27T07:21:27","slug":"predigt-galater-48-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-galater-48-20\/","title":{"rendered":"Predigt: Galater 4,8-20"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Galaterbrief-Lektion-8_408-420_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Galaterbrief-Lektion-8_408-420_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/galater\/4\/8-20?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Das Evangelium und das Menschsein<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eWie aber k\u00f6nnt ihr jetzt, da ihr Gott erkannt habt, mehr noch von Gott erkannt worden seid, wieder zu den schwachen und armseligen Elementarm\u00e4chten zur\u00fcckkehren? Warum wollt ihr von Neuem ihre Sklaven werden?\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Galater 4,9)<\/p>\n<p>Was bedeutet es Mensch zu sein? Weil wir im Zeitalter der KI leben, stellt sich diese Frage besonders: Wenn KI besser und eloquenter sprechen und schreiben kann, besser rechnen kann, praktisch alle meine Arbeiten schneller und effizienter verrichten kann, was bedeutet es Mensch zu sein? In dem Film Terminator 2 ist der T-800 eine gef\u00fchllose Killermaschine. Durch die Interaktion mit dem Jungen John Connor lernt diese Maschine am Ende, dass menschliches Leben wertvoll ist. Der T-800 opfert sich, um die Menschen zu sch\u00fctzen. Mensch zu sein bedeutet laut diesem Film, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, hoffentlich zum Wohle der Menschheit. Was bedeutet es Mensch zu sein? Ich wei\u00df, dass das eine dieser monumentalen philosophischen Fragen ist, die man aus vielen verschiedenen Perspektiven beleuchten kann.<br \/>\nVielleicht fragt ihr euch an dieser Stelle, was das mit dem heutigen Text zu tun hat. Wir haben gesagt, dass das Evangelium die frohe Botschaft ist, dass Gott uns durch das, was er in Jesus Christus vollbracht hat, rettet. Aufgrund von dem heutigen Text w\u00fcrde ich gerne argumentieren, dass das Evangelium definiert, was es bedeutet, Mensch zu sein. Nicht nur das, das Evangelium schenkt uns die Ressourcen, so zu leben wie wir es als Menschen sollten. Was hei\u00dft das also?<br \/>\nDas Evangelium schenkt uns erstens Freiheit, zweitens damit wir andere lieben k\u00f6nnen, drittens, weil wir selbst unendlich geliebt wurden.<\/p>\n<p><strong>1. Das Evangelium schenkt uns Freiheit<\/strong><br \/>\nIn Vers 8 schreibt Paulus den Galater-Christen: \u201eDoch einst, als ihr Gott noch nicht kanntet, wart ihr Sklaven der G\u00f6tter, die in Wirklichkeit keine sind.\u201c In Vers 9 stellt Paulus zwei rhetorische Fragen: \u201eWie aber k\u00f6nnt ihr jetzt, da ihr Gott erkannt habt, mehr noch von Gott erkannt worden seid, wieder zu den schwachen und armseligen Elementarm\u00e4chten zur\u00fcckkehren? Warum wollt ihr von Neuem ihre Sklaven werden?\u201c Unser Text schlie\u00dft an dem an, was R. letzte Woche gepredigt hatte: Wir waren Sklaven der Elementarm\u00e4chte dieser Welt. Was ist damit gemeint? Die alten Griechen glaubten, dass es vier Hauptelemente gibt: Luft, Erde, Feuer und Wasser. Hinter all diesen Elementen wurden verschiedene Gottheiten vermutet: Zeus regierte den Himmel, Poseidon die Meere, Hades den Untergrund, Apollo war der Gott der Sonne, Aphrodite war die G\u00f6ttin der Liebe, Hephaestus der Gott des Feuers und der Schmiede usw. Bevor die Galater Christen wurden, hatten sie sprichw\u00f6rtlich diesen Gottheiten gedient. Viele von ihnen hatten in den Tempeln dieser G\u00f6tter Opfer gebracht und an deren Feste teilgenommen. Sie waren Sklaven dieser G\u00f6tter gewesen. Das ist es vermutlich, was die Galater verstanden, wenn Paulus von Elementarm\u00e4chten redete.<br \/>\nWir glauben heute nicht mehr an Zeus und Apollo. Aber wir alle kennen den Spruch \u201eGeld regiert die Welt.\u201c Und wir alle wissen, dass an diesem Spruch sehr viel Wahres dran ist. Geld ist eine unheimlich starke Macht. Wir wissen auch, dass Sex eine immense Anziehungskraft auf Menschen aus\u00fcbt genauso wie politische Macht. Was meine ich damit, wenn ich sage, dass die Anziehungskraft unheimlich stark ist? Geld ist nicht einfach nur Geld. Wir finden Geld nicht einfach nur praktisch und n\u00fctzlich. Geld ist f\u00fcr viele nicht einfach ein Mittel oder ein Werkzeug, das man benutzt. Wir sind immer in der Gefahr, seinem Reiz zu erliegen; wir sind in Gefahr, uns vom Geld benutzen zu lassen; alles daf\u00fcr zu tun, um mehr davon zu bekommen; wir sind sprichw\u00f6rtlich bereit, uns daf\u00fcr versklaven zu lassen. Wenn Jesus \u00fcber die Gefahr der Geldgier spricht, dann spricht er nicht einfach nur von Geld. Er sagt, dass wir nicht zwei Herren dienen k\u00f6nnen, Gott und dem Mammon. Jesus personifiziert das Geld. Das Geld ist ein Herr. Das Geld ist ein G\u00f6tze. Hinter dem Geld stehen geistliche M\u00e4chte, gefallene Engel und D\u00e4monen, die diese Welt regieren. Man k\u00f6nnte \u00e4hnliche Argumente zu Sex und Macht anbringen.<br \/>\nSpurgeon sagte, dass wir alle etwas dienen. Jeder von uns steht im Dienst von etwas: S\u00fcnde, Selbst, Satan oder aber Jesus. Was bedeutet das f\u00fcr unser Menschsein? In dem animierten Film \u201eFindet Nemo\u201c wird ein kleiner Clownfisch aus dem Meer entf\u00fchrt und landet in Sydney in einem kleinen Aquarium in einer Zahnarztpraxis. Manche der Fische in dem Aquarium stammen aus einer Zoohandlung. Sie haben ihr ganzes Leben in Gefangenschaft gelebt und kennen das Meer nicht. Der Anf\u00fchrer in diesem Aquarium ist ein Zebrafisch namens Gill, und er kommt aus den Weiten des Meeres. Immer und immer wieder versucht er aus dem Aquarium auszubrechen und zur\u00fcck ins Meer zu kommen. Nemo fragt ihn, wie viele Fluchtversuche er schon hinter sich hat. Seine Antwort: \u201eAch, ich hab\u2018 den \u00dcberblick verloren. Fische geh\u00f6ren nicht in eine Kiste, Kleiner. Das macht was mit einem.\u201c Keiner von den gefangenen Fischen ist normal: Einer der Fische hat Angst vor Bakterien, ein anderer hat eine ungesunde Beziehung zu Bl\u00e4schen, wieder eine andere f\u00fchrt Selbstgespr\u00e4che mit ihrem Spiegelbild.<br \/>\nWir Menschen wurden nicht dazu gemacht, unfrei zu sein und in Sklaverei zu leben. Mensch zu sein, bedeutet, frei zu sein. Und wenn wir nicht frei sind, verhalten wir uns unnat\u00fcrlich, verst\u00f6rend. Vielleicht f\u00fchlst du dich gar nicht so unfrei. Vielleicht bist du der Ansicht, dass du relativ unbek\u00fcmmert deine Entscheidungen treffen kannst, ohne Befangenheiten. Aber wisst ihr, Angst kann ein sehr guter Indikator sein. Ein Merkmal von Sklaven ist, dass Furcht ein ganz gro\u00dfer Antrieb und Motivator in ihrem elenden Dasein ist. Wovor haben wir Angst? Noch etwas spezifischer: Welche Arten von Verlust\u00e4ngsten haben wir? Woran h\u00e4ngen wir so sehr, dass der Gedanke es zu verlieren, uns Furcht einjagt?<br \/>\nIch gebe euch ein Beispiel. Immer wenn in einer Firma umstrukturiert wird und wenn Stellen abgebaut werden, ist die gro\u00dfe Frage, wer seinen Job beh\u00e4lt und wer gehen muss: Wer sind die Gewinner, und wer sind die Verlierer? Das macht etwas mit den Mitarbeitern. Angst und Furcht brechen aus. Es geht ganz konkret um die Angst davor, etwas zu verlieren, n\u00e4mlich die Stelle und damit verbunden Status, Stabilit\u00e4t, Sicherheit. Verbunden ist das vielleicht auch mit der Sorge, dass der Arbeitsmarkt im Moment sehr tr\u00fcbe aussieht, weil wir st\u00e4ndig in den Nachrichten h\u00f6ren, dass Stellen abgebaut werden. Verbunden ist das vielleicht auch mit der Sorge, dass wir uns zu alt f\u00fchlen, um wieder neu anzufangen, falls wir \u00fcberhaupt etwas finden.<br \/>\nWenn Menschen Angst haben, dann bringt das h\u00e4ufig das Schlimmste in uns hervor. Menschen k\u00f6nnen vorher noch so integer und korrekt erscheinen. In Drucksituationen werfen viele Menschen ethische Prinzipien \u00fcber Bord; sie fangen an, sich unmoralisch und r\u00fccksichtslos zu verhalten; sie fangen an, eiskalt zu l\u00fcgen; sie fangen an \u00fcber Leichen zu gehen; sie fangen an, Intrigen zu schmieden, um andere \u00fcber die Klinge springen zu lassen. Menschen, die Angst haben verlieren h\u00e4ufig jede Empathie und sind nur darauf aus, ihre eigene Haut zu retten. Es ist das Verhalten von Sklaven, von Menschen, die nicht frei sind. Vielleicht kennt ihr solche und \u00e4hnliche Situationen.<br \/>\nFrage an uns: Wovor hast du Angst und Furcht? Das, was du bef\u00fcrchtest zu verlieren, ist das, was dich versklavt.<\/p>\n<p><strong>2. Das Evangelium inspiriert uns zur Liebe<\/strong><br \/>\nIn den Versen 12\u201320 finden wir Worte von Paulus, die mit zum Pers\u00f6nlichsten geh\u00f6ren, was er jemals geschrieben hat. Besonders faszinierend ist die Tatsache, dass Tadel und z\u00e4rtliche, liebevolle Worte eng miteinander verwoben sind. Vers 12: \u201eWerdet wie ich, denn auch ich bin wie ihr geworden, ich bitte euch darum, Br\u00fcder und Schwestern. Kein Unrecht habt ihr mir getan.\u201c An verschiedenen anderen Stellen hatte Paulus seine Leser und Zuh\u00f6rer dazu aufgefordert, so zu werden wie er. Das an sich ist schon eine mutige Herausforderung. Wer von uns w\u00fcrde sich trauen, andere herauszufordern, so zu werden wie wir? Wir w\u00fcrden eher sagen: \u201eWerde bitte nicht so wie ich. Wiederhole nicht die gleichen Fehler, die ich gemacht habe.\u201c Was hier erstaunt, ist die Motivation von Paulus: Er bittet die Galater so zu werden wie er, weil, und hier ist das Staunenswerte, Paulus so geworden ist wie sie. Paulus hatte sich ihnen angepasst. Wann war das letzte Mal, dass wir bereit waren, so \u00fcber unseren eigenen Schatten zu springen, um zu werden wie andere?<br \/>\nIn den Verse 13 und 14 ist Paulus sehr transparent und offen: \u201eIhr wisst aber, dass ich euch in der Schwachheit des Fleisches das Evangelium damals verk\u00fcndet habe, ihr aber habt auf meine Schw\u00e4che, die f\u00fcr euch eine Versuchung war, nicht mit Verachtung und Abscheu geantwortet, sondern mich wie einen Engel Gottes aufgenommen, wie Christus Jesus.\u201c Paulus spricht \u00fcber seine Schwachheit des Fleisches. Wir wissen nicht, was damit gemeint ist. Es gibt verschiedene Vermutungen, was damit gemeint sein k\u00f6nnte, wie z.&nbsp;B. ein Augenleiden, weil Paulus in Vers 15 davon spricht, dass die Galater bereit gewesen w\u00e4ren, sich ihre Augen auszurei\u00dfen, um sie Paulus zur Verf\u00fcgung zu stellen. Was immer Paulus\u2018 Leiden auch war, es wird vermutlich dazu beigetragen haben, dass Paulus nicht attraktiv war. Paulus hatte vermutlich Deformit\u00e4ten, vielleicht auch eine Behinderung. Er erw\u00e4hnt, dass es eine Versuchung war, ihn zu verachten. Was hat das mit Liebe zu tun?<br \/>\nIn Markus 3 begegnen wir einem Mann in einer Synagoge, dessen Hand verk\u00fcmmert war. Jesus hatte die feste Absicht, diesen Mann zu heilen. Aber dazu tat Jesus zwei Dinge, die ihm extrem unangenehm gewesen sein mussten. Der Mann mit der Behinderung musste sich in die Mitte stellen, so dass er von allen gesehen wurde. Und dann befahl Jesus, dass er seine Hand ausstrecken sollte: die Hand, f\u00fcr die er sich zutiefst sch\u00e4mte. Aber indem er das, wof\u00fcr er sich sch\u00e4mte, mit den anderen teilte, erfuhr er Annahme und schlie\u00dflich Heilung. John Ortberg wurde durch diese Geschichte so inspiriert, dass seine Gemeinschaft \u201edie Gef\u00e4hrten der verk\u00fcmmerten Hand\u201c hei\u00dft. Und das ist es, was auch Paulus tut. Paulus teilte seine Gebrechen offen mit den Galatern. Warum? Weil es die Voraussetzung daf\u00fcr war, wie er mit ihnen eine echte, aufrichtige, unverf\u00e4lschte Beziehung aufbauen konnte. Es gab keinen anderen Weg. Das war der Weg der Liebe. Und es funktionierte. Paulus fand Annahme bei den Galatern. Er schreibt, dass sie ihn behandelt hatten, wie einen Engel Gottes, ja sogar wie Jesus Christus selbst.<br \/>\nIn den Versen 15 und 16 beklagt Paulus, dass diese enge Beziehung, die Paulus und die Gemeinde gehabt hatten, nun getr\u00fcbt war: \u201eWo also ist eure Seligpreisung? Ich bezeuge euch: w\u00e4re es m\u00f6glich gewesen, ihr h\u00e4ttet euch die Augen ausgerissen, um sie mir zu geben. Bin ich also euer Feind geworden, weil ihr euch die Wahrheit sage?\u201c Der Grund f\u00fcr die angeknackste Beziehung waren die falschen Lehrer. Verse 17 und 18: \u201eJene Leute eifern um euch nicht in guter Absicht; sie wollen euch abtr\u00fcnnig machen, damit ihr um sie eifert. Gut ist es, allezeit um das Gute zu eifern, und nicht nur, wenn ich bei euch bin.\u201c Die falschen Lehrer verfolgten durchaus einen Selbstzweck. Sie sollten in den Galater-Gemeinden ihre Lehren verbreiten, weil es ihnen nicht nur um die Sache ging, sondern auch um sich selbst. Sie wollten Lorbeeren einsammeln, sie wollten die Anerkennung von den Christen, den Einfluss, das Ansehen und die Autorit\u00e4t genie\u00dfen.<br \/>\nPaulus dr\u00fcckt seine Verzweiflung aus: \u201emeine Kinder, f\u00fcr die ich von Neuem Geburtswehen erleide, bis Christus in euch Gestalt annimmt. Ich wollte, ich k\u00f6nnte jetzt bei euch sein und in anderem Ton mit euch reden; denn ihr macht mich ratlos.\u201c Paulus nennt sie seine Kinder. Im Griechischen steht das Wort teknia, was sehr z\u00e4rtlich ist. Er sah sie wirklich als seine Kinder an mit allen Freuden, die dazu geh\u00f6ren wie auch mit allen Schmerzen. Paulus litt innerlich, weil er sich w\u00fcnschte, dass seine Kinder Jesus \u00e4hnlicher werden, ein Ziel, von dem seine Adressaten weit entfernt zu sein schienen. Am liebsten w\u00fcrde Paulus ihnen nicht diesen Brief schreiben. Am liebsten w\u00e4re er mitten unter ihnen und w\u00fcrde von Angesicht zu Angesicht mit ihnen sprechen.<br \/>\nNoch einmal, diese Verse von Paulus sind sehr bemerkenswert. Paulus h\u00e4tte den Galatern schreiben k\u00f6nnen: \u201eIhr aufgeblasenen Dumpfbacken, ihr habt euch so danebenbenommen, dass ich nichts mehr mit euch zu tun haben will. \u00dcbrigens, eure Worte haben mich \u00fcberhaupt nicht verletzt. Dann versucht doch mal, ein tolles Leben unter dem Gesetz zu f\u00fchren. Viel Spa\u00df damit. Wenn ihr dann so richtig auf die Nase gefallen seid, werdet ihr mich f\u00f6rmlich um Vergebung anbetteln.\u201c So eine Reaktion w\u00e4re verst\u00e4ndlich gewesen. So eine Reaktion ist menschlich. Ich w\u00fcrde so reagieren, wenn ich von anderen verletzt werde. Viele von euch vielleicht auch.<br \/>\nPaulus\u2018 Worte hingegen zeigen etwas ganz anderes. Paulus war so geworden wie sie, er hatte mutig seine Schw\u00e4chen und Gebrechen mit ihnen geteilt, er war ihnen emotional so sehr verbunden, dass ihre aktuelle Situation ihm echtes Leid verursachte. Alles das zeigt, wie sehr Paulus sie liebte. Paulus war kein Anf\u00e4nger in der Liebe. Die Art und Weise, wie er sie liebte, zeugt von Reife und Weisheit. Seine Liebe zu ihnen ist voller Emotionen zu sein, ohne sich auf Emotionen reduzieren zu lassen.<br \/>\nN.T. Wright schreibt in seinem Kommentar: \u201eDieser kurze Abschnitt steht also hier im Galaterbrief als Zeugnis f\u00fcr die Ehe zwischen Verstand und Herz in der Lehre und der Seelsorge, die zum Evangelium geh\u00f6ren. [\u2026] Paulus, einer der gr\u00f6\u00dften Theologen aller Zeiten, wusste, dass es vor allem darauf ankam, das Leben des Messias selbst in dieser Gemeinschaft zu gestalten \u2013 ein Leben, in dem es weder Juden noch Griechen gab. Er war entschlossen, dies mit allen ihm zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln deutlich zu machen. [\u2026] Er hatte sie daran erinnert, dass er nicht nur ein Gehirn mit einem Mund ist, sondern ein warmherziger Mensch, der einen vorrangigen Anspruch auf ihre Liebe und Treue hat.\u201c<\/p>\n<p><strong>3. Das Evangelium zeigt uns, wie sehr wir geliebt sind<\/strong><br \/>\nWir kehren noch einmal zu den Versen 9 und 10 zur\u00fcck. Zwei wesentliche Dinge m\u00fcssen wir hier verstehen. Die meisten Christen in den Galater Gemeinden waren vorher Heiden gewesen. Viele von ihnen hatten griechischen G\u00f6ttern gedient. Das klingt sehr religi\u00f6s, aber es war in der Regel ein sehr ausschweifendes Leben. Die Parallele zur heutigen Zeit w\u00e4ren vielleicht Sex, Drogen und Rock \u2019n\u2019 Roll. Paulus nennt das \u201eSklaverei unter armseligen Elementarm\u00e4chten\u201c. Sie waren unfrei gewesen. Die Galater waren durch das Evangelium befreit worden von diesen M\u00e4chten zu einem neuen Leben.<br \/>\nDie Galater-Christen bekommen jetzt Besuch von einflussreichen Lehrern, die behaupten, dass die Christen sich auch an das mosaische Gesetz halten m\u00fcssen. Sie sollen sich beschneiden lassen. Vers 10 sagt: \u201eWarum achtet ihr so \u00e4ngstlich auf Tage, Monate, bestimmte Zeiten und Jahre?\u201c Zus\u00e4tzlich zur Beschneidung sollten sie den Sabbat halten, die Neumondfeste und die wichtigen Jahresfeste feiern, alles das, was die Juden damals taten. Die falschen Lehrer wollten, dass sie frommer werden, in dem sie sich an das halten, was im Gesetz steht. Mit anderen Worten, die Galater Christen waren in den Augen der falschen Lehrer immer noch viel zu freiz\u00fcgig.<br \/>\nAn dieser Stelle m\u00fcssen wir jetzt richtig gut aufpassen. Paulus fragt in Vers 9, wie die Christen zu den schwachen und armseligen Elementarm\u00e4chten zur\u00fcckkehren konnten? \u201eWarum wollt ihr von Neuem ihre Sklaven werden?\u201c Haben wir die Nuance dessen verstanden? Das alte Leben der Galater war Ausschweifung. Das Leben der Galater unter den falschen Lehrern war Gehorsam und Gesetzeskonformit\u00e4t. Das heidnische Leben war unmoralisch; das Leben unter dem Gesetz unterlag h\u00f6chsten moralischen Anforderungen. Das heidnische Leben war ein Rausch; das Leben unter dem Gesetz war strikte Disziplin. D.&nbsp;h. \u00e4u\u00dferlich gesehen k\u00f6nnten die Lebensweisen nicht unterschiedlicher sein. Man k\u00f6nnte die berechtigte Frage stellen, ob es nicht tausendmal besser ist, religi\u00f6s dem Gesetz zu gehorchen als Drogenjunkie zu sein? Aber f\u00fcr Paulus war beides ein Leben unter armseligen Elementarm\u00e4chten. F\u00fcr Paulus war beides ein Leben in Sklaverei. F\u00fcr Paulus gab es zwei \u2013 oberfl\u00e4chlich gesehen \u2013 radikal unterschiedliche Art und Weisen vor die Hunde zu gehen: Entweder ein extrem unmoralisches Leben zu f\u00fchren oder aber ein sehr moralisches Leben zu f\u00fchren; entweder irreligi\u00f6s zu sein oder hyperreligi\u00f6s zu sein. Was ist dann die L\u00f6sung? Die L\u00f6sung ist nicht die goldene Mitte. Es ist etwas g\u00e4nzlich anderes.<br \/>\nIn Vers 9 schrieb Paulus, dass die Galater Gott erkannt hatten. Das hatten sie wirklich. Aber dann dreht Paulus das Ganze um und schreibt: \u201emehr noch, von Gott erkannt worden seid\u201c. Die Galater waren von Gott erkannt worden. Gott kannte sie. Der Kontrast konnte nicht gr\u00f6\u00dfer sein: Das, was Paulus die Elementarm\u00e4chte dieser Welt nennt, k\u00f6nnen uns nicht kennen. Am Ende des Tages ist Geld ein lebloser, toter G\u00f6tze. Geld kann uns nicht kennen. Aber Gott kann das.<br \/>\nWas bedeutet, gekannt zu werden? Wie wirkt sich das auf uns aus? Ich hatte vor etlichen Jahren an einer wissenschaftlichen Konferenz teilgenommen. Ein Harvard-Professor hatte dort einen Vortrag gehalten und nach seinem Vortrag ging ich mit einer Freundin auf ihn zu. Er sah mich und sagte: \u201eHallo H.\u201c Meine Bekannte sagte dann: \u201eWow&nbsp;\u2026 er kennt dich.\u201c Ich blieb ganz cool und sagte: \u201eYup.\u201c Aber innerlich dachte ich: \u201eEr kennt mich! Er wei\u00df, wie ich hei\u00dfe!\u201c Wir alle wollen erkannt und gekannt werden. Wir wollen aber nicht einfach nur von irgendjemanden erkannt werden. Wir wollen von jemanden erkannt werden, den wir selbst zutiefst respektieren; jemand, vor dem wir selbst h\u00f6chste Achtung haben; jemand, den wir anhimmeln.<br \/>\nWie wurden wir von Gott erkannt? Wir wurden von ihm erkannt, als das ewige Wort Gottes Fleisch geworden ist, um unter uns Menschen zu wohnen. Wir wurden von ihm erkannt, als er als vollkommener Mensch sein Leben unter uns gef\u00fchrt hat. Wir wurden von ihm erkannt, als er an uns vorbei gegangen ist und uns in unserer ganzen Misere und Depression gesehen hat, und zu uns gesagt hat: \u201eFolge mir nach!\u201c Wir wurden von ihm erkannt, als er uns anger\u00fchrt hat, um uns von unseren Gebrechen zu heilen. Wir wurden von ihm erkannt, als er f\u00fcr uns betete. Vor allem wurden wir von ihm erkannt, als er am Kreuz f\u00fcr uns starb. Jesu Tod am Kreuz war kein unpers\u00f6nliches Ereignis irgendwo weit weg in Pal\u00e4stina vor langer Zeit. Es ist ein sehr pers\u00f6nliches Ereignis, das direkt etwas mit uns zu hat. Albert Knapp hatte ein Lied \u00fcber Jesu Tod geschrieben. In der zweiten Strophe hei\u00dft es:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><em>Ewig soll Er mir vor Augen stehen,<\/em><br \/>\n<em>wie Er als ein stilles Lamm,<\/em><br \/>\n<em>dort so leidend und geschm\u00e4ht zu sehen,<\/em><br \/>\n<em>h\u00e4ngend an des Kreuzes Stamm;<\/em><br \/>\n<em>wie Er d\u00fcrstend rang um meine Seele,<\/em><br \/>\n<em>dass sie Ihm zu seinem Lohn nicht fehle,<\/em><br \/>\n<em>und dann auch an mich gedacht,<\/em><br \/>\n<em>als Er rief: Es ist vollbracht!<\/em><\/p>\n<p>Jesus hat an dich gedacht, als er rief \u201eEs ist vollbracht!\u201c Du bist von Gott erkannt, weil er seinen Sohn f\u00fcr dich geopfert hat. Gott hat seinen Sohn f\u00fcr dich sterben lassen, um dich zu retten. Diese Tatsache macht uns wirklich frei.<br \/>\nWas bedeutet es also Mensch zu sein? Das Evangelium sagt, dass Menschsein etwas damit zu tun hat, dass Gott uns freigemacht hat, andere zu lieben, weil wir selbst unendlich von ihm geliebt sind. Gibt es irgendeine andere Religion oder einen anderen Glauben oder eine andere Weltanschauung, die uns so eine Definition f\u00fcrs Menschsein geben kann?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Das Evangelium und das Menschsein \u201eWie aber k\u00f6nnt ihr jetzt, da ihr Gott erkannt habt, mehr noch von Gott erkannt worden seid, wieder zu den schwachen und armseligen Elementarm\u00e4chten zur\u00fcckkehren? Warum wollt ihr von Neuem ihre Sklaven werden?\u201c (Galater 4,9) Was bedeutet es Mensch zu sein? 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