{"id":14075,"date":"2026-06-07T11:00:07","date_gmt":"2026-06-07T09:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=14075"},"modified":"2026-07-13T15:03:49","modified_gmt":"2026-07-13T13:03:49","slug":"predigt-1-johannesbrief-513-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-johannesbrief-513-21\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Johannesbrief 5,13-21"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1.Johannesbrief_5-13_5-21_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/1.Johannesbrief_5-13_5-21_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_johannes\/5\/13-21?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Christliche Gewissheit<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eWir wissen aber: Der Sohn Gottes ist gekommen und er hat uns Einsicht geschenkt, damit wir den Wahren erkennen. Und wir sind in diesem Wahren, in seinem Sohn Jesus Christus. Er ist der wahre Gott und ewiges Leben.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Johannes 5,20 [E\u00dc])<\/p>\n<p>Wir haben das Studium vom ersten Johannesbrief mit der Pr\u00e4misse begonnen, dass wir eine Gemeinde sein wollen, in der die Liebe Gottes offensichtlich ist. Dieser einfache und nicht so einfache Brief gibt uns einen tiefen Einblick darin, wie wir diese Liebe unter uns haben k\u00f6nnen: Gott teilt sein ewiges Leben und seine unendliche Liebe mit uns. Im heutigen Text geht es um die Gewissheit dessen. Wir schauen uns heute gerade mal neun Verse an. In diesen neun Versen wird das Wort \u201ewissen\u201c sechsmal erw\u00e4hnt. Nicht nur das, Johannes verwendet in Vers 14 noch ein anderes Wort, das mit Gewissheit zu tun hat: Zuversicht. Und anhand der letzten Verse dieses Briefes wollen wir \u00fcber drei Fragen nachdenken. Erstens, was ist die christliche Gewissheit? Zweitens, woher kommt die Gewissheit? Und drittens, wie ver\u00e4ndert die Gewissheit unser Leben?<\/p>\n<p><strong>1. Was ist die christliche Gewissheit?<\/strong><br \/>\nIn Johannes Evangelium teilt uns der Apostel am Ende seines Buches mit, weshalb er das Evangelium geschrieben hatte (damit wir glauben, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes und damit wir durch den Glauben Leben haben in seinem Namen \u2013 vgl. Joh 20,31). Hier am Ende des Briefes teilt uns Johannes mit, weshalb er diesen Brief geschrieben hatte. Vers 13 hei\u00dft es: \u201eDies habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt, denn ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.\u201c Das griechische Wort f\u00fcr \u201ewissen\u201c ist eidete, eine Form von dem Verb oida. Johannes verwendet das gleiche Wort in Vers 15: \u201eWenn wir wissen, dass er uns bei allem h\u00f6rt, was wir erbitten, dann wissen wir auch, dass er unsere Bitten schon erf\u00fcllt hat.\u201c Und in den Versen 18\u201320 schreibt Johannes dreimal \u201ewir wissen\u201c.<br \/>\nIm Griechischen gibt es zwei W\u00f6rter, die wir im deutschen Sprachgebrauch mit \u201ewissen\u201c \u00fcbersetzen w\u00fcrde. Es gibt das Wort ginosko. Das Wort ginosko bedeutet ein Wissen, das graduell durch pers\u00f6nliche Erfahrungen w\u00e4chst. Es ist ein Prozess. Und das, was man wei\u00df ist eher eine Art subjektives Wissen. Das Wort oida hingegen ist ein Wissen, das in sich abgeschlossen ist. Es ist ein Wissen, das mit Sehen zu tun hat: \u201ez.&nbsp;B.: ich wei\u00df, dass es drau\u00dfen regnet, weil ich den Regen sehe.\u201c Und es handelt sich eher um objektives Wissen von Fakten, wie etwa, dass 2 + 3 = 5 ist. Es ist die Art von Wissen, die wir nicht st\u00e4ndig pr\u00fcfen m\u00fcssen, weil das, was wir wissen, offensichtlich ist. Z.&nbsp;B., wir rechnen nicht jedes Mal aufs Neue, ob 2 + 3 wirklich 5 ergibt. Das Erstaunliche im Text heute ist, dass Johannes das Wort oida verwendet und wiederholt.<br \/>\nWas ist es, was wir wissen? Was ist der Inhalt? In Vers 13 hei\u00dft es: \u201edamit ihr wisst, dass ihr ewiges Leben habt.\u201c Wir d\u00fcrfen wissen, dass wir das ewige Leben haben. Ist das nicht wirklich krass? Vor dem Grab von Lazarus hatte Jesus gelehrt, dass er die Auferstehung und das Leben ist, und dass wer an ihn glaubt, auch dann leben wird, wenn er stirbt; und dass jeder, der lebt und an ihn glaubt, ewig nicht sterben wird. Das war eins der Worte, von denen Dallas Willard zutiefst \u00fcberzeugt war, als er unheilbar an Krebs erkrankt war. Er machte folgende bemerkenswerte Aussage: \u201eIch glaube, wenn ich sterbe, wird es vielleicht eine Weile dauern, bis ich es merke.\u201c Dallas sagte, dass ein menschliches Leben eine Abfolge bewusster Erfahrungen ist und dass f\u00fcr diejenigen, die Jesus vertrauen und ihm nachfolgen, selbst der Tod keine Macht hat, dieses Leben zu unterbrechen, denn Jesus sagte, dass derjenige, der auf ihn vertraut, den Tod nicht schmecken wird. Das ist das, was wir so sicher wissen d\u00fcrfen, wie 2 + 3 = 5.<br \/>\nIn den Versen 14 und 15 spricht Johannes von Gebet: \u201eUnd dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass er uns h\u00f6rt, wenn wir etwas erbitten, das seinem Wissen entspricht.\u201c Die Gewissheit des ewigen Lebens beinhaltet auch, dass wir Zuversicht im Gebet haben. Wir d\u00fcrfen wissen, dass Gott uns h\u00f6rt, wenn wir etwas erbitten, das mit seinem Willen konform ist.<br \/>\nWas wissen wir noch? In Vers 18 geht es um die Gewissheit, dass diejenigen, die von Gott abstammen (von ihm geboren sind), nicht s\u00fcndigen. Die Aussage, dass Kinder Gottes nicht s\u00fcndigen, ist nicht im Widerspruch zu dem, was Johannes am Ende von Kapitel 1 geschrieben hatte, wie zum Beispiel: \u201eWenn wir sagen, dass wir nicht ges\u00fcndigt haben, machen wir ihn zum L\u00fcgner und sein Wort ist nicht uns.\u201c In Vers 18 geht es nicht darum, dass wir keine S\u00fcnden mehr begehen. Es geht darum, dass sich unsere Haltung zur S\u00fcnde radikal ver\u00e4ndert, so dass wir nicht in S\u00fcnde leben. Vers 19 spricht von dem Wissen, dass wir aus Gott sind. Und Vers 20 spricht von dem Wissen, dass der Sohn Gottes gekommen ist, und dass wir in diesem Jesus sind.<br \/>\nUm noch einmal zusammenzufassen: die Essenz der christlichen Gewissheit ist, dass wir das ewige Leben haben, weil wir durch Jesus Christus in der rechten Beziehung zu Gott stehen. F\u00fcr den Apostel Johannes war es eine glasklare Angelegenheit: Die Art und Weise wie stark und wie eindeutig diese Gewissheit war, war auf dem gleichen Level wie wir wissen, ob wir heute Morgen gefr\u00fchst\u00fcckt haben oder dass Berlin die Hauptstadt von Deutschland ist. An der Gewissheit des ewigen Lebens gab es nichts zu r\u00fctteln, keine Zweifel, keine Form von Unsicherheit.<br \/>\nFrage an dich: Welche Art von Gewissheit hast du in deinem Herzen? Hast du durch Jesus Christus das ewige Leben? Wei\u00dft du, dass du das ewige Leben hast? Ist dieses Wissen klar und eindeutig? Wenn der britische Prediger Martyn Lloyd-Jones die Frage gestellt hatte: \u201eBist du ein Christ?\u201c. Und die Antwort war \u201eIch versuche es\u201c oder etwas \u00c4hnliches, dann war f\u00fcr ihn sofort klar: Die Leute haben nicht verstanden, worum es im christlichen Glauben geht. Hier ist n\u00e4mlich der springende Punkt: Das Wissen, dass wir das ewige Leben haben, ist nur dann eine echte Gewissheit, wenn die Tatsache, ob wir das Leben haben, nicht von uns selbst abh\u00e4ngt. Sobald das ewige Leben davon abh\u00e4ngt, ob wir fromm waren, ob wir uns an alle Regeln gehalten haben, ob wir ein gutes Leben gef\u00fchrt haben, k\u00f6nnen wir nicht wirklich Gewissheit haben.<br \/>\nIch gebe euch ein Beispiel. Im Islam gibt es die Gewissheit, dass Allah g\u00fctig und gerecht ist und dass er einen frommen Gl\u00e4ubigen annehmen wird. Die Gewissheit im Islam lautet \u201eSo Allah will, bin ich gerettet.\u201c Aber es ist keine eindeutige Gewissheit. Es wird immer die Frage bestehen, ob man gut genug war, um es in Allahs Augen geschafft zu haben. In praktisch allen Religionen sind Rettung und Heil von der Art und Weise abh\u00e4ngig, wie wir unser Leben gelebt haben. Als vor drei Jahren der Philosoph Gunnar Kaiser im Sterben lag, hat er ein Video ver\u00f6ffentlicht, in dem er davon berichtete, wie er daf\u00fcr betete, nach dem Sterben ins Himmelreich zu kommen. Er stellte die ersch\u00fctternden Fragen: \u201eWann ist es denn eigentlich genug damit? Habe ich dann irgendwann mal genug gebetet? Habe ich genug getan? [\u2026] Nicht nur, habe ich genug getan, sondern habe ich auch genug gelassen, also habe ich genug Dummes unterlassen?\u201c<br \/>\nDer erste Punkt der Predigt ist, dass sich die christliche Gewissheit fundamental von solchen Unsicherheiten unterscheidet. Das christliche Leben ist nicht auf ein \u201eich versuche es\u201c gegr\u00fcndet. Es ist so wichtig, dass wir verstehen, dass die Tatsache, ob wir das ewige Leben haben, nicht von unserer Leistung, unserer Darbietung und unserem Verhalten abh\u00e4ngt. Die Frage ist dann, woher kommt die christliche Gewissheit?<\/p>\n<p><strong>2. Woher kommt die Gewissheit?<\/strong><br \/>\nWir finden die Antwort unter anderem in Vers 20: \u201eWir wissen aber: Der Sohn Gottes ist gekommen und er hat uns Einsicht geschenkt, damit wir den Wahren erkennen. Und wir sind in diesem Wahren, in seinem Sohn Jesus Christus. Er ist der wahre Gott und ewiges Leben.\u201c Der Apostel Johannes schreibt hier, dass der Sohn Gottes zu uns gekommen ist. Und die Tatsache, dass sich Gott uns in Jesus Christus offenbart hat, ist die Grundlage f\u00fcr unsere Gewissheit.<br \/>\nIn den anderen Religionen dieser Welt gibt es h\u00e4ufig einen wichtigen, einen wesentlichen Propheten oder einen Erleuchteten, der sagt: \u201eWenn ihr euch an folgende Regeln haltet, wenn ihr diesem Beispiel folgt, dann k\u00f6nnt ihr zu Gott kommen.\u201c Im Evangelium ist es andersherum. Nicht wir kommen zu Gott. In Jesus Christus kommt Gott selbst zu uns Menschen. In den anderen Religionen sagen die Lehrer: \u201eIch zeige euch den Weg zu Gott.\u201c Im Evangelium ist es der Sohn Gottes selbst, der zu uns spricht: \u201eIch bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.\u201c In allen Religionen sind es wir Menschen, die sich auf die Suche nach Gott begeben. Im Evangelium ist es Gott, der uns sucht. Alle Religionen sagen uns, was wir vollbringen m\u00fcssen, um gerettet zu werden. Im Evangelium hat Jesus durch seinen Tod am Kreuz und durch seine Auferstehung alles vollbracht, was notwendig ist, um uns zu retten. In allen Religionen sind es die Menschen, die den G\u00f6ttern Opfer bringen und ihnen den Tisch bereiten. Im Evangelium ist es Gott, der das wahre Opfer gebracht hat und der seinen Kindern den Tisch bereitet.<br \/>\nDer Sohn Gottes ist zu uns gekommen, d.&nbsp;h. die christliche Gewissheit ist erst einmal v\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, wer wir sind und was wir getan haben. Wie ich vorhin gesagt habe: Das christliche Leben basiert nicht auf einem \u201eich versuche es\u201c. Das Fundament ist das, was Gott f\u00fcr uns getan hat. Und das ist eine kategorisch andere Art und Weise, Gewissheit zu haben als alles, was auf uns basiert. Tim Keller hat es so formuliert: \u201eDie zentrale Grundlage christlicher Gewissheit ist nicht, wie sehr unser Herz auf Gott gerichtet ist, sondern wie unersch\u00fctterlich sein Herz auf uns gerichtet ist.\u201c<br \/>\nNoch einmal die Frage: Woher wissen wir, dass wir ewiges Leben haben? Vers 20 sagt: \u201eDer Sohn Gottes ist gekommen und er hat uns Einsicht geschenkt, damit wir den Wahren erkennen. Und wir sind in diesem Wahren, in seinem Sohn Jesus Christus. Er ist der wahre Gott und ewiges Leben.\u201c Dieser Vers spricht von Erkenntnis und davon, dass wir in dem Wahren sind, d.&nbsp;h., zutiefst mit der Person verbunden, die selbst die Wahrheit ist. Mit anderen Worten, wir haben eine pers\u00f6nliche, tiefe Beziehung mit Gott selbst. Wir haben das krasse Privileg, Gott kennen zu d\u00fcrfen, mit ihm Gemeinschaft zu haben, ihn h\u00f6ren zu d\u00fcrfen, mit ihm reden zu d\u00fcrfen. Die Erkenntnis, von der Johannes spricht, ist nicht einfach intellektuelle Einsicht oder Kopfwissen.<br \/>\nHier sind zwei einfache Beispiele. Nicht so weit von hier gibt es einen Freizeitpark, in welchem es eine der besten Achterbahnen in Deutschland gibt. Ich k\u00f6nnte jetzt verschiedene Kennzahlen nennen: Die Achterbahn ist 55 m hoch (zum Vergleich, das entspricht einem Hochhaus mit mehr als 15 Etagen), mehr als 1,2&nbsp;km lang, mit einer H\u00f6chstgeschwindigkeit von 120 km\/h. Ich k\u00f6nnte jetzt viel davon erz\u00e4hlen, wie es sich anf\u00fchlt, mit dieser Achterbahn zu fahren. Aber alles das w\u00e4re einfach nur Kopfwissen. Um wirklich zu wissen, was diese Achterbahn ausmacht, muss man diese Fahrt einfach mal gemacht haben.<br \/>\nOder, stellt euch einen Menschen vor, den ihr am meisten auf der Welt liebhabt. Und jetzt stellt euch vor, dass ihr diese Person einem anderen Freund oder Freundin vorstellen wollt, die eure liebste Person noch gar nicht kennt. Ihr k\u00f6nntet jetzt sehr viel erz\u00e4hlen: wie gro\u00df diese Person ist, wie sie aussieht, was sie alles kann, warum ihr diese Person so toll findet. Aber jeder von uns versteht, dass es etwas v\u00f6llig anderes ist, wenn wir einem Menschen nicht nur aus Erz\u00e4hlungen kennen, sondern in Echt begegnen und dass wenn wir einem Menschen pers\u00f6nlich begegnen, es uns ganz anders anr\u00fchren kann.<br \/>\nApostel Johannes sagt, dass wir Gott kennen d\u00fcrfen: D.&nbsp;h., wir lernen nicht nur Dinge \u00fcber Gott, sondern wir d\u00fcrfen ihm selbst begegnen. In Jesus Christus ist Gott uns so nahe gekommen, so dass jeder Mensch, der will, mit dem lebendigen Gott eine pers\u00f6nliche Beziehung haben kann. Wir d\u00fcrfen den allm\u00e4chtigen Gott kennen, der in Ewigkeit existiert. Das ist die Grundlage f\u00fcr unsere Gewissheit.<\/p>\n<p><strong>3. Wie ver\u00e4ndert die Gewissheit unser Leben?<\/strong><br \/>\nIn den Versen 14\u201316 geht es vor allem um das Gebet. Es geht um Gebet in mindestens zwei verschiedenen Facetten. Vers 14: \u201eUnd dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass er uns h\u00f6rt, wenn wir etwas erbitten, das seinem Willen entspricht.\u201c Die christliche Gewissheit \u00e4u\u00dfert sich darin, dass wir \u00fcberhaupt beten. Nat\u00fcrlich beten wir, weil wir wissen, dass wir einen Vater haben, der uns h\u00f6rt. Alle von uns, die wir eine Weile mit Gott unterwegs sind, haben Gebetserh\u00f6rung erfahren. Es gibt eine Frage, die mir von einer Person immer wieder gestellt wurde: \u201eWoher wei\u00dft du, dass das wirklich Gebetserh\u00f6rung ist? Woher wei\u00dft du, dass Gott hier wirklich gewirkt und eingegriffen hat? Kann es nicht einfach Zufall sein?\u201c<br \/>\nC.S. Lewis hat einen wunderbaren kleinen Aufsatz geschrieben, in welchem er der Frage nachgeht, woher wir wissen k\u00f6nnen, dass Gott wirklich unser Gebet beantwortet oder nicht. Funktioniert Gebet? Lewis macht darauf aufmerksam, dass wir in unserem allt\u00e4glichen Leben immer wieder unsere Mitmenschen um etwas bitten. Wir fragen, ob jemand uns das Salz reichen kann; wir fragen einen Freund, ob er unsere Katze f\u00fcttern kann, w\u00e4hrend wir im Urlaub sind; wir fragen unseren Vorgesetzten nach einer Gehaltserh\u00f6hung; wir fragen eine Frau, ob sie bereit ist, uns zu heiraten. Manche von diesen Bitten werden erh\u00f6rt; manche Bitten werden nicht erh\u00f6rt. In all den gerade genannten Beispielen l\u00e4sst sich wissenschaftlich nicht beweisen, ob unsere Bitten erf\u00fcllt wurden, weil wir darum gebeten hatten. Vielleicht ist unser Freund ein Tierliebhaber, der die Katze gef\u00fcttert h\u00e4tte, selbst wenn wir ihn nicht gefragt h\u00e4tten; vielleicht wollte unser Chef uns ohnehin eine Gehaltserh\u00f6hung geben, weil er Angst davor hatte, dass wir den Job wechseln; vielleicht hat die Frau uns ohnehin heiraten wollen, und sie hat die Beziehung so gestaltet, dass der Antrag nur eine Frage der Zeit war? Woher wissen wir, ob es einen Zusammenhang mit unserer Bitte und mit der Erh\u00f6rung der Bitte gibt? Die Antwort ist, durch eine pers\u00f6nliche Beziehung. Der Zusammenhang zwischen unserer Bitte und ihrer Erh\u00f6rung ist nur deshalb ersichtlich, weil wir den Freund, den Chef oder die Frau wirklich kennen.<br \/>\nC.S. Lewis schreibt: \u201eDas Gebet ist entweder reine Illusion oder ein pers\u00f6nlicher Kontakt zwischen unvollkommenen, noch in der Entwicklung befindlichen Menschen (uns selbst) und der durch und durch realen Person. Das Gebet im Sinne einer Bitte (des Bittens um Dinge) ist nur ein kleiner Teil davon; Bekenntnis und Bu\u00dfe sind seine Schwelle, die Anbetung sein Heiligtum, die Gegenwart, die Anschauung und die Freude an Gott sein Brot und sein Wein. Darin offenbart sich Gott uns. Dass Er Gebete erh\u00f6rt, ist eine Folge \u2013 nicht unbedingt die wichtigste \u2013 dieser Offenbarung. Was Er tut, l\u00e4sst sich aus dem ableiten, was Er ist.\u201c F\u00fcr mich ist das eine exzellente Erkl\u00e4rung von den Versen 14 und 15. Wer das ewige Leben hat, hat eine Sehnsucht danach, die Beziehung mit Gott zu vertiefen durch Zeit mit Gott im Gebet und indem man seinen Willen tiefer kennenlernt.<br \/>\nIn den Versen 16 und 17 finden wir einen weiteren Aspekt des Gebets, der mit unserer christlichen Gewissheit eng verbunden ist. Es geht um das Gebet f\u00fcr unseren Bruder, f\u00fcr unsere Geschwister. Hier ist die Verbindung zu unserem Hauptthema: die Liebe Gottes, die sich darin \u00e4u\u00dfert, dass wir unsere Mitmenschen lieben. Vers 16: \u201eWenn einer seinen Bruder eine S\u00fcnde begehen sieht, die nicht zum Tod f\u00fchrt, soll er f\u00fcr ihn bitten und er wird ihm so Leben schenken, allen, deren S\u00fcnde nicht zum Tod f\u00fchrt. Denn es gibt S\u00fcnde, die zum Tod f\u00fchrt. Von ihr spreche ich nicht, wenn ich sage, dass er bitten soll.\u201c<br \/>\nDieser Vers ist wirklich nicht einfach zu verstehen. Fangen wir mit dem an, was einfacher zu verstehen ist: Wir sollen f\u00fcr unsere Br\u00fcder und Schwestern beten, wenn sie s\u00fcndigen. Was ist die erste Reaktion, die wir haben, wenn wir jemanden sehen, der sich danebenbenimmt? Wir r\u00fcmpfen die Nase; wir verdrehen die Augen; wir schauen auf die Person herab; vielleicht richten wir die Person unterbewusst im Herzen. Unsere zweite Reaktion ist, dass wir mit anderen Menschen anfangen, dar\u00fcber zu tratschen: \u201eKannst du dir vorstellen, was Erik getan hat? Kannst du dir vorstellen, wie Sabine reagiert hat?\u201c Hier ist das, was Robert Yarbrough in seinem Kommentar dazu schreibt: \u201eDerjenige, der S\u00fcnde erkennt, soll bitten oder eine F\u00fcrbitte einlegen, nicht mit dem Finger auf andere zeigen, kein Wegsehen praktizieren, kein Klatsch verbreiten und sich nicht in \u00dcberlegenheitsgef\u00fchl sonnen.\u201c Diese Welt und auch diese Gemeinde w\u00e4re ein anderer und viel besserer Ort, wenn das Erste, was wir tun w\u00fcrden, wenn wir jemanden s\u00fcndigen sehen, das Gebet f\u00fcr diese Person w\u00e4re.<br \/>\nZum schwierigen Teil: Was genau ist S\u00fcnde, die zum Tod f\u00fchrt? Zwei Probleme sehe ich hier. Zum einen, es ist nicht so ganz klar, was Apostel Johannes damit meinte. Es scheint wahrscheinlich, dass die urspr\u00fcnglichen Leser dieses Briefs eine bessere Ahnung hatten als wir, weil sie pers\u00f6nlich von Johannes unterwiesen waren. Das andere Problem ist, dass Johannes sagt, dass wir nicht f\u00fcr diese Menschen zu beten brauchen. Wie unterscheiden wir das? Gibt es wirklich Menschen, f\u00fcr die wir aufh\u00f6ren sollen zu beten, weil jede Hoffnung f\u00fcr sie vergeblich ist?<br \/>\nIn Star Wars Episode VI trifft Luke Skywalker auf seinen Vater Darth Vader. F\u00fcr die wenigen, die Star Wars nicht kennen, ein hitzk\u00f6pfiger Jedi-Ritter namens Anakin, wird aus Furcht davor, seine geliebte Frau und Kinder zu verlieren, zu einem der schlimmsten Schurken der Filmgeschichte namens Darth Vader. Yoda hatte \u00fcber Anakin gesagt, dass er nicht mehr existiert, weil er von Darth Vader verschlungen wurde. Luke Skywalker ist aber ein ewiger Optimist, der die Hoffnung f\u00fcr seinen Vater nie aufgegeben hat. Bis zum Schluss glaubt er daran, dass sein Vater Anakin noch gerettet werden kann. Die Art und Weise wie er ihn rettet, ist, dass er sein Schwert wegwirft, seinen Vater nicht l\u00e4nger bek\u00e4mpft und sich vom Imperator lieber umbringen l\u00e4sst. Es ist die Liebe seines Sohnes, die Darth Vader schlie\u00dflich bekehrt. Darth Vader bittet am Ende seinen Sohn, seine Maske zu entfernen, die ihn am Leben erh\u00e4lt. Ein einziges Mal will er aber seinen Sohn mit seinen eigenen Augen sehen bevor er stirbt.<br \/>\nGibt es Hoffnung f\u00fcr die schlimmsten B\u00f6sewichter? Der Ratschlag von zwei Theologen scheint mir sehr angemessen. Augustinus sagte: \u201eWir d\u00fcrfen an niemandem verzweifeln, ganz gleich, wie schlecht er ist, solange er lebt; und f\u00fcr den, an dem wir nicht verzweifeln sollen, sollten wir mit Zuversicht beten.\u201c C.H. Dodd sagte: \u201eWir k\u00f6nnen nicht davon ausgehen, dass es jemals dem Willen dessen widersprechen k\u00f6nnte, der gekommen ist, um S\u00fcnder zur Umkehr zu rufen, wenn wir selbst f\u00fcr die schlimmsten S\u00fcnder beten (die schlie\u00dflich \u2013 wir selbst \u2013 sein k\u00f6nnten).\u201c<\/p>\n<p>Die christliche Gewissheit ist, dass wir das ewige Leben haben, nicht aufgrund von dem, was wir getan haben, sondern aufgrund der Tatsache, dass Gott Jesus in die Welt gesandt hat. Diese Gewissheit l\u00e4dt uns ein zu einem Leben des Gebets, in welchem wir unsere Geschwister lieben, indem wir f\u00fcr sie beten. Der anglikanische Bischof J.C. Ryle hatte geschrieben, welchen Trost wir durch die christliche Gewissheit empfangen d\u00fcrfen: \u201eSie versetzt es [ein Kind Gottes] in die Lage zu empfinden, dass die gro\u00dfe Angelegenheit des Lebens eine geregelte Angelegenheit ist, die gro\u00dfe Schuld eine beglichene Schuld, die gro\u00dfe Krankheit eine geheilte Krankheit und das gro\u00dfe Werk ein vollendetes Werk ist; und dass alle anderen Angelegenheiten, Krankheiten, Schulden und Werke im Vergleich dazu gering sind. Auf diese Weise macht ihn die Gewissheit geduldig in Tr\u00fcbsal, ruhig unter Verlusten, unbewegt im Leid, nicht furchtsam vor b\u00f6sen Nachrichten; in jeder Lage zufrieden, denn sie verleiht ihm eine Festigkeit des Herzens. Die Gewissheit vers\u00fc\u00dft ihm seine bitteren Kelche, mindert die Last seiner Kreuze, ebnet die rauen Wege, auf denen er wandert, und erleichtert ihm das Tal des Todesschattens. Sie gibt ihm stets das Gef\u00fchl, dass er etwas Festes unter den F\u00fc\u00dfen und etwas Sicheres in den H\u00e4nden hat \u2013 einen treuen Freund auf dem Weg und ein sicheres Zuhause am Ende.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Christliche Gewissheit \u201eWir wissen aber: Der Sohn Gottes ist gekommen und er hat uns Einsicht geschenkt, damit wir den Wahren erkennen. Und wir sind in diesem Wahren, in seinem Sohn Jesus Christus. Er ist der wahre Gott und ewiges Leben.\u201c (1. Johannes 5,20 [E\u00dc]) Wir haben das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":"","_members_access_role":[],"_members_access_error":""},"categories":[33,4],"tags":[],"class_list":["post-14075","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-johannesbrief","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14075","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14075"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14075\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14078,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14075\/revisions\/14078"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14075"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14075"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14075"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}