{"id":14071,"date":"2026-06-28T11:00:51","date_gmt":"2026-06-28T09:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=14071"},"modified":"2026-07-13T07:04:58","modified_gmt":"2026-07-13T05:04:58","slug":"predigt-galater-21-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-galater-21-10\/","title":{"rendered":"Predigt: Galater 2,1-10"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Galaterbrief-Lektion-3_201-210_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Galaterbrief-Lektion-3_201-210_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/galater\/2\/1-10?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Das Evangelium \u00fcberwindet Grenzen<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDoch nicht einmal mein Begleiter Titus, der Grieche ist, wurde gezwungen, sich beschneiden zu lassen.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Galater 2,3 [E\u00dc])<\/p>\n<p>Wir haben vor zwei Wochen gesehen, dass Paulus in diesem Brief nach einer kurzen Vorstellung, sofort zur Sache kommt (Gal 1,6): \u201eIch bin erstaunt, dass ihr euch so schnell von dem abwendet, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, und dass ihr euch einem anderen Evangelium zuwendet. Es gibt kein anderes Evangelium, es gibt nur einige Leute, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verf\u00e4lschen wollen.\u201c Im Galaterbrief geht es um die Essenz der christlichen Lehre, die gute Nachricht, das Evangelium. Letzte Woche haben wir dann geh\u00f6rt, dass Paulus dieses Evangelium direkt durch eine Offenbarung Jesu empfangen hatte.<br \/>\nWas lernen wir \u00fcber das Evangelium im heutigen Text? Wir lernen mindestens 3 Dinge. Erstens, das Evangelium ist eine Nachricht, die Grenzen und Kulturen \u00fcberwindet; zweitens, das Evangelium schenkt eine ungekannte Freiheit; drittens, das Evangelium macht uns gro\u00dfz\u00fcgig.<\/p>\n<p><strong>1. Das Evangelium \u00fcberwindet Grenzen und Kulturen<\/strong><br \/>\nWoran sehen wir, dass das Evangelium Grenzen und Kulturen \u00fcberwindet? Zweimal erw\u00e4hnt Paulus hier im Text, dass er es als seine Aufgabe angesehen hatte, das Evangelium unter Nichtjuden zu predigen: \u201eIch ging hinaus aufgrund einer Offenbarung, legte der Gemeinde und im Besonderen den Angesehen das Evangelium vor, das ich unter den V\u00f6lkern verk\u00fcnde.\u201c Und dann noch einmal in Vers 9 sagt er: \u201eDeshalb gaben Jakobus, Kephas und Johannes, die als die S\u00e4ulen Ansehen genie\u00dfen, mir und Barnabas die Hand zum Zeichen der Gemeinschaft: Wir sollten zu den Heiden gehen, sie zu den Beschnittenen.\u201c (2)<br \/>\nWenn wir die ersten Tage, Wochen und Monate der Urgemeinde verfolgen, dann sehen wir, dass die erste Gemeinde in Jerusalem vor allem eine j\u00fcdische Gemeinde war. Tausende von Menschen kamen durch die Predigt von Petrus zum Glauben. Weitere Tausende von Menschen kamen bald hinzu. Der ganz gro\u00dfe Teil dieser Christen war Juden. Nachdem es dann zu einer gro\u00dfen Verfolgung der Christen kam \u2013 Paulus war vor seiner Bekehrung ma\u00dfgeblich daran beteiligt gewesen \u2013 verstreuten sich die Jerusalemer Christen in alle Richtungen. Und erst dann wurde das Evangelium auch unter den Heiden verk\u00fcndet. Zun\u00e4chst einmal geschah das sehr zaghaft und vor allem in Antiochien. Sp\u00e4ter dann in ganz gro\u00dfem Stil durch Paulus und Barnabas. Paulus hat dann einen riesigen Teil des Mittelmeerraums bereist, um das Evangelium zu predigen.<br \/>\nHier ist eine sehr interessante Beobachtung. Wenn wir uns die gro\u00dfen Religionen dieser Welt anschauen, stellen wir fest, dass viele dieser Religionen vor allem in den Regionen dieser Welt praktiziert werden, wo diese Religionen entstanden sind. Es gibt ca. 1,2 Milliarden Hindus auf dieser Welt. 95&nbsp;% der Hindus leben in Indien. Es gibt hunderte Millionen von Buddhisten. Die allermeisten Buddhisten leben in Asien, konkret in China, Thailand, Myanmar und Japan. Ca. 2 Milliarden oder ein Viertel der Weltbev\u00f6lkerung sind Muslime. Auch wenn es extrem viele Muslime in asiatischen L\u00e4ndern gibt, vor allem in Indonesien, Pakistan und Indien, hat der Islam ein religi\u00f6ses Zentrum. Es gibt Mekka, und das befindet sich in Saudi-Arabien. Alle diese Religionen haben ein mehr oder weniger klares geographisches Zentrum.<br \/>\nWas ist mit dem Christentum? Die Gemeinde Jesu begann in Jerusalem. Nach der dortigen Verfolgung der Christen wurde Antiochia zum neuen Zentrum der christlichen Gemeinde. Es dauerte nicht lange, und danach wurde Rom, die Hauptstadt des r\u00f6mischen Reiches, auch zum Zentrum f\u00fcr die christliche Gemeinde. Das Christentum breitete sich auch in Regionen aus, die nicht zum Mittelmeerraum geh\u00f6ren, vor allem in Europa. Im 19. Jahrhundert war das Christentum der Glaube, den man vor allem mit der westlichen Zivilisation assoziiert hatte. Seit den 1950er Jahren \u00e4ndert sich das wieder. Das Evangelium erobert die s\u00fcdliche Hemisph\u00e4re. Es breitet sich in Afrika aus und in S\u00fcdamerika und in S\u00fcdostasien. Von allen Weltreligionen der Welt, ist das Christentum der Glaube, der am gleichm\u00e4\u00dfigsten \u00fcber alle Kontinente verteilt ist. Die komplette Bibel wurde in 800 Sprachen \u00fcbersetzt, Teile der Bibel in \u00fcber 4.000 Sprachen. Das Evangelium ist sprichw\u00f6rtlich die Lehre, die Kulturen und Grenzen \u00fcberwunden hat.<br \/>\nUnser Bibelabschnitt gibt einen wesentlichen Hinweis darauf, wie das Evangelium Grenzen sprengen konnte. Paulus erw\u00e4hnt in Vers 1, dass er auf seiner Reise nach Jerusalem einen Mann namens Titus mitnahm. Warum? Weil Titus ein Nichtjude war. Titus war ein Grieche, der zum Glauben an Jesus gekommen war. Nicht nur das, Paulus erw\u00e4hnt in Vers 3: \u201eDoch nicht einmal mein Begleiter Titus, der Grieche ist, wurde gezwungen, sich beschneiden zu lassen.\u201c Titus war nicht beschnitten; und es wurde ihm auch nicht aufgetragen, sich beschneiden zu lassen. F\u00fcr uns mag das nicht so besonders klingen. Aber tats\u00e4chlich war das alles andere als selbstverst\u00e4ndlich. Tim Keller hatte erw\u00e4hnt, dass wenn man im l\u00e4ndlichen Amerika unterwegs ist, ganz viele Familien ihre Lieblingsverse sch\u00f6n bestickt an der Wand h\u00e4ngen habe, Verse wie \u201eDer HERR ist mein Hirte\u201c. Ein Vers, den man dabei ziemlich sicher nicht an der Wand vorfinden wird, ist Vers 3: Titus, der Grieche wurde nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen. Dabei ist das extrem wichtig. Wir m\u00fcssen verstehen, wie zentral die Beschneidung f\u00fcr die Juden war.<br \/>\nZum einen war die Beschneidung etwas, was im Gesetz gefordert wurde, aber gleichzeitig etwas, das noch \u00e4lter war, als das mosaische Gesetz. In Genesis 17 lesen wir, wie Gott Abraham erschien. Gott schlie\u00dft mit Abraham einen Bund, der f\u00fcr alle Ewigkeit gelten soll. Zeichen dieses Bundes ist dabei die Beschneidung. Gott w\u00e4hlt drastische Worte, um dabei deutlich zu machen, wie wichtig es ist, dass sich Abraham und alle seine Nachkommen daranhalten: \u201eEin Unbeschnittener aber, der nicht beschnitten wird an seiner Vorhaut, soll ausgerottet werden aus seinem Volk; meinen Bund hat er gebrochen.\u201c Der Bund ist ewig und wer sich nicht daranh\u00e4lt, wird ausgemerzt. Wir k\u00f6nnen uns gut vorstellen, weshalb die Beschneidung f\u00fcr viele Juden so wichtig war, dass es f\u00fcr sie unvorstellbar war, dieses sehr fr\u00fche Gebot zu brechen.<br \/>\nEs hatte aber auch noch historische Gr\u00fcnde, weshalb das Ganze tief mit ihrer Identit\u00e4t verankert war. W\u00e4hrend der Schreckensherrschaft unter Antiochus Epiphanes wurde den Juden unter Androhung der Todesstrafe verboten, die Beschneidung zu praktizieren. Das m\u00e4nnliche Baby und seine Mutter wurden umgebracht, wenn man dabei ertappt wurde. Es war der Versuch, die j\u00fcdische Kultur zu vernichten. Die Juden hatten sich erfolgreich gegen diese Tyrannei gewehrt. Aber das Ganze zeigt uns, weshalb der ohnehin als wichtig angesehene Brauch der Beschneidung zu etwas wurde, das sich noch viel tiefer in die Identit\u00e4t des j\u00fcdischen Volkes eingegraben hatte.<br \/>\nWir haben vorhin gesagt, dass die Gemeinde Jesu in ihren Anfangstagen eine j\u00fcdische Gemeinde war. Nichtjuden waren erst relativ k\u00fcrzlich Teil dieser Gemeinde geworden. Vielleicht verstehen wir jetzt, weshalb es viele Juden gab, f\u00fcr die es zumindest sehr plausibel war, dass diese Nichtjuden sich auch beschneiden lassen sollten. Das absolut Revolution\u00e4re war jetzt, dass Paulus, der Apostel mit der rigorosesten j\u00fcdischen Ausbildung, Paulus, der religi\u00f6se Eiferer, zur ganz klaren Schlussfolgerung kommt, dass die Beschneidung nicht mehr notwendig ist.<br \/>\nWenn wir das AT Gesetz betrachten, kann man vorsichtig zwei Arten von Geboten unterscheiden. Es gibt auf der einen Seite das moralische Gesetz, wie zum Beispiel, dass wir nicht stehlen, nicht l\u00fcgen, nicht ehebrechen, Vater und Mutter ehren sollen. Und es gibt das zeremonielle Gesetz, das mit Opfern zu tun hat, oder welches Essen erlaubt ist, welche Kleidung man tragen sollte, wer wann rein oder unrein war usw. Wenn man sich diese Vereinfachung vornimmt, geh\u00f6rt die Beschneidung ganz klar zum zeremoniellen Gesetz. Anders gesagt, geh\u00f6rt die Beschneidung zur j\u00fcdischen Kultur. Das Evangelium \u00fcberwindet alle kulturellen Grenzen.<br \/>\nVielleicht kann man das so illustrieren: Stellen wir uns das zeremonielle j\u00fcdische Gesetz wie ein riesiges, enorm schweres Stadttor vor. Dieses Tor hat sich jetzt nicht einfach nur einen Spalt ge\u00f6ffnet. Das Evangelium hebt dieses massive Tor einfach aus den Angeln. Alle, die jetzt zu Gott kommen wollen, k\u00f6nnen das in Jesus Christus tun.<\/p>\n<p><strong>2. Das Evangelium schenkt eine ungekannte Freiheit<\/strong><br \/>\nIn den Versen 4 und 5 schreibt Paulus: \u201eDenn was die falschen Br\u00fcder betrifft, jene Eindringlinge, die sich eingeschlichen hatten, um die Freiheit, die wir in Christus Jesus haben, auszusp\u00e4hen und uns zu versklaven, so haben wir uns ihnen keinen Augenblick unterworfen und ihnen nicht nachgegeben, damit euch die Wahrheit des Evangeliums erhalten bleibe.\u201c Wir haben nicht die Zeit, tiefer darauf einzugehen, wer oder was mit den \u201efalschen Br\u00fcdern\u201c gemeint ist. Das, womit wir uns kurz besch\u00e4ftigen wollen, ist die Freiheit, die durch das Evangelium kommt. Wir werden uns noch viel mehr mit der Freiheit besch\u00e4ftigen, wenn wir zu den folgenden Kapiteln des Galaterbriefs kommen. Welche Art von Freiheit schenkt uns das Evangelium?<br \/>\nIn unserer Gesellschaft wird Freiheit h\u00e4ufig reduziert als die Abwesenheit von Restriktionen. Stellen wir uns einen Ballon vor, der mit Helium gef\u00fcllt ist. Der Ballon will eigentlich aufsteigen, aber wird von einem Kind an einer Schnur festgehalten. Aber dann kommt der Moment, in welchem das Kind unachtsam ist und losl\u00e4sst. Frei von dem, was diesen Ballon in seiner Freiheit eingeschr\u00e4nkt hat, steigt er in den Himmel auf.<br \/>\nDer Komponist Ludwig van Beethoven war ein ziemlicher Rebell und Querkopf, der mit manchen seiner Ansichten viel besser in unsere Zeit zu passen scheint als in seine. Zurzeit als Beethoven lebte, gab es den Adel. Die Komponisten vor ihm und auch seine Zeit- und Berufsgenossen, waren praktisch nie freie Angestellte. Musiker dienten praktisch immer am Hof eines reichen F\u00fcrsten (oder sie waren als Lehrer einer Stadt eingestellt). Die Musik, die sie schrieben und auff\u00fchrten, diente prim\u00e4r der Unterhaltung dieses F\u00fcrsten. Beethoven war der erste bedeutende Komponist, der aus diesem Korsett ausbrechen konnte. Er konnte seinen Dickkopf durchsetzen und Musik komponieren, wie er es wollte. Viele haben eine sehr \u00e4hnliche Vorstellung von Freiheit: so zu leben, so zu arbeiten, die Freizeit so zu gestalten, wie wir das wollen. Viele stellen sich Freiheit vor als ein \u201eniemand macht mir Vorschriften! Niemand kann mir sagen, wie ich mein Leben zu f\u00fchren habe. Niemand soll f\u00fcr mich Entscheidungen treffen.\u201c<br \/>\nTats\u00e4chlich schenkt uns das Evangelium eine Freiheit von gewissen Restriktionen. Aber es ist nicht die Abwesenheit von allen Restriktionen. Das Evangelium schenkt keine \u201eabsolute\u201c Freiheit, einfach deshalb, weil es das nicht gibt. Christliche Freiheit ist die Abwesenheit von falschen Restriktionen und die Anwesenheit von den richtigen Arten von Restriktionen. Christliche Freiheit bedeutet nicht, dass es keine Begrenzungen gibt; es bedeutet, dass es die richtige Art von Begrenzungen gibt.<br \/>\nWelche Freiheit von Restriktionen schenkt das Evangelium? Das Evangelium ist gute Nachricht, nicht guter Ratschlag. Praktisch alle Religionen dieser Welt geben uns guten Ratschlag. Sie sagen uns, wie wir unser Leben f\u00fchren m\u00fcssen, was wir tun m\u00fcssen, um gute Menschen zu sein, um gutes Karma zu haben, um erleuchtet zu werden, um gerettet zu werden. Die gute Nachricht des Evangeliums ist, dass Gott sich \u00fcber uns Menschen erbarmt hat, weil wir unm\u00f6glich seinem Standard gerecht werden konnten. Die gute Nachricht ist, dass Gott seinen Sohn gesandt hat, dass Jesus das Leben lebte, das wir h\u00e4tten leben sollen; dass Jesus den Tod gestorben ist, den wir h\u00e4tten sterben m\u00fcssen; dass Gott uns in seiner Gnade so annimmt wie wir sind. Die gute Nachricht des Evangeliums stellt alle Menschen vor die Wahl: \u201eBist du damit einverstanden, wie Gott dich rettet, n\u00e4mlich dass er in Christus alles f\u00fcr dich getan hat, sodass du zu deiner Rettung nichts mehr hinzuzuf\u00fcgen brauchst? Nimmst du das Opfer an, das Gott f\u00fcr dich gebracht hat? Nimmst du das Geschenk Gottes an?\u201c<br \/>\nIm heutigen Text sehen wir, dass die Tatsache, dass Gott in Christus alles f\u00fcr uns getan hat, uns von zwei Dingen freimacht: die Freiheit von kulturellen Normen und Erwartungen; und die Freiheit vom Ansehen der Person. Titus musste sich nicht beschneiden lassen. Und genauso wenig m\u00fcssen wir uns an irgendwelche zeremoniellen, kulturellen Riten und Normen des j\u00fcdischen Lebens halten. Wir sind frei davon. Und damit zusammenh\u00e4ngend in Vers 6: \u201eAber auch von denen, die Ansehen genie\u00dfen \u2013 was sie fr\u00fcher waren, k\u00fcmmert mich nicht, Gott schaut nicht auf die Person \u2013, auch von den Angesehenen wurde mir nicht auferlegt.\u201c Das Evangelium macht uns frei davon, was andere Menschen von uns denken. Das ist einfacher gesagt als umgesetzt.<br \/>\nDie Kultur, in der wir leben, ist wie die Luft, die wir atmen; wir denken normalerweise nicht gro\u00df dar\u00fcber nach, welche Luft wir atmen. Uns f\u00e4llt nur auf, wenn jemand anders ist. Uns f\u00e4llt auf, wenn jemand sich so \u00fcberhaupt nicht an die Regeln unserer Kultur h\u00e4lt. Hier sind ein paar Beispiele. Dieses Wochenende war ich mit E. zusammen in T\u00fcbingen. Wir hatten gestern bei Freunden gekocht und gegessen. Und weil mindestens eine von meinen Freunden noch nie koreanisch gegessen hat, hatte ich mir gedacht, dass ich das unbedingt \u00e4ndern muss. Also hatte ich einen kleinen Beutel Kimchi (fermentierter Chinakohl) im Gep\u00e4ck. Diejenigen unter euch, die Kimchi transportieren mussten, werden wissen was f\u00fcr eine gef\u00e4hrliche Angelegenheit das sein kann. Der Beutel schien dicht zu sein, aber irgendwie hat es trotzdem nach Kimchi gerochen. Also habe ich das Ganze in einen Ziplog-Beutel getan. Diesen Beutel hat G. dann in eine T\u00fcte verpackt. Die T\u00fcte in eine weitere T\u00fcte. Und wisst ihr was? Es hat immer noch gerochen. Mein Rucksack war zu, und es roch immer noch nach Kimchi, was in Z\u00fcgen, die \u00fcbervoll waren, extrem unangenehm war. Also habe ich den Rucksack irgendwo deponiert und mich weiter weg davon gesetzt, um nicht damit in Verbindung gebracht zu werden. Kimchi passt (noch nicht) in die mitteleurop\u00e4ische Kultur hinein.<br \/>\nTim Keller erz\u00e4hlte von interessanten Hochzeiten in New York, vor allem wenn typisch wei\u00dfe Amerikaner jemanden heirateten, der aus eher s\u00fcdlichen Teilen des Globus stammten. Wenn die Hochzeit dann um 15 Uhr beginnen sollte, konnte man davon ausgehen, dass die wei\u00dfe Familie des Br\u00e4utigams \u00fcberp\u00fcnktlich, also mindestens 10\u201315 Minuten vor 15 Uhr zugegen waren. Aber von der Familie der Braut war niemand da. Noch nicht einmal die Braut war da. Eine halbe Stunde sp\u00e4ter fing die Familie der Braut an, nach und nach einzutrudeln. Die wei\u00dfen Angeh\u00f6rigen des Br\u00e4utigams fanden das inakzeptabel: \u201eUnglaublich. Wie kann man nur zur eigenen Hochzeit zu sp\u00e4t kommen.\u201c Und weiter ging es dann mit den Herkunftsl\u00e4ndern: \u201edas Land, aus dem sie kommen, hat ja auch richtige Probleme. Mich wundert es gar nicht mehr, dass sie solche Probleme haben.\u201c Die Familie der Braut wiederum bekam mit, dass die andere Seite extrem ungl\u00fccklich war. Und sie fingen dann auch an, \u00fcber die anderen zu schimpfen: \u201eDas ist doch eine Hochzeit. Warum k\u00f6nnen die nicht einfach ein wenig entspannen, damit wir alle eine sch\u00f6ne Zeit haben k\u00f6nnen? Diese Haltung ist so typisch f\u00fcr Kolonialisten und Unterdr\u00fccker. Mich wundert es gar nicht mehr, dass sie die Unterdr\u00fccker sind.\u201c<br \/>\nWas steht dahinter? Beide Seiten nehmen einen kulturellen Aspekt, n\u00e4mlich wie man Uhrzeiten interpretiert und richten und urteilen \u00fcber andere, die zu diesem kulturellen Detail einen anderen Standpunkt haben. Was dahintersteht, ist die unterbewusste Annahme, dass man gewisse kulturelle Erwartungen erf\u00fcllen muss, um ein guter Mensch zu sein. Und das ist das Problem.<br \/>\nSelbst in unserer Gemeinde braucht es Anstrengungen, das Evangelium \u00fcber alle kulturellen Erwartungen zu stellen. (Das betrifft nicht nur uns, sondern vermutlich alle Gemeinden). Jede Gemeinde hat einen Dresscode: Welche Art von Kleidung wird akzeptiert? Welches \u00e4u\u00dferes Erscheinungsbild ist in Ordnung? Welche Frisur, welche Haarfarbe wird geduldet? Was ist mit Piercings und Tattoos? Jede Gemeinde hat einen gewissen musikalischen Stil: modern oder klassisch, Gitarren mit oder ohne Verst\u00e4rker, Bands mit oder ohne Schlagzeug, deutsche oder englische Lieder. Jede Gemeinde hat ihre eigene Art und Weise, wie Anbetung praktiziert wird, wie gebetet wird, ob die Anbetung eher ruhig oder laut ist. Jede Gemeinde hat eine eigene Sprache, gewisse Ausdrucksweisen, die nur wir verwenden und nicht andere.<br \/>\nHattest du jemals folgendes gedacht: \u201eEs gibt zwei verschiedene Arten von christlichen Liedern: die Lieder, die ich mag und schlechte Lieder\u201c, oder \u201eWarum ist dieser Person so provokativ gekleidet?\u201c, oder \u201eWarum kann er\/sie nicht so sein wie wir?\u201c Falls du solche oder \u00e4hnliche Gedanken jemals hattest, dann kann es gut sein, dass du nicht frei bist von kulturellen Normen und Erwartungen. Ich will hier \u00fcberhaupt nicht sagen, dass alle kulturellen Normen gleich gut sind. Man kann vermutlich rational argumentieren, dass es besser sein kann, p\u00fcnktlich zu sein als 30 Min. nach der vereinbarten Zeit zu kommen. Ich will auch nicht sagen, dass man kulturelle Normen nicht kritisieren darf. Es gibt vieles, was man durchaus kritisieren kann und soll. Aber die Frage ist, wie sehr wir kulturelle Erwartungen als einen Ma\u00dfstab erheben, an denen sich alle halten m\u00fcssen, um annehmbar zu sein.<\/p>\n<p><strong>3. Das Evangelium macht wirklich gro\u00dfz\u00fcgig<\/strong><br \/>\nPaulus berichtet davon, dass die S\u00e4ulen der fr\u00fchen Gemeinde (Jakobus, Petrus und Johannes), ihm und Barnabas best\u00e4tigten, dass sie f\u00fcr das gleiche Evangelium einstanden. In Vers 10 macht Paulus noch einen interessanten Einschub: \u201eNur sollten wir an die Armen denken; und das zu tun, habe ich mich eifrig bem\u00fcht.\u201c Was steht dahinter? Jakobus, Petrus und Johannes waren einverstanden damit, dass die Christen unter den Heiden anders lebten als die j\u00fcdischen Christen, weil sie sich nicht an die zeremoniellen Gebote der Juden zu halten brauchten. Aber sie baten darum, dass sie die Armen nicht vergessen sollten. Gemeint sind hier die notleidenden Christen vor allem in Jerusalem. Historisch ist verb\u00fcrgt, dass es in Jerusalem einige Hungersn\u00f6te gab. Christen waren h\u00e4ufig von dieser Armut betroffen. Die Zugeh\u00f6rigkeit zu gleichen Gemeinde Jesu, das Bekenntnis, dass sie alle gemeinsam ein Leib waren, kam nicht durch eine gemeinsame Kultur. Sie kam durch die gleiche frohe Botschaft, die Menschen dazu bewegte, das, was sie hatten, mit anderen zu teilen und f\u00fcreinander zu sorgen. Sie teilten nicht die Beschneidung, sie teilten ihr Geld.<br \/>\nDie gute Nachricht des Evangeliums ist, dass Gott f\u00fcr uns arm geworden ist; dass Gott den Preis bezahlt hat, den wir nicht h\u00e4tten bezahlen k\u00f6nnen. Wenn wir das wirklich verstanden haben, dann sehen wir, dass alles, was wir haben, seine Gnade ist. Alles, was wir besitzen, ist ein Geschenk Gottes. Das macht uns nicht nur gro\u00dfz\u00fcgig im Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen; es macht uns nicht nur gro\u00dfz\u00fcgig im Umgang mit Menschen, die ganz anders denken, f\u00fchlen und leben als wir. Es macht uns auch gro\u00dfz\u00fcgig im Umgang mit unseren Ressourcen.<br \/>\nDie frohe Botschaft von Jesus \u00fcberwindet Grenzen und Kulturen, sie bietet uns eine Freiheit, von falschen Restriktionen, und sie macht uns gro\u00dfz\u00fcgig.<br \/>\nM\u00f6ge diese frohe Botschaft uns alle ergreifen, ver\u00e4ndern und inspirieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Das Evangelium \u00fcberwindet Grenzen \u201eDoch nicht einmal mein Begleiter Titus, der Grieche ist, wurde gezwungen, sich beschneiden zu lassen.\u201c (Galater 2,3 [E\u00dc]) Wir haben vor zwei Wochen gesehen, dass Paulus in diesem Brief nach einer kurzen Vorstellung, sofort zur Sache kommt (Gal 1,6): \u201eIch bin erstaunt, dass [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":"","_members_access_role":[],"_members_access_error":""},"categories":[24,4],"tags":[],"class_list":["post-14071","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-galater","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14071","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14071"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14071\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14074,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14071\/revisions\/14074"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14071"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14071"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14071"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}