{"id":14065,"date":"2026-07-05T11:00:42","date_gmt":"2026-07-05T09:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=14065"},"modified":"2026-07-12T21:47:06","modified_gmt":"2026-07-12T19:47:06","slug":"predigt-galater-211-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-galater-211-21\/","title":{"rendered":"Predigt: Galater 2,11-21"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Galaterbrief-Lektion-4_211-221_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Galaterbrief-Lektion-4_211-221_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/galater\/2\/11-21?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDoch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch gerecht\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Galater 2,16)<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eIch lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst f\u00fcr mich dahingegeben.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Galater 2,20)<\/p>\n<p>Vom ersten Kapitel des Galaterbriefs bis zu unserem heutigen Abschnitt beantwortet Paulus immer wieder dieselbe Frage: \u201eWas ist das Evangelium?\u201c In Kapitel 1 betont Paulus, dass es nur ein Evangelium gibt. Wenn wir zum Glauben an Jesus Christus noch irgendeine weitere Bedingung hinzuf\u00fcgen, dann ist es nicht mehr das Evangelium. Unsere Rettung wird allein aus der Gnade Gottes und durch den Glauben an Jesus Christus geschenkt.<br \/>\nIn Kapitel 2, Verse 1\u201310, zeigt Paulus dann die erstaunliche Kraft dieses Evangeliums. Petrus wurde von Gott berufen, den Juden das Evangelium zu verk\u00fcndigen, und Paulus den Heiden. Sie dienten Menschen mit unterschiedlicher Kultur, Tradition und Lebensweise. Doch das Evangelium, das sie verk\u00fcndigten, trennte die Menschen nicht. Das eine Evangelium bildete aus Juden und Heiden eine Gemeinschaft. Urspr\u00fcnglich war die Trennung zwischen Juden und Heiden so gro\u00df, dass sie nicht einmal gemeinsam a\u00dfen. Ihre Kultur, ihre Traditionen und ihre Wertvorstellungen waren v\u00f6llig unterschiedlich. Menschlich gesehen konnten sie niemals eins werden \u2013 sie waren wie Wasser und \u00d6l, die sich nicht vermischen. Doch das Evangelium Jesu Christi riss all diese Mauern nieder und machte aus ihnen eine einzige Gemeinschaft. Das Evangelium trennt Menschen nicht, sondern hat die Kraft, sie miteinander zu verbinden. Unser heutiger Text zeigt uns nun, wie dieses Evangelium in unserem Leben sichtbar werden soll. Ich bete, dass das Evangelium durch das heutige Wort in unserem Leben lebendig wirkt und seine Kraft entfaltet.<\/p>\n<p><strong>1. Das Evangelium ist wichtiger als die Meinung der Menschen (Galater 2,11\u201314)<\/strong><br \/>\nDer heutige Bibelabschnitt enth\u00e4lt eine \u00dcberraschung. Paulus weist Petrus \u00f6ffentlich zurecht. Petrus geh\u00f6rte zu den zw\u00f6lf J\u00fcngern Jesu und war einer der wichtigsten Leiter der Urgemeinde. Paulus dagegen geh\u00f6rte nicht zu den Zw\u00f6lfen und war im Vergleich zu ihnen erst sp\u00e4ter als Apostel berufen worden. Petrus \u00f6ffentlich zu tadeln, muss f\u00fcr ihn deshalb eine gro\u00dfe Herausforderung gewesen sein. Doch Paulus lie\u00df sich weder vom Ansehen noch von der Autorit\u00e4t eines Menschen leiten. Denn das Evangelium besitzt eine gr\u00f6\u00dfere Autorit\u00e4t als jeder Mensch. Wenn wir das Verhalten von Petrus betrachten, k\u00f6nnten wir zun\u00e4chst denken:<br \/>\n\u201eIst es wirklich so schlimm, ob man gemeinsam mit Heiden isst oder nicht?\u201c &#8211; \u201eMusste Paulus ihn deswegen wirklich \u00f6ffentlich zurechtweisen?\u201c War das Verhalten von Petrus also wirklich so schwerwiegend? In Apostelgeschichte 10 schenkt Gott Petrus eine Vision. Er sieht verschiedene Tiere vom Himmel herabkommen und h\u00f6rt die Aufforderung: \u201eSteh auf, schlachte und iss!\u201c Petrus weigert sich zun\u00e4chst, weil er die Tiere f\u00fcr unrein h\u00e4lt. Doch Gott antwortet ihm dreimal: \u201eWas Gott f\u00fcr rein erkl\u00e4rt hat, das nenne du nicht unrein.\u201c Durch diese Vision erkennt Petrus, dass es nicht in erster Linie um Speisevorschriften geht. Gott selbst hat auch den Heiden die T\u00fcr zum Heil ge\u00f6ffnet. Deshalb bekennt Petrus sp\u00e4ter im Haus des Kornelius folgendes: Nun erfahre ich in Wahrheit, dass Gott die Person nicht ansieht; sondern in jedem Volk, wer ihn f\u00fcrchtet und Recht tut, der ist ihm angenehm. (Apg 10,34\u201335) W\u00e4hrend Petrus noch predigte, fiel der Heilige Geist in gleicher Weise auf die Heiden wie zuvor auf die Juden (s. Apg 10,44\u201345). Dieses Ereignis machte unmissverst\u00e4ndlich deutlich, dass es im Evangelium keine Unterschiede zwischen Juden und Heiden gibt. Deshalb hatte Petrus in Antiochia zun\u00e4chst ganz selbstverst\u00e4ndlich Gemeinschaft mit den Heiden und a\u00df mit ihnen. Doch als einige Judenchristen aus Jerusalem kamen, \u00e4nderte sich sein Verhalten. Er begann, auf ihre Meinung zu achten, und zog sich von den Heiden zur\u00fcck. Vers 12 berichtet: Denn bevor einige von Jakobus kamen, a\u00df er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zur\u00fcck und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung f\u00fcrchtete. Das war nicht einfach ein kleiner Fehler. \u00c4u\u00dferlich ging es nur um die Frage, ob Petrus mit den Heiden gemeinsam a\u00df oder nicht. Doch Paulus sah darin ein viel tieferes Problem. In Vers 14 schreibt er: Als ich aber sah, dass sie nicht richtig handelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Kephas \u00f6ffentlich vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht j\u00fcdisch, warum zwingst du dann die Heiden, j\u00fcdisch zu leben? Genau hier liegt der Kern des Problems. Paulus sagt nicht, dass Petrus gegen eine Essensregel versto\u00dfen habe. Er sagt vielmehr, dass Petrus nicht entsprechend der Wahrheit des Evangeliums gehandelt habe. Durch sein Verhalten wurde die Einheit zerst\u00f6rt, die Christus durch das Evangelium geschaffen hatte. Petrus hatte durch das Erlebnis bei Kornelius selbst erfahren, dass Gott keinen Unterschied zwischen Juden und Heiden macht. Das Evangelium verk\u00fcndigt, dass der Mensch nicht durch Werke des Gesetzes, sondern allein durch den Glauben gerecht wird. Doch als andere Juden kamen, f\u00fcrchtete sich Petrus vor ihrer Reaktion. Deshalb brach er die Gemeinschaft mit den Heiden ab. Dadurch entstand der Eindruck, als m\u00fcssten die Heiden zuerst j\u00fcdische Traditionen und das Gesetz einhalten, um wirklich zum Volk Gottes zu geh\u00f6ren. Noch schlimmer war, dass auch die anderen Judenchristen seinem Beispiel folgten. Sogar Barnabas, der enge Mitarbeiter des Paulus, lie\u00df sich mitrei\u00dfen. Petrus kannte das Evangelium. Er hatte es nicht nur verstanden, sondern auch danach gelebt. Doch in dem Moment, in dem er Menschen mehr f\u00fcrchtete als Gott, brachte er das Evangelium nicht mehr durch sein Leben zum Ausdruck. Mit seinen Worten bekannte er die Einheit in Christus, doch durch sein Verhalten errichtete er erneut eine Mauer zwischen Juden und Heiden.<br \/>\nDasselbe kann auch bei uns geschehen. Wir bekennen mit unserem Mund, dass wir an das Evangelium glauben. Doch im Alltag richten wir uns oft mehr nach der Meinung anderer Menschen als nach Gottes Wahrheit. Ob in der Schule, am Arbeitsplatz oder in unseren allt\u00e4glichen Beziehungen \u2013 immer wieder erleben wir Situationen, in denen wir aus Angst vor den Reaktionen anderer nicht so leben, wie es das Evangelium fordert. Wie k\u00f6nnen wir also die Menschenfurcht \u00fcberwinden und gem\u00e4\u00df dem Evangelium leben? Die Antwort ist, dass wir das Evangelium immer wieder neu und richtig verstehen.<\/p>\n<p><strong>2. Das Evangelium rechtfertigt allein durch den Glauben an Jesus Christus (Galater 2,15\u201319)<\/strong><br \/>\nLasst uns gemeinsam Vers 16 lesen: Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch gerecht. Dieser Vers ist das Herzst\u00fcck des Galaterbriefes. Ein Mensch wird vor Gott nicht durch seine guten Werke gerecht, sondern allein durch den Glauben an Jesus Christus. Paulus betont dies immer wieder: Kein Mensch kann durch das Halten des Gesetzes vor Gott gerecht werden. Warum? Nicht, weil das Gesetz schlecht w\u00e4re, sondern weil kein Mensch das Gesetz vollkommen erf\u00fcllen kann. Das Gesetz f\u00fchrt uns deshalb nicht zur Gerechtigkeit. Vielmehr zeigt es uns, dass wir S\u00fcnder sind. Vor dem Gesetz erkennen wir unsere eigene Schwachheit und unsere Unf\u00e4higkeit. Es ist vielmehr wie ein Spiegel, der uns unsere S\u00fcnde zeigt und uns zu Christus f\u00fchrt. Das Gesetz selbst besitzt keine Kraft, uns zu retten. Darum sandte Gott Jesus Christus. Der s\u00fcndlose Sohn Gottes nahm am Kreuz unsere Schuld auf sich. Wer an ihn glaubt, wird vor Gott gerecht gesprochen. Unsere Gerechtigkeit beruht nicht auf unseren Werken, sondern allein auf der Gnade Gottes. Paulus bekennt deshalb in Vers 19: Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt. Das bedeutet: Das Leben, in dem wir versuchen, uns durch das Gesetz Gottes Anerkennung zu verdienen, ist zu Ende. An seine Stelle tritt ein neues Leben \u2013 nicht mehr, um von Gott angenommen zu werden, weil wir durch seine Gnade bereits angenommen sind. Aus dieser Gewissheit heraus leben wir nun f\u00fcr Gott. Genau an diesem Punkt wurde das Verhalten des Petrus zum Problem. Durch sein Handeln begann wieder ein anderes Kriterium zu gelten, nach dem Menschen beurteilt und voneinander getrennt wurden. Es ging also nicht nur um die Frage, ob man gemeinsam a\u00df oder nicht. Es ging um die entscheidende Frage des Evangeliums: Wodurch wird ein Mensch vor Gott gerecht? Wenn die Grundlage unserer Gerechtigkeit nicht mehr die Gnade Gottes, sondern wieder das Halten des Gesetzes ist, dann entstehen auch in der Gemeinde erneut Trennungen. Dann wird unterschieden zwischen Juden und Heiden, zwischen denen, die das Gesetz halten, und denen, die es nicht halten, zwischen denen, die Gott scheinbar n\u00e4her stehen, und denen, die weiter von ihm entfernt sind. Deshalb konnte Paulus diese Situation nicht einfach hinnehmen. Denn sobald das Evangelium verdunkelt wird, ger\u00e4t auch die Gemeinde wieder unter menschliche Ma\u00dfst\u00e4be und menschliche Bewertungen. Von hier aus f\u00fchrt Paulus seine Gedanken noch weiter. Er zeigt, dass das Evangelium nicht nur der Anfang unseres Glaubens ist, sondern die Kraft, die unser ganzes Leben ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>3. Evangelium ver\u00e4ndert unser Leben (Galater 2,20\u201321)<\/strong><br \/>\nPaulus erkl\u00e4rt das Evangelium nun nicht mehr nur mit Worten \u2013 er verk\u00fcndigt es durch sein eigenes Leben (Vers 20): Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst f\u00fcr mich dahingegeben. Dieses Bekenntnis ist weit mehr als eine pers\u00f6nliche Glaubensaussage. Es ist die Erkl\u00e4rung, dass das Zentrum seines Lebens durch das Evangelium vollkommen ver\u00e4ndert worden ist. Wer ist also ein Mensch, der das Evangelium angenommen hat? Er ist nicht einfach jemand, der zustimmt und sagt: \u201eJesus hat recht.\u201c Ein Mensch, der das Evangelium annimmt, erkennt zuerst vor Gott, dass er ein S\u00fcnder ist. Er erkennt, dass er mit seiner eigenen Gerechtigkeit niemals vor Gott bestehen kann und unter seinem Gericht steht. Doch er bleibt nicht an diesem Punkt stehen. Er kommt zum Kreuz. Er vertraut nicht auf seine eigenen Leistungen, sondern allein auf die Gnade Jesu Christi. Das ist das Evangelium. Es ist die Kraft Gottes, die den Menschen zuerst zerbricht und ihn dann neu aufrichtet. Deshalb lebt ein Mensch, der das Evangelium angenommen hat, nicht l\u00e4nger nach seinen eigenen Ma\u00dfst\u00e4ben. Nicht mehr seine Gedanken oder sein eigenes Urteil bestimmen sein Leben, sondern Gottes Wort. Hingabe an Jesus bedeutet: Die Herrschaft \u00fcber das eigene Leben Christus zu \u00fcberlassen. Deshalb ist das Wort des Paulus: \u201eNicht mehr ich lebe\u201c keine emotionale Aussage, sondern eine grundlegende Ver\u00e4nderung. Das Zentrum des Lebens hat sich verschoben \u2013 weg vom eigenen Ich hin zu Christus.<br \/>\nAn dieser Stelle kann jedoch leicht ein Missverst\u00e4ndnis entstehen. Viele verstehen das Evangelium lediglich als die Gewissheit der Errettung oder als eine Art \u201eEintrittskarte in das Himmelreich\u201c. Andere denken: \u201eWenn nicht mehr ich lebe, sondern Christus in mir lebt, dann spielt es keine Rolle mehr, wie ich lebe. Christus wird schon alles regeln.\u201c Doch genau daraus entstehen falsche Schlussfolgerungen. Manche nehmen die Gnade zum Anlass, die S\u00fcnde zu verharmlosen oder ihr eigenes Leben weiterhin nach ihren eigenen Vorstellungen zu f\u00fchren. Das ist jedoch nicht das Evangelium, sondern eine Verzerrung des Evangeliums. Das Evangelium macht die S\u00fcnde nicht belanglos. Es zerst\u00f6rt die Macht der S\u00fcnde und f\u00fchrt uns in ein Leben der Heiligung. Wer am Evangelium festh\u00e4lt, erkennt seine eigene Schwachheit sogar immer tiefer. Deshalb kehrt er immer wieder zur Gnade zur\u00fcck, bekennt seine Schuld und h\u00e4lt sich neu an Christus fest. Gerade aus dieser Gnade w\u00e4chst der Wunsch, im Gehorsam vor Gott zu leben. Paulus f\u00e4hrt deshalb fort: \u201eIch verwerfe die Gnade Gottes nicht; denn wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz k\u00e4me, dann w\u00e4re Christus umsonst gestorben.\u201c (Gal 2,21) Wenn wir meinen, wir k\u00f6nnten durch unsere eigenen Leistungen vor Gott gerecht werden, dann machen wir die Gnade Gottes wirkungslos. In diesem Moment verschiebt sich das Zentrum des Evangeliums: Nicht mehr Gottes Gnade steht im Mittelpunkt, sondern das, was wir selbst leisten. Nicht Gottes Geschenk wird zum Ma\u00dfstab, sondern unser eigener Erfolg. Dann kann Gnade nicht l\u00e4nger Gnade bleiben. Die Folge ist schwerwiegend. Das Kreuz verliert seine Bedeutung, der Tod Jesu wird entwertet, und in der Gemeinde entstehen erneut Vergleiche, Bewertungen und Trennungen zwischen Menschen. Deshalb ist das Evangelium nicht nur eine Lehre, der wir zustimmen. Es ist die Kraft Gottes, die unser ganzes Leben tr\u00e4gt und ver\u00e4ndert. Wenn das Evangelium aus unserem Blick ger\u00e4t, kehren wir unweigerlich zu menschlichen Ma\u00dfst\u00e4ben und zu unserer eigenen Gerechtigkeit zur\u00fcck.<br \/>\nDoch das Evangelium ist weit mehr als die Botschaft, dass wir nach unserem Tod in den Himmel kommen. Es ist Gottes Kraft, die uns schon heute dazu ruft, unserem alten Leben zu sterben und Christus in uns leben zu lassen. Deshalb bedeutet Glauben an das Evangelium nicht, Jesus einfach zu unserem bisherigen Leben hinzuzuf\u00fcgen. Es bedeutet, den K\u00f6nig unseres Lebens zu wechseln. Nicht mehr wir selbst sitzen auf dem Thron unseres Lebens, sondern Jesus Christus ist unser Herr.<br \/>\nDie Gnade Jesu Christi, die am Kreuz sichtbar wurde, hat auch mein eigenes Leben ver\u00e4ndert.<br \/>\nDurch Jesaja 9 zeigte mir Gott, dass Jesus nicht nur mein Erl\u00f6ser ist, sondern auch mein ewiger Vater und der F\u00fcrst des Friedens. Als ich voller Angst in die Zukunft blickte, schenkte er mir seinen Frieden. Damals erkannte ich: Nicht ich selbst bin Herr meines Lebens, sondern Jesus Christus. Obwohl ich das Evangelium erkannt hatte, lebte ich nicht immer im Einklang mit dem Evangelium. Auch nachdem ich Jesus angenommen hatte, k\u00e4mpfte ich immer wieder damit, auf die Meinung und das Urteil anderer Menschen zu achten. So wie Petrus Angst vor den Judenchristen hatte, f\u00fcrchtete auch ich die Menschen. Ich versuchte, ihren Erwartungen zu entsprechen und m\u00f6glichst nicht aufzufallen. Obwohl ich bekannte, an Jesus zu glauben, wurde das Evangelium in meinem Alltag oft nicht sichtbar.<br \/>\nVor einigen Monaten, als ich mich auf eine neue Arbeitsstelle bewarb, stand ich erneut vor einer \u00e4hnlichen Herausforderung. Ich musste erkl\u00e4ren, warum ich meine vorherige Arbeitsstelle verloren hatte. Ich hatte Angst vor der Reaktion der Menschen und bef\u00fcrchtete, dass man mich deshalb negativ beurteilen k\u00f6nnte. Deshalb wollte ich diese Geschichte zun\u00e4chst m\u00f6glichst kurz halten und schnell dar\u00fcber hinweggehen. Ich wollte den sicheren Weg w\u00e4hlen \u2013 den Weg, der sich nach den Erwartungen der Menschen richtet. Doch eine Frage lie\u00df mich nicht los: \u201eWas gef\u00e4llt Gott?\u201c Schlie\u00dflich entschied ich mich, nicht nur die Situation zu erkl\u00e4ren, sondern auch offen zu sagen, dass ich Christ bin. Selbst wenn mir dadurch Nachteile entstehen w\u00fcrden, wollte ich ehrlich sein. Au\u00dferdem erz\u00e4hlte ich, dass ich meine K\u00fcndigung nicht nur als pers\u00f6nliches Scheitern sehe, sondern als einen Weg, auf dem Gott mich gef\u00fchrt hat. Besonders in dieser Zeit hatte mich das Leben Josefs durch die Herbstkonferenz ermutigt. Beim Nachdenken \u00fcber seine Geschichte durfte ich erkennen, dass Gott auch in Situationen, die ungerecht oder unverst\u00e4ndlich erscheinen, gegenw\u00e4rtig ist und seinen guten Weg mit mir geht. F\u00fcr mich war das keine Rechtfertigung meines Handelns, sondern ein pers\u00f6nliches Zeugnis davon, wie das Evangelium mein Leben pr\u00e4gt und wie ich mein Leben im Licht des Evangeliums verstehe. Zu meiner \u00dcberraschung erz\u00e4hlte meine Gespr\u00e4chspartnerin daraufhin ebenfalls, dass sie Christin ist. Dadurch entstand ein offenes und ehrliches Gespr\u00e4ch. Gott schenkte mir schlie\u00dflich nicht nur eine neue Arbeitsstelle, sondern lie\u00df mich vor allem erfahren, dass es sich lohnt, ihm zu vertrauen.<br \/>\nDurch dieses Erlebnis habe ich neu verstanden: Nach dem Evangelium zu leben bedeutet nicht, immer den sichersten Weg zu w\u00e4hlen. Es bedeutet, Gottes Wahrheit h\u00f6her zu achten als die Meinung der Menschen. Und ich durfte erfahren, dass Gott diejenigen, die ihm vertrauen, mit seiner Gnade f\u00fchrt.<br \/>\nGott hat mir durch Galater 2 drei Dinge gezeigt. Erstens: Nur durch das Evangelium werde ich gerechtfertigt. Zweitens: Das Evangelium ist Jesus Christus, mein Retter, der f\u00fcr mich am Kreuz gestorben und von den Toten auferstanden ist. Drittens: Das Evangelium ist nicht nur die Botschaft meiner Rettung. Es ist die Kraft Gottes, die mein Leben ver\u00e4ndert und mich jeden Tag neu pr\u00e4gt.<br \/>\nDennoch bin ich immer noch schwach. Oft lasse ich mich von den Blicken und der Meinung anderer Menschen beeinflussen und gerate ins Wanken. Deshalb bete ich darum, immer wieder \u00fcber die Gnade Jesu nachzudenken, der f\u00fcr meine S\u00fcnden am Kreuz gestorben ist. Ich bete auch darum, nicht nach dem Urteil der Menschen zu leben, sondern vor Gott. Ich glaube, dass das Evangelium dann in meinem Leben sichtbar und wirksam wird.<br \/>\n\u201eIch bin mit Christus gekreuzigt. Und nun lebe nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir.\u201c (Galater 2,20) Ich bete, dass dieses Bekenntnis nicht nur das Bekenntnis des Paulus bleibt, sondern auch unser pers\u00f6nliches Bekenntnis wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir \u201eDoch weil wir wissen, dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":"","_members_access_role":[],"_members_access_error":""},"categories":[24,4],"tags":[],"class_list":["post-14065","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-galater","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14065","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14065"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14065\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14070,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14065\/revisions\/14070"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14065"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14065"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14065"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}