{"id":13964,"date":"2026-05-17T11:00:14","date_gmt":"2026-05-17T09:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13964"},"modified":"2026-05-24T23:05:22","modified_gmt":"2026-05-24T21:05:22","slug":"predigt-1-johannesbrief-21-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-johannesbrief-21-11\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Johannesbrief 2,1-11"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/1.Johannesbrief_2-01_2-11_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/1.Johannesbrief_2-01_2-11_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_johannes\/2\/1-11?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Der neue Lebenswandel<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eWer sagt, dass er in ihm bleibt, muss auch einen Lebenswandel f\u00fchren, wie er ihn gef\u00fchrt hat.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Johannes 2,6)<\/p>\n<p>Wir haben letzte Woche mit einem neuen Buch angefangen, mit dem wir uns noch ein paar Wochen besch\u00e4ftigen werden. Anhand des 1. Johannesbriefes wollen wir lernen, wie wir eine Gemeinde werden k\u00f6nnen, in der die Liebe Gottes sp\u00fcrbar pr\u00e4sent ist. Letzte Woche haben wir gelernt, dass die Liebe Gottes bereits am Anfang war. Wir alle haben ein Bed\u00fcrfnis nach Liebe und den Wunsch andere Menschen zu lieben, weil wir zum Bilde Gottes geschaffen sind, der selbst Liebe ist.<br \/>\nIm heutigen Text spricht Johannes \u00fcber einen neuen Lebenswandel (keine \u00dcberraschung: Es geht um ein Leben der Liebe), wenn wir mit Jesus verbunden sind. Drei Dinge scheint uns der Text nahezulegen: erstens, die Notwendigkeit eines neuen Lebens; zweitens, der Inhalt des neuen Lebens; drittens, die Grundlage f\u00fcr dieses Leben.<\/p>\n<p><strong>1. Die Notwendigkeit eines neuen Lebens<\/strong><br \/>\nIn den Versen 3 und 4 lesen wir: \u201eUnd daran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben: wenn wir seine Gebote halten. Wer sagt: Ich habe ihn erkannt!, aber seine Gebote nicht h\u00e4lt, ist ein L\u00fcgner und in dem ist die Wahrheit nicht.\u201c Johannes verwendet hier das Wort \u201eerkennen\u201c. Was bedeutet es, die Erkenntnis Gottes zu haben? Das, was Johannes im Sinn hatte, war echte, tiefe Gemeinschaft mit Gott: die Gemeinschaft, die Gott am Anfang in sich hatte, als Vater, Sohn und Heiliger Geist; und die Gemeinschaft, die Gott mit uns teilen m\u00f6chte. Die Erkenntnis Gottes bedeutet, die Gemeinschaft Gottes zu erfahren, oder anders gesagt, eine pers\u00f6nliche Beziehung zu Gott zu haben.<br \/>\nJohannes sagt hier jetzt, dass es f\u00fcr die Erkenntnis Gottes klare Kennzeichen gibt, und zwar das Halten von Gottes Geboten. Das gilt sowohl im Positiven als auch im Negativen: Wer Gott erkannt hat, h\u00e4lt seine Gebote; wer Gottes Gebote nicht h\u00e4lt, kennt Gott nicht und wer trotzdem behauptet, Gott erkannt zu haben, der l\u00fcgt und ist nicht in der Wahrheit. Das bringt uns dann nat\u00fcrlich zur n\u00e4chsten Frage: Was hei\u00dft es dann, Gottes Gebote zu halten? Was bedeutet es, zu gehorchen?<br \/>\nTim Keller hatte mit seiner Frau drei S\u00f6hne gro\u00dfgezogen. Und mit mindestens einem von seinen S\u00f6hnen hatte er interessante Diskussionen zum Thema Gehorsam. Sein Sohn sagte zu ihm: \u201ePapa, ich bin gerne bereit, dir zu gehorchen, wenn du mir erkl\u00e4rst, weshalb ich das tun sollte.\u201c Und Tim Keller w\u00fcrde ihm dann erkl\u00e4ren: \u201eMein Sohn, das ist kein Gehorsam. Das, was du beschreibst, ist lediglich eine \u00dcbereinstimmung. Du m\u00f6chtest einwilligen, solange es dir in den Kram passt.\u201c Solange du sagst \u201eich gehorchen dir, wenn \u2026\u201c oder \u201eich gehorche dir, falls \u2026\u201c, ist das kein echter Gehorsam. Gehorsam wird fr\u00fcher oder sp\u00e4ter mit unserem freien Willen kollidieren. Der Test f\u00fcr Gehorsam kommt dann, wenn man etwas tun muss, was man eigentlich nicht tun will; oder wenn man etwas lassen muss, was man unbedingt will. Gehorsam bedeutet, dass man in diesen Situationen aus Respekt zu und Achtung vor einer h\u00f6heren Autorit\u00e4t handelt. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele mit diesem Konzept ihre Probleme haben. Das gilt sowohl f\u00fcr diejenigen unter uns, die bereits an Jesus glauben und ihm nachfolgen, und das gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr diejenigen, die mit dem Glauben noch nicht so viel am Hut haben.<br \/>\nFangen wir mit denjenigen, die bereits Jesus nachfolgen. Diese Verse, die wir gerade gelesen haben, r\u00e4umen mit sehr viel schlechter Theologie auf. Zum Beispiel: Vielleicht habt ihr schonmal den Spruch geh\u00f6rt \u201eGott hasst die S\u00fcnde; aber Gott liebt den S\u00fcnder.\u201c Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich so etwas auch schon in mindestens einer von meinen Predigten gesagt habe. An diesem Satz ist zwei Millimeter Wahrheit dran. Aber der Satz scheint irgendwie zu implizieren, als ob man immer klar zwischen der S\u00fcnde und dem S\u00fcnder, der die S\u00fcnde begeht, differenzieren kann. Aber das ist nicht so einfach. Jesus selbst hatte gelehrt: \u201eWer die S\u00fcnde tut, ist Sklave der S\u00fcnde.\u201c S\u00fcnde ist nicht nur ein Vergehen, eine Missetat oder ein Fehler, den wir begehen; S\u00fcnde ist die Natur und die Eigenschaft, die wir sind, wenn wir s\u00fcndigen.<br \/>\nOder vielleicht habt ihr den Spruch geh\u00f6rt: \u201eChristen sind nicht perfekt, sondern nur begnadigt\u201c Das klingt ein wenig wie \u201eChristen sind ja auch nur Menschen\u201c, was ja auch eindeutig stimmt. Wiederum, an dem Spruch, dass Christen nicht perfekt sind, sondern lediglich begnadigt, sind 1-2 Millimeter Wahrheit dran. Aber es l\u00e4sst den Anschein erwecken, als ob unser Verhalten, die Art und Weise wie und wof\u00fcr wir leben, unser Lebenswandel nichts mit der Tatsache zu tun haben m\u00fcssen, dass wir Christen sind. Johannes setzt dem ganzen einen Riegel vor, indem er sagt: \u201eSorry! Wenn du denkst, dass du Gott kennst, aber du h\u00e4ltst seine Gebote nicht, dann ist das kein echter Glaube.\u201c Verse 5 und 6: \u201eWer sich aber an sein Wort h\u00e4lt, in dem ist die Gottesliebe wahrhaft vollendet; daran erkennen wir, dass wir in ihm sind. Wer sagt, dass er in ihm bleibt, muss auch einen Lebenswandel f\u00fchren, wie er ihn gef\u00fchrt hat.\u201c Und das ist f\u00fcr alle, die Jesus nachfolgen, eine immense Herausforderung.<br \/>\nDer andere Grund, weshalb wir uns mit diesen Versen sehr schwertun, liegt am Wort Gehorsam. Und schlimmer noch, dass wahrer Gehorsam tats\u00e4chlich erfordert, dass unser Wille gekreuzt wird. Das Ganze ist eine Art \u201eblinder\u201c Gehorsam, weil man auch dann gehorcht, wenn man den Sinn nicht wirklich verstanden hat und obwohl man damit eigentlich nicht einverstanden ist. Tats\u00e4chlich ist diese Art von Gehorsam bei uns sehr verp\u00f6nt, und wenn immer ein solcher Gehorsam gefordert wird, wird das mit ganz viel Argwohn und Skepsis betrachtet und danach vollst\u00e4ndig zur\u00fcckgewiesen und abgelehnt. In Deutschland hatte man vor weniger als 100 Jahren sehr einschl\u00e4gige Erfahrungen damit gemacht, und was war das Resultat dessen?<br \/>\nViele Menschen in unserer Gesellschaft w\u00fcrden Folgendes sagen oder unterschreiben k\u00f6nnen: \u201eIch finde vieles, was die Bibel sagt, ganz gut. Das mit der N\u00e4chstenliebe ergibt sehr viel Sinn. Da kann man sich eine dicke Scheibe von abschneiden. Aber was die Bibel zu Sexualit\u00e4t oder zu Frauen sagt, das ist doch hoffnungslos veraltet.\u201c Und vielleicht hast du \u00e4hnliche Gedanken: dass die Bibel in einigen Teilen ganz gut ist, in anderen Teilen nicht wirklich. Man sollte daher sein eigenes Gehirn einschalten und sich selbst eine Meinung dar\u00fcber bilden, was Sinn ergibt und was nicht. Das klingt doch sehr vern\u00fcnftig! Es ist sprichw\u00f6rtlich \u201evern\u00fcnftig\u201c in dem Sinn, dass unsere Vernunft zum Gradmesser dessen wird, was gut ist und was nicht. Vielleicht kann ich erkl\u00e4ren, weshalb das nicht weniger problematisch ist.<br \/>\nDallas Willard macht in seinem Buch \u201eDivine Conspiracy\u201d darauf aufmerksam, wie sehr wir uns verrannt haben, was Moral angeht. Rob Coles war ein Harvard Professor f\u00fcr Psychiatrie und beklagte das moralische Versagen von vielen Intellektuellen. In einem Essay erz\u00e4hlt er unter anderem die Geschichte von einer Harvard-Studentin, die aus einem einfachen Haushalt kam. Sie putzte im Wohnheim, um sich einen Unterhalt zu verdienen. Immer und immer wieder erfuhr sie, dass sie von ihren Kommilitonen extrem herablassend und respektlos behandelt wurde, weil sie aus einer Arbeiterfamilie stammte. Ein Student, der sie besonders niedertr\u00e4chtig behandelt hatte, hatte zwei Seminare mit ihr zusammen im Bereich \u201emoralische Argumentation\u201c und den Kurs mit Bestnoten abgeschlossen. Das grundlegende Problem ist, dass bei allen moralischen Debatten in den Philosophie-Seminaren, nicht vermittelt werden kann, was moralisch gut und moralisch verwerflich ist. Das ist Meinungs- und Ansichtssache. Stellen wir uns vor, dass Person A der Ansicht ist, dass es verkehrt ist, Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Aussehens, ihrer sozialen Schicht zu diskriminieren, w\u00e4hrend Person B der Ansicht ist, dass es damit keine Probleme gibt. F\u00fcr beide ist deren Vernunft das Ma\u00df aller Dinge. Vielleicht sehen wir, dass wir jetzt ein gro\u00dfes Problem haben. Die Frage ist, wessen Werte sind die Richtigen? Und wer hat das Recht, das zu entscheiden?<br \/>\nHier ist der Punkt: Es ist immer eine hervorragende Idee, beim Lesen der Bibel sein Gehirn einzuschalten und mitzudenken. Aber wenn wir irgendwelche Ideen (egal ob es biblische Ideen sind oder andere) kritisieren, dann tun wir das von einer Position der Autorit\u00e4t, weil wir uns anma\u00dfen in diesem Bereich, das entsprechende Wissen und die Erkenntnis zu haben, das angemessen beurteilen zu k\u00f6nnen. Aber wer sagt, dass das, was wir f\u00fcr vern\u00fcnftig halten, auch wirklich vern\u00fcnftig ist? Wer sagt, dass unsere Position, aus welcher wir heraus kritisieren, \u00fcberhaupt richtig ist? Du kannst kritisch hinterfragen, aber die Frage ist, ob du deinen eigenen Standpunkt kritisch hinterfragt hast? Du kannst skeptisch sein; aber bist du auch skeptisch gegen\u00fcber deiner eigenen Skepsis?<br \/>\nDer erste Punkt ist der folgende: Wenn wir wirklich Gott erkennen wollen, wenn wir in einer Beziehung mit Gott leben wollen, m\u00fcssen wir uns mit der Idee anfreunden, dass wir ihm gehorchen m\u00fcssen. Wir m\u00fcssen akzeptieren, dass er unsere Autorit\u00e4t ist, weit h\u00f6her als unsere Vernunft. Wir m\u00fcssen uns damit anfreunden, dass die Erkenntnis Gottes mit einem ver\u00e4nderten Lebenswandel einhergeht, der sich grunds\u00e4tzlich in vielem unterscheiden wird, was die Welt als normal ansieht.<\/p>\n<p><strong>2. Der Inhalt des neuen Lebens<\/strong><br \/>\nJohannes erkl\u00e4rt in den folgenden Versen, was das Befolgen von Gottes Geboten bedeutet. Vers 7 und 8: \u201eGeliebte, ich schreibe euch kein neues Gebot, sondern ein altes Gebot, das ihr von Anfang an hattet. Das alte Gebot ist das Wort, das ihr geh\u00f6rt habt. Wiederum schreibe ich euch ein neues Gebot, was wahr ist in ihm und in euch, weil die Finsternis vergeht und das wahre Licht schon leuchtet.\u201c Diese Verse sind etwas r\u00e4tselhaft. Ist das alte Gebot, von dem er in Vers 7 schreibt und das neue Gebot, von dem er in Vers 8 schreibt, ein und dasselbe?<br \/>\nWir finden die Antwort in den Versen 9 und folgende: \u201eWer sagt, er sei im Licht, aber seinen Bruder hasst, ist noch in der Finsternis. Wer seinen Bruder liebt, bleibt im Licht und ihm gibt es keinen Ansto\u00df. Wer aber seinen Bruder hasst, ist in der Finsternis und wandelt in der Finsternis und wei\u00df nicht, wohin er geht; denn die Finsternis hat seine Augen blind gemacht.\u201c Es geht um das Gebot, den Bruder zu lieben. Falls ihr euch fragt: \u201eWarum erw\u00e4hnt Johannes hier vor allem den Bruder? Was ist mit der Schwester? Und was ist mit allen anderen?\u201c, gemeint ist hier \u201eder N\u00e4chste\u201c. Das Gebot ist, die n\u00e4chste Person in deinem Leben zu lieben. Die Liebe zum N\u00e4chsten ist also das, was die Essenz des christlichen Lebenswandels ausmacht. Diejenigen, die den Bruder lieben, erfahren das, was Apostel Johannes in Vers 5 beschrieben hatte: Die Liebe Gottes ist in dieser Person wirklich vollendet.<br \/>\nWir m\u00fcssen verstehen, was mit dem N\u00e4chsten gemeint ist. Die N\u00e4chsten sind die Menschen, die Gott in unserem Leben geschenkt hat, damit wir sie lieben: Es f\u00e4ngt mit unserer Familie an, die Eltern, die Geschwister, die Kinder, der Ehepartner. Es geht weiter mit den Geschwistern in der Gemeinde. Es k\u00f6nnen die Freunde sein, mit denen wir die Schule oder die Uni besuchen oder die Kollegen am Arbeitsplatz. Oder es kann der Hilfsbed\u00fcrftige sein, dem wir auf der Stra\u00dfe begegnen. Die N\u00e4chsten sind die Menschen um uns herum, die wir lieben sollen. Gott hat uns beauftragt, den N\u00e4chsten zu lieben, nicht alle Menschen auf der Welt. Die Welt zu lieben ist Gottes Aufgabe. Den N\u00e4chsten zu lieben ist unsere Berufung; das ist herausfordernd genug.<br \/>\nGavin Ortlund sagte: \u201eMan kann nicht in einem Augenblick das Antlitz Christi schauen und im n\u00e4chsten Augenblick die W\u00fcrde, die Begabung und den Dienst eines seiner Schafe verachten.\u201c Dorothy Day hat folgenden Satz gesagt: \u201eIch liebe Gott tats\u00e4chlich nur so sehr, wie ich den Menschen liebe, den ich am wenigsten liebe.\u201c<br \/>\nWenn man auf sozialen Netzwerken schreibt, dass wir uns einander mehr lieben sollten, erntet man daf\u00fcr vielleicht auch Applaus. Bei der Grammy-Verleihung hatte der Rapper Bad Bunny gesagt, dass Liebe st\u00e4rker ist als Hass. Die Zuschauer applaudierten. Wenn wir an Liebe denken, dann kommen uns meistens warme und romantische Gef\u00fchle. Diejenigen, die schon l\u00e4nger dabei sind, werden wissen, dass das griechische Wort f\u00fcr \u201eLiebe\u201c das im NT verwendet wird, in den meisten F\u00e4llen Agape ist. Und Agape ist eine freiwillige, selbst aufopfernde Liebe, die das Ziel hat, einer anderen Person Gutes zu tun. Die Agape scheut keine Kosten und M\u00fchen, wenn es darum geht, dem Wohl einer anderen Person zu dienen, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Jede leben-gebende Liebe ist eine selbst aufopfernde Liebe.<br \/>\nHier sind ein paar Beispiele. Stellen wir uns ein 3-j\u00e4hriges Kind vor, das von seinen Eltern ein Buch vorgelesen bekommt. Was sagt das Kind, wenn man mit dem Buch fertig ist? Ja, genau: Nochmal! Und je nachdem, was f\u00fcr ein Buch es ist, kann es sein, dass man als Leser ein wenig die Krise bekommt, weil es langweilig und stupide ist. Aber dem Kind zuliebe liest man es noch einmal und noch einmal und noch einmal. Jedes Mal kostet es mehr Selbstverleugnung. Aber das ist, was das Kind braucht, um die Sprache zu lernen. Es ist das Opfer der Eltern, die dem Kind helfen, gesund heranzuwachsen.<br \/>\nLetzte Woche war Muttertag. Und Johannes Hartl hatte anl\u00e4sslich des Muttertages folgendes geschrieben: \u201eEs war ihr Schmerz, der dich ins Leben brachte und niemand versteht so tief, dass Schmerz und Leben zusammengeh\u00f6ren, wie eine Frau, die einmal entbunden hat.\u201c Der Schmerz h\u00f6rt ja nicht nach der Entbindung auf. Es geht dann mit dem Stillen weiter, die schlaflosen N\u00e4chte, die langen Termine beim Kinderarzt, das Tragen des Kindes, bis es eingeschlafen ist. Kinder sind nicht nur eine sehr ungeduldige und anspruchsvolle Kundschaft; in der Regel sind sie auch sehr undankbar, d.&nbsp;h., man kann als Eltern auch nichts gro\u00df zur\u00fcckerwarten, wenn man sie leibt. Jede lebengebende Liebe ist eine selbst aufopfernde Liebe.<br \/>\nUnd man k\u00f6nnte noch unz\u00e4hlige weitere Beispiele geben: das Pflegen von Angeh\u00f6rigen, wenn sie krank, gebrechlich oder dement werden; f\u00fcr Freunde da zu sein, die Trost brauchen; eine Karriere aufzugeben, um mehr Zeit f\u00fcr Geliebte zu haben; Vergebung auszusprechen, wenn man verletzt wurde. Eine Frage an dich: Wer sind die N\u00e4chsten, in deiner Umgebung, die du lieben sollst? Vielleicht hast du Menschen, von denen zu wei\u00dft, dass sie schwierig sind, schwierig zu lieben sind, aber dass es eigentlich deine Aufgabe und Berufung ist, f\u00fcr sie da zu sein. Vielleicht gibt es eine Person, die du mehr lieben solltest, aber weniger liebst. Dorothy Day hat recht: \u201eWir lieben Gott nur so viel, wie wir die Person lieben, die wir am wenigsten lieben.\u201c<\/p>\n<p><strong>3.Die Grundlage f\u00fcr das neue Leben<\/strong><br \/>\nWir finden die Antwort in den ersten zwei Versen: \u201eMeine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht s\u00fcndigt. Wenn aber einer s\u00fcndigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten. Er ist die S\u00fchne f\u00fcr unsere S\u00fcnden, aber nicht nur f\u00fcr unsere S\u00fcnden, sondern auch f\u00fcr die der ganzen Welt.\u201c Es gibt so vieles, was man zu diesen Versen sagen k\u00f6nnte. Ein paar Gedanken dazu. Wie ich vorher gesagt hatte, hatte Johannes einen ganz hohen Standard f\u00fcr das neue Leben: nicht s\u00fcndigen. Aber gleichzeitig hatte er im Kapitel zuvor gesagt, dass wir alle S\u00fcnde haben. Wenn wir s\u00fcndigen, schreibt er, dass wir einen F\u00fcrsprecher haben. Stellen wir uns ein hohes Gericht vor, bei dem unser Fall diskutiert wird. Es sieht nicht gut f\u00fcr uns aus, aber dann kommt unser absoluter Staranwalt, der sich f\u00fcr uns einsetzt, der daf\u00fcr Sorge tr\u00e4gt, dass uns vergeben wird. Johannes sagt, dass Jesus dieser Beistand ist.<br \/>\nJesus kann dieser Beistand aus zwei Gr\u00fcnden sein. Zum einen ist er selbst der Gerechte, d.&nbsp;h., er selbst ist frei von jeglicher Schuld. Aber zum anderen sagt Vers 2, dass er die S\u00fchne f\u00fcr unsere S\u00fcnde ist, d.&nbsp;h., als Jesus am Kreuz starb, hat er alles das, was wir f\u00fcr unsere S\u00fcnde verdient h\u00e4tten, auf sich genommen. Er wurde an unserer Stelle gerichtet. Er wurde an unserer Stelle verurteilt. Er wurde an unserer Stelle bestraft. Er ist an unserer Stelle gestorben. Jesu Argument f\u00fcr uns ist nicht: \u201eKannst du ein wenig Nachsicht zeigen?\u201c, sondern es ist: \u201eIch habe f\u00fcr diese Person mit meinem eigenen Blut bezahlt. Weil ich f\u00fcr diese Person gestorben bin, muss er begnadigt werden.\u201c<br \/>\nWir m\u00fcssen hier nun noch verstehen, bei wem Jesus unser Beistand ist. Es soll auf keinen Fall der Eindruck entstehen, dass Jesus auf unserer Seite ist, w\u00e4hrend Gott der schlecht gelaunte, cholerische Richter ist. Jesus ist der Beistand beim Vater! Es ist der Vater, der diese Welt und jeden einzelnen von uns so unendlich geliebt hat, dass er niemanden verloren gehen lassen wollte. Dallas Willard hat den ber\u00fchmten Vers aus Johannes 3,16 so \u00fcbersetzt: \u201eGottes F\u00fcrsorge f\u00fcr die Menschheit war so gro\u00df, dass er seinen einzigen Sohn unter uns sandte, damit alle, die auf ihn vertrauen, kein sinnloses und vergebliches Leben f\u00fchren, sondern das unverg\u00e4ngliche Leben Gottes selbst haben.\u201c Gott, der Vater, und Gott, der Sohn, teilen das gleiche Herz, uns von allem zu retten, was uns zerst\u00f6rt und was uns kaputt macht.<br \/>\nDarin liegt der Unterschied zwischen dem Evangelium und praktisch jeder Religion auf Erden. Alle Religionen sagen uns, was wir tun m\u00fcssen, um gerettet zu werden: wie wir unser Leben auf die Reihe kriegen m\u00fcssen, welche religi\u00f6sen Zeremonien wir halten m\u00fcssen, welche Art von Erleuchtung wir erreichen m\u00fcssen, um frei zu werden. Aber im Evangelium hat Gott in Jesus Christus alles vollbracht und alles getan, um uns zu retten. Die Grundlage f\u00fcr den neuen Lebenswandel ist nicht: \u201eIch gehorche, um gerettet zu werden\u201c, sondern: \u201eIch wurde gerettet, deshalb gehorche ich\u201c. Es ist nicht: \u201eIch halte die Gebote, um von Gott angenommen zu werden\u201c, sondern: \u201eGott hat mich bereits angenommen, deshalb halte ich seine Gebote\u201c. Es ist nicht: \u201eIch f\u00fchre ein Leben der Liebe, um von Gott geliebt zu werden\u201c, sondern: \u201eGott hat mich von Ewigkeit an mit unaussprechlicher Liebe geliebt, deshalb liebe ich ihn und meinen N\u00e4chsten\u201c.<br \/>\nDie Grundlage f\u00fcr den neuen Lebenswandel ist das ewige Leben Gottes, das er mit uns teilt und die Liebe, die er zu uns hat. Nichts anderes auf dieser Welt kann uns so sehr zu einem Leben der Liebe bef\u00e4higen, als die Liebe Gottes selbst. Indem wir in dieser Liebe leben und diese Liebe aus\u00fcben und praktizieren, empfangen wir mehr und mehr von der Liebe Gottes.<br \/>\nEs gibt kaum jemanden, der das so krass erlebt wie Joni Eareckson Tada. Joni ist eine inzwischen \u00e4ltere Frau, die seit Jahrzehnten im Rollstuhl sitzt, weil sie als Teenager einen Badeunfall hatte. Sie ist seither querschnittsgel\u00e4hmt. Sie erz\u00e4hlte folgendes: \u201eEs war noch ganz am Anfang meiner Ehe mit Ken, vielleicht drei oder vier Jahre nach der Hochzeit, und er hatte zunehmend M\u00fche mit dem pausenlosen Alltag, den meine Behinderung mit sich brachte. [\u2026] ein Gro\u00dfteil der Last lastete auf Kens Schultern. Eines Abends, bevor wir ins Bett gingen, sa\u00df er am Rand der Matratze, lie\u00df die Schultern h\u00e4ngen und gestand: \u201aIch schaffe das nicht. Ich f\u00fchle mich so gefangen. Joni, ich f\u00fchle mich einfach gefangen.\u2018 Aus heiterem Himmel spuckte ich heraus: \u201aNa, wo war denn dein Verstand, als wir geheiratet haben? Wusstest du nicht, dass es so sein w\u00fcrde? Hast du nicht verstanden, dass ich querschnittsgel\u00e4hmt bin? War dir nicht klar, dass es so schwer werden w\u00fcrde?\u2018 Sobald ich diese Worte gesagt hatte, w\u00fcnschte ich mir, ich h\u00e4tte sie wieder in meinen Mund stopfen k\u00f6nnen. Ich entschuldigte mich schnell.<br \/>\nIn den letzten etwa zehn Jahren meiner Ehe mit Ken waren chronische Schmerzen ein gro\u00dfes Problem. Ich erinnere mich, dass es vor vielleicht zehn Jahren so war, als ich die schlimmsten Schmerzen hatte, \u2026 Ich spreche von unertr\u00e4glichen, kieferbrechenden Schmerzen, und Ken musste nachts extra oft aufstehen, um mich zu drehen. Das ging mehrere Wochen so. Aber eines Abends, bevor wir das Licht ausmachten, setzte er sich wieder auf das Bett und gestand: \u201aIch f\u00fchle mich gefangen. Ich schaffe das nicht.\u2018 Doch diesmal war meine Antwort: \u201aOh, mein Schatz, ich mache dir \u00fcberhaupt keine Vorw\u00fcrfe. Wenn ich an deiner Stelle w\u00e4re, w\u00fcrde ich mich genau so f\u00fchlen. Ich w\u00fcrde mich gefangen f\u00fchlen. Deshalb werde ich dir keine Vorw\u00fcrfe machen oder mit dir schimpfen. Ich m\u00f6chte nur, dass du wei\u00dft, dass ich dich anfeuern und f\u00fcr dich beten werde. Irgendwie wird der Herr Jesus uns da durchhelfen. Ich m\u00f6chte nur, dass du wei\u00dft, dass ich daran glaube, dass Gottes Gnade uns helfen wird, mein Schatz. Wir schaffen das.\u2018 Es war eine sichtbare Last, die von den Schultern meines Mannes abfiel.\u201c<br \/>\nWas ist das? Das ist die \u00fcbernat\u00fcrliche Agape; die Liebe, die am Anfang bei Gott ist und ausgegossen wurde in die Herzen, inmitten von Leid und Schmerzen. Joel Padgett schrieb: \u201eIndem wir die theologische Tugend der N\u00e4chstenliebe aus\u00fcben, ahmen wir Christus nicht nur nach. Wir haben Anteil am Leben Christi selbst; und je mehr diese N\u00e4chstenliebe in uns w\u00e4chst, desto mehr sind wir \u2013 durch diesen Anteil \u2013 f\u00e4hig, so zu lieben, wie Gott liebt. Es ist ein Geschenk Gottes, das unsere Offenheit erfordert, es anzunehmen, sowie unser Mitwirken bei seiner Aus\u00fcbung. Und es ist ein Geschenk, um dessen Wachstum in uns wir Gott jeden Tag bitten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Der neue Lebenswandel \u201eWer sagt, dass er in ihm bleibt, muss auch einen Lebenswandel f\u00fchren, wie er ihn gef\u00fchrt hat.\u201c (1. Johannes 2,6) Wir haben letzte Woche mit einem neuen Buch angefangen, mit dem wir uns noch ein paar Wochen besch\u00e4ftigen werden. Anhand des 1. Johannesbriefes wollen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[33,4],"tags":[],"class_list":["post-13964","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-johannesbrief","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13964","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13964"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13964\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13967,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13964\/revisions\/13967"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13964"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13964"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13964"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}