{"id":13956,"date":"2026-05-24T11:00:10","date_gmt":"2026-05-24T09:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13956"},"modified":"2026-05-24T20:59:42","modified_gmt":"2026-05-24T18:59:42","slug":"predigt-1-johannesbrief-31-24","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-johannesbrief-31-24\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Johannesbrief 3,1-24"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/1.Johannesbrief_3-01_3-24_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/1.Johannesbrief_3-01_3-24_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_johannes\/3\/1-24?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Lasst uns mit Taten und in Wahrheit lieben<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eMeine Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Johannes 3,18)<\/p>\n<p>Wer sind wir? Diese Frage ist eine der entscheidenden Fragen unseres Lebens. Der Mensch lebt nach dem, was er \u00fcber sich selbst denkt. Wer denkt, dass er verlassen ist, lebt schnell zur\u00fcckgezogen und verschlossen. Wer dagegen glaubt, geliebt zu sein, lebt mutig und offen. Doch der heutige Text sagt uns zuerst: \u201eSeht, welch eine Liebe uns der Vater erwiesen hat \u2026\u201c,<br \/>\nund dann hei\u00dft es weiter: \u201eWir sind jetzt Kinder Gottes.\u201c<br \/>\nDurch das heutige Wort wollen wir neu daran festhalten, dass wir Gottes Kinder sind, und gemeinsam betrachten, wie wir entsprechend dieser Identit\u00e4t leben sollen.<\/p>\n<p><strong>I. Wir sind Kinder Gottes (1\u201312)<\/strong><br \/>\nLesen wir Vers 1: \u201eSeht, welch eine Liebe uns der Vater erwiesen hat, dass wir Gottes Kinder hei\u00dfen sollen \u2013 und wir sind es auch! Darum erkennt uns die Welt nicht; denn sie hat ihn nicht erkannt.\u201c Der Apostel Johannes ruft voller Staunen aus, welche Liebe Gott ihm und den Gemeinden um Ephesus erwiesen hat. Fr\u00fcher waren sie Feinde Gottes, lebten in der S\u00fcnde und waren dem Verderben ausgeliefert. Sie lebten in geistlicher Unwissenheit und innerer Leere, ohne Sinn und wahrer Orientierung. Doch Gott ist ihnen zuerst begegnet und hat sie zu seinen Kindern gemacht. Als Kinder Gottes d\u00fcrfen sie Gott, den Sch\u00f6pfer, \u201eAbba \u2013 Vater\u201c nennen und leben in der Realit\u00e4t von Gebetserh\u00f6rung, Bewahrung, F\u00fcrsorge, unendlicher Liebe und dem Erbe des Reiches Gottes. Diese Liebe gilt nicht nur Johannes oder den Gemeinden um Ephesus, sondern auch uns heute. Alle, die Kinder Gottes sind, haben diese Gnade empfangen. Deshalb bekennt Johannes: \u201eUnd wir sind es auch.\u201c Er erkl\u00e4rt damit: Wir sind wirklich Gottes Kinder. Doch die Welt erkennt diese kostbare Identit\u00e4t nicht und behandelt die Kinder Gottes oft ohne Verst\u00e4ndnis oder Wertsch\u00e4tzung. Das geschieht, weil sie Gott selbst nicht erkannt hat.<br \/>\nWie sollen wir als Gl\u00e4ubige in einer solchen Welt leben? Vers 2 sagt uns: \u201eGeliebte, wir sind jetzt Kinder Gottes; und es ist noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden ihn sehen, wie er ist.\u201c<br \/>\nJohannes spricht hier \u00fcber die Hoffnung der Kinder Gottes: Wenn der Herr wiederkommt, werden auch wir ihm \u00e4hnlich sein und verwandelt werden. Ehrlich gesagt empfinde ich diese Worte manchmal herausfordernd. Allein letzte Woche gab es zu Hause kleinere und gr\u00f6\u00dfere Konflikte, und ich habe meine Gef\u00fchle nicht gut im Griff gehabt. Wenn ich so auf mich selbst schaue, scheine ich weit davon entfernt zu sein, Christus \u00e4hnlich zu sein. Und doch habe ich Hoffnung. Denn dieser Text sagt nicht, dass nur vollkommene Menschen Kinder Gottes sind. Vielmehr sind gerade die, die noch unvollkommen und schwach sind, eingeladen, auf die kommende Verwandlung in Christus zu hoffen. Im Kern fordert uns der Text dazu auf, in dieser Hoffnung auf Christus zu leben. Diese Hoffnung gibt mir Mut, weil jeder darauf hoffen kann unabh\u00e4ngig davon, wie schlimm es aktuell aussieht. Deswegen m\u00f6chte ich mit dieser Hoffnung bekennen: \u201eHerr, ich bin noch sehr unvollkommen. Ich falle oft und bin schwach. Aber ich m\u00f6chte dir \u00e4hnlich werden.\u201c<br \/>\nUnd unser Herr sagt uns: \u201eDu bist mein Kind.\u201c Wenn der Herr wiederkommt, wird unsere Schwachheit und S\u00fcnde verschwinden, und wir werden heilig wie unser Herr Jesus. In dieser Hoffnung sollen wir leben.<br \/>\nVers 3 sagt: \u201eUnd jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist.\u201c Wer diese Hoffnung auf Christus in sich tr\u00e4gt, beginnt sein Leben zu reinigen. Die Erwartung der Wiederkunft Jesu ver\u00e4ndert unser heutiges Leben. Ein Mensch, der sich auf eine Hochzeit vorbereitet, ordnet sein Leben neu. Ein Student, der eine wichtige Pr\u00fcfung vor sich hat, geht sorgf\u00e4ltiger mit seiner Zeit um. So ver\u00e4ndert Zukunftshoffnung die Gegenwart. Dasselbe gilt hier: Wer glaubt, dass er eines Tages Christus von Angesicht zu Angesicht sehen und ihm \u00e4hnlich werden wird, der m\u00f6chte schon jetzt in kleinen Schritten ihm \u00e4hnlicher werden. Diese Hoffnung f\u00fchrt uns dazu, als Kinder Gottes zu leben.<br \/>\nWie zeigt sich nun das Leben als Kinder Gottes konkret im Alltag? In den Versen 4-8 stellt der Apostel Johannes den, der in der S\u00fcnde lebt, dem gegen\u00fcber, der nicht in der S\u00fcnde lebt, und erkl\u00e4rt den Unterschied zwischen den Kindern des Teufels und den Kindern Gottes. Er erkl\u00e4rt es anhand der S\u00fcnde. Mit \u201eS\u00fcnde\u201c ist hier nicht nur \u00e4u\u00dferlich sichtbare Tat wie Mord oder Diebstahl gemeint. In der Bibel bedeutet S\u00fcnde vielmehr, vom Weg Gottes abzuweichen. Im Kern ist S\u00fcnde ein Leben, das ohne Gott und nach dem eigenen Willen gef\u00fchrt wird.<br \/>\nWarum f\u00e4llt der Mensch in die S\u00fcnde? Vers 7 warnt davor, sich von den \u201eVerf\u00fchrern\u201c t\u00e4uschen zu lassen. Zur Zeit des Johannes lehrten die Gnostiker, dass man durch besondere geistliche Erkenntnis zwar rein im Geist sein k\u00f6nne und dass das Leben im K\u00f6rper keine gro\u00dfe Bedeutung habe. Deshalb meinten sie, selbst wenn man k\u00f6rperlich s\u00fcndigt, bleibe die Seele dennoch rein. So begannen sie, S\u00fcnde nicht mehr als S\u00fcnde zu sehen und sie Schritt f\u00fcr Schritt zu rechtfertigen. Genau das ist die T\u00e4uschung des Satans. Vielleicht begannen sie nicht sofort mit dieser Haltung. M\u00f6glicherweise wollten sie urspr\u00fcnglich an Jesus glauben und ein heiliges Leben f\u00fchren. Doch durch wiederholtes Versagen und die S\u00fcnde kamen Gedanken wie: \u201eWarum ver\u00e4ndere ich mich nicht? Bin ich \u00fcberhaupt wirklich gerettet?\u201c Entmutigung breitete sich aus. Und wenn diese Entmutigung anh\u00e4lt, kann der Mensch schlie\u00dflich den Kampf gegen die S\u00fcnde aufgeben und beginnen, sie zu rechtfertigen. Das ist die Gefahr der Verf\u00fchrung: Sie f\u00fchrt dazu, dass der Kampf gegen die S\u00fcnde aufgegeben wird.<br \/>\nDoch ein wahrer Christ kann zwar fallen, aber er bleibt nicht in der S\u00fcnde. Er kann immer wieder scheitern, aber er gew\u00f6hnt sich nicht an die S\u00fcnde. Nach dem Fall kommt er mit Schmerz im Herzen wieder zur Bu\u00dfe zur\u00fcck. Denn in ihm ist das neue Leben, das Gott ihm gegeben hat. Auch Jesus sagt in der Bergpredigt: \u201eSelig sind, die geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich\u201c, und \u201eSelig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getr\u00f6stet werden.\u201c (Matth\u00e4us 5,3\u20134) \u201eGeistlich arm\u201c bedeutet u. a., dass jemand seine eigene S\u00fcnde und geistliche Unf\u00e4higkeit erkennt und wei\u00df, dass er ohne Gott nicht leben kann. \u201eDie da Leid tragen\u201c k\u00f6nnen auch diejenigen sein, die ihre S\u00fcnde beklagen und sich zu Gott umkehren. Jesus nennt gerade diese Menschen selig \u2013 nicht diejenigen, die ohne S\u00fcnde sind, sondern diejenigen, die ihre S\u00fcnde erkennen und zu Gott zur\u00fcckkehren. Ein wahrer Christ ist also nicht jemand, der ohne S\u00fcnde zu Gott kommt, sondern jemand, der in seiner S\u00fcnde Jesus umso kr\u00e4ftiger festh\u00e4lt. Daher ist das Entscheidende nicht eine perfekte Lebensf\u00fchrung ohne Fall, sondern das immer wieder Aufstehen und Zur\u00fcckkehren zu Jesus. Es geht darum, nicht aufzugeben, sondern im Kampf gegen die S\u00fcnde an Gottes Gnade festzuhalten. Genau daf\u00fcr ist Jesus in die Welt gekommen. Vers 8 sagt: \u201eDazu ist der Sohn Gottes erschienen, dass er die Werke des Teufels zerst\u00f6re.\u201c Der Teufel h\u00e4lt Menschen in der S\u00fcnde gefangen und trennt sie von Gott. Doch Jesus ist gekommen, um S\u00fcnde, Tod und die Macht des Teufels zu brechen. Darum ist das Leben eines Gl\u00e4ubigen nicht ein Leben, das den Kampf gegen die S\u00fcnde aufgibt, sondern ein Leben, das in Jesus immer wieder aufsteht und weiterk\u00e4mpft. Wie kann jemand, der Gott geh\u00f6rt, in diesem Kampf gegen die S\u00fcnde bestehen? Wenn wir schwach sind und fallen, scheint es manchmal, als g\u00e4be es keinen Ausweg. Doch in Jesus, der gekommen ist, um die Werke des Teufels zu zerst\u00f6ren, gibt es keine unbesiegbare S\u00fcnde. Der Sieg kommt vielleicht langsam, aber er kommt sicher \u2013 wir gehen auf den Sieg zu. Denn Jesus hat bereits die Werke des Teufels zerst\u00f6rt, die uns verf\u00fchren und in die S\u00fcnde ziehen. Am Kreuz hat er bereits gesiegt.<br \/>\nIn den Versen 9-10 zeigt Johannes, wie die Kinder Gottes davor bewahrt werden, in der S\u00fcnde zu leben. Er sagt: \u201eWer aus Gott geboren ist, der tut keine S\u00fcnde. Denn in ihm bleibt Gottes Same, und er kann nicht s\u00fcndigen, weil er aus Gott geboren ist.\u201c Mit dem \u201eSamen Gottes\u201c ist der Same des Heiligen Geistes und des Wortes Gottes gemeint, der bei der Wiedergeburt in das Herz eines Menschen eingepflanzt wird. Wenn wir neu geboren werden, wird dieser Same in unsere Seele gelegt. Zusammen damit werden auch der Same der Liebe und der Same des Lebens eingepflanzt. Durch diesen Samen werden Gottes Kinder zu Menschen, die ewiges Leben tragen \u2013 ein Leben, das selbst dem Tod nicht unterworfen ist. Sie werden zu Menschen, die lieben k\u00f6nnen, auch wenn es schwer ist zu lieben, und die Gerechtigkeit tun k\u00f6nnen, selbst in ungerechten Umst\u00e4nden. Vor allem werden sie zu Menschen, in denen der Heilige Geist wohnt und wirkt. Darum wird der Unterschied zwischen den Kindern Gottes und den Kindern des Teufels im Leben sichtbar.<br \/>\nAls ein Beispiel f\u00fcr jemanden, der dem Teufel geh\u00f6rt, nennt Johannes Kain aus dem Buch der Genesis. Kain ist als der erste M\u00f6rder der Menschheitsgeschichte bekannt, der aus Neid seinen Bruder erschlug. Doch der Text sagt ausdr\u00fccklich, dass Kain \u201eaus dem B\u00f6sen war\u201c, also dem Teufel geh\u00f6rte. Nat\u00fcrlich hatte auch Kain eine Gelegenheit zur Umkehr. Als sein Neid in ihm wuchs, h\u00e4tte er zu Gott kommen und Bu\u00dfe tun k\u00f6nnen. Dann w\u00e4re auch er als jemand beschrieben worden, der Gott geh\u00f6rt und ein Mensch der Liebe ist. Aber Kain verweigerte die Umkehr immer wieder. Schlie\u00dflich lebte er unter dem Einfluss des B\u00f6sen und beging die S\u00fcnde des Mordes. Seine Ablehnung der Bu\u00dfe zeigt, dass er dem B\u00f6sen geh\u00f6rte. Kinder Gottes hingegen haben durch den in ihnen gepflanzten Samen Gottes die F\u00e4higkeit, selbst in schwierigen Situationen gerecht und mit Liebe zu leben.<br \/>\nBesonders betont Johannes Vers 11: \u201eDenn das ist die Botschaft, die ihr von Anfang an geh\u00f6rt habt, dass wir uns untereinander lieben sollen.\u201c Die Liebe unter Geschwistern ist keine neue Idee, sondern eine grundlegende Botschaft, die von Anfang an geh\u00f6rt wurde und die durch ganze Bibel hindurch, von der Genesis bis zur Offenbarung, immer wieder betont wird. Diese Liebe wird m\u00f6glich, weil der Same Gottes in den Gl\u00e4ubigen wirkt. Durch ihn k\u00f6nnen sie lieben. Wie aber soll diese Liebe konkret gelebt und praktisch umgesetzt werden?<\/p>\n<p><strong>II. Lasst uns mit Taten und in Wahrheit lieben (13\u201324)<\/strong><br \/>\nIn Vers 13 spricht Johannes zun\u00e4chst \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zwischen den Gl\u00e4ubigen und der Welt. Die Welt hasst die Gl\u00e4ubigen. Dieser Hass entsteht nicht in erster Linie aus einer pers\u00f6nlichen Emotion heraus, sondern weil die Welt grunds\u00e4tzlich dem B\u00f6sen und dem Teufel geh\u00f6rt. Deshalb sollen sich die Gl\u00e4ubigen dar\u00fcber nicht wundern. Wie sollen die Gl\u00e4ubigen in einer Welt leben, die sie ablehnt? Wenn ein Mensch Hass erf\u00e4hrt, ist die nat\u00fcrliche Reaktion oft, selbst mit Hass zu reagieren. Doch der Gl\u00e4ubige ist jemand, der diese Richtung umkehrt und zuerst seine Geschwister liebt. Durch diese Liebe erkennen wir, dass wir vom Tod zum Leben \u00fcbergegangen sind. Wer nicht liebt, bleibt im Tod. Das zeigt: Die Liebe zu den Geschwistern ist ein entscheidendes Kennzeichen daf\u00fcr, ob jemand aus Gott geboren ist oder nicht. Mit anderen Worten: Wer wiedergeboren ist, lebt durch die in ihm eingepflanzte Kraft des Heils ein Leben der Liebe.<br \/>\nVers 15 geht noch einen Schritt weiter und zeigt, wie ernst es ist, die Geschwister zu hassen.<br \/>\n\u201eWer seinen Bruder hasst, der ist ein M\u00f6rder.\u201c Solch ein Mensch hat kein ewiges Leben in sich. Hier beschreibt Johannes einen fortlaufenden, wiederholten Hass \u2013 nicht eine einmalige Emotion, sondern einen inneren Zustand, in dem ein Mensch einen anderen innerlich festh\u00e4lt, ablehnt und immer wieder verurteilt. Hass im Verst\u00e4ndnis der Bibel ist daher nicht nur ein Gef\u00fchl, sondern eine bewusste innere Haltung der Ablehnung und Verurteilung eines anderen Menschen. Im Leben der Gemeinde und im Alltag ist diese Neigung zum Hass etwas, das uns sehr vertraut erscheint. Wenn man an bestimmte Menschen denkt, m\u00f6chte man ihnen oft lieber aus dem Weg gehen. Das Herz wird unruhig. Auch ich kann diesen Punkt gut nachvollziehen. Manchmal richtet sich der Blick nur noch auf das, was man als ungerecht empfindet, und man bleibt innerlich im Gedanken gefangen, verletzt worden zu sein. Das Problem dabei ist, dass man aus diesen Gedanken oft nicht mehr heraus kommt. Man bewegt sie immer wieder im Herzen. So w\u00e4chst aus Verletzung langsam Groll und aus Groll wird schlie\u00dflich Ablehnung. Statt Vergebung entsteht ein verurteilender Blick. Irgendwann zeigt sich diese innere Spannung auch in Worten oder im Verhalten. Dabei wird deutlich: Hass zerst\u00f6rt zuerst die eigene Seele, bevor er andere verletzt. Diese S\u00fcnde des Hasses zerst\u00f6rt nicht nur den Einzelnen, sondern auch die Gemeinschaft. Vor Gott ist Hass nicht harmlos \u2013 er wird mit Mord gleichgesetzt. Hass ist wie kochendes Wasser: H\u00e4lt man ihn im Herzen fest, verbrennt er zuerst einen selbst, und wenn er nach au\u00dfen kommt, verletzt er andere sehr.<br \/>\nWie k\u00f6nnen so schwacher Mensch wie wir in ein Leben der Liebe Christi hineingef\u00fchrt und ver\u00e4ndert werden? Zuerst sollen wir Jesu Opferliebe erkennen. Lesen wir gemeinsam Vers 16:<br \/>\n\u201eDaran haben wir die Liebe erkannt, dass er sein Leben f\u00fcr uns gelassen hat; und auch wir sollen das Leben f\u00fcr die Br\u00fcder lassen.\u201c Diese Liebe ist die Agape-Liebe, eine g\u00f6ttliche Liebe, die im Menschen selbst nicht vorhanden ist. Gottes Liebe zeigt sich darin, dass er f\u00fcr uns, die wir S\u00fcnder und Feinde waren, das Leben seines einzigen Sohnes Jesus Christus hingegeben hat. Wenn wir von der Liebe bez\u00fcglich Familie, Geschwistern oder Ehepartnern sprechen \u2013 wie weit reicht diese menschliche Liebe wirklich? Menschliche Liebe st\u00f6\u00dft schnell an Grenzen, besonders wenn Opfer gefordert wird. Doch Gottes Liebe ist eine Liebe, die zuerst liebt, rettet und sich selbst hingibt \u2013 eine opferbereite Liebe bis in den Tod.<br \/>\n1. Johannes 4,9\u201310 beschreibt diese Liebe Gottes so: \u201eDarin ist die Liebe Gottes unter uns offenbar geworden, dass Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben sollen. Darin besteht die Liebe: nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Vers\u00f6hnung f\u00fcr unsre S\u00fcnden.\u201c Wer diese Liebe wirklich versteht, der kann auch selbst lieben. Liebe wird weitergegeben durch den, der selbst geliebt wurde. Wenn wir erkennen, dass wir selbst Empf\u00e4nger dieser \u00fcberreichen und unendlichen Liebe Gottes sind, dann verstehen wir auch: Wir leben jeden Tag in dieser Liebe. Ohne diese Liebe k\u00f6nnten wir als s\u00fcndige Menschen weder anderen dienen noch ein echtes Glaubensleben f\u00fchren. Aus diesem Verst\u00e4ndnis heraus sagt Johannes: \u201eAuch wir sollen das Leben f\u00fcr die Br\u00fcder lassen.\u201c Wir sind Schuldner der Liebe Gottes. Es geht also nicht um eine optionale moralische Leistung, sondern um eine notwendige Antwort auf empfangene Liebe. Deshalb k\u00f6nnen wir nicht mit Bitterkeit oder Opfergedanken reagieren, wenn wir anderen helfen oder dienen. Wir zahlen vielmehr St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck die Schuld der Liebe zur\u00fcck, die wir Gott gegen\u00fcber haben.<\/p>\n<p>Lesen wir gemeinsam Verse 17\u201318: \u201eWenn aber jemand dieser Welt G\u00fcter hat und sieht seinen Bruder darben und verschlie\u00dft sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? Meine Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.\u201c Diese Worte zeigen, dass christliche Liebe immer konkret und praktisch sein muss. Liebe darf nicht nur ein Gef\u00fchl oder Worte bleiben. Jakobus 2,15\u201316 beschreibt diese leere Form der Liebe: \u201eWenn ein Bruder oder eine Schwester nackt ist und Mangel hat an t\u00e4glicher Nahrung und jemand unter euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, w\u00e4rmt euch und s\u00e4ttigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was der Leib n\u00f6tig hat \u2013 was hilft ihnen das?\u201c Gottes Liebe ist sichtbar geworden in der konkreten Hingabe Jesu am Kreuz. Deshalb soll auch unsere Liebe im Alltag konkret werden. Dabei ist wichtig: Johannes verneint nicht die Bedeutung von Worten. Gerade Worte der Ermutigung, des Trostes und der Wertsch\u00e4tzung sind wertvoll. Sie k\u00f6nnen ersch\u00f6pfte Seelen st\u00e4rken und aufrichten. Doch das Problem entsteht dort, wo unsere Worte von Liebe getrennt sind. In der Gemeinde sagen wir oft: \u201eIch bete f\u00fcr dich\u201c, \u201eHalte durch\u201c oder \u201eGott segne dich\u201c. Aber manchmal bleiben diese Worte nur h\u00f6fliche Formeln, ohne echte Anteilnahme oder konkrete Hilfe. Der andere bleibt in seiner Not, w\u00e4hrend wir bei Worten stehen bleiben und die praktische Liebe vermeiden. Wahre Liebe bleibt nicht bei Worten stehen. Sie wird sichtbar durch Tat und Wahrheit. Worte der Liebe sind kostbar, aber ohne echte Hingabe k\u00f6nnen sie sogar verletzen. Wenn Liebe nur behauptet, aber nicht gelebt wird, bleibt sie letztlich leer. Liebe muss sich im Leben beweisen. Wie k\u00f6nnen wir also mit Taten und in Wahrheit lieben?<br \/>\nLiebe beginnt oft nicht mit etwas Gro\u00dfem. Sie beginnt im Alltag. Einem Menschen zuzuh\u00f6ren, der leidet. Sich Zeit zu nehmen f\u00fcr einen Bruder oder eine Schwester in Not und sie zu besuchen. Nicht zuerst an sich selbst zu denken, sondern an das Wohl des anderen. Solche kleinen Gehorsamsschritte sind konkrete Formen der Liebe in Tat und Wahrheit. Diese Liebe ist nicht einfach, weil sie Zeit, Kraft, Geld und auch unser Mitgef\u00fchl erfordert. Doch genau dort lernen wir die Liebe des Kreuzes kennen. Wir werden uns der Liebe Jesu bewusster, der alles f\u00fcr uns gegeben hat. Liebe in Tat und Wahrheit entsteht nicht aus einem blo\u00dfen Pflichtgef\u00fchl. Sie wird m\u00f6glich, wenn wir zuerst die Liebe Jesu Christi erfahren haben, der uns bis zum Ende geliebt hat. Wenn ich erkenne, dass ich ein S\u00fcnder bin dem gegeben wurde und bedingungslos geliebt ist, dann kann ich auch andere annehmen und ihnen dienen. Am Ende ist Liebe nicht nur eine Entscheidung aus eigener Kraft, sondern ein Leben, in dem die Liebe Christi, die in uns wohnt, durch uns zu anderen flie\u00dft.<br \/>\nKommen wir nun zu den Versen 19-24. Wenn wir uns in Tat und Wahrheit um die Liebe unter den Geschwistern bem\u00fchen, erkennen wir, dass wir zur Wahrheit geh\u00f6ren. Vor dem Herrn wird unser Herz dadurch getrost und zuversichtlich. Wenn wir das tun, was Gott gef\u00e4llt \u2013 n\u00e4mlich die Geschwister zu lieben \u2013, folgt innere Freiheit und Zuversicht als nat\u00fcrlicher Segen. Es hei\u00dft auch, dass wir empfangen werden, was wir bitten. Denn die Liebe unter den Geschwistern bewegt das Herz Gottes. Vor allem lebt derjenige, der sich um die Bruderliebe bem\u00fcht, in einer sch\u00f6nen Gemeinschaft mit dem Herrn, gef\u00fchrt und erf\u00fcllt vom Wirken des Heiligen Geistes.<br \/>\nIch danke Gott, dass er mich durch dieses Wort gef\u00fchrt hat. Durch die Vorbereitung dieser Botschaft durfte ich erkennen, was die wahre Hoffnung eines Kindes Gottes ist und wie echte Liebe konkret gelebt werden kann. In schwierigen Situationen habe ich oft erlebt, dass ich meine Gef\u00fchle nicht kontrollieren konnte und mich in \u00c4rger und Hass verstrickt habe. Ich bin \u201eexplodiert\u201c und habe Grenzen deutlich \u00fcberschritten. Danach kam oft tiefe Verzweiflung in mir auf: \u201eWarum ver\u00e4ndere ich mich nicht? Bin ich vielleicht jemand, der sich nie ver\u00e4ndert?\u201c Manchmal wurde sogar das Gebet zu Gott schwer und belastend. Statt zu Gott zu kommen, wollte ich manchmal einfach aufgeben, weil ich dachte, dass ich doch wieder in dieselben S\u00fcnden fallen werde. Doch durch dieses Wort durfte ich erneut auf die Liebe Jesu schauen: Jesus, der f\u00fcr mich, einen S\u00fcnder, seine himmlische Herrlichkeit verlassen hat; der sich erniedrigt, gedient und schlie\u00dflich Leiden, Schande und den Tod am Kreuz auf sich genommen hat. Das heutige Wort sagt mir klar: \u201eDu hast Hoffnung. Du bist ein Kind Gottes.\u201c Ich bin immer noch schwach und unvollkommen, voller S\u00fcnde. Aber ich m\u00f6chte, dass ich jedes Mal, wenn ich falle, wieder mit Reue zu Jesus komme. Mit der eigenen S\u00fcnde zu Jesus zu kommen, ist nicht leicht. Es ist schmerzhaft. Es ist besch\u00e4mend und manchmal sehr belastend. Aber Jesus gibt mich nie auf und schenkt mir die lebendige Hoffnung, als Kind Gottes zu leben. Deshalb m\u00f6chte ich nicht aufgeben, sondern mit einem dem\u00fctigen und sehns\u00fcchtigen Herzen an ihm festhalten. Tag f\u00fcr Tag m\u00f6chte ich durch das Wort Gottes aus dem \u201eT\u00e4gliches Brot\u201c Gemeinschaft mit dem Herrn haben und so eine klare geistliche Orientierung f\u00fcr jeden Tag bekommen. Dar\u00fcber hinaus bete ich daf\u00fcr, dass ich nicht l\u00e4nger die S\u00fcnde von Wut oder Hass festhalte, sondern als Kind Gottes lebe, das mit Taten und in Wahrheit liebt.<br \/>\nZum Schluss m\u00f6chte ich kurz zusammenfassen: Wir sind Gottes Kinder. Deshalb haben wir Hoffnung, obwohl wir schwach und voller S\u00fcnde sind. Als Kinder Gottes wollen wir die Liebe Jesu am Kreuz tiefer erkennen und die N\u00e4chsten mit Taten und in Wahrheit lieben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Lasst uns mit Taten und in Wahrheit lieben \u201eMeine Kinder, lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.\u201c (1. Johannes 3,18) Wer sind wir? Diese Frage ist eine der entscheidenden Fragen unseres Lebens. 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