{"id":13876,"date":"2026-01-18T11:00:48","date_gmt":"2026-01-18T10:00:48","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13876"},"modified":"2026-04-06T18:16:56","modified_gmt":"2026-04-06T16:16:56","slug":"predigt-1-korinther-612-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-korinther-612-20\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Korinther 6,12-20"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1.Korinther_6-1220-P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1.Korinther_6-1220-P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_korinther\/6\/12-20?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Sex und das Evangelium<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eIhr geh\u00f6rt nicht euch selbst, denn Gott hat einen hohen Preis f\u00fcr euch bezahlt. Deshalb ehrt Gott mit eurem Leib!\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Korinther 6,19b.20)<\/p>\n<p>Wir haben gesehen, dass die Korinther Gemeinde viele Probleme hatte und auch richtige Probleme. Ein Problem in dieser jungen Gemeinde war ihr Umgang mit Sexualit\u00e4t. K\u00f6nnt ihr euch vorstellen, weshalb das ein \u201eschwieriges Thema\u201c ist? [Anmerkung: Es ist ein komplexes Thema, das in dieser Predigt nicht ausreichende behandelt wird. Bei Fragen k\u00f6nnt ihr euch gerne melden. Eines m\u00f6chte ich klar sagen: Die Suche nach Gott und der Person Jesus ist unendlich wichtiger als dieses Thema und ihr sollt euch davon nicht ablenken lassen. Zudem ist die Habgier genauso schlimm wie sexuelle S\u00fcnden.]<br \/>\nMindestens drei Dinge scheint uns der Text zu diesem Thema zu sagen. Erstens, wir sehen hier im Text eine gro\u00dfe Herausforderung; zweitens, eine wahre Revolution; drittens, eine unbegrenzte Kraft.<\/p>\n<p><strong>1. Die gro\u00dfe Herausforderung<\/strong><br \/>\nIn Vers 13 schreibt Paulus: \u201eUnser K\u00f6rper wurde aber nicht zur Unzucht geschaffen.\u201c Und in Vers 18: \u201eDeshalb haltet euch fern von aller Unzucht! Keine andere S\u00fcnde hat so gro\u00dfe Auswirkungen auf den K\u00f6rper wie diese, denn Unzucht ist eine S\u00fcnde gegen den eigenen K\u00f6rper.\u201c Das griechische Wort ist porneia. Uns kommt das Wort sehr bekannt vor, weil sich daraus dann sp\u00e4ter das Wort Pornografie ableitete. Aber porneia hatte erst einmal nichts nicht expliziten Bildern oder Filmen zu tun. Was genau bedeutet es? In den vergangenen Jahren gab es Versuche, die Bedeutung des Wortes einzuschr\u00e4nken oder zu relativieren. Deshalb ein paar erkl\u00e4rende Worte von Gorden Fee, der einen exzellenten Kommentar zu 1. Korintherbrief geschrieben hat: \u201eDas Wort porneia bedeutete in der griechischen Welt einfach \u201aProstitution\u2018 im Sinne von \u201azu Prostituierten gehen und f\u00fcr sexuelle Vergn\u00fcgungen bezahlen\u2018. [\u2026] Das Wort wurde jedoch im hellenistischen Judentum \u00fcbernommen, immer in abwertender Bedeutung, um jede Form von au\u00dferehelicher sexueller S\u00fcnde und Abweichung zu bezeichnen, einschlie\u00dflich homosexueller Aktivit\u00e4ten. [\u2026] Im Neuen Testament wird das Wort daher verwendet, um diese besondere Plage der griechisch-r\u00f6mischen Kultur zu bezeichnen.\u201c<br \/>\nZusammengefasst: Die urspr\u00fcngliche Bedeutung war erst einmal Prostitution. Aber dieses Wort findet eine neue Bedeutung in der j\u00fcdisch-christlichen Welt. Wenn man das NT studiert und sich anschaut, wie das Wort porneia verwendet wird, wird es sehr eindeutig: Gemeint ist jede sexuelle Handlung au\u00dferhalb der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau. D.&nbsp;h., die biblische Ethik zu Sex ist immer im Kontext der Ehe. Gibt es jemanden hier, der nicht denkt, dass das eine gro\u00dfe Herausforderung ist?<br \/>\nDie erste Herausforderung scheint zu sein, dass dieser biblische Ma\u00dfstab v\u00f6llig aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Vers 12 beginnt mit dem Wort: \u201eMir ist alles erlaubt.\u201c \u00dcbrigens, praktisch alle Ausleger gehen an dieser Stelle davon aus, dass Paulus hier die Korinther selbst zitiert. Die Korinther kamen wahrscheinlich mit dem Spruch: \u201eHey Paulus, hast du nicht selbst gesagt, dass das Evangelium Freiheit bringt? Ist jetzt nicht alles erlaubt?\u201c Gerade heute scheint die biblische Erwartung, dass Sex in die Ehe geh\u00f6rt, v\u00f6llig \u00fcberholt zu sein. Vielleicht konnte man das in der viktorianischen Zeit verargumentieren, oder vielleicht noch in den 50er Jahren. Aber sp\u00e4testens seit der sexuellen Revolution in der 60er und 70er Jahren, geh\u00f6rt das eindeutig in die Vergangenheit. Vielleicht denkst du auch, dass der biblische Anspruch mit unserer Gesellschaft oder vielleicht auch mit deinem eigenen Leben unvereinbar ist.<br \/>\nDas, was die Bibel sagt, braucht Erkl\u00e4rung. Lass uns schrittweise vorgehen. Zum einen, jede Gesellschaft zieht irgendwo eine Linie zwischen dem, was sexuell akzeptabel ist und was nicht. C.S. Lewis hatte sich die moralischen Lehren von verschiedensten Kulturen angesehen (\u00c4gypter, Babylonier, Hindus, Chinesen, Griechen, R\u00f6mer). Erstaunlicherweise gibt es da weit mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Unter anderem schreibt er: \u201eDie Menschen waren sich uneinig dar\u00fcber, ob ein Mann eine Frau oder vier Frauen haben sollte. Aber sie waren sich immer einig, dass man nicht einfach jede Frau haben darf, die einem gef\u00e4llt.\u201c Mein erster Punkt ist der: Selbst in den sexuell freiz\u00fcgigsten Gesellschaften gab es klare Grenzen. Es gibt keine absolute sexuelle Freiheit.<br \/>\nZum Beispiel sind sich praktisch alle menschlichen Gesellschaften einig, dass Inzest tabu ist. Selbst in Korinth, eine Stadt, die extrem ausschweifend war, war es ein Skandal, wenn ein Mann mit der Frau seines Vaters schlief (s. Kapitel 5). Was noch? Eine ganz wichtige Grenze ist in unserer Gesellschaft die Zustimmung. Beide Partner m\u00fcssen mit dem Sex einverstanden sein. Keiner darf dazu gezwungen werden. John Oliver hatte es so erkl\u00e4rt: \u201eSex ist wie Boxen: Wenn einer der Beteiligten nicht zustimmt, begeht die andere Person eine Straftat.\u201c D.&nbsp;h., solange zwei Menschen damit einverstanden sind, k\u00f6nnen sie sexuell machen, was sie wollen. Wo ist das Problem?<br \/>\nIch denke, dass Einverst\u00e4ndnis alleine eine extrem unzureichende Ethik f\u00fcr Sexualit\u00e4t ist. Ich gebe euch zwei Beispiele, um das zu illustrieren. Das erste Beispiel ist der Ehebruch. Wenn ein verheirateter Familienvater oder die Mutter eine Aff\u00e4re hat, mag zwischen den Partnern, die die Ehe brechen, vielleicht Konsens vorhanden sein. Aber es \u00e4ndert nichts an der Tatsache, dass die Folgen trotzdem in der Regel desastr\u00f6s sind. Die anderen zahlen den Preis. Die Folgen f\u00fcr den betrogenen Ehepartner, die Kinder, die ganze Familie k\u00f6nnen katastrophal sein. Fakt ist, wir sind Beziehungswesen. Und Sex wirkt sich nicht nur auf die Person aus, mit der man intim wird. Es hat auch Auswirkungen auf unsere Umgebung und unsere anderen Beziehungen vor allem in der Familie. Sex hat das riesiges Potenzial, Beziehungen kaputtzumachen.<br \/>\nZum anderen, Sex ist so viel mehr als \u201eeinfach nur\u201c ein k\u00f6rperlicher Akt. Christina Emba schrieb f\u00fcr die Washington Post: \u201eUnter jungen Erwachsenen scheint weitgehende Einigkeit dar\u00fcber zu herrschen, dass Sex etwas Gutes ist und je mehr wir davon haben, desto besser. Diese Annahme beinhaltet die Vorstellung, dass wir nicht an eine Beziehung oder Ehe gebunden sein m\u00fcssen, dass unsere Neigungen pers\u00f6nlich sind und nicht von anderen beurteilt werden d\u00fcrfen \u2013 nicht einmal von den Beteiligten selbst. In diesem Umfeld gibt es nur eine Regel: Hol dir vorher die Zustimmung deines Partners ein. Das Ergebnis ist jedoch eine Welt, in der junge Menschen sowohl befreit als auch ungl\u00fccklich sind. [\u2026] die Erfahrung ist oft traurig, beunruhigend oder sogar traumatisch.\u201c Warum ist dem so? Und Emba beantwortet ihre Frage teilweise selbst: \u201eSelbst wenn alles gut l\u00e4uft, ist Sex kompliziert. Er betrifft unseren K\u00f6rper, unseren Geist und unsere Gef\u00fchle, unsere Verbindungen zueinander und unser tiefstes Inneres. Trotz der vielen popul\u00e4ren Argumente, dass es sich nur um einen k\u00f6rperlichen Akt handelt, ist fast jedem, der schon einmal Sex hatte, klar, dass Sex weitreichende Konsequenzen hat, von denen einige noch lange nach dem Ende einer Begegnung anhalten k\u00f6nnen.\u201c Der christliche Philosoph Dallas Willard hatte es in einem Vortrag richtig gut auf den Punkt gebracht. Er machte darauf aufmerksam, dass es so etwas wie \u201ecasual sex\u201c nicht gibt. \u201eCasual\u201c k\u00f6nnte man mit \u201ebeil\u00e4ufig\u201c oder \u201egleichg\u00fcltig\u201c \u00fcbersetzen. Er schaut ins Publikum und sagt dann: \u201eWie kannst du einem anderen Menschen so nahe sein, und trotzdem \u00bbbeil\u00e4ufig\u00ab sein?\u201c Casual Sex ist ein Widerspruch in sich selbst.<br \/>\nWir haben gesagt, dass selbst die freiz\u00fcgigste Gesellschaft immer noch Grenzen zieht, was akzeptabel ist f\u00fcr Sex und was nicht. Und ich habe argumentiert, dass die Grenzen, die unserer Gesellschaft gezogen werden, unzureichend sind; es braucht aber einen ehrlichen, ungesch\u00f6nten Blick drauf, das einzugestehen. Die Bibel sagt, dass Sex exklusiv in die Ehe geh\u00f6rt. Und die Frage ist, inwiefern das Sinn ergibt selbst f\u00fcr uns im Deutschland des 21. Jahrhunderts. Zwei Gedanken dazu.<br \/>\nZum einen, die Bibel definiert Sex als den k\u00f6rperlichen Ausdruck von etwas, was auf allen anderen Ebenen stattfindet. In Vers 16 schreibt Paulus: \u201eOder wisst ihr nicht, dass ein Mann, der mit einer Prostituierten verkehrt, mit ihr eins wird? Denn in der Schrift hei\u00dft es: Die beiden werden zu einer Einheit.\u201c Eins werden und zu einer Einheit verschmelzen beziehen sich auf die Ehe. Paulus zitiert hier die Genesis, als Gott im Garten Eden die erste Ehe gr\u00fcndet. In diesem Zusammenhang steht, dass Mann und Frau eins werden. D.h., Sex in der Ehe bedeutet, dass wir mit unseren K\u00f6rpern, das auszudr\u00fccken bzw. das feiern, was auf allen anderen Ebenen bereits stattgefunden hat: dass ein Mann und eine Frau eins werden. Anders gesagt: Wenn du Sex mit einer Person hast, mit der du nicht verheiratet bist, ist das irgendwie gleichbedeutend mit der Aussage: \u201eIch bin nicht bereit, mich bis an mein Lebensende exklusiv an dich zu binden, emotional, leiblich, finanziell; aber ich will jetzt deinen K\u00f6rper.\u201c Es gibt kaum einen anderen k\u00f6rperlichen Akt, bei dem wir uns so verletzlich machen; wo wir sprichw\u00f6rtlich nackt dastehen. Und gerade das ist der Grund, weshalb Sex so unglaublich verletzend sein kann; dass die Verletzungen bleibende Narben hinterlassen. Sexuell \u00fcbertragbare Krankheiten sind ein Bild daf\u00fcr.<br \/>\nDer andere Grund weshalb Sex in die Ehe geh\u00f6rt: Denken wir kurz dar\u00fcber nach, wie wir auf die Welt gekommen sind. Wir wollen es nicht wahrhaben, aber unsere Eltern hatten tats\u00e4chlich Sex gehabt! Der Punkt ist, Sex zwischen M\u00e4nnern und Frauen hat grunds\u00e4tzlich das Potenzial, zu Schwangerschaften und zu neuem menschlichen Leben zu f\u00fchren. Und ja, es gibt Menschen, die unfruchtbar sind; es gibt ziemlich wirksame Verh\u00fctungsmittel. Sex hat nicht nur mit Vergn\u00fcgen zu tun, sondern mit Liebe und Verantwortung. Johannes Hartl hat es wunderbar erkl\u00e4rt: \u201eWenn sich zwei Personen [Mann und Frau] wirklich lieben, entsteht ein Raum. Es entsteht Platz f\u00fcr ein weiteres Wesen, das in diesem Raum heranwachsen darf. Ich will damit nicht sagen, dass unverheiratete Menschen keine guten Eltern sein k\u00f6nnen. Aber die Ehe ist der Bund der Liebe, der uns Menschen gegeben ist. Und Gottes Design und Gottes Plan war es, dass Kinder innerhalb dieses Bundes geboren werden und aufwachsen sollten, weil es die beste Umgebung ist.\u201c<br \/>\nDie Bibel sagt also, dass Sex untrennbar mit Ehe einhergeht. Das ist der biblische Ma\u00dfstab. Aber gleichzeitig ist das eine enorme Herausforderung. Und es ist ja nicht so, dass es nicht versucht wurde. In den USA begann in den 1980er eine Initiative, die das Ziel hatte, heranwachsenden Kindern beizubringen, sexuell abstinent zu leben, bis sie heiraten. Die amerikanische Regierung gibt jedes Jahr, einen dreistelligen Millionenbetrag aus, um dieses Programm zu f\u00f6rdern. Studien zeigen, dass dieses Programm ein einziger Fehlschlag ist. Es gibt keine Hinweise darauf, dass dieses Programm dazu f\u00fchrt, dass Jugendliche sp\u00e4ter anfangen, Sex zu haben; dass es weniger sexuell \u00fcbertragbare Krankheiten unter Jugendlichen gibt. Das Bildungsprogramm ist sogar mit einer erh\u00f6hten Anzahl von Teenager-Schwangerschaften assoziiert.<br \/>\nSexualit\u00e4t ausschlie\u00dflich in der Ehe zu leben, ist eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr alle diejenigen Menschen, die Jesus liebhaben und Jesus nachfolgen wollen.<\/p>\n<p><strong>2. Die wahre Revolution<\/strong><br \/>\nWie k\u00f6nnen Christen innerhalb dieser Welt ein Zeichen setzen, was Sex angeht? Wir leben in einer extrem sexualisierten Welt. Ist es \u00fcberhaupt realistisch, au\u00dferhalb der Ehe sexuell enthaltsam zu sein?<br \/>\nWir m\u00fcssen verstehen, dass unsere Gesellschaft nicht schlimmer ist, als die Zeit damals. Im r\u00f6mischen Reich war Unzucht ziemlich weit verbreitet. Unter den gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten nahm Korinth noch eine besondere Rolle ein. Sexuelle Freiz\u00fcgigkeit war im alten Korinth so verbreitet, dass der griechische Autor Aristophanes das Wort korinthiazo erfunden hat, was so viel bedeutet wie mit allem Sex zu haben, was nicht bei Drei auf dem Baum ist. Die Stadt war geradezu ein Synonym f\u00fcr Unzucht.<br \/>\nWisst ihr was? Das war kein Hindernis f\u00fcr das Evangelium. Mit der Ausbreitung der Gemeinde Jesu begann in der Menschheitsgeschichte eine sexuelle Revolution. So hat es der verstorbene New Yorker Pastor Tim Keller beschrieben. Wenn wir an sexuelle Revolution denken, dann denken wir an das, was sich in den 60er und 70er Jahren in der westlichen Gesellschaft ereignet hat. Aber das hat wenig Neues zutage gebracht. Was wirklich neu war, war die Art und Weise, wie Christen Sex verstanden und gelebt hatten. Wir m\u00fcssen hier mit ein paar wichtigen Missverst\u00e4ndnissen aufr\u00e4umen.<br \/>\nTim Keller hat in seinen Predigten zu 1. Korinther die zwei vorherrschenden Haltungen der Menschen zu Sex ziemlich gut beschrieben. Die erste Haltung kommt in Vers 13 zum Vorschein: \u201eIhr sagt: Das Essen ist f\u00fcr den Bauch da und der Bauch f\u00fcr das Essen.\u201c F\u00fcr einige, in der Korinther Gemeinde war Sex die nat\u00fcrlichste Sache der Welt: Sexuelle Begierde ist wie Appetit und Hunger; und wenn man Hunger hat, dann muss man etwas essen; und so \u00e4hnlich verh\u00e4lt es sich mit Sex. Da der K\u00f6rper ohnehin verg\u00e4nglich ist, spielt doch alles keine Rolle. Das war die eine Haltung. Die andere Haltung zu Sex kommt in Kapitel 7 zum Vorschein. Die Frage war, sollte man nicht versuchen, weitestgehend auf Sex zu verzichten? Au\u00dfer vielleicht zum Zeugen von Kindern? Die Ansicht war: Sex ist etwas Niedriges und eklig und schmutzig und unw\u00fcrdig f\u00fcr geistliche Wesen. Beide sehr unterschiedliche Ans\u00e4tze waren in der Gemeinde vorhanden. Beide Ans\u00e4tze haben gemeinsam, dass Sex unter Wert verkauft wird.<br \/>\nBis auf den heutigen Tag sind diese zwei Ansichten weit verbreitet. Zum Beispiel, in unserer Gesellschaft ist Sex einfach ein Appetit: Wenn man ein Bed\u00fcrfnis danach hat, muss man dieses Bed\u00fcrfnis befriedigen. Christen und andere religi\u00f6se Menschen werden h\u00e4ufig mit der zweiten Sicht in Verbindung gebracht: Sex dient vor allem der Fortpflanzung, Sex ist vor allem negativ, Sex ist schmutzig. Die eine Gruppe sagt \u00fcber die anderen: Ihr seid so verdorben und unmoralisch. Die andere Gruppe antwortet darauf: Ihr seid so verklemmt und sexuell frustriert, und eure Triebe \u00e4u\u00dfern sich darin, dass Priester Kinder missbrauchen. Was wir unbedingt verstehen m\u00fcssen: Paulus vertrat weder die eine noch die andere Seite. Er hatte eine ganz andere Sicht auf Sex.<br \/>\nVerse 18 und 19: \u201eDeshalb haltet euch fern von aller Unzucht! Keine andere S\u00fcnde hat so gro\u00dfe Auswirkungen auf den K\u00f6rper wie diese, denn Unzucht ist eine S\u00fcnde gegen den eigenen K\u00f6rper. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, der in euch lebt und euch von Gott geschenkt wurde?\u201c Die Korinther hatten eine absch\u00e4tzige, abf\u00e4llige Sicht auf Sex, weil sie eine absch\u00e4tzige, abf\u00e4llige Sicht auf ihren K\u00f6rper hatten. Aber f\u00fcr Christen hatte der K\u00f6rper eine immense Bedeutung. Unser Leib ist der Ort, in welchem der ewige unendliche Gott lebt durch seinen Heiligen Geist in uns. (\u00dcbrigens, die Aussage, dass Unzucht die einzige S\u00fcnde gegen den K\u00f6rper ist, ist nicht ganz einfach zu verstehen: Jemand, der seinen K\u00f6rper vernachl\u00e4ssigt, zu viel oder zu wenig isst, zu viel Alkohol trinkt oder Drogen nimmt, s\u00fcndigt sicherlich auch gegen seinen K\u00f6rper; aber es scheint, dass unseren K\u00f6rper jemanden hinzugeben, ein besonderer Akt ist). Am Ende von Vers 19 schreibt Paulus: \u201eIhr geh\u00f6rt nicht euch selbst.\u201c Unsere Leiber geh\u00f6ren Gott.<br \/>\nDie sexuelle Revolution der 60er und 70er Jahre hat zu Freiz\u00fcgigkeit gef\u00fchrt und sexueller Selbstbestimmung. Sie hat auch zu h\u00f6heren Scheidungsraten gef\u00fchrt, zu mehr Ungl\u00fcck und Frustration bei der Partnersuche und zu instabileren Beziehungen. Das war nicht wirklich revolution\u00e4r. Das, was die Christen im alten Rom lehrten und lebten, war hingegen wirklich revolution\u00e4r. Das Revolution\u00e4re an der christlichen Lehre war, dass nicht nur Frauen ihren M\u00e4nnern treu zu sein hatten; auch M\u00e4nner mussten ihren Frauen treu sein, was absolut unerh\u00f6rt war. Das Revolution\u00e4re war, dass der Sex einvernehmlich sein musste, weil weder der Mann noch die Frau Eigent\u00fcmer ihrer Leiber waren: Ihre K\u00f6rper geh\u00f6rten Gott. Das Revolution\u00e4re war, dass Christen Sex in der Ehe praktizierten und feierten, nicht weil sie eine geringsch\u00e4tze Sicht auf Sex hatten, sondern weil sie Sex hochsch\u00e4tzten, weil sie die K\u00f6rper, die Gott ihnen geschenkt hatte, hochsch\u00e4tzten. Das gro\u00dfe Missverst\u00e4ndnis ist, zu denken, dass die Bibel eine negative Sicht auf Sex vermittelt. Die Christen waren sex-positiv und hatten eine sehr gesunde Einstellung zu ihren K\u00f6rpern.<br \/>\nWas war die Konsequenz? Die Konsequenz war, dass inmitten von Unmoral und sexueller Ausschweifung, Christen rein geblieben sind. In einem fr\u00fchchristlichen Brief an Diognetus schreibt der Autor \u00fcber die Christen: \u201eSie teilen einen gemeinsamen Tisch, aber sie teilen kein gemeinsames Bett.\u201c Die Heiden teilten ihre K\u00f6rper, sie hatten einen billigen Umgang mit ihren K\u00f6rpern und waren geizig mit ihrem Geld. Die Christen teilten ihr Geld und waren geizig mit ihren K\u00f6rpern (sie gingen damit sehr teuer um).<\/p>\n<p><strong>3. Die gro\u00dfe Kraft<\/strong><br \/>\nWir haben gesehen, dass die Bibel einen hohen Ma\u00dfstab anlegt, was Sex angeht. Und wir haben gesehen wie revolution\u00e4r die christliche Sicht auf Sex in der griechisch-r\u00f6mischen Welt war. Aber wie k\u00f6nnen wir dann heilig leben? Vor Jahren war ich auf einem Elternabend. Und die Bio-Lehrerin hatte einen \u00dcberblick \u00fcber den Stoff gegeben. Unter anderem stand sexuelle Aufkl\u00e4rung und Verh\u00fctung auf dem Programm. Ein Elternteil hatte dann gefragt, ob diese Themen in einer Klassenarbeit abgefragt werden. Die Antwort der Lehrerin war: \u201eNein. Bei diesem Thema haben die Sch\u00fcler so viel Eigenmotivation, das zu lernen. Da brauchen wir keine Arbeit dar\u00fcber.\u201c Sex \u00fcbt eine tiefe Faszination auf uns aus. Ich habe vorhin erw\u00e4hnt, dass der Versuch, Menschen dazu zu erziehen, enthaltsam zu sein so wie das in den USA \u00fcber viele Jahre versucht wurde, nicht ausreicht. Wie k\u00f6nnen wir dann enthaltsam sein?<br \/>\nWir haben eine wundersch\u00f6ne Tochter, die jetzt ziemlich genau eineinhalb Jahre alt ist. Wie alle Kinder in diesem Alter liebt sie es mit allen Dingen zu spielen, die nicht als Spielzeug geeignet sind, angefangen mit der Fernbedienung vom Fernseher bis hin zu E.\u2018s Lego. Wenn man versucht, sie dazu zu \u00fcberreden, ihr Spielzeug abzugeben, h\u00f6rt man lautstarken Protest und l\u00e4uft Gefahr Objekt ihres Zorns zu werden. Was im Moment noch hilft, ist aber folgendes: Man bietet ihr einen Tausch an. H\u00e4ufig funktioniert das sehr gut. Sie braucht etwas, mit dem sie spielen kann. Und so traurig es auch klingt, gleiches l\u00e4sst sich auf uns anwenden, die wir ein paar Jahre \u00e4lter sind.<br \/>\nThomas Chalmers war ein schottischer Prediger in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts. In einer seiner ber\u00fchmtesten Predigten sagte er zu Beginn: \u201eEs gibt zwei Wege, auf denen ein praktischer Moralist versuchen kann, die Liebe zur Welt aus dem menschlichen Herzen zu verdr\u00e4ngen: entweder (1) durch den Nachweis der Eitelkeit der Welt, sodass das Herz dazu bewegt wird, seine Zuneigung einfach von einem Objekt abzuwenden, das seiner nicht w\u00fcrdig ist; oder (2) indem er ein anderes Objekt, n\u00e4mlich Gott, als w\u00fcrdiger f\u00fcr seine Zuneigung vorschl\u00e4gt, sodass das Herz dazu bewegt wird, nicht einfach eine alte Zuneigung aufzugeben (der nichts nachfolgen w\u00fcrde), sondern eine alte Zuneigung gegen eine neue einzutauschen. Mein Ziel ist es zu zeigen, dass die erstgenannte Methode aufgrund der Beschaffenheit unserer Natur g\u00e4nzlich ungeeignet und wirkungslos ist; und dass nur die letztgenannte Methode ausreicht, um das Herz von der falschen Zuneigung zu befreien und wiederherzustellen, die es beherrscht.\u201c<sup>1)<\/sup> Ist das nicht ein wunderbarer Anfang einer Predigt?<br \/>\nZu sagen, dass Sex au\u00dferhalb der Ehe S\u00fcnde ist, ist v\u00f6llig unzul\u00e4nglich und wirkungslos, um Menschen davon zu \u00fcberzeugen, damit aufzuh\u00f6ren. Freunde, was ist das, was eine gr\u00f6\u00dfere Faszination auf uns aus\u00fcbt als Sex? Die Antwort ist Gott selbst! Am Schluss von unserem Text hei\u00dft es: \u201eOder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes in euch ist, der in euch lebt und euch von Gott geschenkt wurde? Ihr geh\u00f6rt nicht euch selbst, denn Gott hat einen hohen Preis f\u00fcr euch bezahlt. Deshalb ehrt Gott mit eurem Leib!\u201c Frage: Was hat Gott denn bezahlt, um uns freizukaufen? Antwort: Alles! Alles! Er hat sich selbst f\u00fcr uns hingegeben. Er hat seine Herrlichkeit des Himmels f\u00fcr uns verlassen. Er hat mit seinem Leben f\u00fcr uns bezahlt. Er hat sein Blut f\u00fcr uns hingegeben. Es gab nichts, was er zur\u00fcckgehalten hat.<br \/>\nJemand hat mal die Frage gestellt, weshalb Jesus in seinen ca. 30 Jahren, die er auf Erden verbracht hatte, nicht geheiratet hatte. Die Antwort ist, weil Jesus verlobt ist. Er ist verlobt mit einer ganz schwierigen Braut: der Gemeinde in Korinth, die so viele Probleme hatte; mit jedem einzelnen von uns, die wir so viele Probleme haben. Ehe, Partnerschaft und Sexualit\u00e4t ist ein Bild und ein Schatten der geistlichen Realit\u00e4t, die eines Tages anbrechen wird, wenn Himmel und Erde eins werden, wenn Jesus und seine Braut vereint werden, wenn wir unser wahres Zuhause erreicht haben.<br \/>\nSexuell rein zu leben braucht Kraft, die wir nicht in uns selbst haben. Aber Gott bietet uns eine unendliche Kraft: die Kraft der Auferstehung, die unsere K\u00f6rper im Hier und Jetzt heiligen, weil unsere K\u00f6rper gut sind; die Kraft des Heiligen Geistes, der in uns wohnt; die Kraft der Liebe Gottes, die ausgegossen ist in unsere Herzen; die Kraft der Vergebung, dass immer und zu jederzeit, Gott bereit ist, all unser Versagen und unser Unverm\u00f6gen aufzufangen.<\/p>\n<p>*1) Thomas Chalmers\u2019: \u201cExpulsive Power of a New Affection\u201d<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Sex und das Evangelium \u201eIhr geh\u00f6rt nicht euch selbst, denn Gott hat einen hohen Preis f\u00fcr euch bezahlt. Deshalb ehrt Gott mit eurem Leib!\u201c (1. Korinther 6,19b.20) Wir haben gesehen, dass die Korinther Gemeinde viele Probleme hatte und auch richtige Probleme. Ein Problem in dieser jungen Gemeinde [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[19,4],"tags":[],"class_list":["post-13876","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-korinther","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13876","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13876"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13876\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13879,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13876\/revisions\/13879"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13876"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13876"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13876"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}