{"id":13826,"date":"2026-02-08T11:00:44","date_gmt":"2026-02-08T10:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13826"},"modified":"2026-03-20T20:17:59","modified_gmt":"2026-03-20T19:17:59","slug":"predigt-1-korinther-101-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-korinther-101-13\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Korinther 10,1-13"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/1.Korinther_10-0113-P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/1.Korinther_10-0113-P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_korinther\/10\/1-13?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Gott ist treu<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eNoch ist keine Versuchung \u00fcber euch gekommen, die den Menschen \u00fcberfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr \u00fcber eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch mit der Versuchung auch einen Ausweg schaffen, sodass ihr sie bestehen k\u00f6nnt.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Korinther 10,13)<\/p>\n<p>Viele von euch wissen, dass ich in den letzten sieben Jahren ein gro\u00dfes europ\u00e4isches Projekt geleitet hatte, dass dieses Jahr zu Ende geht. Als das Projekt angefangen hatte, wurden wir von der EU als ein Hochrisikoprojekt eingestuft, d.&nbsp;h., wir wurden von Anfang an etwas enger \u00fcberwacht und mit gutem Grund: Wir hatten anfangs riesige Baustellen und gro\u00dfe Schwierigkeiten. Aber irgendwann kam der Moment, als es deutlich besser lief. Der Wendepunkt f\u00fcr mich war, als wir den Vertreter der EU-Kommission zu unserem j\u00e4hrlichen Meeting einluden. Er lehnte dankend ab mit den Worten: \u201eIch muss ein anderes Projekt begutachten. Im Gegensatz zu euch haben die richtige Probleme!\u201c Das war ein Ritterschlag f\u00fcr uns. Wir waren nicht l\u00e4nger seine Sorgenkinder.<br \/>\nStichwort \u201erichtige Probleme\u201c: Wenn es eine Gemeinde gab, die richtige Probleme hatte, dann musste es die Korinther Gemeinde sein. Meine Herren! Wir haben bereits gesehen, dass diese Gemeinde unter Spaltungen litt; sexuelle Fehltritte, die so krass waren, dass es selbst f\u00fcr die au\u00dferhalb der Gemeinde \u201etoo much\u201c war; Streitigkeiten untereinander, die vor Gericht ausgetragen wurden; Unordnung beim Gottesdienst usw.<br \/>\nStellen wir uns vor, wir w\u00e4ren Berater und Seelsorger f\u00fcr so eine Gemeinde. W\u00fcrden wir nicht an der Herausforderung verzweifeln? Vielleicht k\u00e4men wir zum Schluss, dass bei dieser Gemeinde Hopfen und Malz verloren sind. Wenn wir Paulus\u2018 Brief an die Korinther lesen, merken wir keine Hoffnungslosigkeit. Paulus findet klare Worte. Er schimpfte auch mit ihnen \u201eihr seid so aufgeblasen&nbsp;\u2026\u201c Aber wir sehen keine Verzweiflung. Und ich finde, dass das ist einer der Gr\u00fcnde, weshalb dieser Brief so ermutigen und so lehrreich ist. Wenn es Hoffnung gibt f\u00fcr eine Gemeinde wie sie, dann gibt es auch Hoffnung f\u00fcr uns. Vielleicht kann ich es noch etwas pers\u00f6nlicher formulieren: Wenn es Hoffnung gibt f\u00fcr Christen, wie sie es waren, dann gibt es auch Hoffnung f\u00fcr dich, ganz egal wo du im Glaubensleben stehst. Und das spiegelt sich auch im Titel der heutigen Predigt wider: Gott ist treu.<\/p>\n<p>Unser Text hat einen Kontext. In Kapitel 8 hatte Paulus ein neues Thema angefangen. Es hatte mit etwas zu tun, was wir nur bedingt nachvollziehen k\u00f6nnen, n\u00e4mlich wie Christen mit dem heidnischen Kult in der Stadt umgehen sollten. Auf den M\u00e4rkten von Korinth wurde Fleisch verkauft, dass vorher G\u00f6tzen geweiht worden war. War es in Ordnung, dieses Fleisch zu essen, zumal es 30% reduziert war? Wir haben letzte Woche in der Predigt von R. geh\u00f6rt, dass Paulus auf der einen Seite keine Probleme damit zu haben schien, so lange \u2013 und dieser Punkt ist zentral \u2013 ihre Mitmenschen nicht in Leidenschaft gezogen w\u00fcrden. Das war ein Aspekt dieses Themas. Aber l\u00e4ngst nicht das einzige. Es sah so aus, dass einige Christen nicht nur auf das reduzierte Fleisch aus waren. Einige von ihnen schienen auch regelrecht am G\u00f6tzenkult teilzunehmen. Paulus zeigt im heutigen Kapitel, dass das nicht geht. Es geht heute im Prinzip darum, wie Christen in einer heidnischen Welt leben sollten.<br \/>\nDrei Aspekte wollen wir hier betrachten. Erstens, das, was au\u00dfen ist; zweitens, das, was innen ist; und drittens, die Treue Gottes. (Nur falls es hilft: erstens, au\u00dfen hui; zweitens, innen pfui; drittens, Gott ist treu. Reimt sich fast).<\/p>\n<p><strong>1. Das, was au\u00dfen ist<\/strong><br \/>\nIn Vers 1 und den folgenden spricht Paulus \u00fcber eine Geschichte aus dem AT: \u201eIhr sollt wissen, Br\u00fcder und Schwestern, dass unsere V\u00e4ter alle unter der Wolke waren, alle durch das Meer zogen\u201c Diese Verse sind nicht ganz einfach zu verstehen. Paulus spricht hier \u00fcber die Geschichte Israels und \u00fcber den Auszug aus \u00c4gypten. Aber er tut es auf eine sehr interessante und auch geheimnisvolle Art und Weise.<br \/>\nIn Vers 2 schreibt Paulus: \u201eund alle auf Mose getauft wurden in der Wolke und im Meer.\u201c Was bedeutet es, dass die Israeliten in der Wolke und im Meer getauft wurden, und zwar auf Mose hin? In den Versen 3 und 4 hei\u00dft es dann: \u201eAlle a\u00dfen auch die gleiche geistgeschenkte Speise und alle tranken den gleichen geistgeschenkten Felsen, der mit ihnen zog. Und dieser Fels war Christus.\u201c Generation von Auslegern haben dar\u00fcber nachgedacht, was Paulus im Einzelnen gemeint haben k\u00f6nnte. In zwei Punkten scheinen sich die Ausleger relativ einig zu sein.<br \/>\nZum einen, Paulus spricht hier \u00fcber zwei symbolische Rituale, die wir Christen Sakramente nennen: die Taufe und das Abendmahl. Bei der Taufe wird eine Person ins Wasser getaucht und wieder hervorgehoben. Die Taufe symbolisiert die Tatsache, dass unser altes Leben mit Jesus gestorben und begraben ist, und dass wir zu einem neuen Leben auferstehen. Wir werden auf eine Person hin getauft, n\u00e4mlich Jesus. Wir geben damit zu verstehen, dass unser neues Leben nicht mehr uns geh\u00f6rt, sondern dass wir zu Jesus geh\u00f6ren. Die Taufe steht am Anfang des Glaubenslebens, d.&nbsp;h. diejenigen, die eine pers\u00f6nliche Begegnung mit Jesus hatten, lassen sich taufen, um ihre neue Zugeh\u00f6rigkeit zu Jesus zu bekennen. Das ist es, was die Israeliten erfahren hatten: Sie wurden getauft durch den Durchzug durch das Rote Meer, in der Gegenwart Gottes. Ihre Taufe bedeutete ebenfalls, dass sie fortan zu Gott geh\u00f6rten.<br \/>\nDas zweite Ritual oder Sakrament ist das Abendmahl. Beim Abendmahl nehmen wir das Brot, brechen es und essen davon und trinken dazu Wein. Das Brot repr\u00e4sentiert den Leib Jesu und der Wein sein Blut. Das ist es auch, was Jesus in Johannes 6 gelehrt hatte: \u201eWer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben und ich werde ihn auferwecken am J\u00fcngsten Tag. Denn mein Fleisch ist wahrhaft eine Speise und mein Blut ist wahrhaft ein Trank.\u201c In Anlehnung darauf spricht Paulus davon, dass die Israeliten in der W\u00fcste Speise gegessen hatten, die geistlich war, bzw. vom Geist also von Gott gegeben war; und sie tranken aus einem geistlichen Felsen. Paulus geht sogar so weit zu sagen, dass der Fels Christus war. Paulus spricht hier also \u00fcber die Taufe und das Abendmahl.<br \/>\nDer zweite Punkt, der sehr eindeutig im Text ist: Paulus versucht diese Geschichte direkt auf die Korinther zu beziehen. Und indem er das tut, bezieht er diese Geschichte direkt auf einen jeden von uns. Schauen wir uns noch einmal den Vers 1 an: \u201eIhr sollt wissen, Br\u00fcder und Schwestern, dass unsere V\u00e4ter alle unter der Wolke waren, alle durch das Meer zogen&nbsp;\u2026\u201c Wenn wir das AT lesen und davon lesen, wie die Israeliten in der W\u00fcste gescheitert sind, dann tun wir es vielleicht mit etwas Abstand. Vermutlich lesen wir diese Geschichte und denken, dass das ziemlich wenig mit uns zu tun hat. Aber Paulus spricht hier von unseren V\u00e4tern. Paulus sagt hier: \u201eIhr seid direkte Nachkommen und Kinder von ihnen.\u201c Der Grund weshalb er das tut, ist der, dass diese Geschichte direkt etwas mit uns zu tun hat. Das erschreckende Urteil ist in Vers 5: \u201eGott aber hatte an den meisten von ihnen keinen Gefallen; denn er lie\u00df sie in der W\u00fcste umkommen.\u201c<br \/>\nZwei kurze Anwendungen. Sowohl die Taufe als auch das Abendmahl sind heilige Rituale. Und gleichzeitig sind Taufe und Abendmahl gerade das: Rituale, d.&nbsp;h., symbolische Gesten, die eine Bedeutung haben, aber keine Zauberei sind. Sie versinnbildlichen etwas, was mit unserer Rettung zu tun hat. Sie deuten auf etwas hin. Aber sie sind nicht selbst das, was uns rettet. Sie sind das, was ich mit \u00c4u\u00dferlichkeiten meine. Ich meine das in keiner Weise abwertend. Wir k\u00f6nnten einen Schritt weitergehen und uns fragen, welche anderen Rituale wir kennen. Und dann w\u00fcrde uns dabei einfallen, dass wir uns gerade in einem Ritual befinden: den Gottesdienst am Sonntag, gefolgt von einem gemeinsamen Mittagessen. Oder wir machen Bibelstudien. Oder wir feiern Ostern und Weihnachten. Hier ist der springende Punkt: Alle christlichen Br\u00e4uche haben ihren Wert und haben ihren Platz. Aber sie sind nicht das, was uns zu Christen macht. Du wirst nicht zu einem Christen, weil du zum Gottesdienst kommst, oder weil du dich taufen l\u00e4sst oder weil du am Abendmahl teilnimmst. Taufe und Abendmahl sind geistliche Hilfestellungen.<br \/>\nDas bringt uns zu zweiten Anwendung. Fast alles, was Paulus in den Versen 1\u201311 erw\u00e4hnt, sind Ereignisse, welche die Israeliten in der W\u00fcste erlebt hatten. Was ist die W\u00fcste? Die W\u00fcste ist eine Zeit der Wanderschaft, in der wir in Zelten wohnen. Die W\u00fcste steht f\u00fcr eine Zeit der Unbequemlichkeit und Anstrengung. Die W\u00fcste ist ein Ort des Mangels und der Entbehrung. Die W\u00fcste ist eine Zeit, in der ungefiltert das zum Vorschein kommt, was in den Herzen der Menschen ist.<br \/>\nVor wenigen Monaten war ich auf der Beerdigung von Esther H. Mutter. Sie hatte die letzten Jahre ihres Lebens an Demenz gelitten. W\u00e4hrend der Beerdigung hatte ich mit T. gesprochen. Er hatte erz\u00e4hlt, dass Menschen, die an Demenz leiden, h\u00e4ufig an Komplikationen versterben, die mit Verschlucken zu tun haben. So sehr leiden die kognitiven F\u00e4higkeiten, dass selbst Schlucken keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit mehr ist. Die beiden hatten sich jahrelang um die Mutter gek\u00fcmmert, wie sich Eltern um ein Kleinkind k\u00fcmmern. (F\u00fcr mich sind beide richtige Heilige). Vor allem ein Punkt hat mich sehr ber\u00fchrt. Eben weil Demenzkranke nach und nach alles vergessen, kommt in vielen von ihnen ungefiltert das heraus, was in ihrem Herzen ist. Viele Kranke werden richtig aggressiv und unausstehlich. Aber Tobias meinte, dass seine Schwiegermutter immer friedevoll und lieb war, weil es das war, was in ihrem Herzen war. Was ist das, was in unserem Herzen ist? Wenn wir Zeiten der Not und M\u00fchsal haben, was ist das, was aus unseren Herzen kommt?<\/p>\n<p><strong>2. Das, was innen ist<\/strong><br \/>\nWir haben gesehen, dass manche Christen in Korinth sich mit \u00c4u\u00dferlichkeiten begn\u00fcgt hatten. Die Frage ist, was in ihren Herzen war. In Vers 6 schreibt Paulus: \u201eDas aber geschah als warnendes Beispiel f\u00fcr uns: damit wir uns nicht von der Gier nach dem B\u00f6sen beherrschen lassen, wie jene sich von der Gier beherrschen lie\u00dfen.\u201c In ihren Herzen war Gier nach dem B\u00f6sen. Diese Gier nach dem B\u00f6sen kommt auf subtile Weise zum Ausdruck. In den Versen 7\u201310 gibt Paulus vier Warnungen aufgrund von dem Versagen der Israeliten in der W\u00fcste.<br \/>\nVers 7: \u201eWerdet nicht G\u00f6tzendiener wie einige von ihnen; denn es steht in der Schrift: Das Volk setzte sich zum Essen und Trinken; dann standen sie auf, um sich zu vergn\u00fcgen.\u201c Die erste Warnung von Paulus ist, dass die Korinther keine G\u00f6tzendiener sein sollten. Um es vorweg zu nehmen: alle vier Warnungen von Paulus haben etwas mit G\u00f6tzendienst zu tun. Die Tatsache, dass das Volk sich zum Essen und Trinken setzte, ist nicht das Problem. Das Essen und Trinken hier waren Teil des G\u00f6tzenkultes gefolgt von \u201eVergn\u00fcgungen\u201c. Elberfelder und Luther \u00fcbersetzen das griechische Wort paizo mit \u201espielen\u201c, was durchaus korrekt ist. Aber gemeint ist hier nicht, dass die Israeliten nach dem Essen anfingen, Skat oder Brettspiele zu spielen. Die Vergn\u00fcgungen, die hier gemeint sind, war sexuelle Unmoral.<br \/>\nVers 8: \u201eLasst uns nicht Unzucht treiben, wie einige von ihnen Unzucht trieben! Damals kamen an einem einzigen Tag 23.000 Menschen um.\u201c Diese Warnung ist ziemlich selbsterkl\u00e4rend, und wir brauchen nicht tiefer darauf eingehen. G\u00f6tzendienst in Korinth war h\u00e4ufig mit Prostitution verbunden. F\u00fcr viele Juden waren deshalb G\u00f6tzendienst und Unzucht zwei Seiten der gleichen Medaille.<br \/>\nVers 9: \u201eLasst uns auch nicht Christus auf die Probe stellen, wie es einige von ihnen taten, die dann von Schlangen get\u00f6tet wurden!\u201c Wir haben vorhin gesehen, dass Jesus mit den Israeliten in der W\u00fcste war. Christus ist der Fels, von dem die Israeliten getrunken hatten. Was bedeutet es, dass sie Jesus auf die Probe stellten? Was dahinter stand war die Haltung, die man mit \u201eWie weit kann ich gehen?\u201c bezeichnen kann. Es ist das, was Kinder tun, wenn sie ihre Grenzen austesten: \u201eWie weit kann ich gehen, bis ich von meinen Eltern \u00c4rger bekomme? Wie weit kann ich gehen und gerade noch so ungeschoren davonkommen?\u201c Richtig schlimm und verletzend wird es, wenn Erwachsene sich so verhalten; wenn beispielsweise ein Ehepartner meint, sich an keine Regeln halten zu m\u00fcssen und s\u00e4mtliche Grenzen \u00fcberschreitet, was zu allen Formen von missbr\u00e4uchlichen Beziehungen f\u00fchren kann. Das war das Verhalten von manchen Christen in Korinth. Und Paulus sagt hier ganz klar, dass Gott das nicht mit sich machen l\u00e4sst.<br \/>\nDie vierte und letzte Warnung finden wir in Vers 10: \u201eMurrt auch nicht, wie einige von ihnen murrten; sie wurden vom Verderber umgebracht!\u201c Fast die ganze Reise der Israeliten war begleitet von Meckern, Maulen, M\u00e4keln, N\u00f6rgeln, Quengeln. (Ich war etwas \u00fcberrascht davon, wie viele synonyme W\u00f6rter es im Deutschen f\u00fcr Murren gibt). Es gibt ihre grunds\u00e4tzliche Haltung wieder, die sie Gott gegen\u00fcber hatten.<br \/>\nIn den Versen 11 und 12 fasst Paulus zusammen: \u201eDas aber geschah an ihnen, damit es uns als Beispiel dient; uns zur Warnung wurde es aufgeschrieben, uns, die das Ende der Zeiten erreicht hat. Wer also zu stehen meint, der gebe Acht, dass er nicht f\u00e4llt.\u201c Wie vorhin erw\u00e4hnt haben alle vier Warnungen etwas mit G\u00f6tzendienst zu tun. Die Warnungen richten sich an Christen in Korinth, die davon ausgingen, dass sie nach Belieben heidnische Opferfeste feiern konnten, wahrscheinlich auch mit den sexuellen Exzessen, die damit einhergingen. Schlimmer noch, sie meinten, keine Konsequenzen bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, weil sie ja getauft waren und weil sie das Abendmahl hielten. Gordon Fee fasst das Ganze zusammen: \u201eDie Warnung, die sich auf die tragischen Beispiele Israels st\u00fctzt, ist klar und eindringlich. Manche S\u00fcnden sind mit dem Leben in Christus so unvereinbar, dass das sichere Gericht, also der Verlust der Erl\u00f6sung, die unvermeidliche Folge ist, wenn man daran festh\u00e4lt. [\u2026] Es handelt sich um vors\u00e4tzliche Handlungen, die auf einer falschen Sicherheit beruhen und Gott auf die Probe stellen, als w\u00fcrde man Gott herausfordern, jemanden zu richten, der in Christus \u00bbgetauft\u00ab wurde. Paulus versichert uns, dass solch mutwilliger Ungehorsam zum Untergang f\u00fchrt.\u201c<br \/>\nWas bedeutet das f\u00fcr uns? Ich habe vorhin die Frage gestellt, was in unseren Herzen ist. Was ist in unserem Inneren? Die meisten von uns sind vermutlich nicht unbedingt versucht, an heidnischen Opferkulten teilzunehmen. Wir haben keinen Tempel der Aphrodite in der Mitte unserer Stadt. Aber an einer Sache hat sich die letzten 2.000 Jahre nichts ver\u00e4ndert. Menschen f\u00fchlen sich gestern wie heute G\u00f6tzen hingezogen. Was sind G\u00f6tzen? Ein G\u00f6tze ist alles, dem wir uns zuwenden, um das zu bekommen, was uns nur Gott geben kann. Was ist das, was uns nur Gott geben kann? Wir alle sind auf der Suche nach Sinn und Bedeutung f\u00fcr unser Leben; wir suchen nach Sicherheit und Geborgenheit; wir suchen nach Identit\u00e4t; wir suchen nach unserem wahren Zuhause; wir suchen nach dem, was uns erf\u00fcllen und wahrhaft gl\u00fccklich machen kann. Nur Menschen suchen danach. Und nur Gott ist derjenige, der uns alles das geben kann und alles das geben will.<br \/>\nDas, was allen menschlichen S\u00fcnden zugrunde liegt, ist die Tatsache, dass wir das Absolute und das Unendliche nicht bei Gott suchen. Die Bibel macht deutlich, dass jede Bosheit, die wir Menschen begehen, eine Folge von G\u00f6tzendienst ist. Und die Bibel macht auch deutlich, dass alle Menschen darin verstrickt sind. Eines der ber\u00fchmtesten Zitate von dem Reformator Johannes Calvin lautet: \u201eDie Natur des Menschen ist sozusagen eine unaufh\u00f6rliche Fabrik von G\u00f6tzen.\u201c<br \/>\nAlles und jeder kann ein G\u00f6tze sein. Auch Dinge, die an und f\u00fcr sich neutral oder sogar gut sind, k\u00f6nnen zu G\u00f6tzen werden. Hier ist ein Beispiel: Wir alle verdienen Geld. Welche Rolle spielt Geld \u201ein\u201c dir? Vielleicht ist Geld eine Form von psychologischer Absicherung, dass Geld zu haben das Gef\u00fchl gibt, dass wir f\u00fcr alle N\u00f6te gewappnet sind. Oder vielleicht ist Geld eine Art Statussymbol, dass Geld das Gef\u00fchl gibt, dass man etwas im Leben erreicht hat, dass man jemand ist. Oder vielleicht ist Geld f\u00fcr dich die Quelle von Gl\u00fcck, weil man sich durch Geld alles das leisten und kaufen kann, wovon man schon immer getr\u00e4umt hatte. Falls dem so ist, ist Geld mehr als einfach nur Geld. Es ist ein G\u00f6tze. Geld nimmt in unserem Leben die Rolle ein, die Gott alleine geb\u00fchrt.<br \/>\nUnsere Tempel heute sehen etwas anders aus. Es sind lange Einkaufsstra\u00dfen und Luxus-Kaufh\u00e4user, oder ganze Stadtteile, die dem Gesch\u00e4ft gewidmet sind wie das B\u00f6rsenviertel, oder Hochh\u00e4user f\u00fcr gro\u00dfe Banken. Manche von den Tempeln sind virtuell aber nicht weniger real. Vor allem bauen wir in unserem Herzen einen Altar f\u00fcr Geld, auf dem wir bereit sind alles dem Geld untertan zu machen und zu opfern. Jemand hat einmal gesagt, dass Geld ein n\u00fctzlicher Diener sein kann, aber ein grausamer und b\u00f6ser Herr ist. Geld verspricht Sicherheit aber gibt das Gef\u00fchl von Furcht und Angst, nicht genug zu haben.<br \/>\nWas ist das, was in uns an h\u00f6chster Stelle steht?<\/p>\n<p><strong>3. Die Treue Gottes<\/strong><br \/>\nDer heutige Text spricht sehr klare Warnungen aus. Er spricht von Gottes Gericht. Und es ist Teil von einem gr\u00f6\u00dferen Argument von Paulus, das noch bis zum Ende des Kapitels geht. Aber inmitten dessen scheint Paulus seinen Gedanken zu unterbrechen. In Vers 13 spricht er ein Wort der Ermutigung. Dieser Vers ist so erbaulich, dass Gordon Fee meinte, dass er losgel\u00f6st vom Kontext ein eigenes Leben f\u00fchrt. \u201eNoch ist keine Versuchung \u00fcber euch gekommen, die den Menschen \u00fcberfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr \u00fcber eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch mit der Versuchung auch einen Ausweg schaffen, sodass ihr sie bestehen k\u00f6nnt.\u201c<br \/>\nKurz zur Erkl\u00e4rung: Paulus kritisierte in der Korinther Gemeinde diejenigen, die meinten, dass sie sicher sind und Gott auf die Probe stellten, also Gott versuchten. Aber Paulus wusste auch, dass es Menschen gibt, die selbst in Versuchung waren. Was ist mit den Menschen, die in S\u00fcnde fallen, obwohl sie es nicht wollen? Was ist mit den Menschen, die unter Abh\u00e4ngigkeiten und S\u00fcchten leiden, vielleicht \u00fcber viele Jahre hinweg und die keinen Ausweg sehen und immer wieder in alte Muster fallen? Was ist mit den Menschen, die wegen ihrer ungel\u00f6sten Schw\u00e4chen in Zweifel geraten und sich die Frage stellen, ob sie wirklich gerettet sind?<br \/>\nZu diesen Menschen spricht Paulus nun: \u201eGott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr \u00fcber eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch mit der Versuchung auch einen Ausweg schaffen, sodass ihr sie bestehen k\u00f6nnt.\u201c Aber woher wissen wir, dass dem so ist? In Vers 5 hatten wir Gottes harsches Urteil \u00fcber die Israeliten gesehen: \u201eGott aber hatte an den meisten von ihnen kein Gefallen.\u201c An wem hat Gott dann Gefallen? Wer ist die Person, die Gottes Anspr\u00fcchen gerecht werden k\u00f6nnte? Das gleiche griechische Wort eudokeo \u201eGefallen haben mit etwas \/ an jemandem\u201c, kommt in Matth\u00e4us 3,17 vor. Jesus, der Sohn Gottes, wird von Johannes getauft. Als Jesus vom Wasser aufsteigt, \u00f6ffnet sich der Himmel, und der Geist Gottes kommt herab. Es hei\u00dft da: \u201eUnd siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.\u201c Gott hat Gefallen an Jesus.<br \/>\nStellen wir uns eine Klasse vor, in der es den einen vollkommenen Mustersch\u00fcler gibt, an dem alle Lehrer Gefallen haben. Inwiefern hilft es der Klasse, wenn es den einen \u00dcberflieger gibt? Richtig. In der Regel hilft es ihnen \u00fcberhaupt nicht weiter. Die Dummheit des Rests der Klasse wird umso offensichtlicher. Inwiefern ist es aber eine gute Nachricht, eigentlich die beste Nachricht, dass Gott der Vater Wohlgefallen an seinem Sohn hat? In 2. Korinther 5 beschreibt Paulus, was der Tod Jesu am Kreuz bedeutet und was er bewirkt hat. \u201eEr hat den, der keine S\u00fcnde kannte, f\u00fcr uns zur S\u00fcnde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes w\u00fcrden.\u201c Am Kreuz wurde Jesus so behandelt wie wir es wegen unserer S\u00fcnde verdient h\u00e4tten, damit Gott einen jeden von uns so behandeln kann, wie nur Jesus es verdient hat. Wenn wir in Christus sind, dann sieht Gott uns an, wie er seinen geliebten Sohn ansieht: Er hat Wohlgefallen an uns. Wenn du in Christus bist, hat Gott Wohlgefallen an dir. Er sieht dich und \u00fcbersieht alle deine Vergehen. Er bietet dir ein neues Leben an.<br \/>\nDer Text letzter Woche endete damit, dass Paulus beschreibt, wie er k\u00e4mpft. Er verglich sich mit einem Athleten, der voller Fokus und Disziplin trainiert, um zu gewinnen. Das christliche Leben ist ein Lauf, es ist ein Kampf. Aber eines ist das christliche Leben nicht: Es ist kein Kampf, um Gottes Wohlgefallen zu verdienen. Wir k\u00e4mpfen nicht, um besser bei Gott dazustehen. Wir k\u00e4mpfen nicht, um von ihm angenommen zu werden. Wir k\u00e4mpfen nicht, um von ihm mehr geliebt zu werden. In Jesus Christus bietet Gott uns alles das bereits an: vollkommene Liebe und v\u00f6llige Annahme.<br \/>\nUnser Kampf ist, diese Tatsache mehr zu realisieren. Unser Kampf ist, jeden Tag mehr, aus dieser Liebe heraus zu leben; jeden Tag mehr, Gott daf\u00fcr zu danken; jeden Tag mehr Freude und Gl\u00fcck daraus zu sch\u00f6pfen.<br \/>\nWir sind schwach. Aber Gott ist treu. Die Treue Gottes ist die Treue seiner Gnade und die Treue seiner Liebe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Gott ist treu \u201eNoch ist keine Versuchung \u00fcber euch gekommen, die den Menschen \u00fcberfordert. 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