{"id":13818,"date":"2026-02-15T11:00:35","date_gmt":"2026-02-15T10:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13818"},"modified":"2026-03-20T18:06:16","modified_gmt":"2026-03-20T17:06:16","slug":"predigt-1-korinther-1014-111","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-korinther-1014-111\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Korinther 10,14-11,1"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/1.Korinther_10-1433_110101-P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/1.Korinther_10-1433_110101-P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_korinther\/10\/14-33?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Tut alles zur Ehre Gottes<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eOb ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Korinther 10,31)<\/p>\n<p>Die Kapitel 8 bis 10 des ersten Korintherbriefs kreisen um ein zentrales Thema: die Frage nach dem Essen von G\u00f6tzenopferfleisch. Damals war Korinth eine Stadt, in der der G\u00f6tzendienst zum allt\u00e4glichen Leben geh\u00f6rte. Das meiste Fleisch, das auf dem Markt verkauft wurde, war zuvor G\u00f6tzen geopfert worden. Viele Zusammenk\u00fcnfte und Festmahle standen in Verbindung mit heidnischen Tempeln. In genau diesem Umfeld lebten Menschen, die an Jesus Christus glaubten.<br \/>\nDas Problem entstand innerhalb der Gemeinde. Einige, die sich selbst als stark im Glauben betrachteten, beriefen sich auf ihr Wissen: \u201eEin G\u00f6tze ist nichts.\u201c Mit dieser \u00dcberzeugung a\u00dfen sie ohne Bedenken das Opferfleisch. Manche gingen sogar in die Tempel und setzten sich mit den G\u00f6tzendienern an einen Tisch. Sie hielten sich f\u00fcr frei. Doch ihr Verhalten verletzte das Gewissen der schw\u00e4cheren Geschwister, brachte sie in Verwirrung und f\u00fchrte sie in Versuchung.<br \/>\nDer Apostel Paulus gibt auf diese Frage keine einfache, pauschale Antwort wie \u201eEsst\u201c oder \u201eEsst nicht\u201c. Er macht deutlich: In manchen Situationen kann man essen, in anderen darf man es keinesfalls. Warum? Weil der Ma\u00dfstab nicht blo\u00df Wissen oder pers\u00f6nliche Freiheit sind. Paulus weist auf ein tieferes Prinzip hin: \u201eOb ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut \u2013 tut alles zur Ehre Gottes.\u201c (31)<br \/>\nDieses Wort geht weit \u00fcber die Frage nach Speisen hinaus. Es ist ein Grundsatz f\u00fcr das ganze Glaubensleben. Wir leben mitten in der Welt. Wir arbeiten, essen und stehen in Beziehung mit Menschen, die nicht an Gott glauben. Nach welchem Ma\u00dfstab sollen wir also entscheiden? Nach unserer Freiheit? Nach unserem Recht, oder nach der Ehre Gottes?<br \/>\nDurch dieses Wort lernen wir, welche Haltung wir als Christen inmitten der Welt einnehmen sollen. Unsere Entscheidungen und Handlungen sollen nicht uns selbst in den Mittelpunkt stellen, sondern Gott sichtbar machen und dem N\u00e4chsten zum Leben dienen.<br \/>\nIm Kapitel 10 erinnert Paulus an die Geschichte Israels. Das Volk war unter der Wolke, ging durch das Meer und a\u00df die gleiche geistliche Speise. Und doch kamen viele von ihnen in der W\u00fcste um. Warum? Sie starben nicht an Hunger oder Durst. Es fehlte ihnen nicht an Versorgung. Sie gingen zugrunde, weil sie trotz der erfahrenen Rettung und Gnade Gottes dem G\u00f6tzendienst, der Unzucht, der Versuchung Gottes und dem Murren verfielen. Paulus betont ausdr\u00fccklich: \u201eDiese Dinge sind als Vorbilder f\u00fcr uns geschehen.\u201c Und nun fasst Paulus in Vers 14 unseres heutigen Abschnitts die gesamte Argumentation zusammen und zieht eine klare und kraftvolle Schlussfolgerung: \u201eDarum, meine Geliebten, flieht den G\u00f6tzendienst.\u201c (14)<br \/>\nHier diskutiert Paulus nicht mehr weiter. Er sagt nicht: \u201eDebattiert dar\u00fcber.\u201c Er sagt auch nicht: \u201eProbiert es doch einmal aus, wie weit ihr gehen k\u00f6nnt.\u201c Er gebraucht nur ein einziges Verb: \u201eFlieht.\u201c Warum spricht Paulus so entschieden? Wenn wir in die Schrift schauen, erkennen wir ein gemeinsames Merkmal bei den Menschen, die vor der S\u00fcnde bewahrt blieben: Sie versuchten nicht, die S\u00fcnde zu \u00fcberreden. Sie verhandelten nicht mit ihr. Sie gingen keinen Kompromiss ein. Denken wir an Josef. Vor der Frau des Potifar f\u00fchrte er keine theologische Diskussion. Er fragte nicht: \u201eIst das auch S\u00fcnde, wenn ich nur mit ihr rede?\u201c oder \u201eWird Gott nicht ohnehin vergeben?\u201c Sondern er lie\u00df sein Gewand zur\u00fcck \u2013 und floh. Warum? Weil G\u00f6tzendienst und S\u00fcnde keine Angelegenheit sind, die man durch einen Kampf gewinnt. Der G\u00f6tzendienst kommt nicht wie die Streitwagen \u00c4gyptens mit lautem Get\u00f6se. Er dringt vielmehr leise ein \u2013 wie ein Virus, unauff\u00e4llig und schleichend. Wenn eine Grippewelle umgeht \u2013 entscheidet sich dann jemand bewusst: \u201eIch werde gegen das Virus k\u00e4mpfen?\u201c Wenn man bereits erkrankt ist, braucht man eine Behandlung. Doch bevor man sich ansteckt \u2013 was ist die weiseste Entscheidung? Man sch\u00fctzt sich, h\u00e4lt Abstand, beugt vor. Wenn man st\u00e4ndig mit Erkrankten zusammen ist, steckt man sich irgendwann an \u2013 oft ohne es zu merken. So ist es auch mit dem G\u00f6tzendienst. Allein die Anwesenheit in einem heidnischen Tempel mag noch nicht automatisch G\u00f6tzendienst sein. Doch es ist weit sicherer, gar nicht erst dorthin zu gehen, als sich bewusst in eine gef\u00e4hrliche Umgebung zu begeben. Darum sagt Paulus: G\u00f6tzendienst ist kein Bereich, in dem man St\u00e4rke beweisen soll. Es ist etwas, dem man m\u00f6glichst fernbleiben muss. Daf\u00fcr braucht es Weisheit und Besonnenheit. Deshalb schreibt Paulus in Vers 15: \u201eIch rede doch zu verst\u00e4ndigen Menschen; beurteilt ihr, was ich sage.\u201c<br \/>\nDas bedeutet nicht, dass er die Verantwortung einfach auf die Gemeinde abw\u00e4lzt. Vielmehr l\u00e4dt er zur geistlichen Reife ein. Reifer Glaube bedeutet nicht, dass immer jemand anderes f\u00fcr uns entscheidet. Es bedeutet auch nicht, nur zu h\u00f6ren und blind zu folgen. Reifer Glaube hei\u00dft, vor Gottes Wort selbst zu pr\u00fcfen und zu unterscheiden. Wir leben heute in einer Zeit, in der die k\u00fcnstliche Intelligenz unz\u00e4hlige Informationen analysiert und bereitstellt. Entscheidend ist nicht mehr, wie viel man wei\u00df, sondern welche Auswahl man aus der F\u00fclle der Informationen trifft und welche Urteile man f\u00e4llt.<br \/>\nGenau hier ber\u00fchrt uns die Mahnung des Paulus ganz neu. Glaube bedeutet nicht einfach, viel Bibelwissen zu besitzen. Er bedeutet auch nicht, sich von Stimmungen oder Mehrheiten treiben zu lassen. Er bedeutet, vor dem Wort Gottes selbst zu stehen und zu unterscheiden. Darum sagt Paulus nicht: \u201e\u00dcbernehmt meine Worte einfach\u201c, sondern: \u201eUrteilt selbst \u2013 als Verst\u00e4ndige.\u201c<br \/>\nEin Christ ist kein gedankenloser Mensch. Er ist ein Mensch, der berufen ist, sich im Licht des Wortes Gottes zu pr\u00fcfen und verantwortlich zu entscheiden. Wie sollen wir also selbst urteilen? Nach welchen Ma\u00dfst\u00e4ben sollen wir leben? Schauen wir auf die Verse 16 und 17. Paulus verwendet nun das Beispiel des Abendmahls:<br \/>\n\u201eDer Kelch des Segens, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist\u2019s. So sind wir, die vielen, ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.\u201c (16.17)<br \/>\nWenn wir beim Abendmahl den Kelch trinken und das Brot brechen, nehmen wir an dem Ereignis teil, bei dem Christus f\u00fcr unsere S\u00fcnden seinen Leib gab und sein Blut vergoss. Dies ist nicht nur ein Symbol, sondern eine wirkliche Gemeinschaft mit Christus.<br \/>\nPaulus sagt in Vers 17: \u201eDenn ein Brot ist\u2019s. So sind wir, die vielen, ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.\u201c (17) Das Abendmahl ist keine rein pers\u00f6nliche Fr\u00f6mmigkeits\u00fcbung. Es ist ein gemeinschaftliches Ereignis. Mit dem Brechen des Brotes verk\u00fcnden wir: \u201eWir sind ein Leib in Jesus.\u201c Wir sind eins, weil wir in Christus Gnade empfangen haben. Wir sind kein blo\u00dfes Zusammentreffen einzelner Menschen, sondern ein Leib, verbunden durch die Gnade Christi. Jedes Mal, wenn wir das Abendmahl empfangen, sollen wir uns daran erinnern, dass alle Gl\u00e4ubigen der Kirche in Christus ein Leib sind.<br \/>\nIn Josua Kapitel 7 sehen wir eine sehr eindrucksvolle Szene. Durch die S\u00fcnde eines Mannes namens Achan erlitten die Israeliten bei der Schlacht gegen die kleine Stadt Ai eine Niederlage. Sie hatten zuvor Jericho \u2013 eine nahezu uneinnehmbare Stadt \u2013 erobert. Nun aber, gegen eine kleine Stadt, starben 36 Menschen, und das Volk floh in Angst. Die Herzen des Volkes zerschmolzen wie Wasser. Josua 7,1 sagt: \u201eAber die Israeliten vergriffen sich an dem Gebannten; denn Achan, der Sohn Karmis, des Sohnes Sabdis, des Sohnes Serachs, vom Stamm Juda, nahm etwas vom Gebannten. Da entbrannte der Zorn des Herrn \u00fcber die Israeliten.\u201c Merkw\u00fcrdig, nicht wahr? Der Schuldige war nur Achan. Aber Gott sagt nicht: \u201eAchan hat ges\u00fcndigt\u201c, sondern: \u201e\u2026 die Israeliten vergriffen sich &#8230;\u201c<br \/>\nAchan hatte heimlich Gold und Silber versteckt. Er dachte wohl nicht, dass seine pers\u00f6nliche S\u00fcnde das ganze Volk beeinflussen w\u00fcrde. Doch seine verborgene Schuld f\u00fchrte zur Niederlage, 36 Menschen starben, und die gesamte Gemeinschaft geriet in Angst. Ein einziger Akt der heimlichen Habgier schw\u00e4chte die ganze Gemeinschaft.<br \/>\nVor Gott ist die Gemeinde ein Leib. Deshalb sieht Gott die S\u00fcnde eines Gliedes als S\u00fcnde der ganzen Gemeinschaft. Dieses Ereignis stellt uns eine Frage: Betrachte ich meinen Glauben zu sehr als rein pers\u00f6nliche Angelegenheit? Denken wir einfach: \u201eEs betrifft doch nur mich, was ich tue?\u201c Aber die Gemeinde ist der Leib Christi. Wenn ein Glied krank ist, leidet der ganze Leib. Wenn ein Glied S\u00fcnde verbirgt, wird die Gemeinschaft geschw\u00e4cht. Die Geschichte von Achan ist nicht einfach ein alttestamentlicher Bericht. Sie zeigt uns deutlich: Glaube ist niemals ein individuelles Projekt. Deshalb m\u00fcssen wir uns fragen: K\u00f6nnte mein kleines Zugest\u00e4ndnis, meine verborgene Gier, meine unverantwortliche Entscheidung die Gemeinschaft schw\u00e4chen? Gott sieht uns auch heute nicht als Einzelne, sondern als \u201eeinen Leib\u201c. Unsere Entscheidungen tragen immer gemeinschaftliche Verantwortung.<br \/>\nSchauen wir auf die Verse 18 bis 22: \u201eSeht an das Israel nach dem Fleisch! Welche die Opfer essen, stehen die nicht in der Gemeinschaft des Altars? Was will ich nun damit sagen? Dass das G\u00f6tzenopfer etwas sei? Oder dass der G\u00f6tze etwas sei? Nein, sondern was man da opfert, das opfert man den D\u00e4monen und nicht Gott. Ich will aber nicht, dass ihr mit den D\u00e4monen Gemeinschaft habt. Ihr k\u00f6nnt nicht zugleich den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der D\u00e4monen; ihr k\u00f6nnt nicht zugleich am Tisch des Herrn teilhaben und am Tisch der D\u00e4monen. Oder wollen wir des Herrn Eifersucht wecken? Sind wir st\u00e4rker als er?\u201c<br \/>\nNun veranschaulicht Paulus seine Argumentation noch deutlicher, indem er auf die alttestamentlichen Opfer verweist. Hier erinnert Paulus an das Prinzip der Opfer im Alten Bund. Das Essen des Opfers war nicht einfach Nahrungsaufnahme. Es bedeutete, an dem Altar teilzuhaben und damit in Beziehung zu dem zu treten, dem der Altar geh\u00f6rte. Eine Mahlgemeinschaft war immer auch ein Ausdruck von Beziehung. Dann stellt sich die Frage: Was bedeutet es, Fleisch zu essen, das einem G\u00f6tzen geopfert wurde? Paulus antwortet sehr entschieden: \u201eNein, sondern was man da opfert, das opfert man den D\u00e4monen und nicht Gott. Ich will aber nicht, dass ihr mit den D\u00e4monen Gemeinschaft habt.\u201c (20) Der G\u00f6tze selbst ist nichts. Doch dahinter steht eine geistliche Macht, die sich Gott widersetzt. Deshalb erkl\u00e4rt Paulus in klaren Worten: \u201eIhr k\u00f6nnt nicht zugleich den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der D\u00e4monen; ihr k\u00f6nnt nicht zugleich am Tisch des Herrn teilhaben und am Tisch der D\u00e4monen.\u201c (21) Es gibt keinen Mittelweg, keinen Bereich, in dem man mit beiden F\u00fc\u00dfen stehen k\u00f6nnte. Glaube ist eine Frage der Entscheidung und der Zugeh\u00f6rigkeit.<br \/>\nEin Beispiel: In Korea kommt es unter Soldaten vor, dass Rekruten sonntags in die Kirche gehen, um eine kleine S\u00fc\u00dfigkeit oder einen Snack zu erhalten. Einige gehen danach in einen Tempel, weil dort ebenfalls ein Snack wartet. Es geht ihnen nicht um tiefes geistliches Nachdenken, sondern um das eigene leibliche Wohl. Oberfl\u00e4chlich k\u00f6nnte man sagen: \u201eWohin man geht, spielt keine Rolle.\u201c Aber diese Haltung sendet eine klare Botschaft: Es fehlt an Ernsthaftigkeit gegen\u00fcber der Zugeh\u00f6rigkeit und an Ehrfurcht gegen\u00fcber dem Objekt der Verehrung. \u00c4hnlich war es in der Gemeinde in Korinth. Einige gingen in heidnische Tempel und setzten sich mit den Heiden an den Tisch. Sie h\u00e4tten sagen k\u00f6nnen: \u201eEin G\u00f6tze ist nichts; Fleisch ist nur Fleisch.\u201c F\u00fcr Paulus war dies jedoch nicht nur ein Problem des Wissens. Dahinter stand ein Herz, das den eigenen Vorteil h\u00f6her sch\u00e4tzte und eine gleichg\u00fcltige Haltung gegen\u00fcber Gott zeigte. Kann jemand, der Gott wirklich liebt, neutral gegen\u00fcber dem stehen, was sich Gott widersetzt? Liebe hat eine Richtung. Je mehr wir Gott lieben, desto sensibler werden wir f\u00fcr alles, was ihm zuwiderl\u00e4uft. Die Stelle aus Apostelgeschichte 17,16 zeigt Paulus\u2019 Herz: \u201eAls aber Paulus in Athen auf sie wartete, ergrimmte sein Geist in ihm, da er die Stadt voller G\u00f6tzenbilder sah.\u201c Paulus reagierte auf die G\u00f6tzen nicht gleichg\u00fcltig. Er rechnete nicht ab, er kompromittierte nicht. Sein Herz war bewegt, weil er Gott liebte. Das Problem ist also nicht Wissen, sondern die Herzenseinstellung. Kann man behaupten, G\u00f6tzen seien nichts, und dennoch ruhig an einem Tisch sitzen, der damit verbunden ist? Wenn ja, liebt man vielleicht den eigenen Vorteil mehr als Gott. Paulus macht uns klar: Im Glauben gibt es keinen Raum f\u00fcr \u201edoppelte Zugeh\u00f6rigkeit\u201c. Wir m\u00fcssen wissen, an wessen Tisch wir sitzen.<br \/>\nNun kehrt Paulus wieder zum Thema Freiheit zur\u00fcck. Schauen wir auf Vers 23: \u201eAlles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten; alles ist erlaubt, aber nicht alles erbaut. Sucht nicht euer eigenes Wohl, sondern das des anderen.\u201c Der Gl\u00e4ubige ist frei, doch diese Freiheit ist niemals eigenn\u00fctzig. Christen sind frei, um andere zu st\u00e4rken. Paulus gibt ein sehr praktisches Beispiel: Fleisch, das auf dem Markt verkauft wird, kann man bedenkenlos essen, solange es keine Einw\u00e4nde gibt. Wenn jedoch jemand sagt: \u201eDies ist G\u00f6tzenopferfleisch\u201c, sollte man es wegen des Gewissens dieser Person meiden. Denn er sagte dies, weil sein Gewissen belastet und sein Glaube schwach ist. Wenn wir dennoch von diesem G\u00f6tzenopfer essen, k\u00f6nnten wir die Person dadurch in Versuchung f\u00fchren. Wir m\u00fcssen uns also wieder fragen: Wenn ich meine Freiheit aus\u00fcbe, wie sehr ber\u00fccksichtige ich das Gewissen anderer? Kann meine Rechtfertigung meiner Freiheit jemanden zum Stolpern bringen? Deshalb fordert Paulus uns auf, wie in Vers 15 gesagt, Menschen zu sein, die selbst unterscheiden k\u00f6nnen wie Verst\u00e4ndige. Nicht Menschen, die nur fragen: \u201eWas ist erlaubt?\u201c, sondern Menschen, die fragen: \u201eWas dient dem Leben der anderen?\u201c<br \/>\nUnd Paulus fasst schlie\u00dflich alles in einem Satz zusammen: \u201eOb ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre.\u201c (31) Dieses Wort ist nicht nur ein Rat. Es ist ein Grundsatz des Glaubens und das Lebensziel f\u00fcr Christen. Paulus fragt nicht: \u201eWie frei bist du?\u201c Er fragt: \u201eWem dient deine Freiheit?\u201c Darum m\u00fcssen wir uns selbst pr\u00fcfen: Dient meine Entscheidung und mein Handeln der Ehre Gottes? Bringt sie jemanden in Versuchung, oder st\u00e4rkt sie seinen Glauben? F\u00fchrt sie andere n\u00e4her zu Gott und zum Leben, oder ist es nur eine Wahl f\u00fcr mich selbst? Treffe ich Entscheidungen, die erbauen, oder treffe ich die Entscheidungen nach meinem Gef\u00fchl und Wohl?<br \/>\nVor diesem Hintergrund gibt Paulus ein konkretes Beispiel: \u201eFolgt meinem Beispiel wie ich dem Beispiel Christi!\u201c (11,1) Paulus stellt sich hier nicht in den Mittelpunkt. Das endg\u00fcltige Vorbild ist immer Jesus Christus. Jesus Christus war wirklich frei. Er war Gottes Sohn und besa\u00df alle Macht und Herrlichkeit. Er musste niemandem Rechenschaft ablegen und er war zu nichts verpflichtet. Er hatte die Freiheit, wirklich alles zu tun. Niemand konnte ihn zu etwas zwingen oder ihm etwas nehmen. Doch Jesus beanspruchte diese Freiheit nicht f\u00fcr sich. Er lie\u00df die himmlische Herrlichkeit hinter sich, erniedrigte sich selbst und nahm menschliche Gestalt an. Er kam nicht, um bedient zu werden, sondern um zu dienen. Auch am Kreuz verteidigte er sich nicht. Er forderte sein Recht nicht ein. In Schweigen trug er das Kreuz und gab seinen Leib und sein Blut f\u00fcr uns hin, um uns zu retten. In diesem Moment wurde die Herrlichkeit Gottes am deutlichsten sichtbar. An dem Ort, wo die Freiheit abgelegt wurde, offenbarte sich die Liebe; durch Gehorsam wurde Gottes Wille erf\u00fcllt, und viele Menschen empfingen das Leben. Daraus ergibt sich klar: Das Leben eines Christen besteht nicht im Abw\u00e4gen dessen, was erlaubt ist, sondern im Streben nach dem, was Gott ehrt. Es ist kein Leben, das die eigene Freiheit sch\u00fctzt, sondern eines, das durch seine Freiheit andere rettet. M\u00f6ge jeder von uns, der Jesus Christus nachfolgt, mit der Freiheit nicht sein eigenes Wohl suchen, sondern andere lieben, ihnen dienen und zum Leben f\u00fchren.<br \/>\nW\u00e4hrend ich \u00fcber dieses Wort nachdachte, merkte ich, wie schwer es mir fiel, es pers\u00f6nlich anzunehmen. Mein Herz war dabei belastet. An Weihnachten 2009 habe ich durch das Wort aus Jesaja 9 Jesus als meinen Retter empfangen: \u201eDenn uns ist ein Kind geboren \u2026\u201c Vor diesem Wort habe ich beschlossen, Jesus nachzufolgen. Ich bekannte, dass ich ein Leben f\u00fchren will, das Gott ehrt, und als J\u00fcnger Jesu lebe. Aus dieser Entscheidung heraus kam ich als studentischer Missionar nach Deutschland. Ich nahm am Abendmahl teil, a\u00df vom Leib Christi und trank von seinem Blut. Ich sa\u00df am Tisch des Herrn. Daher fragte ich mich erneut vor diesem Text: Entsprach mein Leben wirklich diesem Bekenntnis?<br \/>\nIm Jahr 2009 hatte ich nichts. Ich hatte nichts erreicht. In dieser Zeit war ich sehr dem\u00fctig und hatte Sehnsucht vor Gott. Ich betete zu Gott und bekannte: Dass ich nach Deutschland gekommen bin, war nicht nach meinem Willen, sondern um Gottes Auftrag zu erf\u00fcllen. Ich bat um Gnade, hier bleiben zu d\u00fcrfen. Gott war mir sehr gn\u00e4dig. Er half mir, meine Sprachdefizite zu \u00fcberwinden, sodass ich die Deutschpr\u00fcfungen bestehen und an der Medizinischen Fakult\u00e4t studieren konnte. Er f\u00fchrte mich durch viele Schwierigkeiten zum Abschluss. Mit J. beschenkte er mich mit einer Familie im Glauben und ich erhielt die dauerhafte Aufenthaltserlaubnis.<br \/>\nIm Laufe der Zeit, beim H\u00f6ren und Lesen der Schrift, habe ich mehr Bibelwissen gesammelt als zu Beginn meiner Zeit in Deutschland. Dennoch muss ich bekennen, dass ich dieses Wissen oft nicht in Liebe angewandt habe. Ich sprach von Recht und Unrecht, doch baute andere selten auf. H\u00e4ufig handelte ich nach Urteil und Ma\u00dfstab, aber nicht nach Liebe. In meiner Familie und in der Gemeinde habe ich oft meine Gef\u00fchle und pers\u00f6nlichen Ma\u00dfst\u00e4be in den Vordergrund gestellt.<br \/>\n\u201eAlles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist erlaubt, aber nicht alles baut auf.\u201c (23)<br \/>\n\u201eOb ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre.\u201c (31)<br \/>\nDer Text macht klar: Der Ma\u00dfstab ist nicht das Wissen, sondern der Nutzen des Anderen. Der Ma\u00dfstab ist nicht die Freiheit, sondern die Ehre Gottes. Zur Ehre Gottes zu leben bedeutet daher nicht, Wissen oder Freiheit in den Mittelpunkt zu stellen, sondern den Nutzen des Anderen zum Ma\u00dfstab zu machen. Ich erkannte zum gro\u00dfen Bedauern, dass meine stolze Haltung meine Familie und dar\u00fcber hinaus die Gemeinschaft krank machen kann. Ich sah erneut, wie sehr eine einzelne Haltung und ein einzelnes Herz die Gemeinschaft beeinflussen k\u00f6nnen. Deshalb bekenne ich meinen Hochmut mit Furcht und Zittern vor Gott: Herr, mach mich weise. Hilf mir zu erkennen, dass wirklich nur die Liebe aufbaut. Lass mich nicht nach meinen Gef\u00fchlen oder eigenen Urteilen handeln, sondern nach deiner Ehre. Lass mich nicht nach meinem eigenen Vorteil streben, sondern nach dem Nutzen anderer.<br \/>\nSo wie Paulus sagte: \u201eSo wie ich Christus nachfolge, so sollt auch ihr mir nachfolgen\u201c, m\u00f6ge dieses Bekenntnis auch in meinem Leben Wirklichkeit werden. Als jemand, der am Tisch des Herrn teilnimmt und vom Kelch des Herrn getrunken hat, bete ich inst\u00e4ndig: M\u00f6ge mein ganzes Leben nun ein Leben werden, das die Herrlichkeit Gottes offenbar macht.<br \/>\nPaulus erinnert uns beim Abendmahl daran, dass wir als Gl\u00e4ubige ein Leib sind \u2013 verbunden in Christus. Als Christen sollen wir in Freiheit nicht einfach tun, was erlaubt ist, sondern alles zur Ehre Gottes. Unsere Entscheidungen sollen nicht auf Eigeninteresse oder blo\u00dfem Wissen basieren, sondern darauf, andere zu erbauen und Gott zu ehren. Jesus hat uns dieses Beispiel vorgelebt, und wir beten, dass auch wir seinem Beispiel folgen und in Liebe handeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Tut alles zur Ehre Gottes \u201eOb ihr nun esst oder trinkt oder was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes Ehre.\u201c (1. Korinther 10,31) Die Kapitel 8 bis 10 des ersten Korintherbriefs kreisen um ein zentrales Thema: die Frage nach dem Essen von G\u00f6tzenopferfleisch. 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