{"id":13692,"date":"2026-01-11T11:00:53","date_gmt":"2026-01-11T10:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13692"},"modified":"2026-01-11T21:34:16","modified_gmt":"2026-01-11T20:34:16","slug":"predigt-1-korinther-41-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-korinther-41-21\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Korinther 4,1-21"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1.Korinther_4-0121-P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1.Korinther_4-0121-P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_korinther\/4?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Folgt meinem Beispiel<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDarum ermahne ich euch: Folgt meinem Beispiel!\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Korinther 4,16)<\/p>\n<p>Wie wir bereits in den Kapiteln 1\u20133 gesehen haben, gab es in der Gemeinde in Korinth Spaltungen und Parteiungen. Einige Gemeindemitglieder sagten: \u201eIch habe von Paulus gelernt\u201c oder \u201eIch habe von Apollos gelernt\u201c. Sie verglichen sich anhand von Menschen und zeigten eine hochm\u00fctige Haltung, indem sie ihre eigenen Gaben und F\u00e4higkeiten r\u00fchmten.<br \/>\nDiese Menschen verwies Paulus zun\u00e4chst auf die Kraft des Kreuzes und die Weisheit Gottes. Er lehrte sie, dass das Wachstum der Gemeinde nicht von menschlichen F\u00e4higkeiten abh\u00e4ngt, sondern von der Gnade Gottes und der F\u00fchrung des Heiligen Geistes, und dass Diener Gottes lediglich Mitarbeiter sind, die an der Frucht teilhaben, die Gott selbst schenkt.<br \/>\nIm heutigen Abschnitt zeigt der Apostel Paulus besonders, wie er als Diener Christi seinen Dienst aus\u00fcbt, und am Ende ermahnt er die Gemeinde, seinem Beispiel zu folgen. Durch dieses Wort wollen wir tiefer erkennen, mit welcher Haltung wir als Nachfolger Jesu vor Gott leben sollen und warum Paulus die Gemeinde auffordert, seinem Beispiel zu folgen.<\/p>\n<p><strong>I. Verwalter der Geheimnisse Gottes (Verse 1\u20135)<\/strong><br \/>\nLasst uns gemeinsam Vers 1 lesen: \u201eDaf\u00fcr halte uns jedermann: f\u00fcr Diener Christi und Haushalter \u00fcber Gottes Geheimnisse.\u201c Hier erscheinen zwei Bezeichnungen f\u00fcr Diener des Evangeliums. Die eine ist \u201eDiener Christi\u201c, die andere \u201eVerwalter der Geheimnisse\u201c. Das Wort f\u00fcr \u201eDiener\u201c ist hyp\u0113ret\u0113s (\u1f51\u03c0\u03b7\u03c1\u03ad\u03c4\u03b7\u03c2) und bezeichnet jemanden, der seinem Herrn dient, ihn begleitet und auf seine Anweisungen h\u00f6rt. Es meint einen Knecht, der den Befehl seines Herrn empf\u00e4ngt und ihm gehorsam folgt. Der Apostel Paulus blieb ein Jahr und sechs Monate in Korinth, um die Gemeinde zu gr\u00fcnden, und Apollos setzte danach den Dienst mit dem Wort fort. Doch die korinthischen Christen blickten nur auf Paulus oder Apollos, bildeten Parteien und wurden hochm\u00fctig. Dabei sind alle Gemeindeleiter nichts anderes als Diener, die dem Werk Jesu Christi zur Seite stehen. Paulus bekennt damit, dass auch er nur ein Knecht ist, der den Befehlen Jesu Christi vollkommen gehorsam folgt.<br \/>\nDer Begriff \u201eVerwalter\u201c ist oikonomos (\u03bf\u1f30\u03ba\u03bf\u03bd\u03cc\u03bc\u03bf\u03c2) und bezeichnet einen Stellvertreter, der im Auftrag des Herrn den Haushalt verwaltet. Von diesem Wort leitet sich auch der Begriff \u201e\u00d6konomie\u201c ab. Je nachdem, wie ein Verwalter die Wirtschaft eines Hauses f\u00fchrt, entscheidet sich das Gedeihen oder der Niedergang einer Familie. Ebenso h\u00e4ngt das Werk der Rettung eines Lebens davon ab, wie derjenige, dem das Evangelium anvertraut ist, mit diesem Evangelium umgeht. Das liegt an der besonderen Eigenschaft des Evangeliums als Geheimnis. Das Evangelium ist allen Menschen offen zug\u00e4nglich, und doch ist es so geheimnisvoll, dass Gott durch Menschen wirkt, die es weitergeben und seinen Sinn auslegen und lehren.<br \/>\nWas ist also das Wichtigste, das ein Verwalter braucht? Es ist Treue. Die Welt fordert F\u00e4higkeiten, Beliebtheit, Ruhm und Erfolg oder F\u00fchrungskompetenz. Gott jedoch sieht allein auf Treue und Zuverl\u00e4ssigkeit. Im Leben eines Verwalters ist nicht entscheidend, wie viel er nach au\u00dfen hin vorweisen kann, sondern wie vertrauensw\u00fcrdig er ist. Ist ein Verwalter treu, wird die Frage der F\u00e4higkeit zweitrangig, denn Weisheit und Kraft kommen allein von Gott. Wenn wir treu sind, schenkt Gott Weisheit und Kraft in F\u00fclle.<br \/>\nIm Matth\u00e4usevangelium Kapitel 25 finden wir das Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Als der Herr in ein fernes Land reiste, rief er seine Knechte zu sich und gab jedem nach seinen F\u00e4higkeiten Talente. Nach langer Zeit kehrte er zur\u00fcck und nahm die Abrechnung vor \u2013 und er sah allein auf ihre Treue. Worin aber sollen Diener Christi in erster Linie treu sein? In der Aufgabe, die ihnen anvertraut wurde, n\u00e4mlich die Geheimnisse Gottes, das Evangelium, weiterzugeben. Zur Zeit Jesu forderten die Menschen immer wieder, dass er Zeichen und Wunder tue und als Messias ihre konkreten Lebensprobleme l\u00f6se. Doch Jesus ging darauf keinen Kompromiss ein und sagte klar: \u201eLasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Orte, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen\u201c (Mk 1,38). In Johannes 21,15\u201317 gibt der auferstandene Jesus dem Petrus dreimal denselben Auftrag: \u201eWeide meine L\u00e4mmer \u2026 h\u00fcte meine Schafe \u2026 weide meine Schafe.\u201c \u201eWeiden\u201c bedeutet, die Schafe mit dem Wort des Lebens zu n\u00e4hren, und \u201eh\u00fcten\u201c hei\u00dft, sie wie ein guter Hirte f\u00fcrsorglich zu begleiten.<br \/>\nWer aber beurteilt, ob wir diesen Auftrag gut erf\u00fcllt haben? Sind es Menschen, die Reaktionen der Gemeinde oder wir selbst? Lasst uns gemeinsam die Verse 3\u20135 lesen.<br \/>\nAuch wenn man treu als Diener Christi lebt, gibt es immer Menschen, die urteilen. Der Apostel Paulus wusste sehr wohl, dass er von anderen beurteilt wurde. Manche sagten: Paulus schreibt gut, aber Apollos predigt besser; sein Aussehen gef\u00e4llt mir nicht; er spricht immer nur vom Kreuz Jesu; manche zweifelten sogar daran, ob er ein echter Apostel sei. Solche Urteile k\u00f6nnen entmutigen, \u00e4ngstlich machen und emotional verletzen. Doch Paulus betrachtete dies als eine Kleinigkeit. Denn das wahre Urteil geh\u00f6rt allein dem Herrn. Ja, wir sollen uns nicht einmal selbst richten. H\u00e4lt man sich selbst f\u00fcr besonders gut, wird man schnell hochm\u00fctig; h\u00e4lt man sich f\u00fcr unf\u00e4hig, f\u00e4llt man leicht in Minderwertigkeitsgef\u00fchle. Doch die christliche Selbstachtung gr\u00fcndet sich nicht auf Selbsturteile. Sie entspringt dem Glauben daran, dass Gott mich trotz aller Schw\u00e4chen und M\u00e4ngel erw\u00e4hlt, liebt und gebraucht. Darum m\u00fcssen wir weder von den Urteilen anderer abh\u00e4ngig sein, noch uns selbst richten. Wenn der Herr kommt, wird das Verborgene offenbar und die Motive der Herzen werden ans Licht gebracht; dann wird jeder von Gott sein Urteil und sein Lob empfangen. Deshalb sollen wir das Richten ganz dem Herrn \u00fcberlassen und treu sein in dem Auftrag, den er uns anvertraut hat.<\/p>\n<p><strong>II. Folgt meinem Beispiel (Verse 6-21)<\/strong><br \/>\nF\u00fcr Paulus war Treue kein Konzept, das sich nur in Worten oder in einer inneren Haltung ersch\u00f6pfte. Sie musste sich zwingend in der konkreten Lebensweise zeigen. Deshalb f\u00fcgt Paulus keine weiteren Erkl\u00e4rungen hinzu, sondern stellt sein eigenes Leben unverh\u00fcllt vor Augen. Ja, er geht sogar so weit, dazu aufzufordern, seinem Beispiel zu folgen.<br \/>\nLasst uns Vers 6 lesen: \u201eDies aber, Br\u00fcder und Schwestern, habe ich auf mich selbst und Apollos gedeutet um euretwillen, dass ihr an uns lernt, was das hei\u00dft: Nicht \u00fcber das hinaus, was geschrieben steht; auf dass sich bei euch keiner f\u00fcr den einen gegen den andern aufblase.\u201c<br \/>\nDer Apostel Paulus und Apollos arbeiteten gut miteinander zusammen und gaben ein Vorbild im Glauben. Doch die Gemeinde in Korinth versuchte immer wieder, \u00fcber das hinauszugehen, was geschrieben steht. Nicht nur, dass die Korinther andere beurteilten \u2013 auch der Ma\u00dfstab ihres Urteilens lag au\u00dferhalb des Wortes Gottes.<br \/>\nWas bedeutet es also, nicht \u00fcber das Wort Gottes hinauszugehen? Es bedeutet, die von Gott in seinem Wort gesetzten Ma\u00dfst\u00e4be nicht zu \u00fcberschreiten. Anders gesagt: Setzt keine anderen Ma\u00dfst\u00e4be \u00fcber die Schrift, vertraut eurer eigenen \u00dcberzeugung nicht mehr als der Bibel und benutzt das Wort Gottes nicht als Werkzeug, um eure eigenen W\u00fcnsche zu rechtfertigen. Die Formulierung \u201edar\u00fcber hinausgehen\u201c bedeutet nicht, das Wort Gottes offen zu verwerfen, sondern es zwar anzuerkennen, sich aber faktisch \u00fcber das Wort zu stellen.<br \/>\nIn 1. Mose 3 verleugneten Adam und Eva das Wort Gottes nicht. Dennoch folgten sie den Worten der Schlange \u2013 etwas, das verlockender erschien als Gottes Wort. Das ist die erste Szene, in der der Mensch \u00fcber das Wort hinausgeht. In 1. Samuel 15 sehen wir den Ungehorsam Sauls: Er kannte das Gebot des Herrn, \u00e4nderte es aber nach eigenem Ermessen und rechtfertigte sein Handeln. In Markus 7 wussten die Pharis\u00e4er sehr wohl um das Gebot, Vater und Mutter zu ehren, doch mit dem Hinweis auf \u201eKorban\u201c stellten sie ihre Tradition \u00fcber Gottes Wort und gingen so \u00fcber die Schrift hinaus.<br \/>\nWie aber gingen die Korinther \u00fcber Gottes Wort hinaus?<br \/>\nErstens: Sie hatten ein ausgepr\u00e4gtes Gef\u00fchl von Sonderstellung und Privilegierung. Lesen wir Vers 7: \u201eDenn wer gibt dir einen Vorzug? Was hast du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber empfangen hast, was r\u00fchmst du dich dann, als h\u00e4ttest du es nicht empfangen?\u201c<br \/>\nDie Korinther glaubten, sie seien gerettet worden, weil sie selbst so gut sind. Sie k\u00e4mpften nicht darum, sich von der Welt zu unterscheiden, sondern verga\u00dfen, dass alles, was sie hatten, Gnade war. Sie litten gewisserma\u00dfen an einer \u201eGnaden-Amnesie\u201c. Und so r\u00fchmten sie sich: weil sie t\u00fcchtig seien, weil sie sich angestrengt h\u00e4tten, weil sie da gewesen seien, sei alles so geworden.<br \/>\nZweitens: Sie herrschten als K\u00f6nige \u2013 ohne Hirten. Schauen wir auf Vers 8: \u201eIhr seid schon satt geworden? Ihr seid schon reich geworden? Ohne uns seid ihr zur Herrschaft gelangt? Ja, dass ihr doch herrschen w\u00fcrdet, damit auch wir mit euch herrschen k\u00f6nnten!\u201c<br \/>\nSie meinten, bereits ges\u00e4ttigt und reich zu sein, verga\u00dfen ihren Anfang und verfielen in Hochmut und Selbstzufriedenheit. Sie missachteten die Diener Christi, die unter M\u00fchen geistlich um sie gerungen und sie gro\u00dfgezogen hatten und machten sich selbst zu K\u00f6nigen. Sie wollten alles nach ihren eigenen Vorstellungen ordnen und f\u00fcr ihren eigenen Vorteil leben. \u201eSo leben doch alle Menschen in der Welt!\u201c \u2013 und passten ihr Glaubensleben dem Ma\u00dfstab der Welt an.<br \/>\n\u201eIch habe so viel zu lernen und die Arbeit ist so stressig \u2013 Muss ich wirklich Zeit f\u00fcr\u2019s Bibelstudium aufbringen?\u201c, \u201eEs reicht doch, innerlich Gnade zu empfangen\u201c, \u201eHauptsache, ich gehe sonntags zum Gottesdienst\u201c, \u201eIst der Zehnte wirklich notwendig? Jetzt muss ich doch Geld sparen, um sp\u00e4ter sorgenfrei leben zu k\u00f6nnen.\u201c So machten sie sich selbst zum K\u00f6nig ihres Lebens, setzten ihre eigenen Ma\u00dfst\u00e4be und rechtfertigten sie. Ohne den Ma\u00dfstab des Wortes Gottes wurde das eigene Denken zum h\u00f6chsten Kriterium. Wenn das Herz ohne das Wort Gottes sich selbst \u00fcberlassen bleibt, richtet es sich ganz von selbst immer h\u00f6her auf.<br \/>\nPaulus hatte ein zutiefst brennendes und sorgendes Herz, als er diese Korinther-Christen sah. Gegen\u00fcber den Hochm\u00fctigen bezeugt er, wie er selbst als Hirte f\u00fcr sie gelebt hat. Sehen wir uns Vers 9 an: \u201eDenn ich meine, Gott hat uns Apostel als die Allergeringsten hingestellt, wie zum Tode Verurteilte. Denn wir sind ein Schauspiel geworden der Welt und den Engeln und den Menschen.\u201c<br \/>\nDer Ausdruck \u201ezum Tode Verurteilte\u201c bezieht sich auf Kriegsgefangene, die in den r\u00f6mischen Arenen hinausgef\u00fchrt wurden, um den wilden Tieren vorgeworfen zu werden. W\u00e4hrend die Gladiatoren im Amphitheater unter Einsatz ihres Lebens k\u00e4mpften, sahen zahllose Zuschauer diesem grausamen Schauspiel aus reiner Unterhaltung zu, verspotteten und verh\u00f6hnten die Opfer. Paulus beschreibt, dass er im Dienst der Gemeindegr\u00fcndung auf diese Weise Verachtung, Missverst\u00e4ndnisse und Verfolgung ertragen musste und zum Gesp\u00f6tt der Menschen geworden war. Und auch in der Gegenwart litt er unter vielf\u00e4ltigen M\u00fchen.<br \/>\nLasst uns gemeinsam die Verse 11\u201313 lesen: \u201eBis auf diese Stunde leiden wir Hunger und Durst, sind nackt und werden geschlagen und haben keine sichere St\u00e4tte und m\u00fchen uns ab mit unsrer H\u00e4nde Arbeit. Schm\u00e4ht man uns, so segnen wir; verfolgt man uns, so dulden wir\u2019s; verl\u00e4stert man uns, so reden wir freundlich. Wir sind geworden wie der Abschaum der Menschheit, jedermanns Kehricht, bis heute.\u201c<br \/>\nWie sehr muss er verachtet, zur\u00fcckgewiesen und geplagt worden sein, dass er sich selbst als \u201eAbschaum der Welt\u201c bezeichnet! Auch der Apostel Paulus war ein Mensch wie wir, mit Gef\u00fchlen, \u00c4ngsten und Schmerz. Ein solches Leben war gewiss nicht leicht. Urspr\u00fcnglich war Paulus kein Nachfolger Jesu Christi, sondern im Gegenteil ein Verfolger der Gemeinde Jesu. Er lie\u00df Christen gefangen nehmen und versuchte mit Drohungen und Gewalt, die Kirche zu zerst\u00f6ren. Als der treue Zeuge Stephanus gesteinigt wurde, stand Paulus dabei, billigte es und freute sich dar\u00fcber.<br \/>\nWie konnte sich ein solcher Mensch so radikal ver\u00e4ndern? Nicht, weil er selbst umkehrte oder seinen Lebensweg neu ausrichtete, sondern weil der auferstandene Jesus Christus ihn zuerst aufsuchte. Auf dem Weg nach Damaskus begegnete Paulus genau diesem Jesus, den er verfolgt hatte, und erkannte in diesem Moment, dass er der Gr\u00f6\u00dfte unter den S\u00fcndern war.<br \/>\nDie Gnade, die Paulus damals erkannte, war diese: Selbst als er Jesus verfolgte, hat Jesus ihn nicht verworfen, sondern geliebt. Er berief einen Unw\u00fcrdigen und vertraute einem einstigen Feind eine Mission an. Vor dieser Gnade wurde das ganze Leben des Paulus v\u00f6llig auf den Kopf gestellt.<br \/>\nDarum war Leiden f\u00fcr Paulus nichts Befremdliches. Fr\u00fcher war er ein Verfolger Christi gewesen, nun war er einer, der um Christi willen verfolgt wurde. Paulus betrachtete dies nicht als Niederlage, sondern als Zeichen der Gnade. Sein Bekenntnis, \u201eder Abschaum der Welt\u201c geworden zu sein, war kein Ausdruck von Verzweiflung, sondern das Zeugnis eines Lebens, das dem Herrn immer \u00e4hnlicher wurde.<br \/>\nEs gab nur einen Grund, warum Paulus das Leiden ertragen konnte: Er wusste, was f\u00fcr ein S\u00fcnder er gewesen war, und zugleich kannte er die Gnade Jesu Christi, der ihm trotz allem vergeben und ihn gef\u00fchrt hatte. Nur wer diese Gnade kennt, ist bereit, f\u00fcr Christus Leid auf sich zu nehmen.<br \/>\nPaulus schrieb dies nicht, um die Korinther zu besch\u00e4men oder zu verurteilen, sondern um sie auf den rechten Weg des Glaubens zur\u00fcckzuf\u00fchren. Der Grund daf\u00fcr ist, dass er sie nicht blo\u00df als Mitglieder einer Glaubensgemeinschaft sah, sondern als seine geliebten Kinder (Vers 14).<br \/>\nWie konnte Paulus die Korinthischen Christen als seine Kinder ansehen? Lesen wir Vers 15: \u201eDenn wenn ihr auch zehntausend Erzieher h\u00e4ttet in Christus, so habt ihr doch nicht viele V\u00e4ter; denn ich habe euch gezeugt in Christus Jesus durch das Evangelium\u201c<br \/>\nLehrer gibt es viele, V\u00e4ter jedoch nur wenige. Ein Lehrer tr\u00e4gt keine letzte Verantwortung. Wenn jemand trotz Unterrichts nicht lernt, kann er sagen: \u201eDas war seine eigene Entscheidung.\u201c Bleibt der Erfolg aus, wird die Bewertung gesenkt, und wenn ein Sch\u00fcler immer wieder scheitert, kann die Beziehung beendet werden. Ein Vater hingegen ist anders. Ein Vater tritt zuerst in eine Beziehung ein, bevor er lehrt. Ob das Kind gut oder schlecht handelt \u2013 es bleibt sein Kind. Das Scheitern des Kindes wird zum Schmerz des Vaters, und die Wunden des Kindes werden zur Last des Vaters. Ein Neugeborenes kann jeder auf den Arm nehmen. Doch eine schmutzige, \u00fcbelriechende Windel zu wechseln, ist ohne elterliche Liebe kaum m\u00f6glich. Ein Vater ist jemand, sein Kind trotz der schw\u00e4chsten und besch\u00e4mendsten Seiten nicht verl\u00e4sst, sondern sie bis zum Ende mittr\u00e4gt. Darum gibt ein Vater sein Kind nicht leicht auf. Wenn es ihm gut geht, freut er sich mit ihm und lobt es; wenn es scheitert, wendet er sich nicht ab, sondern nimmt sogar den Schmerz von Zurechtweisung und Erziehung auf sich, um es neu aufzurichten. Ein Vater betrachtet die Schuld und die Schw\u00e4chen seines Kindes nicht als eine fremde Angelegenheit.<br \/>\nSo war auch der Apostel Paulus. Er war f\u00fcr die Korinther nicht nur ein Bibellehrer, der sie gelehrt hatte. Als ihr geistlicher Vater hatte er sie durch das Evangelium gezeugt und trug ihre Schwachheiten und Probleme mit eigener Verantwortung. Darum war seine Zurechtweisung keine kalte Kritik, sondern die Ermahnung eines Vaters, die aus der Liebe entsprang, die niemals aufgibt.<br \/>\nLasst uns gemeinsam Vers 16 lesen: \u201eDarum ermahne ich euch: Folgt meinem Beispiel!\u201c Wie kann Paulus es wagen, so etwas zu sagen: \u201eFolgt meinem Beispiel\u201c? In 1. Korinther 11,1 steht: \u201eFolgt meinem Beispiel wie ich dem Beispiel Christi!\u201c. Er spricht mit solcher Zuversicht, weil er selbst mit aller Kraft bem\u00fcht war, Jesus Christus nachzuahmen. Darum fordert er die Gemeinde auf, nicht ihn als Person, sondern ihn in seinem Ringen nachzuahmen und so Christus \u00e4hnlich zu werden. Das Leben des Paulus, der darum k\u00e4mpfte, Jesus immer \u00e4hnlicher zu werden, war gepr\u00e4gt von Liebe, Demut und der aktiven Bereitschaft, am Leiden Christi teilzuhaben. Dieses Leben wurde f\u00fcr die Gl\u00e4ubigen zu einem gro\u00dfen Zeugnis.<br \/>\nPaulus war ein mit Strenge ausgebildeter Gesetzeslehrer, erzogen in der Schule Gamaliels. Er war Pharis\u00e4er und geh\u00f6rte schon in jungen Jahren zur F\u00fchrungsschicht. Doch dieser Apostel legte allen weltlichen Ruhm ab und lebte eine Wertordnung, in der er allein Christus r\u00fchmte. F\u00fcr die jungen Gl\u00e4ubigen wurde er selbst \u201ezum Abschaum der Welt\u201c d.h. er f\u00fchrte ein opferbereites Leben, das ihnen zum Vorbild wurde. Mit der Aufforderung \u201eFolgt meinem Beispiel\u201c wollte Paulus den Korinthern eine ganz praktische Richtung f\u00fcr ihr Leben im Glauben geben.<br \/>\nPaulus nachzuahmen bedeutet nicht, ein so gro\u00dfer Mensch zu werden wie Paulus. Es bedeutet, seine Lebensrichtung nachzuahmen, d.h. ein Leben, das treu auf Christus ausgerichtet ist, ein Leben, das das Urteil Gottes mehr f\u00fcrchtet als die Bewertung der Menschen, ein Leben, das den eigenen Ruhm losl\u00e4sst und sich an das Kreuz klammert.<br \/>\nAuch wir sind heute nicht vollkommen, so wie Paulus es nicht war. Doch wenn wir nicht aufh\u00f6ren, danach zu streben, Christus \u00e4hnlicher zu werden, wenn wir es nicht aufgeben, auf diesem Weg zu bleiben, wird auch unser Leben f\u00fcr die n\u00e4chste Generation zu einem Vorbild des Glaubens. Darum wollen auch wir wie Paulus leben: das Urteil dem Herrn anvertrauen und an dem Platz, den er uns anvertraut hat, treu sein.<br \/>\nW\u00e4hrend ich \u00fcber das Wort Gottes nachdachte und diese Botschaft vorbereitet habe, dankte ich Gott, der meinem Herzen Gnade geschenkt hat. Wenn ich auf das vergangene Jahr zur\u00fcckblicke, kann ich nicht leugnen, wie viel Zorn, Klagen und Unzufriedenheit in meinem Herzen waren. Der Grund daf\u00fcr war, dass ich mehr danach strebte, Herr \u00fcber mein eigenes Leben zu sein, als ein treuer Diener Gottes. Ich habe versucht, das Wort Gottes nach meinem Geschmack auszuw\u00e4hlen. Die Worte der Gnade und des Segens wollte ich bereitwillig aufnehmen, aber die Worte, die Opfer, Hingabe und Geduld verlangten, habe ich gemieden. Infolgedessen wurde ich in den gro\u00dfen und kleinen Schwierigkeiten des Lebens leicht unzufrieden und zornig.<br \/>\nAuch beim Vorbereiten und Verk\u00fcnden der Schrift habe ich nur an das gedacht, was ich selbst vorbereitet hatte. Ich habe die Zuh\u00f6rer nicht im Blick gehabt, sondern gedacht: \u201eIch habe meine Aufgabe getan. Ob sie es annehmen oder nicht, ist ihr Problem.\u201c So sprach ich nicht als geistlicher Vater, sondern als gesetzlicher Lehrer der Schrift. Liebe, Hingabe und Geduld habe ich zur\u00fcckgestellt und ein Leben angestrebt, das Ruhm ohne Leiden und Anerkennung in der Welt sucht.<br \/>\nHerr, in dieser Stunde bekenne ich meinen Hochmut, so wie die Gemeinde in Korinth. Ich tue Bu\u00dfe f\u00fcr meine Lieblosigkeit, Unglaube und Ungeduld. Der Apostel Paulus ermahnt mich: \u201eFolge meinem Beispiel.\u201c Ich bete, dass ich jeden Tag in der Gnade der Vergebung leben darf, die mir Jesus Christus am Kreuz geschenkt hat. Ich bete, dass ich ein treuer Diener Christi werde. Ich m\u00f6chte nicht nur ein Lehrer, der biblisches Wissen weitergibt, werden, sondern ein geistlicher Vater, der mit Liebe die Menschen umfasst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Folgt meinem Beispiel \u201eDarum ermahne ich euch: Folgt meinem Beispiel!\u201c (1. Korinther 4,16) Wie wir bereits in den Kapiteln 1\u20133 gesehen haben, gab es in der Gemeinde in Korinth Spaltungen und Parteiungen. Einige Gemeindemitglieder sagten: \u201eIch habe von Paulus gelernt\u201c oder \u201eIch habe von Apollos gelernt\u201c. Sie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[19,4],"tags":[],"class_list":["post-13692","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-1-korinther","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13692","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13692"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13692\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13695,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13692\/revisions\/13695"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13692"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13692"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13692"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}