{"id":13629,"date":"2025-12-14T11:00:07","date_gmt":"2025-12-14T10:00:07","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13629"},"modified":"2025-12-25T10:40:01","modified_gmt":"2025-12-25T09:40:01","slug":"predigt-galater-41-7-weihnachten-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-galater-41-7-weihnachten-2025\/","title":{"rendered":"Predigt: Galater 4,1-7 (Weihnachten 2025)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Weihnacht2025_02_Galater4_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Weihnacht2025_02_Galater4_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/galater\/4\/1-7?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Weihnachten und unsere wahre Familie<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eAls aber die Zeit erf\u00fcllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Galater 4,4 [E\u00dc])<\/p>\n<p>F\u00fcr diejenigen unter euch, die nicht regelm\u00e4\u00dfig den Gottesdienst besuchen, kurz zur Information: Eine Predigt muss drei Teile haben. Der Text heute l\u00e4sst sich wunderbar in drei Teile gliedern: erstens, unser Problem; zweitens, Gottes L\u00f6sung; und drittens, die Konsequenz dessen. Jetzt ist es aber nat\u00fcrlich so, dass Probleme und L\u00f6sungen schrecklich unromantisch und unweihnachtlich klingen. Und vielleicht denken sich manche von euch: \u201eIch musste mich das ganze Jahr schon mit Problemen herumschlagen. K\u00f6nnen wir heute nicht was Besinnlicheres machen?\u201c Genau.<br \/>\nIn Vers 4 lesen wir: \u201eAls aber die Zeit erf\u00fcllt war, sandte Gott einen Sohn \u2026\u201c Ich w\u00fcrde sagen, dass es kaum etwas Weihnachtlicheres gibt, als das, was dieser Text sagt. Der Autor ist Paulus, und er schreibt an Gemeinden in Galatien (das ist in Zentralanatolien in der heutigen T\u00fcrkei). Das Spannende an diesem Text ist, dass Paulus auf unterschiedlichen Zeitschienen argumentiert. \u201eAls die Zeit erf\u00fcllt war\u201c bezieht sich auf ein Ereignis, das irgendwann um das Jahr Null herum stattgefunden hat, also das erste Weihnachten. Aber gleichzeitig argumentiert Paulus hier, dass jeder Mensch diesen Moment im Leben haben kann, an dem sich die Zeit erf\u00fcllt hat. Jeder Menschen kann ein pers\u00f6nliches Weihnachten haben.<br \/>\nUnd deshalb w\u00fcrde ich gerne folgende drei Teile vorschlagen: erstens, unsere Realit\u00e4t vor Weihnachten; zweitens, das Wunder von Weihnachten; drittens, unsere wahre Familie durch Weihnachten.<\/p>\n<p><strong>1. Unsere Realit\u00e4t vor Weihnachten<\/strong><br \/>\nVerse 1 und 2: \u201eIch sage aber: Solange der Erbe unm\u00fcndig ist, unterscheidet er sich in keiner Hinsicht von einem Sklaven, obwohl er Herr ist \u00fcber alles; er steht unter Vormundschaft und sein Erbe wird verwaltet bis zu der Zeit, die sein Vater festgesetzt hat.\u201c Paulus verwendet hier eine Illustration aus seiner Gesellschaft, und zwar einer wohlhabenden r\u00f6mischen Familie. Jungen galten ab 14 Jahren als Erwachsene. Wenn sie 14 Jahre alt wurden, legten sie ein Amulett ab, das sie seit ihrer Geburt um den Hals getragen hatten. Sie bekamen eine wei\u00dfe M\u00e4nnertoga und konnten heiraten. Paulus sagt nun, dass, solange die Erben Kinder waren, sie relativ wenige Rechte hatten. Sie waren praktisch wie Sklaven. Schlimmer noch, sie standen in der Regel unter einem Sklaven, der ihr Lehrer war und der die Befugnis hatte, sie bei Bedarf zu ma\u00dfregeln.<br \/>\nEinen Hauch von Ahnung davon haben wir durch unsere Schulzeit. Fast kein Sch\u00fcler geht gerne in die Schule. Im besten Fall ist Schule in Ordnung. Johannes Schr\u00f6der, selbst ein Deutschlehrer, aber mittlerweile ein Comedian hat das \u2013 wie ich finde \u2013 sehr gut auf den Punkt gebracht: \u201eSchule muss doof sein [eigentlich verwendet er hier ein anderes Wort, aber ich habe sein Wort mit \u201edoof\u201c ersetzt]. Es ist einer ihrer haupt-p\u00e4dagogischen Pflichten und Aufgaben, sich eine gewisse Doofigkeit zu bewahren. Schule muss doof sein. Woher sonst nehmen die Sch\u00fcler den Absto\u00dfungsimpuls, der sie ins Leben hinauskatapultiert, wenn nicht aus dieser Gegenbewegung \u00bbhier will ich weg, ich will raus hier, ich will ins Leben hinaus!\u00ab [\u2026] Das m\u00fcssen wir den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern geben. Stellt euch mal vor, Schule w\u00e4re ein cooler und hipper Ort. Joko Winterscheidt ist Schulleiter, kommt mit seinem Sushi-Bike in die Schule, 9:30 Uhr geht\u2019s los. [\u2026] Dann wollen die Sch\u00fcler dableiben. Stellt euch mal vor, die bleiben da. Die sagen: \u201aHier habe ich alles, was ich brauche, das ist meine Welt \u2026\u2018 Das w\u00e4re gesellschaftlich verheerend! Die m\u00fcssen dort wegwollen.\u201c Die Illustration besagt, dass Kinder von gr\u00f6\u00dferen und st\u00e4rkeren Exemplaren ihrer Spezies an der Aus\u00fcbung ihres freien Willens gehindert werden. Sie sind unfrei.<br \/>\nPaulus schreibt nun: \u201eSo waren auch wir, solange wir unm\u00fcndig waren, Sklaven der Elementarm\u00e4chte dieser Welt.\u201c (3) Die Gelehrten streiten sich, was Paulus mit dem omin\u00f6sen Wort \u201aElementarm\u00e4chte\u2018 gemeint ist. Was immer Paulus im Sinn hatte, er spricht hier von h\u00f6heren M\u00e4chten, denen wir dienen. Und falls dir das Ganze seltsam vorkommt, m\u00f6chte ich dir gerne nahelegen, dass es weit mehr mit unserer Realit\u00e4t zu tun hat, als wir vielleicht meinen. Die Frage ist, ob wir wirklich frei sind.<br \/>\nIn dem Film \u201eCatch me if you can\u201c spielt Leonardo DiCaprio einen Jungen, der von zu Hause wegl\u00e4uft und zu einem sehr erfolgreichen Betr\u00fcger wird: Er fliegt in der ersten Klasse, lebt in den teuersten Hotels, tr\u00e4gt die feinste Kleidung. Sein Vater wei\u00df von den ganzen Betr\u00fcgereien. In einer der Schl\u00fcsselszenen des Films, erw\u00e4hnt sein Vater beil\u00e4ufig, dass das FBI bei ihm war, weil sie seinen Sohn suchten. In diesem Moment bricht Frank Junior fast zusammen und bettelt seinen Vater an: \u201eBitte mich, dass ich aufh\u00f6re!\u201c Was in dieser ersch\u00fctternden Szene zu Tage kommt, ist, dass hinter all dem Reichtum, den erfolgreichen Betr\u00fcgereien eines sehr f\u00e4higen Kriminellen, ein einsamer Junge ist, auf der Suche nach einer Person, die ihm die Anerkennung, Aufmerksamkeit, Annahme schenken konnte, nach welcher er sich sein ganzes Leben gesehnt hatte. Er brauchte eine Person in seinem Leben, die ihm zusprach, dass er geliebt ist, dass er gewollt ist, dass sein Leben ein Geschenk ist und dass er unendlich wertvoll ist. Sein Vater ist ein gebrochener Mann, der ihm das nicht schenken kann und ihm einfach nur sagt: \u201eDu kannst nicht aufh\u00f6ren.\u201c Und das fasst die Gefangenschaft von seinem Sohn sehr treffend zusammen.<br \/>\nUnd hier ist der Punkt: Du und ich, wir alle k\u00f6nnen uns nicht selbst zusprechen, dass wir gut sind. Das w\u00e4re wie der Baron von M\u00fcnchhausen, der behauptet hatte, sich an seinen eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen zu haben: Es funktioniert nicht. Wir brauchen Validierung von au\u00dfen. Und deshalb suchen wir alle nach der einen Person, nach der einen Autorit\u00e4t, nach der einen Instanz, die uns zusprechen k\u00f6nnen, dass wir Wert haben, dass wir gut sind und dass wir in Ordnung sind. F\u00fcr viele von uns m\u00f6gen das sprichw\u00f6rtlich unsere Eltern sein. F\u00fcr andere ist es der Ehepartner, der Freund, die Freundin. F\u00fcr andere ist es die coole Gruppe in der Schule oder an der Uni. F\u00fcr andere ist es der Chef oder der Kreis der wichtigen Kollegen auf der Arbeit. F\u00fcr andere ist es das Paper, das in einer anerkannten Zeitschrift publiziert wird; die Elite-Uni und der Elite-Studiengang, in dem man aufgenommen wurde; der Wettbewerb, den man gewonnen hat; der Traumjob in der Traumfirma, den man ergattert hat.<br \/>\nWas immer es auch ist, wir alle streben bewusst oder unbewusst nach dieser Autorit\u00e4t, die uns Wert zuspricht. Wir sagen uns: \u201eWenn ich das habe, wenn ich das erreicht habe, dann bin ich jemand.\u201c Und wir sind bereit, alles daf\u00fcr zu geben, alles daf\u00fcr zu tun, alles daf\u00fcr zu opfern. Und wisst ihr, was das ist? Es sind Elementarm\u00e4chte, denen wir dienen. Die Realit\u00e4t ist, dass kein Mensch frei ist. Und wenn du dein pers\u00f6nliches Weihnachten noch nicht hattest, ist es deine Realit\u00e4t, dass du nicht frei bist.<\/p>\n<p><strong>2. Das Wunder von Weihnachten<\/strong><br \/>\nIn den Versen 4 und 5 schreibt der Apostel: \u201eAls aber die Zeit erf\u00fcllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen.\u201c Diese zwei Verse sind so reichhaltig, dass wir uns stundenlang nur dar\u00fcber unterhalten k\u00f6nnten. Gott sandte seinen Sohn. Der Sohn Gottes wurde von einer Frau geboren. Diese beiden Dinge scheinen so \u00fcberhaupt, rein gar nicht zusammenzupassen. Und die Tatsache, dass beide doch zusammengehen, ist das Wunder von Weihnachten.<br \/>\nZwei Aspekte m\u00f6chte ich hier gerne erw\u00e4hnen. In den Chroniken von Narnia findet am Ende eine letzte gro\u00dfe Schlacht statt, in welcher das Gute ein f\u00fcr alle Mal zu verlieren droht. K\u00f6nig Tirian steht sprichw\u00f6rtlich mit dem R\u00fccken zur Wand, als er in einen kleinen Stall hineinf\u00e4llt. Zu seiner gro\u00dfen \u00dcberraschung stellt er fest, dass sich im Inneren des Stalls eine ganz eigene Welt befindet. Diese Welt ist riesig! Das Innere des Stalls ist gr\u00f6\u00dfer als die ganze Welt, in welcher sich der Stall befand. Als Tirian seine Verwunderung dar\u00fcber ausdr\u00fcckt, erkl\u00e4rt ihm Lucy: \u201eAuch in unserer Welt hat es einmal einen Stall gegeben, der etwas beherbergte, das gr\u00f6\u00dfer war als die ganze Welt.\u201c (Diesen Satz hatte ich letztes Jahr in der Weihnachtspredigt schon zitiert).<br \/>\nJesus, der Sohn Gottes, wurde von einer Frau geboren und in eine Krippe gelegt. Der Sch\u00f6pfer und der Herrscher des Universums, der Gr\u00f6\u00dfte von allen, wurde ganz klein. Der Ewige wurde endlich, der Herrliche wurde schwach, der Allm\u00e4chtige wurde verletzlich, der K\u00f6nig aller wurde zu einem Diener aller, Gott wurde Mensch. Jesus, der gr\u00f6\u00dfer ist, als das ganze Universum, kam in einem Stall auf die Welt.<br \/>\nDer andere Aspekt hat etwas mit Mythen zu tun. Es gab ein paar christliche Lehren, mit den C.S. Lewis richtige Probleme hatte, weshalb er nicht glauben konnte. Eine dieser Lehren hat mit Vers 5 zu tun: \u201edamit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen\u2026\u201c Was hatte Jesu Leben und Sterben bittesch\u00f6n mit ihm zu tun? F\u00fcr ihn hatte der Tod Jesu keine Bedeutung, und er verstand nicht, warum das irgendwelche Konsequenzen f\u00fcr irgendeinen Menschen haben sollte. Lewis hatte aber christliche Freunde. Einer von ihnen war J.R.R. Tolkien, der Autor von \u201eDer Herr der Ringe\u201c. Tolkien und ein anderer Freund namens Dyson machten eines Tages mit Lewis einen langen Spaziergang. Und bei einem langen Gespr\u00e4ch kamen sie darauf zu sprechen, dass Lewis ein gro\u00dfer Fan von Mythen war, einschlie\u00dflich griechischer und r\u00f6mischer Mythologie.<br \/>\nWarum liebte Lewis diese Legenden? In seinen eigenen Worten: \u201eDer Grund daf\u00fcr war, dass ich in heidnischen Geschichten bereit war, den Mythos als tiefgr\u00fcndig und bedeutungsvoll zu empfinden, auch wenn ich in n\u00fcchterner Prosa nicht sagen konnte, was er bedeutete.\u201c Lewis sagte, dass er in den Mythen eine tiefgr\u00fcndige, bedeutungsvolle Wahrheit fand, die ihn wirklich ansprach; aber der Versuch, diese Wahrheiten in einfachen Worten zu erfassen, blieb immer erfolglos. Mythen sind das, was unsere Fantasie inspiriert, was unsere Herzen anspricht, was in uns Bewunderung hervorruft. Abstrakte Fakten sind das, was unsern Intellekt fordert.<br \/>\nIn einem Aufsatz schrieb Lewis dann: \u201eDas Herzst\u00fcck des Christentums ist ein Mythos, der zugleich auch Tatsache ist. Der alte Mythos vom sterbenden Gott, ohne aufzuh\u00f6ren, ein Mythos zu sein, steigt vom Himmel der Legende und Fantasie auf die Erde der Geschichte herab. Er ereignet sich \u2013 an einem bestimmten Datum, an einem bestimmten Ort, gefolgt von definierbaren historischen Konsequenzen. Wir gelangen von einem Balder oder einem Osiris, von denen niemand wei\u00df, wann und wo sie gestorben sind, zu einer historischen Person, die unter Pontius Pilatus gekreuzigt wurde. Indem es zur Tatsache wird, h\u00f6rt es nicht auf, ein Mythos zu sein: Das ist das Wunder.\u201c Als Jesus, der Sohn Gottes, der selbst Gott ist, ein Mensch wurde, wurde der Mythos zu einer historischen Tatsache. Weihnachten ist etwas, was sowohl unsere Herzen und unsere Sinne anspricht; es ist etwas, was sowohl unsere Seelen erw\u00e4rmt als auch unseren Intellekt fordert; es ist Nahrung f\u00fcr unsere Emotionen und Nahrung f\u00fcr unsere Gedanken.<br \/>\nWarum sandte Gott seinen Sohn? Warum kam Jesus in diese Welt? \u201eAls aber die Zeit erf\u00fcllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen.\u201c Jesu Kommen hat etwas mit unserer Freiheit zu tun. Und mit der Tatsache, dass wir durch ihn Gottes Kinder werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>3. Unsere wahre Familie durch Weihnachten<\/strong><br \/>\nIn Vers 5 hatte Paulus geschrieben, dass wir von Jesus freigekauft sind, so dass wir die Sohnschaft empfangen. Als Folge dessen schreibt er: \u201eWeil ihr aber S\u00f6hne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, den Geist, der ruft: Abba, Vater.\u201c (6) Ich habe vorhin erw\u00e4hnt, dass jeder von uns sich Anerkennung von au\u00dfen w\u00fcnscht. In der Netflix Serie Cobra Kai gibt es einen ehemaligen Karate-Champion namens Johnny Lawrence. Er ist ein Trinker und ein Verlierer und hat einen Teenager-Sohn namens Robby, um den er sich nie gek\u00fcmmert hatte. Eines Tages wird Lawrence der Karate-Meister von einem Jungen aus Ecuador, der Miguel hei\u00dft. Miguel w\u00e4chst vaterlos auf. Und es wird ziemlich schnell offensichtlich, dass Lawrence eine Vaterfigur f\u00fcr ihn wird und Miguel wird wie ein Sohn f\u00fcr Lawrence.<br \/>\nEines Tages ist Lawrence wieder sturzbetrunken. Miguel bringt seinen Sensei in dessen Wohnung und hilft ihm ins Bett. Als Miguel gehen will, sagt Lawrence zu ihm: \u201eWarte, warte, h\u00f6r zu, h\u00f6r zu. Ich will \u2026 Ich wollte dir ein Vater sein. Das wollte ich wirklich. Ich versuche, dich zu besch\u00fctzen. Ich versuche, f\u00fcr dich da zu sein. Ich bin nur schlecht darin. Ich bin wirklich schlecht darin. Aber ich will es so sehr.\u201c Miguel ist durch diese Worte zutiefst ger\u00fchrt und antwortet: \u201eDu machst das ganz in Ordnung. Ich liebe dich.\u201c Der betrunkene Lawrence f\u00e4ngt an zu weinen und sagt dann: \u201eIch liebe dich auch, Robby\u201c und dreht sich dann weg von ihm. Miguels Herz ist zerbrochen, weil er versteht, dass er nur der Ersatz f\u00fcr den leiblichen Sohn von Lawrence war. Er f\u00e4ngt an zu weinen und geht.<br \/>\nWir k\u00f6nnen Beziehungen ganz grob in zwei unterschiedliche Kategorien unterteilen. Es gibt transaktionale Beziehungen, und es gibt bedingungslose Beziehungen. Bei transaktionalen Beziehungen stellt man sich die Frage: \u201eWas ist f\u00fcr mich drin?\u201c Man gibt, weil man etwas zur\u00fcckhaben will. Man will ungef\u00e4hr den Gegenwert rausholen, was man investiert hat. Bei transaktionalen Beziehungen geht mehr um die Sache als um das Gegen\u00fcber. Praktisch alle Arten von Gesch\u00e4ftsbeziehungen geh\u00f6ren dazu, einschlie\u00dflich der Beziehung zum Arbeitgeber, ganz egal wie oft der Chef betont, dass wir \u201eeine Familie\u201c sind. Transaktionale Beziehungen beruhen auf Leistung.<br \/>\nBeziehungen innerhalb der Familie sollten nicht transaktional sein. Die Beziehung zu unseren Eltern basiert nicht auf Leistung: Wir m\u00fcssen es uns nicht verdienen, Kinder zu sein. Wir sind Kinder unserer Eltern, wenn wir gut in der Schule sind oder nicht; wenn wir ein Musikinstrument spielen oder nicht; wenn wir sportlich sind oder nicht; wenn wir unser Leben auf die Reihe kriegen oder nicht. Eltern legen ihren Kindern keine Bedingungen auf f\u00fcr ihre Liebe und F\u00fcrsorge. Zumindest sollten sie es nicht. Und wenn wir es doch tun, was viel zu h\u00e4ufig der Fall ist, weil Eltern alles andere als perfekt sind, dann ist das Resultat, dass die Kinder sp\u00e4ter eine Therapie brauchen.<br \/>\nWenn ein Partner in einer Gesch\u00e4ftsbeziehung nicht liefert, dann ist das normalerweise das Ende der Beziehung. Als ich vor zehn Jahren Personalverantwortung bekam, hatte ich eine Schulung, wie man Mitarbeiter f\u00fchrt. Der Schulungsleiter hatte gemeint, dass wir 80 % unserer Zeit und Energie auf die 20 % st\u00e4rksten Mitarbeiter aufwenden sollen. Mit anderen Worten, k\u00fcmmere dich gut um die Mitarbeiter, die Leistung bringen; k\u00fcmmere dich nicht um Mitarbeiter, die nichts bringen. (Ich bezweifle, dass das ein guter F\u00fchrungsstil ist.) Aber bei Kindern ist das zum Gl\u00fcck eine ganz andere Geschichte. Eine befreundete Familie hat ein autistisches Kind. Und dieses Kind wird nicht weniger geliebt, es wird mehr geliebt. Wenn Kinder Probleme haben und Probleme machen, liegen sie mehr auf den Herzen ihrer Eltern, nicht weniger; die Eltern wenden mehr Sorge und Liebe auf, nicht weniger; die Beziehung intensiviert sich eher als dass sie weniger wird. Das ist das Wesen von Beziehungen, die nicht an Bedingungen gekn\u00fcpft sind.<br \/>\nUnd genau das ist die Art von Beziehung, die wir zu Gott haben d\u00fcrfen. Ich habe im ersten Teil gesagt, dass wir nicht wirklich frei sind, wenn wir unser pers\u00f6nliches Weihnachten nicht hatten. Frage: Warum macht die Beziehung zu Gott als seine Kinder wirklich frei? Wenn du den Wert deiner Person davon abh\u00e4ngig machst, eine erfolgreiche Karriere zu haben, ein exzellenter Sportler zu sein, ein K\u00fcnstler zu sein, perfekte Eltern zu sein, dann h\u00e4ngt alles von deiner Performance ab. Wenn du B\u00e4renleistungen erbringst, f\u00fchlst du dich akzeptabel; und wenn du nicht in der Lage bist, den Erwartungen gerecht zu werden, f\u00fchlst du dich wie der letzte Versager. Aber wenn du ein Kind Gottes bist, dann beruht dein Wert, dein Angenommensein, dein Status als Geliebter, deine Identit\u00e4t, nicht mehr von dir selbst ab. Dein Verdienst, dein Gehorsam, deine Erfolge tragen nichts dazu bei, von Gott geliebt zu sein. Du darfst dich allein auf der Tatsache ausruhen, dass Gott seinen Sohn gesandt hat, um dich freizukaufen. Sein Kind zu sein, ist sein Geschenk.<br \/>\nPaulus geht hier noch einen Schritt weiter. Wenn wir den Geist Gottes empfangen, sind wir nicht nur Kinder. Die Art und Weise, wie wir Gott anreden, \u00e4ndert sich radikal. Wir nennen Gott \u201eAbba, Vater\u201c nennen. \u201eAbba\u201c ist kein griechisches Wort. Es ist das aram\u00e4ische Wort f\u00fcr \u201ePapa\u201c. Ist es nicht interessant, dass sowohl Mama als auch Papa in so vielen unterschiedlichen Sprachen so \u00e4hnlich ist? Der Grund daf\u00fcr ist, dass beides fast keine richtigen W\u00f6rter sind. Es ist fast ein Brabbeln, das einj\u00e4hrige Babys von sich geben. Wir haben ja zurzeit ein einj\u00e4hriges Baby zu Hause. Und Baby E. hat erst vor ein paar Wochen angefangen, ihre ersten W\u00f6rter zu sprechen. Wir d\u00fcrfen den allm\u00e4chtigen Sch\u00f6pfergott Papa nennen. So z\u00e4rtlich, so intim, so vertrauensvoll ist unsere Beziehung zu Gott.<br \/>\nAls letztes, in Vers 7 schlie\u00dft Paulus diesen Gedankengang ab: \u201eDaher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott.\u201c Vielleicht ist es euch aufgefallen: In den Versen 3 und 5 sprach Paulus kollektiv von \u201ewir\u201c; wir waren Sklaven, wir empfangen die Sohnschaft; in Vers 6 spricht Paulus dann von \u201eihr\u201c; ihr seid S\u00f6hne; in Vers 7 spricht Paulus pl\u00f6tzlich von \u201edu\u201c. Der anglikanische Theologe N.T. Wright kommentiert: \u201e\u00bbDu\u00ab, sagt er und zeigt mit dem Finger auf den Leser: Du, nicht die Person, die neben dir sitzt; du bist kein Sklave mehr, sondern ein wahres Kind und Erbe. Solange nicht jeder Leser dieses Wort an sich selbst gerichtet geh\u00f6rt hat, ist die Botschaft nicht angekommen. Paulus, der Schreiber, blieb ein Prediger, und Paulus, der Prediger, wusste, wie man einen Punkt nachhaltig vermittelt.\u201c<br \/>\nFreunde, was ist es, was deinem Leben echten Wert gibt? Das ist die Frage, die Tim Keller in einer Predigt gestellt hat. Was ist es, was dein Leben wirklich lebenswert macht? Ist es Geld? Teilweise. Ist es deine Gesundheit? Teilweise. Ist es, dass man etwas Interessantes studiert oder etwas Erf\u00fcllendes arbeitet? Teilweise. Aber was w\u00e4re, wenn wir das alles h\u00e4tten und keine Liebe h\u00e4tten? Was w\u00e4re, wenn wir alles erreicht haben, aber niemanden h\u00e4tten, den wir lieben und niemanden h\u00e4tten, der uns liebt? Das w\u00e4re nicht nur ein trauriges Leben. W\u00fcrden wir nicht sagen, dass diese Person, das, worum es wirklich im Leben geht, nicht verstanden hat? Aber welchen Wert hat Liebe, wenn dieses Leben alles ist, was es gibt? Welchen Wert hat Liebe im Angesicht des Todes, der alles Leben ausl\u00f6scht? Ist es nicht so, dass Liebe entweder etwas Bleibendes, etwas Ewiges an sich haben muss, oder einfach nur eine Illusion ist?<br \/>\nF\u00fcr Paulus war Liebe keine Illusion, weil der ewige Gott, der selbst Liebe ist, in diese Welt gekommen ist. Paulus sagt, dass wir Erben sind. Was hei\u00dft das? Es bedeutet, dass wir nicht nur als Kinder Gottes in die weite Welt geschickt werden. Wir haben bei Gott unser wahres Zuhause. Wir haben bei Gott das Zuhause, nach dem wir unser ganzes Leben lang Sehnsucht hatten; das Zuhause, was der Grund f\u00fcr das Heimweh ist, das wir immer hatten. Gott hat uns einen Tisch bereitet, an dem die ganze Familie Platz nehmen darf. Die besten, die sch\u00f6nsten Weihnachtsfeste, die gr\u00f6\u00dften Familienfeste, die wir jemals feiern durften, einschlie\u00dflich unserer Hochzeit, sind ein Schatten, ein kleiner Hinweis auf das, was uns erwartet, wenn wir unser Erbe antreten.<br \/>\nIch m\u00f6chte dich an diesen Weihnachten einladen, alles das durch den dreieinigen Gott zu erfahren: durch Gott den Vater, durch Jesus, seinen Sohn, der in diese Welt gesandt wurde, damit wir den Heiligen Geist empfangen, der uns in die wahre Familie, zu unserem Abba Vater, f\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Weihnachten und unsere wahre Familie \u201eAls aber die Zeit erf\u00fcllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt.\u201c (Galater 4,4 [E\u00dc]) F\u00fcr diejenigen unter euch, die nicht regelm\u00e4\u00dfig den Gottesdienst besuchen, kurz zur Information: Eine Predigt muss drei Teile haben. 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