{"id":13533,"date":"2025-10-12T11:00:09","date_gmt":"2025-10-12T09:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13533"},"modified":"2025-12-02T19:12:03","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:03","slug":"predigt-1-mose-501-26","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-501-26\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 50,1-26"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Genesis-501-26_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Genesis-501-26_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_mose\/50\/\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Der Gott, auf den Josef vertraute<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eIhr habt B\u00f6ses gegen mich im Sinne gehabt, Gott aber hatte dabei Gutes im Sinn, um zu erreichen, was heute geschieht: viel Volk am Leben zu erhalten.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Mose 50,20 [E\u00dc])<\/p>\n<p>Die Grundhypothese, mit welcher wir an das Buch Genesis herangetreten sind, war, dass die Genesis die Geschichte erz\u00e4hlt, wie wir Menschen unser wahres Zuhause verloren haben. Die Genesis sagt, dass es das Resultat dessen ist, dass wir S\u00fcnder sind. Aber das ist nur die Ausgangssituation. Gott hat angefangen, den Weg ins Paradies wiederherzustellen. Und der Anfang dessen ist die Berufung von Abrahams Familie und der Bund, den Gott mit Abraham und allen seinen Nachkommen schlie\u00dft. Die Geschichte der Patriarchen (Abraham, Isaak und Jakob) kommt heute zum Ende mit dem Tod von Josef.<br \/>\nJosef starb so wie er gelebt hatte: mit einer inneren Ruhe, mit sich selbst im Reinen, ohne Bedauern, emotional gesund und gesegnet. Was ist es, was sein Leben auszeichnete? In einem Wort: er hatte Glauben an Gott. Und das ist es, was wir uns in den letzten Versen der Genesis anschauen wollen. Wir wollen uns dabei gar nicht so sehr \u00fcber die Qualit\u00e4t von Josefs Glauben unterhalten. Es geht vielmehr um das Objekt seines Glaubens: wer ist der Gott, an den Josef glaubte? Wer ist dieser Gott, der sich so gro\u00dfartig in Josefs Leben offenbarte? Wir sehen als erstes, dass dieser Gott der Richter ist; wir sehen als zweites, dass dieser Gott unendlich gut ist; und wir sehen als drittes, dass unsere Zukunft in den H\u00e4nden dieses Gottes ist.<\/p>\n<p><strong>1. Gott ist der Richter<\/strong><br \/>\nDer Text beginnt mit einer gro\u00dfen Sorge von Josefs \u00e4lteren Br\u00fcdern: \u201eAls Josefs Br\u00fcder sahen, dass ihr Vater tot war, sagten sie: Wenn sich Josef nun feindselig gegen uns stellt und uns tats\u00e4chlich alles B\u00f6se vergilt, das wir ihm getan haben.\u201c F\u00fcr diejenigen, die mit der Geschichte nicht so vertraut sind, ganz kurz zum Hintergrund: Josef war der absolute Lieblingssohn seines Vaters. Die Br\u00fcder bekamen die unfaire Bevorzugung von Josef so unter die Nase gerieben, dass sie anfingen Josef abgrundtief zu hassen. Eines Tages trafen sie ihren Bruder in der Wildnis; sie sahen darin ihre Gelegenheit, ihn umzubringen. Im letzten Moment entscheiden sie sich aber, Josef als Sklaven nach \u00c4gypten zu verkaufen. In \u00c4gypten schuftete Josef jahrelang als Sklave, bis er eines Tages verleumdet wurde. Danach verbrachte er mehrere Jahre unschuldig im Gef\u00e4ngnis. Erst danach wendete sich sein Schicksal. Nachdem er die Tr\u00e4ume vom Pharao richtig und mit ganz viel Weisheit gedeutet hatte, wurde er bef\u00f6rdert. Josef wurde zum Vize-Pr\u00e4sidenten von \u00c4gypten. Jetzt war Josefs Vater Jakob verstorben. Die Br\u00fcder hatten gro\u00dfe Furcht davor, dass Josef sp\u00e4te Rache an ihnen aus\u00fcben k\u00f6nnte.<br \/>\nSie lassen Josef was ausrichten. Verse 16 und 17: \u201eDein Vater hat uns, bevor er starb, aufgetragen: So sagt zu Josef: Ach, vergib doch deinen Br\u00fcdern ihre Untat und S\u00fcnde, denn Schlimmes haben sie dir angetan. Nun also vergib doch die Untat der Knechte des Gottes deines Vaters!\u201c Ist euch aufgefallen, dass die Br\u00fcder sich nicht einmal trauen, Josef das selbst auszurichten? Sie hatten einen Boten geschickt. Es ist so, als ob sie ihm eine WhatsApp Nachricht geschickt h\u00e4tten: \u201ePapa hat gesagt, dass du uns vergeben sollst.\u201c<br \/>\nWie reagierte Josef? Als er das h\u00f6rte, f\u00e4ngt er an zu weinen. Diejenigen, die Josefs Geschichte in der G\u00e4nze gelesen haben, wissen, dass Josef nahe am Wasser gebaut war. Er weinte sehr viel, und wenn er weinte, dann meistens auch richtig. Aber Josef hatte gleichzeitig immer guten Grund zu weinen. Warum weinte er hier? Dieser Gnadenersuch der \u00e4lteren Br\u00fcder war sehr plump. Nat\u00fcrlich hatte Josef das durchschaut. Nat\u00fcrlich hatte Josef verstanden, dass die Worte von ihrem Vater Jakob erfunden waren. Jakob h\u00e4tte so etwas nie gesagt. Josef weinte, weil er erkannte, dass seine Br\u00fcder immer noch unter Schuld litten. Er weinte, weil es offensichtlich war, dass es diese Schuld war, die immer noch Angst und Furcht in ihnen sch\u00fcrte. Er weinte, weil sie ihm nach all den Jahren immer noch nicht vertrauen konnten.<br \/>\nIn Vers 18 kommen die Br\u00fcder schlie\u00dflich pers\u00f6nlich vor Josef. Sie fallen vor ihm nieder und sagen: \u201eHier sind wir als deine Knechte.\u201c Josef gibt ihnen drei Antworten. Und alle drei Antworten sind (wie Derek Kidner es formuliert) ein Gipfel des Glaubens im Alten wie im Neuen Testament. Die erste Antwort ist: \u201eF\u00fcrchtet euch nicht! Stehe ich denn an Gottes Stelle?\u201c F\u00fcr die Br\u00fcder war eine ganz zentrale Frage, ob Josef ihnen vergeben hatte. Und Josefs Antwort darauf ist ein entschiedenes Ja! Aber auch ein indirekt gegebenes Ja. Josefs Frage \u201eStehe ich denn an Gottes Stelle?\u201c ist eine rhetorische Frage. Die ganz offensichtliche Antwort auf diese Frage ist \u201eNein, nat\u00fcrlich nicht!\u201c Hier ist dann das Erstaunliche, was Josef hier sagt: \u201ees steht mir in keiner Form zu, euch zu richten; das Richten ist Gottes Angelegenheit; und deshalb ja, ich habe euch vergeben.\u201c<br \/>\nWas bedeutet das f\u00fcr uns? Jedem von uns wird im Lauf unseres Lebens Unrecht angetan. Jeder von uns erf\u00e4hrt Ungerechtigkeit. Jeder von uns hat Mitmenschen, die uns bewusst oder unbewusst, absichtlich oder unbeabsichtigt auf die Nerven gehen, oder beleidigen, oder verletzen, oder im Stich lassen, oder sogar Gewalt antun. Und weil jeder von uns Unrecht erf\u00e4hrt, wird jeder von uns vergeben m\u00fcssen. Vergeben bedeutet, dass wir das Unrecht, das uns angetan wurde, anderen nicht anrechnen; dass wir frei sind, von dem Bed\u00fcrfnis, es ihnen mit gleicher M\u00fcnze heimzuzahlen; dass wir frei davon sind, der anderen Person, irgendetwas Schlechtes zu w\u00fcnschen.<br \/>\nJosefs Worte zeigen uns hier etwas ganz Essentielles. Seine Worte \u201eStehe ich an Gottes Stelle\u201c zeigen uns, dass anderen Menschen nicht zu vergeben, bedeutet, dass wir uns anma\u00dfen, an Gottes Stelle zu stehen. Wenn du in deinem Herzen einer anderen Person gegen\u00fcber Groll hegst, wenn du einer anderen Person Vergeltung w\u00fcnschst, kurzum wenn du unf\u00e4hig bist, zu vergeben, dann setzt du dich an die Stelle Gottes. In R\u00f6mer 12,19 schreibt Apostel Paulus: \u201eR\u00e4cht euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.\u201c Tim Keller hatte in einer Predigt gefragt, was dieses Wort bedeutet, dass die Rache Gottes ist? Antwort: Es ist Gottes Art und Weise zu sagen: \u201eGeh runter von meinem Stuhl!\u201c<br \/>\nNicht zu vergeben, bedeutet, dass wir uns anma\u00dfen, \u00fcber andere richten zu k\u00f6nnen. Und wenn wir ein wenig dar\u00fcber nachdenken, dann m\u00fcssen wir eingestehen, dass wir absolut unf\u00e4hig sind, gerecht zu richten. Ein kleines Beispiel: Es gibt eine Person in meinem Leben, von der ich relativ sicher bin, dass sie mich nicht ausstehen kann. Sie verh\u00e4lt sich wie mein pers\u00f6nlicher Erzfeind. Ich habe mir von dieser Person einiges anh\u00f6ren m\u00fcssen, wo ich das Gef\u00fchl hatte, dass ich im falschen Film sitze. Und es gab Anl\u00e4sse, in denen ich fand, dass sie sich unfair und unversch\u00e4mt verhalten hatte. Aber ich habe keine Ahnung, was in ihrem Leben vor sich geht. Ich wei\u00df nicht, mit welchen Krisen und mit welchen D\u00e4monen (bildlich gesprochen) sie zu k\u00e4mpfen hat. Wenn ich die Aufgabe h\u00e4tte, sein Richter zu sein, w\u00e4re ich ein schrecklich uninformierter und ungerechter Richter.<br \/>\nJosef vertraute darauf, dass Gott der Richter ist, und dass der Richter der Welt gerecht richten wird. Auf andere zornig zu sein war daher nicht seine Angelegenheit.<\/p>\n<p><strong>2. Gott ist unendlich gut<\/strong><br \/>\nDas zweite, was Josef ihnen sagt, ist: \u201eIhr habt B\u00f6ses gegen mich im Sinne gehabt, Gott aber hatte dabei Gutes im Sinn, um zu erreichen, was heute geschieht: viel Volk am Leben zu erhalten.\u201c Dieser Vers ist eines der absoluten H\u00f6hepunkte im Buch Genesis. Josef sagte, dass die Tat seiner Br\u00fcder b\u00f6se war. Und das war sie auch. Sie hatten Josef gekidnappt, in eine Grube geworfen und als Sklave verkauft. W\u00e4hrend Josef in der Grube weinte und schrie, a\u00dfen sie unbek\u00fcmmert ihr Mittagessen. Sie waren brutal und niedertr\u00e4chtig; sie waren kaltbl\u00fctig und skrupellos. Die Tat der Br\u00fcder war b\u00f6se. Da gab es nichts sch\u00f6n zu reden.<br \/>\nAber Josef sah in der finsteren Tat Gottes guten Willen. Gott verfolge seine guten Absichten. Gottes Absicht war es gewesen, Menschen zu retten und auch Heilung in Jakobs Familie hineinzubringen. Gott gebrauchte selbst das Verbrechen von Josefs Br\u00fcdern, um am Ende seinen guten Willen zu vollbringen. Das macht das Verbrechen nicht weniger kriminell; es machte die schlimme Tat nicht in irgendeiner Form besser; es rechtfertigt nicht, was sie getan hatten. Aber es bedeutet, dass Gott alle guten wie auch schlechten Ereignisse so orchestriert, dass am Ende vollkommen Gutes hervorkommt. Nach vielen Jahren des Leidens in \u00c4gypten war Josef zu diesem Schluss gekommen. Josef vertraute auf einen Gott, der fundamental, absolut gut ist.<br \/>\nWas bedeutet das f\u00fcr uns? Dieser Vers tangiert einen der am h\u00e4ufigsten vorgebrachten Einw\u00e4nde gegen den christlichen Glauben. Der Vorwurf lautet: \u201eEs ist offensichtlich, dass diese Welt voller Leid und voller Unrecht ist. Wenn es einen allm\u00e4chtigen Gott gibt, dann kann er nicht gut sein. Wenn es einen guten Gott gibt, dann kann er nicht allm\u00e4chtig sein. Was angesichts dieses Leids nicht sein kann, dass Gott sowohl gut als auch allm\u00e4chtig ist. Diesen Gott gibt es nicht.\u201c Wir alle haben diesen Einwand in der ein oder anderen Form schonmal geh\u00f6rt. Und vielleicht hatten wir auch schon mit diesem Einwand gerungen; oder wir tun es jetzt gerade. Auf der einen Seite klingt das wie ein intellektueller Einwand. In Wirklichkeit ist es emotionaler Einwand. H\u00e4ufig haben wir unsere K\u00e4mpfe damit, wenn wir selbst durch schwierige Zeiten hindurch gehen.<br \/>\nVereinfacht gesprochen: Es ist nicht so schwer an die G\u00fcte Gottes zu glauben, wenn es uns gut geht, wenn wir im \u00dcberfluss leben, wenn so ziemlich alles in unserem Leben einigerma\u00dfen rund l\u00e4uft. Aber es ist eine ganz andere Sache, wenn es uns schlecht geht, wenn wir N\u00f6te haben, wenn alles in unserem Leben verkorkst ist. Vielleicht hast du auch diese Art von Glauben: So lange alles gut ist, ist Gott gut; aber wenn du Leiden, Schmerzen und Trauer erf\u00e4hrst, dann kann Gott nicht gut sein. C.S. Lewis hatte mit genau diesen Fragen gerungen, als seine Frau Joy an Krebs verstorben war: \u201eWo ist Gott unterdessen? [\u2026] Warum ist Er in Zeiten des Wohlstands so pr\u00e4sent und in Zeiten der Not so abwesend? [\u2026] Nicht, dass ich (glaube ich zumindest) in gro\u00dfer Gefahr w\u00e4re, meinen Glauben an Gott zu verlieren. Die wirkliche Gefahr besteht darin, schreckliche Dinge \u00fcber ihn zu glauben. Die Schlussfolgerung, die ich f\u00fcrchte, ist nicht \u201eEs gibt also doch keinen Gott\u201c, sondern \u201eSo ist Gott also wirklich. Mach dir nichts mehr vor.\u201c<br \/>\nIn Josef begegnet uns aber ein Mensch, der mehr gelitten hat, als wir hoffentlich leiden werden; dem mehr Unrecht angetan wurde als den meisten von uns; und der trotz alledem von einem tiefen Vertrauen erf\u00fcllt war, dass Gott absolut, kompromisslos gut ist. Er hatte Gott in einer Tiefe erkannt und verstanden, wie das kaum anderen Menschen im Alten Testament gelungen ist. Und das ist erstaunlich.<\/p>\n<p><strong>3. Gott h\u00e4lt die Zukunft in H\u00e4nden<\/strong><br \/>\nDie letzten Verse der Genesis berichten wie Josef seine letzten Lebensjahre verbrachte. Er sah die Kinder und Kindeskinder seiner beiden S\u00f6hnen. Und dann nahm Josef Abschied: \u201eIch sterbe. Gott wird sich gewiss euer annehmen, er wird euch aus diesem Land heraus \u2013 und in jenes Land hinauff\u00fchren, das er Abraham, Isaak und Jakob mit einem Eid zugesichert hat.\u201c Und danach mussten Josefs Angeh\u00f6rige ihm schw\u00f6ren: \u201eGott wird sich euer gewiss annehmen. Dann bringt meine Gebeine von hier mit hinauf.\u201c Als Josef diese Worte sprach, war er Urgro\u00dfvater. Er hatte eine ganze Generation von Nachkommen gesehen, die in \u00c4gypten auf die Welt gekommen waren. \u00c4gypten war damals kein schlechter Ort: er war einer der am meisten fortgeschrittenen und modernsten L\u00e4nder seiner Zeit. Es war ein relativ reicher Ort. Und trotzdem wusste Josef, dass \u00c4gypten nicht das verhei\u00dfene Land war.<br \/>\nDurch den Glauben prophezeite Josef den Auszug der Israeliten aus \u00c4gypten und den Einzug ins verhei\u00dfene Land. Der Autor vom Hebr\u00e4erbrief sah darin den wichtigsten Akt des Glaubens in Josefs Leben. Denn von den vielen Geschichten, die er von Josef h\u00e4tte erw\u00e4hnen k\u00f6nnen, ist es gerade das, was er erw\u00e4hnt: \u201eAufgrund des Glaubens dachte Josef sterbend an den Auszug der S\u00f6hne Israels und gab Weisung wegen seiner Gebeine.\u201c Wie lange w\u00fcrde es dauern, bis sich diese Prophezeiung erf\u00fcllen w\u00fcrde? Ungef\u00e4hr 400 Jahre. Das w\u00e4re ungef\u00e4hr so, wie ein Ereignis von globaler Tragweite das heute eintreffen w\u00fcrde, das aber ungef\u00e4hr im Jahr 1625 vorhergesagt wurde. In all den Jahren dazwischen lag der einbalsamierte Leichnam von Josef in einem Sarg, bereit, jederzeit mitgenommen zu werden. Bruce Waltke kommentierte trocken, dass Josef \u00e4u\u00dferlich ein \u00c4gypter aber innerlich ein Israelit war.<br \/>\nDenkt ihr nicht, dass der Sarg von Josef ein lebendiges Zeugnis f\u00fcr viele kommende Generationen von Israeliten war? Ein Pastor hatte das so verbildlicht: Stellen wir uns vor, dass es in Goschen (die Region in \u00c4gypten, wo die Israeliten lebten), ein Museum gibt. Und ein Lehrer gibt einer Schulklasse von Hebr\u00e4ern eine F\u00fchrung: \u201eDas hier ist die Machete mit der Abraham fast Isaak geschlachtet h\u00e4tte. Hier ist die Schaufel, mit der Isaak ein paar Brunnen gegraben hat. Hier ist der Hirtenstab von Jakob. Und hier ist der Sarg von Josef. Josef hat gesagt, dass Gott uns eines Tages heimsuchen wird; und wenn dieser Tag gekommen ist, dann sollten seine sterblichen \u00dcberreste nach Kanaan kommen.\u201c Die Kinder w\u00fcrden dann vielleicht fragen: \u201eWie lange ist Josef im Sarg?\u201c Und der Lehrer w\u00fcrde sagen: \u201eMehr als 300 Jahre schon.\u201c Und alle Kinder h\u00e4tten an dieser Stelle dann \u201ewow!\u201c gesagt. Was f\u00fcr eine Predigt vom l\u00e4ngst verstorbenen Josef. Uwe Sch\u00e4fer hatte mal gesagt, dass in dem Leichnam von Josef mehr Glauben an Gott war als im ganzen Volk Israel. Ich denke, dass er recht hatte.<br \/>\nWas glaubte Josef also? Josef glaubte daran, dass seine Zukunft in der Hand Gottes war. Der Einzug ins verhei\u00dfene Land war ein Bild. Es war ein Bild f\u00fcr den Einzug in sein wahres Zuhause: die unverg\u00e4ngliche, die bleibende Stadt, die Gott auch f\u00fcr ihn gebaut hatte; der Ort, an dem seine Vorv\u00e4ter bereits auf ihn warteten; der Ort, an dem der Gott, den er sein ganzes Leben lang geliebt hatte, in seiner ganzen F\u00fclle und Herrlichkeit wohnt. Das war die Hoffnung, die er hatte.<br \/>\nWir haben viel \u00fcber den Glauben von Josef gesprochen. Und als christliche Gemeinde sind wir eine Glaubensgemeinschaft. So weit so offensichtlich. Vielleicht hat der ein oder andere bei uns mit dem Konzept des Glaubens so seine Probleme. Vielleicht denkst du, dass Glaube eine richtig unsichere Sache ist, so fiktiv und so erfunden. Es gibt einen Youtube-Kanal, den meine Jungs und ich ab und zu gerne schauen. Auf diesem Kanal werden h\u00e4ufig gerne Lego-Sets kritisiert, weil Lego in den letzten Jahren unglaublich teuer geworden ist, bei immer schlechter werdender Qualit\u00e4t. Und der Held der Steine (so hei\u00dft der Kanal) sagt dabei immer wieder sehr sarkastisch: \u201eWisst ihr, Lego ist eine Glaubensgemeinschaft. Ihr m\u00fcsst euch einfach nur vorstellen, dass das Set gut ist, und dann habt ihr keine Probleme damit.\u201c Vielen geht es so, dass Glaube einfach nur Wunschdenken ist.<br \/>\nZwei Dinge m\u00f6chte ich gerne als Antwort darauf sagen, bevor wir die Predigt abschlie\u00dfen. Zum einen ist es so, dass jeder Mensch ohne Ausnahme an etwas glaubt. Glaube bedeutet ganz einfach, dass wir davon ausgehen, dass etwas, was wir nicht sehen und nicht beweisen k\u00f6nnen, f\u00fcr wahr oder real halten. Wir tun das st\u00e4ndig. Zum Beispiel, letzte Woche bin ich zum Bahnhof gegangen in dem Glauben, dass der Zug kommen wird. Ich hatte Glauben, dass das, was mir die Bahn-App anzeigt, der Realit\u00e4t entspricht. Ich geh\u00f6rte zur Gemeinschaft des Glaubens derer, die auf die Bahn angewiesen sind. Und unser Glaube wurde bitter entt\u00e4uscht, weil der Zug nicht kam.<br \/>\nWie ist es mit dem Glauben an Gott? Vielleicht denkst du, dass der Gott, an den Josef glaubte, ein sch\u00f6nes Konzept ist, aber zu sch\u00f6n um wahr zu sein. Mein Punkt ist, dass deine Einstellung zu diesem Gott ein Glaubensstandpunkt ist. Lass mich erkl\u00e4ren. Es gibt im Prinzip nur zwei M\u00f6glichkeiten. Entweder du glaubst an diesen Gott. Oder aber, du glaubst, dass dieser Gott nicht existiert; oder dass wenn es diesen Gott gibt, er f\u00fcr dein Leben nicht so wichtig und relevant ist. Aber diese Alternative ist ein alternativer Glaube. Denn du kannst nicht beweisen, dass dieser Gott nicht da ist. Wir unterscheiden uns darin, an was wir glauben; aber wir unterscheiden uns nicht in der Tatsache, dass wir an etwas glauben. Jeder von uns glaubt an etwas.<br \/>\nDas bringt uns zum n\u00e4chsten Punkt. Die Tatsache, dass zu glauben bedeutet, dass wir etwas, was wir nicht sehen und nicht beweisen k\u00f6nnen, f\u00fcr so wahr halten, dass wir bereit sind, aufgrund dessen zu leben, hei\u00dft nicht, dass wir unser Gehirn ausschalten und an alles M\u00f6gliche glauben. Niemand von uns glaubt an den Osterhasen oder an fliegende Rentiere. Warum? Weil die Evidenz daf\u00fcr ziemlich d\u00fcnn ist. Um auf meinen Glauben an die Bahn-App zur\u00fcck zu kommen: Es hat schon sooo viele Momente gegeben, in welchen die Informationen dieser App unzuverl\u00e4ssig waren. Nat\u00fcrlich h\u00e4tte ich es besser wissen m\u00fcssen. Es ist in Ordnung, dass dieser Glaube schwach ist. Zu glauben, bedeutet nicht, dass wir uns nicht immer wieder Gedanken dar\u00fcber machen, ob das, woran wir glauben, h\u00e4lt, was es verspricht; ob das Objekt unseres Glaubens Substanz hat; dass das, woran wir festhalten, es wirklich wert ist, dass wir dem vertrauen.<br \/>\nJosef glaubte daran, dass Gott der gerechte Richter ist, dass Gott unendlich gut ist und dass dieser Gott ihm ein Zuhause bereitet hatte. Das Erstaunliche an Josef ist, dass er diese tiefen Einsichten hatte, obwohl er auf der anderen Seite lebte: im AT. Wir hingegen leben auf der Seite des NT. Mit anderen Worten, in Jesus Christus hat Gott uns ganz andere Ressourcen zur Verf\u00fcgung gestellt, nicht nur an seine Existenz zu glauben, sondern auch daran zu glauben, dass Er unendlich gut ist.<br \/>\nJosef sagte, dass die Br\u00fcder b\u00f6se Absichten hatten, aber dass Gott es gut meinte und am Ende alles gut gemacht hat. Es ist ein kleiner Vorgeschmack auf das, was viele Jahre sp\u00e4ter folgen w\u00fcrde. In Apostelgeschichte 2 predigte Petrus vor Tausenden von versammelten Menschen in Jerusalem, was mit Jesus geschehen war. Und er sagte dann: \u201eihn, der nach Gottes beschlossenem Willen und Vorauswissen hingegeben wurde, habt ihr durch die Hand von Gesetzlosen ans Kreuz geschlagen und umgebracht.\u201c Es war das gr\u00f6\u00dfte Verbrechen der Menschheitsgeschichte.<br \/>\nJohn Piper schrieb dar\u00fcber: \u201eDer H\u00f6hepunkt der Herrlichkeit Christi ist die Herrlichkeit seiner Gnade \u2013 Menschen unendlich besser zu behandeln, als sie es verdienen [\u2026]. Und der H\u00f6hepunkt dieser Gnade ist die Ermordung des Gottmenschen au\u00dferhalb Jerusalems um 33 n. Chr. Der Tod Jesu Christi war Mord. Es war die spektakul\u00e4rste S\u00fcnde, die jemals begangen wurde. An diesem entscheidenden Wendepunkt der Menschheitsgeschichte diente die schlimmste S\u00fcnde, die jemals begangen wurde, dazu, die gr\u00f6\u00dfte Herrlichkeit Christi zu zeigen [\u2026]. Gott hat am Kreuz nicht nur das B\u00f6se \u00fcberwunden. Er hat das B\u00f6se dazu gebracht, der \u00dcberwindung des B\u00f6sen zu dienen. Er hat das B\u00f6se dazu gebracht, Selbstmord zu begehen, indem das B\u00f6se sein schlimmstes \u00dcbel begangen hat.\u201c<br \/>\nUm Josefs Worte darauf anzuwenden: \u201eWir haben B\u00f6ses gegen Jesus im Sinne gehabt. Aber Gott hatte Gutes im Sinn, um zu erreichen, was heute geschieht: die ganze Menschheit zu retten, alle, die bereit sind, auf diesen Jesus zu vertrauen.\u201c Am Kreuz zeigt Gott, wie er das Schlimmste gebraucht, was jemals geschehen ist, um das Beste hervorzubringen, was es geben kann: die Offenbarung seiner Liebe, in dem er Menschen vergibt und sie mit Gnade \u00fcbersch\u00fcttet. So gut ist dieser Gott.<br \/>\nDas ist der Gott, an den Josef glaubte. Und das ist der Gott, der uns einl\u00e4dt, an ihn zu glauben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext Der Gott, auf den Josef vertraute \u201eIhr habt B\u00f6ses gegen mich im Sinne gehabt, Gott aber hatte dabei Gutes im Sinn, um zu erreichen, was heute geschieht: viel Volk am Leben zu erhalten.\u201c (1. 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