{"id":13421,"date":"2025-09-21T11:00:31","date_gmt":"2025-09-21T09:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13421"},"modified":"2025-12-02T19:12:05","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:05","slug":"predigt-1-mose-471-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-471-12\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 47,1-12"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Genesis-471-12_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Genesis-471-12_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_mose\/47\/1-12?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Die Reise der Pilger<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eJakob gab dem Pharao zur Antwort: Die Zahl der Jahre meiner Pilgerschaft betr\u00e4gt hundertdrei\u00dfig. Gering an Zahl und ungl\u00fccklich waren meine Lebensjahre und reichen nicht heran an die Lebensjahre meiner V\u00e4ter in den Tagen ihrer Pilgerschaft.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Mose 47,9 [E\u00dc])<\/p>\n<p>Die Genesis erz\u00e4hlt die Geschichte, wie wir Menschen unser wahres Zuhause verloren haben. Das verlorene Paradies oder Zuhause beschreibt den verlorenen Zustand der Menschheit (unseren Zustand!) sehr treffend. Aber die gute Nachricht ist, dass Gott uns nicht in diesem Zustand bel\u00e4sst. Durch die Familie von Abraham f\u00e4ngt Gott an, den Weg nach Hause wieder herzustellen. Wie sieht dieser Weg nach Hause aus? Jakob verwendet in seiner kurzen Rede vor dem Pharao ein interessantes Wort: \u201eDie Zahl der Jahre meiner Pilgerschaft betr\u00e4gt hundertdrei\u00dfig. Gering an Zahl und ungl\u00fccklich waren meine Lebensjahre und sie reichen nicht heran an die Lebensjahre meiner V\u00e4ter in den Tagen ihrer Pilgerschaft.\u201c Zweimal erw\u00e4hnt er, dass sein Leben eine Pilgerschaft ist. Das christliche Leben ist ein Leben der Wanderschaft. Dieses Bild wird in der Bibel immer wieder verwendet. Wenn das christliche Leben eine Pilgerschaft ist, was k\u00f6nnen wir dann davon erwarten? Hierzu mindestens vier Dinge. Erstens, wir haben unser Ziel noch nicht erreicht; zweitens, unser Leben hier ist m\u00fchselig; drittens, unser Leben hier soll ein Segen sein; viertens, der Weg ist eine Person.<\/p>\n<p><strong>1. Wir haben unser Ziel noch nicht erreicht<\/strong><br \/>\nJosef hatte dem Pharao berichtet, dass sein Vater und seine Br\u00fcder angekommen waren. Vers 2 berichtet, dass Josef f\u00fcnf Br\u00fcder ausw\u00e4hlte, um sie vor den Pharao zu bringen. Warum diese Auswahl? Ein amerikanischer Pastor hatte diese Szene mit etwas Humor untermalt: Josef suchte sich unter seinen 11 Br\u00fcdern die f\u00fcnf Schlimmsten aus und h\u00e4lt ihnen dann eine Ansprache: \u201eDu Issachar, wenn du vor dem Pharao bist, kannst du vielleicht jeden zweiten Satz mit den Worten abschlie\u00dfen \u201eJihaa!\u201c? Und du, Gad, immer wenn der Pharao zu dir r\u00fcberschaut, kannst du gerne auf den Boden spucken. Simeon, tust du eigentlich immer noch mehr schlecht als recht rappen? Ja, genau, bring einfach deine fette Boombox mit\u2026\u201c Und dann \u00fcberlegt Josef und sagt zu den f\u00fcnf Br\u00fcdern: \u201eAch, wisst ihr was? Seid einfach ihr selbst!\u201c Und dann kommen diese ungehobelten Br\u00fcder zum Pharao und benehmen sich so richtig daneben. Der Pharao denkt sich nur: \u201eWas ist denn das f\u00fcr eine Freak-Show? Ja, ihr k\u00f6nnt euch in meinem Land nehmen, was ihr wollt. Nur lasst mich bitte in Ruhe.\u201c<br \/>\nWie immer sich die Szene tats\u00e4chlich abgespielt haben mag, Josef ist in der Lage, alle Details so einzuf\u00e4deln, dass der Pharao die Br\u00fcder nach Goschen ziehen l\u00e4sst. Der Pharao sagt zu Josef: \u201eDein Vater und deine Br\u00fcder sind also zu dir gekommen. Das Land \u00c4gypten steht dir offen. Im besten Teil des Landes lass deinen Vater und deine Br\u00fcder wohnen! Sie sollen sich im Land Goschen niederlassen. Wenn du aber unter ihnen t\u00fcchtige Leute kennst, dass setze sie als Aufseher \u00fcber meine Herden ein!\u201c Inwiefern ist das bedeutsam f\u00fcr das Thema?<br \/>\nJakob und seine Familie w\u00fcrden sich in Goschen niederlassen, weit weg vom verhei\u00dfenen Land. Es ist ein Bild daf\u00fcr, dass weder Kanaan und schon gar nicht \u00c4gypten ihr wahres Zuhause war. Das ist es, was Jakob zum Ausdruck bringt, als er sagt, dass sein Leben ein Wandern ist. Matthew Henry kommentiert: \u201e[Jakob] bezeichnet sein Leben als Pilgerreise, betrachtet sich selbst als Fremden in dieser Welt und als Reisenden auf dem Weg in eine andere Welt: Diese Erde ist seine Herberge, nicht sein Zuhause.\u201c Jakob und seine Familie w\u00fcrden von Pharao und Josef gut versorgt werden. Aber sie waren nicht am Ziel angekommen. Wir sind noch nicht am Ziel angekommen.<br \/>\nEine Anwendung, bevor wir fortfahren. In der amerikanischen Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung ist davon die Rede, dass alle Menschen gleich geschaffen sind; und dass sich aus dieser Tatsache ableiten l\u00e4sst, dass alle Menschen das Recht auf Leben und Freiheit haben sowie das Streben nach Gl\u00fcck. Wir sind alle zu 100% damit einverstanden. Was praktisch alle Menschen gemeinsam haben, ist das Streben nach Gl\u00fcck. Es ist vermutlich das grundlegendste Motiv f\u00fcr praktisch alles, was wir tun. Warum lernen wir? Warum arbeiten wir? Warum h\u00f6ren wir auf, zu arbeiten? Warum gehen wir Beziehungen ein? Warum l\u00f6sen wir Beziehungen auf? Warum haben wir Kinder? Warum haben wir keine Kinder? Warum machen wir Sport? Warum machen wir kein Sport? Warum fahren wir weg? Warum bleiben wir zu Hause? Und das eine Motiv, das allen anderen Motiven zugrunde liegt, ist, dass wir ein gl\u00fcckliches Leben f\u00fchren wollen.<br \/>\nAber Fakt ist auch, dass niemand wirklich gl\u00fccklich ist, ganz egal was wir erreicht haben. Wir k\u00f6nnen alles erreichen und werden trotzdem miserabel sein. Wir jagen dem Versprechen nach, dass das wahre Gl\u00fcck noch kommen wird. Aber egal, was wir tun, es bleibt immer nur ein Versprechen, das sich nicht wirklich erf\u00fcllen will. Die Tatsache, dass wir selbst in den gl\u00fccklichsten Momenten unseres Lebens immer noch etwas traurig sind, ist etwas, was keiner besser beschrieben hat als Henri Nouwen.<br \/>\nDa es eines meiner Lieblingszitate ist, werde ich es alle paar Jahre zitieren: \u201eUnser Leben ist eine kurze Zeit der Erwartung, eine Zeit, in der Traurigkeit und Freude sich in jedem Augenblick k\u00fcssen. Es gibt eine Art von Traurigkeit, die alle Momente unseres Lebens durchdringt. Es scheint, dass es so etwas wie reine Freude nicht gibt, sondern dass wir selbst in den gl\u00fccklichsten Momenten unseres Daseins einen Hauch von Traurigkeit sp\u00fcren. In jeder Zufriedenheit ist das Bewusstsein ihrer Begrenztheit enthalten. In jedem Erfolg steckt die Angst vor Neid. Hinter jedem L\u00e4cheln verbirgt sich eine Tr\u00e4ne. In jeder Umarmung ist Einsamkeit enthalten. In jeder Freundschaft ist Distanz. Und in allen Formen des Lichts ist das Wissen um die umgebende Dunkelheit. Freude und Traurigkeit liegen so nah beieinander wie die pr\u00e4chtigen bunten Bl\u00e4tter eines Herbstes in New England und die Kargheit der kahlen B\u00e4ume. [\u2026] Aber diese intime Erfahrung, in der jedes bisschen Leben von einem bisschen Tod ber\u00fchrt wird, kann uns \u00fcber die Grenzen unserer Existenz hinausweisen.\u201c<br \/>\nHier ist die biblische Antwort, weshalb du nie wirklich erf\u00fcllt, nie wirklich in Frieden, nie wirklich frei und gl\u00fccklich bist: Diese Welt hier ist nicht dein Zuhause. Diese Welt wird dir niemals ungetr\u00fcbtes und vollkommenes Gl\u00fcck bieten k\u00f6nnen. Und wenn du versuchst, dein Gl\u00fcck im Hier und Jetzt zu finden, werden immer Leere und Entt\u00e4uschung das Resultat sein. Du wurdest in Wirklichkeit f\u00fcr eine andere Welt geschaffen. Und wenn du dich auf Gott einl\u00e4sst, dann l\u00e4dt er dich ein, dich auf den Weg zu machen. Gott l\u00e4dt dich ein, ein Pilger und Wanderer zu sein, unterwegs in deine wahre Heimat; unterwegs in dein wahres Zuhause.<\/p>\n<p><strong>2. Unser Leben hier ist m\u00fchselig<\/strong><br \/>\nAls der Pharao Jakob fragt, wie alt er ist, antwortet Jakob: \u201eDie Zahl der Jahre meiner Pilgerschaft betr\u00e4gt hundertdrei\u00dfig. Gering an Zahl und ungl\u00fccklich waren meine Lebensjahre, und sie reichen nicht heran an die Lebensjahre meiner V\u00e4ter in den Tagen ihrer Pilgerschaft.\u201c Die Einheits\u00fcbersetzung \u00fcbersetzt das hebr\u00e4ische ra mit \u201eungl\u00fccklich\u201c. Die Lutherbibel benutzt das Wort \u201eb\u00f6se\u201c. Die NIV spricht von \u201eschwierig\u201c. Tats\u00e4chlich ist das Wort sehr negativ und kann schlecht, minderwertig, h\u00e4sslich, \u00fcbel, ver\u00e4chtlich, unheilvoll aber auch traurig und schmerzlich bedeuten. Und wenn wir die ganze Geschichte von Jakob Revue passieren, f\u00e4llt uns ziemlich schnell auf, dass er absolut recht hatte. Sein Leben war ziemlich oft eine ziemlich gro\u00dfe Katastrophe.<br \/>\nRobert Alter hat es ziemlich gut zusammengefasst: \u201eJakob hat alles erreicht, was er sich gew\u00fcnscht hat: das Erstgeburtsrecht, den Segen, die Ehe mit seiner geliebten Rahel, Nachkommen und Reichtum. Ein Gradmesser f\u00fcr den tiefen moralischen Realismus der Geschichte ist jedoch, dass er zwar alles bekommt, was er wollte, aber nicht so, wie er es sich gew\u00fcnscht h\u00e4tte, und dass die Folge davon weit mehr Schmerz als Zufriedenheit ist. Seit seinem \u201eZusammensto\u00df\u201d mit seinem Zwillingsbruder im Mutterleib war alles ein Kampf. Er verdr\u00e4ngt Esau, aber der Preis sind Angst, anhaltende Schuld und langes Exil. Er bekommt Rahel, aber nur, indem ihm Lea aufgezwungen wird, mit all den damit verbundenen h\u00e4uslichen Streitigkeiten, und er verliert Rahel fr\u00fch bei der Geburt. Er erh\u00e4lt von seinem g\u00f6ttlichen Widersacher einen neuen Namen, tr\u00e4gt aber eine bleibende Wunde davon. Er bekommt die volle Sonnenjahreszahl von zw\u00f6lf S\u00f6hnen, aber es herrscht Feindschaft unter ihnen (f\u00fcr die er eine gewisse Verantwortung tr\u00e4gt), und er verbringt zweiundzwanzig Jahre damit, ununterbrochen um seinen Lieblingssohn zu trauern, den er f\u00fcr tot h\u00e4lt.\u201c<br \/>\nJakobs Leben ist keine Ausnahme. Das Leben als Pilger ist ein m\u00fchseliges Leben. Wandern ist anstrengend. Nicholas Kristof ist ein Journalist f\u00fcr die New York Times, der zwei Pulitzerpreise gewonnen hat. Vor kurzem schrieb er dar\u00fcber, wie er in der Natur wandern geht, um abzuschalten. Unter anderem war er mit seiner Tochter \u00fcber einen Zeitraum von 6 Jahren den \u201ePacific Coast Trail\u201c gewandert, der mehr als 4.200 km lang ist. Kristof schrieb einen sehr unterhaltsamen Artikel \u00fcber ihre Abenteuer: \u201eWir haben den Weg unter einer Meter-hohen Schneedecke [\u2026] komplett verloren und sind mit Karte und Kompass nach Norden gewandert. [\u2026] Au\u00dferdem regnete es so stark, dass wir irgendwann einen Berg hinaufstiegen und nicht mehr ganz sicher waren, ob wir uns auf dem Weg oder im Bach befanden, der neben ihm hinabfloss. Wenn es nicht regnete, waren die M\u00fccken auf der Jagd und hatten es besonders auf Caroline [seine Tochter] abgesehen. Sie trug M\u00fcckenspray und ein Kopfnetz \u2013 aber das half nicht viel. \u201ePapa!\u201c, rief sie aufgeregt, als wir am Elk Lake vorbeikamen. \u201eIch habe gerade gez\u00e4hlt \u2013 ich habe allein auf meiner Stirn 49 M\u00fcckenstiche!\u201c Dieser Moment spiegelte zwei sch\u00f6ne Dinge wider, die das Wandern mit ihr ausmachen. Erstens liebten die M\u00fccken sie so sehr, dass sie mich nicht bel\u00e4stigten, solange sie in der N\u00e4he war. Zweitens hatte sie ein Talent daf\u00fcr, das Positive zu sehen \u2013 wie zum Beispiel einen neuen Rekord bei M\u00fcckenstichen aufzustellen.\u201c<br \/>\nAn einer anderen Stelle erz\u00e4hlt er: \u00bbAls wir uns im Schnee verirrt hatten, wies ich meine Tochter an, nach Markierungen und alten Fu\u00dfspuren zu suchen. Irgendwann zeigte ich ihr triumphierend einige Spuren vor uns, und wir folgten ihnen eifrig, begeistert, dass wir den Weg wiedergefunden hatten. Einige Zeit sp\u00e4ter bemerkte Caroline, dass die Fu\u00dfspuren Zehen hatten. Und Krallen. \u201ePapa\u201c, sagte sie, \u201eich glaube, du folgst einem B\u00e4ren.\u201c\u00ab Wandern ist anstrengend. Und Wandern kann richtig gef\u00e4hrlich sein. Und dieses Beispiel ist von Menschen, die lediglich im Urlaub wandern. Wandern ist eine tolle Erfahrung, auch weil nach diesen Wochen zu Hause ein gem\u00fctliches Bett und eine warme Mahlzeit warten. Aber was w\u00e4re, wenn unser ganzes Leben nur Wandern ist?<br \/>\nIn Apostelgeschichte ziehen Paulus und Barnabas am Ende der ersten Missionsreise erneut durch Lystra, Ikonion und Antiochia. Wir lesen in Kapitel 14,22: \u201eSie st\u00e4rkten die Seelen der J\u00fcnger und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten: Durch viele Drangsale m\u00fcssen wir in das Reich Gottes gelangen.\u201c Die Botschaft, dass wir durch viele Leiden hindurch m\u00fcssen, war ihre Art und Weise, die J\u00fcnger zu ermutigen. Es ist eine Ermutigung, die von Realismus gepr\u00e4gt ist: \u201eMacht euch keine Illusionen. Das Leben wird richtig hart werden. Euch wird nichts erspart bleiben. Und jetzt viel Freude dabei!\u201c<br \/>\nWarum ist es f\u00fcr uns so wichtig, dass wir das verstehen? C.S. Lewis hatte ein paar sehr hilfreiche Gedanken dazu: \u201eWenn man diese Welt als einen Ort betrachtet, der nur zu unserem Gl\u00fcck bestimmt ist, findet man sie ziemlich unertr\u00e4glich; betrachtet man sie jedoch als einen Ort der Ausbildung und Erziehung, ist sie gar nicht so schlecht. Stellen wir uns eine Gruppe von Menschen vor, die alle im selben Geb\u00e4ude wohnen. Die H\u00e4lfte von ihnen h\u00e4lt es f\u00fcr ein Hotel, die andere H\u00e4lfte f\u00fcr ein Gef\u00e4ngnis. Diejenigen, die es f\u00fcr ein Hotel halten, empfinden es wahrscheinlich als ziemlich unertr\u00e4glich, w\u00e4hrend diejenigen, die es f\u00fcr ein Gef\u00e4ngnis halten, es vielleicht \u00fcberraschend komfortabel finden. So wird eine Lehre, die auf den ersten Blick h\u00e4sslich erscheint, letztendlich zu einer, die Sie tr\u00f6stet und st\u00e4rkt. Die Menschen, die versuchen, eine optimistische Sicht auf diese Welt zu bewahren, w\u00fcrden zu Pessimisten werden; diejenigen, die eine ziemlich strenge Sichtweise haben, w\u00fcrden zu Optimisten werden.\u201c<br \/>\nJakobs Sicht auf dieses Leben war, dass es ungl\u00fccklich und elend war. Was ist unsere Sicht auf das Leben?<\/p>\n<p><strong>3. Unser Leben soll ein Segen sein<\/strong><br \/>\nWir haben gesehen, dass Josef erfolgreich seine gro\u00dfe Familie im Land Goschen unterbrachte. Es hatte den gro\u00dfen Vorteil, dass die Familie dort unbehelligt unter sich leben und wachsen konnte. Die Gefahr, dass sich seine Familie mit den \u00c4gyptern vermischen w\u00fcrde und auf Dauer einfach innerhalb der \u00e4gyptischen Kultur untergehen w\u00fcrde, war dort gering. Im Land Goschen zu leben war also f\u00fcr seine Familie und f\u00fcr das zuk\u00fcnftige Volk Israel eine Art Absonderung. Es war ihre Art und Weise, in \u00c4gypten zu leben aber nicht von \u00c4gypten zu sein. Die christliche Berufung ist es, in der Welt zu sein, aber nicht von der Welt zu sein.<br \/>\nDie eine Seite der christlichen Pilgerschaft ist eine gewisse Absonderung und Isolation von der Welt. Die andere Seite der Medaille sehen wir aber auch im Text. In Vers 7 lesen wir: \u201eDarauf f\u00fchrte Josef seinen Vater Jakob hinein und stellte ihn dem Pharao vor. Jakob segnete den Pharao.\u201c Und Vers 10 sagt: \u201eJakob segnete den Pharao und ging von dessen Angesicht weg.\u201c<br \/>\nIch hatte vor vielen Jahren Alte Geschichte in der Schule. Und ich erinnere mich noch an den Wortlaut von meinem alten Geschichtslehrer. Er wollte uns darauf aufmerksam machen, wie bedeutsam das Alte \u00c4gypten war. Er sagte: \u201ew\u00e4hrend hier in Germanien die Leute noch mit dem Kn\u00fcppel auf die Jagd gegangen sind, entstand im Nahen Osten eine Hochkultur!\u201c Der Pharao war der m\u00e4chtigste Mann der Welt, der Herrscher innerhalb dieser Hochkultur. Jakob war zwar ein reicher Mann. Aber er war ein Nomade aus dem Ausland. Er war ein Niemand. Er hatte keinerlei Ansehen oder Macht. Aber es war nicht der Pharao, der Jakob segnete. Der alte Jakob segnete den m\u00e4chtigsten Mann der Welt.<br \/>\nUnd wisst ihr, das ist die Berufung der Christen als Salz und Licht dieser Welt. Nicht von der Welt zu sein, bedeutet nicht, dass wir weltfremd sind. Nicht von der Welt zu sein, bedeutet nicht, dass wir keine Ahnung davon haben, wer gerade diese Welt f\u00fcr einen kurzen Moment regiert. Nicht von der Welt zu sein, bedeutet nicht, dass wir kein Verst\u00e4ndnis davon haben, was diese Kultur im Innersten antreibt. Josef und Jakob befanden sich hier im Zentrum der Macht. Und sie nutzten die Gunst der Stunde, um was zu tun? Die Menschen dieser Welt zu segnen und ihr Bestes zu ersuchen.<br \/>\nUnd das bringt uns zum letzten Punkt.<\/p>\n<p><strong>4. Der Weg ist eine Person<\/strong><br \/>\nUnser Leben mit einer Wanderschaft oder mit einem langen Lauf zu vergleichen ist nicht nur biblisch. Es hat sich auch in unserem allgemeinen Sprachgebrauch eingeb\u00fcrgert. Wenn wir uns auf eine Arbeitsstelle bewerben, dann reichen wir ein Dokument ein, das Lebenslauf hei\u00dft. Jeder von uns hat schonmal einen Lebenslauf gesehen, und die allermeisten von uns haben schon einige davon geschrieben. Unser Lebenslauf enth\u00e4lt Informationen dar\u00fcber, wo und wie wir ausgebildet wurden, welche Erfahrungen und Expertisen wir gesammelt haben, was unsere St\u00e4rken sind. Aber die Informationen, die wir auf dem Lebenslauf pr\u00e4sentieren, sind so aufgearbeitet, dass wir in einem m\u00f6glichst guten Licht dastehen. Wer immer unseren Lebenslauf in H\u00e4nden h\u00e4lt, soll von uns beeindruckt werden. Und das ist keine Kritik. So funktioniert der Arbeitsmarkt, auf dem wir uns verkaufen.<br \/>\nGleichzeitig f\u00e4llt uns auf, dass Jakob, wenn er von seinem Lauf erz\u00e4hlt, nichts erw\u00e4hnt, was ihn vorteilhaft erscheinen l\u00e4sst. Er sagt: \u201eGering an Zahl und ungl\u00fccklich waren meine Lebensjahre und sie reichen nicht heran an die Lebensjahre meiner V\u00e4ter in den Tagen ihrer Pilgerschaft.\u201c Sprichw\u00f6rtlich sagt hier Jakob, dass er trotz seines stattlichen Alters nicht so alt geworden ist, wie seine V\u00e4ter Abraham und Isaak. Aber ich glaube, dass da noch mehr dahinter ist, als einfach zu sagen, dass seine V\u00e4ter \u00e4lter geworden sind. Es scheint hier offen zuzugeben, dass das Leben seiner V\u00e4ter besser und frommer und gesegneter war als sein Leben. Wir haben vorhin schon gesehen, wie offen Jakob mit der Tatsache umging, dass sein Leben m\u00fchselig, anstrengend und in vielerlei Hinsicht auch schlimm und b\u00f6se war. Er scheint nicht hinter dem Berg halten zu wollen, dass sein Leben in vielen Hinsichten voller Niederlagen und Versagen war.<br \/>\nWer von uns hat schon einmal versucht, andere Menschen beeindrucken zu wollen? John Ortberg hat die interessante Feststellung gemacht, dass wenn er mit anderen Menschen zu tun hat, zwei Optionen hat: sie beeindrucken zu wollen oder sie zu lieben. Beides auf einmal zu tun, geht nicht. So auch wir. Wir k\u00f6nnen entweder versuchen, bei den anderen Eindruck zu schinden. oder aber wir k\u00f6nnen sie lieben. Zu lieben bedeutet, dass wir eine gewisse Offenheit und Transparenz an den Tag legen. Zu lieben bedeutet, dass wir uns zeigen wie wir wirklich sind, mit allen Macken. Zu lieben bedeutet, dass unsere Schw\u00e4chen, unsere Verletzungen, unsere Niederlagen zum Vorschein kommen. Zu lieben bedeutet, dass wir uns verletzlich machen. Gott selbst hat diesen Weg der Liebe vorgelebt. In Philipper 2 schreibt Apostel Paulus: \u201eSeid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Er war Gott gleich, \/ hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er ent\u00e4u\u00dferte sich \/ und wurde wie ein Sklave \/ und den Menschen gleich. \/ Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich \/ und war gehorsam bis zum Tod, \/ bis zum Tod am Kreuz.\u201c In diesen Versen beschreibt Paulus, auf welch unvorstellbare Art und Weise sich Jesus erniedrigte, um mit uns zu sein und uns zu lieben. Jesus, der in sich alle Macht und Herrlichkeit vereinigt, wurde arm und schwach. Jesu Lebenslauf war es, ein Sklave und Diener von allen zu werden. Das Ende seines Lebenslaufs war es, in Schande und Schmerzen am Kreuz zu sterben.<br \/>\nDer Weg der Liebe, der Weg ins Himmelreich, ist der Weg der Schw\u00e4che: Wir kommen mit all unseren Versagen, mit unseren Krankheiten, mit unseren Niederlagen, mit unseren S\u00fcnden zu Jesus. Der Weg ins Himmelreich ist der Weg des Sterbens: Wir sterben, um mit Jesus zusammen zu leben. Paulus schrieb an die Galater: \u201eIch lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst f\u00fcr mich dahingegeben.\u201c In der christlichen Lehre ist der Weg nach Hause eine Person: Jesus Christus ist nicht nur das Ziel, er ist auch unser Weg hin zu diesem Ziel. Wie freundlich, wie g\u00fctig, wie gro\u00dfz\u00fcgig und wie gn\u00e4dig ist er! Von ganzem Herzen m\u00f6chte ich euch einladen, dass ihr euch auf diesen Weg macht; der Weg hin zu unserem wahren Zuhause bei ihm.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext Die Reise der Pilger \u201eJakob gab dem Pharao zur Antwort: Die Zahl der Jahre meiner Pilgerschaft betr\u00e4gt hundertdrei\u00dfig. 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