{"id":1341,"date":"2011-02-08T19:55:39","date_gmt":"2011-02-08T18:55:39","guid":{"rendered":"http:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=1341"},"modified":"2023-01-29T20:59:57","modified_gmt":"2023-01-29T19:59:57","slug":"predigt-philipper-31-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-philipper-31-11\/","title":{"rendered":"Predigt: Philipper 3,1 -11"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/02\/P5-301-11.doc\">Download<\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\"><strong>Damit\u00a0 ich\u00a0 Christus\u00a0 gewinne<\/strong><\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eIhn m\u00f6chte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die\u00a0 Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Phil 3,10.11)<\/p>\n<p>Vor zwei Wochen haben wir betrachtet, wie Paulus die Christen in Philippi die Gesinnung Jesu gelehrt hat, der sich erniedrigte, ein Mensch wurde und gehorsam wurde bis zum Tod am Kreuz. Sie sollten diese dem\u00fctige Einstellung von Jesus lernen und entsprechend miteinander umgehen (2,5-8). Das ist das A und O in unserem Glaubensleben. Deshalb ermutigte Paulus sie dazu, sich darum ernsthaft zu bem\u00fchen, indem er sagte: <strong>\u201eSchaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern\u201c<\/strong> (2,12). Im heutigen Text erfahren wir, dass Paulus von seinen Bibelsch\u00fclern nicht etwas verlangte, das er nicht selber auch tat. Denn auch er selbst hat nach seiner Begegnung mit Jesus seine Lebenseinstellung und die Ausrichtung seines Lebens radikal ge\u00e4ndert und hat Christus zur Grundlage und zum Ziel seines Lebens gemacht. Jeder Mensch entwickelt von klein an seine pers\u00f6nliche Lebenseinstellung, ganz besonders als Teenager und junger Erwachsener. Was f\u00fcr eine Lebenseinstellung wir haben, welche Ziele und welches Wertsystem wir haben, hat eine riesige Bedeutung in unserem Leben. Das ist eigentlich sonnenklar. Denn was dir wirklich wichtig ist, was du unbedingt erreichen willst in deinem Leben, bestimmt, wof\u00fcr du deine Zeit und Kraft einsetzen und dich wirklich engagieren wirst; es bestimmt letztlich den Weg, den du gehst, und wo du schlie\u00dflich landen wirst. Wer darauf verzichtet, sein Ziel und seine Einstellung sorgf\u00e4ltig zu bestimmen, zum Beispiel weil ihm das zu m\u00fchsam ist, \u00fcberl\u00e4sst sein Leben dem Zufall und w\u00e4hlt damit seinen Untergang. Denn er ist wie der Kapit\u00e4n eines Schiffs, dem es zu m\u00fchsam ist, die Seekarte zu studieren, seine Position zu bestimmen und sein Schiff auf den richtigen Kurs zu bringen, der das Steuerrad einfach sich selbst \u00fcberl\u00e4sst und Tag und Nacht unter Deck mit seinen M\u00e4nnern Karten spielt, w\u00e4hrend das Schiff von Wind und Wellen irgendwo hin getrieben wird. Dieser Kapit\u00e4n kommt uns bl\u00f6d vor, oder? Doch wie sehr bem\u00fchen wir uns darum, das richtige Ziel f\u00fcr unser Leben zu finden und uns eine entsprechende Lebenseinstellung anzueignen? Wir sollten uns f\u00fcr diese Frage Zeit nehmen, damit unser Leben gelingen kann. Die entscheidende Frage dabei ist: Was ist eine gute und richtige Lebenseinstellung, mit der wir so leben werden, dass sowohl Gott als auch wir selbst am Ende voll zufrieden sind? Gott helfe uns heute, von Apostel Paulus seine Christus\u00ad-zentrierte Lebenseinstellung zu lernen!<\/p>\n<p><strong>Teil 1: Angesichts der \u00fcberschw\u00e4nglichen Erkenntnis Christi Jesu (1-8a)<\/strong><\/p>\n<p>Wozu ermutigt Paulus die Gl\u00e4ubigen in Philippi am\u00a0 Anfang unseres Textes? Betrachten wir den Vers 1: <strong>\u201eWeiter, liebe Br\u00fcder: Freut euch in dem Herrn! Dass ich euch immer dasselbe schreibe, verdrie\u00dft mich nicht und macht euch umso gewisser.\u201c <\/strong>Wie wir wissen war Paulus zu der Zeit ein Gefangener in Rom, wo er vor Gericht gestellt w\u00fcrde. Als ob das nicht genug w\u00e4re, versuchten einige Leute, sich in Paulus\u2019 Notlage selbst als noch bessere Mitarbeiter hervorzutun, um ihn zus\u00e4tzlich traurig zu machen. Die meisten Menschen werden in so einer Lage traurig oder bitter. Aber Paulus war voller Freude und ermutigte auch die anderen unerm\u00fcdlich zur Freude.<\/p>\n<p>Wie konnte er sich selbst als Gefangener noch freuen und sogar andere zur Freude ermutigen? Wenn wir Vers 1 aufmerksam lesen, finden wir den Schl\u00fcssel zu diesem Geheimnis in den Worten <strong>\u201ein dem Herrn\u201c<\/strong>. Paulus war in dem Herrn Jesus und betrachtete alle Situationen im Hinblick auf ihn. Als er seine Gefangenschaft im Hinblick auf Jesus betrachtete, konnte er sich dar\u00fcber freuen; denn er konnte erkennen, dass sie dazu beitrug, dass das Evangelium besser verbreitet wurde. Nat\u00fcrlich war das nicht der einzige Grund, warum Paulus sich so freute. Paulus konnte sich freuen, weil er in dem Herrn Jesus lebte. In dem Herrn konnte Paulus t\u00e4glich den Sinn seines Lebens, die Freude und die Kraft sch\u00f6pfen, die er brauchte. In dem Herrn hatte er alles, seine Erl\u00f6sung, seine Hoffnung und eine selige Gemeinschaft mit Gott. In dem Herrn konnte er sich allezeit freuen, unabh\u00e4ngig davon, wie seine momentane Situation war. In seiner Freude ermutigte er auch die Philipper dazu, sich in dem Herrn zu freuen. Es machte ihm nichts aus, sie immer wieder daran zu erinnern, damit sie sich immer wieder im Herrn freuen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Auch wir k\u00f6nnen und sollen uns allezeit in Jesus freuen. Obwohl wir das wissen, verlieren wir \u00f6fter die Freude, zum Beispiel wenn wir Probleme haben in der Schule oder am Arbeitsplatz, mit anderen Menschen oder in unserem eigenen Glaubens- und Hirtenleben. Doch gerade dann sollen wir zu Jesus kommen und uns neu in ihm freuen, anstatt anderswo nach Freude zu suchen. Im Herrn k\u00f6nnen wir uns allezeit freuen.<\/p>\n<p>Wozu ermahnte Paulus die Gemeinde? Betrachten wir Vers 2: <strong>\u201eNehmt euch in Acht vor den Hunden, nehmt euch in Acht vor den b\u00f6swilligen Arbeitern, nehmt euch in Acht vor der Zerschnei\u00addung!\u201c <\/strong>W\u00e4hrend Paulus fast im ganzen Brief sehr freundlich schreibt, schreibt er hier nun in einem sehr ernsten Ton und warnt die Gl\u00e4ubigen eindringlich vor bestimmten Menschen. Wer waren diejenigen, die er als \u201eHunde\u201c, als \u201eb\u00f6swillige Arbeiter\u201c und als \u201eZerschneidung\u201c bezeichnet? Sie waren Leute mit einem j\u00fcdischen Hintergrund, die in christlichen Gemeinden als Bibellehrer auftraten. Aber sie behaupteten, dass man sich auch beschneiden lassen m\u00fcsse nach dem Gesetz des Mose, um von Gott angenommen zu werden. Damit verleugneten sie den Grundsatz des Evangeliums, dass Jesus am Kreuz unsere Rechtfertigung vollbracht hat und dass der Glaube an ihn gen\u00fcgt, um vor Gott gerecht zu werden. Die Bezeichnung \u201eZerschneidung\u201c weist auf den zerst\u00f6rerischen Einfluss dieser Leute hin. Denn sie konnten mit ihrer scheinbar biblischen Lehre den evangelischen Glauben der Menschen zerst\u00f6ren und auch zur Bildung von Parteien in der Gemeinde und zur Zerst\u00f6rung der ganzen Gemeinde f\u00fchren. Paulus redete engagiert gegen diese Leute, um die Philipper vorzuwarnen und sie vor ihrem zerst\u00f6rerischen Einfluss zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Und Paulus belie\u00df es auch nicht dabei, die Philipper vor diesen Leute zu warnen; sondern er wollte noch tiefer darauf eingehen und ihnen erkl\u00e4ren, warum ihre Lehre wirklich verkehrt war. Betrachten wir Vers 3: <strong>\u201eDenn wir sind die Beschneidung, die wir im Geist Gottes dienen und uns Christi Jesu r\u00fchmen und uns nicht verlassen auf Fleisch\u201c. <\/strong>Damit die Philipper nicht auf die falsche Lehre hereinfallen w\u00fcrden, macht Paulus hier klar, was die wahre Beschneidung ist. Die Beschneidung, die Gott im 1. Buch Mose von Abraham und seinen Nachkommen verlangt hatte, sollte ein Ausdruck seines Glaubens an Gottes Verhei\u00dfung und ein Zeichen seiner Zugeh\u00f6rigkeit zu Gott sein. Doch seitdem Jesus in die Welt gekommen und f\u00fcr die S\u00fcnde der ganzen Welt am Kreuz gestorben ist, hat er einen neuen Weg er\u00f6ffnet; und all diejenigen, die Gott durch den Glauben im Heiligen Geist dienen und sich nicht auf ihre religi\u00f6sen Werke verlassen, sondern sich Jesu Christi und seiner Heilstat r\u00fchmen, sind die wahre Beschneidung, die die k\u00f6rperliche Beschneidung im Alten Bund ersetzt. Anders gesagt ist nun das Leben im Vertrauen auf Jesus und im Gehorsam gegen\u00fcber dem Heiligen Geist das Merkmal der wahren Diener Gottes und der Weg, durch den sie Gott gefallen.<\/p>\n<p>Paulus bel\u00e4sst es nicht bei dieser Feststellung, sondern vertieft diese Aussage mit seinem pers\u00f6nlichen Zeugnis. Denn Paulus hat mit dem Versuch, durch sein Fleisch, das hei\u00dft durch seine menschlichen Bedingungen und Bem\u00fchungen Gott zu gefallen, selber sehr viel Erfahrung. Betrachten wir die Verse 4-6:<strong> \u201eobwohl ich mich auch des Fleisches r\u00fchmen k\u00f6nnte. Wenn ein anderer meint, er k\u00f6nne sich auf Fleisch verlassen, so k\u00f6nnte ich es viel mehr, \u00a0der ich am achten Tag beschnitten bin, aus dem Volk Israel, vom Stamm Benjamin, ein Hebr\u00e4er von Hebr\u00e4ern, nach dem Gesetz ein Pharis\u00e4er, nach dem Eifer ein Verfolger der Gemeinde, nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig gewesen.\u201c<\/strong> Paulus hatte vieles, dessen er sich r\u00fchmen und auf das er sich verlassen k\u00f6nnte. Er hatte fromme, gesetzestreue Eltern, die daf\u00fcr sorgten, dass er wie vorgeschrieben am achten Lebens\u00adtag beschnitten wurde. Paulus war also ein Israelit mit einem tadellosen Stammbaum, er stammte sogar aus dem angesehenen Stamm Benjamin. Au\u00dferdem hatte Paulus sich auch aktiv darum bem\u00fcht, ein vorbildliches Leben nach dem Wort Gottes zu f\u00fchren. Er erf\u00fcllte sogar die hohen Anforderungen der Pharis\u00e4er und wurde ein Mitglied dieser allerstrengsten religi\u00f6sen Partei, in der jeder durch das Befolgen ihrer zus\u00e4tzlichen Satzungen das Gesetz zu 100% halten musste. Sein religi\u00f6ser Eifer war so gro\u00df, dass er dar\u00fcber hinaus auch die Christen systematisch verfolgte, die er f\u00fcr eine sch\u00e4dliche Sekte hielt. Aus j\u00fcdischer Sicht hatte Paulus also eine hervorragende Abstammung und lebte so, dass er sagen konnte, dass er nach der Gerechtigkeit, die das Gesetz fordert, untadelig gewesen war. Somit hatte er beste Voraussetzungen, um Gott zu gefallen und von ihm anerkannt zu werden.<\/p>\n<p>Doch wir wissen, dass das nicht stimmte. In Wirklichkeit wurde Paulus, der damals noch Saulus hie\u00df, ein harter, selbstgerechter Mann, der die Gemeinde Jesu und damit ihn selbst verfolgte und dadurch als Gottes Feind lebte. Aber der auferstandene Jesus begegnete diesem Paulus in einem hell leuchtenden Licht, als er auf dem Weg nach Damaskus war, und sprach ihn an: <strong>\u201eSaul, Saul, was verfolgst du mich?<\/strong> <strong>\u2026 Ich bin Jesus, den du verfolgst.\u201c<\/strong> Saulus muss zutiefst schockiert gewesen sein, als er erkennen musste, wer Jesus in Wirklichkeit ist und dass er selbst all die Jahre als ein Feind Gottes gelebt hatte. Jesu Tadel und seine Gnade f\u00fchrten ihn zu tiefer Bu\u00dfe; er empfing Jesu Gnade und seine Berufung als Jesu auserw\u00e4hltes Werkzeug (Apg 9,1-16).<\/p>\n<p>Welche Neubewertung der Dinge vollzog Paulus, nachdem er Jesus Christus begegnet war? Betrachten wir Vers 7: <strong>\u201eAber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen f\u00fcr Schaden erachtet.\u201c <\/strong>Dieser Vers beginnt mit den Worten <strong>\u201eAber was mir Gewinn war\u201c.<\/strong> Sein makelloser Stammbaum und sein tadelloses Leben nach dem Gesetz waren f\u00fcr Paulus wie ein kostbarer Gewinn, um den ihn die meisten Juden damals beneidet haben m\u00fcssen. Paulus hatte tats\u00e4chlich hart daf\u00fcr gearbeitet, um diesen \u201eGewinn\u201c zu erlangen; und er muss ihn wie einen wertvollen Schatz geh\u00fctet haben. Denn daraus hatte er seine Identit\u00e4t als ein frommer und gerechter Mann gebildet. Dadurch bekam er au\u00dferdem gro\u00dfe Anerkennung bei den anderen Menschen in seinem Land. (Es war nicht eine oberfl\u00e4chliche Anerkennung, die heute jemand bekommt, weil er zum Beispiel gut Fu\u00dfball spielen kann; sondern Paulus muss mit seiner ganzen Person hoch geachtet worden sein.) Vor allem aber dienten Paulus seine Errungenschaften scheinbar dazu, um von Gott anerkannt und in sein Reich gerettet zu werden. Er muss davon ausgegangen sein, dass sie seine Errettung garantieren w\u00fcrden, dass er das ewige Leben sozusagen in der Tasche h\u00e4tte. Er konnte sich nicht nur in dieser Sicherheit w\u00e4hnen, er muss auch sehr stolz darauf gewesen sein.<\/p>\n<p>Betrachten wir noch einmal den Vers 7: <strong>\u201eAber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen f\u00fcr Schaden erachtet.\u201c<\/strong> Paulus berichtet hier von einer radikalen Neubewertung seiner guten Abstammung und seiner religi\u00f6sen Leistungen, nachdem er Christus begegnet war, die eine totale \u00c4nderung seines Wertsystems darstellte. Denn nun betrachtete er seine gute Abstammung und tadelloses Leben nach dem Gesetz, auf die er so stolz gewesen war, nicht nur als wertlos, sondern sogar als Schaden. Warum waren sie tats\u00e4chlich ein Schaden f\u00fcr ihn? Weil sie ihm das Gef\u00fchl gegeben hatten, vor Gott in Ordnung zu sein, und ihn so davon abgehalten hatten, die wahre Erl\u00f6sung durch Christus zu suchen und anzunehmen.<\/p>\n<p>Was hatte es Paulus m\u00f6glich gemacht, zu dieser Einsicht kommen und sein Wertsystem so radikal zu \u00e4ndern? Im Vers 8a sagt er: <strong>\u201eJa, ich erachte es noch alles f\u00fcr Schaden gegen\u00fcber der \u00fcberschw\u00e4nglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn.\u201c <\/strong>Paulus konnte alles, was er bisher im Leben f\u00fcr kostbar gehalten hatte, f\u00fcr Schaden erachten wegen der <strong>\u201e\u00fcberschw\u00e4ngliche Erkenntnis Christi Jesu\u201c<\/strong>. Was meinte Paulus damit? Der Ausdruck \u201e\u00fcberschw\u00e4nglich\u201c bedeutet so viel wie einzigartig, unvergleichlich besser, hervorragend. Wir wissen zwar nicht genau, wann und wie, aber es gab in Paulus\u2019 Leben einen Moment, in dem er sich sehr tiefgehend vor Gott mit der Forderung des Gesetzes auseinandergesetzt hat. Weil er (oberfl\u00e4chlich gesehen) nach der Forderung des Gesetzes untadelig lebte, hielt er sich selbst f\u00fcr gerecht, sowohl vor den Menschen als auch vor Gott. Aber eines Tages wurde er mit dem Gebot <strong>\u201eDu sollst nicht begehren\u201c<\/strong> richtig konfrontiert; er beschreibt diesen Konflikt im R\u00f6merbrief Kap. 7. Als er dieses Gebot halten wollte, merkt er einen starken Widerstand in seinem Herzen. Wie wir wissen, war Paulus ein Mensch, der von seinem Charakter her nie aufgab. Weil er wirklich tadellos leben wollte, k\u00e4mpfte er hart darum, das Gebot doch zu halten. Aber die Macht der S\u00fcnde, die in ihm war, war st\u00e4rker, h\u00e4rter und z\u00e4her als sein heiliger Wunsch. Die meisten Menschen geben in so einer Situation irgendwann auf. Aber weil Paulus es nicht aufgeben wollte, mit der Macht der S\u00fcnde in ihm fertig zu werden, entwickelte sich ein Kampf auf Leben und Tod. In R\u00f6mer 7,22,23 \u00a0beschreibt er diesen Konflikt so: <strong>\u201eDenn ich habe Lust an Gottes Gesetz\u00a0 nach dem inwendingen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Gem\u00fct und h\u00e4lt mich gefangen im Gesetz der S\u00fcnde, das in meinen Gliedern ist.\u201c <\/strong>Der Kampf endete f\u00fcr Paulus mit einer bitteren Niederlage. Er war gegen\u00fcber der Macht der S\u00fcnde in seinem K\u00f6rper hilflos, er musste einsehen, dass ihm nichts andres \u00fcbrig blieb, als den Weg zum ewigen Tod zu gehen, ohne dass er etwas Wirksames dagegen machen konnte. Verzweifelt schrie er: <strong>\u201eIch elender Mensch! Wer wird mich erretten von diesem todverfallenen Leibe?\u201c<\/strong> Wenn ein Mensch sich durch das Gesetz von der Macht der S\u00fcnde befreien k\u00f6nnte, dann sicherlich Paulus. Aber auch er konnte das nicht. Wenn ein Mensch mit seiner Disziplin aus der elenden Lage unter der S\u00fcnde herauskommen k\u00f6nnte, dann sicherlich Paulus. Aber auch er scheiterte dabei kl\u00e4glich. Alle seine Erkenntnisse, seine Disziplin und seine bisherigen Errungenschaften, auf die er so stolz war, stellten sich als wertlos heraus. An diesem Tag offenbarten sich die Dinge, mit denen er seine stolze Identit\u00e4t als ein guter religi\u00f6ser Mensch gebildet hatte, als nichtig. Was passierte dann? Er h\u00e4tte eigentlich unendlich deprimiert werden und schlie\u00dflich tats\u00e4chlich in die H\u00f6lle fahren m\u00fcssen. Aber in dem Moment seiner gr\u00f6\u00dften Verzweiflung sah er auf Jesus. Er rief erleichtert: <strong>\u201eDank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!\u201c<\/strong> Als alle seine Erkenntnisse und Bem\u00fchungen v\u00f6llig versagten, fand er Jesus. In Jesus \u00f6ffnete sich ihm ein neuer, ganz anderer Weg, trotz aller S\u00fcnde doch vor Gott gerecht zu werden. Er bekam eine v\u00f6llig neue Erkenntnis \u00fcber Gott, \u00fcber Jesus und \u00fcber sich selbst, die \u00fcberw\u00e4ltigend war. Er erkannte Jesus als die Quelle aller Sch\u00e4tze der Weisheit und der Erkenntnis (Kol 2,3). Seine Erkenntnis Jesu Christi war \u00fcberschw\u00e4nglich! Angesichts dieser Erkenntnis Jesu erkannte er alles, was er bisher f\u00fcr wertvoll gehalten hatte \u2013 seine Abstammung, seine Errungenschaften, sein scheinbar tadelloses Leben \u2013 als Schaden, weil es ihn nur selbstgerecht und f\u00fcr die Quelle der wahren Erkenntnis blind machte. Jesus war sein ganz gro\u00dfer Gewinn. Wie sch\u00f6n ist es, Jesus zu entdecken! M\u00f6ge Gott auch jedem von uns die \u00fcberschw\u00e4ngliche Erkenntnis Christi Jesu schenken, damit auch wir unser Wertsystem und unsere Lebenseinstellung dementsprechend neu ausrichten k\u00f6nnen!<\/p>\n<p><strong>Teil 2: Ihn m\u00f6chte ich erkennen (8b-11) <\/strong><\/p>\n<p>Im ersten Abschnitt haben wir erfahren, wie Paulus angesichts der \u00fcberschw\u00e4nglichen Erkenntnis Jesu Christi sein Wertesystem ge\u00e4ndert und alles, was ihm bisher als Gewinn erschienen war, als Schaden erachtet hat. In zweiten Teil k\u00f6nnen wir nun lernen, wie Paulus praktisch entsprechend leben wollte. Kurz gesagt wollte er Jesus gewinnen. Betrachten wir Vers 8b und 9a: \u201e<strong>Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es f\u00fcr Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde\u201c. <\/strong>Hier erfahren wir, wie gr\u00fcndlich Paulus sein Wertsystem ge\u00e4ndert hat und was nun sein oberstes Ziel war. Er sagt ausdr\u00fccklich, dass er \u201ealles\u201c, wodurch er bisher versucht hatte, vor Gott gerecht zu werden, f\u00fcr Dreck erachtete. Er schreckte nicht davor zur\u00fcck, das, worum er sich bisher mit ganzer Kraft bem\u00fcht hatte und was er f\u00fcr kostbar gehalten hatte, f\u00fcr v\u00f6llig wertlos zu erachten wie ein H\u00e4uflein Dreck, das man so schnell wie m\u00f6glich loswerden und in den M\u00fclleimer werfen will.<\/p>\n<p>Was war Paulus\u2019 neues Ziel, f\u00fcr das er alles wegwarf? Er schreibt: <strong>\u201edamit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde\u201c.<\/strong> Sein neues Ziel war Jesus Christus. Nachdem er die \u00fcberschw\u00e4ngliche Gnade Jesu erkannt hatte, wollte er Jesus richtig gewinnen und in ihm gefunden werden. Er wurde vom todverfallenen Leib befreit und damit wurde sein Lebensproblem gel\u00f6st. Aber er wollte sich nicht damit zufrieden geben. Wie leicht ist es, dass wir die Gnade der Rechtfertigung einfach genie\u00dfen und dar\u00fcber hinaus kein h\u00f6heres Ziel verfolgen! Aber Paulus wollte Jesus erlangen, ihn quasi besitzen und mit ihm verbunden leben. Jesus war sein neues, oberstes Ziel, nach dem er strebte und f\u00fcr das er lebte, und er wollte alles, was ihm diesem neuen Ziel n\u00e4her brachte, tun, und alles lassen, was ihn davon abhielt oder trennte. So lebte er ganz konsequent f\u00fcr Jesus.<\/p>\n<p>Jeder Mensch, der von Jesus ber\u00fchrt worden ist und die \u00fcberschw\u00e4ngliche Gnade Jesu erkannt hat, \u00e4ndert sein Wertsystem und seine Lebenseinstellung. Aber viele schrecken doch davor zur\u00fcck, ihr Wertsystem radikal zu \u00e4ndern. Manche wollen bewusst oder unbewusst manche ihrer alten Ziele in das neue Leben mit hin\u00fcber nehmen. Sie wollen einerseits Jesus haben, aber gleichzeitig auch noch etliche ihrer weltlichen W\u00fcnsche erf\u00fcllen. Wir k\u00f6nnen sie gut verstehen oder sind selbst davon selbst betroffen. Aber wir sollen erkennen, dass bei einer dadurch unser Herz geteilt und unsere Liebe und Hingabe f\u00fcr Jesus begrenzt sind. Als Folge davon ist vor allem auch unsere M\u00f6glichkeit, Jesus pers\u00f6nlich zu erfahren, stark eingeschr\u00e4nkt. Wir sollen uns von Paulus ermutigen lassen, unser Lebensziele und unsere Lebenseinstellung ganz konsequent zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Paulus \u00e4nderte nicht nur sein Ziel, sondern auch die Grundlage seines Lebens konsequent. Betrachten wir dazu Vers 9b: <strong>\u201e\u2026 dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, n\u00e4mlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird.\u201c<\/strong> Fr\u00fcher hatte Paulus mit ganzer Kraft versucht, durch seine Werke des Gesetzes die Gerechtigkeit vor Gott zu erlangen. Dadurch hatte er seine eigene scheinbare Gerechtigkeit bzw. Selbstgerechtigkeit aufgebaut. Doch nun wollte er damit nichts mehr zu tun haben. Er wollte nur die Gerechtigkeit haben, die durch den Glauben an Jesus Christus kommt, die Gott denen gibt, die an Jesus glauben.<\/p>\n<p>Was wollte Paulus sehns\u00fcchtig erkennen? Betrachten wir Vers 10: <strong>\u201eIhn m\u00f6chte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden\u201c<\/strong>. Jesus zu erkennen, bedeutet hier, Jesus zu erleben. Paulus\u2019 gr\u00f6\u00dftes Ziel und sein sehnlichster Wunsch war es, Jesus zu erleben. Es ist interessant, dass Paulus dies in der Gegenwartsform schreibt. Er, der Jesus schon so viel kennen gelernt hatte, der so vielen Menschen geholfen hatte, zum Glauben an Jesus zu finden, und sogar Briefe geschrieben hat, die Teile der Bibel wurden, hatte den Wunsch, Jesus noch besser kennen zu lernen, ihn noch mehr zu erleben. Jesus zu erleben, ist so herrlich, dass man es immer noch mehr m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Betrachten wir nochmals den Vers 10. Wie wollte Paulus Jesus erleben? Paulus wollte Jesus nicht nur theoretisch kennen lernen, sondern er wollte die Kraft seiner Auferstehung in seinem eigenen Leben erfahren. Doch er erkannte, dass er dazu auch an seinen Leiden teilhaben musste; denn wie es keine Auferstehung ohne den Tod gibt, so kann auch nur der die Kraft der Auferstehung erfahren, der vorher seines Selbstvertrauens und seiner s\u00fcndigen W\u00fcnsche erstirbt. Eigentlich hatte Paulus in seinem Missionsleben schon viel f\u00fcr Jesus gelitten; er war fast st\u00e4ndig verfolgt worden, war so oft geschlagen und einmal sogar gesteinigt worden. Aber Paulus war bereit, auch noch mehr f\u00fcr Jesus zu leiden, damit er ihn noch besser verstehen und die Kraft seiner Auferstehung noch mehr erfahren k\u00f6nnte. Er wollte in allem mit Jesus verbunden und ihm auch in seinem Tod gleichgestaltet sein, damit er dadurch die Auferstehung von den Toten erlangen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Was sollen wir von Paulus lernen? Es ist leicht, dass wir uns mit dem, was wir von Jesus schon erkannt und erfahren haben, zufrieden geben. Wir sollen einen starken Wunsch haben, Jesus mehr zu erleben und seine herrliche Auferstehungskraft in unserem praktischen Leben zu erfahren. Mit Jesus verbunden zu sein und ihn zu erleben, ist das h\u00f6chste Gl\u00fcck und der eigentliche Sinn unseres Lebens. Es entspricht dem eigentlichen Ziel unseres Lebens, das wir erlangen sollen. M\u00f6ge Gott jedem von uns ein starkes Verlangen geben, Jesus mehr zu erkennen und ihn tagt\u00e4glich zu erleben! M\u00f6ge Gott dadurch unser Leben reich und gl\u00fccklich machen! Lesen wir zum Schluss nochmals die Leitverse 10 und 11: <strong>\u201eIhn m\u00f6chte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die\u00a0 Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.\u201c<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Damit\u00a0 ich\u00a0 Christus\u00a0 gewinne \u201eIhn m\u00f6chte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die\u00a0 Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.\u201c (Phil 3,10.11) Vor zwei Wochen haben wir betrachtet, wie Paulus die Christen in Philippi die Gesinnung Jesu gelehrt hat, der sich erniedrigte, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[53,4],"tags":[],"class_list":["post-1341","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-philipper","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1341","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1341"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1341\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11093,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1341\/revisions\/11093"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}