{"id":13361,"date":"2025-08-10T11:00:21","date_gmt":"2025-08-10T09:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13361"},"modified":"2025-12-02T19:12:07","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:07","slug":"predigt-1-mose-426-28-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-426-28-2\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 42,6-28"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Genesis-426-28-P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Genesis-426-28-P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_mose\/42\/6-28?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Heilung f\u00fcr Jakobs Familie<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eAls Josef seine Br\u00fcder sah, erkannte er sie. Aber er gab sich ihnen nicht zu erkennen, sondern fuhr sie barsch an. Er fragte sie: Wo kommt ihr her? Aus Kanaan, um Brotgetreide zu kaufen, sagten sie.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Mose 42,7 [E\u00dc])<\/p>\n<p>Wir haben gesagt, dass das Buch Genesis die Geschichte erz\u00e4hlt, wie wir Menschen unser wahres Zuhause (das Paradies) verloren haben. D.h., wenn du dich Hin- und Hergetrieben f\u00fchlst, wenn du das Gef\u00fchl hast, alles ausprobiert zu haben und keine wahre Erf\u00fcllung gefunden hast, wenn du dich f\u00fchlst wie im Exil, ist die biblische Antwort darauf, dass wir durch unsere S\u00fcnde Heimatlose sind. Gott hatte angefangen mit der Familie von Abraham den Weg nach Hause wiederherzustellen.<br \/>\nAber meine G\u00fcte; jede Generation von Abrahams Familie hatte wirklich Probleme. Und schlimmer noch, anstatt dass es mit den Problemen besser wurde, scheinen die Plagen sich mit jeder Generation zu potenzieren. Nicht nur die Familie wuchs exponentiell, sondern auch die innerfamili\u00e4ren Streitigkeiten und Missst\u00e4nde. Als vorl\u00e4ufiger, trauriger H\u00f6hepunkt der Familiensaga wurde Josef von seinen Br\u00fcdern kaltbl\u00fctig als Sklave nach \u00c4gypten verkauft. Ganz klar, diese Familie war richtig dysfunktional. Im heutigen Text sehen wir, wie Gott durch Josef Heilung in die Familie hineinbringt.<br \/>\nZwei Dinge wollen wir hier im Text beleuchten. Zum einen, Schuld und Vergebung; zum anderen Fluch und Heilung.<\/p>\n<p><strong>1. Schuld und Vergebung<\/strong><br \/>\nJakob schickt zehn seiner S\u00f6hnen nach \u00c4gypten, damit sie dort Getreide kaufen sollten. Als die Br\u00fcder in \u00c4gypten ankommen, erwartet sie ein frostiger Empfang. Wir lesen in Vers 7: \u201eAls Josef seine Br\u00fcder sah, erkannte er sie: Aber er gab sich ihnen nicht zu erkennen, sondern fuhr sie barsch an. Er fragte sie: Wo kommt ihr her? Aus Kanaan, um Brotgetreide zu kaufen, sagten sie.\u201c In den weiteren Versen finden wir den Dialog zwischen Josef und seinen Br\u00fcdern, der f\u00fcr die Br\u00fcder extrem schmerzhaft ist und der damit endet, dass sie alle f\u00fcr drei Tage im Gef\u00e4ngnis landen. Am dritten Tag l\u00e4sst Josef die Br\u00fcder aus dem Gef\u00e4ngnis holen und spricht freundlicher mit ihnen. Er l\u00e4sst die Br\u00fcder ziehen, damit sie ihre Familien mit Essen versorgen k\u00f6nnen, unter der Bedingung, dass sie ihren j\u00fcngsten Bruder mitbringen. Simeon wird vor ihren Augen gebunden. Er wird als Pfand in \u00c4gypten festgehalten, um einen \u201akleinen\u2018 Anreiz zu schaffen, dass sie wirklich zur\u00fcckzukommen.<br \/>\nIn Vers 21, sprechen die Br\u00fcder untereinander, ohne zu wissen, dass Josef ihnen zum einen zuh\u00f6rte und zum anderen jedes Wort verstand: \u201eAch ja, wir sind an unserem Bruder schuldig geworden. Wir haben zugesehen, wie er sich um sein Leben \u00e4ngstigte. Als er uns um Erbarmen anflehte, haben wir nicht auf ihn geh\u00f6rt. Darum ist nun diese Angst \u00fcber uns gekommen.\u201c Die Br\u00fcder diskutierten das Verbrechen, das sie Josef angetan hatten. Und hier ist das Interessante: Sie hatten Schuldgef\u00fchle.<br \/>\nIn der Zeitschrift \u201eSpektrum der Wissenschaft\u201c gab es vor ein paar Jahren eine kurze Zusammenfassung von einer Studie bez\u00fcglich Schuldgef\u00fchle. In einer Online-Umfrage wurden 900 Erwachsene gefragt, ob sie aktuell Schuldgef\u00fchle hatten oder jemals welche hatten. Ungef\u00e4hr 75% der Teilnehmer antworteten auf diese Frage mit \u201eja\u201c. Das ist eine erstaunlich hohe Zahl. Meine Vermutung ist, dass die restlichen 25%, die darauf mit \u201enein\u201c geantwortet hatten, entweder nicht ehrlich oder vergesslich waren. In der Studie war die h\u00e4ufigste Ursache f\u00fcr die Schuldgef\u00fchle, dass die Teilnehmer es mit der Wahrheit nicht so genau genommen hatten. Wenn die Teilnehmer \u00e4lter als 45 waren, war die h\u00e4ufigste Ursache, nicht genug Zeit mit der Familie verbracht zu haben.<br \/>\nWir alle kennen Schuldgef\u00fchle. W\u00e4hrend meiner Doktorarbeit sa\u00dfen eine Kollegin namens J. und ich zusammen im B\u00fcro. Dann kam ein medizinischer Doktorand rein, der so richtig deutsch war, also so richtig strukturiert und ordentlich. Er hatte uns gefragt: \u201eHabt ihr meinen USB-Stick gesehen?\u201c Es war schon au\u00dfergew\u00f6hnlich, dass er etwas verloren hatte. Er verlie\u00df das B\u00fcro. Und dann meinte ich zu Johanna halb im Scherz: \u201eWei\u00dft du, einen kurzen Augenblick hatte ich ein schlechtes Gewissen.\u201c Warum? Nicht deshalb weil ich sein Equipment verschlampt hatte, sondern weil ich genau der Typ daf\u00fcr gewesen w\u00e4re, der das fertig gebracht h\u00e4tte. J., die auch richtig chaotisch sein kann, meinte zu mir: \u201eIch auch.\u201c Und dann mussten wir herzlich lachen.<br \/>\nUnser Text zeigt uns einige sehr typische Merkmale und Muster von Schuldgef\u00fchlen. Zum einen sehen wir, dass Schuldgef\u00fchle richtig langanhaltend sein k\u00f6nnen. Josef in die Zisterne zu werfen, war ein Ereignis, das schon mehr als 20 Jahre in der Vergangenheit lag. Ihre Worte machen deutlich, dass sie sich so daran erinnern konnten, als ob es gestern war: Sie sahen die Augen von Josef, die mit blanker Angst und Entsetzen erf\u00fcllt waren. Sie h\u00f6rten die flehende und bettelnde Stimme und sein Weinen in der Grube. Mehr als zwei Jahrzehnte waren vergangen. Ihr Verbrechen hatte sich tief in ihr Ged\u00e4chtnis eingebrannt. Vielleicht so \u00e4hnlich wie sich der Tod von Stephanus in Saulus Erinnerung eingebrannt hatte. Und das verfolgte sie nach Jahrzehnten.<br \/>\nWir sehen als n\u00e4chstes, dass Schuldgef\u00fchle mit Schuldzuweisungen verbunden sind. Vers 22: \u201eRuben entgegnete ihnen: Habe ich euch nicht gesagt: Vers\u00fcndigt euch nicht an dem Kind! Ihr aber habt nicht geh\u00f6rt. Seht, nun wird sein Blut von uns gefordert.\u201c Ruben sagte, dass sie ihn da keinesfalls mitreinreiten sollten. Er weist jede Schuld von sich. In der Erz\u00e4hlung von Josefs Verkauf f\u00e4llt Ruben vor allem durch seine Nichtanwesenheit auf. Er war nicht der Leiter, der er in dieser Situation h\u00e4tte sein sollen. Er war nicht in der Lage, seine Br\u00fcder offen zu konfrontieren. Stattdessen wollte er Josef heimlich aus der Grube befreien, d.h. Ruben war zumindest passiv mitschuldig. Aber er war nun nicht willens, die Mitverantwortung daf\u00fcr zu tragen.<br \/>\nWie sehen auch, dass Schuldgef\u00fchle mit Furcht verbunden sind. Josef l\u00e4sst die S\u00e4cke der Br\u00fcder mit Getreide f\u00fcllen. Nicht nur das, die Br\u00fcder bekommen ihr Geld zur\u00fcck. Wie reagieren wir, wenn wir unverhofft viel Geld bekommen? Vielleicht nicht ganz so wie die Br\u00fcder darauf reagierten (Vers 28b): \u201eDa verlie\u00df sie der Mut und sie sagten zitternd zueinander: Was hat uns Gott da angetan?\u201c Sie hatten richtige Furcht und richtige Panik. Und sie fingen an, die Frage zu stellen: \u201eHatte Gott seine Finger im Spiel? Werden wir von Gott bestraft?\u201c<br \/>\nWie reagieren wir, wenn wir von der Vergangenheit heimgesucht werden? Wie reagieren wir, wenn wir uns f\u00fcr etwas schuldig f\u00fchlen? Vor Jahren war ich in K\u00f6ln auf einem Jugendgottesdienst. Beim Gebet sa\u00df ich mit einem jungen Mann zusammen, den ich nicht kannte. Ein Freund von mir hatte ihn willkommen gehei\u00dfen und ihm gesagt, dass er es sch\u00f6n findet, dass er gekommen war. Beim Gespr\u00e4ch \u00fcber den Glauben hatte er uns dann mitgeteilt, dass er mit der Kirche nichts mehr zu tun haben wollte. Warum? Weil er damit abgeschlossen hatte, Schuldgef\u00fchle zu haben. Mit anderen Worten, er hatte keine Lust mehr auf eine Institution, die, nach seinem Empfinden, \u00fcberhaupt erst solche Gef\u00fchle in Menschen einpflanzt. \u201eDie Kirche ist der Grund, weshalb ich mich so schlecht f\u00fchle. Nicht ich bin schuld, sondern die Kirche.\u201c Ich hatte mich sp\u00e4ter gefragt, wie der junge Mann reagiert h\u00e4tte, wenn man ihn gefragt h\u00e4tte: \u201eWas ist mit den gro\u00dfen Verbrechern der Menschheitsgeschichte? Mit Hitler, Stalin, Pol Pot und unz\u00e4hligen anderen? Sollten sich diese Menschen nicht zumindest \u201aetwas\u2018 sch\u00e4men f\u00fcr das unvorstellbare Leid, dass sie angerichtet hatten?\u201c<br \/>\nEs hat seinen Grund, weshalb praktisch alle Menschen Gef\u00fchle von Schuld haben: Weil alle Menschen ohne Ausnahme Schuld auf sich geladen haben. Die Bibel nennt es S\u00fcnde. Und die Bibel sagt, dass alle Menschen ges\u00fcndigt haben, dass alle Menschen nicht ann\u00e4hernd dem Ma\u00dfstab Gottes gerecht werden. Das schlechte Gewissen reflektiert die Tatsache, dass wir alle tief in unseren Herzen selbsts\u00fcchtig sind, dass wir b\u00f6se Gedanken haben, dass wir schlimme Dinge sagen und tun. Wir k\u00f6nnen versuchen, die Schuld zu verdr\u00e4ngen; wir k\u00f6nnen versuchen, das schlechte Gewissen zu unterdr\u00fccken, uns abzulenken, uns zu bet\u00e4uben. Aber in ganz vielen F\u00e4llen werden wir davon heimgesucht werden, wie bei Josefs Br\u00fcdern.<br \/>\nIch habe gesagt, dass es hier nicht nur um Schuld geht, sondern auch um Vergebung. Im Text selbst ist nicht von Vergebung die Rede. Stattdessen sehen wir Josef, der seine Br\u00fcder sehr unfreundlich und hart behandelt. Und gleichzeitig muss hier Vergebung im Spiel sein. Woher wissen wir das? Weil Josef es seinen Br\u00fcdern nicht mit gleicher M\u00fcnze heimzahlt! Was hatten die Br\u00fcder Josef angetan? Sie hatten ihn in die Sklaverei verkauft und waren mitschuldig daran, dass er jahrelang im Gef\u00e4ngnis sa\u00df. Sie waren schuldig daran, dass Josef jahrelang in einem fremden Land seine Familie nicht sehen konnte. Was w\u00e4re die gerechte Strafe daf\u00fcr? Josef h\u00e4tte seine Br\u00fcder 13 Jahre lang ins Gef\u00e4ngnis werfen k\u00f6nnen und sie als Sklaven schuften lassen k\u00f6nnen. Und das tut Josef nicht. Nicht einmal ansatzweise. Er behandelt sie viel besser als sie es verdient h\u00e4tten. Josef hatte ihnen l\u00e4ngst vergeben.<br \/>\nDas Evangelium bietet uns Vergebung an. Das Evangelium sagt, dass Jesus all unsere S\u00fcnde getragen hat; dass er am Kreuz f\u00fcr uns zur S\u00fcnde geworden ist, d.h., dass Jesus an unserer Stelle die Behandlung erfahren hat, die wir verdient h\u00e4tten, damit wir das erfahren k\u00f6nnen, was nur Jesus verdient h\u00e4tte, n\u00e4mlich vor Gott als v\u00f6llig gerecht und schuldlos zu stehen. Wenn du an Jesus glaubst, dann sind alle deinen S\u00fcnden vergeben. Es gibt nichts, was du in der Vergangenheit verbrochen hast, was dazu f\u00fchren k\u00f6nnte, dass Jesus dich weniger liebt. Es gibt nichts, was du jetzt noch tun k\u00f6nntest, was dazu f\u00fchren w\u00fcrde, dass Jesus dich mehr lieben w\u00fcrde.<br \/>\nEs gibt eigentlich nur zwei M\u00f6glichkeiten, wie wir mit unserer Schuld umgehen k\u00f6nnen: entweder wir tragen sie, oder Jesus tr\u00e4gt sie. Entweder wir gehen fr\u00fcher oder sp\u00e4ter daran zugrunde; oder wir nehmen die Vergebung an, die Jesus uns anbietet.<\/p>\n<p><strong>2. Fluch und Heilung<\/strong><br \/>\nWenn Josef also seinen Br\u00fcdern vergeben hat, dann sind wir immer noch mit der Frage konfrontiert, weshalb Josef sie so seltsam behandelt. Der Text sagt uns, was Josef ihnen sagte (der Vorwurf, dass sie Spione sind), aber der Text sagt uns nicht, was sich Josef dabei dachte. Der Text sagt uns, dass Josef weinte, aber der Text sagt uns nicht weshalb. Der Text sagt uns, was Josef tat (z.B. den Br\u00fcdern ihr Geld zur\u00fcckzugeben), aber der Text sagt uns nicht, was er dabei plante.<br \/>\nBruce Waltke macht in seinem Kommentar zur Genesis darauf aufmerksam, dass eines der Themen hier im Kapitel ist, dass Josef einen enormen Wissensvorteil hatte. Die Br\u00fcder kamen vor Josef und werfen sich mit ihrem Gesicht zur Erde. Vers 7 sagt: \u201eAls Josef seine Br\u00fcder sah, erkannte er sie.\u201c Josef erkannte sie auf der Stelle. Aber sie erkannten ihn nicht. Es reicht dem Autor nicht, es einmal zu sagen. Er wiederholt das in Vers 8: \u201eJosef hatte seine Br\u00fcder erkannt, sie aber hatten ihn nicht erkannt.\u201c Und nicht nur das, Josef erinnerte sich an seine Tr\u00e4ume. Vers 9: \u201eJosef erinnerte sich an das, was er von ihnen getr\u00e4umt hatte.\u201c Das Wissen ist ungleich verteilt. Die ganze Zeit spricht und handelt Josef aus einer Position des Wissenden, w\u00e4hrend die Br\u00fcder die Ignoranten sind. Und wie wir alle wissen: Wissen ist Macht.<br \/>\nIn der Fernsehserie Friends wird aus den zwei Freunden Chandler und Monica ein Liebespaar. Aber sie versuchen zun\u00e4chst, ihre Beziehung f\u00fcr sich zu behalten, weil beide Angst davor haben, dass ihre Beziehung leicht in die Br\u00fcche gehen k\u00f6nnte. Nat\u00fcrlich finden ihre Freunde es bald heraus. Anstatt ihren Freunden mitzuteilen, dass sie von der Beziehung wissen, entscheiden sie sich, das Wissen zu nutzen, um ihnen Streiche zu spielen: \u201eSie wissen nicht, dass wir wissen, dass sie ein Paar sind.\u201c Es dauert nicht lange, und Monica ahnt, dass ihre Freunde herausgefunden haben, dass sie ein Paar sind. Und sie entscheidet sich, den Spie\u00df umzudrehen: \u201eSie wissen nicht, dass wir wissen, dass sie wissen, dass wir ein Paar sind.\u201c Das Ganze dreht dann noch ein Runde, in der Phoebe schlie\u00dflich sagt: \u201eSie wissen nicht, dass wir wissen, dass sie wissen, dass wir wissen.\u201c Wer das Wissen hat, der hat die Macht.<br \/>\nWelche Absichten verfolgt also Josef mit seiner Macht? Derek Kidner\u2019s Antwort scheint mir die beste und plausibelste zu sein. Er schreibt: \u201eAuf den ersten Blick k\u00f6nnte die grobe Behandlung, welche jetzt die Szene bis zum Ende von Kapitel 44 dominiert, wie Rachsucht aussehen. Nichts w\u00e4re nat\u00fcrlicher, aber nichts w\u00e4re weiter von der Wahrheit entfernt. Hinter der harschen Haltung war warme Zuneigung und nach der Feuerprobe \u00fcberw\u00e4ltigende Freundlichkeit. \u2026 seine r\u00e4tselhaften Geschenke waren eine freundlichere und noch gr\u00fcndlichere Pr\u00fcfung. Wie weise seine Strategien waren, l\u00e4sst sich in dem Auswuchs ganz neuer Haltungen in den Br\u00fcdern ersehen, wie der Wechsel aus Sonne und Frost sie f\u00fcr Gott aufgebrochen hat.\u201c Genau das ist es, was die Br\u00fcder erfuhren: der Wechsel aus Sonne und Frost; harsche Behandlung, danach Freundlichkeit; Anschuldigungen und Gef\u00e4ngnis, und danach bekamen sie Freiheit, Essen und ihr Geld zur\u00fcck. Dieser Wechsel aus W\u00e4rme und K\u00e4lte macht br\u00fcchig. Und Josef wendet das so konsequent an, bis die Herzen der Br\u00fcder aufgebrochen sind.<br \/>\nNoch einmal die Frage nach dem Warum: warum war das notwendig? Auf der Encounter Konferenz vor ein paar Tagen war davon die Rede, dass Gott uns aus dieser Welt rettet. Aber dann gibt es den Prozess, die Welt aus uns herauszuholen. Oder an eine Beispiel: Der einfache Part war es, dass Gott die Israeliten aus \u00c4gypten befreite. Der wesentlich schwierigere Part war es, \u00c4gypten aus ihnen herauszuholen.<br \/>\nWas war das Problem von Josefs Br\u00fcdern? Das Problem war nicht nur ihre Schuld. Es waren dysfunktionale Verhaltensmuster, die sich durch ihre Familie ganz tief in ihnen eingepr\u00e4gt hatten. Hier ist der Punkt: Wir alle sind so oder werden so wie unsere Eltern. Entweder wir werden genauso wie sie, oder aber wir reagieren auf die Fehltritte unserer Eltern und versuchen das Gegenteil zu werden. Wie wir denken, f\u00fchlen und handeln, ist so stark davon gepr\u00e4gt, wie wir aufgewachsen sind. Und wisst ihr was? Das Denken, F\u00fchlen und Handeln von unseren Eltern ist davon gepr\u00e4gt, wie sie aufgewachsen sind. Das gilt im Guten aber auch vor allem im Schlechten.<br \/>\nIn der Familie von Abraham sehen wir, wie sich die S\u00fcnden der Eltern auf ihre Kinder \u00fcbertragen. Abraham log (zweimal), indem der Sara, als seine Frau ausgab. Isaak beging haargenau die gleiche S\u00fcnde. Isaak beging einen weiteren folgenschweren Fehler: Er hatte zwei S\u00f6hne, von denen er einen liebte und den anderen tolerierte. Der geliebte Sohn wurde zu einem Draufg\u00e4nger, der geduldete Sohn hatte Zeit seines Lebens ein Liebesdefizit, das er durch Frauen, Familie und Reichtum zu f\u00fcllen versuchte. Jakob hatte seine eigenen S\u00fcnden. Er war nicht nur ein L\u00fcgner, er wurde zu einem richtigen Betr\u00fcger und genau wie sein Vater hatte Jakob auch seinen Lieblingssohn. Aber im Gegensatz zu Isaak machte er es so offensichtlich, dass seine anderen S\u00f6hne es so richtig unter die Nase gerieben bekamen. Kein Wunder, dass sie Josef hassten. Kein Wunder, dass Ruben den Respekt vor seinem Vater verloren hatte. Kein Wunder, dass Juda von zu Hause auszog, weil er keine Lust mehr hatte. Hinzu kam dann noch sehr viel Gewalt. Mit jeder Generation wurde es immer schlimmer. Wir haben hier einen Fall, dass eine ganze Familie eigentlich zum Therapeuten m\u00fcsste.<br \/>\nJosef gebraucht seine ganze Macht, sein Wissen, sein ganzes Geschick, seine ganze von Gott gegebene Weisheit, um diesen Zyklus aus L\u00fcgen und Gewalt zu durchbrechen. Josef bek\u00e4mpft den Fluch der Familie.<br \/>\nDie Anwendung f\u00fcr uns lautet nicht, dass wir das tun sollen, was Josef tat. In einem intellektuell sehr anspruchsvollen Film (Spiderman) hie\u00df es: \u201eMit gro\u00dfer Macht kommt gro\u00dfe Verantwortung.\u201c Wir tun uns mit der Verantwortung schwer. Die Realit\u00e4t dessen wird in der Fernsehserie Big Bang Theory gut beschrieben. Sheldon Cooper ist die gr\u00f6\u00dfte Nervens\u00e4ge und ernennt sich zum Pr\u00e4sidenten der Mietervereinigung im Geb\u00e4ude. Er gebraucht diese kleine Machtposition, um seine Nachbarn (die eigentlich seine besten Freunde sind), zu piesacken, ihnen Strafen aufzuerlegen und auch sonst auf die Nerven zu gehen. Sheldons Freundin Amy erkennt das Problem, aber sie tut sich schwer damit, sich gegen ihren Freund zu richten, bis die Situation unhaltbar wird. Sie sagt dann: \u201eEs tut mir leid, Sheldon. Mit minimaler Macht kommt minimale Verantwortung. Und du konntest nicht damit umgehen!\u201c Wir Menschen k\u00f6nnen nicht gut mit Macht umgehen. Und wenn wir Macht aus\u00fcben, sind sehr h\u00e4ufig Missbrauch und Manipulation die Folgen. Unsere Anwendung ist nicht, das zu tun, was Josef tat.<br \/>\nDie Anwendung ist folgende: Wenn wir Gott vertrauen, dann wird er die unvermeidlichen Leiden und Schmerzen, die wir in unserem Leben haben, genau auf die Art und Weise einsetzen, dass es in uns das Beste hervorbringt. In R\u00f6mer 5,3.4 hei\u00dft es: \u201eMehr noch, wir r\u00fchmen uns ebenso der Bedr\u00e4ngnisse; denn wir wissen: Bedr\u00e4ngnis bewirkt Geduld, Geduld aber Bew\u00e4hrung, Bew\u00e4hrung Hoffnung.\u201c<br \/>\nJesus vergibt uns alle unsere S\u00fcnden. Seine vergebende Liebe ist der erste Schritt. Danach folgt der lange Weg der Heiligung: mit Hitze und K\u00e4lte, mit Fortschritten und R\u00fcckschritten, mit Freude und mit Tr\u00e4nen. Und alles das zusammengenommen ist die umfassende, wunderbare Art und Weise, wie Gott uns rettet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext Heilung f\u00fcr Jakobs Familie \u201eAls Josef seine Br\u00fcder sah, erkannte er sie. Aber er gab sich ihnen nicht zu erkennen, sondern fuhr sie barsch an. Er fragte sie: Wo kommt ihr her? Aus Kanaan, um Brotgetreide zu kaufen, sagten sie.\u201c (1. 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