{"id":13345,"date":"2025-07-27T11:00:55","date_gmt":"2025-07-27T09:00:55","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13345"},"modified":"2025-12-02T19:12:08","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:08","slug":"predigt-1-mose-401-23","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-401-23\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 40,1-23"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Genesis-401-23-P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Genesis-401-23-P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_mose\/40\/\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Mit Gott im Gef\u00e4ngnis<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eSie antworteten ihm: Wir hatten einen Traum, aber es ist keiner da, der ihn auslegen kann. Josef sagte zu ihnen: Ist nicht das Tr\u00e4umedeuten Sache Gottes? Erz\u00e4hlt mir doch!\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Mose 40,8 [E\u00dc])<\/p>\n<p>Wir haben gesagt, dass die Genesis die Geschichte erz\u00e4hlt, wie wir Menschen unser wahres Zuhause verloren haben. Der Grund weshalb wir uns so f\u00fchlen wie wir uns f\u00fchlen, getrieben, ungl\u00fccklich, auf der Suche nach etwas, was uns wirklich erf\u00fcllen kann, liegt daran, dass wir Heimatlose sind; auf der Suche nach dem wahren Ort, zu dem wir geh\u00f6ren. Die gute Nachricht ist, dass Gott gekommen ist, das Verlorene zu suchen; den Weg nach Hause wiederherzustellen. Gott begann mit Abraham und seiner Familie. Wir sind jetzt mit Josef in der vierten Generation angekommen. Vergangene Woche haben wir geh\u00f6rt, dass Josef durch Entf\u00fchrung und Versklavung in \u00c4gypten gelandet war. Unser Text schlie\u00dft nahtlos daran an.<br \/>\nDer Text l\u00e4dt uns ein, \u00fcber drei Dinge nachzudenken: erstens, \u00fcber das Leiden; zweitens, \u00fcber die Gegenwart Gottes; drittens, was das f\u00fcr uns bedeutet.<\/p>\n<p><strong>1. \u00dcber das Leiden<\/strong><br \/>\nUnser Text beginnt damit, dass der Pharao, der Alleinherrscher \u00c4gyptens mit den Diensten von zwei seiner Diener unzufrieden war. Es war ein B\u00e4cker und ein Mundschenk. Weil die Jobs dieser Diener mit Essen und Trinken zu tun hat, k\u00f6nnten wir vielleicht denken, dass das relativ niedrige Bedienstete waren. Tats\u00e4chlich war das Gegenteil der Fall. Zu einer Zeit, in der man unliebsame Alleinherrscher gerne durch Vergiften beseitigt hat, waren Diener, die dem Pharao der Essen servierten, seine engsten Vertrauten. Nicht nur das, sie mussten gleichzeitig auch sehr f\u00e4hige Manager sein (um es mit R. Worten zu sagen: Sie mussten die ganze Lieferkette im Blick haben).<br \/>\nDer Pharao l\u00e4sst beide ins Gef\u00e4ngnis werfen. Vers 3 lautet: \u201eEr gab sie in Haft in das Haus des Obersten der Leibwache, in den Kerker, den Ort, wo Josef gefangen gehalten wurde.\u201c Sie wurden dort gefangen gehalten, wo sich auch Josef befand. Und damit w\u00e4ren wir bei Josef. Josef war im Gef\u00e4ngnis. Josef litt im Gef\u00e4ngnis. Nat\u00fcrlich litt er. Freiheitsentzug ist immer schlimm. Es braucht nicht viel historisches Wissen, um zu verstehen, dass Gef\u00e4ngnisse in der Bronzezeit um einiges schlimmer und brutaler waren, als irgendwelche Justizvollzugsanstalten in Deutschland. Die Texte der Genesis geben nicht unmittelbar Aufschluss dar\u00fcber, wie Josef sich gef\u00fchlt haben muss, aber wir finden sehr starke indirekte Hinweise.<br \/>\nIn den Versen 14 und 15 lesen wir: \u201eDoch denk an mich, wenn es dir gut geht! Erweise mir dann einen Liebesdienst: Erz\u00e4hl dem Pharao von mir und hol mich aus diesem Haus heraus! Denn entf\u00fchrt hat man mich aus dem Land der Hebr\u00e4er und auch hier habe ich nichts getan, dass man mich h\u00e4tte in die Grube werfen m\u00fcssen.\u201c Josef bittet hier den Mundschenken, dass dieser sich f\u00fcr Josef einsetzen soll. Diese beiden Verse zeigen uns, dass Josef kein Supermensch war. Die Gefangenschaft machte ihm zu schaffen. Das war nicht spurlos an ihm vorbeigegangen. Wir finden im n\u00e4chsten Kapitel noch direktere Hinweise. Genesis 41,51-42 berichtet dar\u00fcber, wie Josef zwei S\u00f6hne bekommt: \u201eJosef gab dem Erstgeborenen den Namen Manasse \u2013 der vergessen l\u00e4sst \u2013, denn er sagte: Gott hat mich all meine Sorge und mein ganzes Vaterhaus vergessen lassen. Dem zweiten Sohn gab er den Namen Efraim \u2013 der Fruchtbare \u2013, denn er sagte: Gott hat mich fruchtbar werden lassen im Lande meines Elends.\u201c Sorge w\u00fcrde man hier besser mit \u201ePlage\u201c oder \u201eM\u00fchsal\u201c \u00fcbersetzen. Und Josef erw\u00e4hnt \u201eElend\u201c. Noch einmal: Josef hatte in \u00c4gypten eine sehr elende Zeit.<br \/>\nEin paar Gedanken und Anwendungen dazu. Zum einen, Leiden sind unvermeidlich. Niemand von uns will das h\u00f6ren; die meisten wollen es nicht wahrhaben. Leiden und Schmerzen sind im menschlichen Leben nicht wegzudenken. Eigentlich gibt es nur zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder wir leiden wenig, weil wir viel zu fr\u00fch versterben, aber dann leiden andere Menschen, weil wir in einem viel zu jungen Alter sterben; oder aber, wir erreichen ein gewisses Altern und werden Leiden haben: Leiden k\u00f6rperlicher Art und Leiden seelischer Art. Leiden sind unvermeidlich, aber die meisten versuchen es gerne unter den Teppich zu kehren. Wir leben in einer Gesellschaft, in welcher man alles darangesetzt hat, Leiden und Unannehmlichkeiten so gering wie m\u00f6glich zu halten. Das ist an und f\u00fcr sich eine gute Sache, und wir sind dankbar daf\u00fcr. Gleichzeitig ist es einer der Gr\u00fcnde, weshalb sich in reichen westlichen L\u00e4ndern eine Erwartungshaltung eingeschlichen hat, dass Leiden unnat\u00fcrlich sind. F\u00fcr die Menschen damals war es die Norm, dass Dinge schief gehen und man darunter leidet; es war au\u00dfergew\u00f6hnlich, wenn das mal nicht der Fall war. F\u00fcr die Menschen heute ist es die Norm, dass es uns gut geht, (eigentlich viel zu gut geht!); wir empfinden es als sehr fremd, wenn das nicht der Fall ist.<br \/>\nIch kann mich daran erinnern, als unsere Kinder Babys waren und geimpft werden mussten. Interessant war, dass es beim Impfen h\u00e4ufig eine kleine Verz\u00f6gerung gab, zwischen dem Piksen der Nadel und dem Geschrei. Es ist, als ob die Babys zun\u00e4chst verarbeiten m\u00fcssen, dass jemand tats\u00e4chlich auf die Idee kommen w\u00fcrde, ihnen eine Nadel ins Bein zu stecken: \u201eIch kann nicht glauben, dass mir so etwas angetan wird!\u201c Vielleicht ist es bei vielen Menschen heute \u00e4hnlich. Wenn uns etwas Schlimmes passiert, ist ein gro\u00dfer Teil der Agonie der Schock, dass uns \u00fcberhaupt etwas B\u00f6ses passiert. Es ist kein angenehmer Gedanke, aber h\u00e4ufig sind wir nicht gut auf Leiden vorbereitet.<br \/>\nEin weiterer Gedanke, viele Menschen leiden unverschuldet. Wenn Sch\u00fcler zum Nachsitzen verdonnert werden, weil sie trotz wiederholter Warnung den Unterricht sabotieren, dann ist das Leid f\u00fcr die Sch\u00fcler, aber sehr verdientes Leid. Wenn man sturzbetrunken Fahrrad f\u00e4hrt und einen Unfall hat, ist das Leid; und ebenfalls verdientes Leid. Aber nicht alles Leid ist so trivial. Wie war es bei Josef? In Vers 15b sagt er: \u201eund auch hier habe ich nichts getan, dass man mich h\u00e4tte in die Grube werfen m\u00fcssen.\u201c Josef verstand, dass es bei den \u00c4gyptern ein Rechtssystem gab, das die Menschen vor zu gro\u00dfer Willk\u00fcr sch\u00fctzen sollte. Er hatte nichts verbrochen, das gerechtfertigt h\u00e4tte, dass er ins Gef\u00e4ngnis geworfen wird, obwohl er ein einfacher Sklave war. Mit anderen Worten, Josef sa\u00df unschuldig im Gef\u00e4ngnis.<br \/>\nUnd das ist die Geschichte von unz\u00e4hligen Menschen. In sehr vielen F\u00e4llen ist das Leid, das man erduldet nicht selbst verschuldet. Bei Josef war es ganz klar die Schuld der anderen, die seiner Br\u00fcder und die Schuld von Potifars Frau. In anderen F\u00e4llen ist es praktisch unm\u00f6glich einen Schuldigen zu benennen. Jesus lehrte seine J\u00fcnger einmal, dass weder der Blindgeborene noch seine Eltern an seiner Behinderung schuld waren (Joh 9,2). Der Theologe David Hart schrieb ein Buch mit dem Titel \u201eDie Tore der See\u201c. Er schrieb das Buch anl\u00e4sslich des schrecklichen Tsunamis, das sich 2004 im indischen Ozean ereignet hatte und das fast 230.000 Menschenleben gekostet hatte. Das Leid derer, die \u00fcberlebt hatten und Angeh\u00f6rige und ihr ganzes Hab und Gut verloren hatten, ist unvorstellbar. Das Leid ist nicht selbst verschuldet.<br \/>\nNoch ein Gedanke, Leiden ziehen sich oft \u00fcber eine lange Zeit. Josef kam als 17-j\u00e4hriger Junge nach \u00c4gypten. Wir wissen nicht, wie lange er Sklave war, bevor er ins Gef\u00e4ngnis kam. Was wir wissen ist, dass es nach der Befreiung des Weinexperten noch einmal 2 Jahre dauerte, bis Josef aus dem Gef\u00e4ngnis kam. Und was wir ebenfalls wissen, ist, dass Josef 30 Jahre alt war, als er zum Regent von \u00c4gypten bef\u00f6rdert wurde. Vor einigen Jahren gab es einen brutalen Film \u00fcber die Sklaverei in Amerika, basierend auf einer wahren Begebenheit. Der Film hie\u00df \u201e12 years a slave\u201c. Josef war 13 Jahre Sklave und Gefangener, ein Jahr l\u00e4nger als 12 Jahre. Das ist eine sehr, sehr lange Zeit.<br \/>\nAls ich damals in den USA zum ersten Mal Papa wurde, hatte ich einen Kollegen, der bereits drei Kinder hatte. Er gab mir ein paar richtig gute Ratschl\u00e4ge f\u00fcr die Kinder mit. Einer dieser Tipps war: Bei Kindern ist das meiste einfach eine Phase. Er erz\u00e4hlte mir, dass eins von seinen Kindern richtige Schreikr\u00e4mpfe bekam, sobald es ins Auto einsteigen musste. Ein paar Male war es so schlimm, dass er dachte, dass ihm die Kraft fehlt, das noch l\u00e4nger auszuhalten. Nach ein paar Tagen und Wochen war es vorbei. Es war nur eine Phase. Ich w\u00fcnschte, dass wir ebenfalls sagen k\u00f6nnten, dass unser Leiden nur eine Phase ist. In gewisser Weise ist es das. Aber diese Phase kann sich oft ganz sch\u00f6n lange hinziehen. In manchen F\u00e4llen \u00fcber Jahre hinweg oder sogar Jahrzehnte.<br \/>\nWie finden wir dann inmitten von schweren Zeiten Trost und Hoffnung?<\/p>\n<p><strong>2. \u00dcber die Gegenwart Gottes<\/strong><br \/>\nViermal hatte Kapitel 39 berichtet, dass Gott mit Josef war. Genesis 39,2: \u201eDer HERR war mit Josef und so gl\u00fcckte ihm alles. Er blieb im Haus seines \u00e4gyptischen Herrn.\u201c Vers 3: \u201eSein Herr sah, dass der HERR mit Josef war und dass der HERR alles, was er unternahm, durch seine Hand gelingen lie\u00df.\u201c Vers 21: \u201eAber der HERR war mit Josef. Er wandte ihm das Wohlwollen und die Gunst des Kerkermeisters zu.\u201c Vers 23: \u201eDer Kerkermeister sorgte sich um nichts mehr, was Josef in seine Hand nahm, denn der HERR war mit ihm.\u201c Und mehrfach sagt der Text, dass Gottes Gegenwart in Josefs Leben sich darin \u00e4u\u00dferte, dass er Josef segnete; dass alles, was Josef in die Hand nahm, praktisch zu Gold wurde, weil Gott es ihm gelingen lie\u00df.<br \/>\nGott war mit Josef im Gef\u00e4ngnis. Wie \u00e4u\u00dferte sich das im Gef\u00e4ngnis? Wir sehen das an mindestens zwei Aspekten. Zum einen, wenn Gott da ist, dann passieren \u00fcbernat\u00fcrliche Dinge. B\u00e4cker und Weinschenk waren einige Zeit im Gef\u00e4ngnis, als sie beide in derselben Nacht einen Traum hatten. Beide hatten erkannt, dass es ein besonderer Traum war mit einer Bedeutung. Robert Alter verwendet hier sogar das Wort \u201eL\u00f6sung\u201c f\u00fcr Bedeutung. Vielleicht kann man sich das wie das L\u00f6sungswort von einem Kreuzwortr\u00e4tsel vorstellen. Ihr Traum hatte jeweils eine konkrete L\u00f6sung, wenn man nur in der Lage w\u00e4re, den Traum auf die eine richtige Weise zu deuten.<br \/>\nJosef sah, dass es den beiden M\u00e4nnern an diesem Morgen nicht besonders gut ging. Vers 8: \u201eSie antworteten ihm: Wir hatten einen Traum, aber es ist keiner da, der ihn auslegen kann. Josef sagte zu ihnen: Ist nicht das Tr\u00e4umedeuten Sache Gottes? Erz\u00e4hlt mir doch!\u201c Im Alten \u00c4gypten war das Deuten von Tr\u00e4umen eine richtige Wissenschaft. Es gibt anscheinend \u00dcberlieferungen mit Anleitungen und Techniken dazu. Aber Josef sagt, dass es am Ende des Tages nur eine Autorit\u00e4t gibt, der Gott, der alle Dinge wei\u00df und der alle F\u00e4den der Geschichte h\u00e4lt. Die Tatsache, dass Josef die beiden Tr\u00e4ume richtig auslegt, ist ein Wunder. Es ist kein spektakul\u00e4res Wunder, kein Engel, der Ketten sprengt, Erdbeben schickt und T\u00fcren auftut. Und trotz alledem geschieht hier etwas \u00dcbernat\u00fcrliches. Wenn Gott mit uns ist, d\u00fcrfen wir erwarten, dass Wunder passieren: kleine Wunder und gro\u00dfe Wunder. Gott tut \u00dcbernat\u00fcrliches.<br \/>\nZum anderen, wenn Gott da ist, f\u00fcgen sich alle Details auf solche Weise, dass sein guter Wille sich erf\u00fcllt. Josef sah zwei hochrangige Gefangene mit omin\u00f6sen Tr\u00e4umen. Drei Tage sp\u00e4ter waren die Gefangenen wieder weg, und Josef war zur\u00fcck in seinem Gef\u00e4ngnisalltag. Die Hoffnung, dass der Mundschenk sich f\u00fcr Josef einsetzte, m\u00fcssen sich nach Wochen und Monaten des Wartens zerschlagen haben. Und gleichzeitig war Gott dabei, hinter den Kulissen zu arbeiten und zu orchestrieren. Gott war dabei, alles vorzubereiten, um Josef an die Stelle zu setzen, die er geplant hatte: als zweitm\u00e4chtigster Mann der Welt hinter dem Pharao. Gott war dabei, die Rettung von allen Menschen in der Region vorzubereiten, vor der bitteren Hungersnot. Und vor allem war Gott dabei, die Rettung von Jakobs Familie vorzubereiten.<br \/>\nDas Problem ist nat\u00fcrlich, dass wir nichts davon sehen k\u00f6nnen, wenn wir leiden. Alles, was sich hinter unserem Schmerz abspielt, ist uns grunds\u00e4tzlich verborgen. Wenn wir in echte Krisen und N\u00f6te geraten, ist die schwierigste Frage immer die nach dem \u201ewarum\u201c: Warum passiert mir das? Was ist der Sinn des Ganzen? Welchen guten Zweck k\u00f6nnte das haben? Die Frage nach dem warum, ist die, die in den allermeisten F\u00e4llen unbeantwortet bleibt. Wir sehen das auch im Buch Hiob. Hiob ist eines der wichtigsten Werke in der Literatur \u00fcber das Leiden, nicht nur innerhalb der Bibel sondern \u00fcberhaupt. Hiob klagte: \u201eIch sage zu Gott: Sprich mich nicht schuldig, \/ lass mich wissen, warum du mich befehdest!\u201c Wieder ist hier die Frage nach dem Warum. Das Interessante ist, dass diese eine Frage von Hiob bis zum Schluss unbeantwortet bleibt. Stattdessen antwortet Gott ihm, indem er ihm mehr als 60 Fragen stellt, auf die Hiob ebenfalls keine Antworten hat.<br \/>\nUnd trotzdem ist Gott da. Gott war mit Hiob. Gott war mit Josef. Und seine Gegenwart \u00e4u\u00dferte sich darin, dass alle Details sich auf solche Weise gef\u00fcgt haben, dass am Ende Gottes guter Wille geschieht.<\/p>\n<p><strong>3. Was das f\u00fcr uns bedeutet<\/strong><br \/>\nWenn wir alte Menschen beobachten, dann fallen uns vielleicht zwei sehr gegens\u00e4tzliche Eigenschaften auf. Auf der einen Seite gibt es so etwas wie Altersmilde. Viele \u00e4ltere Menschen werden entspannter, ruhiger und freundlicher. In einer Schweizer Studie haben die Autoren das als \u201eSenior Coolness\u201c bezeichnet. Auf der anderen Seite finden wir auch das andere Extrem: \u00e4ltere Menschen, die sehr bitter, unzufrieden, verzweifelt und entt\u00e4uscht sind. Man k\u00f6nnte meinen, dass das mit dem zusammenh\u00e4ngt, was sie erlebt haben: die Summe der positiven und negativen Erfahrungen, gl\u00fcckliche und ungl\u00fcckliche Beziehungen, gute und schlechte Zeiten. Gute Erlebnisse f\u00fchren zu einem angenehmen Charakter, schlechte Erlebnisse zu einem grantigen Charakter. Nichts k\u00f6nnte weiter von der Wahrheit entfernt sein.<br \/>\nWenn wir Menschen bittere Erfahrungen machen, macht das etwas mit uns. Wir ver\u00e4ndern uns. Wir werden entweder bitter und mit Groll erf\u00fcllt. Oder praktisch das Gegenteil geschieht in uns: wir werden geduldiger, freundlicher, liebevoller. Wir hatten gesehen, wie Josef sich als 17-j\u00e4hriger Teenager verhalten hatte. Er war denkbarst naiv aber auch arrogant und ein verh\u00e4tschelter Bengel. Die 13 Jahre Sklaverei und im Gef\u00e4ngnis ver\u00e4nderten ihn. Als Josef vor den Pharao tritt oder sp\u00e4ter seinen Br\u00fcdern begegnet, sehen wir eine unglaubliche Weisheit. Er hat tiefe Menschenkenntnis. Charakterlich ist er sehr reif, sehr geduldig, sehr g\u00fctig. Er ist ein Mensch, der ein gesundes Verh\u00e4ltnis zu seinen Emotionen hat: Auf der einen Seite ist er sich seiner Gef\u00fchle immer bewusst und tr\u00e4gt sein Herz auf der Zunge; auf der anderen Seite l\u00e4sst er sich von seinen Gef\u00fchlen nicht hin- und hertreiben oder beherrschen. Mit anderen Worten, Josef ist zu einem wirklich reifen Menschen geworden, der uns alle ein Vorbild ist.<br \/>\nFrage: Wie k\u00f6nnen wir dann zu Menschen werden, die angesichts von schwierigen und harten Erfahrungen, nicht verbittern, sondern zu Menschen heranreifen, die Gott gebrauchen kann? Wie kann Leid in uns Gutes bewirken, anstatt uns zu zerst\u00f6ren? Die Antwort ist: Nur wenn wir uns darauf einlassen, dass Gott mit uns ist; dass Gott mit uns ist, wenn es uns gut geht geht und dass er mit uns ist, wenn es uns richtig dreckig geht; wenn wir verstehen, dass Gott mit uns ist, wenn wir in Freiheit unseren Tr\u00e4umen nachgehen und dass Gott mit uns ist, wenn wir im Gef\u00e4ngnis unsere Tr\u00e4ume beerdigen.<br \/>\nWoher wissen wir, dass Gott mit uns ist, so wie Gott mit Josef war? Woher wissen wir das nicht nur intellektuell, sondern auch mit unserem Herzen? Wie kann Gottes Gegenwart bei uns nicht einfach nur Kopfwissen sein, sondern zu echtem Trost und Zuversicht f\u00fchren? Wie kann Gottes Gegenwart uns ver\u00e4ndern wie Josef? Wir m\u00fcssen verstehen, dass uns noch einmal ganz andere Ressourcen zur Verf\u00fcgung stehen.<br \/>\nJeden Sonntag stehen wir gemeinsam auf und bekennen unseren Glauben durch das Apostolische Glaubensbekenntnis. Vielleicht gibt es Sonntage, an welchen wir es etwas gedankenlos und etwas mechanisch vor uns her lesen. Aber was da drinsteht, ist wirklich erstaunlich. Unter anderem hei\u00dft es da, dass Jesus unter Pontius Pilatus gelitten hat. Jesus litt. Jesus hatte Schmerzen. Jesus wurde gekreuzigt, Jesus starb und Jesus wurde begraben. Und dann kommt dieser seltsame Satz, der uns von den fr\u00fchen Christen \u00fcberliefert ist und der deshalb Teil des Bekenntnisses geworden ist: \u201eHinabgestiegen ist das Reich der Toten.\u201c Jesus war im Reich der Toten. Epiphanius, ein Kirchenvater aus Zypern hatte in einer Predigt dazu gesagt: \u201eEtwas Seltsames geschieht \u2013 heute herrscht gro\u00dfe Stille auf der Erde, gro\u00dfe Stille und Ruhe. Die ganze Erde schweigt, weil der K\u00f6nig schl\u00e4ft. Die Erde bebte und ist still, weil Gott im Fleisch eingeschlafen ist und alle auferweckt hat, die seit Anbeginn der Welt geschlafen haben. Gott ist im Fleisch gestorben, und die H\u00f6lle zittert vor Angst.\u201c<br \/>\nJesus ist f\u00fcr uns gestorben und in das Reich der Toten hinabgestiegen. Was ist die Konsequenz? John Ortberg sagte: \u201eEs gibt keine H\u00f6lle, von der du jemals geh\u00f6rt hast, es gibt keine H\u00f6lle, die du jemals gekannt hast, keine H\u00f6lle, die du jemals sehen oder von jemand anderem h\u00f6ren wirst, die wirklich von Gott verlassen ist. Jesus Christus besiegt unseren gro\u00dfen Feind, den Tod, nicht indem er seine Unbesiegbarkeit \u00fcber ihn verk\u00fcndet, sondern indem er sich ihm unterwirft. Wenn du diesen Jesus in einem Grab finden kannst, wenn du ihn im Tod finden kannst, wenn du ihn in der H\u00f6lle finden kannst, wo kannst du ihn dann nicht finden? Wo wird er nicht auftauchen?\u201c<br \/>\nOrtberg erz\u00e4hlte davon, wie er mit seiner Familie auf Reisen war. Die Kinder waren ganz aufgeregt, weil das Hotel einen Swimmingpool hatte. Das ist aber nat\u00fcrlich nicht ungef\u00e4hrlich. Er versuchte seinen Kindern einzutrichtern, dass sich beim Spielen wirklich aufpassen mussten, nicht in das Becken zu fallen. Er sagte ihnen immer wieder: \u201eWenn ihr in den Pool fallt, dann ertrinkt ihr.\u201c Es kam wie es kommen musste: Seine vierj\u00e4hrige Tochter fiel versehentlich in den Pool. Aber er war sofort zur Stelle und holte sein Kind aus dem Wasser. Seine Tochter war aber trotzdem geschockt und in Tr\u00e4nen aufgel\u00f6st. Sie weinte und sagte: \u201ePapa, ich bin ertrunken. Ich bin ertrunken.\u201c Er antwortete: \u201eNein, mein Schatz. Du bist nicht ertrunken. Papa hat gesehen, wie du ins Wasser gefallen bist und hat dich sofort herausgeholt. Das war jetzt \u00fcberhaupt nicht schlimm. \u2026 Also lass uns Mama nichts davon erz\u00e4hlen.\u201c<br \/>\nJesus ist f\u00fcr uns gestorben. Weil Jesus f\u00fcr uns gestorben ist, weil Jesus in das Reich der Toten hinabgestiegen ist, gibt es f\u00fcr uns kein \u201eErtrinken\u201c: die allm\u00e4chtigen, unendlich starken Arme von unserem himmlischen Vater sind da, um uns in jeder Not zu retten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext Mit Gott im Gef\u00e4ngnis \u201eSie antworteten ihm: Wir hatten einen Traum, aber es ist keiner da, der ihn auslegen kann. Josef sagte zu ihnen: Ist nicht das Tr\u00e4umedeuten Sache Gottes? Erz\u00e4hlt mir doch!\u201c (1. 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