{"id":13308,"date":"2025-06-29T11:00:22","date_gmt":"2025-06-29T09:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13308"},"modified":"2025-12-02T19:12:09","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:09","slug":"predigt-1-mose-341-3643","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-341-3643\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 34,1&#8211;36,43"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Genesis-341-3643-P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Genesis-341-3643-P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_mose\/34\/\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Zur\u00fcck nach Bethel<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eGott sprach zu Jakob: Steh auf, zieh nach Bethel hinauf und lass dich dort nieder! Errichte dort einen Altar dem Gott, der dir auf der Flucht vor deinem Bruder Esau erschienen ist!\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Mose 35,1 [E\u00dc])<\/p>\n<p>Die Bibel sagt, dass wir Menschen wegen unserer S\u00fcnde unser wahres Zuhause verloren haben. Und das Buch Genesis erz\u00e4hlt die Geschichte, wie Gott mit den Glaubensv\u00e4tern Abraham, Isaak und Jakob anf\u00e4ngt, den Weg nach Hause wiederherzustellen. D.h., von den V\u00e4tern des Glaubens lernen wir, wie Gott einen jeden einzelnen von uns nach Hause bringen will. Uns f\u00e4llt dabei auf, dass die drei Personen Abraham, Isaak und Jakob nicht unterschiedlicher sein k\u00f6nnten.<br \/>\nDer heutige Text bildet den Abschluss der Erz\u00e4hlung von Jakob. Keine Sorge, Jakob wird uns im weiteren Verlauf der Genesis begegnen, aber im Fokus stehen dann seine S\u00f6hne, allen voran Josef. Bevor wir die Geschichte von Jakob abschlie\u00dfen, gibt es einige wirklich wichtige Lehren aus seinem Leben. Der Text konfrontiert uns mit drei Ereignissen: erstens, der Ruf Gottes; zweitens, die Reaktion Jakobs; drittens, die Realit\u00e4t des Lebens.<\/p>\n<p><strong>1. Der Ruf Gottes<\/strong><br \/>\nIn Vers 1 spricht Gott zu Jakob: \u201eSteh auf, zieh nach Bethel hinauf und lass dich dort nieder! Errichte dort einen Altar dem Gott, der dir auf der Flucht vor deinem Bruder Esau erschienen ist!\u201c (35,1) Wir finden hier den Ruf Gottes. Gott fordert Jakob dazu auf, nach Bethel zu ziehen und sich dort niederzulassen. Bethel sollte Jakobs irdisches Zuhause werden, weil das der Ort war, an dem Gott ihm zum ersten Mal begegnet war, als Jakobs sich auf der Flucht vor Esau befand. Bevor wir genauer auf den Ruf Gottes eingehen, gibt es drei Dinge, die wir verstehen m\u00fcssen.<br \/>\nZum einen, der Ruf Gottes kam, als Jakob Gott gegen\u00fcber ungehorsam war. Woher wissen wir das? Als Jakob noch bei Laban war und er irgendwann erfolgreicher und reicher als sein Onkel wurde, kam irgendwann der Wendepunkt. Laban und seine S\u00f6hne waren ihm nicht mehr wohl gesonnen. Und irgendwann war Jakob dort mehr geduldet als wirklich willkommen. In diesem Moment spricht Gott mit Jakob: \u201eKehr zur\u00fcck in das Land deiner V\u00e4ter und zu deiner Verwandtschaft! Ich werde mit dir sein.\u201c (31,3) Es war Zeit f\u00fcr Jakob, nach Hause zu gehen. Es war eine lange, anstrengende und gef\u00e4hrliche Reise. Mit einer riesigen Familie, einer gro\u00dfen Herde und dem ganzen Reichtum, war es noch riskanter. Aber Gott gab ihm das Versprechen, dass er ihn begleiten w\u00fcrde. Es war ein wunderbares Wort und eine wunderbare Verhei\u00dfung.<br \/>\nLetzte Woche hatten wir dann geh\u00f6rt, wie Jakob seinem Bruder begegnet war. Diese Krise war jetzt auch erfolgreich \u00fcberwunden. Und dann lesen wir in Kapitel 33,18-20 [E\u00dc]: \u201eJakob gelangte, als er aus Paddan-Aram kam, wohlbehalten bis zur Stadt Sichem in Kanaan und schlug vor der Stadt sein Lager auf. Das Grundst\u00fcck, auf dem er sein Zelt aufspannte, erwarb er von den S\u00f6hnen Hamors, des Vaters von Sichem, f\u00fcr hundert Kesita. Dort errichtete er einen Altar und nannte ihn: El, Gott Israels.\u201c Jakob war in Sichem angekommen. So weit so gut. Aber dann schlug er dort sein Lager auf. Nicht nur das, er kaufte sich f\u00fcr 100 Goldst\u00fccke ein St\u00fcck Land. Und das zeigt, dass Jakob dachte, dass er am Ziel seines Lebens angekommen war. Er baute dort sogar einen Altar, um das ganze religi\u00f6s zu rechtfertigen. Das Problem war nur, dass das nicht das Ziel war, zu dem Gott ihn berufen hatte.<br \/>\nDerek Kidner kommentiert: \u201eSichem bot Jakob die Verlockungen eines Kompromisses. Seine Berufung galt Bethel, aber Sichem, etwa einen Tagesmarsch davon entfernt, lag attraktiv an einer Handelswegkreuzung. Er war dazu berufen, ein Fremder und Pilger zu sein, aber w\u00e4hrend er dort sein eigenes St\u00fcck Land kaufte, konnte er argumentieren, dass es innerhalb seiner versprochenen Grenzen lag. Es war dennoch Ungehorsam, und seine fromme Tat, einen Altar zu errichten und seinen neuen Namen Israel anzunehmen, konnte diese Tatsache nicht verschleiern.\u201c Gottes Ruf kam also zu einem Zeitpunkt, als Jakob Gott gegen\u00fcber ungehorsam war.<br \/>\nDie beiden folgenden Punkte sind Konsequenzen dessen. Jakobs Familie erlitt einen Schicksalsschlag. In Kapitel 34 ist von Jakobs Tochter Dina die Rede. Dina kommt auf die unglaublich schlechte Idee, sich ohne Begleitung die Stadt anzuschauen, einfach weil sie wissen wollte, wo andere M\u00e4dchen shoppen gehen, welche Handtaschen gerade in sind und um vielleicht noch einen Cocktail zu trinken. In der New York Times gab es vor ein paar Jahren einen Artikel mit dem Titel \u201eAbenteuerlustig. Allein. Angegriffen.\u201c Er handelt davon, wie Frauen auf Reisen Gewalt erfahren. Es gibt heute noch viele Gegenden, in welche Frauen wegen hoher Kriminalit\u00e4t besser nicht alleine verreisen sollten. Nat\u00fcrlich war das damals schlimmer. Dina trifft auf einen jungen Mann, der \u00fcbergriffig ist und sie vergewaltigt. Ich kann mir nicht ausmalen, wie erniedrigend und wie traumatisierend es f\u00fcr eine Person sein muss, sexuelle Gewalt zu erfahren. Opfer von Vergewaltigungen leiden h\u00e4ufig jahrelang, wenn nicht ihr ganzes Leben lang darunter. Dina war hier das Opfer.<br \/>\nUnd gleichzeitig ist es auch furchtbar f\u00fcr die Menschen, die ihr nahestehen. Der christliche Autor Francis Collins hat eine Tochter, die das Opfer einer Vergewaltigung wurde. Nat\u00fcrlich ist das, was seiner Tochter angetan wurde, weit schlimmer als alles, was er erfahren hatte. Aber aus seiner Erz\u00e4hlung h\u00f6rt man auch den Schmerz heraus, den er als Vater hatte. Es muss auch f\u00fcr Jakob, f\u00fcr die Br\u00fcder und die ganze Familie eine schlimme Erfahrung gewesen sein.<br \/>\nSo weit so schlimm. Die leiblichen Br\u00fcder von Dina reagieren etwas \u00fcber und nehmen Rache an der ganzen Stadt. Sie \u00fcberreden Hamor und Sichem die Stadt davon zu \u00fcberzeugen, dass sich alle beschneiden lassen. Anschlie\u00dfend nutzen Simeon und Levi dieses Handicap aus, um alle M\u00e4nner mit dem Schwert umzubringen. Ihre Br\u00fcder ziehen ihnen hinterher und pl\u00fcndern die ganze Stadt, einschlie\u00dflich der Tiere und einschlie\u00dflich Frauen und Kinder, die danach versklavt wurden.<br \/>\nGenesis 34 ist eine ganz h\u00e4ssliche Geschichte, in der alle Beteiligten ohne Ausnahme eine richtig schlechte Figur abgeben. Dina war naiv. Sichem ist ein Sexualstraft\u00e4ter und ein Kidnapper. Sein Vater Hamor war gleichg\u00fcltig und mitschuldig, weil er seinen Sohn deckte, anstatt ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Die Bewohner von Sichem waren leichtgl\u00e4ubig, als es um eine M\u00f6glichkeit ging, sich potentiell an Jakobs Familie zu bereichern. Simeon und Levi waren hinterh\u00e4ltig und \u00fcbertrieben aggressiv und gewaltt\u00e4tig. Die anderen Br\u00fcder und Halbbr\u00fcder von Dina waren Opportunisten und Aasgeier. Jakob, der im Mittelpunkt des Geschehen stand, war passiv; unf\u00e4hig angemessen auf die Situation zu reagieren; ein Vakuum f\u00fcr Leiterschaft.<br \/>\nAls drittes, Gott hatte Jakob zu einem Zeitpunkt gerufen, als Jakob um sein Leben Furcht hatte. Er beklagte sich bei Simeon und Levi: \u201eIhr st\u00fcrzt mich ins Ungl\u00fcck. Ihr habt mich in Verruf gebracht bei den Bewohnern des Landes, den Kanaanitern und Perisitern. Ich habe nur wenige M\u00e4nner. Jene werden sich gegen mich zusammentun und mich schlagen. Dann werden wir \u2013 ich und mein Haus \u2013 ausgerottet werden.\u201c (34,33) Jakob hatte nicht Unrecht. Er war der Einwanderer, er war der Ausl\u00e4nder, er war der Fremdling. Die Gefahr, dass sich die Einwohner des Landes gegen ihn und seine etwas zu gewaltbereiten S\u00f6hne verb\u00fcndeten, war real.<br \/>\nDas war die Lage, in der sich Jakob befand, als Gott ihn rief: er befand sich nicht in einer guten Beziehung mit Gott; die ganze Familie hatte Leid und Dem\u00fctigung erfahren, vor allem Dina; er hatte Angst um sein Leben, weil seine S\u00f6hne eine ganze Siedlung niedergemacht und gepl\u00fcndert hatten. Mit anderen Worten, Gott rief Jakob, als er praktisch mal wieder am Ende war: in einer ausweglosen Sackgasse, am Ende seines Lateins. Gott rief Jakob, als er eigentlich nichts mit Gott zu haben wollte. Und in dieser Situation forderte Gott ihn dazu auf: \u201eSteh auf, zieh nach Bethel hinauf und lass dich dort nieder!\u201c (35,1) Bethel bedeutet \u201eHaus Gottes\u201c. Es ist geradezu eine symbolische Aufforderung: \u201eSteh auf, zieh zum Haus Gottes und lass dich dort nieder!\u201c<br \/>\nEine Anwendung, bevor wir fortfahren. Gott ruft uns nach Bethel, das Haus Gottes. Ich denke, dass die Anwendung angebracht ist, zu sagen, dass dieser Ruf jedem einzelnen hier gilt: \u201eSteh auf, zieh zum Haus Gottes und lass dich dort nieder.\u201c Und vielleicht h\u00f6rt der ein oder andere diesen Ruf zu einem Zeitpunkt, an dem es dir so \u00e4hnlich geht wie Jakob. Das ist das Tr\u00f6stliche an Jakobs Geschichte. Er ist kein Superheld oder \u00dcbermensch. \u00dcber seinem Haupt leuchtet kein Heiligenschein. Jakob war ein sturer Mensch mit vielen Fehlern und Macken. Er war so wie du und ich.<br \/>\nVielleicht bist du der Ansicht, dass deine Beziehung zu Gott im Moment nicht gerade \u201egn\u00e4dig\u201c ist. Vielleicht hast du schmerzhafte Erlebnisse in deinem Leben, was immer das auch sein mag; und vielleicht hast du die Entt\u00e4uschung und den Schmerz noch gar nicht fertig aufgearbeitet. Vielleicht denkst du, dass deine Lage ebenfalls aussichtslos und festgefahren ist; und vielleicht denkst du, dass sich erst einmal deine Gesamtsituation radikal \u00e4ndern m\u00fcsste, bevor du auch nur anfangen kannst, an Gottes Ruf zu denken. Wenn Gott dich ruft, gibt es keinen besseren Zeitpunkt.<\/p>\n<p><strong>2. Die Reaktion Jakobs<\/strong><br \/>\nWir sehen Jakobs Reaktion auf Gottes Ruf in den folgenden Versen. Es beginnt damit, dass er eine Familiensitzung einberuft. Er fordert alle auf: \u201eEntfernt die fremden G\u00f6tter aus eurer Mitte, reinigt euch und wechselt eure Kleider! Wir wollen uns aufmachen und nach Bethel hinaufziehen. Dort will ich einen Altar f\u00fcr den Gott errichten, der mich am Tag meiner Bedr\u00e4ngnis erh\u00f6rt hat und der auf dem Weg, den ich gegangen bin, mit mir war.\u201c (35,2.3)<br \/>\nJakobs Reaktion ist sehr entschieden und eine echte 180\u00b0-Wende. Das Erste, was Jakob verlangt, ist das Entfernen von fremden G\u00f6ttern. Wir k\u00f6nnten uns an dieser Stelle fragen: \u201eJakob war doch in einer gl\u00e4ubigen Familie aufgewachsen. Vielleicht hatte sich der ein oder andere G\u00f6tze in die Familie hineinverirrt, aber das sollte doch beim besten Willen nicht viel sein.\u201c In Vers 4 lesen wir, dass die Angeh\u00f6rigen seiner Familie Jakob alle fremden G\u00f6tter \u00fcbergaben; das deutet darauf hin, dass es einige G\u00f6tzen waren. Vers 4 erw\u00e4hnt auch Ohrringe. Robert Alter erw\u00e4hnt an dieser Stelle: \u201eWie arch\u00e4ologische Funde reichlich belegen, wurden Ohrringe oft in Form von Figuren von G\u00f6ttern und G\u00f6ttinnen gestaltet.\u201c Selbst die Ohrringe waren G\u00f6tzen. D.h., die G\u00f6tzen waren ganz nah an ihnen dran; sie waren sprichw\u00f6rtlich an ihrem K\u00f6rper.<br \/>\nDiese Tatsache sollte uns wirklich zu denken geben. Wir k\u00f6nnten denken, dass wir mit G\u00f6tzen praktisch nichts zu tun haben. Niemand von uns hat zu Hause eine Statue oder ein Bildnis aus Edelmetall, vor dem wir niederfallen w\u00fcrden, um es anzubeten. Und doch schreibt Tremper Longman: \u201eWir m\u00fcssen nicht unsere Kaminsimse von G\u00f6tzenbildern befreien und sie ins Feuer werfen. Aber um ehrlich zu sein, jeder k\u00e4mpft mit seinen G\u00f6tzen, auch wenn unsere G\u00f6tzen nicht aus Holz oder Edelmetallen bestehen. Schlie\u00dflich ist ein G\u00f6tze alles oder jeder, der den wahren Gott in unseren Herzen und Gedanken verdr\u00e4ngt. Was auch immer wir f\u00fcr das Wichtigste und Liebste halten und was auch immer unseren Geist und unsere Energie mehr als alles andere besch\u00e4ftigt, ist unser Gott. Unser G\u00f6tze kann unsere Ehe, unsere Kinder oder unsere Freunde sein. Unser G\u00f6tze kann die Gemeinde sein. Mit anderen Worten: Selbst sehr gute Dinge k\u00f6nnen zu einem G\u00f6tzen werden, wenn sie f\u00fcr uns wichtiger sind als Gott.\u201c<br \/>\nDas zeigt, wie nahe uns die G\u00f6tzen sind, genau so wie Ohringe an unserem Kopf. Das erste, was Jakobs Familie also tun sollte, war die G\u00f6tzen abzulegen. Und vermutlich ist es das erste, was wir vor Gott tun m\u00fcssen: das Eingest\u00e4ndnis, dass unsere Herzen regelrecht G\u00f6tzenfabriken sind; und dass wir Gottes Hilfe und Eingriff brauchen, das vor Gottes Thron niederzulegen.<br \/>\nJakob verlangt auch, dass sie sich reinigen und ihre Kleider wechseln. F\u00fcr uns ist es relativ normal, t\u00e4glich die Kleider zu wechseln. Gerade jetzt im Sommer, wenn man so viel schwitzt, macht das ja sehr viel Sinn. Aber damals hat man nicht einfach seine Kleider gewechselt. Kleidung war unglaublich teuer und sehr wertvoll. Und so viele verschiedene Kleider hatte man vermutlich nicht. Die Kleidung zu wechseln war daher ein sehr starkes Bild daf\u00fcr, einen echten Neuanfang zu machen.<br \/>\nSchlie\u00dflich machte sich Jakob mit seiner ganzen Familie auf den Weg. Wir lesen in den Versen 6 und 7: \u201eJakob kam nach Lus, das im Land Kanaan liegt und jetzt Bet-El hei\u00dft, er und alles Volk, das bei ihm war. Er baute dort einen Altar und nannte die St\u00e4tte Gott von Bet-El; denn auf der Flucht vor seinem Bruder hatte Gott sich ihm dort offenbart.\u201c Hier schlie\u00dft sich ein ganz wichtiger Kreis im Leben von Jakob und in seiner Geschichte. Vor Jahrzehnten war Gott ihm an dieser Stelle begegnet. Gott hatte ihm versprochen, dass er ihn wieder sicher nach Hause bringen w\u00fcrde. Dieses Versprechen hatte Gott an dieser Stelle absolut erf\u00fcllt. Nicht ein einziges Detail von den Verhei\u00dfungen Gottes hatte er unterschlagen. Gott ist wirklich treu.<\/p>\n<p><strong>3. Die Realit\u00e4t des Lebens<\/strong><br \/>\nIn Vers 8 lesen wir etwas sehr R\u00e4tselhaftes. Vers 8: \u201eDebora, die Amme Rebekkas, starb. Man begrub sie unterhalb von Bet-El unter der Eiche. Er gab ihr den Namen Tr\u00e4neneiche.\u201c Das ist wieder ein sehr geheimnisvoller Vers. In den Kommentaren, die ich zu Genesis lese, habe ich relativ wenig Information gefunden. Aber viele fromme Juden haben sich viele Gedanken dazu gemacht. Rebekkas Amme wird vorher nur einmal in Genesis 24 erw\u00e4hnt. Sie zieht zusammen mit Rebekka von Mesopotamien nach Kanaan. Die Tatsache, dass sie namentlich erw\u00e4hnt wird, deutet an, dass sie in Jakobs Familie eine ganz wichtige Person war. Interessant ist auch, dass der Tod und das Begr\u00e4bnis von Debora erw\u00e4hnt wird, w\u00e4hrend Rebekkas Tod unerw\u00e4hnt bleibt. Manche sehen das als ein Indiz, dass Rebekka starb, als Jakob in der Ferne war. Debora wird in Bethel unter einer Eiche begraben, die den Namen \u201eTr\u00e4neneiche\u201c bekommt. Das ist ein Wink mit dem Zaunpfahl, dass es ein sprichw\u00f6rtlich tr\u00e4nenreicher Abschied war.<br \/>\nDas ist nicht der einzige Tod, von dem im Text die Rede ist. Rahel bekommt ihr zweites Kind. Es war eine schwere Geburt, die ihr schlie\u00dflich das Leben kostete. Vers 20 sagt: \u201eJakob errichtete ein Steinmal \u00fcber ihrem Grab. Das ist bis heute das Grabmal Rahels.\u201c Rahel war die gro\u00dfe Liebe seines Lebens gewesen. Und sie verstarb vorzeitig. Das ist die Realit\u00e4t des Lebens: Unrecht passiert; Ungl\u00fcck passiert; Ungemach ist unvermeidlich; Katastrophen ereignen sich; Beziehungen zerbrechen und scheitern; Menschen werden krank, viele unheilbar krank; und Menschen sterben viel zu fr\u00fch, noch bevor ihre Zeit gekommen ist.<br \/>\nVor einiger Zeit hatte ich eine Bekannte besucht, die durch eine h\u00e4ssliche Scheidung gegangen war. Wir sa\u00dfen zusammen in ihrem Auto und fingen an \u00fcber dieses schmerzhafte Thema zu reden. Und sie erz\u00e4hlte mir, dass die Frage, mit der sie die ganze Zeit hadert, die Frage nach dem \u201ewarum\u201c ist. Was ihre Heirat angeht, hatte sie doch auf Gott vertraut. Sie hatte doch was Partnerschaft angeht, alles \u201erichtig\u201c gemacht. Sie hatte sich doch gew\u00fcnscht, einen Mann zu heiraten, der gl\u00e4ubig ist und mit dem sie gemeinsam Gott lieben und Gott dienen kann. Warum dann diese Misere? Als ich ihr gesagt hatte, dass das Leben chaotisch ist, meinte sie, dass wir darauf ansto\u00dfen k\u00f6nnen.<br \/>\nDas Leben ist chaotisch und voll von Leid. Fakt ist, dass wir Menschen ein ganz gro\u00dfer Verursacher und Faktor von diesem Chaos sind. Vor kurzem wurde der Late-Night Host Conan O\u2019Brien mit dem Mark-Twain-Preis ausgezeichnet. Das ist ein Preis f\u00fcr die besten und gr\u00f6\u00dften Komiker. In seiner Dankesrede sprach O\u2019Brien von menschlichen Fehlern und Schw\u00e4chen. Er sagte dann: \u201eNun denken einige von euch vielleicht: \u201aWas hat das mit Humor zu tun?\u2018 Es hat alles mit Humor zu tun. Alles! Die Comedy, die ich mein ganzes Leben lang geliebt habe, eine Comedy, die selbstkritisch und entlarvend ist und sich der These verschrieben hat, dass wir alle fehlerhaft und absurd sind und gemeinsam im Schlamm suhlen. [\u2026] eine Comedy, die eine urkomische Feier unserer \u00c4ngste, unserer Unf\u00e4higkeit und des glorreichen Chaos des Menschseins ist.\u201c<br \/>\nIn Vers 9 und folgende sehen wir, wie Gott Jakob nach dem Tod von Debora segnet. Gott segnete Jakob nicht in der Abwesenheit von dem Chaos, das menschliches Leben ist. Gott segnete ihn inmitten dessen. Mit anderen Worten, Gott war mit ihm in allen leidvollen Erfahrungen. Als Jakob sp\u00e4ter die Kinder von Josef segnete, w\u00fcrde er sagen, dass Gott sein Leben lang bis auf diesen Tag sein Hirte war (viele Jahre bevor, David den ber\u00fchmten Psalm 23 schrieb). Das ist ein riesiger Kontrast zu den Religionen der damaligen Zeit, und dem was Jakobs Zeitgenossen \u00fcber die G\u00f6tter geglaubt hatten. Die G\u00f6tter der Babylonier und Kanaaniter standen weit \u00fcber dem menschlichen Leid. Sie hatten praktisch nichts mit dem menschlichen Elend zu tun, au\u00dfer nat\u00fcrlich, dass sie zu dem Leid mit beitrugen: Menschen waren ihre Untertanen, die geschaffen wurden, um das zu machen, was den G\u00f6ttern zu l\u00e4stig war. Wie radikal anders ist der Gott, der sich Abraham, Isaak und Jakob offenbart hatte.<br \/>\nDas Tr\u00f6stliche ist, dass Gott mitten drin ist, wenn wir mit der h\u00e4sslichen Realit\u00e4t unseres Lebens konfrontiert werden. Um eine ganz einfache Illustration zu verwenden, stellen wir uns ein 2-j\u00e4hriges Kind war, das laut schreit, weil sein Herz zerbrochen ist. Und stellen wir uns vor, dass wir davon bewegt sind und gerne alles tun w\u00fcrden, um das Kind zu tr\u00f6sten. Man k\u00f6nnte das Kind auf den Arm nehmen und tragen. Oder aber, man kann sich b\u00fccken und auf die gleiche Ebene begeben wie das Kind: dem Kind auf Augenh\u00f6he begegnen: \u201eSchatz, warum weinst du?\u201c Wenn man das tun w\u00fcrde, was w\u00fcrde das Kind dann sagen? Es w\u00fcrde sagen: \u201eIch will zu meiner Mama.\u201c Ich w\u00fcrde daraufhin antworten: \u201eWei\u00dft du was? Papa will auch zu deiner Mama. Wir k\u00f6nnen gerne zusammen weinen.\u201c Gott kommt herab auf unser niedriges Niveau. Gott kam herab, um mit Jakob einen Ringkampf zu machen, um Jakob dort zu begegnen, wo er sich befand. So stark ist Gottes Wille, uns zu begegnen.<br \/>\nNirgendwo mehr sehen wir den Wunsch Gottes deutlicher, mit uns zu sein, als in seiner Selbstoffenbarung in Jesus Christus. Jesus wurde in einem unhygienischen Stall geboren und in eine Krippe gelegt, weil in der Herberge kein Platz war. Wisst ihr, was das ist? Es ist chaotisch. Vom ersten Tag seiner Geburt an war Jesus Teil von allem menschlichen Leid und Elend. Und dann starb Jesus am Kreuz. Jesus ist ohne S\u00fcnde und wurde unschuldig verurteilt. Er starb den Tod eines Schwerverbrechers, den Tod eines rechtlosen Sklaven: Gott, der sich maximal von den Menschen erniedrigen l\u00e4sst. Gibt es etwas, was unbegreiflicher und unfassbarer ist?<br \/>\nTim Keller erz\u00e4hlte von einer Frau, die von gro\u00dfem Leid gezeichnet war, weil unter anderem ihre Mutter Selbstmord begangen hatte. Als diese Frau sich mit Jesu Tod besch\u00e4ftigt, verstand sie pl\u00f6tzlich: \u201eJesus leidet nicht nur <em>f\u00fcr<\/em> mich; Jesus leidet <em>mit<\/em> mir.\u201c<br \/>\nDer heutige Text zeigte uns den Ruf Gottes, die Reaktion Jakobs, die Realit\u00e4t des Lebens. Unser Leben ist so zerbrechlich. Wie k\u00f6nnte es etwas Besseres geben, als dieses Leben, das Gott uns geschenkt hat, mit ihm zu f\u00fchren und es ihm anzuvertrauen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext Zur\u00fcck nach Bethel \u201eGott sprach zu Jakob: Steh auf, zieh nach Bethel hinauf und lass dich dort nieder! Errichte dort einen Altar dem Gott, der dir auf der Flucht vor deinem Bruder Esau erschienen ist!\u201c (1. 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