{"id":13274,"date":"2025-06-08T11:00:23","date_gmt":"2025-06-08T09:00:23","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13274"},"modified":"2025-12-02T19:12:11","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:11","slug":"predigt-1-mose-241-21","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-241-21\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 24,1-21"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Genesis-241-21_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Genesis-241-21_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_mose\/29\/1-35?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Heiraten: was, wie, warum<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eEr sagte: HERR, Gott meines Herrn Abraham, lass mich heute Gl\u00fcck haben und erweise meinem Herrn Abraham Huld!\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Mose 24,12 [E\u00dc])<\/p>\n<p>Die meisten von euch werden die unangenehme Erfahrung in der ein oder anderen Form gemacht haben: das \u201eSex-Gespr\u00e4ch\u201c mit den Eltern, wenn Eltern der Ansicht sind, dass ein guter Zeitpunkt gekommen ist, mal dar\u00fcber zu sprechen. Habt ihr euch dabei (auch) so gef\u00fchlt, als ob ihr am liebsten aus Scham im Erdboden versinken w\u00fcrdet? Vielleicht ist eines der Gr\u00fcnde, dass ein privates Thema, das in Familiengespr\u00e4chen so rein gar nicht auftaucht ganz pl\u00f6tzlich ans Licht kommt. Im Englischen gibt es ein gutes Wort daf\u00fcr: \u201eawkward\u201c (peinlich, unangenehm). Und ein ganz klein wenig f\u00fchle ich mich heute auch so. Wir haben heute ein Thema, \u00fcber das wir in der Gemeinde in den letzten Jahren zu wenig gesprochen haben. Eigentlich sind das mehrere Themen, die alle eng miteinander verbunden sind: Liebe, Partnerschaft, Singleness, Dating, Ehe, Sex. Ich gehe davon aus, dass ihr alle damit einverstanden seid, wenn ich sage, dass das f\u00fcr uns alle relevant ist. Wir sollten mehr dar\u00fcber sprechen.<br \/>\nUm uns den Einstieg in dieses Thema zu erleichtern, betrachten wir Genesis 24. W. hatte vor einigen Wochen dazu eine sch\u00f6ne Predigt gehalten. Wir wollen es nicht einfach wiederholen. Wir wollen anhand dieses Textes etwas thematisch \u00fcber die Frage nachdenken, was es mit der Ehe auf sich hat. Drei Fragen wollen wir adressieren. Erstens, was ist die Ehe? Zweitens, wozu gibt es die Ehe. Drittens, wie sollen wir dann heiraten?<br \/>\nIch m\u00f6chte stellvertretend f\u00fcr die \u00c4ltesten sagen, dass wenn wir \u00fcber dieses Thema sprechen, es kein Frontalunterricht sein soll. Wir w\u00fcnschen uns einen gemeinsamen Dialog. D.h., wenn ihr Fragen zu diesem Thema habt, meldet euch gerne. Wenn ich in der Predigt etwas sage, womit ihr so \u00fcberhaupt nicht einverstanden seid, meldet euch gerne. Dieser Gottesdienst ist eine Einladung, sich offen mit diesem Thema zu befassen.<\/p>\n<p><strong>1. Was ist die Ehe?<\/strong><br \/>\nUnser Text beginnt damit, dass Abraham alt und hochbetagt war. Das war Abraham eigentlich schon immer. Aber jetzt war Abraham nicht nur alt, sondern auch Witwer. In Vers 2 spricht Abraham mit seinem Knecht, der alles in seinem Haushalt verwaltete. Heute w\u00fcrde man in Firmen diese Position \u201eChief of Staff\u201c (Stabschef) nennen. Von diesem Manager nimmt Abraham einen feierlichen Eid. Abraham verlangt dabei, dass sein Knecht seine Hand unter Abrahams H\u00fcfte legte. Diese Information findet ihr in keiner Kinderbibel: alle Hebr\u00e4ischexperten best\u00e4tigen an dieser Stelle, dass der Ausdruck \u201eunter der H\u00fcfte\u201c ein Euphemismus f\u00fcr das Geschlechtsteil ist. Das zeigt, dass das ein besonderer Schwur war, der Abraham auch besonders wichtig war.<br \/>\nWas ist der Inhalt von dem Schwur? Verse 3 und 4: \u201eIch will dir einen Eid beim HERRN, dem Gott des Himmels und der Erde, abnehmen, dass du f\u00fcr meinen Sohn keine Frau von den T\u00f6chtern der Kanaaniter nimmst, in deren Mitte ich wohne. Du sollst vielmehr in mein Land und zu meiner Verwandtschaft gehen und eine Frau f\u00fcr meinen Sohn Isaak holen.\u201c Abraham wollte, dass sein Sohn heiratet. Der Text sagt uns nicht, wann genau Abraham seinen Knecht auf den Weg sandte. Aber in Genesis 25,20 erfahren wir, dass Isaak 40 Jahre alt war, als er Rebekka heiratete. Und f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse war das ziemlich sp\u00e4t. Abraham muss sich eine ganze Weile schon viele Gedanken gemacht haben, wie er Isaak unter die Haube bekommen k\u00f6nnte. Der Schwur in den Verse 3 und 4 klingt in heutigen Ohren sehr problematisch.<br \/>\nZum einen k\u00f6nnte man sich die Frage stellen: Weshalb wollte Abraham nicht, dass Isaak eine Kanaaniterin heiratete? Ist das nicht richtig diskriminierend? Als n\u00e4chstes, wie kommt es, dass Abraham und sein Knecht hier schalten und walten wie sie wollen? Es geht um Isaaks Partnerschaft. Sollte nicht Isaak die Initiative ergreifen? Wiederum, Abraham will, dass der Knecht eine Frau \u201eholen\u201c geht. Das klingt, wie als ob die Ehefrau eine Ware ist, die man auf einem Bazar kaufen kann. Wo sind die Rechte der Frauen? Und schlie\u00dflich muss man nat\u00fcrlich auch fragen: Wo ist denn hier die Liebe? Kann man sich eine unromantischere Weise vorstellen, zu heiraten?<br \/>\nHistoriker vermuten, dass die Ehe erst wenige Tausende Jahre alt ist. In \u201eThe Week\u201c gab es einen kurzen Artikel \u00fcber die Geschichte der Ehe. Die Autoren schrieben: \u201eDie ersten dokumentierten Zeugnisse von Hochzeitszeremonien, bei denen eine Frau und ein Mann vereint wurden, stammen aus dem Jahr 2350 v. Chr. aus Mesopotamien. Im Laufe der n\u00e4chsten Jahrhunderte entwickelte sich die Ehe zu einer weit verbreiteten Institution, die von den alten Hebr\u00e4ern, Griechen und R\u00f6mern angenommen wurde.\u201c Die Autoren schreiben weiter: \u201eDer Hauptzweck der Ehe bestand darin, Frauen an M\u00e4nner zu binden und so sicherzustellen, dass die Kinder eines Mannes auch wirklich seine leiblichen Erben waren. Dies war besonders wichtig in patriarchalischen Gesellschaften, in denen diese Erben oft F\u00fchrungspositionen erbten. Durch die Ehe wurde eine Frau zum Eigentum eines Mannes.\u201c *1) Ist das der Beginn der Ehe?<br \/>\nWas genau ist eigentlich eine Ehe? Aufgrund von dem, was die Bibel sagt, m\u00f6chte ich nur zwei Dinge hervorheben. Als erstes, die Ehe ist Gottes Erfindung. In den ersten Kapiteln von Genesis erfahren wir, dass Gott derjenige war, der die erste Ehe zwischen einem Mann und einer Frau initiiert hatte. Gott sah, dass es nicht gut war, dass der Mann alleine war. Das impliziert, dass es auch nicht gut ist, dass die Frau alleine ist. Gott war es, der die ersten Menschen zusammengef\u00fchrt hatte, damit sie eine lebenslange Partnerschaft eingehen. Die Ehe ist also Gottes Idee.<br \/>\nDer zweite Punkt ist, dass Ehe ein Versprechen ist. Die Bibel verwendet einen besonderen Ausdruck daf\u00fcr: \u201eBund\u201c. Zum Beispiel ist in Spr\u00fcche 2,17 davon die Rede, dass Ehe der Bund Gottes ist. In Maleachi 2,14 spricht der Prophet davon, dass Gott selbst der Trauzeuge war, als Mann und Frau einen Bund miteinander geschlossen haben. Wenn ein Mann und eine Frau am Altar ihre Gel\u00f6bnisse ablegen, dann ist die Gegenwart praktisch irrelevant. Bei einem Gel\u00f6bnis sagen sie sich nicht: \u201eIch liebe dich so sehr\u201c oder \u201edu bedeutest mir so viel\u201c. Sondern sie sagen sich: \u201eIch werde dich lieben\u201c, oder \u201eich werde dir treu sein\u201c, oder \u201eich werde dich achten, ehren, respektieren.\u201c Oder als mein Cousin J. geheiratet hatte, war eines seiner Versprechen: \u201eIch verspreche dir, dass ich auch mit dir tanzen werde, wenn wir beide alt sind.\u201c Die Versprechen haben etwas mit unserer Zukunft zu tun. Der Bund hat etwas mit unserer Zukunft zu tun.<br \/>\nWarum ist das alles hier wichtig? Es geht um die Frage, wem die Ehe eigentlich geh\u00f6rt. Vielleicht eine ganz einfache Illustration. In Deutschland gibt es eine ganz tolle Sache, die \u201eKindergeld\u201c hei\u00dft. Der deutsche Staat leistet Kindergeld an Eltern, damit diese besser f\u00fcr ihre Kinder sorgen k\u00f6nnen. D.h., in gewisser Weise geh\u00f6rt den Eltern das Kindergeld. In gewisser Weise k\u00f6nnen die Eltern das Kindergeld so einsetzen wie sie es wollen. Aber hinter dem Kindergeld steht die Absicht des Staates, Familien zu f\u00f6rdern und zu helfen, dass die Existenz der Kinder abgesichert ist.<br \/>\nWenn die Ehe nur eine Erfindung der Menschheit ist, die irgendwann in der fr\u00fchen Bronzezeit aufkam, dann steht es uns nat\u00fcrlich frei, damit zu machen, was wir wollen; wir k\u00f6nnen Ehe interpretieren wie wir wollen. Aber wenn die Ehe Gottes Erfindung ist, wenn Ehe Gottes Institution ist, wenn Ehe der Bund Gottes ist, den wir vor ihm schlie\u00dfen, dann geh\u00f6rt die Ehe zwar uns; sie ist aber Gottes Geschenk an uns. Es ist auch klar, dass Ehe einen h\u00f6heren Zweck hat; dass Gott durch die Ehe Ziele verfolgt; dass es einen Grund gibt, weshalb Gott uns dieses Geschenk gibt. Und es ist auch klar, dass wenn wir wissen wollen, was eine gute Ehe ist, wir uns an den Autor der Ehe wenden m\u00fcssen.<br \/>\nDas bringt uns direkt zum zweiten Punkt.<\/p>\n<p><strong>2. Wozu gibt es die Ehe?<\/strong><br \/>\nDer Knecht fragt Abraham, was er tun sollte, wenn die Frau sich weigert, mitzukommen. Abrahams Antwort ist in Vers 7: \u201eDer HERR, der Gott des Himmels, der mich aus dem Haus meines Vaters und aus dem Land meiner Verwandtschaft herausgenommen hat, der zu mir gesagt und mir geschworen hat: Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land!, er wird seinen Engel vor dir hersenden und so wirst du von dort eine Frau f\u00fcr meinen Sohn mitbringen.\u201c Abraham zitiert hier Gottes eigenes Versprechen: \u201eDeinen Nachkommen gebe ich dieses Land!\u201c Isaaks Ehe diente dem Zweck, Gottes Verhei\u00dfung zu verwirklichen. Isaaks Ehe war ein notwendiger Schritt, dass durch Abraham ein Volk entstehen w\u00fcrde, das gro\u00df und stark genug war, sich das ganze Land zu eigen zu machen. Die Ehe war Teil von Gottes Plan f\u00fcr Abraham.<br \/>\nHeute haben wir keine Berufung, mit unseren Nachkommen ein Land einzunehmen. Welches Ziel verfolgt Gott bei uns? In Epheser 5 [E\u00dc] schreibt Apostel Paulus: \u201eDarum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.\u201c Paulus schreibt, dass die Ehe ein Bild f\u00fcr ein gro\u00dfes Geheimnis ist, die Beziehung zwischen Christus und seiner Gemeinde. Jesus hat sein Leben gegeben, um die Gemeinde als seine Braut zu erkaufen. Die Gemeinschaft aller Menschen aller Kulturen, aller Nationen und aller Zeiten, die Jesus als ihren Herrn und Heiland bekennen und anbeten, ist die Braut Jesu. Im Leib Christi finden wir eine fast unendliche Vielfalt dessen, wie Jesus geehrt und geliebt wird und wie Jesu Gegenwart erfahren wird. Die Ehe soll ein Mikrokosmos sein, die auf einzigartige Weise die Vielfalt und Sch\u00f6nheit dessen reflektiert, wie Jesus seine Gemeinde liebt.<br \/>\nDamit eine Ehe das tun kann, braucht es etwas ganz Wesentliches in unserem Leben. Die Bibel nennt es Heiligung. Gary Thomas schrieb ein Buch mit dem Titel \u201eDie heilige Ehe: Was w\u00e4re, wenn Gott die Ehe eher dazu geschaffen h\u00e4tte, uns heilig zu machen, als uns gl\u00fccklich zu machen?\u201c Und ich denke das trifft es ziemlich gut. Ehe ist eines der Werkzeuge, die Gott in seinem Arsenal hat, um seine Pl\u00e4ne an uns zu verwirklichen: uns als seine Kinder zu erziehen. Die Ehe ist Gottes Charakterformierungsprojekt. Er will, dass wir ihm \u00e4hnlicher werden. Inwiefern? Gott ist ein Gott in drei Personen, die in Ewigkeit zusammen existierten. Gott ist ein Gott in Gemeinschaft, in der jede Person sich der anderen Person unterordnet, in welcher jede der anderen dient, allesamt verbunden durch eine vollkommene, sich hingebende agape-Liebe. Diesen Gott sollen wir in allen Beziehungen, die wir haben, imitieren. Das ist das Ziel von Ehe.<br \/>\nWir sind ja alle Kinder unserer Kultur und unseres Zeitgeistes. F\u00fcr die meisten Menschen unserer Zeit ist Ehe und Partnerschaft das h\u00f6chste Ideal, im Bezug darauf, wie wir versuchen, unser Gl\u00fcck zu finden. Wir w\u00fcrden es vielleicht nicht so ausdr\u00fccken, aber insgeheim tr\u00e4umen wir vermutlich davon, unsere wahre Erf\u00fcllung in einer Beziehung mit dem Traumprinzen oder der Traumprinzessin zu finden. Fakt ist ja, dass wir alle in unserem Herzen eine tiefe Leere versp\u00fcren. Wir wissen, dass Erfolg und Geld diese Leere nicht wirklich f\u00fcllen k\u00f6nnen. Selbst wenn wir beruflich die gr\u00f6\u00dften Erfolge feiern, bleibt ein Gef\u00fchl der Unvollst\u00e4ndigkeit. Vielleicht haben wir solche epischen Szenen im Kopf wie am Ende von dem Film \u201eJerry Maguire\u201c (1996), wenn Jerry seine Frau aufsucht und ihr sagt: \u201eIch liebe dich. Du machst mich vollst\u00e4ndig.\u201c<br \/>\nVielleicht denkst du, dass eine biblische Eheanschauung einfach zu extrem ist: \u201eEine Ehe, in der ich erst gar nicht versuche, mein Gl\u00fcck und meine Verwirklichung zu suchen; eine Ehe, die vor allem dazu da ist, mich Jesus \u00e4hnlicher zu machen; ist nicht so wirklich romantisch\u2026\u201c Vielleicht hast du gro\u00dfe Bedenken, dich auf so ein Ehemodell einzulassen, weil es in so einem Widerspruch zu dem steht, was wir tagt\u00e4glich auf allen verf\u00fcgbaren Kan\u00e4len zu sehen bekommen: in unz\u00e4hligen Liebesfilmen, in Zeitungen, Klatsch und Tratsch Zeitschriften, auf Social Media. Weil wir \u00fcberall eintrichtert bekommen, dass nur der richtige Partner der Weg zum Gl\u00fcck ist. Und wenn du ungl\u00fccklich bist, dann kann das nur daran liegen, dass du in deinem Leben noch nicht den richtigen Partner hast.<br \/>\nFalls du das denkst, m\u00f6chte ich dir gerne sagen, dass eine biblische Vorstellung von Ehe nicht nur \u201erichtig\u201c ist (weil es von Gott kommt). Es ist irgendwo auch sehr befreiend. Ein Beispiel: Letzte Woche hatte W. \u00fcber die Familie von Jakob gepredigt. Jakob war unsterblich, bis \u00fcber beiden Ohren in Rahel verknallt. Nach sieben Jahren Arbeit wie ein Sklave (die ihm vorkamen wie sieben Tage, weil er so ein Liebestrottel war), konnte er endlich die Liebe seines Lebens heiraten. Er ging mit Rahel ins Bett (zumindest dachte er das). Und wir lesen in Genesis 29,25: \u201eAm Morgen aber, siehe, da war es Lea.\u201c Laban hatte Jakob betrogen. Wenn wir diesen Vers bildlich verstehen, k\u00f6nnte das f\u00fcr uns bedeuten, dass wir auch betrogen werden: Du gehst mit der Liebe deines Lebens ins Bett, aber stellst am n\u00e4chsten Morgen fest, dass es doch nicht das war, was du dir erhofft hattest; dass es doch nicht die Erf\u00fcllung, das Gl\u00fcck gebracht hat, auf die du dein ganzes Leben gewartet hattest; am n\u00e4chsten Morgen ist es Lea, nicht Rahel. Und der Grund ist ganz einfach: Kein Mensch auf Erden kann die Leere deines Lebens f\u00fcllen; kein Mensch auf Erden kann dir das Gef\u00fchl geben, dass du wirklich vollst\u00e4ndig bist. Und wenn du solche Erwartungen an jemand anderen stellst, ist das nicht fair. Das Gleiche gilt auch umgekehrt: Du bist nicht in der Lage, eine andere Person dauerhaft das Gl\u00fcck zu schenken, das sie sich w\u00fcnscht und das sie braucht. Wenn solche Erwartungen an dich gestellt werden oder du dir selbst solche Erwartungen stellst, baust du einen Druck auf, dem du nicht standhalten kannst.<br \/>\nEs gibt einen polnischen Pianisten, der auf YouTube Videos ver\u00f6ffentlicht, um Tipps zu geben, wie man besser und effizienter \u00fcben kann. Er wollte darauf aufmerksam machen, dass die linke und die rechte Hand unbedingt getrennt voneinander \u00fcben m\u00fcssen. Erst dann, wenn man mit jeder Hand einzeln den Part perfekt spielen kann, d\u00fcrfen beide H\u00e4nde zusammenkommen. Und er hat das mit der Ehe verglichen. Man denkt vielleicht, dass der andere Partner einem helfen kann, seine Lebensprobleme gel\u00f6st zu bekommen. Aber wenn beide Partner mit ihrem ungel\u00f6sten Problem heiraten, dann ist der \u00c4rger vorprogrammiert. Es ist stattdessen viel besser, wenn beide Partner jeder f\u00fcr sich vor der Partnerschaft an seinen Problemen arbeitet. Da steckt sehr viel Weisheit drin.<br \/>\nZu heiraten, um geheiligt zu werden, mehr als gl\u00fccklich zu werden, ist ironischerweise der Weg zum Gl\u00fcck. Wenn du prim\u00e4r heiratest, um gl\u00fccklich zu werden, wirst du entt\u00e4uscht werden. Wenn du prim\u00e4r heiratest, um Jesus \u00e4hnlicher zu werden, hast du gute Chancen, eine gl\u00fcckliche Ehe zu f\u00fchren. Es ist die Voraussetzung, dass wir die Romanze mit unserem Partner wirklich genie\u00dfen k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen die Beziehung genie\u00dfen, weil keine unrealistischen Erwartungen damit verkn\u00fcpft sind. Und das kann sehr befreiend sein.<\/p>\n<p><strong>3. Wie sollen wir dann heiraten?<\/strong><br \/>\nGenesis 24 ist das l\u00e4ngste und ausf\u00fchrlichste Kapitel in der Bibel, das davon handelt, wie eine Ehe zustande kam. Im Bezug auf diesen Text gibt es zwei Fehler, die wir versuchen sollten zu vermeiden.<br \/>\nDer erste Fehler, den wir vermeiden sollten: Dieses Kapitel ist kein Blueprint oder Masterplan daf\u00fcr, wie Ehen geschlossen werden sollten. Isaak hatte eine Ehe, die von Menschen, die ihm nahestanden, arrangiert wurde. Ich denke, dass es ein Fehler w\u00e4re, deshalb daraus zu schlussfolgern, dass alle Ehen arrangiert sein sollten. Fakt ist, durch die gesamte Menschheitsgeschichte hinweg, waren die allermeisten Ehen arrangiert. Dass zwei Menschen sich an der Uni oder in einer Bar (oder in der Gemeinde!) kennenlernen, verlieben, ein P\u00e4rchen werden und danach heiraten ist eine sehr westliche und sehr moderne Erscheinung. Asien ist ganz klar am Nachziehen dank der Globalisierung. Trotzdem sind in Indien heute noch mehr als 90% der Ehen arrangiert. In Korea waren bis vor wenigen Jahrzehnten die meisten Ehen arrangiert.<br \/>\nHier ist das Problem: Wir alle (ich auch!) haben die ganz starke Tendenz, die Bibel durch unsere kulturelle Brille hindurch zu lesen. Und diejenigen, die arrangierte Ehen bef\u00fcrworten, sehen in Genesis 24 ganz starke Evidenz daf\u00fcr, dass das der beste oder gar der einzige richtige Weg ist, wie man heiraten sollte. Weil unsere Gemeinde einen koreanischen Ursprung hat, gab es und gibt es vielleicht auch in unseren Kreisen Individuen, die \u00e4hnlich gedacht haben oder denken. Was wir verstehen m\u00fcssen, ist, dass Genesis vor allem eine Narrative ist. Der Autor erz\u00e4hlt uns einfach, was sich zugetragen hat. Es wird dem Leser \u00fcberlassen, das Ganze richtig einzuordnen. D.h., wir lernen nat\u00fcrlich wichtige Prinzipien aus dieser Geschichte; aber Narrative hei\u00dft eben auch, dass dieser Text nicht einfach unreflektiert als das Vorbild schlechthin gesehen werden sollte. Ich denke nicht, dass das die Intention des biblischen Autors war.<br \/>\nDer andere Fehler, den wir vermeiden sollten, ist, bei diesem Text die Nase zu r\u00fcmpfen und zu sagen: \u201eDas ist so veraltet, so patriarchalisch. Damit will ich nichts zu tun haben. Zum Gl\u00fcck kann ich mir meinen eigenen Partner selbst aussuchen. Zum Gl\u00fcck kann mir hier niemand reinreden, weil das allein mein Bier ist.\u201c Ein christlicher Pastor, den ich \u00fcbrigens sehr liebe und respektiere, hatte einmal davon erz\u00e4hlt, wie er gefragt wurde, ob er Input geben kann, was der Wille Gottes ist im Bezug auf eine bestimmte Person, die jemand heiraten wollte. Seine Antwort war: \u201eDas tue ich ganz bestimmt nicht!\u201c Und warum nicht? \u201eWenn ich dir dabei schlechten Rat gebe, was ist dann? Ich werde einfach zu Gott ins Gebet gehen und ihm sagen: \u201eSorry, hatte einen schlechten Tag!\u201c und Gott wird mir vergeben. Aber was ist mit dir? Du bist zeitlebens mit dem falschen Ehepartner verheiratet.\u201c Das ist das andere Extrem, das wir vermeiden d\u00fcrfen.<br \/>\nWenn die Ehe eine Institution ist, die Gott erfunden hat, und wenn Ehe das Ziel hat, dass wir geheiligt werden, wie sollen wir unseren Partner f\u00fcrs Leben finden? Was sehen wir im Text? Der Knecht bereit sich vor und macht sich auf den Weg. Als er nach einer langen und beschwerlichen Reise das Ziel erreicht hat, geht er zum Brunnen. Es war der Ort, an dem die Frauen abends herauskamen, um Wasser zu sch\u00f6pfen. Und dann betete er: \u201eHERR, Gott meines Herrn Abraham, lass mich heute Gl\u00fcck haben und erweise meinem Herrn Abraham Huld!\u201c Sobald er aufgeh\u00f6rt hatte, zu beten, sah er Rebekka, die Frau, die perfekt war f\u00fcr Isaak.<br \/>\nZwei kurze Anwendungen zum Schluss. Sieh deine Partnerwahl nicht allein als deine Privatsache an. Ich glaube, dass es das biblische Modell ist, dass wir in diesem so wichtigen Gebiet unseres Lebens, andere Personen, denen wir vertrauen, einbeziehen. Bevor du eine Beziehung zum anderen Geschlecht eingehst, oder wenn du bereits in Beziehung bist, nimm andere Menschen mit ins Boot: Menschen, die dich gut kennen, die ein Herz f\u00fcr dich haben, die bereit sind, f\u00fcr dich beten, und die dir mit Rat und Tat zur Seite stehen k\u00f6nnen. F\u00fcr angehende Ehepaare: fragt gerne bei \u00e4lteren Paaren, ob ihr vor der Ehe Beratung, Bibelstudium, seelsorgerliche Hilfe zur Ehe bekommen k\u00f6nnt. Geht diesen Weg nicht alleine. Das Ziel dieser Predigt ist, den Dialog daf\u00fcr zu \u00f6ffnen.<br \/>\nAls letztes, in Genesis 24 waren praktisch alle Individuen im Gebet miteinander verbunden. Abraham musste viel gebetet haben, um zu wissen, dass der Engel Gottes selbst vorangehen w\u00fcrde; der Knecht hatte im Text um Gottes F\u00fchrung gebetet; Isaak betete; Rebekka hat bestimmt auch gebetet. Spr\u00fcche 19,14 sagt: \u201eHaus und Habe sind das Erbe der V\u00e4ter, \/ doch eine verst\u00e4ndige Frau kommt vom HERRN.\u201c Das gilt auch f\u00fcr verst\u00e4ndige und brauchbare Ehem\u00e4nner. Wenn du auf der Suche nach einem geeigneten Ehepartner bist, verbringe viel Zeit im Gebet. Ehe ist ein Geschenk Gottes.<\/p>\n<p>*1) <a href=\"https:\/\/theweek.com\/articles\/528746\/origins-marriage\">https:\/\/theweek.com\/articles\/528746\/origins-marriage<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext Heiraten: was, wie, warum \u201eEr sagte: HERR, Gott meines Herrn Abraham, lass mich heute Gl\u00fcck haben und erweise meinem Herrn Abraham Huld!\u201c (1. 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