{"id":13159,"date":"2025-04-06T11:00:56","date_gmt":"2025-04-06T09:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13159"},"modified":"2025-12-02T19:12:13","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:13","slug":"predigt-1-mose-221-19-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-221-19-2\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 22,1-19"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Genesis-221-19_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/Genesis-221-19_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_mose\/22\/1-19?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Der Gott der Vorsehung<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eAbraham gab jenem Ort den Namen: Der HERR sieht, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg l\u00e4sst sich der HERR sehen.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Mose 22,14 [E\u00dc])<\/p>\n<p>Wenn der Englischlehrer einer f\u00fcnften Klasse die Stunde mit den Worten beginnt: \u201eWir machen jetzt einen Vokabeltest\u201c, dann ist ziemlich simpel, worum es geht. Die Aufgabe lautet \u201e\u00fcbersetze \u201aWohnzimmer\u2018 auf Englisch.\u201c Aber das, worum es geht ist, haben die Sch\u00fcler die Vokabeln gelernt, die sie vor zwei Tagen aufbekommen haben? Haben sie ihre Hausaufgaben gemacht? Etwas komplexer wird es dann Jahre sp\u00e4ter im Abitur. Die Aufgabe in Geschichte lautet vielleicht: \u201eWarum ist die Weimarer Republik gescheitert?\u201c und in Mathe \u201eBerechne die Stammfunktion von folgender Funktion.\u201c Worum geht es im Abitur? Das Zeugnis, das man beim Abitur ausgeh\u00e4ndigt bekommt, wird \u201eZeugnis der allgemeinen Hochschulreife\u201c genannt. Mit anderen Worten, im Abitur wird getestet, ob die Sch\u00fcler bereit sind f\u00fcr den h\u00f6heren Bildungsweg \u2013 kann man sie guten Gewissens auf die Universit\u00e4t zum Studieren schicken?<br \/>\nUnser Text beginnt mit den Worten (Vers 1): \u201eNach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe.\u201c Es geht hier um eine Pr\u00fcfung. Eine schwierige Pr\u00fcfung. Was uns beim Verstehen dieses schwierigen Textes etwas helfen kann, ist, zwischen der Aufgabe, die gestellt wurde, und dem, was durch die Pr\u00fcfung gezeigt werden sollte, zu differenzieren. Daher wollen wir hier versuchen, drei Dinge zu verstehen: erstens, die Aufgabe der Pr\u00fcfung; zweitens, die Schwierigkeit der Pr\u00fcfung; drittens, Gottes Offenbarung in der Pr\u00fcfung.<\/p>\n<p><strong>1. Die Aufgabe der Pr\u00fcfung<\/strong><br \/>\nIn Vers 2 spricht Gott zu Abraham: \u201eNimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nennen, als Brandopfer dar!\u201c Gott verwendet hier verschiedene Ausdr\u00fccke, um eine Person zu benennen. Robert Alter zitiert einen j\u00fcdischen Rabbi namens Rashi, der einen kurzen fiktiven Dialog skizziert hat, der gut wiedergibt, was Gott hier sagt. Gott sagt: \u201eNimm deinen Sohn.\u201c Abraham antwortet: \u201eIch habe zwei S\u00f6hne.\u201c Gott spricht: \u201eDeinen einzigen.\u201c Er antwortet: \u201eDer eine ist der einzige Sohn der einen Mutter; der andere ist der einzige Sohn der anderen Mutter.\u201c Gott spricht: \u201eDen du liebst\u201c. Er antwortet: \u201eIch liebe sie beide.\u201c Gott sagt: \u201eIsaak\u201c.<br \/>\nDas, was Gott fordert, ist kaum in Worte zu fassen. Aber Abrahams Reaktion geh\u00f6rt fast in die gleiche Kategorie von unfassbar. Fr\u00fch am n\u00e4chsten Morgen steht Abraham auf (vermutlich hat er die ganze Nacht ohnehin nicht geschlafen). Er bereitet alles vor. Er sattelt seinen Esel, beauftragt zwei Knechte und nimmt seinen Sohn Isaak. Er spaltet das Holz zum Brandopfer und musste dabei berechnen, wie viel Holz es brauchte, um seinen Sohn zu verbrennen. (K\u00f6nnen wir uns etwas Groteskeres vorstellen?). Und schlie\u00dflich machte sich Abraham auf den Weg. Gott musste ihm mittlerweile mitgeteilt haben, zu welchem Berg die Reise ging.<br \/>\nIn Vers 9 lesen wir dann: \u201eAls sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham dort den Altar, schichtete das Holz auf, band seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz.\u201c Der Altar war gebaut, das Holz war aufgeschichtet, sein Sohn Isaak lag gebunden auf dem Altar. Wir wissen nicht genau, wie alt Isaak genau war. Auf jeden Fall war er alt genug, um das ganze Holz zum Brandopfer den Berg hochzutragen, also vermutlich ein Teenager. (Zudem war er ein unglaublich gehorsamer und kooperativer Sohn; daher vermutlich ein Teenager, der seine Pubert\u00e4t schon hinter sich hat). Vers 10 l\u00e4sst keinen Zweifel, dass Abraham bis ans \u00c4u\u00dferste ging. Das Messer in seiner Hand war kein Dolch; es war ein Schlachtermesser, eine Machete. Seine Hand war ausgestreckt, um Isaak zu schlachten, als er eine Stimme h\u00f6rt, die ihm sofort Einhalt gebietet.<br \/>\nZweimal best\u00e4tigt Gott Abrahams vollendeten Gehorsam. Vers 12: \u201edu hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten.\u201c In Vers 16: \u201eWeil du das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast \u2026\u201c Abraham hatte die Pr\u00fcfung mit Bravour bestanden! Und das sollte uns zu denken geben. Das, was von Abraham gefordert wurde, war gegen den gesunden Menschenverstand, gegen alles, was einem lieb und teuer ist. Aber mehr noch. Es war auch ein Widerspruch zu dem, was Gott sp\u00e4ter in der Schrift offenbaren w\u00fcrde. Ist nicht eins von den Zehn Geboten: \u201eDu sollst nicht t\u00f6ten\u201c? Oder in Jeremia 19,5 klagt Gott das Volk Israel an: \u201eSie haben dem Baal Kulth\u00f6hen gebaut, um ihre Kinder als Brandopfer f\u00fcr den Baal im Feuer zu verbrennen, was ich nie befohlen oder angeordnet habe und was mir niemals in den Sinn gekommen ist.\u201c Gott ist entsetzt \u00fcber alle V\u00f6lker, die Kinderopfer darbringen. So etwas w\u00e4re ihm niemals in den Sinn gekommen! Aber hier fordert Gott etwas von Abraham, was ihm absolut zuwider ist.<br \/>\nWenn du mit der Forderung Gottes, dass Abraham seinen Sohn Isaak opfern sollte, keine Probleme hast, dann k\u00f6nnte es sein, dass dir ein wenig die Sensibilit\u00e4t abhandengekommen ist, die du haben solltest. Dieser Text sollte uns schocken. Und wenn er es nicht tut, dann liegt das vielleicht daran, dass du abgestumpft bist. Ich hatte mich mit einer nicht gl\u00e4ubigen Kollegin \u00fcber diese Geschichte unterhalten. Ihre Worte dazu waren: \u201eEs erinnert mich an die Pr\u00fcfungen, die man ablegen musste, um einer Mafia beizutreten: \u201azeig mir, dass du f\u00fcr die Sache t\u00f6ten kannst.\u2018 Wie passt das mit all den Prinzipien zusammen, dass wir nicht t\u00f6ten sollen, die anderen lieben sollen usw.? Und was beweist es, wenn du bereit bist zu t\u00f6ten, au\u00dfer, dass du ganz in der Sache bist? [Und] au\u00dfer, dass du vermutlich ein Extremist bist und ins Gef\u00e4ngnis geh\u00f6rst?\u201c<br \/>\nDer Atheist Richard Dawkins schreibt: \u201eGott beauftragte Abraham, aus seinem lange ersehnten Sohn ein Brandopfer zu machen. Abraham baute den Altar, legte Feuerholz darauf und b\u00fcndelte Isaak auf den Altar. Sein m\u00f6rderisches Messer war bereits in seiner Hand, als der Engel dramatisch intervenierte mit der Nachricht, dass es eine spontane \u00c4nderung im Plan gab: Gott hatte nur Spa\u00df gemacht und war dabei Abraham zu versuchen und seinen Glauben zu testen. Ein moderner Moralist kann nicht anders, als sich zu fragen, wie ein Kind sich jemals von solch einem psychologischen Trauma erholen k\u00f6nnte. Nach den Standards moderner Moralvorstellungen ist diese abscheuliche Geschichte ein Beispiel f\u00fcr Kindesmissbrauch, Schikane in zwei asymmetrisch veranlagten Machtverh\u00e4ltnissen und der erste aufgezeichnete Gebrauch der N\u00fcrnberger Ausrede: \u201aIch habe nur den Befehlen gehorcht.\u2018 Und trotzdem ist diese Legende eine der grundlegenden Mythen aller drei monotheistischen Religionen.\u201c<br \/>\nIch denke, dass meine Kollegin recht hat. Und ich denke, dass selbst Richard Dawkins in manchen Punkten recht hat. Wir sollten mit diesem Text hadern.<\/p>\n<p><strong>2. Die Schwierigkeit der Pr\u00fcfung<\/strong><br \/>\nWorum ging es genau in Abrahams Pr\u00fcfung? Manche Ausleger w\u00fcrden sagen, dass es bei dem Test darum ging, ob Abraham Gott mehr als alles lieben w\u00fcrde: Steht Gott wirklich an erster Stelle bei Abraham? Oder hatte Abraham vielleicht den Segen Gottes lieber gewonnen als Gott der segnet? Daf\u00fcr sprechen w\u00fcrde ja auch, dass Gott explizit darauf hinweist, dass Abraham Isaak liebte.<br \/>\nAndere w\u00fcrden vielleicht argumentieren, dass der Test davon handelte, wie sehr Abraham Gott vertraute. War der Glaube von Abraham so stark, dass er bereit war, selbst das zu tun, was unm\u00f6glich war? Wollte Gott von Abraham einen blinden, kompromisslosen, praktisch fanatischen Gehorsam sehen? Wollte Gott sehen, dass Abraham an Gottes Wort glaubt, auch wenn Gott sich zu widersprechen schien? In Hebr\u00e4erbrief argumentierte der Autor, dass Abraham sogar daran glaubte, dass Gott von den Toten auferwecken kann. War das also ein Test des Glaubens?<br \/>\nIch denke, dass Abrahams Loyalit\u00e4t, Liebe und Glauben in gewisser Weise gepr\u00fcft wurden, aber vielleicht anders als wir es uns vorstellen. Es gibt einige Elemente im Text, die immer noch einer Erkl\u00e4rung bed\u00fcrfen.<br \/>\nIn Vers 5 sagt Abraham zu den Begleitern: \u201eBleibt mit dem Esel hier! Ich aber und der Knabe, wir wollen dorthin gehen und uns niederwerfen; dann wollen wir zu euch zur\u00fcckkehren.\u201c Ein Kommentator hatte die Bemerkung gemacht, dass es seltsam ist, dass die Knechte \u00fcberhaupt Erw\u00e4hnung finden: \u201eDie Diener werden mitgebracht, um zur\u00fcckgelassen zu werden. Das ist ihre Funktion, eine sehr merkw\u00fcrdige in jeglicher Erz\u00e4hlung, Charaktere, die nur eingef\u00fchrt werden, um keine Rolle zu spielen.\u201c Sie bekommen hier lediglich Abrahams Zusage, dass sie (Plural!), also Abraham und Isaak, zur\u00fcckkehren w\u00fcrden. Das waren keine leeren Worte. In der ganzen Geschichte ist kein Platz f\u00fcr leere Worte. Woher kam Abrahams Zuversicht? Woher kam sein Wissen, dass er nicht allein zur\u00fcckkehren w\u00fcrde?<br \/>\nIn den Versen 7 und 8 finden wir den einzigen Dialog, der uns von Abraham und Isaak \u00fcberliefert ist: \u201eDa sprach Isaak zu seinem Vater Abraham. Er sagte: Mein Vater! Er antwortete: Hier bin ich mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm f\u00fcr das Brandopfer?\u201c Bei dieser Frage muss sich in Abraham der Magen umgedreht haben. Ist es nicht ein Wunder, dass ihm die Worte nicht im Hals steckengeblieben sind? Vers 8: \u201eAbraham sagte: Gott wird sich das Lamm f\u00fcr das Brandopfer ausersehen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter.\u201c Mehrere Ausleger haben an dieser Stelle angemerkt, wie der Erz\u00e4hler das Tempo der ganzen Erz\u00e4hlung verlangsamt. Wir die Leser h\u00f6ren praktisch die Stille auf dem Berg. Wir h\u00f6ren das Ger\u00e4usch der Sandalen w\u00e4hrend Abraham und Isaak gemeinsam unterwegs sind. Das Tempo wird noch langsamer.<br \/>\nIsaak fragte nach dem Lamm. Etwas sp\u00e4ter versteht Isaak, dass er das Lamm ist. Nachdem der Engel Abraham Einhalt gebietet, lesen wir in Vers 13: \u201eAbraham erhob seine Augen, sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen H\u00f6rnern im Gestr\u00fcpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.\u201c Hier ist die zentrale Frage: Wenn die Pr\u00fcfung Abrahams nur davon handelte, wie gehorsam Abraham war, wie gro\u00df sein Glauben war, warum brauchte es ein Brandopfer? Warum das ganze Gespr\u00e4ch zwischen Isaak und Abraham \u00fcber das Lamm? Und h\u00e4tte es nicht gereicht, wenn der Engel Gottes gesagt h\u00e4tte: \u201eJetzt wei\u00df ich, dass du Gott gehorsam bist\u201c, und Ende der Geschichte? Warum musste stattdessen ein Widder stellvertretend f\u00fcr Isaak dargebracht werden, den Abraham auf mysteri\u00f6se Weise fand? Und warum die seltsame Schlussfolgerung Abrahams in Vers 14: \u201eAbraham gab jenem Ort den Namen: Der HERR sieht, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg l\u00e4sst sich der HERR sehen?\u201c<br \/>\nWorum ging es hier? Wir haben Probleme, das zu verstehen, weil wir wahrscheinlich die Bedeutung des erstgeborenen Sohnes nicht verstehen. Gott hat G. und mich mit vier S\u00f6hnen und einer Tochter gesegnet. Wenn jemand uns die Frage stellen w\u00fcrde, wen von den f\u00fcnf Kindern wir am meisten lieben, w\u00fcrden wir nat\u00fcrlich antworten: \u201eWir lieben alle f\u00fcnf gleich viel!\u201c Aber zu Abrahams Zeit galt das nicht. Der Erstgeborene war derjenige, der die ganze Aufmerksamkeit bekam und einen Gro\u00dfteil der Liebe. Der Erstgeborene repr\u00e4sentierte die St\u00e4rke und die Zukunft der ganzen Familie. Auf ihm lang die ganze Hoffnung. Er war praktisch der alleinige Erbe und w\u00fcrde den Namen der Familie fortf\u00fchren. Der Erstgeborene repr\u00e4sentierte nicht nur die St\u00e4rke der Familie. Er stand auch stellvertretend f\u00fcr die ganzen Schw\u00e4chen der Familie. Als Gott in Exodus Gericht \u00fcber die \u00c4gypter h\u00e4lt, t\u00f6tet der Engel Gottes alle Erstgeborenen. Der einzige Grund, weshalb die Israeliten diesem Gericht entgingen, war der, dass ihre Erstgeburt ausgel\u00f6st wurde. Der Todesengel ging an jedem Haus vorbei, an dem ein Lamm stellvertretend f\u00fcr den Erstgeborenen gestorben war.<br \/>\nMit anderen Worten, als Gott dem Abraham den Befehl gab, Isaak auf dem Altar zu opfern, verstand Abraham, dass Gott absolut das Recht hatte, das von ihm einzufordern, weil Abraham ein gefallener S\u00fcnder war. Er hatte versagt. Vor dem heiligen Gott war klar, dass er nicht so war, wie er sein sollte; seine ganze Familie war nicht so, wie sie h\u00e4tte sein sollen. Er konnte Gottes Anspr\u00fcchen und Gottes Forderungen nicht gerecht werden.<br \/>\nWorum ging es dann in der Pr\u00fcfung? In Vers 12 attestiert ihm der Engel: \u201eStreck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt wei\u00df ich, dass du Gott f\u00fcrchtest; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten.\u201c Es ging in der Pr\u00fcfung darum, ob Gott Abraham f\u00fcrchtete. Die Bibel hat aber ein ganz komisches Verst\u00e4ndnis von Furcht. Wenn wir das Wort \u201eFurcht\u201c h\u00f6ren, dann denken wir vor allem an Angst, z.&nbsp;B. die Angst betraft zu werden, die Angst vor negativen Konsequenzen, die Angst vor dem Gericht. Aber in der Bibel ist Furcht mit etwas ganz anderem verbunden. Psalm 130,4 sagt: \u201eDenn bei dir ist die Vergebung, dass man dich f\u00fcrchte.\u201c Nicht Furcht davor, dass Gott uns nicht vergibt; sondern Furcht vor Gott, weil er uns vergeben will. Das ist die Art von Furcht, die Abraham hatte.<br \/>\nNoch einmal, worum ging es in der Pr\u00fcfung? Es ging nicht einfach nur darum, ob Abraham Glauben hatte oder Gott liebte. Es ging um die Frage, an welchen Gott Abraham glaubte und welchen Gott er liebte. Ist dieser Gott wirklich sein Freund? Ist dieser heilige Gott auch barmherzig? Kann der Gott, der unendlich gerecht ist, auch ein Gott sein, der ihm seine S\u00fcnden nicht anrechnet? Kann man diesem Gott wirklich vertrauen, weil dieser Gott es gut mit ihm meint? Tim Keller hatte die Frage gestellt: Was glaubt ihr, trieb Abraham dazu an, diesen schrecklichen Berg zu erklimmen? Dachte er sich: \u201eIch kann es tun, ich bin Gehorsam, ich habe Glauben\u201c? Nein! Es war ein stilles Vertrauen: \u201eGott wird f\u00fcr mich sorgen; Gott wird alles gut machen; Gott wird mir vergeben; ich wei\u00df nicht wie, aber Gott wird f\u00fcr ein anderes Opfer sorgen.\u201c Ersteres ist ein Fokus auf uns selbst. Letzteres ist ein Fokus auf Gott.<br \/>\nEiner meiner Lieblingsautoren war zeit seines Lebens Single. Sehr sp\u00e4t hatte er dann doch noch die Liebe seines Lebens kennengelernt, als er gar nicht damit gerechnet hatte. Die Ehe war sehr gl\u00fccklich. Aber sie hielt nur 4 Jahre, weil seine Frau an Krebs starb. Er schrieb ein kurzes Buch, in welchem er richtig damit hadert. Eine der Fragen war nat\u00fcrlich: \u201eWo war Gott? Warum hat er das zugelassen?\u201c Und er schrieb dann: \u201eNicht, dass ich (meiner Meinung nach) in gro\u00dfer Gefahr w\u00e4re, nicht mehr an Gott zu glauben. Die wirkliche Gefahr besteht darin, dass ich dazu komme, schreckliche Dinge \u00fcber ihn zu glauben. Die Schlussfolgerung, die ich f\u00fcrchte, lautet nicht: \u201aEs gibt also doch keinen Gott\u2018, sondern: \u201aSo ist Gott also wirklich. Mach dir keine Illusionen mehr.\u2018\u201c<br \/>\nGenau darin bestand die Schwierigkeit von Abrahams Pr\u00fcfung. Wer ist Gott? Kann ich ihm vertrauen? Wer ist Gott \u2013 der Gott Abrahams in deinem Leben?<\/p>\n<p><strong>3. Gottes Offenbarung in der Pr\u00fcfung<\/strong><br \/>\nSehen wir uns noch einmal Vers 14 an: \u201eAbraham gab jenem Ort den Namen: Der HERR sieht, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg l\u00e4sst sich der HERR sehen.\u201c Robert Alter hatte angemerkt, dass unser Text mehrere Wortspiele mit dem Wort \u201esehen\u201c enth\u00e4lt. In Vers 4 erhebt Abraham seine Augen und sah den Berg von weitem. In Vers 8 hatte Abraham gesagt, dass Gott ein Lamm f\u00fcr das Opfer ausersehen wird. In Vers 13 sieht Abraham den Widder im Busch. Und hier sagt Abraham schlie\u00dflich: \u201eDer HERR sieht.\u201c Und die Selbstoffenbarung Gottes als der Gott, der sieht, ist hier so prominent und so wichtig, dass der ganze Ort danach benannt wird. Im Hebr\u00e4ischen ist es ein Ausdruck, den manche von uns vielleicht schon geh\u00f6rt haben: Jahwe Jireh.<br \/>\nWas das Sehen betrifft: Bis auf den heutigen Tag l\u00e4sst sich aus dem Wort \u201eSehen\u201c das Wort \u201evorsehen\u201c ableiten, was u.&nbsp;a. auch \u201eversorgen\u201c bedeuten kann. Im Englischen, was sich wiederum aus dem Lateinischen ableitet, ist das etwas klarer: \u201eto provide\u201c. Es enth\u00e4lt das Wort \u201eprovidere\u201c. Gott sieht und Gott sieht vor. Was sieht Gott und wie sorgte Gott vor? Gott sah die Not von Abraham. Gott sah, dass es S\u00fcnde gibt, f\u00fcr die bezahlt werden musste. Und Gott sah vor, indem er selbst f\u00fcr das stellvertretende Opfer sorgte. Und nein, das war nicht der Widder im Geb\u00fcsch.<br \/>\nGott sandte Abraham nach Morija. Der Name Morija kommt nur ein weiteres Mal in der Bibel vor. 2. Chronik 3,1: \u201eSalomo begann, das Haus des HERRN in Jerusalem auf dem Berg Morija zu bauen, wo der HERR seinem Vater David erschienen war, an der St\u00e4tte, die David bestimmt hatte, auf der Tenne des Jebusiters Arauna.\u201c Die Stadt Jerusalem entstand an den Bergen von Morija. Unweit von der Stelle wo Abraham Isaak fast geopfert hatte, baute Salomo sp\u00e4ter den Tempel.<br \/>\nAn einem der Ausl\u00e4ufer der Berge von Moria w\u00fcrde sich viele Jahre sp\u00e4ter ein anderes Drama abspielen. In unserer Geschichte hatte Isaak, der Sohn, das Holz getragen. Derek Kidner kommentierte, dass es dazu eine Parallele in Johannes-Evangelium gibt, wo es hei\u00dft: \u201eUnd er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Sch\u00e4delst\u00e4tte, die auf Hebr\u00e4isch Golgata hei\u00dft.\u201c Der wahre Sohn trug das Holz auf dem R\u00fccken, an dem er geopfert werden sollte. Aber es gab einen entscheidenden Unterschied: Als Jesus, der Sohn Gottes, auf das Holz gelegt wurde, gab es keinen Engel vom Himmel, der eingriff; keine Stimme vom Himmel; keine \u00fcberraschende Wendung. Jesus wurde \u201egeschlachtet\u201c, und er gab sein Leben voll und ganz. Als Jesus starb, wurde er das Opfer, das wir nicht h\u00e4tten geben k\u00f6nnen. Jesus hatte das Leben gelebt, das wir h\u00e4tten leben sollen und ist danach den Tod gestorben, den wir h\u00e4tten sterben m\u00fcssen. Vers 18 sagt: \u201eSegnen werden sich mit deinen Nachkommen alle V\u00f6lker der Erde, weil du auf meine Stimme geh\u00f6rt hast.\u201c Genesis 22 ist ohne den Verweis auf das, was Jesus f\u00fcr uns getan hat, nicht vollst\u00e4ndig. Jesus ist die Erf\u00fcllung von Gottes Verhei\u00dfung, dass durch Abrahams Nachkommen (Singular) alle V\u00f6lker auf Erden gesegnet werden sollten.<\/p>\n<p><strong>Zwei Anwendungen zum Schluss.<\/strong> Vielleicht erinnert ihr euch, dass wir Genesis 12 mit der Pr\u00e4misse angefangen hatten, dass wir Menschen unser wahres Zuhause verloren haben; dass wir von Abraham und seiner Familie lernen wollten, wie Gott den Weg nach Hause wiederherstellt und dass wir von ihnen die Sehnsucht nach der himmlischen Stadt lernen wollten. Der Text heute zeigt den Weg nach Hause: allein durch Gottes Vorsehung, allein durch die Tatsache, dass Gott den Preis an unserer Stelle bezahlt hatte, allein durch das Opfer, das Gott selbst darbrachte. Wir singen deshalb den Refrain:<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u201eVom Kreuz f\u00fchrt ein Weg nach Haus,<br \/>\nVom Kreuz f\u00fchrt ein Weg nach Haus.<br \/>\nJa, der Herr ist treu, Jesu Blut macht neu.<br \/>\nVom Kreuz f\u00fchrt ein Weg nach Haus.\u201c<\/p>\n<p>N\u00e4chste Anwendung: Die Frage ist, ob Gott auch uns pr\u00fcft. Und vermutlich tut Gott das, vielleicht sogar in diesem Moment. Nicht unbedingt, indem er uns den Auftrag gibt, das zu opfern, was uns lieb und kostbar ist. Aber vielleicht, indem er zul\u00e4sst, dass wir von furchtbaren Momenten heimgesucht werden; dass Gott es zul\u00e4sst, dass wir leiden, dass wir Schmerzen haben, dass wir Depressionen haben. Was ist die Pr\u00fcfung, wenn wir durch schwierige Zeiten gehen? Geht es darum, wie lange wir z\u00e4hneknirschend ausharren k\u00f6nnen?<br \/>\nAls John Ortberg durch eine tiefe Krise ging, rief er seinen Freund Dallas Willard an. Ortberg sagte, dass er zwar nicht an Selbstmord gedacht hatte. Aber er hatte sich gedacht, dass er dankbar w\u00e4re, wenn sein Leben vorbei ist, weil dann endlich der Schmerz vorbei w\u00e4re. So dreckig ging es ihm. Er schildert seinem Freund sein Leid und Herzzerbrechen. Es folgte eine lange Pause. Dann sagte Dallas: \u201eDies wird ein Test sein f\u00fcr dein freudiges Vertrauen auf Gott.\u201c\u2028 \u2013 Schweigen.<br \/>\nAm Kreuz zeigte Gott durch seine Vorsehung, wie sehr er uns liebt, wie sehr er auf unserer Seite steht, wie unendlich gut er es in jeder Situation mit uns meint, und was er schlie\u00dflich bereit ist zu tun, um uns nach Hause zu bringen. Gott erweist sich als Gott, dem wir vertrauen d\u00fcrfen. Nicht nur das: Vertrauen mit Freude.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext Der Gott der Vorsehung \u201eAbraham gab jenem Ort den Namen: Der HERR sieht, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg l\u00e4sst sich der HERR sehen.\u201c (1. 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