{"id":13063,"date":"2025-02-23T11:00:40","date_gmt":"2025-02-23T10:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=13063"},"modified":"2025-12-02T19:12:15","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:15","slug":"predigt-1-mose-161-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-mose-161-16\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Mose 16,1-16"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Genesis-161-16_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Genesis-161-16_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/1_mose\/16\/1-16?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Menschliche Fehltritte und Gottes Gnade<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDa nannte sie den Namen des HERRN, der zu ihr gesprochen hatte: Du bist El-Roi \u2013 Gott schaut auf mich \u2013. Denn sie sagte: Gewiss habe ich dem nachgeschaut, der auf mich schaut!\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Mose 16,13 [E\u00dc])<\/p>\n<p>Wir hatten vor vier Wochen eine neue Serie begonnen mit dem Thema \u201eSehnsucht nach der himmlischen Stadt.\u201c Zur Erinnerung, die Bibel sagt, dass das grundlegende Problem der Menschen die S\u00fcnde ist. Und die S\u00fcnde \u00e4u\u00dfert sich unter anderem darin, dass wir unser wahres Zuhause verloren haben. D.&nbsp;h., wenn es Momente in der vergangenen Woche gab, in denen du dich einsam, isoliert, oder traurig, entt\u00e4uscht, oder niedergeschlagen, hoffnungslos, oder einfach nur richtig verloren gef\u00fchlt hast, ist ganz tief im Innersten das der Grund: Wir sind verlorene Menschen auf der Suche nach unserem wahren Zuhause. Mit der Geschichte von Abraham, Isaak und Jakob f\u00e4ngt Gott an, dieses Problem anzugehen. Gott zeigt durch die Geschichte der Glaubensv\u00e4ter wie er die Menschheit von ihrer Verlorenheit retten will. Abraham ist ein gro\u00dfartiger Held des Glaubens. Und gleichzeitig war er ein Versager wie wir. Im heutigen Text haben wir es vermutlich mit seinem schlimmsten Fehltritt zu tun.<br \/>\nWir sehen hier im Text zum einen menschliche Bosheit, als zweites, resultierendes Leid und drittens, heilende Gnade.<\/p>\n<p><strong>1. Menschliche Bosheit<\/strong><br \/>\nF\u00fcr diejenigen unter euch, die noch nicht so lange dabei sind: Gerade der erste Teil von Genesis 16 ist eine h\u00e4ssliche Geschichte.<br \/>\nDer Text f\u00e4ngt damit an, dass Sarai keine Kinder hatte. Sie hatte aber eine \u00e4gyptische Sklavin. Die Luther- und Elberfelder-\u00dcbersetzung schreiben \u201eMagd\u201c. Was ist hier gemeint? Hebr\u00e4isch-Experte Robert Alter schreibt: \u201eDie Tradition der englischen Versionen, die [das hebr\u00e4ische Wort] als \u201aMagd\u2018 oder \u201aDienstm\u00e4dchen\u2018 wiedergeben, verleiht der Soziologie der Geschichte einen irref\u00fchrenden Sinn von europ\u00e4ischer H\u00f6flichkeit. Es geht darum, dass Hagar Sarais Eigentum war, und die sich daraus ergebenden Komplikationen ihrer Beziehung bauen auf dieser grundlegenden Tatsache auf.\u201c Hagar war nicht einfach eine Haushaltshilfe, die zu Hause beim Kochen und bei der Kinderbetreuung half. Sie war nicht einfach ein M\u00e4dchen f\u00fcr alles. Sie war eine Unfreie, die ganz und gar Sarai ausgeliefert war. Und das ist gleich vorneweg ein schwieriges Thema. Es gibt ganz viele Menschen, die sich von der Bibel abgewendet haben, weil die Bibel anscheinend kein Problem mit Sklaverei hat. Bef\u00fcrwortet die Bibel dann Sklaverei?<br \/>\nDie Antwort darauf ist kompliziert. Wie sehen sp\u00e4ter im Text, dass Hagar explizit als Sklavin von Sarai angesprochen wird. Und nach ihrer Flucht bekommt sie gesagt, dass sie wieder zur\u00fcckkehren soll. Diese und andere Erw\u00e4hnungen von Sklaven in der Bibel lassen den Eindruck erwecken, dass die Bibel an der Institution der Sklaverei zumindest keine Kritik \u00fcbt bzw. das Ganze sogar gutzuhei\u00dfen scheint. Und gleichzeitig macht die Bibel klar, dass Sklaverei nicht im Sinne des Erfinders der Menschen ist. Gott hat uns Menschen dazu geschaffen, frei zu sein. Noch viel wesentlicher, wir sehen in der Bibel immer wieder aufs Neue, wie Gott sich mit den Sklaven identifiziert; dass er sich bewusst auf deren Seite stellt \u2013 das nur als Randbemerkung.<br \/>\nWir sehen hier also gleich zu Beginn, gro\u00dfe Ungerechtigkeiten und sehr asymmetrische Machtverh\u00e4ltnisse: Wir haben hier Freie und Unfreie, Ausbeuter und Ausgebeutete, Unterdr\u00fccker und Unterdr\u00fcckte. Sklaverei ist ein ungerechtes System und ein direktes Produkt menschlicher S\u00fcnde. Und gleichzeitig ist Sklaverei ein systemisches \u00dcbel, d.&nbsp;h., nicht durch die Bosheit von einzelnen Menschen verursacht. F\u00fcr die Menschen, die innerhalb dieses Systems leben, bedeutet es ganz viel Leid und Elend, ohne dass sie es verschuldet haben. Weder Abram, Sarai noch Hagar hatten sich das mit der Sklaverei ausgedacht. Es war einfach die Welt, in der sie lebten und unter der sie litten.<br \/>\nVers 2: \u201eDa sagte Sarai zu Abram\u201c. Es ist das erste Mal in der Abraham-Geschichte, dass Sarai spricht. Was sagt sie? \u201eSiehe, der HERR hat mir das Geb\u00e4ren verwehrt. Geh zu meiner Sklavin! Vielleicht komme ich durch sie zu einem Sohn.\u201c Sarais Vorschlag war, dass die Kinder ihrer Sklavin als ihre Kinder gelten sollten. Uns mag diese Idee ziemlich abstrus erscheinen: Eine Sklavin wird sexuell ausgebeutet, um einen Nachkommen zu zeugen, der noch nicht einmal ihr geh\u00f6rt. In der damaligen Zeit war es aber weit verbreitete Praxis. Der Historiker John Walton hat Dokumente aus dem antiken Nahen Osten angef\u00fchrt, um zu zeigen, dass Sarais Idee praktisch genau auf dem basierte, was alle ihre Mitmenschen taten. Es gibt z.&nbsp;B. die Tontafeln aus Nuzi, die aus der Bronzezeit des heutigen Nordiraks stammen. Auf einer dieser Tafeln wird ein Mann namens Shennima erw\u00e4hnt, der eine Frau namens Gilimninu heiratet. Shennima verpflichtet sich dazu, keine andere Frau zu sich zu nehmen so lange seine Frau in der Lage ist, ihm Kinder zu geb\u00e4ren. Wenn aber Gilimninu keine Kinder haben kann, wird sie ihm eine Sklavin als Konkubine zur Verf\u00fcgung stellen. Das, was Sarai vorschlug, entsprach der Norm.<br \/>\nVers 2 erw\u00e4hnt, dass Abram auf die Stimme seiner Frau h\u00f6rte. War es eine schlechte Sache, dass Abram auf seine Frau h\u00f6rte? W\u00e4re die Welt nicht ein besserer Ort, wenn mehr M\u00e4nner etwas besser auf ihre Frauen h\u00f6ren w\u00fcrden? In was f\u00fcr einer Welt w\u00fcrden wir heute leben, wenn bei der letzten US-Wahl nur die Frauen gew\u00e4hlt h\u00e4tten? Aber der Unterschied zwischen M\u00e4nner und Frauen und wer wirklich die besseren Entscheidungen trifft, ist gar nicht der Punkt hier. Der Autor erw\u00e4hnt, dass Abram auf die Stimme seiner Frau h\u00f6rte, um den Gegensatz hervorzuheben, wie Abram sein Leben eigentlich h\u00e4tte f\u00fchren sollen: das H\u00f6ren auf Gottes Stimme. Und ja, Gott spricht sehr oft durch andere Menschen zu uns. Und ja, Gott spricht auch oft durch unsere Ehepartner zu uns. Aber hier war es eben nicht die Stimme Gottes.<br \/>\nVers 3 sagt dann: \u201eSarai, Abrams Frau, nahms also die \u00c4gypterin Hagar, ihre Sklavin, zehn Jahre, nachdem sich Abram im Land Kanaan niedergelassen hatte, und gab sie Abram, ihrem Mann, zur Frau.\u201c Bruce Waltke und Tremper Longman machen darauf aufmerksam, dass die Wortwahl hier sehr interessant ist. Die W\u00f6rter \u201enahm\u201c, \u201egab\u201c, \u201eihrem Mann\u201c sind Echos von Genesis 3, der S\u00fcndenfall, mit dem alles Ungl\u00fcck seinen Lauf nahm: \u201eSie nahm von seinen Fr\u00fcchten und a\u00df; sie gab auch ihrem Mann, der bei ihr war, und auch er a\u00df.\u201c D.h., der Autor zeigt auch durch literarische Mittel, dass Abram und Sarai von Gottes Plan abwichen.<br \/>\nIn Vers 4 sehen wir, dass Sarais Plan aufging. Hagar wurde schwanger. Und wir lesen: \u201eAls sie sah, dass sie schwanger war, galt ihre Herrin in ihren Augen nichts mehr.\u201c Hagar hatte bald jeglichen Respekt f\u00fcr Sarai verloren. Sie war voller Verachtung f\u00fcr ihre Herrin. H\u00e4tte sie es nicht besser wissen sollen? In der Fernsehserie \u201eBig Bang Theory\u201c gibt es eine Gruppe von vier sehr smarten Wissenschaftlern. Alle vier wurden aber w\u00e4hrend ihrer Schulzeit von ihren Mitsch\u00fclern geh\u00e4nselt und ausgeschlossen. Als junge Erwachsene machen sie sich \u00fcber einen Mann namens Zack lustig, weil er nicht so intelligent ist. Penny, die Freundin von Zack, die mit diesen Jungs befreundet ist, sagt dann: \u201eWisst ihr, f\u00fcr eine Gruppe von Leuten, die behaupten, die meiste Zeit ihres Lebens schikaniert worden zu sein, k\u00f6nnt ihr echte Mistkerle sein. Ihr solltet euch alle sch\u00e4men!\u201c<br \/>\nDas Interessante ist, dass man meinen k\u00f6nnte, dass Hagar als Sklavin doch wissen sollte, wie es ist, von den anderen als Fu\u00dfabtreter behandelt zu werden. Man k\u00f6nnte meinen, dass es die Erfolgreichen sind, die auf die Erfolglosen herabblicken, die Beliebten auf die Unbeliebten, die Reichen auf die Armen, die Insider auf die Outsider, die Oben sind auf die Unten. Die Bibel zeichnet so ein realistisches Bild vom Menschen. Anderen Menschen gegen\u00fcber respektlos zu sein, andere zu verachten, auf andere herabzuschauen ist v\u00f6llig losgel\u00f6st von sozialen Klassen. Alle Menschen haben die Neigung auf andere herabzuschauen, ganz unabh\u00e4ngig davon, welcher Schicht man angeh\u00f6rt.<br \/>\nDas Drama geht weiter. Sarai sagt Abram: \u201eDas Unrecht, das ich erfahre, komme \u00fcber dich! Ich selbst habe meine Sklavin in deinen Scho\u00df gegeben. Aber kaum sieht sie, dass sie schwanger ist, und schon gelte ich in ihren Augen nichts mehr. Der HERR richte zwischen mir und dir.\u201c Abram gibt eine ziemlich gleichg\u00fcltige Antwort darauf: \u201eSiehe, sie ist deine Sklavin, sie ist in deiner Hand. Tu mit ihr, was in deinen Augen gut erscheint!\u201c Abram macht in dieser ganzen Geschichte eine entsetzliche schlechte Figur. Man k\u00f6nnte etwas b\u00f6swillig sagen, dass er wie ein Hanswurst daherkommt. Die Autorin Hannah Arendt hatte davon gesprochen, dass das B\u00f6se richtig banal und dumm sein kann. Abram war (beim besten Willen) kein Adolf Eichmann, \u00fcber den Arendt das geschrieben hatte. Trotzdem benimmt sich Abram hier wie ein Trottel. Seine Bosheit ist seine v\u00f6llig unreflektierte und unbeteiligte Reaktion, was ein Indiz f\u00fcr seine Herz- und Lieblosigkeit ist.<br \/>\nVers 6 erw\u00e4hnt, dass Sarai anf\u00e4ngt, Hagar zu misshandeln. Wir wissen nicht, was Sarai ihrer Sklavin genau angetan hatte. Aber das Wort \u201emisshandeln\u201c ist das gleiche Wort, das in Exodus verwendet wird, wenn beschrieben wird, wie die \u00c4gypter die hebr\u00e4ischen Sklaven misshandelten. Ich gehe ganz stark davon aus, dass es physische Gewalt war. Die Misshandlung war so schlimm, dass Hagar keinen anderen Ausweg sah, als zu fliehen, vermutlich auch weil sie Angst um ihr eigenes Leben und um das des ungeborenen Kindes bekam.<br \/>\nWir haben in diesen wenigen Versen einen Querschnitt menschlicher Bosheit: Sklaverei und Ausbeutung, Vergewaltigung, Stolz und Verachtung, Dummheit und Gleichg\u00fcltigkeit und Misshandlung.<\/p>\n<p><strong>2. Resultierendes Leid<\/strong><br \/>\nWas ist die Konsequenz? Wir sehen zum einen das tiefe Ungl\u00fcck, in das die Ehe von Abram und Sarai schlitterte. Sarais Worte \u201eIch selbst habe meine Sklavin in deinen Scho\u00df gegeben\u201c sind ziemlich drastisch. Luther und NIV \u00fcbersetzen, dass Sarai Hagar in Abrams Arme gegeben hat. Einheits\u00fcbersetzung und Elberfelder sind n\u00e4her am Urtext und verwenden das Wort \u201eScho\u00df\u201c. Aber auch das klingt zu harmlos. Was Sarai tats\u00e4chlich meinte war \u201eich habe dir meine Sklavin \u00fcberlassen, damit du mir ihr Sex haben kannst&nbsp;\u2026\u201c Das ist die Sprache von Sarai. Es zeigt wie ungl\u00fccklich sie war.<br \/>\nHagar hatte sprichw\u00f6rtlich viel zu leiden. F\u00fcr sie war das Leid so unertr\u00e4glich gro\u00df, dass sie das Weite suchte. Mit der Flucht von Hagar war der ganze Plan von Sarai gescheitert. Der Nachkomme, um den es ging, war mit Hagar zusammen in der W\u00fcste. Und damit lag alles brach.<br \/>\nWie kam es zu diesem Zusammenbruch? Es h\u00e4ngt damit zusammen, was die Protagonisten der Geschichte antrieb. Sarai war eine in die Jahre gekommene, sichtlich frustrierte und verbitterte Frau. Vorher war sie wenigstens Sch\u00f6nheitsk\u00f6nigin gewesen. Aber jetzt gab eine Sklavin ihr das Gef\u00fchl nur noch zweite Wahl zu sein. Hagar war eine Sklavin aus \u00c4gypten; sehr wahrscheinlich war sie unter den \u201eWaren\u201c, welche der Pharao dem Abram als Entsch\u00e4digung gegeben hatte, weil er Sarai in seinen Harem aufgenommen hatte. Zeit ihres Lebens war sie wie ein Gegenstand behandelt worden. Aber jetzt war sie die Konkubine Abrams und die Frau, die ihm einen Sohn schenkte. Woher kamen Sarais Bitterkeit und Hagars Stolz?<br \/>\nIn der Antwort auf diese Frage finden wir auch eine wichtige Anwendung. Sarai war verbittert und Hagar war stolz, weil der Wert einer Frau in deren Gesellschaft davon abhing, ob und wie sehr sie f\u00e4hig waren, Kinder zu geb\u00e4ren. Sowohl bei Sarai als auch bei Hagar war die Schwangerschaft nicht einfach eine Schwangerschaft; das Kind war nicht einfach ein Kind. Es war vielmehr als das. Es war ihr Status, es war ihre Validierung als Frauen, es war ihre h\u00f6chste Errungenschaft. Wir schauen auf diese Gesellschaft und denken vielleicht: \u201eFrauen, die nur dazu da sind, um Kinder auf die Welt zu setzen! Das ist so erniedrigend! Zum Gl\u00fcck leben wir in anderen Zeiten.\u201c Und ja, es ist wirklich ein Gl\u00fcck, dass wir in anderen Zeiten leben. Absolut!<br \/>\nAber was definiert den Wert der Frauen in der heutigen Gesellschaft? Die erfolgreiche Frau heute hat nat\u00fcrlich studiert, verdient gutes Geld und macht Karriere. Die erfolgreiche Frau setzt sich auch gegen M\u00e4nner durch und erreicht F\u00fchrungspositionen, auch dann noch, wenn es einen hohen Preis kostet. Im \u201aHarvard Business Review\u2018 hie\u00df es: \u201eEs gibt da drau\u00dfen ein Geheimnis \u2013 ein schmerzhaftes, gut geh\u00fctetes Geheimnis: In der Lebensmitte haben zwischen einem Drittel und der H\u00e4lfte aller erfolgreichen Karrierefrauen in den Vereinigten Staaten keine Kinder. Tats\u00e4chlich sind 33 % dieser Frauen (F\u00fchrungskr\u00e4fte in der Wirtschaft, \u00c4rzte, Anw\u00e4lte, Akademiker usw.) in der Altersgruppe von 41 bis 55 Jahren kinderlos \u2013 und diese Zahl steigt auf 42 % in amerikanischen Unternehmen. Diese Frauen haben sich nicht daf\u00fcr entschieden, kinderlos zu bleiben. Die gro\u00dfe Mehrheit sehnt sich sogar nach Kindern.\u201c Warum tun Frauen sich das an? Warum entscheiden sich so viele Frauen f\u00fcr einen Weg, der mit gro\u00dfen Opfern einhergeht und sp\u00e4ter oft auch mit Bedauern verbunden ist? Die Antwort ist, weil unsere Gesellschaft den Frauen einen unsichtbaren Zwang auferlegt, dass der Wert ihres Lebens dadurch definiert wird, wie erfolgreich sie ihre Traumkarriere verwirklicht haben.<br \/>\nHier ist der Punkt: Jede Gesellschaft, jede Kultur definiert f\u00fcr sich, was ein lebenswertes Leben ist, sowohl f\u00fcr M\u00e4nner als auch f\u00fcr Frauen. In dieser Hinsicht ist unsere Gesellschaft kein bisschen anders im Vergleich mit allen anderen Kulturen. Jede Kultur diktiert uns, was wir tun und was wir erreichen m\u00fcssen, um jemand zu sein. Das ist der Grund, weshalb ein Job nicht einfach ein Job ist, und weshalb Familie nicht einfach Familie ist. Wir h\u00e4ngen so sehr daran, dass wir meinen, dass die Welt zusammenbricht, wenn wir das nicht haben. Und es macht Familien kaputt, es macht Beziehungen kaputt, es f\u00fchrt zu tiefer Unzufriedenheit und Verbitterung, es f\u00fchrt fr\u00fcher oder sp\u00e4ter zum Zusammenbruch.<br \/>\nWas ist die L\u00f6sung?<\/p>\n<p><strong>3. Heilende Gnade<\/strong><br \/>\nIn Vers 7 begegnen wir einer mysteri\u00f6sen Person: \u201eDer Engel des HERRN fand sie an einer Wasserquelle in der W\u00fcste, an der Quelle auf dem Weg nach Schur.\u201c W\u00e4hrend verschiedene Engel im Lauf der biblischen Geschichte verschiedenen Menschen begegnen, ist hier das erste Mal von dem Engel des HERRN die Rede. Wer ist dieser eine Engel des HERRN? Generationen von Auslegern haben sich dar\u00fcber Gedanken gemacht. Der Engel des HERRN bleibt eine geheimnisvolle Person. Wir kommen nachher noch einmal darauf zu sprechen.<br \/>\nDer Engel spricht Hagar mit Namen an: \u201eHagar, Sklavin Sarais, woher kommst du und wohin gehst du?\u201c Auf der einen Seite machte der Engel deutlich, dass er Hagar kannte. Er kannte nicht nur ihren Namen; er wusste auch, woher sie kam; er wusste auch, wohin sie wollte, bevor sie in der Sackgasse gelandet war, in der sie sich befand: Ihr Ziel war es, zur\u00fcck nach \u00c4gypten zu gehen.<br \/>\nAls Hagar antwortet, dass sie von Sarai, ihrer Herrin, geflohen ist, kommt die auf dem ersten Blick sehr, sehr harte Antwort zur\u00fcck: \u201eKehr zur\u00fcck zu deiner Herrin und beuge dich unter ihre Hand!\u201c Nur um Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden: Es bedeutet nicht, dass wenn man in einer Beziehung Missbrauch erfahren hat und davor geflohen ist, man zur\u00fcck in diese Beziehung kehren soll, um weiter missbraucht zu werden. Das w\u00e4re absolut grotesk, und das ist definitiv nicht, was der Engel meinte. Die Aufforderung hier war eine Einladung, kaputte Beziehungen wieder zu heilen. Und es war ein Versprechen, dass wenn Hagar ihren Platz als Sklavin wieder einnimmt, sie keinen weiteren Missbrauch erfahren wird; dass alles wieder in Ordnung kommen w\u00fcrde.<br \/>\nUnd jetzt kommt ein krasses Versprechen in Vers 10: \u201eDer Engel des HERRN sprach zu ihr: Mehren, ja mehren werde ich deine Nachkommen, sodass man sie wegen ihrer Menge nicht mehr z\u00e4hlen kann.\u201c Die Einheits\u00fcbersetzung hat das richtig \u00fcbersetzt. Der Engel wiederholt das Wort \u201emehren\u201c oder \u201emultiplizieren\u201c: \u201emultiplizieren und multiplizieren werde ich deine Nachkommen&nbsp;\u2026\u201c Niemand w\u00fcrde ihre Nachkommen z\u00e4hlen k\u00f6nnen, weil es so viele sind. Der Sohn, den sie bekommen w\u00fcrde, sollte den Namen Ismael tragen, was so viel bedeutet wie \u201eGott h\u00f6rt\u201c, weil Gott sie in ihrem Leid geh\u00f6rt hatte.<br \/>\nLasst uns vielleicht einen Moment innehalten. Hagar war eine \u00c4gypterin; sie geh\u00f6rte nicht zur Familie Abrahams, sondern war ein Anh\u00e4ngsel; noch dazu war sie eine Frau, und hatte als Frau nicht viel zu melden; nicht nur das, sie war eine schwangere Frau, was sie nochmals wesentlich verletzlicher machte; nicht nur das, sie war noch nicht einmal gl\u00e4ubig; noch dazu war sie eine Sklavin; nicht nur das, sie war eine davon gelaufene Sklavin. Sklaven, die geflohen waren, hatten schlimme Strafen zu bef\u00fcrchten, wenn sie gefunden wurden: noch schlimmere Misshandlungen und Gewalt oder h\u00e4ufig auch die Todesstrafe. D.&nbsp;h., wenn es eine Person gibt, die wirklich nicht tiefer h\u00e4tte fallen k\u00f6nnen, weil sie den blanken, nackten Boden erreicht hat, dann war es Hagar. Sie war am Ende der Fahnenstange. Und ausgerechnet sie ist die erste Person, zu welchem der Engel des HERRN kommt. Und der Engel ist freundlich zu ihr, stellt sie wieder her, segnet sie mit krassen Verhei\u00dfungen, mehr als sie jemals zu tr\u00e4umen gewagt h\u00e4tte. Und alles das ist Gnade. Gnade ist Gottes unerwarteter, unerbetener, v\u00f6llig unverdienter Besuch, um uns zu heilen, uns zu segnen, uns wiederherzustellen, uns mit allem, was gut und barmherzig ist, zu \u00fcbersch\u00fctten.<br \/>\nHagars Reaktion ist bezeichnend. In Vers 13 sagt sie: \u201eDu bist El-Roi \u2013 Gott schaut auf mich \u2013. Denn sie sagte: Gewiss habe ich dem nachgeschaut, der auf mich schaut!\u201c Die Aussage von Hagar ist nicht so einfach zu \u00fcbersetzen. Hagar hatte verstanden, dass sie nicht mit irgendjemandem gesprochen hatte. Sie hatte eine Begegnung mit Gott selbst gehabt. Der Engel Gottes war Gott selbst. An verschiedenen Stellen im Alten Testament lesen wir, dass es uns Menschen nicht m\u00f6glich ist, Gott zu sehen und weiter zu leben. Gott ist so herrlich, dass kein Mensch diese Herrlichkeit ertragen k\u00f6nnte. Und deshalb war Hagars Aussage vielleicht auch eher eine Frage oder ein Ausdruck der Verwunderung: \u201eHabe ich wirklich dem nachgeschaut, der mich gesehen hat? Habe ich wirklich Gott gesehen und bin noch unter den Lebenden?\u201c<br \/>\nWer ist dieser Gott? Es ist der Gott, der auf uns schaut. Gott sieht dich. Er sieht deine K\u00e4mpfe, deine N\u00f6te, deine Zweifel. Er sieht deinen Frust. Er sieht deine Sehnsucht. Er sieht dein Leid und deine Lasten. Und dieser Gott ist so unglaublich gn\u00e4dig. Die Tatsache, dass Gott einer davongelaufenen, schwangeren Sklavin begegnet, hei\u00dft nichts anderes, als dass jeder Mensch diesem Gott begegnen darf. Jeder Mensch ist bei ihm willkommen. Niemand ist ausgeschlossen. Seine Gnade steht jedem zur Verf\u00fcgung, der sich Gottes Heilung w\u00fcnscht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext Menschliche Fehltritte und Gottes Gnade \u201eDa nannte sie den Namen des HERRN, der zu ihr gesprochen hatte: Du bist El-Roi \u2013 Gott schaut auf mich \u2013. Denn sie sagte: Gewiss habe ich dem nachgeschaut, der auf mich schaut!\u201c (1. 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