{"id":12962,"date":"2024-12-29T11:00:56","date_gmt":"2024-12-29T10:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=12962"},"modified":"2025-12-02T19:12:18","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:18","slug":"predigt-psalm-103-jahreswechsel-2024-25","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-psalm-103-jahreswechsel-2024-25\/","title":{"rendered":"Predigt: Psalm 103 &#8212; Jahreswechsel 2024\/25"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Sonderlektion-Jahreswechel-2024-25-Psalm-103-Predigt.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Sonderlektion-Jahreswechel-2024-25-Psalm-103-Predigt.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/psalm\/103\/1-22?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Barmherzig und gn\u00e4dig<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eBarmherzig und gn\u00e4dig ist der HERR, geduldig und von gro\u00dfer G\u00fcte.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Psalm 103,8)<\/p>\n<p>Die Zeit vergeht wie im Flug und wir feiern heute schon wieder den letzten Gottesdienst in diesem Jahr. F\u00fcr den heutigen Gottesdienst hat R. mit Psalm 103 einen wirklich wunderbaren Text ausgesucht. W\u00e4hrend Psalm 23 vermutlich der dickste Diamant unter den Kronjuwelen ist, w\u00fcrde ich behaupten, dass Psalm 103 definitiv auch zu den beliebteren Psalmen geh\u00f6rt, zusammen mit Psalmen 1, 51, 119, 121 usw. Vielleicht gibt es auch einige von euch, die den Psalm auswendig aufsagen k\u00f6nnen? Der Theologe D.A. Carson ist ja in einer christlichen Familie aufgewachsen. Er hatte erz\u00e4hlt, dass er sich als Kind seine erste Bibel \u201everdienen\u201c musste, d. h. er musste Psalm 103 auswendig aufsagen. Der Psalm ist wirklich unglaublich reichhaltig. Er ist ein \u201eFestmahl\u201c.<br \/>\nGenau das macht auch das Studium und das Predigen dieses Texts zu einer echten Herausforderung. Spurgeon, der zu allen 150 Psalmen einen gigantischen Kommentar geschrieben hatte, sagt in der Einleitung zu Ps 103: \u201eWir beginnen unseren Versuch, ihn zu erkl\u00e4ren, unter dem Eindruck der v\u00f6lligen Unm\u00f6glichkeit, einer so erhabenen Komposition gerecht zu werden; wir rufen unsere Seele und alles, was in uns ist, dazu auf, uns bei dieser angenehmen Aufgabe zu helfen; aber leider ist unsere Seele endlich und unser ganzes geistiges Verm\u00f6gen viel zu gering f\u00fcr dieses Unterfangen. Der Psalm enth\u00e4lt zu viel, als dass tausend Griffel es aufschreiben k\u00f6nnten; er ist eine jener allumfassenden Schriften, die eine Bibel f\u00fcr sich ist, und er allein k\u00f6nnte fast f\u00fcr das Gesangbuch der Kirche ausreichen.\u201c Und tats\u00e4chlich wurde dieser Psalm so viele Male vertont.<br \/>\nF\u00fcr die heutige Predigt wollen wir drei Punkte mit gro\u00dfem Mut zur L\u00fccke betrachten. Der Psalm zeigt uns zum einen, wer Gott ist; er zeigt uns als zweites, wer wir sind; und er zeigt, was daher die nat\u00fcrliche und logische Konsequenz des Ganzen ist.<\/p>\n<p><strong>1. Was offenbart der Psalm \u00fcber Gott?<\/strong><br \/>\nIn Vers 8 hei\u00dft es: \u201eBarmherzig und gn\u00e4dig ist der HERR, geduldig und von gro\u00dfer G\u00fcte.\u201c Gott wird hier als der barmherzige und gn\u00e4dige Gott offenbart. Alle diese W\u00f6rter, die hier enthalten sind (barmherzig, gn\u00e4dig, geduldig, gro\u00dfe G\u00fcte), verdienen es, dass sie erl\u00e4utert und erkl\u00e4rt werden. Wir wollen uns nur kurz \u00fcber das erste Wort Gedanken machen. Gott ist ein barmherziger Gott.<br \/>\nTim Keller hatte in seiner Predigt zu diesem Text auf eine Geschichte hingewiesen, die gut illustriert, was mit dieser Barmherzigkeit gemeint sein k\u00f6nnte. Diese Geschichte ist so bekannt, dass selbst diejenigen, die nicht in der Sonntagsschule waren, sie kennen d\u00fcrften. Zu Beginn von Salomos Herrschaft treten zwei Frauen, die als Prostituierte ihren Lebensunterhalt verdient hatten, vor den K\u00f6nig. Beide Frauen hatten ein neugeborenes Kind. Eines dieser Kinder wurde im Schlaf von seiner Mutter erdr\u00fcckt. Es ist eines dieser tragischen Unf\u00e4lle, das sich leider ereignet hatte. Vielleicht war die Mutter betrunken gewesen. Sie nahm der anderen Mutter das Kind weg und schob ihr das tote Kind zu. Beide stritten vor dem K\u00f6nig um das lebende Kind.<br \/>\nSalomo trifft das salomonische Urteil: Man solle das lebende Kind mit dem Schwert zerteilen und beiden M\u00fcttern jeweils eine H\u00e4lfte geben. Wir lesen dann in 1. K\u00f6nige 3,26: \u201eDoch nun bat die Mutter des lebenden Kindes den K\u00f6nig \u2013 es regte sich n\u00e4mlich in ihr die m\u00fctterliche Liebe zu ihrem Kind: Bitte, Herr, gebt ihr das lebende Kind und t\u00f6tet es nicht!\u201c Ihr war es lieber, dass eine katastrophale Mutter ihr Kind bekommt und dass sie als L\u00fcgnerin vor dem K\u00f6nig dasteht, was drastische Strafen mit sich bringen konnte, als dass ihrem Baby ein Haar gekr\u00fcmmt wird. So stark war die m\u00fctterliche Liebe in ihrem Herzen zu ihrem Kind. Das ist Barmherzigkeit.<br \/>\nEs ist eine sehr bildliche Illustration f\u00fcr die Barmherzigkeit Gottes zu uns. Gott sieht uns an. Und er ist mit tiefen Gef\u00fchlen der Liebe zu uns erf\u00fcllt. Unser Wohlergehen liegt auf dem Herzen Gottes.<br \/>\nBevor wir fortfahren, noch ein wichtiger Hinweis zu Vers 8. Diejenigen unter euch, die ihre Bibeln wirklich tief kennen, m\u00f6gen vielleicht erkannt haben, dass Vers 8 ein Zitat aus Exodus ist. Vers 8 wird auch durch Vers 7 eingeleitet: \u201eEr hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein tun.\u201c Das zeigt uns den historischen Kontext. Als Israel am Berg Horeb war, hatte Mose die verwegene Bitte, dass Gott ihm seine Herrlichkeit zeigen m\u00f6ge. Gott antwortete auf Moses Gebet und zog mit seiner Herrlichkeit an ihm vorbei. Wir lesen in 2. Mose 34 Verse 5 und 6: \u201eDer HERR aber stieg in der Wolke herab und stellte sich dort neben ihn hin. Er rief den Namen des HERRN aus. Der HERR ging vor seinem Angesicht vor\u00fcber und rief: Der HERR ist der HERR, ein barmherziger und gn\u00e4diger Gott, langm\u00fctig und reich an Huld und Treue.\u201c Psalm 103 \u00fcbernimmt das fast wortw\u00f6rtlich. Aber Gottes Selbstoffenbarung in Exodus ging ja noch weiter: \u201eaber er spricht nicht einfach frei, er sucht die Schuld der V\u00e4ter bei den S\u00f6hnen und Enkeln heim, bis zur dritten und vierten Generation.\u201c<br \/>\nRobert Alter, der Hebr\u00e4isch-Experte, kommentiert an dieser Stelle: \u201eWas aus der Exodus-Passage nicht \u00fcbernommen wird, ist, dass Gott die Verbrechen der V\u00e4ter mit den S\u00f6hnen und den S\u00f6hnen der S\u00f6hne abrechnet. Im Gegenteil, hier [in Psalm 103] liegt der Schwerpunkt ausschlie\u00dflich auf dem g\u00f6ttlichen Erbarmen und der Vergebung.\u201c Wir k\u00f6nnten uns an dieser Stelle fragen, ob David beim Zitieren von Gottes Wort nicht zu selektiv war. Hat David sich hier einfach die Rosinen aus dem Kuchen rausgepickt? Nat\u00fcrlich nicht. Das, was David hier tut, ist, die Quintessenz zu finden. Er findet das, was Gott in seiner Essenz treffend beschreibt: Gott ist ein barmherziger und gn\u00e4diger Gott.<br \/>\nWie \u00e4u\u00dfern sich Gottes Barmherzigkeit und Gnade? In Vers 8 hei\u00dft es weiter: \u201egeduldig und von gro\u00dfer G\u00fcte.\u201c Die Elberfelder Bibel ist hier n\u00e4her am Urtext dran. Das Wort \u201egeduldig\u201c wird hier \u00fcbersetzt mit \u201elangsam zum Zorn\u201c. Gott wird zornig; aber er ist langsam zum Zorn. Der Zorn Gottes ist ein extrem unangenehmes Thema. Stellen wir uns vor, wir m\u00fcssen nach Hause, aber wir wissen, dass zu Hause eine Person auf uns wartet, die auf uns zornig ist. Wir w\u00fcrden nach allen m\u00f6glichen Ausreden suchen, nicht nach Hause gehen zu m\u00fcssen. Nat\u00fcrlich ist Gottes Zorn viel schlimmer als jeder menschliche Zorn. Und gleichzeitig ist Gottes Zorn ganz anders.<br \/>\nDer jesuitische Priester Gregory Boyle erz\u00e4hlte die Geschichte von einem 12-j\u00e4hrigen Jungen namens Betito, der selbstbewusst ist und allen Menschen, denen er begegnet gute Laune macht. Eines Tages wird Betito bei einer Schie\u00dferei angeschossen. Die Kugel geht durch seinen K\u00f6rper. Er kommt ins Krankenhaus und muss sofort operiert werden. Der Arzt, der ihn behandelt, teilt Boyle mit, dass die Kugel, die durch den Jungen ging, das gr\u00f6\u00dfte Kaliber war, das er je gesehen hatte. Der Junge war sofort gel\u00e4hmt, obwohl die Kugel nicht einmal seine Wirbels\u00e4ule getroffen hatte. Die Notoperation dauert 6 Stunden, w\u00e4hrend Boyle die Mahnwache abh\u00e4lt. Betito \u00fcberlebt zun\u00e4chst. Aber nur zwei Stunden sp\u00e4ter hat er Herzversagen und stirbt.<br \/>\nBoyle findet sp\u00e4ter heraus, dass er die M\u00f6rder des Jungen kannte. Er schreibt: \u201eWenn wir uns danach sehnen, in der Welt der zu sein, der Gott ist, dann muss unsere Barmherzigkeit irgendwie den Weg in die Weite finden. Das Mitgef\u00fchl m\u00f6chte nicht auf den beiden im Wagen ruhen, die mit be\u00e4ngstigend gro\u00dfkalibrigen Waffen zielen. Das habe ich sicher nicht. Als sie gefasst wurden und ich merkte, dass ich sie kannte, war es unertr\u00e4glich, sie nicht hassen zu k\u00f6nnen. Schafe ohne einen Hirten. [\u2026] Da es niemanden gab, der ihnen die Wahrheit offenbart h\u00e4tte, hatten sie sich der Heilung entzogen [\u2026]. Aber sind sie weniger der Barmherzigkeit w\u00fcrdig als Betito? Ich gebe zu, dass der Schweregrad hier au\u00dferordentlich hoch ist. Kinder, die ich liebe, bringen Kinder um, die ich liebe.\u201c<br \/>\nIn diesem Satz finden wir vielleicht eine hilfreiche Erkl\u00e4rung f\u00fcr das, was den Zorn Gottes ausmacht. Gott sieht Kinder, die er liebt, die andere Kinder, die er liebt, umbringen; nat\u00fcrlich macht ihn das zornig. Gott sieht, wie Kinder, die er liebt, sich destruktiv verhalten, sich dabei selbst schaden und anderen. Gott sieht, wie seine geliebte Sch\u00f6pfung, die er gut gemacht hatte, von geliebten Gesch\u00f6pfen mit F\u00fc\u00dfen zertreten und zerst\u00f6rt wird. Wie k\u00f6nnte Gott ein Gott der Liebe sein, und nicht zornig dabei werden. Der Zorn Gottes steht immer im direkten Zusammenhang mit seiner Liebe.<br \/>\nGott ist nicht nur langsam zum Zorn. In den Versen 9 und 10 hei\u00dft es: \u201eEr wird nicht f\u00fcr immer hadern noch ewig zornig bleiben. Er handelt nicht mit uns nach unseren S\u00fcnden und vergilt uns nicht nach unserer Missetat.\u201c Derek Kidner schriebt hierzu: \u201eDiese sehr menschlichen Begriffe verdeutlichen den Gegensatz zwischen Gottes Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und dem schwerf\u00e4lligen Zorn des Menschen, der es liebt, seine Streitereien am Laufen zu halten und seinen Groll zu pflegen. Gott, dem unendlich viel Unrecht widerf\u00e4hrt, z\u00fcgelt nicht nur den Zorn, sondern auch die Gerechtigkeit \u2013 allerdings um welchen Preis, das kann nur das Neue Testament offenbaren.\u201c<br \/>\nDas bringt uns zum n\u00e4chsten Aspekt, wie sich die Barmherzigkeit und Gnade Gottes \u00e4u\u00dfert. Verse 11 und 12: \u201eDenn so hoch der Himmel \u00fcber der Erde ist, l\u00e4sst er seine Gnade walten \u00fcber denen, die ihn f\u00fcrchten. So fern der Morgen ist vom Abend, l\u00e4sst er unsere \u00dcbertretungen von uns sein.\u201c Der Psalmist sucht hier nach Superlativen: Was k\u00f6nnte h\u00f6her sein als der Himmel, der \u00fcber der Erde ist?; was k\u00f6nnte weiter voneinander entfernt sein als Sonnenaufgang (Osten) und Sonnenuntergang (Westen)? Das eine beschreibt die Gr\u00f6\u00dfe seiner Gnade; das andere beschreibt, wie weit Gott unsere S\u00fcnden von uns weg tut. Und das alles zeigt, wie radikal Gott uns vergibt. Es gibt keine S\u00fcnde, die zu gro\u00df ist, als dass Gott sie nicht von uns wegtun k\u00f6nnte. Es gibt keinen Fehltritt, der zu gro\u00df ist, als dass wir bei Gott nicht von Neuem h\u00e4tten anfangen k\u00f6nnen. Das ist die vergebende Liebe Gottes.<br \/>\nUnd schlie\u00dflich, in Vers 13 hei\u00dft es: \u201eWie sich ein Vater \u00fcber Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR \u00fcber die, die ihn f\u00fcrchten.\u201c Die Barmherzigkeit und die Gnade Gottes zeigen sich durch die Tatsache, dass Gott unser Vater ist. So unglaublich viel steckt in diesem einen Wort drin: Vater. Gott hat uns in seine g\u00f6ttliche Familie adoptiert. Gott ist derjenige, der sich um uns k\u00fcmmert, der sich um unsere N\u00f6te sorgt. Gott ist unser Erzieher, der uns diszipliniert und zurechtweist, aber immer in Liebe und immer in vollkommener Weisheit. Gott stellt uns seinen Reichtum zur Verf\u00fcgung, den wir eines Tages mit Jesus miterben d\u00fcrfen. Gott ist unser Zuhause.<br \/>\nDas war im absoluten Schnelldurchgang, was der Psalm \u00fcber Gott offenbart mit Mut zur L\u00fccke.<\/p>\n<p><strong>2. Was offenbart der Psalm \u00fcber uns?<\/strong><br \/>\nIn den Versen 14-16 wird die Verg\u00e4nglichkeit des Menschen beschrieben. Vers 14 sagt, dass wir Staub sind. Verse 15 und 16: \u201eEin Mensch ist in seinem Leben wie Gras, er bl\u00fcht wie eine Blume auf dem Felde; wenn der Wind dar\u00fcber geht, so ist sie nimmer da, und ihre St\u00e4tte kennt sie nicht mehr.\u201c<br \/>\nDas deckt sich ziemlich gut, mit dem, was ich in einem Astronomiebuch gelesen hatte. Am Ende des Buches ging es um die philosophischen Folgerungen. Der Autor schrieb, dass wir Menschen uns gerne als 4-dimensionale Wesen sehen: Wir reisen durch Raum und Zeit. Aber strenggenommen, bewegen wir uns nicht nennenswert in die H\u00f6he. Wir bewegen uns eher auf einer Ebene. Wenn man jetzt noch die immense Gr\u00f6\u00dfe des Universums in Betracht zieht, dann muss man sagen, spielt die Gr\u00f6\u00dfe unseres Planeten keine Rolle. Wir sind ein klitzekleiner Punkt. Und wenn man das Alter des Universums in Betracht zieht, dann muss man sagen, dass das Zeitliche auch keine nennenswerte Rolle spielt. Wir sind ziemlich eindimensional.<br \/>\nFakt ist, dass das dem widerspricht, wie wir \u00fcber uns denken. Wir f\u00fchlen uns eher wie der B\u00f6sewicht Loki aus dem Marvel-Universum, der sich folgenderma\u00dfen vorstellt: \u201eIch bin Loki von Asgard, und ich bin mit einer glorreichen Bestimmung betraut.\u201c Wir denken, dass wir besonders sind. Und h\u00e4ufig sind wir sehr von uns \u00fcberzeugt. Wir glauben, dass wir gro\u00dfe Tr\u00e4ume haben sollten und dass wir wirklich etwas erreichen k\u00f6nnen.<br \/>\nUm noch eine Filmreferenz zu verwenden: In dem Liebesfilm Notting Hill spielt Julia Roberts eine Schauspielerin, die ein reicher Superstar namens Anna Scott darstellt. An einer Stelle im Film sagt sie: \u201eSeit ich neunzehn bin, bin ich jeden Tag auf Di\u00e4t, was im Grunde bedeutet, dass ich seit einem Jahrzehnt hungrig bin. Ich hatte eine Reihe von nicht netten Beziehungen, von denen mich einer geschlagen hat. Ah, und jedes Mal, wenn mir das Herz gebrochen wird, schreiben die Zeitungen dar\u00fcber, als w\u00e4re es Unterhaltung. Und es hat zwei ziemlich schmerzhafte Operationen gebraucht, bis ich so aussah wie jetzt. Und eines Tages, in nicht allzu ferner Zukunft, wird mein Aussehen verschwinden, man wird feststellen, dass ich nicht schauspielern kann, und ich werde eine traurige Frau mittleren Alters sein, die ein bisschen aussieht wie jemand, der eine Zeit lang ber\u00fchmt war.\u201c Was Anna Scott so eloquent ausdr\u00fcckt, ist ja nur der Anfang vom Ende.<br \/>\nDie Wahrheit, die der Psalm \u00fcber uns zeigt, ist, wie verg\u00e4nglich wir sind: eine Handvoll Staub und Erde, heute hier, morgen vergangen. Und gleichzeitig sind wir Objekte von Gottes Liebe. Seine Barmherzigkeit und Gnade gilt uns, nicht obwohl, sondern weil wir Staub sind. Wir sind auf seine Barmherzigkeit angewiesen. Und Gott schenkt sie uns in vollem Reichtum.<\/p>\n<p><strong>3. Was ist die logische Konsequenz?<\/strong><br \/>\nDrei Anwendungen zum Schluss. Zum einen, weil Gott barmherzig und gn\u00e4dig ist, sind auch wir dazu berufen, ein Leben der Barmherzigkeit und Gnade zu f\u00fchren. Vielleicht erinnern wir uns zur\u00fcck an die Stelle in den Seligpreisungen in der Bergpredigt, in welcher Jesus sagt: \u201eSelig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.\u201c Diese ganze Welt w\u00fcrde so viel besser funktionieren, wenn Menschen barmherzig w\u00e4ren, weil diese Welt von einem Gott geschaffen wurde, der selbst barmherzig ist.<br \/>\nDas hei\u00dft, sei ein Mensch, der barmherzig und gn\u00e4dig ist im Umgang mit anderen Menschen. Die Bergpredigt war voll von Beispielen daf\u00fcr. Statt unsere Feinde zu hassen, sollen wir sie lieben; statt unseren Verfolgern zu fluchen, sollen wir f\u00fcr sie beten und sie segnen. Wenn dir jemand die Vorfahrt nimmt, schimpfe nicht, sondern bete f\u00fcr die Person. Wenn dir jemand etwas antut, was du als nervig empfindest, unterstelle erst einmal gute Motive, nicht die niedertr\u00e4chtigsten: Vielleicht hat die Person ja Gr\u00fcnde, die du nicht kennst oder vielleicht hat die Person etwas durchgemacht, wovon du keine Ahnung hast. Paulus schreibt, dass soweit es an uns liegt, wir mit allen Menschen Frieden haben sollen. Sei barmherzig mit anderen, weil es die Art und Weise ist, wie Gott mit diesen Menschen umgeht.<br \/>\nUnd, sei auch barmherzig mit dir selbst. Ich sage jetzt nicht, dass wir uns mehr lieben sollen, als wir es ohnehin schon tun. Fakt ist, Gott ist barmherzig mit uns, aber wir sind es h\u00e4ufig nicht. Pastor Uwe Sch\u00e4fer hatte von der Stimme des inneren Kritikers gesprochen. Viele von uns haben einen inneren Kritiker, der unabl\u00e4ssig \u00fcber uns schimpft und uns niedermacht. Wenn wir beim Einkaufen die k\u00fcrzeste Schlange w\u00e4hlen, die aber dann am L\u00e4ngsten beim Abkassieren braucht, dann sagen wir: \u201eDu bist ja mal wieder so ein Pechvogel.\u201c Wenn uns ein Missgeschick passiert, dann sagen wir uns vielleicht selbst: \u201eDas hast du mal wieder prima gemacht, du Hornochse\u201c oder \u201edu Vollidiot\u201c. Wenn wir Fehltritte haben oder Niederlagen oder s\u00fcndigen, dann sagt der Kritiker: \u201eWusste ich es doch, dass du eine echte Nulpe bist, du Versager.\u201c Das ist nicht die Stimme des Heiligen Geites in uns. Das ist die Stimme des Ankl\u00e4gers. Egal, was uns widerf\u00e4hrt und egal wie sehr wir im Lauf eines Tages versagt haben, Gott ist barmherzig mit uns. Und weil Gott barmherzig mit uns ist, d\u00fcrfen wir es auch zu uns selbst sein. Weil Gott ein vergebender Gott ist, d\u00fcrfen wir die Gewissheit haben, dass uns vergeben wurde.<br \/>\nDas bringt uns direkt zur zweiten Anwendung. Der Psalm beginnt mit den Worten \u201eLobe den HERRN, meine Seele.\u201c Dieser Satz wird zweimal wiederholt und kommt daher dreimal im Psalm vor. Die Seele ist unser ganzer innere Mensch mit allem Intellekt, mit allen Gef\u00fchlen. Und der Psalmist tut hier etwas sehr Interessantes. Er predigt sich selbst. Jeremia 17,9 sagt \u00fcber das menschliche Innere: \u201eArglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich. \/ Wer kann es ergr\u00fcnden?\u201c Wir k\u00f6nnen das best\u00e4tigen. Wir denken zwar, dass wir vern\u00fcnftig sind. Aber so oft verhalten wir uns nicht rational. So oft \u00fcberreagiert unser Herz. So oft hat unser Herz Emotionen und Gef\u00fchle, die absolut unbegr\u00fcndet sind. Was wir mit diesem arglistigen und unverbesserlichen Herzen tun k\u00f6nnen, ist, ihm zu predigen. Wir k\u00f6nnen unserer Seele immer wieder Gottes Wahrheiten einpflanzen: \u201eGott liebt mich. Gott ist mein Vater, und ich bin sein Kind. Gott hat alle meine Missetaten vergeben. Gott steht an meiner Seite und wird mich nicht verlassen.\u201c<br \/>\nDie Letzte und die wichtigste Anwendung zum Schluss: Lobe den Herrn! Viele von uns hatten eine wunderbare Woche: Es war Weihnachten, es gab viel gutes Essen, es gab Zeit mit geliebten Menschen, man konnte ausruhen und entspannen; f\u00fcr einige von uns war es eine schlimme Woche mit Streitereien, mit Sorgen, mit Stress, man hatte das Gef\u00fchl, nie wirklich zur Ruhe kommen zu k\u00f6nnen; f\u00fcr einige von euch war die Woche irgendwo in der Mitte. Und alles das ist zweitrangig und drittrangig. Wir alle sind dazu berufen, Gott zu loben und zu preisen, in guten wie in schlechten Zeiten. Gott ist w\u00fcrdig gelobt und gepriesen zu werden wegen all dem, was Psalm 103 sagt. Wir haben keine Ausreden, Gott nicht zu preisen. Wir d\u00fcrfen einstimmen, in den Refrain.<br \/>\n\u201eLobet den HERRN, ihr seine Engel, \/ ihr starken Helden, die ihr sein Wort ausf\u00fchrt, dass man h\u00f6re auf die Stimme seines Wortes!<br \/>\nLobet des HERRN, alle seine Heerscharen, seine Diener, die ihr seinen Willen tut!<br \/>\nLobet den HERRN, alle seine Werke, \/ an allen Orten seiner Herrschaft!<br \/>\nLobe den HERRN, meine Seele!\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext Barmherzig und gn\u00e4dig \u201eBarmherzig und gn\u00e4dig ist der HERR, geduldig und von gro\u00dfer G\u00fcte.\u201c (Psalm 103,8) Die Zeit vergeht wie im Flug und wir feiern heute schon wieder den letzten Gottesdienst in diesem Jahr. F\u00fcr den heutigen Gottesdienst hat R. mit Psalm 103 einen wirklich wunderbaren Text ausgesucht. 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