{"id":12824,"date":"2024-11-03T11:00:31","date_gmt":"2024-11-03T10:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=12824"},"modified":"2025-12-02T19:12:21","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:21","slug":"predigt-bergpredigt-matthaeus-712-14","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-bergpredigt-matthaeus-712-14\/","title":{"rendered":"Predigt: Bergpredigt &#8212; Matth\u00e4us 7,12-14"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Mt_Bergpredigt_Lektion20_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/02\/Mt_Bergpredigt_Lektion20_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/matthaeus\/7\/12-14?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Die goldene Regel: der schmale Weg<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eAlles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Matth\u00e4us 7,12 [E\u00dc])<\/p>\n<p>Der heutige Text handelt vom breiten und schmalen Weg. Und viele von uns, wenn wir diesen Text lesen, f\u00fchlen uns an ein ber\u00fchmtes Gem\u00e4lde von Charlotte Reihlen erinnert. Im Vordergrund des Bildes sieht man recht eine kleine unscheinbare Pforte und den schmalen Weg. Und dieser schmale Weg sieht eng und beschwerlich aus, aber er f\u00fchrt in den Himmel und die Herrlichkeit Gottes. Links ist prominent ein breiter Weg. Es gibt noch nicht einmal ein Tor. Der breite Weg sieht einfach und heiter aus, aber er f\u00fchrt sp\u00e4ter zu Krieg und Zerst\u00f6rung und eine brennende H\u00f6lle. Dieses Bild regt unsere Fantasie an und l\u00e4dt zum Nachdenken ein. Wenn du dieses Bild hilfreich findest, m\u00f6chte ich dich gerne weiter dazu einladen, dar\u00fcber nachzusinnen.<br \/>\nEine Schwierigkeit im Text ist, dass Jesus zu sagen scheint, dass viele Menschen auf dem breiten Weg unterwegs sind und in die Verlorenheit gehen, w\u00e4hrend der schmale Weg zum Leben nur von wenigen begangen wird. Das wiederum scheint ein wenig im Widerspruch zu stehen, was die Bibel an anderen Stellen zu sagen scheint. Nur ein Kapitel weiter sagt Jesus: \u201eIch sage euch: viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen.\u201c In R\u00f6mer 5 ist mehrfach von \u201evielen\u201c die Rede, die gerettet werden: \u201eso werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden.\u201c<br \/>\nSpurgeon (dem niemand den Vorwurf machen kann, dass er liberal ist) sage folgendes: \u201eIch verabscheue von ganzem Herzen das st\u00e4ndige Gejammer einiger Menschen, die ihre eigene kleine Kirche als den \u201e\u00dcberrest\u201c ansehen \u2013 die \u201ewenigen, die gerettet werden sollen\u201c. Sie reden immer von engen Pforten und schmalen Wegen und von dem, was sie f\u00fcr eine Wahrheit halten, dass nur wenige in den Himmel kommen werden. [\u2026] Ich glaube, dass es im Himmel mehr sein werden als in der H\u00f6lle, weil Christus in allem \u201eden Vorrang haben soll\u201c (Kol 1,18), und ich kann mir nicht vorstellen, wie er den Vorrang haben k\u00f6nnte, wenn es in den Herrschaftsgebieten Satans mehr geben soll als im Paradies. Au\u00dferdem wird gesagt, dass es im Himmel eine un\u00fcberschaubare Menge geben soll; ich habe nie gelesen, dass es in der H\u00f6lle eine un\u00fcberschaubare Menge geben soll.\u201c Der Text, auf den sich Spurgeon bezog, ist Offenbarung 7,9: \u201eDanach sah ich und siehe, eine gro\u00dfe Schar aus allen Nationen und St\u00e4mmen, V\u00f6lkern und Sprachen; niemand konnte sie z\u00e4hlen.\u201c Die Zahl der Geretteten ist nicht mickrig.<br \/>\nWie verstehen wir den heutigen Text? Wie so oft ist es der Kontext, der z\u00e4hlt. In Jesus Christus ist das Reich Gottes so nahe herbeigekommen, dass alle Menschen, die wollen, im Hier und Jetzt in diesem Reich leben k\u00f6nnen. Jesus stellt uns vor die Wahl. Er will, dass wir jetzt bereits als B\u00fcrger vom Himmelreich leben. Jesus ermahnt uns, durch das enge Tor auf dem schmalen Weg zu gehen, weil es der Weg zum Leben ist. D.h., wir wollen uns \u00fcber folgende drei Fragen Gedanken machen: erstens, inwiefern ist der Weg schmal? Zweitens, wie k\u00f6nnen wir auf diesem Weg gehen? Drittens, zu welchem Leben f\u00fchrt dieser Weg? Oder wenn man es etwas poetischer haben will: erstens, der Weg; zweitens, die Pilgerschaft; drittens, das Ziel.<\/p>\n<p><strong>1. Der Weg<\/strong><br \/>\nVerse 13 und 14: \u201eGeht durch das enge Tor! Denn weit ist das Tor und breit ist der Weg, der ins Verderben f\u00fchrt, und es sind viele, die auf ihm gehen. Wie eng ist das Tor und wie schmal der Weg, der zum Leben f\u00fchrt, und es sind wenige, die ihn finden.\u201c Inwiefern ist das Tor eng und der Weg schmal?<br \/>\nZum einen ist der Weg schmal, weil er exklusiv ist. Im christlichen Glauben ist der Weg eine Person, n\u00e4mlich Jesus Christus. Das Leitwort der europ\u00e4ischen Sommerkonferenz war Johannes 14,6: \u201eJesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater au\u00dfer durch mich.\u201c Was hei\u00dft es, dass Jesus der Weg ist? Es bedeutet, dass man akzeptiert, dass er der Herr und Retter ist.<br \/>\nIn den USA tragen viele Christen, die Donald Trump unterst\u00fctzen, T-Shirts mit der Aufschrift \u201eJesus ist mein Retter, und Donald Trump ist mein Pr\u00e4sident.\u201c Wie ich finde, verbirgt sich dahinter ein gewaltiger Irrtum. Es scheint auszudr\u00fccken, dass Jesus f\u00fcr den Aspekt Rettung von den S\u00fcnden verantwortlich ist, w\u00e4hrend jemand wie Trump damit betraut ist, unser Leben und Land auf die Reihe zu bringen. Dieser Spruch scheint ausdr\u00fccken zu wollen, dass Trump in einem \u00e4hnlichen Ausma\u00df die Loyalit\u00e4t und den Gehorsam seiner Anh\u00e4nger verdient wie es bei Jesus der Fall ist. Aber Jesus ist nicht nur unser Retter. Jesus ist auch unser K\u00f6nig. Jesus rettet nicht nur, sondern Jesus regiert und richtet auch. Jesus als den einzigen Weg zum Vater zu akzeptieren, bedeutet, dass wir uns ihm ganz unterordnen; das, was er sagt, hat f\u00fcr uns zentrale Bedeutung; er hat Anspruch auf und v\u00f6llige Autorit\u00e4t \u00fcber unser Leben, und wir geh\u00f6ren ganz ihm. Das ist schmal.<br \/>\nDer Weg ist ebenfalls schmal, weil es der Weg der Gnade ist. Was bedeutet das? Wenn wir uns noch einmal das Bild von Reihlen anschauen, dann sehen wir auf dem breiten Weg die Weltlichen. Drei prominente Geb\u00e4ude stehen im Vordergrund: der Maskenball, das Theater, die Spielh\u00f6lle. D.&nbsp;h., auf dem breiten Weg sind die Vergn\u00fcgungss\u00fcchtigen und die Partyl\u00f6wen, die Trinker und die Raucher, die Spieler und die Zocker, die Unmoralischen. Auf der anderen Seite sind auf dem schmalen Weg die Frommen, die Beter, die Menschen, die sich entschieden haben, allen weltlichen Vergn\u00fcgungen zu entsagen. Auf der einen Seite scheinen die B\u00f6sen und die Schlechten ihr Wesen zu treiben; auf der anderen Seite sind die Guten und die Lieben.<br \/>\nAber was ist der Kontext der Bergpredigt? Jesus sagte in Matth\u00e4us 5,20: \u201eWenn eure Gerechtigkeit nicht weit gr\u00f6\u00dfer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharis\u00e4er, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.\u201c Wir verbinden mit Schriftgelehrten und Pharis\u00e4ern h\u00e4ufig Heuchler und religi\u00f6s angehauchte Terroristen. Aber Fakt ist, sie waren die Frommen der damaligen Zeit. Sie waren die Menschen, die alle Gebote zu halten versuchten. Sie waren diejenigen, die Almosen gaben, beteten und fasteten und das AT besser beherrschten als wir das kleine Einmaleins. Und Jesus schien zu sagen, dass alle diese religi\u00f6sen Aktivit\u00e4ten keinen Wert hatten. D.&nbsp;h., du kannst sonntags in die Gemeinde gehen, du kannst Bibel lesen, du kannst christliche Musik h\u00f6ren, dich am Kochplan beteiligen, und trotzdem mit Haut und Haaren auf dem breiten Weg unterwegs sein. Das ist das Schockierende.<br \/>\nDer schmale Weg ist der Weg der Gnade. D.&nbsp;h., alle, die auf diesem Weg unterwegs sind, bekennen, dass sie es nicht verdienen, auf diesem Weg zu sein. Der Weg der Gnade ist, dass wir bekennen, dass es nichts gibt, was wir begangen haben, was dazu f\u00fchrt, dass Gott uns weniger lieben k\u00f6nnte; und dass es nichts gibt, was wir vollbringen k\u00f6nnten, was dazu f\u00fchrt, dass Gott uns mehr lieben k\u00f6nnte. Der Weg der Gnade ist, dass die Vergebung unserer Schuld und unser Angenommensein bei Gott, auf dem beruht, was Jesus f\u00fcr uns am Kreuz getan hat, und nicht auf dem, was wir getan haben. Der Weg der Gnade ist, dass wir von innen heraus ver\u00e4ndert werden: durch Bekenntnis unserer S\u00fcnden, durch Bu\u00dfe und durch Gottes vergebende Liebe. Es ist der Weg der Selbstverleugnung, und es ist der Weg der Demut. Das ist ein schmaler Weg.<\/p>\n<p><strong>2. Die Pilgerschaft<\/strong><br \/>\nWir haben gesagt, dass Jesus der Weg ist, und dass der schmale Weg bedeutet, dass wir seine Autorit\u00e4t in unserem Leben zulassen. Was bedeutet es dann konkret, auf dem schmalen Weg unterwegs zu sein? Jesus gibt uns in Vers 12 eine ausf\u00fchrliche Antwort darauf: \u201eAlles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.\u201c Dieses Gebot ist bekannt unter dem Namen \u201edie goldene Regel\u201c. Die meisten Menschen unserer Gesellschaft w\u00e4ren mit dieser Regel voll einverstanden. Und die meisten Menschen w\u00e4ren mit der Aussage einverstanden, dass unsere Gesellschaft eine viel bessere w\u00e4re, wenn alle Menschen danach leben w\u00fcrden. Das Problem ist, es macht halt nur keiner.<br \/>\nWarum wird dieses Gebot die goldene Regel genannt? Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung ist, dass der r\u00f6mische Kaiser Alexander Severus diese Worte in goldener Farbe an eine Wand hatte schreiben lassen. Wir kennen die goldene Regel aus der Bibel als die Worte, die Jesus gesprochen hatte. Aber tats\u00e4chlich ist uns diese Regel auch au\u00dferhalb der Bibel \u00fcberliefert. Der Philosoph Seneca (Zeitgenosse von den ersten Aposteln) schrieb: \u201eLasst uns unsere Gro\u00dfz\u00fcgigkeit so aus\u00fcben, wie wir sie uns selbst w\u00fcnschen w\u00fcrden.\u201c Konfuzius hat auf der anderen Seite des Erdballs hunderte Jahre vorher geschrieben: \u201eWas du nicht willst, dass man dir tut, das f\u00fcg&#8216; auch keinem anderen zu.\u201c<br \/>\nVerschiedene Denker hatten also schon \u00e4hnliche Formulierungen f\u00fcr das goldene Gebot. Jesus hatte es positiv formuliert: \u201eTue den anderen das, was du dir ebenfalls w\u00fcnschst.\u201c Und das erfordert ein aktives Handeln von uns: Wir haben etwas zu tun. Andere hatten es negativ formuliert. \u201eTue anderen nicht das, was du nicht willst, dass man es dir antut.\u201c Manche haben das als die silberne Regel bezeichnet. Die eiserne Regel w\u00e4re dann: \u201eSo lange du der St\u00e4rkere bist, kannst du im Prinzip machen und lassen, was du willst.\u201c<br \/>\nJohn Ortberg hatte dann angemerkt, dass wir im Gleichnis des barmherzigen Samariters alle drei Regeln in Ausf\u00fchrung sehen. Die R\u00e4uber, die den armen Reisenden zusammenschlugen und ausraubten, handelten nach der eisernen Regel. Der Priester und der Levit, die an dem Opfer vor\u00fcbergingen, taten ihm nichts B\u00f6ses an. Aber der springende Punkt ist nat\u00fcrlich, dass sie ihm auch nicht halfen. Das ist die silberne Regel. Erst der Samariter kam zu ihm, sah ihn, hatte Mitleid und leistete erste Hilfe und weitere Hilfe. Er hat die goldene Regel perfekt ausgef\u00fchrt.<br \/>\nJesus macht eine erstaunliche Aussage hier. Er sagt, dass dieses Gebot das Gesetz und die Propheten erf\u00fcllt. Rabbi Hillels Motto war: \u201eWas dir verhasst ist, das tue auch deinem N\u00e4chsten nicht an.\u201c (In Rabbi Hillels Verst\u00e4ndnis erforderte auch diese negative Formulierung Taten der Liebe.) Und danach soll er gesagt haben: \u201eDas ist die ganze Tora. Der Rest ist Kommentar. Geh hin und lerne.\u201c<br \/>\nJesus trifft eine \u00e4hnlich radikale Aussage. Was wir verstehen m\u00fcssen, ist, dass dieser Vers 12 der Abschluss von Jesu Hauptlehren in der Bergpredigt sind. Jesus bringt hier einen Diskurs zu Ende, den er in Kapitel 5 begonnen hatte: \u201eDenkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erf\u00fcllen.\u201c Nachdem Jesus diese Worte gesprochen hatte, zeigte er, was die bessere Gerechtigkeit des Himmelreiches ist, inklusive Feindesliebe; und er spricht von Almosen, Beten, Fasten, Sch\u00e4tzesammeln und Sorgen. Alles das bringt er auf den Punkt, in dem er sagt: \u201e[Im Urtext steht hier noch ein \u201eDarum\u201c] Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.\u201c Es ist eine andere Version von \u201eDu sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst.\u201c Kein anderes Gebot ist gr\u00f6\u00dfer und wichtiger als das.<br \/>\nDurch die enge Pforte zu gehen und auf dem schmalen Weg zu gehen, hei\u00dft, dass wir durch die Gemeinschaft mit Jesus, zu Menschen werden, die in Taten und Worten die goldene Regel ausleben. Das ist der Hauptinhalt und der Hauptpunkt eines Lebens, auf dem schmalen Weg. Die Frage ist, wie werden wir \u00fcberhaupt irgendetwas? Z.&nbsp;B., wie werden wir zu Philosophen? Die Antwort ist, durch tiefes Studium, Lesen, Schreiben und Diskutieren der entsprechenden Werke. Wie werden wir zu Musikern? Durch \u00dcben, \u00fcben und \u00fcben. Wie wird man ein Koch? \u00c4hnliche Antwort. Wie werden wir zu Naturwissenschaftlern? Experimente planen, durchf\u00fchren, auswerten, davon lernen, immer und immer wieder. Um in irgendetwas gut zu werden und sich irgendeine Meisterschaft anzueignen, braucht es Lernen, \u00dcbung und Disziplin. Und das ist ein schmaler Weg. Gleiches gilt daf\u00fcr, wenn wir durch Jesus zu Menschen der Liebe ver\u00e4ndert werden sollen. Um Menschen zu werden, die die goldene Regel verinnerlicht haben, braucht es Lernen von Jesus, \u00dcbung mit Jesus und ganz viel Disziplin.<br \/>\nWelche konkreten Beispiele gibt es f\u00fcr das Praktizieren der goldenen Regel in unserem Alltag? Es gibt unendlich viele. Ein paar wenige Beispiele: Wenn du von einem anstrengenden Tag nach Hause kommst, und einfach nur deine Ruhe haben willst, merkst du vielleicht, dass du einen Ehepartner hast, der den ganzen Tag mit den Kindern verbracht hat, und ebenfalls seine Ruhe haben will. Also tu ihm das, was du dir f\u00fcr dich w\u00fcnschen w\u00fcrdest. Da wir gerade von Kindern reden: Manche, bzw. ganz viele, bzw. fast alle Kinder reden ja unglaublich viel im Lauf eines Tages. Und vielleicht ist die pr\u00e4ferierte Art und Weise, wie wir mit unseren Kindern kommunizieren, die, dass wir einfach auf unser Handy schauen. Was w\u00fcrden wir uns w\u00fcnschen, wenn wir sie w\u00e4ren? Wir w\u00fcrden uns w\u00fcnschen, dass man uns zuh\u00f6rt, dass wir als Gegen\u00fcber geachtet und respektiert werden. Die Goldene Regel sagt also, dass wir uns den Zwergen zuwenden, ihnen zuh\u00f6ren und sie als volle Menschen respektieren.<br \/>\nWenn du angerufen wirst und den H\u00f6rer abnimmst, gibt es viele verschiedene Arten zu antworten. Wenn ein ehemaliger Kollege von mir im B\u00fcro angerufen wurde, war seine Antwort h\u00e4ufig: \u201eWer st\u00f6rt?\u201c Telefongespr\u00e4che k\u00f6nnen eine echte Gelegenheit sein, andere mit Liebe und Respekt zu behandeln oder auch nicht. Das bringt uns zum n\u00e4chsten Punkt. Ganz h\u00e4ufig hat Liebe und Respekt etwas damit zu tun, dass wir ein echtes und aufrichtiges Interesse an unserem Gegen\u00fcber haben. H\u00e4ufig bedeutet es, dass wir bessere Zuh\u00f6rer werden m\u00fcssen. Jemand sagte einmal, dass Gott uns einen Mund und zwei Ohren gegeben hat. Vielleicht deshalb, weil Gott sich w\u00fcnscht, dass wir unsere Ohren und unseren Mund in diesem Verh\u00e4ltnis einsetzen?<br \/>\nDie Gemeinde bietet unglaublich viele Gelegenheiten dazu, die goldene Regel zu praktizieren. Wenn du dein Essen holst, denke an die anderen, die weit hinter dir in der Schlange stehen und sich auch noch Ei und Hackfleisch f\u00fcr ihr Bibimbab w\u00fcnschen. Nimm nicht mehr als du brauchst. Wenn du dein Essen geholt hast und dir einen Platz suchst, an dem du dich setzen kannst, denke nicht einfach nur daran, wie du eine unterhaltsame Zeit haben kannst. Vielleicht ist eine Person alleine am Tisch, und vielleicht ist diese Person in deinen Augen nicht so cool. Aber wenn du alleine bist, w\u00fcrdest du dir vielleicht auch w\u00fcnschen, dass jemand dich sieht und dir Gemeinschaft leistet.<br \/>\nF\u00fcr viele von uns ist die Arbeit der Ort, an dem wir die meiste Zeit verbringen. Also lass uns die Arbeit zu einem Ort der goldenen Regel machen. Vielleicht, bzw., wahrscheinlich, bzw. ganz sicher gibt es Kollegen, die du nicht ausstehen kannst. Genau wie wir es uns w\u00fcnschen w\u00fcrden, dass andere nicht hinter unserem R\u00fccken l\u00e4stern, sollten wir nicht \u00fcber andere hinter ihrem R\u00fccken herziehen. Wenn andere bef\u00f6rdert werden aber nicht wir, sollten wir uns mit den anderen freuen, so als ob es unsere Bef\u00f6rderung w\u00e4re, weil es das ist, was wir f\u00fcr uns w\u00fcnschen w\u00fcrden. Wenn du jemanden siehst, der Hilfe ben\u00f6tigt und du wei\u00dft sehr genau, dass du helfen kannst, dann z\u00f6gere nicht zu helfen, auch dann noch, wenn du wei\u00dft, dass nichts f\u00fcr dich dabei rausspringt.<br \/>\nDie goldene Regel erstreckt sich auch auf die Menschen im Alltagsleben, die wir nicht kennen: das Reinigungspersonal in der Schule, Uni oder auf der Arbeit, die Assistentin in der Arztpraxis, der Busfahrer, der DHL Lieferant: Wo immer wir k\u00f6nnen, lasst uns Menschen mit Achtung und Freundlichkeit und Freude begegnen. Falls ihr Autofahrer seid oder sonst Teilnehmer am Stra\u00dfenverkehr seid, lasst uns die goldene Regel praktizieren: nicht fluchen und schimpfen, wenn uns jemand die Vorfahrt nimmt.<br \/>\nWas noch? Wenn du verletzt und traurig bist, willst du getr\u00f6stet werden. Also sei ein Tr\u00f6ster. Wenn du entt\u00e4uscht und niedergeschlagen bist, willst du ermutigt werden. Also sei anderen ein Ermutiger. Wenn du in Not bist, willst du, dass dir geholfen wird. Also sein ein Helfer. Es gibt so vieles mehr, was man hier sagen k\u00f6nnte.<br \/>\nZusammengefasst: Wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen, hat unmittelbare Auswirkungen darauf, welche Beziehungen, welche Familien und welche Gemeinschaften wir bauen helfen. Und das Ganze mit Jesu Liebe zu tun, ist der Kern der Bergpredigt.<\/p>\n<p><strong>3. Das Leben<\/strong><br \/>\nZu Beginn haben wir gesagt, dass der Weg schmal ist, weil Jesus allein der wahre Weg ist. Als gro\u00dfer Gegensatz dazu, scheint der breite Weg der Weg der Toleranz zu sein: der Weg, wo jeder so sein kann, wie er ist; der Weg, wo es keine Vorschriften gibt in Bezug darauf, was richtig und was falsch ist. Auf den ersten Blick gibt das sehr viel Sinn: Was ist toleranter? Zu sagen, dass alle Religionen in den Himmel f\u00fchren und dass es daher egal ist, an wen oder was wir glauben oder auch an nichts zu glauben; oder zu sagen, dass nur Jesus der einzige wahre Weg ist, und dass niemand zum Vater kommen kann als allein durch Jesus? Die R\u00f6mer waren ziemlich pluralistisch und ziemlich entspannt, was die Religionen der anderen anging: \u201eDu kannst an all deine G\u00f6tter glauben wie du lustig bist und ihnen Tempel bauen und Opfer bringen. Hauptsache du betest auch unsere G\u00f6tter an.\u201c Sie waren die Toleranten, die Christen waren die Intoleranten.<br \/>\nWas zeigt die Geschichte? R\u00f6mer waren nicht tolerant, was arme Menschen anging. Aber Christen liebten die Armen, und Armen liebten das Evangelium von Jesus. R\u00f6mer vermischten keine Gesellschaftsschichten miteinander. Aber bei Christen sa\u00dfen Sklaven und Freie und r\u00f6mische B\u00fcrger am gleichen Tisch; M\u00e4nner und Frauen feierten gemeinsam Gottesdienst. R\u00f6mer hatten keine sonderliche Achtung f\u00fcr M\u00e4dchen (aus Jungs konnte man M\u00e4nner machen, die auf dem Feld ackern oder die Soldaten werden konnten); M\u00e4dchen wurden als Resultat dessen oft auf M\u00fcllhalden ausgesetzt. Es waren Christen, die sich um diese M\u00e4dchen k\u00fcmmerten, die adoptierten, ihnen ein Zuhause gaben, weil f\u00fcr sie alle Menschen zum Bilde Gottes geschaffen waren und unendlichen Wert und W\u00fcrde hatten. Paulus fasste das in Galater 3,28: \u201eEs gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht m\u00e4nnlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.\u201c<br \/>\nHier ist der Punkt: Zu sagen, dass nur Jesus der wahre Weg ist, scheint sehr exklusiv, sehr schmal, sehr intolerant zu sein. Aber dieser Weg f\u00fchrt zum Leben. Und das ist der Grund, weshalb die fr\u00fchen Christen viel gro\u00dfz\u00fcgiger, viel liebevoller, viel offenherziger als alle ihre Zeitgenossen waren.<br \/>\nDer schmale Weg f\u00fchrt zu einem weiten Leben. In den Chroniken von Narnia gibt es eine sehr sch\u00f6ne Illustration f\u00fcr diesen scheinbaren Widerspruch. K\u00f6nig Tirian befindet sich in einer Schlacht, in der alles verloren ist. Er f\u00e4llt in einen kleinen Stall, eine kleine H\u00fctte. Als er die Augen auftut, erwartet er, dass es im Inneren der H\u00fctte finster ist. Zu seiner gro\u00dfen \u00dcberraschung stellt er fest, dass es in der H\u00fctte hell ist. Er steht auf einer Wiese, er sieht B\u00e4ume, er sieht einen weiten blauen Himmel. Und er wird von K\u00f6nigen und F\u00fcrsten empfangen, die vor ihm waren. Er stellt fest, dass das Innere der H\u00fctte gr\u00f6\u00dfer ist, als das \u00c4u\u00dfere. Und K\u00f6nigin Lucy best\u00e4tigt: \u201eAuch in unserer Welt gab es einen Stall, der etwas beherbergte, das gr\u00f6\u00dfer war als die ganze Welt.\u201c<br \/>\nDer Weg ist schmal. Aber das Leben, das wir in Jesus finden, ist alles andere als schmal. Vor allem ist Jesus alles andere als schmal: Er ist der Gr\u00f6\u00dfte und der Wunderbarste. Wer diesen Jesus hat und mit diesem Jesus in einer Beziehung ist, der hat ein weites, gro\u00dfartiges Leben. Du hast die Wahl. Spurgeon sagte in seiner letzten Predigt, die er gepredigt hatte: \u201eUnter den erlesensten F\u00fcrsten gab es nie einen wie ihn. Er ist immer an der vordersten Front der Schlacht zu finden. Wenn der Wind kalt bl\u00e4st, nimmt er immer die kahle Seite des H\u00fcgels. Der schwerste Teil des Kreuzes liegt immer auf seinen Schultern. Wenn er uns eine Last zu tragen auftr\u00e4gt, tr\u00e4gt er sie auch. Wenn es etwas gibt, das gn\u00e4dig, gro\u00dfz\u00fcgig, g\u00fctig und z\u00e4rtlich, ja verschwenderisch und \u00fcberreich an Liebe ist, dann findet man es immer bei ihm. \u00dcber 40 Jahre habe ich ihm gedient, gepriesen sei sein Name, und ich habe nichts als Liebe von ihm erfahren. Ich w\u00fcrde gerne noch weitere 40 Jahre in demselben lieben Dienst hier unten weitermachen, wenn es ihm gef\u00e4llt. Sein Dienst ist Leben, Frieden, Freude. Oh, dass du ihn sofort antreten w\u00fcrdest! Gott helfe dir, dich noch heute unter dem Banner Jesu zu verpflichten! Amen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext Die goldene Regel: der schmale Weg \u201eAlles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen! Darin besteht das Gesetz und die Propheten.\u201c (Matth\u00e4us 7,12 [E\u00dc]) Der heutige Text handelt vom breiten und schmalen Weg. 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