{"id":12646,"date":"2024-08-25T11:00:35","date_gmt":"2024-08-25T09:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=12646"},"modified":"2025-12-02T19:12:24","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:24","slug":"predigt-bergpredigt-matthaeus-65-8","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-bergpredigt-matthaeus-65-8\/","title":{"rendered":"Predigt: Bergpredigt \u2014 Matth\u00e4us 6,5-8"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Mt_Bergpredigt_Lektion11-P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Mt_Bergpredigt_Lektion11-P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/matthaeus\/6\/5-8?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Das Gebet im Verborgenen und sein Lohn<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDu aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schlie\u00df die T\u00fcr zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Matth\u00e4us 6,6 [E\u00dc])<\/p>\n<p>Letzte Woche haben wir in der Bergpredigt mit einem neuen Abschnitt begonnen. Als B\u00fcrger des Himmelreichs sind wir zu einem Leben in Gerechtigkeit berufen. Aber Jesus sagt, dass wir diese Gerechtigkeit nicht \u201araush\u00e4ngen\u2018 lassen sollen. Jesus lehrte, dass wir nicht deshalb Gutes tun sollen, um bei den anderen gut dazustehen. Jesus spricht drei geistliche Aktivit\u00e4ten an, auf welche das in besonderem Ma\u00dfe zutrifft: das Geben von Almosen, das Gebet und das Fasten. Mit Almosen haben wir uns letzte Woche besch\u00e4ftigt. Heute geht es ums Gebet.<br \/>\nDrei Dinge wollen wir dann hier mitnehmen. Erstens, <em>das Gebet ist die h\u00f6chste Berufung, die wir haben.<\/em> Zweitens, <em>das Gebet geschieht im Verborgenen.<\/em> Drittens, <em>das Gebet ist mit unendlicher Belohnung verbunden.<\/em><\/p>\n<p><strong>1. Das Gebet ist die h\u00f6chste Berufung<\/strong><br \/>\nWoher k\u00f6nnen wir ableiten, dass das Gebet die h\u00f6chste Berufung und Aufgabe ist, zu der wir berufen sind? Wir haben gesagt, dass Jesus drei religi\u00f6se Praktiken diskutiert: Almosen, Beten und Fasten. Um dem Ganzen etwas Kontext zu geben: Jesu Diskurs \u00fcber das geistliche Leben stehen im Zentrum der Bergpredigt. Und im Zentrum dieses Zentrums wiederum steht das Gebet. Jesus spricht weit mehr \u00fcber das Gebet als \u00fcber das Geben von Almosen und das Fasten zusammengenommen. Nicht nur das, Jesus sagt uns auf zweifache Weise, wie wir nicht beten sollen. Und auf zweifache Weise sagt uns Jesus wie wir stattdessen beten sollten. Und dabei gibt Jesus uns das ber\u00fchmteste, das bekannteste Gebet der Bibel, das Vaterunser. Wenn man so will, k\u00f6nnte man sagen, dass das Vaterunser das Zentrum des Zentrums des Zentrums der gr\u00f6\u00dften Rede ist, die jemals auf Erden gehalten wurde. Das Vaterunser ist die Mitte des Schwarzen des inneren Rings der Zielscheibe. Es ist sprichw\u00f6rtlich das Zentralste innerhalb der Lehre Jesu zum Himmelreich Gottes.<br \/>\nEs besteht kein Zweifel: F\u00fcr Jesus war das Gebet die Zentralste und die Wichtigste und die H\u00f6chste unter den geistlichen Disziplinen. In Vers 5 sagt Jesus nun: \u201eWenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler!\u201c Im Deutschen hat das W\u00f6rtchen \u201ewenn\u201c zwei verschiedene Bedeutungen. Zum einen kann es eine Zeitangabe sein: \u201eWenn es 11 Uhr ist, beginnt bei uns der Gottesdienst.\u201c Das W\u00f6rtchen \u201ewenn\u201c kann aber auch eine Kondition angeben: \u201eWenn du wieder zu sp\u00e4t kommst, gibt es \u00c4rger.\u201c Hier k\u00f6nnte man \u201ewenn\u201c auch mit \u201efalls\u201c ersetzen. Was meint Jesus hier? Jesus sagt hier nicht \u201efalls\u201c ihr betet. Er setzt voraus, dass wir es tun; und Jesus setzt voraus, dass wir es regelm\u00e4\u00dfig tun, so dass es bei uns eine Gewohnheit ist.<br \/>\nDer Puritaner Jonathan Edwards hatte eine krasse Predigt mit dem Titel gehalten: \u201eHeuchler, die der Pflicht des Gebets nicht nachkommen.\u201c<a href=\"https:\/\/www.biblebb.com\/files\/edwards\/je-hypocrites.htm\">[1]<\/a> In dieser Predigt argumentiert er, dass alle, die Jesus nachfolgen, die wahrhaftig Kinder Gottes sind, ein aktives, pers\u00f6nliches Gebetsleben haben. Tim Keller hatte gemeint, dass er von dieser Predigt Albtr\u00e4ume bekommen hatte. Nachdem Tim Keller als Pastor seiner Gemeinde zur\u00fcckgetreten war, hatte er ein Interview gegeben mit dem Titel \u201e4 Fragen, \u00fcber die es sich lohnt, nachzudenken.\u201c Wie ihr wisst, bin ich ja ein riesiger Tim Keller Fan. Oft lasse ich mich von ihm berieseln. Aber als er seine erste Frage gestellt hatte, musste ich sofort innehalten. Ich f\u00fchlte mich sofort ganz pers\u00f6nlich angesprochen. Die erste Frage war: \u201eWie schaffen wir es eine Atmosph\u00e4re zu schaffen, in der Pastoren dazu kommen, so viel beten, wie sie beten sollten?\u201c Ich bin kein Pastor. Aber ich habe die Verantwortung als Prediger, die Verantwortung als Bibellehrer, die Verantwortung meiner Familie gut vorzustehen und die Verantwortung als geistlicher Leiter und Vorbild. Und Fakt ist, ich bete nicht ann\u00e4hernd so viel wie ich es sollte. Mein Gebetsleben ist ganz klar das, was Jonathan Edwards als Heuchlerei bezeichnen w\u00fcrde. Dieser Text ist daher ganz besonders f\u00fcr mich. Und vielleicht, vielleicht f\u00fchlst du dich hier ebenfalls angesprochen.<br \/>\nHier ist das Betr\u00fcgerische an der Sache: Die Aufgaben, denen wir nachgehen, erf\u00fcllen wir irgendwie. Wenn wir in der Gemeinde den Worship anleiten, braucht es dazu gewisse musikalische Gaben. Und wenn Menschen, die diese Gabe haben, Worship machen, dann kann es richtig gut werden, relativ egal, ob sie vorher viel oder wenig gebetet haben. Oder wenn du eine leitende Funktion hast, braucht es unter anderem organisatorische F\u00e4higkeiten und die Gabe, andere inspirieren zu k\u00f6nnen. Und vielleicht hast du ein nat\u00fcrliches Charisma und hervorragendes organisatorisches Talent. Und wenn du als Leiter dienst, kann es gut sein, dass es gut wird, ganz egal, ob du vorher viel oder wenig gebetet hast. Das Gleiche gilt sogar f\u00fcr Prediger! Und es k\u00f6nnen sogar Menschen zum Glauben kommen und andere Menschen k\u00f6nnen ermutigt und best\u00e4rkt werden. Aber es bringt zwei riesige Probleme mit sich. Zum einen muss man sich immer die Frage stellen: \u201eWie viel mehr w\u00fcrde Gott uns segnen wollen, wenn wir nur beten w\u00fcrden? Wie viel mehr k\u00f6nnte Gott durch uns tun, wenn wir nur beten w\u00fcrden?\u201c Und der andere Punkt ist: Das Leben ohne Gebet ist ein Kartenhaus. Es kommt der Punkt, an dem das Kartenhaus in sich zusammenf\u00e4llt. Es kommt der Moment, in welchem das ganze System kollabiert.<br \/>\nNicht jeder von uns ist berufen, als Missionar ins Ausland zu gehen. Nicht jeder von uns ist berufen, ein Pastor zu sein und einer Gemeinde vorzustehen. Nicht jeder von uns ist berufen, ein Bibellehrer oder Prediger zu sein (das ist es, was die Bibel explizit so sagt). Aber jeder von uns ist berufen, ein Beter zu sein. Lasst mich zwei einfache Bilder gebrauchen, um das zu illustrieren. Gebet ist wie das Z\u00e4hneputzen. Jeder von uns hat die Verantwortung, seine eigenen Z\u00e4hne zu putzen. Du kannst nicht von anderen erwarten, dass sie dir die Z\u00e4hne putzen. Und Gebet ist wie eine immense geistliche Waffe, denken wir an ein riesiges Schwert. Der Umgang mit diesem Schwert muss aber ge\u00fcbt und trainiert werden. Jeder von uns muss mit diesem Schwert umgehen k\u00f6nnen, weil jeder von uns seinen eigenen geistlichen Kampf zu k\u00e4mpfen hat. Es gibt K\u00e4mpfe, in denen nur du allein k\u00e4mpfen kannst. Niemand, nicht Freunde, noch Familie k\u00f6nnen diesen Kampf f\u00fcr dich k\u00e4mpfen. Und es gibt Gebete, die nur du allein beten kannst: Niemand kann diese Gebete an deiner Stelle beten. Wir alle haben ein einzigartiges, individuelles Leben, das nur einmal und nur auf eine Weise gelebt werden kann. Um dein Leben gut zu leben, brauchst du das Gebet.<br \/>\nDer erste Punkt ist also, dass jeder Christ, jedes Kind Gottes, jeder B\u00fcrger des Himmelreichs die Aufgabe hat, ein Beter zu sein. Das Gebet ist die h\u00f6chste und erste Berufung, die wir in unserem Leben haben. Ein Pastor hat es einmal wunderbar auf den Punkt gebracht: \u201eGebet ist nicht alles. Aber ohne Gebet ist alles nichts.\u201c<\/p>\n<p><strong>2. Das Gebet geschieht im Verborgenen<\/strong><br \/>\nIn Vers 5 lehrte Jesus, wie wir nicht beten sollen. Wir sollen es nicht wie die Heuchler tun. Letzte Woche haben wir gesehen, dass Heuchler Schauspieler sind. Sie tun so als, ob in ihrem Herzen etwas ganz anderes ist. Vers 5: \u201eSie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Stra\u00dfenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden.\u201c Bei den frommen Juden gab es t\u00e4glich 2 bis 3 Gebetszeiten. Psalm 55,18 erw\u00e4hnt Gebetszeiten zur Abend-, Morgen und Mittagszeit. Der Geschichtsschreiber Josephus erw\u00e4hnt, dass sowohl zur Morgenstunde als auch zur neunten Stunde Opfer und Gebete dargebracht wurden. Es gab Menschen, die es genossen, zu diesen Gebetszeiten \u00f6ffentlich aufzutreten, um von den anderen gesehen zu werden. Jesus sagt, dass das nicht die Art und Weise ist, wie wir beten sollen.<br \/>\nWas sollen wir stattdessen tun? Vers 6: \u201eDu aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schlie\u00df die T\u00fcr zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.\u201c Die wenigsten Menschen hatten in ihrem Zuhause eine Kammer, die sie verschlie\u00dfen konnten. Deshalb ist die Kammer, die Jesus erw\u00e4hnt, eher bildlich gemeint. Es geht darum, dass das Gebet bildlich im Verborgenen stattfinden sollte, zwischen Gott und dir.<br \/>\nBevor wir fortfahren, sollten wir uns kurz bewusst machen, was Jesus hier nicht sagt. Jesus hat \u00fcberhaupt rein gar nichts gegen \u00f6ffentliches Gebet einzuwenden. Jesus selbst hat oft \u00f6ffentlich und in Gemeinschaft mit anderen gebetet. Das \u00f6ffentliche Gebet hat seinen Platz. Die meisten von euch w\u00e4ren vermutlich mit folgender Aussage einverstanden: \u201eBeim \u00f6ffentlichen Gebet sollten die Beter in erster Linie auf Gott fokussiert sein, anstatt an die Zuh\u00f6rer zu denken.\u201c Frage: Sollten wir beim \u00f6ffentlichen Gebet zumindest ein wenig an die Zuh\u00f6rer denken? Jemand hatte von seinem gl\u00e4ubigen Gro\u00dfvater erz\u00e4hlt. Wenn er vor dem Essen gebetet hat, dann konnte man sich auf ein langes, ausf\u00fchrliches Gebet gefasst machen. Da wurde f\u00fcr die Gemeinde gebetet, f\u00fcr die Weltmission gebetet usw. Wenn er dann mit seinem Gebet fertig war, war das Essen kalt. Sollten wir beim \u00f6ffentlichen Gebet die Menschen, die uns zuh\u00f6ren, ignorieren? Und ich denke, dass Jesus diese Frage selbst am besten beantwortet hat. Am Grab von Lazarus betete Jesus vor der versammelten Menge: \u201eVater, ich denke dir, dass du mich erh\u00f6rt hast. Ich wusste, dass du mich immer erh\u00f6rst; aber wegen der Menge, die um mich herumsteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast.\u201c Hier ist die Antwort auf die Frage: Nat\u00fcrlich dachte Jesus an die Menschen, die ihn h\u00f6rten. D.h., wenn wir \u00f6ffentlich beten, dann sollte das Gebet erbaulich sein, auch wenn die Menschen um uns herum nicht die prim\u00e4ren Adressaten sind. Manchmal (oder besser selten?) bedeutet es, lange und ausf\u00fchrlich zu beten. Meistens bedeutet es, kurz und knackig zu beten. Aber vor allem bedeutet es, was Craig Bloomberg in seinem Kommentar zum Text geschrieben hatte: \u201e\u00d6ffentliche Reden sollten der \u00dcberfluss eines lebendigen pers\u00f6nlichen Gebetslebens sein.\u201c<br \/>\nSehen wir uns noch einmal den Vers 6 an: \u201eDu aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schlie\u00df die T\u00fcr zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist!\u201c Ich liebe diesen Satz: \u201ebete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.\u201c Gott ist im Verborgenen. Du k\u00f6nntest die einsamste Kammer der Welt aufsuchen, auf einer Bergspitze, oder in einer W\u00fcste, oder in einer verlassenen H\u00f6hle: Gott ist da im Verborgenen. Und wenn wir diese Einsamkeit aufsuchen, begegnen wir einem Vater, der bereits auf uns gewartet hat. Er ist die Verabredung, die uns nie vergessen wird, nie allein lassen wird und immer bereits da ist, wenn wir eintreffen.<br \/>\nWas k\u00f6nnte das Verborgene noch f\u00fcr uns bedeuten? Hier ist ein weiterer Gedanke dazu, den ich sehr hilfreich fand. Das Verborgene ist ein Ort der Stille. Es ist ein Ort, an dem wir frei sind, von dem, was uns ablenkt: kein Handy, keine elektronischen Medien, keine Pop-up-Nachrichten, kein Vibrationsalarm. Es ist ein Ort, wo unser Herz zur Ruhe kommen soll. Ein katholischer Theologe hat einmal gesagt: \u201eGott ist im Hier und Jetzt. Das Problem ist nur, dass wir da h\u00e4ufig nicht anzutreffen sind.\u201c Wir sind mit unseren Gedanken h\u00e4ufig in der Vergangenheit. Wir k\u00e4mpfen mit unseren Fehlern und unserem Versagen, oder mit dem, was uns angetan wurde. Oder aber wir sind mit unseren Gedanken h\u00e4ufig in der Zukunft, in Form von Sorgen und Zukunfts\u00e4ngsten. Der Ort, an dem wir nicht sind, ist das Hier und Jetzt. Aber das Hier und Jetzt ist der einzige Ort, an dem wir Gott nur begegnen k\u00f6nnen.<br \/>\nFrage an dich: Hast du diesen verborgenen Ort, den Ort der Stille, der Ort den nur du allein kennst und dein Gott, der dort auf dich wartet?<\/p>\n<p><strong>3. Das Gebet ist mit einer unendlichen Belohnung verbunden<\/strong><br \/>\nIn den Texten von letzter und dieser Woche wie auch im Text \u00fcber das Fasten, gibt es mehrere W\u00f6rter, die sich st\u00e4ndig wiederholen, wie zum Beispiel: \u201ewenn ihr \u2026 [etwas tut]\u201c, oder das Wort \u201eHeuchler\u201c, gefolgt von \u201edas Verborgene\u201c. Es gibt ein weiteres W\u00f6rtchen, das sich st\u00e4ndig wiederholt, und das ist \u201eLohn\u201c. Jesus sagt, dass die Heuchler ihren \u201eLohn\u201c bereits erhalten haben. Aber wenn wir im Verborgenen Almosen geben, im Verborgenen beten, und im Verborgenen fasten, dann wird Gott es uns \u201evergelten\u201c. Gott wird uns daf\u00fcr belohnen. Jesus sagt das in Vers 4, in Vers 6 und in Vers 18. Er scheint es uns f\u00f6rmlich unter die Nase zu reiben.<br \/>\nManche haben mit diesem Konzept ihre Probleme. Zum Beispiel, w\u00fcrden wir nicht sagen, dass wir das Gute und das Richtige tun sollten, ganz egal, was die Konsequenzen sind? Also auch in der Abwesenheit von Belohnungen? Diejenigen, unter uns, die Kinder haben, kennen vielleicht folgende Konversation. Eltern: \u201eK\u00f6nntest du bitte den Abwasch machen?\u201c Kind: \u201eWas bekomme ich daf\u00fcr?\u201c Und daraufhin sollte man dann sagen: \u201eK\u00f6nntest du den Abwasch machen nicht deshalb, weil du etwas daf\u00fcr bekommst, sondern weil es eine gute Tat ist und weil es gut und richtig ist, dass du das jetzt machst? Tu das Richtige auch dann und gerade dann, wenn es keine Belohnung gibt!\u201c So oder so \u00e4hnlich w\u00fcrden wir versuchen, unsere Kinder zu erziehen.<br \/>\nUnd jetzt sagt uns Jesus, dass es doch einen Lohn gibt. Nicht nur das, in seinem Argument wird sehr deutlich, dass der Lohn, den er uns versprochen hat, unsere Motivation sein sollte, ihm zu gehorchen: \u201eGib Almosen im Verborgenen! Bete zum Vater im Verborgenen! Wasche dein Gesicht und tu nicht so heilig, wenn du fastest! Warum? Weil Gott dich belohnen will.\u201c Der Lohn Gottes ist das Motiv. Und damit stellt sich die Frage: Wenn dem so ist, dann ist Christusnachfolge nicht selbstlos, oder? Im Gegenteil, ist es dann nicht irgendwo selbsts\u00fcchtig, an Jesus zu glauben? Ist Gehorsam gegen\u00fcber dem Wort Gottes nicht einfach eine andere Form von Egoismus?<br \/>\nWie antworten wir auf diese Frage? Ein britischer Autor hat eine Antwort auf diese Frage gegeben, die ich pers\u00f6nlich am hilfreichsten fand: \u201eWir d\u00fcrfen uns nicht von den Nichtgl\u00e4ubigen beunruhigen lassen, wenn sie sagen, dass diese Verhei\u00dfung von Belohnung das Leben des Christen zu einer selbsts\u00fcchtigen Angelegenheit macht. Es gibt verschiedene Arten von Belohnung. Es gibt die Belohnung, die in keinem nat\u00fcrlichen Zusammenhang mit den Dingen steht, die man tut, um sie zu verdienen, und die den W\u00fcnschen, die diese Dinge begleiten sollten, v\u00f6llig fremd ist. So ist Geld nicht der nat\u00fcrliche Lohn der Liebe; deshalb nennen wir einen Mann, der eine Frau um ihres Geldes willen heiratet, gewinns\u00fcchtig. Aber die Ehe ist die richtige Belohnung f\u00fcr einen wirklich Liebenden, und er ist kein Egoist, weil er sie begehrt \u2026 Die richtige Belohnung wird nicht einfach an die T\u00e4tigkeit angeh\u00e4ngt, f\u00fcr die sie gegeben wird, sondern sie ist die T\u00e4tigkeit selbst in ihrer Vollendung.\u201c<br \/>\nEs gibt passende Belohnungen, und es gibt unpassende Belohnungen. Hier ist ein Beispiel f\u00fcr eine zumindest fragw\u00fcrdige Belohnung: Im Moment haben wir zu Hause ein Punktesystem. Unsere Jungs essen kein Gem\u00fcse. Traurig aber wahr und auch normal, wie ich mir habe sagen lassen. Jedes Mal, wenn die Jungs etwas essen, das eine ordentliche Mengen an Gem\u00fcse enth\u00e4lt, bekommen sie einen Punkt. Es soll den Jungs helfen, etwas weniger w\u00e4hlerisch zu sein, und zumindest zu versuchen, sich etwas ges\u00fcnder zu ern\u00e4hren. Jetzt fragt ihr euch vermutlich alle: \u201eWas ist der Lohn\u201c? Wenn die Jungs die vereinbarte Anzahl an Punkten gesammelt haben, gehen wir gemeinsam zum McDonalds, oder Burger King oder KFC. Der Lohn macht alle guten Bem\u00fchungen zunichte. Der Lohn scheint nicht wirklich zu den M\u00fchen zu passen.<br \/>\nJesus sagte, dass wenn wir spenden, beten und fasten, um von den anderen gesehen und von den anderen gefeiert zu werden, dann haben wir bereits unseren Lohn erhalten. Aber es ist ein unpassender Lohn. Es ist ein Lohn, der nicht zur Aus\u00fcbung dieser geistlichen Aktivit\u00e4t passt. Was ist ein Lohn, der besser ist? Was ist ein Lohn der passender ist? Nat\u00fcrlich ist das der Lohn, den Gott uns anbietet. Aber welchen Lohn will Gott uns schenken?<br \/>\nEigentlich gibt es nur eine gute Antwort auf diese Frage. In 1.&nbsp;Mose 15,1 lesen wir, wie Gott Abram in einer Zeit erscheint, als es ihm nicht besonders gut ging. Gott sagte zu ihm: \u201eF\u00fcrchte dich nicht, Abram! Ich bin dein Schild und dein sehr gro\u00dfer Lohn.\u201c Der Lohn ist Gott selbst. Das ist ein Gedanke, der sich durch die ganze Bibel hindurchzieht, vom 1. Buch Moses bis zum Buch der Offenbarung. Das ist der Grund, weshalb Asaf in Psalm 73 sagt: \u201eWen habe ich im Himmel au\u00dfer dir? Neben dir erfreut mich nichts auf Erden. Mag mein Fleisch und mein Herz vergehen, Fels meines Herzens und mein Anteil ist Gott auf ewig.\u201c Gott will uns einen Lohn geben, der nichts weniger ist, als das Gr\u00f6\u00dfte und das Beste. Und wenn Gott selbst das Gr\u00f6\u00dfte und Beste im Universum ist, dann ist die einzige Art und Weise wie er uns das Gr\u00f6\u00dfte und Beste schenken kann, dass er sich uns selbst schenkt. Und genau das ist es, was Gott tut.<br \/>\nWarum betest du? Wenn der einzige Grund ist, weshalb du betest, der ist, weil du von Gott etwas bekommen willst, wie z.B. Hilfe bei der Klausur \/ Examen, f\u00fcr die du zu wenig gelernt hast, einen besseren Job oder \u00fcberhaupt einen Job, finanzielle Versorgung, den richtigen Partner f\u00fcrs Leben usw., dann wirst du kein reiches Gebetsleben haben k\u00f6nnen. Im besten Fall wird dein Gebetsleben stark fluktuieren: Wenn du viele N\u00f6te und Bed\u00fcrfnisse hast, wird viel oder \u00fcberhaupt gebetet; wenn es dir gut geht, dann l\u00e4sst das Gebet ganz schnell, ganz stark nach. Und verstehte mich nicht falsch: Der Segen Gottes ist eine gute Sache! Mehr noch, wir sind zu 100&nbsp;% auf Gott und auf seine Versorgung angewiesen. Die Bibel fordert uns dazu auf, Gott darum zu bitten, dass er uns seine guten Gaben schenkt. Wir sollten das tun und vermutlich noch viel mehr tun. Aber wenn das der einzige Grund ist, weshalb du betest, dann suchst du nach dem falschen Lohn. Gott selbst ist der wahre Lohn f\u00fcr die Beter, die ins Verborgene kommen. Die B\u00fcrger des Himmelreich Gottes beten nicht prim\u00e4r, um Segen zu erhalten; sie beten, um Gott selbst zu haben. Die Kinder Gottes beten nicht prim\u00e4r, um Dinge von ihrem Vater zu bekommen; sie beten, um beim Vater zu sein. Das ist es, worum es im Himmelreich am Ende geht.<br \/>\nIst es egoistisch, sich nach diesem Lohn auszustrecken? John Piper hat folgendes Beispiel gegeben. \u00bbStellen wir uns vor, ein Ehemann kommt mit einem Blumenstrau\u00df nach Hause und sagt folgendes zu seiner Ehefrau: \u201eSchatz, ich habe den Babysitter angerufen. Lass uns zusammen ausgehen. Nichts w\u00fcrde mir gr\u00f6\u00dfere Freude bereiten, als diesen Abend mit dir zu verbringen!\u201c W\u00fcrde seine Frau darauf antworten: \u201eDu bist so selbsts\u00fcchtig! Du denkst immer nur an dich und an dein Vergn\u00fcgen!\u201c Warum w\u00fcrde sie das nicht sagen? Weil der Wunsch ihres Mannes, bei ihr und mit ihr zu sein, ihr Lob und ihr Preis ist: Dadurch wird sie geehrt, gew\u00fcrdigt, gesch\u00e4tzt.\u00ab<br \/>\nAuf einer ungleich viel h\u00f6heren Ebene verh\u00e4lt es sich mit Gott. Das h\u00f6chste Ziel des Menschen ist es, Gott zu ehren und ihn zu verherrlichen. Und wenn du in die verborgene Kammer des Gebets gehst, vor allem deshalb, weil es f\u00fcr dich nichts Besseres und Sch\u00f6neres und Gr\u00f6\u00dferes gibt, als mit diesem Gott zu sein, dann wird Gott durch dein Leben verherrlicht. Gott will dein Lohn sein. Und gerade das ist der Grund, weshalb das Gebet im Verborgenen die h\u00f6chste und sch\u00f6nste Berufung ist, die alle Kinder Gottes haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext Das Gebet im Verborgenen und sein Lohn \u201eDu aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schlie\u00df die T\u00fcr zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! 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