{"id":12630,"date":"2024-08-18T11:00:53","date_gmt":"2024-08-18T09:00:53","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=12630"},"modified":"2025-12-02T19:12:24","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:24","slug":"predigt-bergpredigt-matthaeus-61-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-bergpredigt-matthaeus-61-4\/","title":{"rendered":"Predigt: Bergpredigt \u2014 Matth\u00e4us 6,1-4"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [ODT]&nbsp; [PDF]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/matthaeus\/6\/1-4?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Gro\u00dfz\u00fcgigkeit. Aber richtig!<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eH\u00fctet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Matth\u00e4us 6,1)<\/p>\n<p>In den vergangenen Wochen hatten wir uns mit der besseren Gerechtigkeit des Himmelreichs besch\u00e4ftigt. Das griechische Wort f\u00fcr Gerechtigkeit ist dikaiosune. Es geht um die zentrale Frage: wie k\u00f6nnen wir Menschen ein gutes Leben f\u00fchren? Und in der besseren Gerechtigkeit des Himmelreichs geht es darum, dass wir nicht einfach nur \u00e4u\u00dferlich dem Gesetz gehorchen, sondern dass das Innere unseres Herzens ver\u00e4ndert wird. Ich fand es Klasse, wie M. es in einem Gebet gesagt hatte: Jesus ersetzt in der Bergpredigt nicht alte Gebote mit neuen (strengeren) Geboten. Jesus zeigt uns eine v\u00f6llig neue Art und Weise, zu leben als B\u00fcrger von Gottes Himmelreich.<br \/>\nWir fangen heute einen neuen Abschnitt in der Bergpredigt an. In Vers 1 sagt Jesus: \u201eH\u00fctet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.\u201c Wieder erw\u00e4hnt Jesus das Wort Gerechtigkeit (dikaiosune). Es ist die logische Schlussfolgerung, von dem, was Jesus vorher gelehrt hatte. Die bessere Gerechtigkeit des Himmelreichs f\u00fchrt zu guten Taten und religi\u00f6se Disziplinen. Aber diese Religiosit\u00e4t ist anders als die unter der alten Gerechtigkeit und anders als das, was die Welt kennt.<br \/>\n\u00dcber drei Punkte wollen wir aus dem Text mitnehmen heute. Was lehrt der Text \u00fcber erstens, gute Taten; zweitens, gute Motivation; und drittens, das gute Leben?<\/p>\n<p><strong>Erstens, die gute Tat<\/strong><br \/>\nDen ersten Punkt, will ist nicht zu sehr breittreten, weil es nicht der Hauptpunkt der Predigt ist. Nur kurz: in Vers 2 sagt Jesus: \u201eWenn du Almosen gibst, posaune es nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden!\u201c Drei religi\u00f6se Praktiken spricht Jesus an: das Geben von Almosen, das Gebet und das Fasten. Gebet und Fasten verbinden wir auf jeden Fall mit einem religi\u00f6sen Leben. Aber das Geben von Almosen nicht unbedingt. Zum einen nennen wir es anders: bei uns hei\u00dft es \u201eSpenden\u201c; und Spenden hat sehr oft nichts mit Geistlichkeit zu tun.<br \/>\nDas war bei den Juden damals ganz anders. In dem Buch Tobit der Apokryphen gibt es eine Stelle, die uns einen kleinen Eindruck davon gibt, in welchem Verh\u00e4ltnis das Geben von Almosen mit Gebet und Fasten stand: \u201eGebet und Fasten sind gut, aber besser als beides ist Almosengeben und Gerechtigkeit. Ein wenig mit Gerechtigkeit ist besser als Reichtum mit Ungerechtigkeit. Es ist besser, Almosen zu geben, als Gold anzuh\u00e4ufen. Denn Almosengeben rettet vor dem Tod und reinigt von jeder S\u00fcnde. Wer Almosen gibt, wird ein erf\u00fclltes Leben genie\u00dfen, aber wer s\u00fcndigt und Unrecht tut, ist sein eigener schlimmster Feind.\u201c Nur damit kein falscher Eindruck entsteht: das ist nicht das, was wir hier in der Gemeinde lehren. Und bei Jesus scheint von den drei Praktiken (Almosengeben, Gebet, Fasten) das Gebet die zentralste und wichtigste Aktivit\u00e4t zu sein. Aber dieser Einwurf zeigt, welche geistliche Rolle das Almosengeben bei den Juden damals spielte. Es zeigt welchen Stellenwert es in ihrem religi\u00f6sen Leben hatte. Almosen waren essentieller Teil ihres Glaubenslebens.<br \/>\n\u00dcber den religi\u00f6sen Wert hinaus verstehen wir den praktischen Nutzen dessen. Wie in jeder anderen Gesellschaft auch gab es bei den Juden viele arme Menschen unter ihnen: Hilfsbed\u00fcrftige, Pflegebed\u00fcrftige, Kranke, Alte, Waisen, Witwen, usw. Die Almosen waren integraler Teil des Sozialsystems. Das war die prim\u00e4re Art und Weise, wie die Armen versorgt wurden.<br \/>\nBevor wir fortfahren, eine ganz offensichtliche Anwendung: das Geben ist eine christliche Tugend. In der ganzen Kirchengeschichte waren Christen bekannt als die Menschen, die sich um die Armen gek\u00fcmmert haben, angefangen in der Apostelgeschichte und in den Briefen des Paulus. In Galater 2,9.10 spricht Paulus davon, wie seine Mission von der Jerusalemer Gemeinde legitimiert wurde. Jakobus, Petrus und Johannes waren die S\u00e4ulen der Gemeinde. Sie gaben ihm das Mandat, das Evangelium unter den Heiden zu predigen. Und dann sagt er: \u201eNur sollten wir an die Armen denken; und das zu tun, habe ich mich eifrig bem\u00fcht.\u201c Jakobus, Petrus und Johannes h\u00e4tten Paulus alles M\u00f6gliche an Ratschlag und Orientierung mit dem Weg geben k\u00f6nnen. Aber das, was sie explizit erw\u00e4hnten, war, an die Armen zu denken. Und Paulus tat das mit gro\u00dfem Eifer.<br \/>\nJesus hatte gesagt, dass es immer arme Menschen geben wird. Wie alles, was, Jesus gesagt hat, ist diese Aussage absolut wahr. Tim Keller hatte gesagt, dass er sich w\u00fcnschen w\u00fcrde, dass Christen folgenden Ruf haben: \u201eIch mag die christliche Einstellung zu Homosexualit\u00e4t und Abtreibung nicht. Aber wenn es keine Christen geben w\u00fcrde, dann m\u00fcssten wir die Steuern erh\u00f6hen.\u201c Er hat sich gew\u00fcnscht, dass Christen bekannt sind, als gro\u00dfz\u00fcgige Geber, die sich um die Armen und um die N\u00f6te der Stadt und des Landes k\u00fcmmern.<br \/>\nF\u00fcr uns als Nachfolger Jesu bedeutet es, dass wir alle berufen sind, zu geben und zwar gro\u00dfz\u00fcgig. Wenn du Jesus nachfolgst, dann solltest du einen ordentlichen Teil deines Gehalts opfern: wenn du dich dieser Gemeinde zugeh\u00f6rig f\u00fchlst, dann gerne in dieser Gemeinde; wenn du dich nur als Besucher siehst und einer anderen lokale Gemeinde als dein geistliches Zuhause ansiehst, dann dort. Und ein guter Teil von dem, was wir geben, sollte daf\u00fcr gebraucht werden, um den Armen, den sozial Schwachen und den Hilfsbed\u00fcrftigen zu dienen.<\/p>\n<p><strong>Zweitens, das gute Motiv<\/strong><br \/>\nWir haben gesagt, dass Almosengeben, eine grundlegende Pflicht und Tugend war. So weit, so gut. Das Revolution\u00e4re an Jesu Lehre ist etwas ganz anderes. In Vers 1 sagt Jesus: \u201eH\u00fctet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden.\u201c Wenn man so will, k\u00f6nnte man diese Worte als das allgemeine Prinzip ansehen, das Jesus lehrt. In Vers 2 gibt Jesus ein konkretes Beispiel daf\u00fcr: \u201eWenn du Almosen gibst, posaune es nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden!\u201c<br \/>\nAusleger haben sich die Frage gestellt, was Jesus wohl damit gemeint haben k\u00f6nnte, wenn er davon spricht, dass die Posaune gespielt wird, wenn wir gespendet haben. Michael Wilkins diskutiert in seinem exzellenten Kommentar einige Optionen. Manche dachten, dass damit ein tats\u00e4chlicher Trompeter gemeint war, der mit seiner Musik die Fasten- und Almosenzeit ank\u00fcndigte; und wenn jemand besonders gro\u00dfe Summen spendete, spielte er etwas, um das zu verk\u00fcnden. Oder manche dachten an den Klang der M\u00fcnzen, der aus dem Trichter der Spendenbox kam, der eine Form wie eine Trompete hatte. Wilkins sagte aber, dass Jesus hier vermutlich einfach nur ironisch war. Stellen wir uns vor, dass wir eine gute Tat vollbringen; und dann engagieren wir ein Blechbl\u00e4ser-Trio, das uns zu Ehren eine Fanfare spielt. Genau, es w\u00e4re v\u00f6llig \u00fcbertrieben, einfach viel zu viel des Guten und deshalb v\u00f6llig l\u00e4cherlich. Und ich denke, dass genau das der Punkt war, den Jesus hier machen wollte.<br \/>\nWer verh\u00e4lt sich so? Jesus sagt, dass die Heuchler das tun. Das Wort Heuchler braucht etwas Erkl\u00e4rung. Das Wort f\u00fcr Heuchler, bedeutete eigentlich \u201eSchauspieler\u201c. Aus antiken Geschichtsschreibungen und Ausgrabungen wissen wir, dass es in Pal\u00e4stina zur Zeit Jesu einige Theater gab. Eines von diesen Theatern war wenige Kilometer von Nazareth entfernt, die Stadt, in der Jesus aufgewachsen war. Als Jesus von \u201eSchauspielern\u201c sprach, war das ein Wort, unter dem sich seine Zuh\u00f6rer etwas vorstellen konnten. Viele von ihnen hatten vermutlich selbst Auff\u00fchrungen besucht. Schauspieler in der Antike trugen h\u00e4ufig Masken. Und diese Masken dienten zum einen als einfache Lautsprecher. Zum anderen erlaubten die Masken, dass ein Schauspieler verschiedene Rollen spielen konnte: zum Beispiel den K\u00f6nig in der einen Szene und den Stallburschen in einer anderen Szene. Was meinte Jesus dann damit?<br \/>\nDer christliche Philosoph Dallas Willard kommentiert an dieser Stelle: \u201eDer Begriff Heuchler bezeichnete im klassischen Griechisch in erster Linie einen Schauspieler, wie man ihn auf der B\u00fchne sieht, aber er wurde auch f\u00fcr jeden verwendet, der Betrug betreibt. Aus den literarischen \u00dcberlieferungen geht hervor, dass es allein Jesus war, der diesen Begriff und die entsprechende Rolle in das moralische Vokabular der westlichen Welt einf\u00fchrte. Er tat dies aufgrund seiner einzigartigen Betonung der moralischen Bedeutung des innersten Herzens vor Gott. Jesus hat daher wiederholt und unmissverst\u00e4ndlich zwischen unserem Gesicht vor der Welt und unserer Person vor Gott unterschieden.\u201c Jesus war derjenige, der den Begriff \u201eHeuchler\u201c \u00fcberhaupt erfunden und in unsere moralische Diskussion hineingebracht hat.<br \/>\nHier ist das, was Jesus damit also sagt: du hast zwei Entit\u00e4ten. Die eine kann von den anderen gesehen werden, weil es unser \u00c4u\u00dferes ist. Unser \u00c4u\u00dferes schlie\u00dft nat\u00fcrlich unseren K\u00f6rper mit ein, unser Gesicht, unsere Mimik, unsere Au\u00dfendarstellung, das, was wir sagen, schreiben und mit unseren H\u00e4nden schaffen. Die andere Komponente unseres Seins kann nicht direkt gesehen werden; es ist unser Inneres. Die Bibel nennt es \u201eHerz\u201c (das griechische Wort ist kardia, wovon sich Kardiologie ableiten l\u00e4sst). Im Herzen spielen sich unsere Gef\u00fchle und Emotionen ab, unsere W\u00fcnsche und Sehns\u00fcchte, unsere Gedanken. Frage: was von den beiden ist realer, das \u00c4u\u00dfere oder das Innere? Was von den beiden ist wichtiger? Was von den beiden ist dein wahres Ich?<br \/>\nWas ist dann also ein Heuchler? Ein Heuchler ist ein Schauspieler, der vorgibt jemand anderes zu sein. Ein Heuchler ist jemand, dessen \u00c4u\u00dferes mit seinem Inneren nicht in Einklang steht: das \u00c4u\u00dfere ist gepflegt und sch\u00f6n, das Innere ist tr\u00fcbes Gew\u00e4sser. Wenn Jesus sagt, dass wir uns davor h\u00fcten sollen, unsere Gerechtigkeit vor Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden, und dass wir unsere guten Taten nicht vor uns her ausposaunen sollen, um von den Leuten gelobt zu werden, spricht er unsere Motivation an. Wilkins schreibt: \u201eDa es sich bei der Motivation um eine pers\u00f6nliche und innere Angelegenheit handelt, sind die Motive ein schneller Gradmesser f\u00fcr das Herz eines Menschen.\u201c<br \/>\nIm christlichen Leben geht es nicht nur um das, was du tust. Es geht um die Motivation, weshalb du etwas tust. Was die Motivation angeht, unterscheidet Jesus nun zwei grundverschiedene Motive. Beim ersten Motiv geht es darum, von den anderen gesehen zu werden. Es geht darum, bei den anderen in einem guten Licht dazustehen. Es geht um die Anerkennung und den Applaus von den anderen. Diese Anerkennung ist der anderen ist der \u201eLohn\u201c, um den es uns eigentlich geht, wenn wir Gutes tun.<br \/>\nUnd das Gute kann alles M\u00f6gliche sein. Das Gute kann Lobpreis sein, das Gute kann sogar Predigen sein. Francis Chan erz\u00e4hlte die Geschichte, wie er eingeladen wurde, an dem theologischen Seminar, wo er studiert hatte, eine Predigt zu halten \u00fcber Psalm 139 (Gott ist allgegenw\u00e4rtig). Der Gr\u00fcnder des Seminars John MacArthur war anwesend. Francis war so nerv\u00f6s. Jedes Mal, wenn er in der Predigt einen Witz machte, schaute er r\u00fcber, um zu schauen, ob MacArthur auch lachte. In der ganzen Predigt ging es ihm darum, bei seinem alten Mentor gut dazustehen. Auf der Fahrt zur\u00fcck fragte seine Frau ihn: \u201eWas war das denn?\u201c Er fragte zur\u00fcck: \u201eWas meinst du damit?\u201c Sie sagte: \u201eDu warst so unnat\u00fcrlich!\u201c Francis sagte: \u201eJohn MacArthur sa\u00df in der ersten Reihe!\u201c Ihre Antwort: \u201eMoment einmal: du hast \u00fcber die Gegenwart Gottes gepredigt. Und du hast dir Sorgen gemacht wegen der Gegenwart von John MacArthur?\u201c Francis: \u201eDu hast keine Ahnung wer MacArthur ist. Wei\u00dft du wie viele B\u00fccher er geschrieben hat? Wei\u00dft du, wie einflussreich er ist? Einer der besten Prediger unserer Zeit. Und wenn ich irgendetwas sage, was ihm nicht gef\u00e4llt, dann schreibt er ein Buch \u00fcber mich.\u201c Und dann erz\u00e4hlte er noch, was er alles f\u00fcr gro\u00dfe Heldentaten vollbracht hatte. Und seine Frau sagte nur: \u201eJa genau. Und alle seine Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid.\u201c<br \/>\nWessen Anerkennung ist dir wichtig? F\u00fcr manche mag das eher die Quantit\u00e4t sein: \u201ewie viele Likes bekomme ich f\u00fcr meine Posts? Wie viele finden mich attraktiv oder intelligent? Wie viele Menschen sehen meine Auff\u00fchrung?\u201c F\u00fcr manche m\u00f6gen es die Eltern sein: die ganze Welt kann uns loben, aber wenn unsere Eltern nicht zufrieden mit uns sind, dann f\u00fchlen wir uns wie die letzten Versager. Oder vielleicht ist der Professor, der in unseren Augen ein Halbgott ist, weil er einfach alles zu wissen scheint; oder der Chef, vor dem wir uns f\u00fcrchten. Und wir w\u00fcrden alles tun, um bei ihnen einen guten Eindruck zu hinterlassen. Oder es mag der Ehepartner sein, der Freund oder die Freundin. F\u00fcr Tim Keller zum Beispiel war es seine Ehefrau Kathy. Tim Keller erz\u00e4hlte, dass es ihm relativ egal war, was die Zuh\u00f6rer \u00fcber seine Predigt dachten. Die Meinung, die ihn am meisten interessierte, war die Meinung seiner Frau, weil er seine Frau anhimmelte. Und wenn sie seine Predigten nicht gut fand, dann war er niedergeschmettert.<br \/>\nVon anderen gelobt zu werden, ist an und f\u00fcr sich gut. Es ist eine sch\u00f6ne Sache, wenn wir uns gegenseitig ermutigen. Aber f\u00fcr die Anerkennung der anderen zu leben, ist ein miserables Leben. Kein Lob auf Erden kann uns wirklich satt machen; kein Applaus kann uns dauerhaft gl\u00fccklich machen. Wer daf\u00fcr lebt, der pflegt sein \u00c4u\u00dferes, sein Image, seine Fassade. Aber innen w\u00e4chst ein verk\u00fcmmertes Ego; ein Ego, das gestreichelt werden will; ein nimmersattes, ungl\u00fcckliches Monster. Das ist es, was Heuchlerei ausmacht. Es ist destruktiv.<br \/>\nWas ist die Alternative?<\/p>\n<p><strong>Drittens, das gute Leben<\/strong><br \/>\nWir sollen nicht deshalb gute Taten vollbringen, um von den anderen gesehen zu werden. In Vers 3 sagt Jesus, was wir stattdessen tun sollten: \u201eWenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut.\u201c Meine Klavierlehrerin hatte damals zu mir gemeint, dass ich sehr christliche H\u00e4nde habe, weil definitiv die linke Hand nicht wusste, was die rechte Hand macht. Das war kein Kompliment. Es war eine bildhafte Beschreibung, wie unkoordiniert mein Klavierspiel war.<br \/>\nFakt ist: die linke Hand wei\u00df gar nichts, weil die linke Hand kein Gehirn hat. Jesus verwendet ein Bild daf\u00fcr, wie wir unsere guten Taten tun sollen: im Geheimen, anonym, ohne dass andere Menschen es mitbekommen. Was bedeutet das? Wir Menschen sind extrem kreativ darin, Dinge zu verschlimmbessern: d.h., mit der guten Absicht, etwas besser zu machen, machen wir es viel schlimmer. Beispiel: bei den Pharis\u00e4ern gab es eine Gruppe, welche als \u201edie Geprellten\u201c bekannt war. Was stand dahinter? Diese Pharis\u00e4er wollten sich so rein halten, dass sie Frauen noch nicht einmal ansehen wollten. Jedes Mal, wenn sie von Ferne eine Frau sahen, machten sie ihre Augen zu. Als Resultat dessen liefen sie gegen Hausmauern, B\u00e4ume, \u00fcbersahen ein Hindernis, holten sich Sch\u00fcrfwunden, blaue Flecken und andere Blessuren. Deshalb waren sie die Geprellten. Machte das ihr S\u00fcndenproblem in irgendeiner Form besser? Sie machten es schlimmer.<br \/>\nWie k\u00f6nnen wir Jesu Worten Folge leisten, ohne sie zu verschlimmbessern? Wir m\u00fcssen folgendes ganz dringend verstehen: es ging Jesus nicht prim\u00e4r darum, dass wir unsere guten Taten verstecken und anonymisieren m\u00fcssen. Es mag Umst\u00e4nde geben, in denen das angebracht ist, aber es ist nicht das, worum es Jesus geht. Es geht nicht ums nicht gesehen werden. Sondern es geht darum, dass das Motiv f\u00fcr unsere guten Taten nicht das ist, von den anderen gesehen zu werden. Das ist der Knackpunkt.<br \/>\nVielleicht ist folgendes Beispiel hilfreich. Die meisten von euch kennen die Geschichte von Zach\u00e4us, der kleinw\u00fcchsige Oberz\u00f6llner (heute w\u00e4re das vielleicht Mafiaboss oder der Obergauner) aus Jericho. Er hatte sich von ganzem Herzen gew\u00fcnscht, Jesus zu treffen. Und schlie\u00dflich wurde er von Jesus in seinem Zuhause besucht. Das Treffen mit Jesus ver\u00e4nderte sein ganzes Leben radikal. Lukas 19,8 berichtet von der dramatischen Ver\u00e4nderung von Zach\u00e4us: \u201eZach\u00e4us aber wandte sich an den Herrn und sagte: Siehe, Herr, die H\u00e4lfte meines Verm\u00f6gens gebe ich den Armen, und wenn ich von jemandem zu viel gefordert habe, gebe ich ihm das Vierfache zur\u00fcck.\u201c Hier ist jemand, der so krass Almosen gab, dass er sich finanziell selbst ruiniert hatte: die eine H\u00e4lfte des Reichtums ging an die Armen, die andere H\u00e4lfte wurde verwendet, um die Opfer seines fr\u00fcheren Lebens zu entsch\u00e4digen. Und er tat es mit Freude.<br \/>\nDie Kommentatoren zu diesem Text haben geschrieben, dass Zach\u00e4us eine geradezu kindliche Freude hatte. Stellen wir uns ein Kind vor, das sagt: \u201ePapa, guck mal: ich kann Fahrrad fahren. Papa, guck mal, ich fahre nur mit einer Hand!\u201c Mit der gleichen kindlichen Begeisterung sagt er zu Jesus: \u201eJesus, guck mal, ich gebe die H\u00e4lfte von meinem Verm\u00f6gen an die Armen. Und Jesus, guck mal, die andere H\u00e4lfte gebe ich auch weg!\u201c Jesus h\u00e4tte an dieser Stelle sagen k\u00f6nnen: \u201ePssst! Nicht so laut! Das h\u00e4ttest du mir aber auch sp\u00e4ter nach der Feier privat sagen k\u00f6nnen.\u201c Nichts dergleichen. Stattdessen spricht Jesus Worte der Gnade und Barmherzigkeit: \u201eHeute ist diesem Haus Heil geschenkt worden, weil auch dieser Mann ein Sohn Abrahams ist. Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.\u201c<br \/>\nNoch einmal: es geht nicht darum, dass es schlimm ist, von den anderen gesehen werden, wenn wir gerade eine gute Tat tun. Zach\u00e4us machte eine \u00f6ffentliche Ansage in seinem Haus vor allen Anwesenden. Aber wisst ihr was? Die Meinung der anderen war ihm so was von egal! Die Reaktion der anderen war zweit- und drittrangig f\u00fcr ihn. Der Beifall der Zeugen war f\u00fcr ihn so belanglos. Warum? Und wie k\u00f6nnen wir frei davon werden, was die anderen von uns denken? F\u00fcr Zach\u00e4us gab es nur eine Meinung, die z\u00e4hlte. Zach\u00e4us\u2018 Motivation war der Blick einer einzigen Person in diesem Raum: der Menschensohn, der ihn in seinem Haus pers\u00f6nlich besuchen gekommen war und in dessen Angesicht er die ganze Liebe Gottes gesehen hatte.<br \/>\nJesus sagt in Vers 4: \u201eund dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.\u201c Alles, was du tust, tue es f\u00fcr Gott. Selbst Essen und Trinken sollen wir zur Ehre Gottes. Gott sieht in das Verborgene. Gott sieht dich! Es ist nicht der Blick des \u201ebig brother is watching you\u201c. Es ist der Blick des liebenden Vaters; es ist der Blick des Vaters, der unendlich gl\u00fccklich ist und der sein Gl\u00fcck mit dir teilen will in alle Ewigkeit. Es ist der Blick des Vaters, der stolz auf seine Kinder ist. Es ist der einzige Blick, der wirklich z\u00e4hlt; der einzige Blick, der uns wirklich mit W\u00fcrde und Wert f\u00fcllen kann; der einzige Blick, der uns wirklich ver\u00e4ndern kann, weil es der Blick der einen Person ist, die uns wirklich \u00fcber alles liebt.<br \/>\nWas ist das gute Leben? Das gute Leben ist, f\u00fcr den Blick dieser Person zu leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext Gro\u00dfz\u00fcgigkeit. Aber richtig! \u201eH\u00fctet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.\u201c (Matth\u00e4us 6,1) In den vergangenen Wochen hatten wir uns mit der besseren Gerechtigkeit des Himmelreichs besch\u00e4ftigt. 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