{"id":12605,"date":"2024-07-28T11:00:10","date_gmt":"2024-07-28T09:00:10","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=12605"},"modified":"2025-12-02T19:12:25","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:25","slug":"predigt-bergpredigt-matthaeus-538-42","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-bergpredigt-matthaeus-538-42\/","title":{"rendered":"Predigt: Bergpredigt &#8212; Matth\u00e4us 5,38-42"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Mt_Bergpredigt_Lektion08_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/Mt_Bergpredigt_Lektion08_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/matthaeus\/5\/38-42?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Vergeltung \u2013 aber richtig!<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eIch aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas B\u00f6ses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schl\u00e4gt, dann halt ihm auch die andere hin!\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Matth\u00e4us 5,39 [E\u00dc])<\/p>\n<p>Der Kontext der Bergpredigt ist das Himmelreich Gottes, das in Jesus Christus so nahe herbeigekommen ist, dass alle Menschen, die wollen, im Hier und Jetzt in diesem Reich leben k\u00f6nnen. Wenn du willst, kannst du unter der Herrschaft Jesu leben. Das ist das gesegnete und das gl\u00fcckliche Leben, von dem Jesus gesprochen hat. In diesem Leben gibt es eine neue Gerechtigkeit: eine neue Art und Weise, ein gutes Leben zu f\u00fchren. Wir haben uns die letzten Wochen damit besch\u00e4ftigt, und tun es noch heute und danach noch ein weiteres Mal.<br \/>\nIm heutigen Text geht es um Vergeltung. Drei Dinge wollen wir heute mitnehmen. Erstens, wie die alte Gerechtigkeit der Vergeltung Grenzen setzte; zweitens, wie die neue Gerechtigkeit Vergeltung neu definiert; drittens, wie die Liebe alles erf\u00fcllt.<\/p>\n<p><strong>1. Vergeltung unter der alten Gerechtigkeit<\/strong><br \/>\nIn Vers 38 gebraucht Jesus ein weiteres Mal die Formel \u201eIhr habt geh\u00f6rt, dass gesagt ist \u2026\u201c gefolgt von \u201eIch aber sage euch \u2026\u201c Wir lesen: \u201eIhr habt geh\u00f6rt, dass gesagt worden ist: Auge f\u00fcr Auge, Zahn f\u00fcr Zahn.\u201c Und das ist ein Zitat aus 3. Mose 24: \u201eWer ein St\u00fcck Vieh erschl\u00e4gt, muss es ersetzen: Leben f\u00fcr Leben. Wenn jemand einen Mitb\u00fcrger verletzt, soll man ihm antun, was er getan hat: Bruch f\u00fcr Bruch, Auge f\u00fcr Auge, Zahn f\u00fcr Zahn. Der Schaden, den er einem Menschen zugef\u00fcgt hat, soll ihm zugef\u00fcgt werden.\u201c Als Menschen, die in einem westlichen Rechtsstaat im 21. Jahrhundert leben, kommen uns diese Worte unglaublich barbarisch, brutal und v\u00f6llig veraltet vor. Wer von uns w\u00fcrde in einer solchen Gesellschaft leben wollen?<br \/>\nDas Gesetz, das Jesus zitiert, ist bekannt unter dem Namen lex talionis, das Gesetz der Vergeltung. Das, was dieses Gesetz aussagt, ist, dass Vergeltung auf dem Prinzip der Gleichheit beruhen sollte. Der Grund ist, dass wir Menschen immer die Tendenz haben, dem anderen gr\u00f6\u00dferen Schaden zuzuf\u00fcgen als der uns zugef\u00fcgt wurde: \u201eDu hast mich bl\u00f6d angeschaut. Daf\u00fcr kriegst du ein blaues Auge\u201c oder: \u201eDu hast mein Schaf get\u00f6tet. Daf\u00fcr brenne ich deine Scheune ab\u201c oder: \u201eDu hast mich geschlagen. Daf\u00fcr bringe ich dich um.\u201c So sind Menschen.<br \/>\nWir kennen das aus eigener Erfahrung. So viele menschliche Streitigkeiten und Konflikte fangen mit v\u00f6llig banalen und belanglosen Dingen hat. Das betrifft Streitereien unter Kindern (\u201ePapa, sie hat f\u00fcnf Smarties genommen. F\u00dcNF!\u201c) genauso wie Streitereien unter Erwachsenen. Das, was diese Streitereien so ausarten l\u00e4sst und zu Desastern f\u00fchrt, ist unser Hang, uns ma\u00dflos in Konflikte hineinzusteigern. Und genau davor sollte die Gesellschaft bewahrt und besch\u00fctzt werden. Die Strafe sollte im gleichen Verh\u00e4ltnis stehen wie das Verbrechen. Und nach diesem Ausgleich sollte man die Sache auf sich beruhen lassen. D.&nbsp;h., f\u00fcr die meisten Menschen fast aller Zeiten w\u00e4re dieses Prinzip eine wesentliche Verbesserung im Vergleich zu dem, was sie kennen oder erlebt haben.<br \/>\nZwei weitere Erkl\u00e4rungen sind vielleicht noch hilfreich. Die meisten Ausleger sind sich darin einig, dass dieses Gesetz nicht wortw\u00f6rtlich praktiziert wurde. D&nbsp;h., wer einer anderen Person bei einer Schl\u00e4gerei den Arm brach, dem wurde nicht zwangsl\u00e4ufig auch der Arm gebrochen. Noch einmal, es ging in erster Linie darum, dass das Strafma\u00df nicht schlimmer und brutaler sein sollte als das Vergehen.<br \/>\nNoch eine Erkl\u00e4rung: Dieses Gesetz bezog sich auf Strafen, die durch die amtierende Regierung durchgef\u00fchrt werden sollte; es bezog sich nicht auf die pers\u00f6nliche Rache. In 3. Mose 19,18 hei\u00dft es: \u201eAn den Kindern deines Volkes sollst du dich nicht r\u00e4chen und ihnen nichts nachtragen.\u201c D.&nbsp;h., wenn jemand einer anderen Person schadete, dann sollte keine Selbstjustiz ver\u00fcbt werden. Die Gerichte sollten sich der Sache annehmen. Und das ist im Prinzip auch das, was wir im Rechtsstaat kennen.<br \/>\nDas war das Gesetz zur Vergeltung unter der alten Gerechtigkeit. Das Gesetz wurde gegeben, um der Vergeltung Grenzen zu setzen und um daf\u00fcr zu sorgen, dass die Vergeltung nicht zu noch gr\u00f6\u00dferer und ausufernderer Gewalt f\u00fchrte.<\/p>\n<p><strong>2. Vergeltung unter der neuen Gerechtigkeit<\/strong><br \/>\nWiederum macht Jesus radikale Aussagen. Diese Aussagen geh\u00f6ren zu den bekanntesten Worten der ganzen Bibel. Einiges davon ist sogar Teil unseres allt\u00e4glichen Sprachgebrauchs geworden. So sehr haben sich diese Worte Menschen \u00fcber die ganze Geschichte hindurch beeindruckt. Was gilt also unter der neuen Gerechtigkeit des Himmelreichs? Jesus sagt in Vers 39: \u201eIch aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas B\u00f6ses antut, keinen Widerstand.\u201c Keinen Widerstand leisten, wenn jemand uns B\u00f6ses antut? Das ist ziemlich extrem! Nachdem Jesus das gesagt hat, gibt er vier konkrete Beispiele, um zu illustrieren, was er damit meinte. Wir wollen ganz kurz darauf eingehen.<br \/>\nDas erste Beispiel: \u201ewenn dich einer auf die rechte Wange schl\u00e4gt, dann halt ihm auch die andere hin!\u201c Eine Ohrfeige zu erhalten, ist als k\u00f6rperliche Verletzung nicht das Schlimmste. Aber es ist eine pers\u00f6nliche Dem\u00fctigung und eine Beleidigung. Jesus sagte, dass wenn wir auf solche Weise erniedrigt werden, wir die andere Wange hinhalten sollen. Absolut unerh\u00f6rt!<br \/>\nDas n\u00e4chste Beispiel ist in Vers 40: \u201eUnd wenn dich einer vor Gericht bringen will, um dir das Hemd wegzunehmen, dann lass ihm auch den Mantel!\u201c Wir kennen den Ausdruck \u201ebis auf das letzte Hemd.\u201c Hier wird jemand bis auf das letzte Hemd verklagt. Der Kl\u00e4ger versuchte jemanden bis aufs Letzte auszunehmen, jemanden v\u00f6llig zu ruinieren. Und Jesus sagte, dass wenn jemand uns das antut, wir nicht nur das Hemd geben sollten, sondern auch den Mantel. In der damaligen Zeit war der Mantel nicht nur ein unersetzliches \u00e4u\u00dferes Gewand. Er diente armen Menschen auch als Bettdecke. Der Mantel war so essenziell, dass er im Alten Testament (AT) nicht \u00fcber Nacht verpf\u00e4ndet werden durfte. In 2. Mose 22,25.26 hei\u00dft es dazu: \u201eNimmst du von einem Mitb\u00fcrger den Mantel zum Pfand, dann sollst du ihn bis Sonnenuntergang zur\u00fcckgeben; denn es ist seine einzige Decke, der Mantel, mit dem er seinen blo\u00dfen Leib bedeckt. Worin soll er sonst schlafen? Wenn er zu mir schreit, h\u00f6re ich es, denn ich habe Mitleid.\u201c Das zeigt, wie essentiell der Mantel war. Wer sein letztes Hemd und seinen Mantel abgab, der war sprichw\u00f6rtlich nackt. Er hatte gar nichts mehr an seinem K\u00f6rper.<br \/>\nDas dritte Beispiel: \u201eUnd wenn dich einer zwingen will, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh zwei mit ihm!\u201c Wir kennen in unserem Sprachgebrauch \u201edie Extrameile\u201c. Das ist, wenn jemand besonders engagiert und besonders flei\u00dfig ist. Zu Jesu Zeit war die Meile unter den Juden besonders verhasst. R\u00f6mische Soldaten hatten das Recht, zu jederzeit Zivilisten zu beauftragen, ihr Gep\u00e4ck zu tragen. W\u00e4hrend sie dieses Recht hatten, war dieses Recht aber auch streng reglementiert: eine Meile und nicht mehr. Und Jesus sagt nun: Warum nicht eine weitere Meile mit der Person gehen?<br \/>\nUnd schlie\u00dflich in Vers 42: \u201eWer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab!\u201c Das griechische Wort f\u00fcr \u201ebitten\u201c bedeutete hier vermutlich eher \u201ebetteln\u201c. Es geht um Menschen, die Almosen von uns wollen. Das Wort f\u00fcr \u201eborgen\u201c deutet ebenfalls auf eine arme Person hin. D.&nbsp;h., diese Personen borgen von uns und w\u00fcrden das, was sie von uns geliehen haben, vermutlich nicht zur\u00fcckgeben. Wir alle haben diese Menschen in unserem Leben, die uns regelm\u00e4\u00dfig um Gefallen bitten, die uns regelm\u00e4\u00dfig zur Last fallen, die st\u00e4ndig bei uns anklopfen und immer noch mehr haben wollen. Und Jesus sagt, dass wir sie nicht abweisen sollen: Gib bis zum Umfallen.<br \/>\nDas sind Jesu radikale Worte. Und wenn wir das h\u00f6ren, das beherzigen und das ernst nehmen, dann haben wir wirklich daran zu knabbern. Mehrere Probleme tun sich hier auf. Zum einen, manche von diesen Worten sind nicht mehr so relevant f\u00fcr unsere Zeit. Wir haben keine r\u00f6mischen Besatzer mehr, die uns zwingen k\u00f6nnen, eine Meile lang ihr Gep\u00e4ck zu tragen. Und die meisten von uns haben mehrere Hemden und Hosen und Jacken und separate Bettdecken. D&nbsp;h., die Beispiele, die Jesus verwendet, sind ein wenig aus der Zeit gefallen. Hei\u00dft das also, dass sie f\u00fcr uns nicht mehr gelten?<br \/>\nEin weiteres Problem: Manche von diesen Worten scheinen anderen Worten in der Bibel zumindest etwas zu widersprechen. Michael Wilson erw\u00e4hnt in seinem hervorragenden Kommentar wie Paulus an die Thessalonicher schreibt: \u201eWer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.\u201c Das hatte Paulus den Geschwistern explizit gesagt. Der Hintergrund war, dass es einige Geschwister in den Gemeinden gab, die alles M\u00f6gliche gemacht haben, au\u00dfer was Sinnvolles. Weil sie nicht arbeiteten, fielen sie allen ihren Geschwistern zur Last. Paulus macht klar, dass sie ermahnt werden sollten, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen und das zu essen, was sie sich erarbeitet hatten. D.&nbsp;h., es gibt Situationen, in denen es angebracht ist, nicht zu geben, auch wenn uns jemand bittet; es gibt Situationen, in denen wir nicht klein beigeben sollten.<br \/>\nNoch ein Problem: Wer von euch hat sich beim Lesen dieser Worte gefragt, ob ein Praktizieren dieser Worte nicht dazu f\u00fchrt, dass wir zu Fu\u00dfabtretern werden? Wenn mich jemand schl\u00e4gt, hei\u00dft es, dass ich mich niemals zur Wehr setzen darf? Beim Bibelstudium hat ein Bruder erw\u00e4hnt, dass er einen schwierigen Kollegen hat, der schlechte Arbeit macht; so oft ist er gezwungen, dessen Arbeit deshalb zu pr\u00fcfen und zu korrigieren, was extrem m\u00fchselig und schmerzhaft ist. Hei\u00dft das, dass man nichts dagegen unternehmen sollte, und das Ganze stillschweigend \u00fcber sich ergehen lassen und erdulden sollte? Bedeutet es, dass wenn ich in einer Beziehung lebe, in der ich von meinem Partner verbal und\/oder k\u00f6rperlich missbraucht werde, ich mich immer wieder aufs Neue missbrauchen lassen soll? Ist es das, was Jesus von mir will? Um Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden: Die Antwort lautet hier ganz klar \u201eNein!\u201c<br \/>\nHier sind ein paar Anmerkungen, die hoffentlich hilfreich sind, diese Probleme zu adressieren. Zum einen, Jesus spricht eigentlich nicht direkt \u00fcber das lex talionis, sondern \u00fcber etwas ganz anderes. Jesu hatte zwar mit dem alttestamentlichen Gesetz zur Vergeltung angefangen. Wir haben gesagt, dass selbst im AT es so war, dass wenn uns Schaden angetan wurde, wir das Recht nicht selbst in die Hand nehmen sollten, sondern lieber vor Gericht ziehen sollten. Jesus adressiert nicht so sehr das Gesetz zur Vergeltung. Stattdessen benutzt Jesus dieses Gesetz, um ganz grunds\u00e4tzlich die Frage zu stellen, wie wir damit umgehen, wenn uns geschadet wird.<br \/>\nJeder von uns hat in seinem Leben schon Unrecht erfahren \u2013 manche mehr und mache weniger. Jeder von uns wird in seinem weiteren Leben noch weiteres Unrecht erfahren. Und die Frage ist: \u201eWie gehst du damit um, wenn dich jemand beschimpft und beleidigt? Wenn dich jemand verletzt, was macht es mit deinem Herzen? Was passiert in deinem Innern? Bist du eine Person, die nur noch an Rache und Vergeltung denken kann? Bist du jemand, der lang und breit dar\u00fcber nachdenkt, wie man es der anderen Person am besten heimzahlen kann, und zwar sodass sie mindestens den ganzen Schmerz erf\u00e4hrt, den du erfahren hast? Bist du bitter in deinem Herzen?\u201c Es ging Jesus genau um diese inneren Gedanken und Gef\u00fchle. Jesus sieht unsere Herzen.<br \/>\nAls N\u00e4chstes m\u00fcssen wir verstehen, dass Jesus hier keine Gesetze oder Regeln gibt. Wenn Jesus sagt: \u201eWer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab\u201c ist das kein Gesetz oder Regel, die minuti\u00f6s befolgt werden will. Wenn dem so w\u00e4re, dann w\u00e4re die Aufforderung zwei statt einer Meile zu gehen, auch ein Gesetz: \u201eNach genau zwei Meilen und keinem Schritt weiter, k\u00f6nnten wir dem Soldaten das Gep\u00e4ck auf die F\u00fc\u00dfe knallen und ihm sagen, dass er uns den Buckel runterrutschen kann.\u201c Und genau das ist damit \u00fcberhaupt nicht gemeint. Dallas Willard schreibt: \u00bbEs sind keine Gesetze des \u201agerechten Verhaltens\u2018 f\u00fcr diejenigen, die sich pers\u00f6nlich angegriffen oder verletzt f\u00fchlen. Es sind keine Gesetze aus dem offensichtlichen Grund, dass sie die vielen F\u00e4lle nicht abdecken. Wenn man sie au\u00dferdem als Gesetze liest, sieht man sofort, dass wir sie in einem falschen Geist \u201abefolgen\u2018 k\u00f6nnten. Zum Beispiel hei\u00dft es oft: \u201aIch halte die andere Wange hin, aber dann schlage ich dir den Kopf ab.\u2018\u00ab<br \/>\nWenn das dann keine Gesetze und Regeln sind, womit haben wir es hier zu tun? Die Antwort ist: Es sind Illustrationen. Diese Beispiele illustrieren, wie eine gerechte Person reagieren wird, wenn sie sich in diesen und \u00e4hnlichen Situationen befindet. Jesu Beispiele veranschaulichen einen Menschen, der im Hier und Jetzt bereits im Himmelreich lebt: so verhalten sich Menschen, die von Gott regiert werden. D.&nbsp;h., die Fragen, die wir uns stellen, lauten nicht: \u201eHabe ich jetzt oft genug die andere Wange hingehalten? Muss ich mich nochmal schlagen lassen?\u201c oder: \u201eHabe ich jetzt wirklich meinen ganzen Kleiderschrank hergegeben?\u201c oder: \u201eBin ich jetzt zwei Meilen gegangen oder waren es doch nur 1.9 Meilen?\u201c oder: \u201eHabe ich genug gegeben und genug verliehen?\u201c Das sind nicht die richtigen Fragen. Hier sind bessere Fragen: \u201eBin ich die Person, die so frei von Rachegef\u00fchlen ist, dass wenn es sein muss, ich mich sogar weiteren Verletzungen aussetzen kann? Bin ich als Person so frei von Vergeltungssucht, dass ich auf die Bed\u00fcrfnisse der anderen reagieren kann, auch wenn meine Rechte dadurch verletzt werden? Bin ich als Person so frei von Hass und Verachtung, dass ich mehr tun kann, als von mir verlangt ist, solange es anderen wirklich dienlich ist? Bin ich als Person so reich und so gesegnet, dass ich dem geben kann, der mich bittet und dem leihen kann, der mich fragt? Bin ich eine Himmelreich-Person?\u201c<br \/>\nDas bringt uns zum dritten Punkt.<\/p>\n<p><strong>3. Die Liebe erf\u00fcllt alles<\/strong><br \/>\nWir wollen zum Schluss \u00fcber ein paar Anwendungen nachdenken. Die erste Anwendung ist: In der Bergpredigt ging es Jesus nicht allein um Gesetzeskonformit\u00e4t. Wir haben uns in den letzten Wochen damit besch\u00e4ftigt, wie Jesus das Gesetz des AT neu auslegte. Wenn wir uns jetzt denken: \u201eOkay, wir sollen nicht nur nicht t\u00f6ten und nicht ehebrechen, sondern auch keinen Hass und keine Begierde haben. Dann gehorchen wir dem halt auch noch\u201c, dann haben wir den Punkt verfehlt. Es ging Jesus um weit mehr als um Gehorsam, dem Gesetz gegen\u00fcber.<br \/>\nVielleicht hilft folgendes Beispiel. Karl-Heinz K\u00e4mmerling war ein sehr erfolgreicher Klavierp\u00e4dagoge, der eine ganze Generation von Pianisten von Weltrang unterrichtet hat. Einer von seinen ber\u00fchmteren Sch\u00fclern war der Pianist Lars Vogt. Lars hatte so eine gute Beziehung zu K\u00e4mmerling, dass er sich Jahre sp\u00e4ter noch nach seinem Studium immer wieder mit K\u00e4mmerling getroffen hatte, um weiter Unterricht von ihm zu bekommen. Bei einem dieser Treffen war seine Tochter dabei, die damals 8 oder 9 Jahre alt war. Das M\u00e4dchen spielte auch ein wenig Klavier, einfache Kinderst\u00fccke. Und Lars meinte zu ihr: \u201eWarum spielst du K\u00e4mmerling nicht was vor? Er ist einer der wunderbarsten Lehrer der Welt. Und sp\u00e4ter wirst du davon erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, dass du ihm vorgespielt hast.\u201c Sie spielte ihm also vor. K\u00e4mmerling h\u00f6rte sich das an und sagte dann: \u201eJa, sehr sch\u00f6n. Aber findest du nicht, dass alle diese Noten lebendig sind? Du spielst alle diese Noten gleich. Magst du nicht versuchen, jede Note anders zu spielen, so dass jede Note lebt? Es f\u00e4ngt an, es w\u00e4chst heran und dann erstirbt es wieder?\u201c<br \/>\nLars Vogt verglich das mit seiner Methode zu unterrichten (\u201ehier, du hast diese Note falsch gespielt, und das hast du auch nicht richtig gemacht\u201c). Er sagte: \u201eInnerhalb von 10 Minuten hat er etwas Magisches mit ihr geschaffen.\u201c Sie spielte, und das, was sie spielte, klang ganz anders. Die Schlussfolgerung von Lars war: \u201eWas f\u00fcr ein Idiot bin ich, sie einfach nur auf all die falschen Noten hinzuweisen. Das Wichtigste ist doch folgendes: dass sie von Anfang an eine K\u00fcnstlerin ist.\u201c<br \/>\nJemand kann auf dem Klavier alle Noten dem Text nach richtig spielen und doch ein furchtbarer, gef\u00fchlloser Musiker sein. Die richtigen Noten zu spielen hei\u00dft noch lange nicht, dass man ein K\u00fcnstler ist! Auf der anderen Seite, eine Person, die ein richtiger K\u00fcnstler sein will, bei der die Noten wirklich Leben haben, wird zwangsl\u00e4ufig dem Notentext gehorchen. Das ist Teil der Miete. Aber es ist eben nur ein Teil.<br \/>\nVielleicht gilt das Gleiche f\u00fcr die Gesetze. Die Gesetze sagen uns, wo wir richtig oder falsch liegen, wo wir uns moralisch gut oder b\u00f6se verhalten haben. Aber Gesetzeskonformit\u00e4t allein bedeutet rein gar nichts. Unser Herz kann immer noch richtig b\u00f6se sein. Wir k\u00f6nnen immer noch bitter und zutiefst ungl\u00fccklich sein. Das Gesetz kann uns nicht ver\u00e4ndern. Das, was Jesus will, ist, dass wir K\u00fcnstler sind, die das Leben meistern. Er will uns zu Lebensk\u00fcnstlern machen.<br \/>\nAber wie k\u00f6nnen wir dann zu diesen Menschen ver\u00e4ndert werden? Wie k\u00f6nnen wir die bessere Gerechtigkeit des Himmelreichs leben? Die Antwort ist das Evangelium. Im Musical (oder im Film) \u201eLes Miserables\u201c gibt es eine sehr sch\u00f6ne Illustration f\u00fcr das Evangelium. Ein Str\u00e4fling namens Jean Valjean wird nach 19 Jahren Haft entlassen. Als er frei ist, will ihn niemand aufnehmen als ein Bischof. In der Nacht klaut Valjean das Silber des Bischofs. Valjean wird sofort von seinem Erzfeind Javert, einem Polizeiinspektor gefangen. Das einzige, was fehlt, um Valjean f\u00fcr immer wegzusperren ist das Zeugnis des beraubten Bischofs. Aber der Bischof behauptet, dass es kein Diebstahl war, sondern dass er Valjean das Silber geschenkt habe. Nicht nur das. Der Bischof sagt: \u201eDu hast die Kerzenst\u00e4nder vergessen.\u201c Valjean ist \u00fcberw\u00e4ltigt von Gnade. Und er wird zu einem selbst zu einem Mensch der Gnade ver\u00e4ndert.<br \/>\nWelche Gnade hast du empfangen? Es ist so erstaunlich, weil man die Verse 39 und folgende sprichw\u00f6rtlich auf Jesus anwenden k\u00f6nnte. Als Jesus verhaftet wurde, als ihm B\u00f6ses angetan wurde, leistete er keinen Widerstand. Er wurde ins Gesicht geschlagen und angespuckt und hielt die andere Wange hin. Er wurde vor Gericht gezerrt, und ihm wurde sein letztes Hemd genommen. Er wurde gezwungen, die Meile zu gehen und ging die Extrameile, als er sein eigenes Kreuz trug; das Kreuz, an das er geh\u00e4ngt wurde, und unter dem die Soldaten das Los um seine Kleidung warfen. Jesus hat alles gegeben, was er hatte, seine W\u00fcrde, sein Blut, sein Leben. Warum? Weil es keinen anderen Weg gab, um uns zu retten.<br \/>\nHier ist der Punkt: Jesu Tod am Kreuz ist nicht nur das absolute, ultimative Vorbild, das wir haben. Es ist so viel mehr als das. Es ist Jesu Triumph \u00fcber unsere Bosheit. Gott \u00fcbersch\u00fcttet uns mit seiner Liebe und mit seiner G\u00fcte, weil Jesus an unserer Stelle unsere Schmach und unsere Scham und unsere S\u00fcnde getragen hat. Das ist die Bedeutung der Gnade. Und wer das erfahren hat, der wird ebenfalls zu einem Mensch der Gnade ver\u00e4ndert so wie Valjean. Wenn wir schlecht behandelt werden, wenn wir verletzt werden, wenn unsere Rechte mit F\u00fc\u00dfen getreten werden, finden wir hier die Quelle der Kraft zu ertragen und zu vergeben und zu lieben.<br \/>\nAls Letztes: Mit Liebe zu vergelten ist Gottes Art und Weise, diese Welt zu bezwingen. Es gibt in der Geschichte der Christenheit so viel glorreiche Beispiele daf\u00fcr. Der B\u00fcrgerrechtler Martin Luther King war zutiefst von der Bergpredigt inspiriert. Er sah in der Bergpredigt ein Bild dessen, wie diese Welt ver\u00e4ndert wird, wenn Gottes Reich auf Erden kommt. In einer Predigt sprach King davon, wie die unterdr\u00fcckten Afroamerikaner wirklich frei werden k\u00f6nnen. Er adressierte dabei die Menschen, von denen sie gehasst und misshandelt wurden.<br \/>\nKing sagte: \u201eWir werden eure F\u00e4higkeit, Leiden zuzuf\u00fcgen, mit unserer F\u00e4higkeit, Leiden zu ertragen, kontern. Wir werden eurer physischen Kraft mit seelischer Kraft begegnen. Macht mit uns, was ihr wollt, und wir werden euch trotzdem lieben. [\u2026] Steckt uns also ins Gef\u00e4ngnis, und wir werden mit einem dem\u00fctigen L\u00e4cheln im Gesicht hineingehen und euch immer noch lieben. Bombardiert unsere H\u00e4user und bedroht unsere Kinder, und wir werden euch immer noch lieben. [\u2026] Schickt eure vermummten Gewaltt\u00e4ter um Mitternacht in unsere Gemeinden, zerrt uns an irgendeinen Stra\u00dfenrand, verpr\u00fcgelt uns und lasst uns halbtot zur\u00fcck, und wir werden euch immer noch lieben. Aber seid versichert, dass wir euch durch unsere Leidensf\u00e4higkeit zerm\u00fcrben werden. Und eines Tages werden wir unsere Freiheit gewinnen, aber wir werden nicht nur die Freiheit f\u00fcr uns selbst gewinnen, sondern wir werden so sehr an euer Herz und euer Gewissen appellieren, dass wir auch euch gewinnen werden. Und unser Sieg wird ein doppelter Sieg sein. Dies scheint mir die einzige Antwort und der einzige Weg zu sein, unsere Nation zu einer neuen Nation und unsere Welt zu einer neuen Welt zu machen. Die Liebe ist die absolute Macht.\u201c<br \/>\nMartin Luther King hatte absolut recht. Die Liebe Gottes ist die absolute Macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext Vergeltung \u2013 aber richtig! \u201eIch aber sage euch: Leistet dem, der euch etwas B\u00f6ses antut, keinen Widerstand, sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schl\u00e4gt, dann halt ihm auch die andere hin!\u201c (Matth\u00e4us 5,39 [E\u00dc]) Der Kontext der Bergpredigt ist das Himmelreich Gottes, das in Jesus Christus so nahe [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[62,20,4],"tags":[],"class_list":["post-12605","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bergpredigt","category-matthaeus","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12605","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12605"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12605\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12609,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12605\/revisions\/12609"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12605"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12605"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12605"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}