{"id":12550,"date":"2024-06-23T11:00:50","date_gmt":"2024-06-23T09:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=12550"},"modified":"2025-12-02T19:12:26","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:26","slug":"predigt-bergpredigt-matthaeus-517-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-bergpredigt-matthaeus-517-20\/","title":{"rendered":"Predigt: Bergpredigt &#8212; Matth\u00e4us 5,17-20"},"content":{"rendered":"<p><strong>Download [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Mt_Bergpredigt_Lektion04_P.odt\">ODT<\/a>]&nbsp; [<a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/Mt_Bergpredigt_Lektion04_P.pdf\">PDF<\/a>]<\/strong> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/matthaeus\/5\/17-20?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Bessere Gerechtigkeit<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDenn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Matth\u00e4us 5,20)<\/p>\n<p>Vor ein paar Wochen hatte ich einen Kollegen aus England getroffen. Wir sa\u00dfen in einem Caf\u00e9, und er erz\u00e4hlte mir ein wenig, wie er aufgewachsen war. Er ist mit vier Geschwistern im Libanon aufgewachsen (Familien mit f\u00fcnf Kindern sind mir zur Zeit aus unerkl\u00e4rlichen Gr\u00fcnden besonders sympathisch). Eines Tages kam er mit zwei seiner Schwestern von der Schule nach Hause. Seine Mutter stand auf dem Balkon. Sie wohnten im dritten oder vierten Stock. Und dann schrie seine Mutter: \u201eBleib wo du bist! Keinen Schritt weiter!\u201c Ihr Schreien war so laut, dass man es in der ganzen Nachbarschaft h\u00f6ren konnte. Dann ging sie in die Wohnung und kam mit einem Berg seiner Kleidung zur\u00fcck. Und dann warf sie die Kleidung vom Balkon herunter. Dann rief sie: \u201eHeb die Kleidung auf!\u201c Er gehorchte und hob seine Kleidung auf und kam an die Wohnungst\u00fcr. Seine Mutter erlaubte ihm nicht, rein zu kommen. Stattdessen nahm sie ihm die Kleidung ab, nur um sie ein weiteres Mal vom Balkon zu werfen. Sie br\u00fcllte: \u201eGeh raus und heb deine Kleidung auf!\u201c Er ging hinaus und hob seine Kleidung erneut auf. Die ganze Nachbarschaft wurde Zeuge dessen. Nach dieser \u00f6ffentlichen Dem\u00fctigung stand er vor der Wohnung. Und seine Mutter fragte ihn dann: \u201eWirst du ab jetzt dran denken, deine Kleidung nicht mehr auf dem Boden liegenzulassen?\u201c Und mein Kollege erz\u00e4hlte mir: \u201eIch habe meine Kleidung nie wieder auf dem Boden liegen lassen. Nie mehr!\u201c<br \/>\nSeine Erz\u00e4hlung veranschaulicht auf wunderbare Weise, was es bedeutet, unter der Herrschaft von jemanden zu leben. Seine Mutter hat keinen Zweifel aufkommen lassen, dass die Wohnung, die Familie ihr K\u00f6nigreich war. Und sie war unbestritten die K\u00f6nigin dieses Reiches.<br \/>\nOb wir es wollen oder nicht, und ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, wir alle leben unter der Herrschaft von jemandem. In Matth\u00e4us 4,17 hatte Jesus die bahnbrechende Botschaft verk\u00fcndigt: \u201eKehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe!\u201c Wir haben gesehen, dass dieses Himmelreich die wahre Realit\u00e4t ist. Das K\u00f6nigreich des Himmels, Gottes K\u00f6nigreich ist in Jesus Christus so nahe herbeigekommen, dass es greifbar ist. Jeder der will, kann und darf unter der Herrschaft Jesu leben. Jeder der will, kann und darf ein B\u00fcrger von Gottes Himmelreich werden. Wenn wir das wollen, dann m\u00fcssen wir umkehren von unserer alten Weise, unser Leben zu f\u00fchren.<br \/>\nDas ist der Kontext vom heutigen Text. Und es ist so wichtig, dass wir uns diesen Kontext immer und immer wieder vor Augen f\u00fchren. Jesus erkl\u00e4rt uns, was es bedeutet, als B\u00fcrger des Himmelreichs im Hier und Jetzt zu leben. Der Schl\u00fcssel hier ist das Wort \u201eGerechtigkeit\u201c.<br \/>\nDrei Dinge lernen wir \u00fcber die Gerechtigkeit im heutigen Text. Erstens, das Fundament der Gerechtigkeit; zweitens, die Erf\u00fcllung der Gerechtigkeit; drittens, wie diese Gerechtigkeit uns ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>1. Das Fundament der Gerechtigkeit<\/strong><br \/>\nIn Vers 20 sagt Jesus: \u201eDarum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit gr\u00f6\u00dfer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharis\u00e4er, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.\u201c Im deutschen Sprachgebrauch wird Gerechtigkeit h\u00e4ufig gleichgesetzt mit Fairness. Und es wird auch h\u00e4ufig eingesetzt im Kontext von sozialer Gerechtigkeit. Jesus sagte, dass unsere Gerechtigkeit besser oder weit gr\u00f6\u00dfer sein muss als die der Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er. Wenn wir uns jetzt die Frage stellen w\u00fcrden \u201ewie schaut es mit deiner Gerechtigkeit aus?\u201c, dann kann es sein, dass viele ein gro\u00dfes Fragezeichen \u00fcber ihrem Kopf haben. Und der Grund, weshalb wir vielleicht Probleme damit haben, zu verstehen, weshalb Gerechtigkeit f\u00fcr uns so relevant ist, ist, dass das Wort nicht so einfach zu \u00fcbersetzen ist.<br \/>\nDas griechische Wort f\u00fcr Gerechtigkeit ist dikaiosune. Der christliche Philosoph Dallas Willard machte die Anmerkung, dass die erste, systematische, philosophische Auseinandersetzung mit diesem Thema vermutlich bei Plato erfolgte in seinem Buch \u201eDer Staat\u201c. Dallas schreibt: \u201eDieses Buch ist eigentlich eine Studie \u00fcber die menschliche Seele und \u00fcber den Zustand, in dem sich die Seele befinden muss, damit der Mensch gut leben und das Richtige tun kann. Der erforderliche Zustand wird in \u00bbDer Staat\u00ab ebenfalls dikaiosune genannt. Das ist genau der Begriff, um den es Jesus in seiner Bergpredigt geht, wie wir ihn in der griechischen Sprache haben. In Platons Texten wird er gew\u00f6hnlich mit \u00bbGerechtigkeit\u00ab \u00fcbersetzt. Aber das ist wieder einmal eine ungl\u00fcckliche \u00dcbersetzung, denn dikaiosune hat nur indirekt mit dem zu tun, was wir heute unter Gerechtigkeit verstehen.\u201c Der gro\u00dfe griechische Philosoph Plato hatte sich also auch schon mit der Thematik besch\u00e4ftigt. Frage ist dann nat\u00fcrlich, was dikaiosune bedeutet.<br \/>\nDallas Willard\u2019s Vorschlag diesbez\u00fcglich war, dieses Wort zu paraphrasieren: \u201edas, an einem Menschen, was ihn oder sie wirklich richtig und gut macht.\u201c Gerechtigkeit ist das an uns, was uns wirklich richtig und was uns wirklich gut macht. Und hier sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir hoffentlich zumindest anfangen zu merken, wie essenziell und lebensnotwendig dieses Thema f\u00fcr jeden einzelnen von uns ist. Es geht um die Frage, wie ein Mensch ein gutes Leben haben kann.<br \/>\nIn dem Film \u201eEin Soldat namens James Ryan\u201c wird die Geschichte erz\u00e4hlt, wie ein amerikanischer Soldat, dessen Br\u00fcder alle im Krieg gefallen waren, gerettet wird. John Miller ist der Offizier, dem er schlie\u00dflich sein Leben zu verdanken hat. Als Miller erschossen wird, sind seine letzten Worte an James Ryan: \u201eVerdiene es dir.\u201c Jahrzehnte sp\u00e4ter kommt James Ryan als alter Mann zur\u00fcck in die Normandie. Er steht vor dem Grab, wo Miller beerdigt ist. Am Grab spricht er mit seinem verstorbenen Offizier: \u201eMeine Familie ist heute mit mir. Sie wollten mitkommen. Um ehrlich zu sein war ich mir nicht sicher, ob ich hierher zur\u00fcckkehren wollte. Jeden Tag erinnere ich mich an die Worte, die du mir auf der Br\u00fccke gesagt hattest. Ich habe versucht, mein Leben auf die beste Weise zu leben, wie es mir m\u00f6glich war. Ich hoffe, dass das ausreicht. Ich hoffe, dass ich mir zumindest in deinen Augen das verdient habe, was ihr f\u00fcr mich getan habt.\u201c Seine Ehefrau tritt an seine Seite. James Ryan sagt zu seiner Frau: \u201eSag mir, dass ich ein gutes Leben gef\u00fchrt gelebt habe. Sag mir, dass ich ein guter Mensch bin.\u201c Seine Frau ist zuerst verwundert, dann schaut sie auf das Grab, streicht ihm \u00fcber das Gesicht und sagt ihm: \u201eDas bist du.\u201c<br \/>\nIm Grunde unseres Herzens sind das die Worte, die ein jeder von uns h\u00f6ren m\u00f6chte. Jeder von uns will eigentlich ein gutes Leben f\u00fchren. Jeder Mensch will eigentlich gut sein. Selbst die Menschen, die wir als unmoralisch, unanst\u00e4ndig oder sogar b\u00f6sartig wahrnehmen, wollen eigentlich gut sein. Ich glaube nicht, dass die B\u00f6sewichter dieser Welt morgens aufstehen und sich sagen: \u201eHar, har \u2026 heute will ich etwas ganz Schlimmes anstellen und ein richtig schlimmer Schuft sein.\u201c Selbst die Diktatoren und die Tyrannen wollen moralisch sein. D.&nbsp;h., du und ich, wir haben in unseren Herzen eine Sehnsucht nach dem, was gut ist. Wir wollen Gerechtigkeit, und wir selbst wollen gerecht sein. Wir wollen das haben, was uns zu guten und richtigen Menschen macht.<br \/>\nDas Problem aber ist, dass diese Gerechtigkeit nichts ist, was wir uns selbst zusprechen k\u00f6nnen. Um noch einmal auf den Veteranen James Ryan zur\u00fcck zu kommen: Er hofft, dass sein verstorbener Offizier ihm best\u00e4tigen kann, dass sein Leben ausreichend gut war. Aber der Offizier Miller sagt nichts, weil er tot ist. Und deshalb wendet er sich an seine Ehefrau: \u201eSag mir, dass ich ein gutes Leben gef\u00fchrt habe. Sag mir, dass ich ein guter Mensch bin.\u201c Aber reicht die Best\u00e4tigung seiner Frau wirklich aus?<br \/>\nIn Vers 17 sagt Jesus uns, was der Ma\u00dfstab ist: \u201eDenkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erf\u00fcllen.\u201c Das Fundament der Gerechtigkeit ist das Gesetz und die Propheten. Wenn wir das Wort Gesetz h\u00f6ren, dann denken wir fast unvermeidlich an Regeln und an Gesetzestexte wie aus dem B\u00fcrgerlichen Gesetzbuch oder die Zehn Gebote.<br \/>\nAber das \u201eGesetz und die Propheten\u201c war die g\u00e4ngige Art und Weise, wie die Juden das gesamte Alte Testament bezeichnetet hatten. Jesus bezieht sich auf die ganze Schrift, angefangen von Genesis bis hin zum Propheten Maleachi. Das AT enth\u00e4lt Gebote (613 um genau zu sein), und einige wenige dieser Gebote diskutiert Jesus in den folgenden Versen. Wir werden uns die n\u00e4chsten Wochen damit besch\u00e4ftigen. Aber der Gro\u00dfteil des AT ist Narrative. Das AT erz\u00e4hlt die Geschichte der Sch\u00f6pfung, die Geschichte der Stammv\u00e4ter, die Geschichte der Geburt und Befreiung Israels bis zu ihrem Exil und dar\u00fcber hinaus. Und aus dieser Geschichte l\u00e4sst sich folgern und ablesen, wer Gott ist und welche Ma\u00dfst\u00e4be Gott hat.<br \/>\nWas ist die Essenz von Gottes Geboten? Jesus wurde einmal nach dem h\u00f6chsten Gebot befragt. Jesus h\u00e4tte an dieser Stelle antworten k\u00f6nnen: \u201eNa h\u00f6r mal, alle Gebote sind von Gott und deshalb gleich wichtig.\u201c Aber das sagte Jesus nicht. Stattdessen antwortete er in Matth\u00e4us 22: \u201eDu sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Danken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen N\u00e4chsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten h\u00e4ngt das ganze Gesetz und die Propheten.\u201c Gott \u00fcber alles zu lieben und den N\u00e4chsten zu lieben wie sich selbst ist die Essenz vom Gesetz und den Propheten. Und das ist es, was der Gerechtigkeit Gottes zu Grunde liegt.<\/p>\n<p><strong>2. Die Erf\u00fcllung der Gerechtigkeit<\/strong><br \/>\nIn den Versen 18 und 19 sagt Jesus dann: \u201eBis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota und kein H\u00e4kchen des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber h\u00e4lt und halten lehrt, der wird gro\u00df sein im Himmelreich.\u201c<br \/>\nJesus erkl\u00e4rt hier den Anspruch. Wir haben gesagt, dass die Essenz des AT ist, Gott \u00fcber alles zu lieben und den N\u00e4chsten zu lieben wie sich selbst. Und die Frage ist, bis zu welchem Grad? Und Jesus antwortet: absolute Vollkommenheit. Ein Jota k\u00f6nnte man als i-T\u00fcpfelchen ansehen, ein H\u00e4kchen als das Strichlein im kleinen \u201et\u201c zum Beispiel. Alles muss erf\u00fcllt werden. Allem soll gehorcht werden. Gott soll vollkommen geliebt werden und wir sollen unsere Nachbarn vollkommen lieben. Frage: Welcher Mensch kann diesem Anspruch auch nur ann\u00e4hernd gerecht werden?<br \/>\nGunnar Kaiser erz\u00e4hlte in einem pers\u00f6nlichen Video wenige Wochen vor seinem Tod, wie die Krebserkrankung dazu gef\u00fchrt hatte, zu beten. Sprichw\u00f6rtlich sagte er im Video dann folgendes: \u201eWenn das jetzt zu Ende geht, m\u00f6chte ich alles tun, um meine Seele ins Himmelreich kommen zu lassen.\u201c Der Titel des Videos lautet: \u201eHabe ich genug getan?\u201c Und dann stellt er diese nagenden Fragen: \u201eHabe ich genug gebetet? Habe ich genug gebeten? \u2026 Habe ich genug getan? \u2026 Habe ich genug Schlechtes unterlassen? Habe ich nicht nur genug getan, habe ich es auch gut genug getan?\u201c<br \/>\nOder um noch einmal eine Referenz aus einem Film zu erw\u00e4hnen: Am Ende des Films Schindlers Liste, steht Oskar Schindler vor all den Menschen, die alle ihr Leben ihm zu verdanken haben. Itzhak Stern \u00fcberreicht ihm als Dankesch\u00f6n einen goldenen Ring auf dem die Worte des Talmuds eingraviert sind: \u201eWer einen Menschen rettet, der rettet die ganze Welt\u201c. Und pl\u00f6tzlich bricht Schindler zusammen. Er stammelt: \u201eIch h\u00e4tte mehr tun k\u00f6nnen \u2026, wenn ich nur \u2026, ich wei\u00df nicht, wenn ich nur \u2026, ich h\u00e4tte mehr tun k\u00f6nnen.\u201c Stern sagt: \u201eOskar, hier stehen 1.100 Menschen, die am Leben sind deinetwegen. Schau sie an.\u201c Aber er kann nicht. Er sagt: \u201eIch h\u00e4tte mehr Geld verdienen k\u00f6nnen. Ich habe so viel Geld verschwendet, du hast keine Ahnung. Ich habe nicht genug getan. Dieses Auto, warum habe ich das Auto behalten? Zehn weitere Menschen h\u00e4tte ich holen k\u00f6nnen, zehn weitere Menschen \u2026\u201c Er bricht zusammen und weint, und niemand kann ihn tr\u00f6sten. Oskar Schindler ist unbestritten ein Held. Und in seinem Zusammenbruch zeigt sich, dass selbst die besten Menschen dem Gesetz und den Propheten nicht gerecht werden k\u00f6nnen.<br \/>\nWelche Hoffnung gibt es dann f\u00fcr uns? Wenn wir uns noch einmal den Vers 17 ansehen, dann sehen wir, dass Jesus das Wort \u201eerf\u00fcllen\u201c verwendet. Matth\u00e4us hatte dieses Wort bereits mehrfach in seinem Evangelium verwendet. Als Maria schwanger war, sieht Josef im Traum einen Engel. Und der Engel sagt ihm: \u201eDies alles ist geschehen, damit sich erf\u00fcllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat.\u201c In Matth\u00e4us 2,15 lesen wir: \u201eDenn es sollte sich erf\u00fcllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat \u2026\u201c Und zwei Verse weiter: \u201eDamals erf\u00fcllte sich, was durch den Propheten Jeremia gesagt worden ist.\u201c Und im gleichen Kapitel in Vers 23: \u201eDenn es sollte sich erf\u00fcllen, was durch die Propheten gesagt worden ist.\u201c Es gibt noch weitere Beispiele. Matth\u00e4us sagt uns unmissverst\u00e4ndlich, dass sich durch Jesus die Schrift es AT erf\u00fcllte.<br \/>\nUnd das ist nicht alles. Als Jesus starb, waren die letzten Worte, die er sprach: \u201eEs ist vollbracht.\u201c Was Jesus hier zum Ausdruck brachte, war, dass er durch seinen Tod alle Forderungen des Gesetzes erf\u00fcllt hatte. Jesus war Gott vollkommen gehorsam gewesen; er wurde unschuldig verurteilt, und er ist f\u00fcr alles das gestorben, was wir verbockt haben: f\u00fcr alle unsere S\u00fcnden, unsere Missetaten, unsere Fehltritte, unseren Aufstand gegen Gott. Jesus hat das Leben gelebt, das wir h\u00e4tten leben sollen. Jesus ist den Tod gestorben, den wir verdient h\u00e4tten. Er ist die Erf\u00fcllung der ganzen Heiligen Schrift. In ihm erf\u00fcllt sich das ganze AT.<br \/>\nWas hei\u00dft das f\u00fcr unsere Gerechtigkeit? Jesus sagte, dass wenn unsere Gerechtigkeit nicht weit gr\u00f6\u00dfer ist als die der Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. F\u00fcr die Menschen damals m\u00fcssen diese Worte ein echter Schreckmoment gewesen sein. Wir assoziieren Pharis\u00e4er mit Heuchler. Aber tats\u00e4chlich waren die Pharis\u00e4er damals so ziemlich die diszipliniertesten und religi\u00f6sesten Menschen, die es gab. Das ist wie, wenn man sagen w\u00fcrde: \u201eWenn du nicht heiliger bist als der Papst\u201c oder \u201ewenn du nicht frommer bist als Mutter Teresa\u201c. Wer um alles in der Welt ist gerechter und besser als die besten dieser Welt?<br \/>\nAber es gibt eine Gerechtigkeit die weit gr\u00f6\u00dfer und besser ist, als die der heiligsten Menschen. Es ist die Gerechtigkeit Jesu. Und wenn wir an diesen Jesus glauben, dann spricht uns Gott diese Gerechtigkeit zu. Die Gerechtigkeit des Himmelreichs ist die Gerechtigkeit der Gnade. Niemand im Himmelreich kann sagen, dass er oder sie es verdient hat, gerecht zu sein. Niemand im Himmelreich kann sagen: \u201eIch habe genug getan.\u201c Unser Bekenntnis ist: \u201eJesus hat genug getan. Jesus hat das ganze Gesetz erf\u00fcllt. Jesus hat alles vollbracht. Wir leben aus dem Geschenk seiner Gnade.\u201c Die Gerechtigkeit wurde durch Jesus erf\u00fcllt.<\/p>\n<p><strong>3. Wie diese Gerechtigkeit uns ver\u00e4ndert<\/strong><br \/>\nBetrachten wir noch einmal Vers 20: \u201eDarum sage ich euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit gr\u00f6\u00dfer ist als die der Schriftgelehrten und der Pharis\u00e4er, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.\u201c Die Gerechtigkeit der Pharis\u00e4er war vor allen Dingen eine \u00e4u\u00dferliche Gerechtigkeit. In Matth\u00e4us 23,28 sagte Jesus: \u201eSo erscheint auch ihr von au\u00dfen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Gesetzlosigkeit.\u201c In praktisch allen menschlichen Gesellschaftsformen, z\u00e4hlt prim\u00e4r die \u00e4u\u00dfere Gerechtigkeit: Es geht um das \u00e4u\u00dfere Verhalten, die \u00e4u\u00dferlich sichtbare Regelkonformit\u00e4t, die guten Werke, die man sehen kann.<br \/>\nAber die Gerechtigkeit des Himmels ist eine andere. Sie zielt darauf ab, unser Inneres zu ver\u00e4ndern. Unter der Herrschaft Gottes geht es nicht nur um unseren \u00e4u\u00dferen Gehorsam; es geht auch um die innere Herzensmotivation, weshalb wir gehorchen. Hier sind ein paar Beispiele. Wer von euch hat schonmal bei einer Klassenarbeit oder einer Klausur abgeschrieben oder mit einem Spickzettel gearbeitet? Wem von euch ist es mal passiert, dass ihr eure Hausaufgaben vergessen hattet, und anstatt das dem Lehrer zu beichten, dachtet ihr, dass es eine bessere Idee ist, in der 5-Minutenpause vor dem Unterricht die Hausaufgaben noch schnell abzuschreiben? Oder etwas ernster: Wer von euch hat schon mal was geklaut?<br \/>\nAbschreiben und Klauen sind \u00e4u\u00dferlich sichtbare Verhaltensweisen. Und vermutlich sind viele von euch zu ehrlich, um abzuschreiben oder zu stehlen. Hier ist jetzt die 1-Millionen Euro-Frage: Warum seid ihr ehrlich? Seid ihr deshalb ehrlich, weil ihr echte Achtung vor dem habt, was gut und recht ist? Oder seid ihr deshalb ehrlich, weil ihr einfach nur Angst davor habt, erwischt zu werden? Seid ihr vielleicht nur deshalb ehrlich, weil ihr Angst vor negativen Konsequenzen habt? Und angenommen, ihr w\u00fcsstet, dass niemand euren Diebstahl sieht und dass es keine Bestrafung daf\u00fcr gibt und ihr die 500 Euro, die einfach so daliegen, wirklich gut gebrauchen k\u00f6nntet und ihr davon auch noch den Zehnten von opfern k\u00f6nntet, w\u00e4rt ihr immer noch ehrlich?<br \/>\nUnd stellen wir uns vor, wir werden dabei ertappt, w\u00e4hrend wir etwas Krummes anstellen. Stellen wir uns vor, du wirst als Kind beim Naschen ertappt, mit der Hand in der Keksdose, und der ganze Mund ist mit Schokolade verschmiert und sagst: \u201eEs tut mir so leid!\u201c Dann stellt sich die Frage: Was tut dir leid? Tut es dir leid, weil dir bewusst ist, dass du etwas getan hast, was nicht in Ordnung war. Oder tut es dir leid, weil du dabei erwischt wurdest? Ist es echte Reue und Bu\u00dfe? Oder ist es lediglich die Reue des Ertappten, der auf ein milderes Urteil hofft? Und an allen diesen Beispielen l\u00e4sst sich ablesen, dass es um unser Herz geht. Wer regiert dein Herz?<br \/>\nWie wird unser Inneres ver\u00e4ndert? Oliv\u00e9tan hatte das Neue Testament auf Franz\u00f6sisch herausgebracht. Der Reformator Johannes Calvin schrieb eine ausf\u00fchrliche Einleitung zu dieser Ausgabe. In seiner sehr theologischen Einleitung spricht er \u00fcber die frohe Botschaft, die wir in Jesus Christus haben: \u201eDaraus folgt, dass alles Gute, das wir denken oder w\u00fcnschen k\u00f6nnen, allein in diesem Jesus Christus zu finden ist. Denn er wurde verkauft, um uns freizukaufen; er wurde gefangen, um uns zu befreien; er wurde verurteilt, um uns freizusprechen; er wurde zum Fluch, um uns zu segnen, zum S\u00fcndopfer, um uns gerecht zu machen; er wurde entstellt, um uns sch\u00f6n zu machen.<br \/>\nEr starb f\u00fcr unser Leben; so dass durch ihn der Zorn bes\u00e4nftigt, die Finsternis in Licht verwandelt, die Furcht beruhigt, die Verachtung verachtet, die Schuld aufgehoben, die Arbeit erleichtert, die Traurigkeit fr\u00f6hlich gemacht, das Ungl\u00fcck zum Gl\u00fcck gemacht, die Schwierigkeit vereinfacht, die Unordnung geordnet, die Spaltung geeint, die Schmach geadelt, die Rebellion unterworfen, Einsch\u00fcchterung eingesch\u00fcchtert, der Anschlag vereitelt, der Angriff abgewehrt, Kraft zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, der Kampf bek\u00e4mpft, Krieg bekriegt, Rache ger\u00e4cht, Qual gequ\u00e4lt, Verdammnis verdammt, der Abgrund in den Abgrund gesenkt, die H\u00f6lle gefesselt, der Tod tot, Sterblichkeit unsterblich gemacht wurde. Kurzum, die Barmherzigkeit hat alles Elend verschlungen und die G\u00fcte alles Ungl\u00fcck.\u201c<br \/>\nUnd was ist die Konsequenz dessen f\u00fcr unser Leben? Calvin schreibt: \u201eWir sind zufrieden in allen Dingen, egal in welchem Land, Ort, Stand, Kleidung, Speise und alles, was dazu geh\u00f6rt. Und wir sind getr\u00f6stet in der Tr\u00fcbsal, fr\u00f6hlich in der Trauer, r\u00fchmen uns der Schm\u00e4hungen, sind reich in der Armut, gew\u00e4rmt in der Bl\u00f6\u00dfe, geduldig in allem \u00dcbel, leben im Tod.\u201c<br \/>\nAuf sprachlich wunderbare Art und Weise zeigt uns Calvin den Schatz, den wir in Jesus Christus haben. Jesus erf\u00fcllte das ganze Gesetz f\u00fcr uns! Er, der eine und einzige Gerechte, starb f\u00fcr uns die Ungerechten, weil er uns unendlich liebt. Die Liebe Gottes ist die einzige Kraft des Universums, die dein Herz ver\u00e4ndern kann. Wenn diese Wahrheit in unsere Herzen sinkt, dann ver\u00e4ndert das unser Inneres. Wenn diese Wahrheit unsere Herzen ber\u00fchrt und erneuert, dann entsteht in uns eine Gerechtigkeit, die besser und weit gr\u00f6\u00dfer ist als die der Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er. Und wir werden das Himmelreich sehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download [ODT]&nbsp; [PDF] &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext Bessere Gerechtigkeit \u201eDenn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.\u201c (Matth\u00e4us 5,20) Vor ein paar Wochen hatte ich einen Kollegen aus England getroffen. 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