{"id":125,"date":"2009-06-21T21:39:01","date_gmt":"2009-06-21T20:39:01","guid":{"rendered":"http:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=125"},"modified":"2023-01-29T20:19:13","modified_gmt":"2023-01-29T19:19:13","slug":"predigt-joh-81-11","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-joh-81-11\/","title":{"rendered":"Predigt: Joh 8,1-11"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2009\/06\/J20-P08-0111.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">So&nbsp; verdamme&nbsp; ich&nbsp; dich&nbsp; auch&nbsp; nicht!<\/h2>\n<address style=\"text-align: center;\">\u201eSie antwortete: Niemand, Herr. Und Jesus sprach: So verdammeich dich auch nicht; geh hin und s\u00fcndige hinfort nicht mehr.\u201c<br \/>\n(8,11)<\/address>\n<p align=\"center\">&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\">&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute betrachten wir einen Text, der vielen bekannt ist. Die Begebenheit, von der hier berichtet wird, ist ziemlich kurz, und dementsprechend hat unser Text auch nur elf Verse. Aber die Worte Jesu in diesem Gespr\u00e4ch sind von unsch\u00e4tzbarer Bedeutung nicht nur f\u00fcr die Personen damals, sondern auch f\u00fcr jeden von uns heute. Denn es geht dabei darum, wie wir uns selbst vor Gott erkennen k\u00f6nnen und wie Jesus uns von der S\u00fcnde und von der Verdammnis rettet. Lasst uns deshalb dieses Gespr\u00e4ch Jesu aufmerksam verfolgen und \u00fcber die Bedeutung nachdenken! M\u00f6ge Gott jedem helfen, die Stimme Jesu zu h\u00f6ren und die Bedeutung seiner Worte pers\u00f6nlich zu verstehen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Teil 1: Wer unter euch ohne S\u00fcnde ist (1-9a)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wann und wo fand diese Begebenheit statt? Betrachten wir den Text. Es war nach dem Ende des Laubh\u00fcttenfests, von dem wir im vorangehenden Kapitel erfahren haben. Nach dem Fest ging jeder heim. Aber Vers 1 berichtet, dass Jesus zum \u00d6lberg ging. Der \u00d6lberg war ein H\u00fcgel au\u00dferhalb von Jerusalem, auf dem es viele Oliveng\u00e4rten gab. Dort konnte Jesus nach dem anstrengenden Dienst f\u00fcr die Menschen und den oft turbulenten Auseinandersetzungen mit den religi\u00f6sen Leitern ungest\u00f6rt zum Vater beten und neue Orientierung und Kraft f\u00fcr seine Mission bekommen. Nach dem Lukasevangelium hatte Jesus die Gewohnheit, hinaus an den \u00d6lberg zu gehen (22,39a).<\/p>\n<p>Was tat Jesus am n\u00e4chsten Tag? Vers 2 berichtet: <strong>\u201eUnd fr\u00fchmorgens kam er wieder in den Tempel, und alles Volk kam zu ihm, und er setzte sich und lehrte sie.\u201c<\/strong> Jesus ging schon fr\u00fchmorgens wieder in den Tempel, um das Volk die Worte Gottes zu lehren. Nach seiner Teilnahme am Laubh\u00fcttenfest und seinem \u00f6ffentlichen Auftreten am letzten Tag des Festes h\u00e4tte Jesus denken k\u00f6nnen, dass er eine Pause verdient h\u00e4tte. Aber wenn Jesus an die Lage der Menschen dachte, die ohne die Wahrheit zu kennen in Unwissenheit ewig verloren gehen w\u00fcrden, konnte er nicht an sich selbst denken. Vielmehr betete Jesus mit brennendem Hirtenherzen f\u00fcr sie zum Vater und ging fr\u00fchmorgens gest\u00e4rkt zum Tempel, um die Menschen weiter zu lehren. Hier sehen wir, wie treu Jesus seine Mission erf\u00fcllte!<\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich kam alles Volk zu ihm. Warum kam das ganze Volk schon fr\u00fchmorgens in den Tempel, um Jesus zu h\u00f6ren? Eigentlich schlafen die meisten Menschen nach einer Feier am n\u00e4chsten Tag gerne aus. Die Menschen hatten gerade eine Woche lang das Laubh\u00fcttenfest gefeiert. Wie wir geh\u00f6rt haben, war das Laubh\u00fcttenfest das beliebteste der j\u00fcdischen Jahresfeste, bei dem man fr\u00f6hlich feierte. Dabei gab es eindrucksvolle und bedeutungsvolle Zeremonien, wie zum Beispiel die Ausgie\u00dfung des Wassers am Altar und die feierliche Beleuchtung des Tempels. Aber selbst das fr\u00f6hlichste Fest und die sch\u00f6nsten Zeremonien konnten den geistlichen Durst im Herzen der Menschen nicht stillen. Als sie am n\u00e4chsten Morgen aufwachten, f\u00fchlten sie sich innerlich immer noch leer und geistlich durstig. Aber sie hatten am Vortag die freundliche Einladung Jesu geh\u00f6rt: <strong>\u201eWen da d\u00fcrstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Str\u00f6me lebendigen Wassers flie\u00dfen\u201c <\/strong>(7.37.38). Sie sehnten sich danach, von dem lebendigen Wasser Jesu zu trinken. Also kamen sie fr\u00fchmorgens in den Tempel, um Jesus zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Wie diente Jesus den geistlich durstigen Menschen? Vers 2b sagt schlicht:<strong> \u201e\u2026 und er setzte sich und lehrte sie.\u201c<\/strong> Jesus lehrte die geistlich durstigen Menschen das Wort. Jesus glaubte, dass die Menschen am meisten das Wort ben\u00f6tigen, weil sein Wort den Menschen das ewige Leben gibt. Dar\u00fcber hat Jesus im Kap. 5 gesagt: <strong>\u201eWahrlich, wahrlich, ich sage euch: <strong>Wer mein Wort h\u00f6rt und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.<\/strong><\/strong> <strong>Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist schon jetzt, dass die Toten h\u00f6ren werden die Stimme des Sohnes Gottes, und die sie h\u00f6ren werden, die werden leben\u201c<\/strong> (5,24.25). Jesus lehrte die Menschen flei\u00dfig und bei jeder Gelegenheit das Wort, damit sie das Leben bekommen k\u00f6nnen. Wir sollen von Jesus lernen, der seine Mission, das Wort Gottes zu lehren, wirklich treu erf\u00fcllt hat.<\/p>\n<p>Doch an diesem Morgen wurde Jesu Lehre von einer Gruppe von Menschen gest\u00f6rt. Betrachten wir die Verse 3-5: <strong>\u201eAber die Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er brachten eine Frau, beim Ehebruch ergriffen, und stellten sie in die Mitte&nbsp;und sprachen zu ihm: Meister, diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen worden.&nbsp;Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du?\u201c <\/strong>Auch die Schriftgelehrten und Pharis\u00e4er waren an diesem Morgen fr\u00fch aufgestanden und aktiv geworden. Aber nicht, um das Volk mit dem Wort Gottes geistlich zu erbauen. Vielmehr brachten sie eine Frau zu Jesus, die sie \u201eauf frischer Tat beim Ehebruch ergriffen\u201c hatten. Wir wissen nicht, wie es dazu gekommen war, dass sie am fr\u00fchen Morgen diese Frau gefunden hatten; aber der ganze Zusammenhang legt nahe, dass es nicht zuf\u00e4llig passiert ist, sondern eher durch eine gezielte Aktion.<\/p>\n<p>Warum brachten sie diese Frau zu Jesus? Betrachten wir noch einmal die Verse 4 und 5. Sie klagten vor Jesus die Frau des Ehebruchs an. Sie verwiesen dabei darauf, dass das Gesetz von Mose f\u00fcr die S\u00fcnde des Ehebruchs als Strafe die Steinigung vorsieht. Hier k\u00f6nnen wir erfahren, welche Einstellung sie gegen\u00fcber Gottes Gesetz hatten. Eigentlich gab Gott den Menschen sein Gesetz, damit jeder den heiligen Willen Gottes erkennen und sein Leben danach ausrichten kann. Aber sie gebrauchten das Gesetz dazu, die S\u00fcnden anderer Menschen herauszufinden und sie zu kritisieren und zu verdammen.<\/p>\n<p>Ihre Worte machen auch klar, was f\u00fcr eine Einstellung sie gegen\u00fcber der Frau hatten. Eigentlich sollten sie Hirten f\u00fcr ihr Volk sein und den Menschen mit dem Hirtenherzen Gottes geistlich helfen. Trotz der S\u00fcnde der Frau sollten sie sie mit Gottes zerbrochenem Herzen betrachten. Aber stattdessen klagten sie die Frau nur an und zitierten erbarmungslos das entsprechende Gesetz und das Strafma\u00df, das daf\u00fcr dort genannt wird. In ihren Herzen hatten sie die Frau also bereits verurteilt und zur Steinigung verdammt.<\/p>\n<p>Ihre erbarmungslose Haltung gegen\u00fcber der Frau ist erschreckend. Doch Vers 6a zeigt, dass ihre Einstellung in Wirklichkeit noch schlimmer war. Denn dort hei\u00dft es \u00fcber ihre Motivation: <strong>\u201eDas sagten sie aber, ihn zu versuchen, damit sie ihn verklagen k\u00f6nnten.\u201c<\/strong> Ihr Motiv f\u00fcr die ganze Aktion war, dass sie Jesus anklagen wollten. Sie hatten also \u00fcberhaupt kein Interesse am Leben dieser Frau. Sie war f\u00fcr sie lediglich ein K\u00f6der, mit dem sie Jesus in eine Falle locken wollten, um ihn daraufhin verurteilen und t\u00f6ten zu k\u00f6nnen. Alles, was ihnen bei der Verwirklichung ihrer b\u00f6sen Absicht helfen konnte, war f\u00fcr sie ein willkommenes Mittel, selbst das Gesetz Gottes, sogar das Leben einer Frau. Sie traten hier auf wie fromme M\u00e4nner, deren h\u00f6chstes Interesse in der Einhaltung von Gottes Gesetz liegt. Aber in Wirklichkeit waren sie voll von richtenden Gedanken und Mordabsichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Inwiefern war ihre Frage wirklich eine Falle f\u00fcr Jesus? Ihre Frage lie\u00df Jesus eigentlich nur zwei M\u00f6glichkeiten zu antworten, n\u00e4mlich der Steinigung der Frau zuzustimmen oder sie in Schutz zu nehmen. Bisher hatte Jesus durch unz\u00e4hlige Taten seine Barmherzigkeit mit den Menschen gezeigt. Wenn Jesus nun hier der Steinigung der Frau zustimmen w\u00fcrden, k\u00f6nnten sie ihn als jemanden darstellen, der seinen eigenen Prinzipien nicht treu ist. Wenn Jesus aber die Frau in Schutz nehmen w\u00fcrde, k\u00f6nnten sie ihn anklagen, gegen das Gesetz des Mose versto\u00dfen zu haben. Sie brachten Jesus in Bedr\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch was tat Jesus? Vers 6b sagt:<strong> \u201eAber Jesus b\u00fcckte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde.\u201c <\/strong>Eigentlich nahm Jesus alle Menschen an, die zu ihm kamen, und antwortete in irgendeiner Form auf ihr Anliegen. Aber als hier die religi\u00f6sen Leiter voll von richtenden verdammenden Gedanken und T\u00f6tungsabsichten zu Jesus kamen, reagierte Jesus zun\u00e4chst gar nicht. Dadurch signalisierte Jesus ihnen, dass ihre Absicht nicht akzeptabel war, und gab ihnen eine Gelegenheit, ihre b\u00f6se Absicht zu \u00fcberdenken und zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Aber das passierte leider nicht. Vers 7a berichtet, dass sie nicht aufh\u00f6rten, Jesus nach seinem Urteil zu fragen. Was sagte Jesus schlie\u00dflich? Lesen wir gemeinsam den Vers 7:&nbsp;<strong>\u201eAls sie nun fortfuhren, ihn zu fragen, richtete er sich auf und sprach zu ihnen: Wer unter euch ohne S\u00fcnde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Und er b\u00fcckte sich wieder und schrieb auf die Erde.\u201c<\/strong>Jesu Antwort auf ihre Frage war sehr unerwartet und sie war voll von g\u00f6ttlicher Wahrheit und Weisheit. Wir wollen dar\u00fcber in zwei Punkten nachdenken.<\/p>\n<p>Zum einen best\u00e4tigt Jesus die G\u00fcltigkeit des Gesetzes. Jesus sagte mit seiner Aufforderung, dass derjenige, der ohne S\u00fcnde w\u00e4re, den ersten Stein auf die Frau werfen sollte, dass ihre S\u00fcnde des Ehebruchs als Strafe den Tod verdiente. Damit best\u00e4tigte Jesus die G\u00fcltigkeit von Gottes Gesetz. Viele Menschen missverstehen Jesu Barmherzigkeit. Weil Jesus barmherzig gegen\u00fcber den s\u00fcndigen Menschen war, meinen viele, in Jesu Augen w\u00e4re S\u00fcnde nicht so schlimm. Manche gehen noch weiter und denken, dass mit dem Kommen Jesu das Gesetz au\u00dfer Kraft getreten sei. Aber das ist nicht wahr. Jesus hat S\u00fcnde nie verharmlost oder besch\u00f6nigt. &nbsp;Und Jesus hat das Gesetz nie f\u00fcr ung\u00fcltig erkl\u00e4rt, sondern hat es ausdr\u00fccklich als g\u00fcltig best\u00e4tigt. In der Bergpredigt sagt Jesus \u00fcber seine Stellung zum Gesetz:&nbsp;<strong>\u201eIhr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzul\u00f6sen; ich bin nicht gekommen aufzul\u00f6sen, sondern zu erf\u00fcllen. Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste Buchstabe noch ein T\u00fcpfelchen vom Gesetz, bis es alles geschieht\u201c<\/strong> (Mt 5,17.18).<\/p>\n<p>Zum zweiten lehrt Jesus hier den richtigen Umgang mit dem Gesetz. Die religi\u00f6sen Leiter gebrauchten das Gesetz vor allem dazu, andere zu kritisieren und zu verurteilen. Sie zitierten auch hier das Gesetz, um die Frau zu verdammen, und wenn Jesus sich dem entgegen stellen und die Frau in Schutz nehmen w\u00fcrde, wollten sie ihn selbst im Namen des Gesetzes beschuldigen und verdammen. Aber indem Jesus sagte: <strong>\u201eWer unter euch ohne S\u00fcnde ist, der werfe den ersten Stein auf sie\u201c<\/strong>, lehrte Jesus, dass das Gesetz f\u00fcr alle Menschen gilt. Jesus forderte sie dadurch dazu auf, das Gesetz auf sich selbst anzuwenden und im Licht des Gesetzes sich selbst zu erkennen. Denn Jesus wusste, dass sie vor dem Gesetz alle S\u00fcnder waren; der einzige Unterschied war, dass die S\u00fcnde der Frau offensichtlich war, w\u00e4hrend die S\u00fcnde der religi\u00f6sen Leiter weitgehend verborgen war. Jesus wollte, dass sie das Gesetz auf sich selbst anwenden und sich selbst vor Gott erkennen sollten. Dies war der erste und unerl\u00e4ssliche Schritt dazu, dass sie zu Gott umkehren und von ihm ver\u00e4ndert werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier k\u00f6nnen wir lernen, was f\u00fcr ein ernstes Problem es ist, wenn man das Wort Gottes nicht auf sich selbst anwendet. Die religi\u00f6sen Leiter hatten umfangreiche Kenntnisse \u00fcber die Schrift. Aber sie gebrauchten sie nur, um die anderen zu kritisieren und zu verurteilten, und vers\u00e4umten es, das Gesetz Gottes auf sich selbst anzuwenden. Da sie sich nicht ernsthaft mit dem Ma\u00dfstab Gottes betrachteten, sondern sich blo\u00df mit den anderen Menschen verglichen, waren sie geistlich blind f\u00fcr ihre eigene Realit\u00e4t und daher furchtbar stolz und voller Selbstgerechtigkeit.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr einen Unterschied es macht, ob man das Gesetz Gottes auf sich selbst anwendet oder nicht, k\u00f6nnen wir gut an dem Beispiel von Paulus sehen. Als er sich haupts\u00e4chlich mit den anderen Menschen verglich, war er voll von Selbstgerechtigkeit und blindem religi\u00f6sem Eifer; in seiner geistlichen Blindheit verfolgte er sogar die Christen. Doch in R\u00f6mer Kap. 7 beschreibt er seine Erfahrung, als er das Gesetz auf sich selbst anwandte und sich selbst in seinem Licht betrachtete. Da erkannte er, wie s\u00fcndig er war. Dies war eine n\u00f6tige Voraussetzung daf\u00fcr, dass er die Gnade Gottes in Jesus Christus wirklich erkennen und annehmen konnte. Das gilt auch f\u00fcr uns. Solange wir uns selbst nicht vor dem Wort Gottes erkannt haben, wissen wir nicht, wer wir wirklich sind. Wir leben in einer gewaltigen Einbildung \u00fcber uns selbst und kritisieren offen oder in unseren Gedanken die anderen Menschen nah und fern. Wie leicht sehen wir dann den Splitter im Auge des Bruders, ohne unsere eigene S\u00fcnde wahrzunehmen. Das Hegen kritischer und richtender Gedanken ist ein ernstes Problem; denn es belastet zum einen die anderen und behindert sie bei ihrem Wachstum. Zum anderen behindert es auch unser eigenes geistliches Leben und kann es leicht l\u00e4hmen. Darum ermahnt Jesus uns, dass wir andere nicht richten sollen. Wenn wir oft kritische, richtende Gedanken \u00fcber andere hegen, ist es ein Zeichen daf\u00fcr, dass wir es dringend n\u00f6tig haben, uns selbst neu vor Gott zu erkennen. Das ist der erste Schritt daf\u00fcr, seine Gnade zu empfangen und von ihm erneuert zu werden.<\/p>\n<p>Wie reagierten die religi\u00f6sen Leiter? Betrachten wir Vers 9a. Als sie das Wort Jesu h\u00f6rten, zwang das Wort Jesu sie dazu, sich selbst vor Gott zu betrachten. Weil sie die Gesetze sehr gut kannten, m\u00fcssen sie in k\u00fcrzester Zeit die verschiedensten S\u00fcnden bei sich erkannt haben wie Neid, Hass, Unbarmherzigkeit, Ehebruch und auch ihre Mordgedanken. Wie unangenehm und besch\u00e4mend war es! Sie konnten die Situation&nbsp; nicht mehr aushalten. Weil Jesu Wort so klar die Wahrheit aufdeckte, konnte keiner es wagen, an die Steinigung auch nur noch ernsthaft zu denken. So gingen sie einer nach dem anderen weg, die \u00c4ltesten zuerst. Auf diese Weise half Jesus ihnen, sich zumindest kurzfristig in Richtung Selbsterkenntnis zu bewegen. Gleichzeitig sch\u00fctzte Jesus durch sein Wort die Frau vor der Bestrafung durch die selbstgerechten Pharis\u00e4er.<\/p>\n<p>Wie wichtig ist es, dass wir uns selbst vor Gottes Wort erkennen, damit wir nicht wie diese Menschen werden. Es ist unerl\u00e4sslich daf\u00fcr, dass wir das Wort Gottes in Ruhe h\u00f6ren und auf uns selbst beziehen. Wenn wir zu einem Text unsere pers\u00f6nliche Stellungnahme schreiben, schenkt uns das eine goldene Gelegenheit, uns selbst vor Gott zu erkennen. M\u00f6ge Gott jedem von uns helfen, Gottes Wort auf sich selbst zu beziehen und uns dadurch stets bewusst zu sein, wer wir vor Gott sind!<\/p>\n<p><strong>Teil 2: Geh hin und s\u00fcndige hinfort nicht mehr (9b-11)<\/strong><\/p>\n<p>Als die Pharis\u00e4er und Schriftgelehrten einer nach dem anderen weggingen, entstand eine v\u00f6llig neue Situation. Denn als alle weggegangen waren, blieb Jesus allein mit der Frau, die in der Mitte stand (9b). Sie stand nun vor dem einzig gerechten und wahren Richter, dem Gott selbst die Vollmacht gegeben hat, das Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist (5,27). Wie angespannt sind Angeklagte vor einem menschlichen Gericht, bevor der Richter sein Urteil bekannt gibt, obwohl sie meistens noch die M\u00f6glichkeit haben, gegen das Urteil Berufung einzulegen und vor einem h\u00f6heren Gericht in Revision zu gehen. Aber das Urteil des von Gott eingesetzten Richters \u00fcber alle Menschen w\u00fcrde g\u00fcltig sein, und niemand konnte ihm widersprechen. Die Frau wusste, dass sie wegen ihrer S\u00fcnde des Ehebruchs den Tod verdient hatte. Sie wagte es nicht, Jesus anzuschauen. Sie wagte es kaum zu atmen. Was sagte Jesus? Betrachten wir die Verse 10:<strong> \u201eJesus aber richtete sich auf und fragte sie: Wo sind sie, Frau? Hat dich niemand verdammt?\u201c <\/strong>Jesus wies sie darauf hin, dass alle ihre Ankl\u00e4ger weggegangen waren und niemand sie verdammt hatte. Denn tats\u00e4chlich hatte kein Mensch das Recht, sie zu verdammen, nur allein der wahre Richter. Doch nun stand sie gerade vor diesem heiligen Richter. Wie w\u00fcrde sein Urteil ausfallen?<\/p>\n<p>Betrachten wir Vers 11a: <strong>\u201eSie antwortete: Niemand, Herr.\u201c<\/strong> Sie nannte Jesus \u201eHerr\u201c und bekannte, dass niemand sie verdammt hatte. Dadurch gab sie zu, dass sie es wegen ihrer S\u00fcnde die Verdammnis verdient hatte und ganz der Souver\u00e4nit\u00e4t Jesu unterstand.<\/p>\n<p>Wie lautete Jesu Urteil \u00fcber sie? Betrachten wir Vers 11b: <strong>\u201eUnd Jesus sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und s\u00fcndige hinfort nicht mehr.\u201c <\/strong>Jesus sprach hier als der h\u00f6chste Richter. Er verk\u00fcndete das verbindliche Urteil, das niemand anfechten oder widerrufen konnte. Und sein Urteil lautete: <strong>\u201eSo verdamme ich dich auch nicht.\u201c<\/strong> Freispruch! Jesus sprach sie von aller Schuld frei! Wie unfassbar war das! Noch vor 2 Minuten musste sie davon ausgehen, dass sie durch die mit Hass erf\u00fcllten religi\u00f6sen Leiter gesteinigt w\u00fcrde, da niemand auf ihrer Seite stand. Auch vor dem heiligen Jesus, der immer nach der Wahrheit redete und handelte, musste sie mit der gerechten Strafe f\u00fcr ihre offenkundige S\u00fcnde rechnen. Aber durch die Gnade, die Jesus ihr zusprach, wurde das unausweichliche Schicksal von ihr abgewendet. Jesus sprach sie frei! Wie unendlich erleichtert und \u00fcbergl\u00fccklich muss sie gewesen sein! Jesus hatte sie gerettet.<\/p>\n<p>Dieses Ereignis zeigt, wie Jesus auch mit uns und allen Menschen umgehen will, die mit ihren S\u00fcnden vor ihm stehen. So wie Jesus dieser Frau unverdienterweise die S\u00fcnde vergeben und sie von ihrer Schuld freigesprochen hat, spricht Jesus jeden von der Verdammnis frei, der als S\u00fcnder zu ihm kommt und vor ihm steht. Bereits in Kap. 3 hat Jesus gesagt: <strong>\u201eDenn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde\u201c<\/strong> (3,17).<\/p>\n<p>Doch auf welcher Grundlage konnte Jesus sie f\u00fcr gerecht erkl\u00e4ren, obwohl die Frau Gottes Gesetz tats\u00e4chlich gebrochen und so gegen Gott ges\u00fcndigt hatte? Wie ist es m\u00f6glich, dass Jesus auch dir und mir alle S\u00fcnden vergibt? Es ist m\u00f6glich, weil Jesus die S\u00fcnde aller Menschen auf sich genommen und die Strafe daf\u00fcr getragen hat. Galater 3,13 sagt: <strong>\u201e<strong>Christus aber hat uns erl\u00f6st von dem Fluch des Gesetzes, da er zum Fluch wurde f\u00fcr uns;<\/strong><\/strong> <strong>denn es steht geschrieben: Verflucht ist jeder, der am Holz h\u00e4ngt.\u201c<\/strong> Das Gesetz ist wie ein Fluch f\u00fcr uns geworden, weil wir Menschen so s\u00fcndig sind, dass das Gesetz jeden als S\u00fcnder verurteilt. Eigentlich kann niemand diesem Schicksal entrinnen. Aber Jesus nahm all unsere Schuld auf sich und trug sie an das Holz des Kreuzes. Durch sein Leiden und seinen Tod an unserer Stelle nahm er den Fluch auf sich und machte uns frei von all unserer Schuld und Verdammnis. Dadurch erm\u00f6glicht er uns ein ganz neues Leben, in dem wir frei von aller Verdammnis Gottes und daher auch frei von dem Urteil anderer Menschen und frei von aller Selbstverdammnis sein k\u00f6nnen. Daher hei\u00dft es in R\u00f6mer 8,1: <strong>\u201eSo gibt es nun keine Verdammnis f\u00fcr die, die in Christus Jesus sind.\u201c<\/strong> Jesus rettet uns von aller Verdammnis. Durch seine Gnade schenkt Er uns ein wirklich neues Leben, ein neues Leben mit ihm in Ewigkeit.<\/p>\n<p>Doch wie soll man dieses Leben f\u00fchren? Betrachten wir noch einmal Vers 11. Jesus sprach die Frau nicht nur von der Verdammnis frei, sondern gab ihr auch eine neue Orientierung. Jesus sagte zu ihr: \u201e<strong>geh hin und s\u00fcndige hinfort nicht mehr.\u201c <\/strong>Jesus hatte ihr ihre S\u00fcnde bedingungslos vergeben und ihr dadurch ein neues Leben frei von der Verdammnis geschenkt. Jesus wollte, dass sie dieses neue Leben nicht wieder in der S\u00fcnde f\u00fchren w\u00fcrde. Sie sollte nicht mehr f\u00fcr sich selbst leben und ihren Begierden dienen, sondern Gott. Sie sollte nicht mehr bei einem anderen Mann Freude suchen, sondern sollte mit Jesus leben und durch die Beziehung zu ihm wahres Gl\u00fcck und Erf\u00fcllung finden. Einfach gesagt sollte sie so leben, dass ihr neues Leben Gott verherrlicht und seinem Willen dient.<\/p>\n<p>Das gilt auch f\u00fcr uns. Jesus schenkt uns die Gnade der S\u00fcndenvergebung, um uns vom Leben unter der S\u00fcnde und Schuld zu befreien und uns von der ewigen Verdammnis zu retten. Jesus will, dass wir unser neues Leben nicht mehr daf\u00fcr gebrauchen, der S\u00fcnde zu dienen, sondern dass wir ihm dienen und so Gott verherrlichen. Denn die Tatsache, dass uns die Vergebung der S\u00fcnden von Jesus als Gnade kostenlos gegeben wurde, bedeutet nicht, dass sie billig war. Vielmehr&nbsp; ist sie unendlich kostbar, weil Jesus daf\u00fcr den h\u00f6chsten Preis bezahlt hat, indem er sich selbst f\u00fcr uns am Kreuz hingab; sie ist auch kostbar, weil sie uns das Leben schenkt. Darum m\u00fcssen wir diese Gnade immer f\u00fcr kostbar halten und uns dementsprechend darum bem\u00fchen, unser Leben nicht wie fr\u00fcher in der S\u00fcnde zu f\u00fchren, sondern so, dass es Gott ehrt. Wir d\u00fcrfen die Gnade nicht missbrauchen, indem wir uns leichtfertig auf S\u00fcnde einlassen mit dem Gedanken, dass Gott uns wegen der Gnade ja wieder vergeben w\u00fcrde. Wir sollen also ein neues Leben f\u00fchren, das Gott gef\u00e4llt und ihn ehrt!<\/p>\n<p>Doch wie k\u00f6nnen wir nicht mehr s\u00fcndigen, sondern ein neues Leben f\u00fchren? Unser Text bis Vers 11 gibt darauf direkt keine Antwort. Aber gleich im n\u00e4chsten Vers, dem Vers 12, k\u00f6nnen wir die Antwort finden. Denn dort sagt Jesus: <strong>\u201eIch bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.\u201c<\/strong> Wir sollen Jesus nachfolgen, nach seinem Vorbild und in der Gemeinschaft mit ihm aktiv f\u00fcr Gottes Ehre und sein Reich leben. Wenn wir das gezielt tun, werden wir nicht mehr in die alten dunklen S\u00fcnden zur\u00fcckzufallen, sondern k\u00f6nnen in seinem Licht zur Ehre Gottes leben.<\/p>\n<p>Lesen wir zum Schluss nochmals das Leitwort: <strong>\u201eSie antwortete: Niemand, Herr. Und Jesus sprach: So verdamme ich dich auch nicht; geh hin und s\u00fcndige hinfort nicht mehr.\u201c<\/strong> Heute haben wir gelernt, dass es wichtig ist, dass wir das Wort Gottes auf uns selbst beziehen und uns in seinem Licht vor Gott immer neu erkennen. Dies bewahrt uns davor, in geistlicher Blindheit andere zu kritisieren und zu verurteilen, und ist der erste Schritt zu einer richtigen Beziehung zu Gott. Vor allem haben wir erfahren, dass Jesus uns aus seiner einseitigen Gnade alle unsere S\u00fcnden bedingungslos vergibt, damit wir ein neues Leben f\u00fcr Gottes Ehre f\u00fchren und in Ewigkeit mit ihm Gemeinschaft haben k\u00f6nnen. M\u00f6ge Gott jedem von uns helfen, sich vor seinem Wort selbst zu erkennen und seine rettende Gnade (neu) anzunehmen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download So&nbsp; verdamme&nbsp; ich&nbsp; dich&nbsp; auch&nbsp; nicht! \u201eSie antwortete: Niemand, Herr. Und Jesus sprach: So verdammeich dich auch nicht; geh hin und s\u00fcndige hinfort nicht mehr.\u201c (8,11) &nbsp; &nbsp; &nbsp; Heute betrachten wir einen Text, der vielen bekannt ist. 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