{"id":12293,"date":"2024-04-07T11:00:39","date_gmt":"2024-04-07T09:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=12293"},"modified":"2025-12-02T19:12:30","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:30","slug":"predigt-apostelgeschichte-2017-38","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-apostelgeschichte-2017-38\/","title":{"rendered":"Predigt: Apostelgeschichte 20,17-38"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/04\/2023-Apg-L19_20-1738_P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/apostelgeschichte\/20\/17-38?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a> &nbsp;&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Abschied von der Epheser Gemeinde<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eUnd jetzt vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das die Kraft hat, aufzubauen und das Erbe in der Gemeinschaft der Geheiligten zu verleihen.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Apostelgeschichte 20,32 [EH\u00dc])<\/p>\n<p>Wir haben gesagt, dass die Apostelgeschichte ein Bericht dar\u00fcber ist, wie Gott durch die christliche Gemeinde seine Verhei\u00dfungen an Israel erf\u00fcllt. Nur ein Beispiel unter unz\u00e4hligen: In Hesekiel 34 verspricht Gott, dass er sich um seine Schafe k\u00fcmmern wird. \u201eIch, ich selber werde meine Schafe weiden und ich, ich selber werde sie ruhen lassen spricht Gott, der HERR.\u201c Nat\u00fcrlich erf\u00fcllt sich dieses Wort in Jesus: Jesus ist der gute Hirte, der sein Leben f\u00fcr die Schafe gegeben hat. Und Jesus ist der Herr seiner Gemeinde, in der dieses Versprechen gelebt wird, wie wir im heutigen Text sehen.<br \/>\nPaulus befindet sich auf der Reise zur\u00fcck nach Jerusalem. Er hat in der Stadt Philippi das Passafest gefeiert, vermutlich als Osterfest. Er hatte die Absicht, noch vor Pfingsten in Jerusalem zu sein. Weil Paulus keine Zeit zu verlieren hatte, trifft er die Entscheidung, nicht nach Ephesus zu reisen. Stattdessen l\u00e4sst er die \u00c4ltesten der Gemeinde von Ephesus nach Milet kommen. Und er h\u00e4lt seine Abschiedsrede. Lukas \u00fcberliefert uns in der Apostelgeschichte eine ganze Anzahl von \u00f6ffentlichen Ansprachen und Predigten gehalten von Petrus, Stephanus und vor allem von Paulus. Manche von diesen Reden wurden in sehr feindseligen Umgebungen gehalten, z.&nbsp;B. vor Menschen, die den Redner umbringen wollten. Praktisch alle diese Reden richteten sich an nichtgl\u00e4ubige Menschen. Die Rede von Paulus im heutigen Text ist die gro\u00dfe Ausnahme. Es ist die einzige Rede in der Apostelgeschichte, die sich an Christen richtet. Paulus war praktisch der Pastor der Epheser Gemeinde gewesen, eine Funktion, die er nicht l\u00e4nger aus\u00fcben konnte.<br \/>\nWir k\u00f6nnen durch diesen reichhaltigen Text einiges \u00fcber die christliche Gemeinde lernen. Mindestens drei Punkte k\u00f6nnen wir hier mitnehmen. Erstens, die Gemeinde ist gr\u00fcndet auf Wahrheit; zweitens, sie ist verbunden in Liebe; und drittens, sie ist Gott und dem Wort seiner Gnade anvertraut.<\/p>\n<p><strong>1. Gegr\u00fcndet auf Wahrheit<\/strong><br \/>\nIn mindestens f\u00fcnf Stellen seiner Rede sagt Paulus ihnen, dass er vor allen Dingen immer wieder eine Sache getan hatte: Er hatte gepredigt, gelehrt, bezeugt, verk\u00fcndigt, ermahnt. Vers 20: \u201ewie ich nichts verschwiegen habe von dem, was heilsam ist. Ich habe es euch verk\u00fcndet und habe euch gelehrt, \u00f6ffentlich und in den H\u00e4usern.\u201c Vers 21: \u201eIch habe vor Juden und Griechen Zeugnis abgelegt f\u00fcr die Umkehr zu Gott und den Glauben an Jesus, unseren Herrn.\u201c Vers 24: \u201edas Evangelium von der Gnade Gottes zu bezeugen.\u201c Vers 27: \u201eDenn ich habe mich der Pflicht nicht entzogen, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verk\u00fcnden.\u201c Vers 31: \u201eSeid also wachsam und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgeh\u00f6rt habe, unter Tr\u00e4nen jeden Einzelnen zu ermahnen.\u201c<br \/>\nPaulus\u2018 R\u00fcckblick deckt sich perfekt mit dem, was Lukas \u00fcber Paulus\u2018 Wirksamkeit berichtet hatte. Drei Monate hatte Paulus in der Synagoge gelehrt. Danach hatte er zwei Jahre lang t\u00e4glich im Lehrsaal des Tyrannus gepredigt. Paulus\u2018 prim\u00e4re T\u00e4tigkeit bestand also darin, zu lehren. Die christliche Gemeinde ist zu vielen verschiedenen Diensten berufen. Aber eine ganze zentrale Berufung der Gemeinde Jesu ist es, die Wahrheit zu verk\u00fcnden. Und die Gemeinde Jesu selbst ist auf Gottes Wahrheit gegr\u00fcndet. Weil dem so ist, ist die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung der Gemeinde nicht \u00e4u\u00dfere Verfolgung, sondern falsche Lehre. Verse 29 und 30 sagen dazu: \u201eIch wei\u00df: nach meinem Weggang werden rei\u00dfende W\u00f6lfe bei euch eindringen und die Herde nicht schonen. Und selbst aus eurer Mitte werden M\u00e4nner auftreten, die mit ihren falschen Reden die J\u00fcnger auf ihrer Seite ziehen.\u201c Gottes Wahrheit ist das Fundament der Gemeinde.<br \/>\nEin paar Gedanken dazu, was das eigentlich bedeutet. Hier ist ein Beispiel, das ich von Tim Keller gelernt habe. Angenommen jemand w\u00fcrde sagen: \u201eIch w\u00fcrde gerne J. kennenlernen. F\u00fcr mich ist J. ein ganz typischer bayrischer Braumeister.\u201c Dann k\u00f6nnte man drei Dinge dazu sagen: zum einen, nichts gegen bayrische Braumeister; die machen richtig gutes Bier. Als zweites, wir leben in einem Land, indem Meinungsfreiheit herrscht; d.&nbsp;h., du kannst gerne alles M\u00f6gliche \u00fcber J. denken und meinen, und du hast die Freiheit, das zu tun. Aber drittens, J. ist ein vielseitig begabter, talentierter junger Mann. Das, was er nicht ist, ist Braumeister und bayrisch schon gar nicht. Und wenn du dich auf J. einlassen willst, wenn du eine pers\u00f6nliche Beziehung zu ihm haben willst, dann musst du verstehen, wer er wirklich ist. Dein Verst\u00e4ndnis von ihm muss auf der Wahrheit gegr\u00fcndet sein.<br \/>\nAuf einer ungleich viel h\u00f6heren Ebene gilt das f\u00fcr Gott. In unserer Gesellschaft meinen viele, dass es kein \u201erichtig\u201c und \u201efalsch\u201c gibt, was den Glauben betrifft: \u201eJeder kann das glauben, was er will, weil es keine absolute Wahrheit gibt.\u201c Die Bibel widerspricht dieser Annahme vehement. Ich hatte vor einiger Zeit schonmal erz\u00e4hlt, wie mein ehemaliger Chef und ich uns w\u00e4hrend einer Autofahrt \u00fcber den Glauben unterhalten hatten. Er meinte: \u201eAch wei\u00dft du, im Prinzip sind doch alle Religionen gleich. Alle glauben an den gleichen Gott.\u201c Und meine Antwort war: \u201eDas stimmt nicht. Im Zentrum des christlichen Glaubens ist der Sohn Gottes, der am Kreuz f\u00fcr seine Feinde stirbt, und f\u00fcr die Vergebung der Menschen betet, die ihm das angetan haben.\u201c Keine andere Religion verk\u00fcndet so etwas. Wenn du ein Leben f\u00fchren willst, das etwas mit dem zu tun hat, was real und was wirklich ist, dann brauchst du Wahrheit. Jesus sagte: \u201eGott ist Geist und alle, die ihn anbeten, m\u00fcssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.\u201c (Joh 2,24 [EH\u00dc])Wenn du eine pers\u00f6nliche Beziehung zu Gott haben willst, dann musst du Gott in Wahrheit begegnen. Du musst wissen, wer dieser Gott ist, und du musst verstehen, wer du vor diesem Gott bist.<br \/>\nWir haben gesehen, dass Paulus die Wahrheit verk\u00fcndigt hat. Seine Rede gibt uns auch Einblicke in die Art und Weise, wie Paulus die Wahrheit verk\u00fcndete. In Vers 20 sagt, dass er nichts verschwiegen hat von dem, was heilsam ist. Wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass Paulus Lehre in den zwei Jahren sehr gr\u00fcndlich und sehr systematisch war. Paulus hat nichts ausgelassen. Seine Lehre war vollst\u00e4ndig.<br \/>\nSehen wir uns noch einmal Vers 20 an: \u201eIch habe es euch verk\u00fcndet und habe euch gelehrt, \u00f6ffentlich und in den H\u00e4usern.\u201c Paulus Verk\u00fcndigung war vielseitig. Es waren \u00f6ffentliche Ansprachen, also Predigten im klassischen Sinne. Das tat er vor vielen Leuten, vielleicht vor hunderten von Zuh\u00f6rern. Und Paulus lehrte auch im privaten Umfeld, wenn er von den Christen in ihre Familien nach Hause eingeladen wurde. Und er tat es auch ganz pers\u00f6nlich. N.T. Wright fasst das Ganze zusammen: \u201eUnd wenn [Paulus] weiter zur\u00fcckblickt und an die vielen sp\u00e4ten N\u00e4chte in beleuchteten R\u00e4umen und die vielen langen Nachmittage im H\u00f6rsaal des Tyrannus sowie an die tausend pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4che denkt, die er \u00fcber einen Text der Heiligen Schrift gebeugt mit einem halbfertigen Zelt auf der Bank neben sich gef\u00fchrt hat, spricht er davon, dass er ihnen entschlossen den ganzen Plan Gottes erkl\u00e4rt hat.\u201c<br \/>\n\u201ePlan\u201c ist ein gutes Stichwort. Wir bekommen einen kleinen Einblick in den Inhalt seiner Verk\u00fcndigung. Vers 27 noch einmal: \u201eDenn ich habe mich der Pflicht nicht entzogen, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verk\u00fcnden.\u201c Das Wort Ratschluss in Vers 27 kann mit Plan \u00fcbersetzt werden. Paulus hat den ganzen Plan Gottes verk\u00fcndigt. Der Plan Gottes sind nicht einfach Gebote oder Regeln (\u201eTu dies, tu das, das l\u00e4sst du sch\u00f6n bleiben\u201c) oder Lehrs\u00e4tze. Der Plan Gottes ist eine Geschichte. Der Plan Gottes beginnt mit der Berufung von Abraham, er geht weiter mit Israel, danach Jesu Kommen, sein Leben, sein Sterben, seine Auferstehung, und die Geschichte endet mit Jesu R\u00fcckkehr, wenn er richten wird und alle Dinge rechtmachen wird. Der Plan Gottes handelt davon, wie der Gott Israels eine verlorene Welt rettet und wiederherstellt.<br \/>\nEine Anwendung noch, bevor wir fortfahren: Gottes Wahrheit kann richtig unbequem sein. Die Bibel kann noch unbequemer und noch schmerzhafter sein, als zum Arzt zu gehen und vom Arzt gesagt zu bekommen: \u201eSie haben \u00dcbergewicht und Diabetes. Wenn Sie ihr Essverhalten und ihre Lebensweise nicht \u00e4ndern, werden Sie fr\u00fchzeitig versterben.\u201c Gottes Wahrheit stellt uns die Diagnose aus, dass wir alle verloren sind. Und Gottes Wahrheit zeigt uns die einzige therapeutische Intervention, die uns retten kann, ist, Vertrauen auf Jesus. Ganz viele Leute in unserer Zeit sagen: \u201eIch kann mit der Bibel oder mit dem christlichen Glauben nichts anfangen, weil es Dinge darin gibt, mit denen ich nicht einverstanden bin. Ich f\u00fchle mich vor dem Kopf gesto\u00dfen\u201c oder \u201edie Bibel ist intolerant\u201c. Vielleicht geht es dir in Teilen \u00e4hnlich?<br \/>\nUnd wisst ihr was? Die Tatsache, dass es in der Bibel Aussagen gibt, die uns nicht in den Kram passen, ist ein Indiz daf\u00fcr, dass die Bibel wirklich Gottes Wort ist. Es gibt keine Kultur, die wirklich mit der Bibel konform ist. Die Bibel wird in jeder Gesellschaft, in jeder Kultur, egal aus welcher Zeit, anecken. Zum Beispiel, unsere Gesellschaft kann nicht akzeptieren, dass Gott den Menschen als Mann und Frau schuf, weil unsere Gesellschaft der Meinung ist, dass Geschlecht Teil unserer selbstbestimmten Identit\u00e4t ist. Oder unsere Gesellschaft hat damit Probleme, dass das Leben von Ungeborenen gesch\u00fctzt werden muss; oder, dass Sex au\u00dferhalb der Ehe S\u00fcnde ist. Im Nahen Osten w\u00fcrden die muslimischen Menschen sagen, dass sie das, was die Bibel zu Sexualit\u00e4t und Geschlechteridentit\u00e4t sagt, sehr gut finden; vielleicht k\u00f6nnte es noch ein wenig strenger sein. Aber sie ecken mit Aussagen an, dass wir unsere Feinde lieben sollen, dass wir einander vergeben sollen, oder dass Gott in Jesus Christus f\u00fcr uns am Kreuz litt.<br \/>\nDie Bibel macht selbst christlichen Denominationen zu schaffen. Evangelikale Christen sind vor dem Kopf gesto\u00dfen, weil die Bibel sagt, dass wir die Armen lieben sollen (Paulus sagt das auch in Vers 35), dass soziale Gerechtigkeit essenziell ist, und dass wir zu den Ausl\u00e4ndern barmherzig sein sollen, dass deshalb jede Form von Xenophobie und Fremdenhass selbst unter dem Deckmantel christliche Werte zu verteidigen, S\u00fcnde ist. Liberale Christen werden vor den Kopf gesto\u00dfen, weil die Bibel sagt, dass Jesus kommen wird, die Lebenden und die Toten zu richten und dass nur in Jesu Namen das Heil ist. Die Bibel macht es niemanden recht. Selbst wir werden immer wieder aufs Neue herausgefordert, obwohl wir uns auf die Bibel berufen. Und das spricht daf\u00fcr, dass die Bibel wahr ist.<br \/>\nDiese Wahrheit ist es, auf welcher die christliche Gemeinde gegr\u00fcndet ist.<\/p>\n<p><strong>2. Verbunden in Liebe<\/strong><br \/>\nS.L., einer meiner besten Freunde hatte einmal gesagt, dass wenn man mit jemanden Fu\u00dfball spielt, man die Leute noch einmal ganz anders kennenlernen kann. Da k\u00f6nnen sich ganz neue Facetten auftun. In dieser Rede sehen wir bei Paulus ganz neue Facetten, die wir sonst in der Apostelgeschichte nicht gesehen hatten. Um noch einmal N.T. Wright zu zitieren: \u201eHier sehen wir Paulus also in einem anderen Modus, verletzlich, nachdenklich, best\u00e4ndig in seiner treuen Beharrlichkeit, aber ohne jeden Anflug von Triumphalismus [\u2026]. Er ist ruhig, nicht k\u00e4mpferisch; nachdenklich, nicht streitlustig. Es ist, als h\u00e4tten wir ihn endlich gefunden, der nicht mehr durch die Gegend rennt, sondern lange genug stillsitzt, um sich portr\u00e4tieren zu lassen. Und was f\u00fcr ein Portr\u00e4t.\u201c<br \/>\nWelche pers\u00f6nliche Seite bekommen wir von Paulus also zu sehen? Paulus begann seine Rede mit den Worten: \u201eIhr wisst, wie ich vom ersten Tag an, seit ich die Provinz Asien betreten habe, die ganze Zeit in eurer Mitte war.\u201c (Vers 18b) Paulus hatte mitten unter ihnen gelebt. Er hatte sein Leben mit ihnen geteilt. Alle konnten sprichw\u00f6rtlich hautnah miterleben, wer er war, wie er war und wie er sein Leben tagt\u00e4glich f\u00fchrte. Wir haben vorhin auch gesehen, dass er die Christen in ihren H\u00e4usern besucht hatte. Paulus war ein Mann der Gemeinschaft.<br \/>\nWas sie zu sehen bekamen, waren Paulus\u2018 ungefilterte Emotionen. Uns erstaunt, wie oft der Text von Tr\u00e4nen und Weinen spricht. Vers 19: \u201eund wie ich dem Herrn in aller Demut diente unter Tr\u00e4nen und vielen Pr\u00fcfungen\u2026\u201c Vers 31: \u201eSeid also wachsam und denkt daran, dass ich drei Jahre lang Tag und Nacht nicht aufgeh\u00f6rt habe, unter Tr\u00e4nen jeden Einzelnen zu ermahnen.\u201c Und schlie\u00dflich in Vers 37: \u201eUnd alle brachen in lautes Weinen aus, fielen Paulus um den Hals und k\u00fcssten ihn.\u201c Diejenigen, die mich schon \u00f6fter predigen geh\u00f6rt haben, wissen vermutlich, dass ich nah am Wasser gebaut bin. Aber das ist nicht nur bei mir so. Paulus war jemand, der viel geweint hat. Sein Dienst hatte ihn viele Tr\u00e4nen gekostet.<br \/>\nUnd was war das Resultat? Wir haben vorhin viel von Wahrheit gesprochen und wie unerm\u00fcdlich Paulus diese Wahrheit gepredigt hatte. Es ging niemals um Rechthaberei. Alles Lehren hatte einen h\u00f6heren Zweck. Wir sehen das am herzzerrei\u00dfenden Abschied. Die \u00c4ltesten fielen Paulus um den Hals, k\u00fcssten ihn und weinten bei seinem Abschied. In Kapitel 21,1 lesen wir, dass sich Paulus und seine Gef\u00e4hrten von ihnen losrei\u00dfen mussten. So sehr haben sie an ihm gehangen. Was war das Resultat von Paulus\u2018 Predigten? Es war eine Gemeinschaft der Liebe. Die Verk\u00fcndigung der Wahrheit f\u00fchrte nicht zu Ausgrenzung, Unterdr\u00fcckung und Spalterei. Seine Predigt formte eine Gemeinschaft der Liebe: Liebe zu Gott und Liebe zu den Mitmenschen.<br \/>\nWas bedeutet das f\u00fcr uns? Die Gemeinde ist ein Ort der Gemeinschaft. Jeder Christ ist aufgefordert, Teil einer Gemeinde zu sein. Wenn du Jesus nachfolgst, wenn du Jesus liebst, dann solltest du Teil einer christlichen Gemeinschaft sein. Christliche Gemeinschaft ist ein essenzieller, nicht verhandelbarer Teil deines Glaubenslebens. Diese Gemeinschaft trifft sich im \u00f6ffentlichen Rahmen wie dieser Gottesdienst hier. Und diese Gemeinschaft trifft sich in vielen kleinen Gruppen wie auch in Gespr\u00e4chen zu zweit. Im Kontext dieser Gemeinschaft lernen wir als Christen um in Liebe zu wachsen. Wir lernen mitunter vielen Schmerzen, einander zu lieben, einander zu vergeben und das gemeinsame Leben zu teilen.<br \/>\nFrage an uns: Wer von uns ist gut darin, ein so transparentes Leben zu f\u00fchren wie Paulus in Ephesus? Wer von uns kann behaupten, dass es Mitmenschen gibt, die so einen tiefen Einblick in unser Leben haben? Viele von uns sind ziemlich gut darin, oberfl\u00e4chliche Beziehungen zu f\u00fchren. Social Media hat ganz viel dazu beigetragen. In den sozialen Medien bestimmen wir, wie viel wir von uns preisgeben und was wir mit anderen teilen. Wir kontrollieren und managen und manipulieren vielleicht auch unser Bild, das wir nach au\u00dfen geben, sprichw\u00f6rtlich.<br \/>\nWarum tun wir das? Weil wir wissen, dass die Wahrheit \u00fcber uns preiszugeben, uns verletzlich macht. C.S. Lewis hatte es richtig gut auf den Punkt gebracht: \u201eZu lieben bedeutet, verletzlich zu sein. Wenn du irgendetwas liebst, wird dein Herz ausgewrungen und m\u00f6glicherweise gebrochen. Wenn du sicher sein willst, dass es unversehrt bleibt, darfst du es niemandem schenken, nicht einmal einem Tier. Umschlie\u00dfe es sorgf\u00e4ltig mit Hobbys und kleinen Gen\u00fcssen; vermeide alle Verwicklungen. Verschlie\u00dfe dein Herz sicher in den Sarg deiner Selbstsucht. Aber in dieser Schatulle, sicher, dunkel, unbeweglich, luftleer, wird es sich ver\u00e4ndern. Dein Herz wird nicht zerbrechen; es wird unzerbrechlich, undurchdringlich, unerl\u00f6sbar werden. Zu lieben bedeutet, verletzlich zu sein.\u201c<br \/>\nWoher kommt der Mut, das zu tun?<\/p>\n<p><strong>3. Gott und dem Wort seiner Gnade anvertraut<\/strong><br \/>\nIn Vers 28 verwendet Paulus ein ganz prominentes Bild: \u201eGebt Acht auf euch und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist zu Vorstehern bestellt hat, damit ihr als Hirten f\u00fcr die Gemeinde des Herrn sorgt, die er sich durch sein eigenes Blut erworben hat!\u201c Und in Vers 32 sagt er: \u201eUnd jetzt vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das die Kraft hat, aufzubauen und das Erbe in der Gemeinschaft der Geheiligten zu verleihen.\u201c<br \/>\nDie \u00c4ltesten der Epheser Gemeinde sind berufen, Hirten zu sein f\u00fcr die Gemeinde Jesu. Und das ist eine repr\u00e4sentative Aufgabe. Sie sind Hirten (mit einem kleinen \u201eH\u201c), die selbst unter der F\u00fcrsorge und Herrschaft des wahren Hirten (mit einem gro\u00dfen \u201eH\u201c) stehen. Letzte Woche zu Ostern, hat R. gepredigt, dass Gott unser Hirte ist, und dass wir deshalb keinen Mangel haben. Ein Hirte ist ein Leiter. Ein Hirte hat Autorit\u00e4t. Tim Keller sagte: \u201eEin Hirte stellt sich nicht morgens vor die Schafe hin und fragt sie, worauf sie heute Lust haben.\u201c Der Hirte gibt die Richtung an. Er zeigt, wo es lang geht. Und gleichzeitig ist er eine Autorit\u00e4t der Liebe. Die F\u00fchrung des guten Hirten besteht aus F\u00fcrsorge, Geduld, Sanftmut und auch Freude und Frieden.<br \/>\nPaulus vertraute die Epheser Gemeinde Gott und seinem Wort der Gnade an. Das Wort, das Paulus predigte, handelte prim\u00e4r von Gottes Gnade. Das ist es, was er auch in Vers 24 sagte. Seine Berufung war es, das Evangelium von der Gnade Gottes zu bezeugen. Gnade bedeutet Gottes G\u00fcte, mit welcher er uns beschenkt, obwohl wir es nicht verdient haben. Gnade bedeutet, dass Gott uns unendlich viel besser behandelt, als wir es verdient h\u00e4tten. Gnade bedeutet, dass Gott den Preis bezahlt hat, den wir nicht h\u00e4tten bezahlen k\u00f6nnen, um uns zu erkaufen. Gnade ist die Tatsache, dass Jesus nicht nur ein Hirte ist: Er ist der eine wahre gute Hirte, der sein Leben gegeben hat, damit wir leben k\u00f6nnen. Jesus ist der Hirte, der das Lamm geworden ist.<br \/>\nEs gibt zwei grundverschiedene Art und Weisen, zu einer Identit\u00e4t zu kommen; zwei M\u00f6glichkeiten, die definieren, wer wir sind. Die eine Art und Weise ist unser eigener Verdienst: Wir sind jemand, weil wir etwas erreicht haben, weil wir ein gutes und moralisches Leben gef\u00fchrt haben, weil wir Leistung erbracht haben, weil wir eine Position mit Prestige erlangt haben. Die andere Identit\u00e4t beruht auf Gnade: Wir sind jemand, nicht weil wir etwas Tolles erreicht haben; wir sind jemand, obwohl wir nichts vorzuweisen haben und obwohl wir S\u00fcnder sind. Unser Wert und unsere W\u00fcrde kommen von au\u00dfen. Sie beruhen auf der Tatsache, dass Gott uns so sehr geliebt hat, dass er f\u00fcr uns in den Tod gegangen ist. D.&nbsp;h., auf der einen Seite sind wir schlimm, so schlimm, dass wir auf Rettung von au\u00dfen angewiesen sind; weit schlimmer als wir bef\u00fcrchtet hatten; auf der anderen Seite sind wir mehr geliebt, als wir zu tr\u00e4umen gewagt h\u00e4tten. Wir sind von Gott geliebt. Wir sind seine Kinder.<br \/>\nWoher kommt der Mut, ehrlich zu sein, die Masken fallen zu lassen, zu lieben und verletzlich zu sein? Der Mut kommt vom Kreuz. Dort wo Jesus f\u00fcr uns starb. Gnade ist das, was uns ver\u00e4ndert. Es ist das einzige, das uns von Grund auf erneuern kann und was uns erbaut. Gottes Wort der Gnade macht aus uns Menschen der Liebe. Es formt uns zusammen zu einer Gemeinschaft der Liebe.<br \/>\nDie Gemeinde Jesu ist gegr\u00fcndet in Wahrheit, verbunden in Liebe und Gott und seinem Wort der Gnade anvertraut. Als der gro\u00dfe Prediger Spurgeon im Sterben lag, bekam seine Frau einen kurzen Brief, der voller Mitgef\u00fchl und Ermutigung war. Sie schrieb zur\u00fcck, aber Spurgeon musste diesem Brief noch ein paar Worte hinzuf\u00fcgen. Er schrieb: \u201eDein Wort ist ein Wort der Liebe, wie es nur diejenigen schreiben, die im Land des K\u00f6nigs waren und viel von seinem Angesicht gesehen haben. Meine Herzensliebe f\u00fcr dich.\u201c<br \/>\nPaulus\u2018 Rede an die \u00c4ltesten von Ephesus war ein Wort der Liebe, gehalten von jemand, der im Land des K\u00f6nigs war und der viel von dessen Angesicht gesehen hatte.<br \/>\nDas ist unsere Berufung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext &nbsp;&nbsp; Abschied von der Epheser Gemeinde \u201eUnd jetzt vertraue ich euch Gott und dem Wort seiner Gnade an, das die Kraft hat, aufzubauen und das Erbe in der Gemeinschaft der Geheiligten zu verleihen.\u201c (Apostelgeschichte 20,32 [EH\u00dc]) Wir haben gesagt, dass die Apostelgeschichte ein Bericht dar\u00fcber ist, wie Gott durch die christliche Gemeinde [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[14,4],"tags":[],"class_list":["post-12293","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-apostelgeschichte","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12293","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12293"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12293\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12304,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12293\/revisions\/12304"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12293"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12293"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12293"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}