{"id":12202,"date":"2024-01-28T11:00:22","date_gmt":"2024-01-28T10:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=12202"},"modified":"2025-12-02T19:12:33","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:33","slug":"predigt-apostelgeschichte-1023-48","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-apostelgeschichte-1023-48\/","title":{"rendered":"Predigt: Apostelgeschichte 10,23-48"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/2023-Apg-L10_10-2348-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/apostelgeschichte\/10\/23-48?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Grenzen \u00fcberwinden<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eNoch w\u00e4hrend Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort h\u00f6rten. Die gl\u00e4ubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Apostelgeschichte 10,44.45)<\/p>\n<p>Die Apostelgeschichte berichtet davon, wie Gott durch die christliche Gemeinde seine Verhei\u00dfungen an Israel erf\u00fcllt. In Jesaja 42,6 ist davon die Rede, wie der wahre Knecht Gottes zum Licht f\u00fcr die Nationen wird. Und \u201eNationen\u201c bedeutet in diesem Volk Nicht-Israeliten. D.h., im Plan Gottes f\u00fcr Israel war schon immer der Wunsch enthalten gewesen, die ganze Welt mit seiner Liebe zu erreichen. Die fr\u00fche Gemeinde bestand zun\u00e4chst fast ausschlie\u00dflich aus Juden. Das erste Zentrum des Christentums war die Hauptstadt des Judentums Jerusalem. Aber schon bald verl\u00e4sst die frohe Botschaft Jerusalem und zieht immer weitere Kreise.<br \/>\nDer heutige Text ist ein wichtiger Meilenstein auf dieser Reise. Wir k\u00f6nnen das wieder davon ableiten, wie Lukas die Geschichte erz\u00e4hlt. Letzte Woche hatte ich erw\u00e4hnt, dass die Bekehrung von Saulus dreimal erw\u00e4hnt wird. Auch f\u00fcr die Ereignisse vom heutigen Text nimmt sich Lukas richtig viel Zeit. Z.B. erw\u00e4hnt der Text, dass Kornelius Besuch von einem Engel bekommt und welchen Auftrag der Engel ihm gibt. Lukas l\u00e4sst Kornelius diese Begebenheit in allen Details nacherz\u00e4hlen. Oder Petrus sieht eine Vision. Und in Kapitel 11 l\u00e4sst Lukas Petrus die ganze Vision, die in Kapitel 10 beschrieben ist, noch einmal ausf\u00fchrlich nacherz\u00e4hlen. Der Grund f\u00fcr diese Wiederholungen ist nicht, dass Lukas ein richtig ungeschickter Autor ist. Lukas will, dass wir innehalten und uns der Wichtigkeit dessen bewusst machen.<br \/>\nDie Essenz von diesem Text ist, dass Jesu Gemeinde durch den Heiligen Geist un\u00fcberwindbar scheinende Grenzen \u00fcberwindet. Wir k\u00f6nnten das vielleicht mit folgenden drei Stichworten zusammenfassen: Einbruch, Durchbruch und Aufbruch. Der Heilige Geist bricht ein, das Evangelium bricht durch, und die Gemeinde bricht auf.<\/p>\n<p><strong>1. Der Heilige Geist bricht ein<\/strong><br \/>\nZwei Personen, die vorher nichts miteinander zu tun gehabt hatten, erfahren unabh\u00e4ngig voneinander, wie der Heilige Geist bei ihnen einbricht. Die erste der beiden Personen ist ein sehr au\u00dfergew\u00f6hnlicher r\u00f6mischer Zenturio namens Kornelius. Vers 2 sagt: \u201eer lebte mit seinem ganzen Haus fromm und gottesf\u00fcrchtig, gab dem Volk reichlich Almosen und betete best\u00e4ndig zu Gott.\u201c Die meisten r\u00f6mischen Besatzer waren richtig verhasst, weil sie brutal und r\u00fccksichtslos waren. R\u00f6mische Soldaten waren Experten darin, anderen Menschen Schmerzen zuzuf\u00fcgen. Aber dieser Hauptmann schien das Gegenteil davon zu sein. Der Gott Israels faszinierte ihn zutiefst. Und irgendwann fing er an, zu diesem Gott zu beten. Die Echtheit seines Glaubens kam dadurch zum Ausdruck, dass er gro\u00dfz\u00fcgig spendete.<br \/>\nEr befand sich mitten im Gebet, als ihm ein Engel erscheint, der ihm sagt, dass seine Gebete und seine Geschenke f\u00fcr die Armen Gott erreicht haben: \u201eSchick jetzt einige M\u00e4nner nach Joppe und lass einen gewissen Simon herbeiholen, der den Beinamen Petrus hat.\u201c Der Engel gibt ihm noch die Googlemaps-Koordinaten von dem Haus, wo Petrus wohnt. Kornelius z\u00f6gert nicht lange. Er schickt sofort zwei Sklaven und einen gl\u00e4ubigen Soldaten mit dem Auftrag los, Petrus zu holen.<br \/>\nVielleicht denkt ihr jetzt folgendes: Kornelius war ein frommer und guter Mann, und deshalb bekommt er das Privileg, Besuch von einem Apostel zu bekommen, der ihm den Feinschliff gibt. Mit anderen Worten, bei Kornelius ist die Grundsubstanz schon so gut und so edel; das Einzige, was er jetzt noch braucht ist der Gold\u00fcberzug, und alles ist gut. Und vielleicht denkt ihr, ist die Moral von der Geschichte, dass wir ebenfalls zuerst gute Menschen werden sollten: wir sollten zuerst unser Leben auf die Reihe kriegen, zuerst ein super-moralisches und frommes Leben f\u00fchren, zuerst lernen gro\u00dfz\u00fcgig zu sein und gut zu sein; und wenn wir dem mit vollem Ernst und Zielstrebigkeit nacheifern, dann k\u00f6nnen wir vielleicht auch Gott erfahren, so wie das bei Kornelius war. Vielleicht ist das die Art und Weise wie du den Text verstehst?<br \/>\nFalls dem so ist, m\u00f6chte ich gerne nahelegen, dass dem \u00fcberhaupt nicht so ist. Letzte Woche haben wir gesehen, wie Jesus einem religi\u00f6sen Fanatiker begegnet ist. Was ich damit sagen will: Gott begegnet den Menschen, die ihn am meisten brauchen. Kornelius war rechtschaffen und fromm; und er brauchte Jesus. Er brauchte Jesus nicht f\u00fcr irgendwelche kleinen Reparaturen; er brauchte Jesus, um radikal erneuert zu werden. Ein anderes Beispiel ist Nikodemus, der so ziemlich sein ganzes Leben damit verbracht hatte, Gott zu gefallen. Und das erste, was Jesus ihm sagt, ist: \u201eDu musst von neuem geboren werden.\u201c Du brauchst einen radikalen Neuanfang. Das Evangelium kam zu Kornelius nicht deshalb, weil er ein guter Mensch war, sondern weil er es brauchte, obwohl er so ein guter Mensch war. Die logische Konsequenz, die wir daraus ziehen, ist: du brauchst das Evangelium, ganz egal wie gut oder wie schlecht du dein Leben lebst; du brauchst das ewige Leben, ganz egal wie moralisch oder unmoralisch du bist; du brauchst Jesus, ganz egal ob du religi\u00f6s oder irreligi\u00f6s bist.<br \/>\nDie zweite Person, bei welcher der Heilige Geist einbricht, ist Petrus. Petrus befand sich ebenfalls im Gebet, als er eine Vision bekam. Vers 10 erw\u00e4hnt, dass er Hunger hatte. Seine Gastgeber waren gerade dabei, sein Essen vorzubereiten. Ganz passend (oder unpassend?) sah er ein gro\u00dfes Leinentuch vom Himmel herabkommen. Das Tuch ist gef\u00fcllt mit allen m\u00f6glichen kriechenden und fliegenden Tieren. Eine Stimme spricht: \u201eSteh auf, Petrus, schlachte und iss!\u201c Im j\u00fcdischen Gesetz wird genau vorgeschrieben, welche Tiere rein sind und verspeist werden d\u00fcrfen. Und es wird vorgeschrieben, welche Tiere nicht gegessen werden d\u00fcrfen. Auf dem gro\u00dfen Tuch befanden sich offensichtlich vor allem zeremoniell unreine Tiere. Petrus ist entsetzt: \u201eNiemals, Herr! Noch nie habe ich etwas Unheiliges und Unreines gegessen.\u201c Die Stimme antwortet: \u201eWas Gott f\u00fcr rein erkl\u00e4rt hat, nenne du nicht unrein!\u201c<br \/>\nAus den Evangelien wissen wir, dass die Zahl Drei f\u00fcr Petrus eine besondere Bedeutung hat. Dreimal hatte er seinen geliebten Herrn und Meister verleugnet: er hatte kl\u00e4glich versagt, als es darauf ankam, Stellung zu beziehen. Dreimal hatte Jesus ihn gefragt, ob Petrus ihn lieb hat. Und dreimal hatte Jesus ihn beauftragt, dass Petrus Jesu Schafe weiden sollte. Und deshalb verwundert es uns auch nicht, dass Petrus dieselbe Vision dreimal zu sehen bekommt. Vers 17 erw\u00e4hnt, dass Petrus v\u00f6llig ratlos war, was diese Erscheinung zu bedeuten hatte.<br \/>\nManche meinen, dass die Vision nicht ums Essen geht. Ich m\u00f6chte gerne sagen, dass es hier um mehr als Essen geht, aber nicht weniger als Essen. Erinnern wir uns, Petrus war hungrig, und es wurde gerade f\u00fcr ihn gekocht, als er die Vision sah. Er bekam explizit die Aufforderung, zu schlachten und zu essen. Im n\u00e4chsten Kapitel wird Petrus von den frommen Juden zur Rede gestellt: \u201eDu bist bei Unbeschnittenen eingekehrt und hast mit ihnen gegessen. Wie konntest du nur?\u201c Juden durften keine Heiden besuchen, eben weil die akute Gefahr bestand, dass sie sich durch das Essen verunreinigten. Noch einmal, es ging um mehr als Essen, aber das Essen war trotzdem zentral.<br \/>\nWas bedeutet diese Vision aber etwas tiefgehender? In Vers 28 sagt Petrus: \u201eIhr wisst, dass es einem Juden nicht erlaubt ist, mit einem Nichtjuden zu verkehren oder sein Haus zu betreten; mir aber hat Gott gezeigt, dass man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf.\u201c Es gibt die j\u00fcdische Glaubensgemeinschaft seit Tausenden von Jahren. Mit ein Grund, weshalb diese Gemeinschaft, die wirklich nicht besonders gro\u00df ist, sich bis heute halten konnte, ist, weil sie strenge Regeln haben, an die sie sich halten. Und die allermeisten von ihnen vermischen sich nicht mit Nichtjuden. Einen Nichtjuden besuchen zu gehen, war ein absolutes Tabu. Sie h\u00e4tten sich dadurch unrein gemacht. Das war ihre Vorstellung. Gott war jetzt dabei, diese Trennung aufzuheben.<br \/>\nDer Heilige Geist ist eingebrochen: sowohl bei Kornelius als auch bei Petrus. Der Heilige Geist tut dasselbe auch in uns. Mein Chef hatte davon gesprochen, dass wir in drei Zonen agieren k\u00f6nnen. F\u00fcr viele von uns vermutlich die Lieblingszone ist die Komfortzone. Da passiert nicht viel, wir sind wenig bis gar nicht gefordert und f\u00fchlen uns wohl. Wenn wir die Komfortzone verlassen, begeben wir uns in die Wachstumszone. Da werden wir herausgefordert, da gehen wir Risiken ein, wir begeben uns auf unsicheres Terrain. Wir lernen dabei viel und wachsen dabei. Und dann gibt es noch eine dritte Zone, die mein Chef die Panikzone nannte.<br \/>\nWisst ihr was? Gott war dabei, Petrus in die Panikzone zu f\u00fchren; ein Bereich, der f\u00fcr ihn v\u00f6llig neu und ungewohnt war und v\u00f6llig gegen den Strich ging. Das ist es, was ich damit meine, wenn ich davon spreche, dass der Heilige Geist in ihr Leben eingebrochen ist.<\/p>\n<p><strong>2. Der Durchbruch des Evangeliums<\/strong><br \/>\nIn den folgenden Versen sehen wir wie Petrus sich mit einigen Gl\u00e4ubigen auf den zu Kornelius macht. Kornelius hat Freunde und Verwandte eingeladen: eine Zuh\u00f6rerschaft, die offen f\u00fcr das ist, was Petrus ihnen zu erz\u00e4hlen hat. Petrus predigt das Evangelium, die Geschichte von Jesus Christus, so wie er sie selbst als Augenzeuge erlebt hatte. Petrus spricht auch vom Tod Jesu und von der Auferstehung am dritten Tag. Er bezeugt Jesus als den Richter der Lebenden und der Toten, und er predigt die Vergebung der S\u00fcnden f\u00fcr alle, die an ihn glauben.<br \/>\nVerse 44 und 45: \u201eNoch w\u00e4hrend Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort h\u00f6rten. Die gl\u00e4ubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dass auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde.\u201c Was hier passiert, ist die Wiederholung des Pfingstwunders. Der Text sagt nicht, dass die Zuh\u00f6rer zuerst Bu\u00dfe taten und sich bekehrten, bevor sie den Heiligen Geist empfingen. Sie brauchten auch keinen Apostel, der ihnen die H\u00e4nde auflegte, um den Geist zu empfangen. Der Heilige Geist kam spontan auf sie. Und das Resultat war, dass sie in Zungen redeten und Gott priesen, genauso wie die J\u00fcnger es an Pfingsten getan hatten.<br \/>\nVor ungef\u00e4hr 20 Jahren gab es einen Moment in der Oprah Winfrey Show, der in die Fernsehgeschichte eingegangen ist. Einige Studiog\u00e4ste hatten in der Oprah-Show ein Auto gewonnen. Aber das war nichts zum H\u00f6hepunkt, der noch folgen sollte. Oprah lie\u00df unter allen Studiog\u00e4sten (276 G\u00e4ste) kleine Geschenkboxen verteilen. Dann sagte sie, dass sich in einem dieser Boxen ein Schl\u00fcssel befindet. Der- oder diejenige, der das Gl\u00fcck hatte, einen Schl\u00fcssel in seiner Geschenkbox zu finden, w\u00fcrde ebenfalls zu den gl\u00fccklichen Gewinnern des Autos geh\u00f6ren. Zur gro\u00dfen \u00dcberraschung aller, fanden alle G\u00e4ste in ihrer Box einen Schl\u00fcssel vor, weil alle G\u00e4ste an diesem Tag ein neues Auto geschenkt bekamen. Im Studio brach die reinste Begeisterung aus. Warum war das so ein legend\u00e4rer Moment? Weil solche gl\u00fccklichen Momente nicht f\u00fcr alle Menschen sind. Ein nagelneues Auto zu gewinnen, ist einigen gl\u00fccklichen Gewinnern vorbehalten. Und wir beneiden die wenigen Gl\u00fcckspilze. Aber hier wurden alle zu Gewinnern.<br \/>\nAuf eine ungleich viel gr\u00f6\u00dfere Art und Weise, werden hier im Text ebenfalls alle zu Gewinnern. Alle Zuh\u00f6rer bekommen den Heiligen Geist. Die frohe Botschaft war durchgebrochen hin zu den Nichtjuden. Sie erfuhren die gleichen Manifestationen, die gleichen Zeichen und Wunder und die gleichen Privilegien wie ihre j\u00fcdischen Geschwister. Die gro\u00dfe Trennung zwischen Juden und Heiden ist aufgehoben.<\/p>\n<p><strong>3. Der Aufbruch der Gemeinde<\/strong><br \/>\nPetrus bleibt noch einige Zeit in C\u00e4sarea. Als er zur\u00fcck in Jerusalem ist, wird er von gl\u00e4ubigen Juden zur Rede gestellt. Wie konnte Petrus, ein praktizierender Jude, Nichtjuden besuchen gehen und auch noch mit ihnen zusammen essen? Petrus erkl\u00e4rt nacheinander, was passiert war: die Vision, die er gesehen hatte, wie Gott das Treffen orchestriert hatte, wie der Heilige Geist auf die Zuh\u00f6rer herabgefallen war. In Apg 11,18 lesen wir dann: \u201eAls sie das h\u00f6rten, beruhigten sie sich, priesen Gott und sagten: Gott hat also auch den Heiden die Umkehr zum Leben geschenkt.\u201c Das Bemerkenswerte an dieser Sache ist, dass die Gemeinde bereit war, sich auf etwas v\u00f6llig Neues und Unerwartetes einzulassen. An diesem Tag bricht die Gemeinde Jesu zu neuen Ufern auf. Allen Menschen wird die frohe Botschaft von Jesus verk\u00fcndigt, Juden und Heiden.<br \/>\nWir leben in einer Welt mit Mauern und Grenzen. In der Fernsehserie \u201eFriends\u201c gibt es eine Episode, in welcher der arbeitslose Schauspieler Joey Tribbiani einen Job als Tourguide im Naturkundemuseum bekommt. Sein Freund Ross Geller arbeitet in diesem Museum als Wissenschaftler und hat ihm diesen Job vermittelt. Als Tourguide bekommt Joey eine blaue Uniform. Beim Mittagessen in der Cafeteria wartet er auf seinen Freund Ross. Eine Kollegin ebenfalls in blauer Uniform m\u00f6chte sich zu ihm sitzen. Joey macht sie darauf aufmerksam, dass dieser Platz f\u00fcr Ross reserviert ist. Sie fragt: \u201eOh, du meinst, Doktor Geller? Er wird sich nicht hierher setzen. Die Leute im wei\u00dfen Kittel sitzen dort dr\u00fcben. Die Leute mit dem blauen Jackett sitzen hier.\u201c Joey antwortet: \u201eIch sage dir, Ross ist einer meiner besten Freunde. Wenn ich ihm sage, dass ich einen Platz f\u00fcr ihn habe, dann wird er sich zu mir setzen.\u201c Wenig sp\u00e4ter kommt sein Freund Ross im wei\u00dfen Kittel. Joey ruft: \u201eRoss! Ross! Ich hab\u2018 dir einen Platz freigehalten.\u201c Zu seiner \u00dcberraschung merkt er, dass Ross sein Angebot nicht annimmt. Er setzt sich zu den anderen Kollegen mit wei\u00dfen Kitteln.<br \/>\nDas, was diese Friends-Episode etwas \u00fcberspitzt aber mit viel Humor illustriert, ist etwas, was wir vielleicht schon oft erlebt haben: eine Trennung von Menschen in Gruppen. Oftmals geht die Trennung mit der Botschaft einher: \u201eDu geh\u00f6rst hier nicht dazu. Du kommst hier nicht rein. Du bist hier nicht willkommen.\u201c Ich glaube, dass die meisten von uns schon einmal diese Erfahrung gemacht haben. Ein Deutscher hatte in einem Zeitungsinterview davon erz\u00e4hlt, wie er mehrere Jahre in China unter Chinesen gelebt hatte. Er hatte ihre Sprache gelernt und versucht, so sehr es m\u00f6glich war, sich in ihre Kultur zu integrieren. Kurz bevor er China verlie\u00df, machte er eine Erfahrung, die ihm zeigte, dass er nie wirklich dazu geh\u00f6rte. Er ging zur lokalen Kleiderreinigung und holte seine Jacke ab. An der Jacke befand sich noch der Sticker mit seinem Namen darauf. Nur war es nicht sein Name. Auf Chinesisch stand lediglich geschrieben: \u201eder Ausl\u00e4nder.\u201c Die meisten von uns haben das Gef\u00fchl erlebt, nicht wirklich dazu zu geh\u00f6ren.<br \/>\nEin Kennzeichen der fr\u00fchen Gemeinde Jesu war, dass jeder, der wollte, dazu geh\u00f6ren durfte. Selbst der unendlich weite und unendlich tiefe Graben zwischen Juden und Heiden wurde \u00fcberwunden. Juden und Nichtjuden sa\u00dfen am gleichen Tisch und a\u00dfen gemeinsam, ein Zeichen echter Annahme und tiefer Freundschaft. Nicht nur das, M\u00e4nner und Frauen, Sklaven und ihre Herren, Barbaren und Zivilisierte: sie alle wurden zu einer Gemeinde; sie erfuhren, was es bedeutet, trotz ihrer offensichtlichen Unterschiede eins zu werden. Das war absolut unerh\u00f6rt. So etwas hatte es noch nie gegeben.<br \/>\nWie konnte das passieren? Im Zentrum der christlichen Botschaft steht eine absolute \u00dcberwindung einer Kluft, die un\u00fcberwindbar schien, die zwischen dem heiligen Gott und uns. Jesus ist derjenige, der diese Grenze \u00fcberwand. Als Petrus vor Kornelius und dessen Freunden predigt, spricht er davon, wie Jesus starb. Jesus wurde gekreuzigt. Aber Petrus verwendet einen interessanten Ausdruck. Er sagt, dass Jesus ans Holz geh\u00e4ngt wurde. Die Ausleger sind sich einig, dass Petrus hier eine Anspielung auf das AT macht. In 5. Mose 21,23 hei\u00dft es, dass ein Leichnam nicht \u00fcber Nacht h\u00e4ngengelassen werden sollte, weil ein Aufgeh\u00e4ngter von Gott verflucht ist. Jesus hing am Kreuz. Er hing zwischen Himmel und Erde wie als ob weder der Himmel noch die Erde etwas mit ihm zu tun haben wollten. Jesus wurde zur von Gott verfluchten Person. Er starb drau\u00dfen vor der Stadt, ausgesperrt, einsam, sprichw\u00f6rtlich gottverlassen. Als er stirbt, tr\u00e4gt er all unsere Schuld, all unsere Feindschaft, all unsere Bosheit.<br \/>\nIn Epheser 2 schreibt Apostel Paulus: \u201eEr vereinigte die beiden Teile und riss die trennende Wand der Feindschaft in seinem Fleisch nieder. \u2026 Er stiftete Frieden und vers\u00f6hnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib. Er hat in seiner Person die Feindschaft get\u00f6tet.\u201c In Jesus Christus reicht Gott uns die Hand. In Jesus Christus finden wir die absolute Annahme Gottes. In Jesus vergibt Gott uns alle unsere Schuld. Am Kreuz hat Jesus den Preis bezahlt, den wir h\u00e4tten bezahlen m\u00fcssen, um uns den Frieden und das Leben zu bieten, das nur Jesus allein verdient h\u00e4tte. Was hei\u00dft das f\u00fcr dich und f\u00fcr mich?<br \/>\nWoher kommen die Grenzen und die Diskriminierung und die Trennungen? Tim Keller sagte einmal, dass es zwei unterschiedliche Arten von Identit\u00e4t gibt. Die eine Identit\u00e4t beruht auf dem, was wir erarbeitet und was wir geleistet haben: f\u00fcr die Juden war es ihre religi\u00f6se Fr\u00f6mmigkeit, das Halten der Gesetze mit den zeremoniellen Reinheitsgeboten; f\u00fcr uns ist es vielleicht unser Bildungsweg oder unsere Karriere, oder unsere Beziehung mit unserem Traumpartner. Was macht diese Identit\u00e4t aus? Es ist der st\u00e4ndige Vergleich mit anderen. Die Juden waren nicht nur stolz darauf, fromm zu sein; sie waren stolz darauf, dass sie fromm waren, w\u00e4hrend die anderen es nicht waren; sie waren stolz darauf, besser zu sein, als ihre heidnischen Zeitgenossen; sie waren die Gottesf\u00fcrchtigen, die Heiligen, das auserw\u00e4hlte Volk Gottes. Und nur damit es klar ist: wir sind keinen Millimeter besser! Wenn wir stolz darauf sind, reich zu sein, dann deshalb, weil wir reicher sind als die anderen. Wenn wir stolz darauf sind, eine tolle Karriere zu haben, dann deshalb, weil unsere Karriere besser ist als die der anderen: wir haben die besseren Noten, wir waren auf der besseren Uni, wir hatten das bessere Praktikum, wir haben den besseren Job als die anderen. Nat\u00fcrlich schlie\u00dft diese Art von Identit\u00e4t andere Menschen aus. Es ist unvermeidlich, dass wir auf andere herabblicken. Im besten Fall tun wir es g\u00f6nnerhaft, im schlimmsten Fall tun wir es mit Verachtung.<br \/>\nDie andere Identit\u00e4t hat nichts mit dem zu tun, was wir k\u00f6nnen und erreichen. Diese Identit\u00e4t hat etwas damit zu tun, was Gott f\u00fcr uns getan hat. Es ist die Identit\u00e4t der Gnade. Gnade ist Gottes \u00fcberreiches Geschenk an uns, das absolut nichts mit dem zu tun hat, was wir geleistet haben. Gnade ist die Tatsache, dass Gott uns unendlich viel besser behandelt, als wir es verdient h\u00e4tten. Gnade ist, dass Gott uns auf \u00fcberschw\u00e4ngliche und leidenschaftliche Art zuerst geliebt hat, bevor wir zaghaft begonnen haben, seine Liebe zu erwidern. Innerhalb dieser Identit\u00e4t gibt es absolut nichts in mir, was mich in irgendeiner Form besser oder schlechter als meinen Nachbarn macht. Als Begnadete Gottes sitze ich mit allen meinen Br\u00fcdern und Schwestern im gleichen Boot. Wir stehen alle unter dem Kreuz Jesu, der f\u00fcr uns gestorben ist.<br \/>\nWenn diese Einsicht in unsere Herzen sickert, dann fangen wir an, anderen die Hand zu reichen. Mauern fangen an zu fallen. Wir stellen fest, dass je gro\u00dfz\u00fcgiger wir Gottes Gnade austeilen, wir desto mehr davon in unserem Leben haben. Und das ist die Art und Weise, wie Gott Grenzen \u00fcberwindet: er bricht ein in unser Leben mit seiner Gnade, er bricht durch zu uns mit seiner Liebe, wir brechen auf mit ihm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Grenzen \u00fcberwinden \u201eNoch w\u00e4hrend Petrus dies sagte, kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort h\u00f6rten. 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