{"id":12193,"date":"2024-01-21T11:00:56","date_gmt":"2024-01-21T10:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=12193"},"modified":"2025-12-02T19:12:34","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:34","slug":"predigt-apostelgeschichte-91-19a","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-apostelgeschichte-91-19a\/","title":{"rendered":"Predigt: Apostelgeschichte 9,1-19a"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/2023-Apg-L09_09-0119a-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; <a href=\"https:\/\/www.schlachterbibel.de\/de\/bibel\/apostelgeschichte\/9\/1-19?hl=1#hl\"><strong>Bibeltext<\/strong><\/a> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Die Bekehrung von Saulus<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eEr st\u00fcrzte zu Boden und h\u00f6rte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich?\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Apostelgeschichte 9,4)<\/p>\n<p>Wenn wir uns mit der Geschichte der westlichen Philosophie besch\u00e4ftigen, dann darf ein Name eigentlich nicht fehlen: Paulus aus Tarsus. Paulus wird relativ bald anfangen, der gesamten Apostelgeschichte seinen Stempel aufzudr\u00fccken. Paulus ist nicht nur innerhalb der Apostelgeschichte eine pr\u00e4gende Figur. Er ist der Autor von einem Drittel des NT. Und er gilt als einer der einflussreichsten und gr\u00f6\u00dften Denker des Abendlandes. Im heutigen Text geht es um das vermutlich wichtigste Ereignis im Leben von Paulus: seine Bekehrung. Woher wissen wir, dass diese Begebenheit absolut zentral ist? In der Apostelgeschichte wird diese Geschichte nicht weniger als dreimal erz\u00e4hlt.<br \/>\nDie Bekehrung von Paulus ist dramatisch. Die Apostelgeschichte zeigt uns, dass nicht jede Bekehrung so dramatisch sein muss. Im Text von letzter Woche war es ein Lesen und Diskutieren der Schrift, die einen Mann zum Glauben gef\u00fchrt hat. W\u00e4hrend ich nicht behaupten w\u00fcrde, dass die Umkehr von Paulus Vorbildfunktion hat, wie so etwas zu passieren hat, glaube ich trotzdem, dass man ein paar Prinzipien ableiten kann, die von allgemeiner Bedeutung sind. Die meisten von uns hier im Raum w\u00fcrden sich als bekehrte Christen bezeichnen. Manche von uns sind sich vielleicht nicht so sicher. Vielleicht seid ihr noch auf der Suche. Egal in welcher Situation ihr euch befindet, ich glaube, dass dieser Text uns zu den Fundamenten des christlichen Glaubens f\u00fchrt. Und daher ist dieser Text f\u00fcr alle relevant: f\u00fcr die Suchenden und f\u00fcr die Gefundenen.<br \/>\nZum Glauben an Jesus zu kommen bedeutet erstens, dass wir vom Pferd fallen; zweitens, dass wir uns der Realit\u00e4t stellen; drittens, dass wir vergebende Liebe empfangen.<\/p>\n<p><strong>1. Vom Pferd fallen<\/strong><br \/>\nIn den Versen 1 und 2 begegnen wir einem \u00fcbertrieben motivierten jungen Mann: \u201eSaulus w\u00fctete noch immer mit Drohung und Mord gegen die J\u00fcnger des Herrn. Er ging zum Hohepriester und erbat sich von ihm Briefe an die Synagogen in Damaskus, um die Anh\u00e4nger des Weges Jesu, M\u00e4nner und Frauen, die er dort finde, zu fesseln und nach Jerusalem zu bringen.\u201c Saulus war ein Christenverfolger. Nicht nur irgendeiner, er war besessen von der Idee, die christliche Bewegung so schnell wie m\u00f6glich im Keim zu ersticken. Wir hatten gesehen, dass nach der Steinigung von Stephanus eine gro\u00dfe Christenverfolgung in Jerusalem begann. Tausende von Christen verlie\u00dfen daher die Stadt und verstreuten sich in alle Himmelsrichtungen. Einige von diesen Christen nahmen ihren Glauben mit nach Damaskus. Saulus war bereit, bis nach Damaskus zu reisen, um diese Christen nach Jerusalem vor Gericht zu stellen. Der Text erw\u00e4hnt zwar nicht, dass Saulus auf Pferden unterwegs war. Aber wir k\u00f6nnen ziemlich sicher davon ausgehen. Damaskus war von Jerusalem aus gesehen nicht gerade um die Ecke: es waren ca. 250km Entfernung (ca. die Entfernung von Heidelberg nach K\u00f6ln). Selbst auf Pferden war man da einige Tage unterwegs. Der Hohepriester muss sich ziemlich dar\u00fcber gefreut haben, dass so jemand wie Saulus bereit war, f\u00fcr ihn die Drecksarbeit zu \u00fcbernehmen.<br \/>\nSaulus und seine Schergen waren auf dieser langen Reise. Sie waren fast in Damaskus angekommen. Und dann geschah es. Verse 3 und 4: \u201eUnterwegs aber, als er sich bereits Damaskus n\u00e4herte, geschah es, dass ihn pl\u00f6tzlich ein Licht vom Himmel umstrahlte. Er st\u00fcrzte zu Boden und h\u00f6rte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich?\u201c Ein \u00fcbernat\u00fcrliches Licht vom Himmel erscheint. Saulus erlebt etwas, was er noch nie zuvor erfahren hatte. Er ist geblendet von dem Licht. Er erschrickt. Und er st\u00fcrzt vom Pferd.<br \/>\nBildlich gesprochen w\u00fcrde ich behaupten, dass du nicht wirklich Christ sein kannst, wenn du nicht diesen Sturz erlebt hast, in welcher Form auch immer. Wof\u00fcr steht das Pferd? Saulus war jemand, der sprichw\u00f6rtlich hoch zu Ross sa\u00df. Als Saulus nach Damaskus ritt, war er jemand, der zu 100% von sich \u00fcberzeugt war. Saulus war intellektuelle Elite, er war Mustersch\u00fcler und danach Musterstudent gewesen. Die Lehrer und die Professoren hatten ihn zun\u00e4chst geliebt, danach bewundert und danach vielleicht sogar gef\u00fcrchtet, weil Saulus smart, intelligent und brillant war. Wenn es jemanden gegeben hatte, der das Examen mit Auszeichnung bestanden hatte, dann er. Was die Zielstrebigkeit und den Ehrgeiz angeht, k\u00f6nnten wir uns vielleicht an die Art von Studenten erinnert f\u00fchlen, die mit wei\u00dfem Hemd, schwarzer Hose und schicken Schuhen zur Uni kommen. Jeder Student in der Mensa sieht, dass das die Mannheimer BWLer sind, die bei der Deutschen Bank Praktikum machen; und jeder wei\u00df, dass sie bald nach dem Abschluss einen schwarzen Mercedes der Luxusklasse fahren und FDP w\u00e4hlen.<br \/>\nAber Saulus war mehr als das. Er war auch religi\u00f6se Elite. Er war moralisch anstandslos. Er kannte die Schrift in- und auswendig, er hielt sich an die strengsten religi\u00f6sen Praktiken, er fastete, er sprach seine Gebete, er reinigte sich. Saulus auf dem Pferd war sprichw\u00f6rtlich jemand, der fest im Sattel sa\u00df. Hier war jemand, der sein Leben wirklich im Griff hatte. Hier war jemand, der wusste, was er wollte; er wusste, wohin er wollte und wie er seine ehrgeizigen Ziele erreichen konnte. Hier war jemand, der sich von niemanden irgendetwas sagen lassen wollte.<br \/>\nUnd vielleicht oder besser sehr wahrscheinlich bis du nicht ganz so extrem drauf. Aber je nachdem, wo du im Leben stehst, meinst auch du auch zu wissen, was du im Leben willst. Du hast gewisse Vorstellungen dar\u00fcber, wer du bist und was du kannst. Vielleicht denkst du, dass du anst\u00e4ndig und moralisch bist, weil du dich ja eigentlich an alle Gesetze gehalten hast. Vielleicht denkst du auch, dass du Gott im Leben nicht unbedingt brauchst, weil, \u201ebisher lief das Leben ohne Gott ja auch v\u00f6llig in Ordnung.\u201c<br \/>\nAber dann kommt dieser Moment. Das Licht strahlt. Und du f\u00e4llst vom Pferd. Es ist der Moment, an dem du zur Erkenntnis kommst, dass so ziemlich alles, woran du geglaubt hast, eine Illusion ist; wenn du dachtest, dass du smart bist, dann die Erkenntnis, dass du eigentlich gar nichts wei\u00dft und blind bist; wenn du davon \u00fcberzeugt warst, dass du ein guter und moralischer Mensch bist, die Erkenntnis, alle deine guten Taten nichts sind als eine Handvoll Asche und tief in deinem Innersten ein h\u00e4ssliches Monster schlummert; wenn du davon \u00fcberzeugt warst, dass du dein Leben echt meisterst, dann die Erkenntnis, dass dir die Kontrolle \u00fcber dein Leben v\u00f6llig entgleitet.<br \/>\nAls Paulus Jahre sp\u00e4ter in Apostelgeschichte 26 diese Geschichte erz\u00e4hlt, erw\u00e4hnt er ein weiteres Wort von Jesus. Jesus sagte ihm: \u201eEs wird dir schwerfallen, gegen den Stachel auszuschlagen.\u201c Jesus sprach von einem Stachel. Das klingt schmerzhaft. Oft sind die Momente, in denen wir zu Boden fallen, wenn unser Leben sprichw\u00f6rtlich auseinanderf\u00e4llt, Zeiten von Verlust und Schmerzen und tragischen Ereignissen. C.S. Lewis hatte gesagt: \u201eSogar die Freude k\u00f6nnen wir ignorieren. Aber der Schmerz besteht darauf, beachtet zu werden. Gott fl\u00fcstert uns in unseren Freuden zu, spricht in unser Gewissen, aber ruft in unseren Schmerzen: es ist sein Megafon, um eine taube Welt zu wecken.\u201c Und falls du durch solche Zeiten gehst, ist es vielleicht Gottes liebevolle Art und Weise, dich vom Pferd zu holen.<\/p>\n<p><strong>2. Sich unbequemen Wahrheiten stellen<\/strong><br \/>\nIn Vers 4 beginnt ein kurzer Dialog zwischen Jesus und Saulus. Jesus fragt: \u201eSaul, Saul, warum verfolgst du mich?\u201c Allein die Tatsache, dass Jesus Saulus\u2018 Namen zweimal ausspricht, ist schon beachtlich. In der Bibel ist es so, dass wenn Gott einen Namen zweimal ruft, es fast immer bedeutet, dass man gerade \u00c4rger hat.<br \/>\nMindestens zwei unbequeme Wahrheiten sehen wir im Text. Die erste unbequeme Wahrheit ist, dass Jesus wirklich auferstanden und zur Rechten Gottes sitzt. Als ein frommer Jude, stand Jesus repr\u00e4sentativ f\u00fcr alles, was er inakzeptabel und anst\u00f6\u00dfig fand. Bereits als Kind hatte er rezitiert, dass es nur einen Gott gibt. Wenn Jesus ebenfalls Gott ist, bedeutet es nicht, dass es zwei G\u00f6tter gibt? Das w\u00e4re Ketzerei! Gottesl\u00e4sterung! Und dann war da auch noch die Tatsache, dass Jesus vor nicht langer Zeit von den R\u00f6mern hingerichtet worden war. Der verhei\u00dfene Retter Israels am Kreuz! Das war einfach nur skandal\u00f6s und so l\u00e4cherlich, dass einem davon schlecht werden konnte. Die Tatsache, dass Jesus am Kreuz gestorben war, war f\u00fcr ihn der Beweis, dass er nicht derjenige sein konnte, auf den Israel gewartet hatte.<br \/>\nGott h\u00e4tte Paulus erscheinen k\u00f6nnen, und ihm sagen k\u00f6nnen: \u201eLieber Saulus, ich m\u00f6chte dir jetzt das Konzept von der Trinit\u00e4t erkl\u00e4ren.\u201c Oder: \u201eSaulus, du hast da ein paar Texte im AT ein bisschen missverstanden. Komm, ich helfe dir auf die Spr\u00fcnge.\u201c Aber das war nicht das, was passierte. Jesus stand vor ihm. Jesus redete mit Paulus. Jesus offenbarte sich ihm als der Auferstandene. Und das ist so eine unbequeme Wahrheit. Was bedeutet diese Wahrheit dann f\u00fcr uns?<br \/>\nTim Keller brachte ein anschauliches Beispiel. In New York gab es immer wieder Skeptiker, die behaupteten, dass sie niemals Christen werden k\u00f6nnten. Warum nicht? Weil es manche Aussagen in der Bibel gibt, die sie anst\u00f6\u00dfig finden, z.&nbsp;B. Aussagen \u00fcber unseren Umgang mit Geld oder Sex. Und Tim Keller w\u00fcrde sie dann zur\u00fcckfragen: \u201eMoment, bedeutet es, dass, weil es Aussagen in der Bibel gibt, die du nicht magst, Jesus nicht von den Toten auferstanden sein kann?\u201c Und dann gibt es \u00fcberraschte Gesichter. \u201eNein, das meine ich nat\u00fcrlich nicht.\u201c Und dann sagte Tim: \u201eWenn Jesus von den Toten auferstanden ist, dann musst du dich mit allem, was in der Bibel steht, anfreunden. Wenn Jesus nicht von den Toten auferstanden ist, dann verstehe ich nicht, warum du dich wegen dieser Dinge qu\u00e4lst. Tatsache ist, dass Paulus vom Christentum noch viel mehr angewidert war, als du. Er hat Christen umgebracht! Aber als er verstanden hat, dass Jesus von den Toten auferstanden war, spielte alles das keine Rolle mehr.\u201c<br \/>\nUm noch einmal C.S. Lewis zu zitieren: \u201eMan muss immer wieder darauf hinweisen, dass das Christentum eine Aussage ist, die, wenn sie falsch ist, von keinerlei Bedeutung ist, und, wenn sie wahr ist, von unendlicher Bedeutung. Das Einzige, was es nicht sein kann, ist m\u00e4\u00dfig wichtig.\u201c Es spielt keine Rolle, ob du Jesus interessant oder toll oder nicht so toll findest. Wenn Jesus von den Toten auferstanden ist, wenn seine Auferstehung eine historische Tatsache ist, dann wirst du dich mit ihm auseinandersetzen m\u00fcssen. Du kommst nicht drumherum. Du kannst ihm nicht aus dem Weg gehen. Daf\u00fcr ist er viel zu gro\u00df und viel zu wichtig. Jesus Christus ist in deinem Leben unvermeidlich. Das ist die eine unbequeme Wahrheit.<br \/>\nDie andere unbequeme Wahrheit ist, dass Saulus diesen Jesus verfolgte. Vers 15: \u201eDer Herr sagte: Ich bin Jesus, den du verfolgst.\u201c Dieser Vers sagt so viel aus. Wir sehen wie tief und wie innig sich Jesus mit seiner Gemeinde identifiziert. Jesus war so eins mit den Christen, dass er sagen konnte, dass Saulus Ihn verfolgte. Aber es steckt da noch mehr dahinter.<br \/>\nEs war eindeutig, dass Saulus sich in einem religi\u00f6sen Wahn befand, der dem von religi\u00f6sen Terroristen nicht un\u00e4hnlich ist. Jesus h\u00e4tte ihm sagen k\u00f6nnen: \u201eSaulus, du verst\u00f6\u00dft gerade gegen das Gebot der N\u00e4chstenliebe.\u201c Stattdessen sagte Jesus ihm \u201edu verfolgst mich.\u201c Und damit brachte Jesus eine tiefe und profunde Wahrheit aus: \u201edu brichst nicht nur ein paar Gebote, sondern alle deine b\u00f6sen Taten richten sich am Ende des Tages gegen mich. Deine Verbrechen brechen mir das Herz.\u201c Und das ist es, womit Jesus uns konfrontiert. Jedes unserer Vergehen, jede S\u00fcnde, die wir begehen, sind ein Affront gegen Jesus.<br \/>\nJesus gab Paulus einen Auftrag: \u201eSteh auf und geh in die Stadt; dort wird dir gesagt werden, was du tun sollst!\u201c Wir k\u00f6nnen uns vermutlich kaum vorstellen, was in Saulus\u2018 Kopf vor sich gegangen sein musste, nachdem er Jesus begegnet war. N.T. Wright schreibt in seinem Kommentar: \u201ePl\u00f6tzlich wurde Sauls Welt auf den Kopf gestellt und umgedreht. Schrecken, Verderben, Scham, Ehrfurcht, Entsetzen, Herrlichkeit und erneuter Schrecken \u00fcberkamen ihn. Jahre sp\u00e4ter w\u00fcrde er schreiben, dass er die Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu, des Messias, gesehen hatte.\u201c War wirklich alles, woran er vorher geglaubt hatte falsch? Wie w\u00fcrde er mit der neuen Weltanschauung zurechtkommen? Was w\u00fcrde jetzt auf ihn zukommen?<br \/>\nSaulus war ausgezogen, um den Christen in Damaskus das F\u00fcrchten zu lehren und sie gefangen und gefesselt nach Jerusalem zu bringen. Aber jetzt war er blind. Seine Begleiter mussten ihn wie ein Kind an die Hand nehmen und ihn in die Stadt f\u00fchren. Drei Tage lang a\u00df und trank er nicht. F.F. Bruce ging davon aus, dass er so unter Schock stand, dass er ohnehin nicht essen konnte, selbst wenn er es gewollt h\u00e4tte. Wir kommen damit zum dritten Teil.<\/p>\n<p><strong>3. Vergebene Liebe empfangen<\/strong><br \/>\nDer Text lenkt unsere Aufmerksamkeit zu einem J\u00fcnger namens Hananias. Hananias kommt nur an dieser einen Stelle vor. Aber die Aufgabe, die er bekommt, k\u00f6nnte nicht wichtiger sein. Jesus gibt ihm folgenden Auftrag: \u201eSteh auf und geh zu der Stra\u00dfe, die man Die Gerade nennt, und frag im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus aus Tarsus! Denn siehe, er betet und hat in einer Vision gesehen, wie ein Mann namens Hananias hereinkommt und ihm die H\u00e4nde auflegt, damit er wieder sieht.\u201c Verst\u00e4ndlicherweise hatte Hananias gewisse Bedenken. In seiner Vision antwortet er Jesus: \u201eHerr, ich habe von vielen geh\u00f6rt, wie viel B\u00f6ses dieser Mann deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat. Auch hier hat er Vollmacht von den Hohepriestern, alle zu fesseln, die deinen Namen anrufen.\u201c Jesus akzeptiert keine Ausreden: \u201eGeh nur! Denn dieser Mann ist mir ein auserw\u00e4hltes Werkzeug: Er soll meinen Namen vor V\u00f6lker und K\u00f6nig und S\u00f6hne Israels tragen. Denn ich will ihm zeigen, wie viel er f\u00fcr meinen Namen leiden muss.\u201c<br \/>\nIn Vers 17 kommt der gro\u00dfe Auftritt von Hananias. Er tut das, was ihm von Jesus befohlen wurde. Er geht in das Haus, in dem Saulus sitzt. Er legt ihm die H\u00e4nde auf, eine Geste der Heilung und eine Geste der Salbung. Und dann sagt er: \u201eBruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Weg, den du gekommen bist, erschienen ist; du sollst wieder sehen und mit dem Heiligen Geist erf\u00fcllt werden.\u201c Alle Kommentare, die ich zu diesem Text gelesen habe, heben die Tatsache hervor, dass Hananias den Saulus mit den Worten \u201eBruder Saulus\u201c anspricht. Saulus ist nicht zweit- oder drittrangiges Mitglied des Haushalts wie irgendwelche Sklaven. Er ist nicht irgendein Anhang. Saulus geh\u00f6rt jetzt offiziell zur Familie der Christen. Er ist ein Kind Gottes. Er ist jetzt nicht nur ein leiblicher, sondern jetzt auch ein geistlicher Nachkomme Abrahams; nicht nur ein nationaler, sondern jetzt auch ein geistlicher B\u00fcrger Israels.<br \/>\nNur zur Erinnerung: der Christenverfolger, der Christenm\u00f6rder und der Christenfeind Nummer Eins der Urgemeinde ist jetzt ohne Wenn und Aber, ohne Abstriche Teil von ihnen. Nicht nur Teil ihrer Glaubensgemeinschaft, nicht nur, dass er ihre Werte und Anschauungen teilt, sondern Teil ihrer Familie. Saulus ist Hananias Bruder. Und genau das ist nichts anderes als die vergebende Liebe von Jesus Christus. Saulus hat die Gnade Jesu in seinem Leben erfahren.<br \/>\nEs war diese Liebe Jesu, die den B\u00fcrgerrechtler Martin Luther King inspiriert hatte. Martin Luther King ist bekannt f\u00fcr seinen gewaltfreien Widerstand gegen Ungerechtigkeit. Die Kraft und die Inspiration daf\u00fcr bekam er durch die Liebe Jesu. Er richtete folgende Worte an die Rassisten, die ihn hassten: \u201eWir werden eurer F\u00e4higkeit, Leid zuzuf\u00fcgen, mit unserer F\u00e4higkeit, Leid zu ertragen, gleichkommen. Wir werden eurer physischen St\u00e4rke mit seelischer St\u00e4rke begegnen. Macht mit uns, was ihr wollt, und wir werden euch trotzdem lieben. [\u2026] Werft uns also ins Gef\u00e4ngnis und wir werden euch immer noch lieben. Brennt unsere H\u00e4user nieder und bedroht unsere Kinder, und so schwer es auch sein mag, wir werden euch immer noch lieben. Schickt eure vermummten Gewaltt\u00e4ter um Mitternacht in unsere Gemeinden und verpr\u00fcgelt uns, zerrt uns an den Stra\u00dfenrand und lasst uns halb tot zur\u00fcck, und so schwer es auch ist, wir werden euch trotzdem lieben. Aber seid versichert, dass wir euch durch unsere Leidensf\u00e4higkeit zerm\u00fcrben werden, und eines Tages werden wir unsere Freiheit gewinnen. Wir werden so sehr an eure Herzen und Gewissen appellieren, dass wir euch dabei gewinnen werden. Und unser Sieg wird ein doppelter Sieg sein.\u201c Aus seinen Worten spricht die Macht der Liebe Jesu.<br \/>\nAm Ende des Tages war es das, was Saulus niedergerungen hatte. Saulus wurde vom Pferd gesto\u00dfen, er wurde mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert. Aber am Ende empfing er vergebende Liebe. Saulus wurde zu Paulus, zu einem Mann, der von der Gnade Jesu \u00fcberw\u00e4ltigt wurde. Und das soll das Schicksal von jedem Einzelnen von uns sein: \u00fcberw\u00e4ltigt von der vergebenden Liebe Jesu. Es ist die einzige Kraft des Universums, die uns tief in unserem Innersten ver\u00e4ndern kann, neumachen kann, erwecken kann. Hast du diese vergebende Liebe erfahren, die dich ganz macht, die dich heilt, die dich in die Familie Gottes aufnimmt?<br \/>\nEine letzte Anwendung zum Schluss f\u00fcr diejenigen unter uns, die gl\u00e4ubig sind und f\u00fcr die Bekehrung von anderen Menschen beten. Dieser Text zeigt uns, dass Jesus selbst die hoffnungslosesten F\u00e4lle erreichen kann. Wenn Gott einen religi\u00f6sen Fanatiker wie Saulus zu einem Apostel der Liebe Gottes ver\u00e4ndern kann, dann gibt es Hoffnung f\u00fcr alle. Hier ist deshalb eine wichtige Frage an euch: wer von euch hat schon einmal f\u00fcr eine Person gebetet, aber innerlich gedacht: \u201eEy, diese Person wird sich im Leben nie bekehren\u201c? Wer von uns hatte schonmal solche Gedanken? Jetzt k\u00f6nnte man nat\u00fcrlich meinen, dass das ein \u201eGlaubensproblem\u201c ist: \u201eDu hast halt nicht genug Glauben, und deshalb hast du solche negativen Gedanken.\u201c<br \/>\nAber ich glaube, dass das Problem, das dahintersteht etwas anders ist. Die Frage ist, weshalb du an Jesus glauben kannst aber die andere Person nicht. Woran liegt es? Was wir tief verinnerlichen m\u00fcssen, ist, dass jede Bekehrung Gnade Gottes ist, einschlie\u00dflich der unseren. Jeder gl\u00e4ubige Christ ist daher ein Wunder, jeder einzelne von uns. Mit anderen Worten, wenn wir denken, dass sich die Person XYZ niemals bekehren wird, dann sagen wir damit: \u201eich glaube an Jesus, weil ich einfacher zu bekehren war. Ich bin halt nicht ganz so stur oder nicht ganz so rebellisch oder nicht ganz so schlimm gewesen wie diese Person da.\u201c Wir sagen damit, dass unsere Bekehrung nicht v\u00f6llige Gnade war. Wir sagen damit, dass wir zwar auch aus Gottes Gnade gerettet sind, aber nicht zu 100&nbsp;%, weil \u201eganz so schlimm waren wir ja doch nicht.\u201c Und genau das ist ein riesiger Irrtum. Vielleicht gab es bei unserer Bekehrung kein Licht vom Himmel, keine Stimme, die h\u00f6rbar mit uns spricht gefolgt von drei Tagen physischer Blindheit. Und trotzdem ist die Tatsache, dass wir an Jesus glauben d\u00fcrfen und Teil seiner Familie sein d\u00fcrfen, nicht weniger ein Wunder als die Bekehrung von Paulus.<br \/>\nWenn wir verstanden haben, dass unser eigenes Glaubensleben ein Wunder der Gnade Jesu ist, dann ver\u00e4ndert das unser Gebet. Dann beten wir nicht l\u00e4nger \u201eGott, und ich bitte dich, dass XYZ zum Glauben kommt, aber es scheint mir so unm\u00f6glich.\u201c Wir beten dann eher: \u201eGott, die Tatsache, dass ich an dich glaube, ist ein Wunder. Ich danke dir daf\u00fcr. Und jetzt, Gott, tue das Wunder wieder. Tue es noch einmal f\u00fcr meine Freunde, f\u00fcr meine Kollegen, f\u00fcr meine Familie.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bibeltext &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Bekehrung von Saulus \u201eEr st\u00fcrzte zu Boden und h\u00f6rte, wie eine Stimme zu ihm sagte: Saul, Saul, warum verfolgst du mich?\u201c (Apostelgeschichte 9,4) Wenn wir uns mit der Geschichte der westlichen Philosophie besch\u00e4ftigen, dann darf ein Name eigentlich nicht fehlen: Paulus aus Tarsus. 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