{"id":12076,"date":"2023-11-26T11:00:49","date_gmt":"2023-11-26T10:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=12076"},"modified":"2025-12-02T19:12:36","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:36","slug":"predigt-apostelgeschichte-71-53","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-apostelgeschichte-71-53\/","title":{"rendered":"Predigt: Apostelgeschichte 7,1-53"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/2023-Apg-L07_07-0153-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a> &nbsp;&nbsp;<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Stephanus gibt Nachhilfe in Geschichte<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDies ist der Mose, der zu den S\u00f6hnen Israels gesagt hat: Einen Propheten wie mich wird Gott euch aus euren Br\u00fcdern erwecken.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Apostelgeschichte 7,37)<\/p>\n<p>Die Apostelgeschichte erz\u00e4hlt, wie Gott seine Versprechen und Verhei\u00dfungen an Israel durch die christliche Gemeinde erf\u00fcllt. In einem Gespr\u00e4ch zwischen einem (dem\u00fctigen) j\u00fcdischen Rabbi und einem anglikanischen Priester, sagte der Rabbi Folgendes: \u201eWie viele gl\u00e4ubige, praktizierende Juden gibt es in China?\u201c Die Antwort kann man sich denken: Die Zahl ist ziemlich klein. Und dann fragte er: \u201eUnd wie viele Christen gibt es dort?\u201c Je nach Sch\u00e4tzung k\u00f6nnten das um die 100 Millionen Chinesen sein, die an Jesus glauben. Seine Schlussfolgerung war: Gottes Verhei\u00dfung, dass Israel ein Licht f\u00fcr die Heiden sein sollte, erf\u00fcllt Gott durch die Christen. Das ist so eine wunderbare und dem\u00fctige Einsch\u00e4tzung von dem Rabbi.<br \/>\nUnd vielleicht helfen uns diese Worte, ebenfalls dem\u00fctig zu sein. Wir d\u00fcrfen Teil von Gottes gro\u00dfartiger Geschichte sein. Gottes Geschichte begann mit Israel, und wir haben das Geschenk und das Vorrecht bekommen, zu diesem Volk dazu gerechnet zu werden. Der heutige Text steht ganz in dieser Linie. Stephanus fasst die Geschichte Israels in einer langen Predigt zusammen. Die Predigt von Stephanus offenbart uns mindestens drei Dinge: Erstens, wie wir sind; zweitens, wie Gott ist; drittens, wie Gott uns trotzdem rettet.<\/p>\n<p><strong>1. Wie wir sind<\/strong><br \/>\nDie Predigt von Stephanus ist wirklich lang. Und wenn wir Vers f\u00fcr Vers durch diese Predigt gehen w\u00fcrden, dann w\u00fcrden wir morgen immer noch hier sitzen. Auf der Suche nach einer geeigneten Illustration ist mir folgendes eingefallen: Ikea. Die meisten von uns waren schonmal im Ikea. Und ihr wisst, dass es im Ikea einen vorgezeichneten Weg gibt: Man l\u00e4uft durch ihre gesamte Einrichtungsausstellung, was auch schon mehr als einige Stunde dauern kann. Dann kann man dort essen. Anschlie\u00dfend geht man durch die riesige M\u00f6bel- und Einkaufsabteilung. So eine ganze Tour kann locker mal drei Stunden dauern. Und man k\u00f6nnte sich fragen: \u201eWas soll das alles? Wo soll das alles hinf\u00fchren? Worum geht es hier eigentlich?\u201c Und bei Ikea erf\u00e4hrt man das am Ende, beim H\u00f6hepunkt: Wenn man mit einer gro\u00dfen, blauen, stabilen Ikea-T\u00fcte an der Kasse steht und f\u00fcr all den Krimskrams bezahlt, den man unterwegs aufgesammelt hat. Wir waren mit einer kleinen Gruppe von Doktoranden-Kollegen zusammen im Ikea. Und mein Kollege meinte am Ende zu mir: \u201eWei\u00dft du, wir wollten eigentlich alle nur eine Gl\u00fchbirne kaufen&nbsp;\u2026\u201c<br \/>\nWorum geht es bei Stephanus\u2018 Predigt? Wir finden die Antwort auf dem H\u00f6hepunkt seiner Predigt am Ende (Vers 51): \u201eIhr Halsstarrigen, unbeschnitten an Herzen und Ohren! Immerzu widersetzt ihr euch dem Heiligen Geist, eure V\u00e4ter schon und nun auch ihr. Welchen der Propheten haben eure V\u00e4ter nicht verfolgt?\u201c Was Stephanus hier auf den Punkt bringt, ist die Bosheit des Volkes. Er sagte hier: \u201eEure V\u00e4ter waren S\u00fcnder; und ihr seid ebenfalls S\u00fcnder.\u201c<br \/>\nNachdem wir diesen Punkt verstanden haben, k\u00f6nnen wir zur\u00fcckgehen in seine lange Predigt, und feststellen, wie er diesen Punkt immer und immer wieder hervorhebt. In Vers 9 spricht er von den Patriarchen, die Stammv\u00e4ter des Volkes Israel. Und er sagt: \u201eDie Patriarchen aber waren eifers\u00fcchtig auf Josef und verkauften ihn nach \u00c4gypten.\u201c In diesem einen Satz fasst der das Verbrechen der Br\u00fcder von Josef zusammen: Entf\u00fchrung, Raub, Menschenhandel \u2013 und das alles aus niederen Motiven.<br \/>\nAls N\u00e4chstes spricht Stephanus sehr viel \u00fcber den Glaubenshelden Mose. Neben Abraham ist Mose eine sehr zentrale Person im Selbstverst\u00e4ndnis des Volkes Israel. Er war der designierte Anf\u00fchrer und Befreier Israels. Aber in Vers 39 hei\u00dft es: \u201eAber unsere V\u00e4ter wollten sich ihm nicht unterordnen; sie wiesen ihn ab und wandten ihr Herz nach \u00c4gypten zur\u00fcck.\u201c Nicht nur das, Stephanus erw\u00e4hnt den G\u00f6tzendienst, den die Israeliten kurz nach ihrer Befreiung bereits in der W\u00fcste begingen. Vers 43: \u201eDas Zelt des Molochs und den Stern des Gottes Raifan habt ihr herumgetragen, die Bilder, die ihr gemacht habt, um sie anzubeten.\u201c<br \/>\nStephanus zeigt, wie in den wichtigsten Momenten der Geschichte Israels, das Volk ein ums andere Mal versagt und rebelliert hatte. Und das war radikal anders als, sie sich ihre Geschichte vorgestellt hatten. Sie dachten: \u201eWir sind das auserw\u00e4hlte Volk. Wir haben die besten und die frommsten Vorfahren. Wir haben die h\u00f6chsten moralischen Anspr\u00fcche. Wir leben im Land der Verhei\u00dfung. Mit wem sonst sollte Gott gro\u00dfartige Pl\u00e4ne haben als mit uns?\u201c Stephanus macht durch seine Erz\u00e4hlung ihrer Geschichte deutlich, wie sehr sie sich hier geirrt hatten. Sie befanden sich auf dem Holzweg. Sie waren aufm\u00fcpfige, aufst\u00e4ndische Rebellen. Das war die erste zentrale Botschaft, die Stephanus in seiner Predigt verk\u00fcndigte. Und das Erste, das wir aus seiner Botschaft mitnehmen k\u00f6nnen, ist, dass wir ebenfalls S\u00fcnder sind.<br \/>\nWie genau \u00e4u\u00dferte sich die S\u00fcnde der Israeliten? Vielleicht kann man die Essenz ihres Problems folgenderma\u00dfen beschreiben: Sie vertrauten auf alles M\u00f6gliche aber nicht auf Gott. Und das mag auf den ersten Blick \u00fcberraschend klingen, weil die Juden doch unglaublich fromm und religi\u00f6s waren. D.&nbsp;h., man kann zutiefst religi\u00f6s sein und doch nicht auf Gott vertrauen. Die religi\u00f6sen Leiter vertrauten auf ihr Land, sie vertrauten auf das Gesetz, die vertrauten auf die Aus\u00fcbung ihrer Religion, sie vertrauten auf ihre Leistung, sie vertrauten auf ihre Herkunft, sie vertrauten auf ihre nationale Identit\u00e4t, aber sie vertrauten nicht auf Gott. Zum Beispiel, ist euch aufgefallen, wie oft Stephanus von Land spricht? In den Versen 3 und folgende spricht Stephanus von der Berufung Abrahams. \u201eGeh in das Land, das ich dir zeigen werde.\u201c Vers 5: \u201eEr hat ihm darin kein Erbteil gegeben, auch nicht einen Fu\u00dfbreit, doch hat er verhei\u00dfen, das Land ihm und seinen Nachkommen zum Besitz zu geben, obwohl er kinderlos war.\u201c Das Land war f\u00fcr sie heilig. Der Tempel war das zentrale Heiligtum in ihrem Land. Salomo hatte diesen Tempel gebaut. Sie dachten, dass so lange sie das Land und den Tempel hatten, ihnen Gottes Bewahrung und Segen sicher waren.<br \/>\nAber es steht im gro\u00dfen Kontrast dazu, wie Gott das Land sah. \u201eDoch der H\u00f6chste wohnt nicht in dem, was von Menschenhand gemacht ist, wie der Prophet sagt: \u00bbDer Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel f\u00fcr meine F\u00fc\u00dfe. Was f\u00fcr ein Haus k\u00f6nnt ihr mir bauen?, spricht der Herr. Oder welcher Ort kann mir als Ruhest\u00e4tte dienen? Hat nicht meine Hand dies alles gemacht?\u00ab\u201c (48-50) Gott l\u00e4sst sich nicht auf ein Land oder gar ein Geb\u00e4ude reduzieren. In Gottes Reich ist kein Platz f\u00fcr irgendeine Form von religi\u00f6sem Nationalismus.<br \/>\nBevor wir fortfahren, m\u00f6chte ich gerne zeigen, dass diese Botschaft nichts von ihrer Relevanz verloren hat. Die Juden damals hatten auf ihr Land und auf ihre Abstammung vertraut. Das ist \u00fcberhaupt nicht einzigartig. Die \u00c4gypter, Babylonier, Griechen und R\u00f6mer taten das. Im Prinzip tun das praktisch alle V\u00f6lker dieser Welt auf die ein oder andere Art und Weise. So subversiv und ironisch das auch klingt, das taten und tun auch die Nazis. Im Jahr 2017 hatte es einen Marsch von Neonazis in den USA gegeben, die unter anderem \u201eBlut und Boden\u201c gerufen hatten. Das ging wiederum auf die nationalsozialistische Ideologie zur\u00fcck, in der es um die Einheit zwischen einem aufgrund der Rasse definierten Volk und seinem Land ging: ein Vertrauen auf seine Herkunft und sein Land.<br \/>\nOder um es mit einem Beispiel aus der popul\u00e4ren Kultur zu illustrieren: In dem Marvel Film Thor Ragnarok, ger\u00e4t das Volk Asgard in eine tiefe Identit\u00e4tskrise, weil ihr Zuhause von einem feurigen Monster namens Surtur angegriffen und zerst\u00f6rt wird. Die \u00dcberlebenden schaffen es auf ein Raumschiff. Von dort aus m\u00fcssen sie mit ansehen, wie ihr ganzer Heimatplanet Asgard in Flammen aufgeht. Korg, ein Freund ihres Anf\u00fchrers, versucht das Volk zu tr\u00f6sten, indem er sagt: \u201eDer Schaden ist nicht allzu schlimm. Solange die Fundamente noch stark sind, k\u00f6nnen wir alles wieder aufbauen. Es wird ein sicherer Hafen werden, f\u00fcr alle V\u00f6lker und Wesen im Universum.\u201c Genau in diesem Augenblick explodiert der ganze Planet. Es herrscht Stille. Korg sagt: \u201eJetzt sind die Fundamente futsch. Tut mir leid.\u201c Aber der Anf\u00fchrer Thor kommt schlie\u00dflich zu folgender Einsicht: \u201eAsgard ist kein Ort. Asgard sind die Menschen, das Volk.\u201c Aber alles das zeigt die tiefe Verbindung zwischen Menschen und ihrem Land.<br \/>\nWas bedeutet dieser Text dann f\u00fcr uns? Ich glaube daran, dass Stephanus ein Problem anspricht, das nicht nur seine Zeitgenossen hatten. Es ist ein Problem, das auf alle Menschen aller Zeiten zutrifft. Fakt ist: Jeder Mensch braucht ein Gef\u00fchl von Sicherheit. Jeder Mensch vertraut auf etwas. In jedem von uns ist die Tendenz da, auf alles zu vertrauen, was nicht Gott ist. Ganz viele Menschen in Deutschland denken, dass sie Gott nicht brauchen. Die meisten von euch sind hier, weil ihr glaubt, dass ihr Gott braucht; zumindest ein wenig. Und doch ist tief in unseren Herzen eine Rebellion, es ohne Gott schaffen zu wollen. Ich will hierzu nur ein kleines Beispiel erw\u00e4hnen. Hier in diesem Land geht es uns extrem gut; wir haben politischen Frieden und Stabilit\u00e4t; wir leben in einem geradezu \u00fcberflie\u00dfenden Wohlstand, auch dann, wenn wir uns nicht so reich f\u00fchlen; f\u00fcr sehr viele unserer N\u00f6te ist gesorgt; wenn wir die Arbeit verlieren, gibt es das Arbeitslosengeld; es gibt die Krankenversicherung und soziale Leistungen, die sehr stark sind. In Deutschland muss niemand verhungern und niemand muss erfrieren. Und vor allem haben wir in Deutschland auch ein sehr bequemes Leben, verglichen mit den allermeisten anderen L\u00e4ndern dieser Welt. Die Frage ist jetzt, ist es das, worauf wir unser Vertrauen gesetzt haben? Ist das unsere Sicherheit? Wenn dem so ist, dann vertrauen wir auch auf unser Land; bewusst oder unbewusst ziehen wir unser Gef\u00fchl der Sicherheit aus den \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nden unserer Gesellschaft.<br \/>\nHier ist das Problem: Das Land und der Tempel konnten die Israeliten nicht retten. Die R\u00f6mer zerst\u00f6rten den Tempel und die Stadt. Es war das Ende ihrer nationalen Identit\u00e4t verbunden mit dem Land Israel. Am Ende des Tages wird unser Land uns auch nicht retten k\u00f6nnen. Wir finden in unserer Gesellschaft und in unserer Kultur nicht die letzte Sicherheit, die uns wirklich retten kann; wir finden in ihr nicht den Sinn des Lebens, der uns wirklich zufrieden macht; wir finden nicht die Freude und Erf\u00fcllung nach der wir uns sehnen. Und trotzdem ist es so, dass wir so ziemlich auf alles M\u00f6gliche vertrauen, was geschaffen ist, aber nicht auf den Sch\u00f6pfer.<br \/>\nDie Tatsache, dass wir Gott \u00fcberfl\u00fcssig machen, ist genau die Essenz der S\u00fcnde. Das ist der erste Punkt, den wir aus Stephanus Predigt mitnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>2. Wie Gott ist<\/strong><br \/>\nStephanus beginnt seine Erz\u00e4hlung der Geschichte Israels mit einem sehr interessanten Ausdruck: Er nennt den Gott Israels den Gott der Herrlichkeit. Howard Marshall macht darauf aufmerksam, dass das wahrscheinlich ein Zitat aus Psalm 29,3 ist: \u201eDie Stimme des HERRN erschallt \u00fcber dem Meer. Der Gott der Herrlichkeit l\u00e4sst den Donner grollen.\u201c Wir haben leider nicht die Zeit, den Begriff Herrlichkeit hier ausf\u00fchrlich zu besprechen. F\u00fcr diese Predigt wollen wir einfach eine praktische Definition verwenden. F\u00fcr was verwenden wir im deutschen Sprachgebrauch das Wort \u201eherrlich\u201c? Johannes Hartl machte folgende Beobachtung: F\u00fcr uns ist das Wort \u201eherrlich\u201c die Steigerung von \u201esch\u00f6n\u201c. Zum Beispiel: \u201eWar das Wetter sch\u00f6n?\u201c, \u201eDas Wetter war herrlich!\u201c Oder: \u201eWar das Abendessen sch\u00f6n?\u201c, \u201eDas Abendessen war herrlich!\u201c (\u00dcbrigens, die Verwendung des Wortes \u201eherrlich\u201c in diesem Zusammenhang verlangt nach einem Ausrufezeichen).<br \/>\nGott ist wunderbar und wundersch\u00f6n: Er ist herrlich! Und Stephanus macht in seiner ganzen Predigt deutlich, in welchem Aspekt die Herrlichkeit Gottes deutlicher zu tragen kommt als sonst irgendwo: in der Tatsache, dass er ein rettender Gott ist. Gottes Herrlichkeit wird am klarsten und am deutlichsten offenbart in der Tatsache, dass er uns rettet. Wir sehen das an verschiedenen Stellen im Text.<br \/>\nIn Vers 10 und den folgenden Versen spricht Stephanus \u00fcber Josef. Gott rettete Josef. Gott rettete Josef nicht nur, weil Josef ein armer Junge war, der Unrecht erfahren hatte. Gott rettete ihn, weil er durch Josef seine ganze Familie und schlie\u00dflich ein ganzes Volk retten wollte. Josef war nicht der einzige Retter, den Gott erw\u00e4hlte.<br \/>\nStephanus spricht als N\u00e4chstes ganz viel \u00fcber Mose. Diejenigen unter uns, die Moses Geschichte kennen, wissen, dass er erst sp\u00e4t und im hohen Alter angefangen hatte, Israel anzuf\u00fchren. Aber tats\u00e4chlich hatte er sehr fr\u00fch die Berufung verinnerlicht, dass er Israel befreien sollte. Vers 25: \u201eEr dachte, seine Br\u00fcder w\u00fcrden begreifen, dass Gott ihnen durch seine Hand Rettung bringen wolle; doch sie begriffen es nicht.\u201c Zwei Aspekte muss man hier verstehen. Als 40-j\u00e4hriger Mann hatte Mose nicht die Reife, um von Gott gebraucht zu werden. Zum anderen aber war es auch so, dass niemand ihn als Retter wollte. Er war zwar von Gott berufen. Gleichzeitig war er jemand, der von seinem eigenen Volk abgelehnt wurde.<br \/>\nWas lernen wir hier \u00fcber Rettung? Wir haben vorhin gesehen, dass es eine Eigenschaft des menschlichen Herzens ist, Rettung in allem zu suchen, was nicht Gott ist. Warum ist dem so? Weil wir unsere Rettung selbst in der Hand haben wollen. Wir wollen die Kontrolle haben. Aber was hier im Text sehen, ist, dass wir uns nicht selbst retten k\u00f6nnen. Josef rettete sein Volk vor einer Hungersnot, die praktisch die ganze ihnen bekannte Welt erfasst hatte. Mose befreite sein Volk aus der Sklaverei der damaligen Supermacht. Das war aber noch der einfache Teil seiner Arbeit. Danach begleitete er das Volk 40 Jahre lang, um sie von der Sklaverei in ihren Herzen frei zu machen. Wir k\u00f6nnen uns selbst nicht retten, weil die M\u00e4chte, die uns versklaven zu gro\u00df, zu m\u00e4chtig und zu stark sind. Wir brauchen Hilfe von au\u00dfen. Rettung ist etwas, das au\u00dferhalb von uns stattfindet; Rettung ist etwas, was uns geschieht, nicht etwas, was wir tun.<br \/>\nUnd Gott ist der ultimative Retter. Er ist der weise Regent hinter Josef; er ist der starke Befreier hinter Mose. Er ist derjenige, der sich zu unseren N\u00f6ten herabl\u00e4sst. Er ist unser wahrer Held. Und er offenbart seine ganze Sch\u00f6nheit und Herrlichkeit in der Tatsache, dass er uns rettet. Es ist die Herrlichkeit seiner Liebe zu uns.<\/p>\n<p><strong>3. Wie Gott uns trotzdem rettet<\/strong><br \/>\nUm kurz zusammenzufassen: Wir haben gesehen, dass wie wir sind \u2013 S\u00fcnder, weil wir auf uns und auf alles M\u00f6gliche vertrauen, was nicht Gott ist. Wir haben gesehen, wie Gott ist \u2013 herrlich, und dass seine Herrlichkeit dadurch zum Ausdruck kommt, dass er uns rettet, obwohl wir uns gegen seine Rettung str\u00e4uben. Gott rettet uns trotzdem. Die Frage ist jetzt: Wie macht Gott das?<br \/>\nWir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass Stephanus lange Predigt, eigentlich noch l\u00e4nger gegangen w\u00e4re, wenn man ihn nicht unterbrochen h\u00e4tte. Was h\u00e4tte er in seiner Predigt noch erw\u00e4hnt, wenn man ihn gelassen h\u00e4tte? Die Antwort liegt auf der Hand. Es geht um Jesus. Stephanus erw\u00e4hnt den Namen Jesus nicht, aber doch ist absolut offensichtlich, dass Jesus die zentrale Person ist, um die sich alles dreht. In Vers 37 sagt er: \u201eDies ist der Mose, der zu den S\u00f6hnen Israels gesagt hat: einen Propheten wie mich wird Gott euch aus euren Br\u00fcdern erwecken.\u201c Nat\u00fcrlich ist Jesus der Prophet wie Mose: Jesus w\u00fcrde den wahren Exodus aus der wahren Knechtschaft anf\u00fchren. Er ist der Prophet, der alle Prophetien in sich vereinigt. In Vers 52 erw\u00e4hnt Stephanus Jesus explizit, indem er sagt: \u201eWelchen Propheten haben eure V\u00e4ter nicht verfolgt? Sie haben die get\u00f6tet, die die Ankunft des Gerechten geweissagt haben, dessen Verr\u00e4ter und M\u00f6rder ihr jetzt geworden seid.\u201c Jesus ist der Gerechte, den alle Propheten angek\u00fcndigt hatten, auf den das ganze Alte Testament hinweist. Stephanus zeigt durch die Geschichte Israels, dass Gott sein Volk durch Jesus Christus rettet.<br \/>\nDer Reformator Calvin hatte \u00fcber Jesus geschrieben: \u201eEr ist Isaak, der geliebte Sohn des Vaters, der als Opfer dargebracht wurde, aber dennoch nicht der Macht des Todes erlag.<br \/>\n[\u2026] Er ist der gute und barmherzige Bruder Josef, der sich in seiner Herrlichkeit nicht sch\u00e4mte, seine Br\u00fcder anzuerkennen, egal wie niedrig und elend sie auch waren. Er ist der gro\u00dfe Opferbringer und Bischof Melchisedek, der ein f\u00fcr alle Mal ein ewiges Opfer dargebracht hat. Er ist der souver\u00e4ne Gesetzgeber Mose, der durch seinen Geist sein Gesetz auf die Tafeln unserer Herzen schreibt. Er ist der treue Hauptmann und Anf\u00fchrer Josua, der uns in das gelobte Land f\u00fchrt. Er ist der siegreiche und edle K\u00f6nig David, der durch seine Hand alle rebellischen M\u00e4chte in die Schranken weist. Er ist der pr\u00e4chtige und triumphierende K\u00f6nig Salomo, der sein Reich in Frieden und Wohlstand regiert.\u201c Jesus ist die Erf\u00fcllung des Alten Testaments.<br \/>\nEinen letzten Gedanken zum Schluss. Lukas erw\u00e4hnt zu Beginn seines Evangeliums und der Apostelgeschichte, dass er sorgf\u00e4ltig nachgeforscht hatte, bevor er seine Geschichten aufschrieb. Heute h\u00e4tte man gesagt, dass Lukas als investigativer Journalist gearbeitet hatte. Lukas hatte vermutlich alles gelesen, was es \u00fcber Jesus zu lesen gab, aber vor allem hatte er mit Augenzeugen geredet, die Jesus pers\u00f6nlich erlebt und gesehen hatten. Frage: Wie kam Lukas zur Predigt von Stephanus vor dem Hohen Rat? Wer war der Augenzeuge, der ihm das alles berichten konnte? Es musste irgendeine Person sein, die mit dem Sanhedrin anwesend im Raum war. Wer war diese Person?<br \/>\nTim Keller mutma\u00dfte, dass es ein junger Mann namens Saulus war. Saulus war ein Extremist. Er war Augenzeuge der Steinigung von Stephanus, und wir lesen am Ende der Erz\u00e4hlung, dass er die Ermordung von Stephanus bef\u00fcrwortete. Und trotzdem war es so, dass diese Predigt auf ihn einen bleibenden Eindruck machte. Der Same war in seinem harten und kalten Herzen gepflanzt. Es brauchte noch ein wenig Licht und Regen, um diesen Samen aufgehen zu lassen. Er bekam es mit Jesu Licht und drei Tagen Blindheit (Regenwetter) zu tun.<br \/>\nDiese Predigt von Stephanus ist eine Zusammenfassung der ganzen Theologie von Paulus: dass wir Menschen nicht durch unsere Werke gerecht werden, sondern durch Gnade und durch Vertrauen auf die herrliche Person Jesus Christus. An die Galater schrieb er: \u201eAls aber die Zeit erf\u00fcllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt, damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen.\u201c<br \/>\nHier ist der Punkt, den ich zum Schluss weitergeben will: Wenn das Evangelium f\u00fcr jemanden wie Saulus ist, dann ist es f\u00fcr jede Person, einschlie\u00dflich f\u00fcr dich und f\u00fcr mich. In Jesus Christus gibt es Hoffnung f\u00fcr jeden einzelnen von uns. Gott rettet uns durch Jesus Christus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download &nbsp;&nbsp; Stephanus gibt Nachhilfe in Geschichte \u201eDies ist der Mose, der zu den S\u00f6hnen Israels gesagt hat: Einen Propheten wie mich wird Gott euch aus euren Br\u00fcdern erwecken.\u201c (Apostelgeschichte 7,37) Die Apostelgeschichte erz\u00e4hlt, wie Gott seine Versprechen und Verhei\u00dfungen an Israel durch die christliche Gemeinde erf\u00fcllt. 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