{"id":12049,"date":"2022-08-07T11:00:09","date_gmt":"2022-08-07T09:00:09","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=12049"},"modified":"2023-11-19T23:28:33","modified_gmt":"2023-11-19T22:28:33","slug":"predigt-lukas-736-50-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-lukas-736-50-2\/","title":{"rendered":"Predigt: Lukas 7,36-50"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/2022-Lukas-L.-10b_7-3650_P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 class=\"western\" align=\"center\">Liebe &amp; S\u00fcndenvergebung<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDeshalb sage ich dir: Ihre vielen S\u00fcnden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Lukasevangelium 7,47)<\/p>\n<p>Letzte Woche hatten wir eine Konferenz, wo es darum ging, wie wir in einer nicht-christlichen Welt leben sollen. Wie k\u00f6nnen wir auf dieser Welt ein Zeugnis sein? Hierzu gibt es sicherlich Vieles zu sagen. Aber was ist das Wichtigste f\u00fcr ein Zeugnis in dieser Welt? Es ist die Liebe. Denn Jesus sagt: \u201eDaran werden alle erkennen, dass ihr meine J\u00fcnger seid: wenn ihr einander liebt\u201c (Joh. 13,35). Die Liebe ist das Erkennungsmerkmal eines Christen \u00fcberhaupt. Aber nicht allein f\u00fcr das Zeugnis in der Welt, sondern auch im geistlichen Leben ist die Liebe das Wichtigste. Wir alle kennen die Stelle aus 1. Kor. 13: Und wenn ich alle meine Habe zur Speisung \u27e8der Armen\u27e9 austeile und wenn ich meinen Leib hingebe, damit ich Ruhm gewinne, aber keine Liebe habe, so n\u00fctzt es mir nichts. (\u2026) Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; die Gr\u00f6\u00dfte aber von diesen ist die Liebe (V. 3, 13). Ohne die Liebe ist alles f\u00fcr die Katz. Weil die Liebe so essentiell ist, ist es wichtig uns zu fragen, wie wir in der Liebe wachsen k\u00f6nnen? Der heutige Text aus Lk. 7 gibt eine Antwort auf diese wichtige Frage1. Durch ihn k\u00f6nnen wir drei wichtige Dinge \u00fcber die Liebe lernen: 1. Wie sieht ein gutes Beispiel f\u00fcr Liebe aus? 2. Was ist die Ursache von Lieblosigkeit? 3. Wie k\u00f6nnen wir selber viel Liebe haben?<\/p>\n<p><strong>1. Zwei verschiedene Reaktionen auf die Bu\u00dftaufe des Johannes (V. 29 &#8211; 30)[1]<\/strong><\/p>\n<p>In den Versen 29 und 30 erfahren wir, dass Menschen auf die Bu\u00dftaufe von Johannes dem T\u00e4ufer unterschiedlich reagierten. Das allgemeine Volk, selbst bekannte S\u00fcnder wie Z\u00f6llner, lie\u00dfen sich taufen, die rel. Leiter hingegen nicht. Ausgerechnet die S\u00fcnder lie\u00dfen sich taufen, aber die Frommen nicht. Wie kann das sein? Die Taufe des Johannes symbolisierte die Reinigung von Kopf bis zu Fu\u00df. Die Taufe hatte den Leuten unmissverst\u00e4ndlich deutlich gemacht, dass sie durch und durch S\u00fcnder waren und daher eine komplette Reinigung bedurften. Dies hatte Johannes den Leuten auch mit Worten deutlich gemacht. Er bezeichnete die Leute, die zu ihm gekommen waren, als \u201eSchlangenbrut\u201c (Mt. 3,7). Er verk\u00fcndigte ihnen, dass das Gericht schon vor der T\u00fcr st\u00fcnde. Er schlug ihnen ihr Vertrauen auf ihre Abstammung von Abraham aus der Hand (vgl. ebd.). Jeder, der sich taufen lassen wollte, musste anerkennen, dass er ein S\u00fcnder ist (vgl. Mt. 3,9). Manche verstehen unter S\u00fcnder etwa dies: \u201eIch machen hin und wieder moralische Fehler, aber insgesamt bin ich ganz ok.\u201c Das ist aber nicht das, was Johannes den Leuten vermittelte. Was mit S\u00fcnder gemeint ist, machen mehrere Bibelstellen sehr deutlich, wie z.B. diese: Die Erde aber war verdorben vor Gott, und die Erde war erf\u00fcllt mit Gewalttat. Und Gott sah die Erde, und siehe, sie war verdorben; denn alles Fleisch hatte seinen Weg verdorben auf Erden (1. Mo. 6,11-12). Wir sind nicht S\u00fcnder, weil wir S\u00fcnden tun. Wir tun S\u00fcnden, weil wir S\u00fcnder sind bzw. weil unser altes Wesen verdorben ist[2]. Diese Sichtweise Gottes \u00fcber sich anzuerkennen, war genau der Punkt, an dem sich die Geister schieden. Jesus verwendet hierf\u00fcr einen sch\u00f6nen Ausdruck: \u201edie Z\u00f6llner haben Gott recht gegeben\u201c (Lk. 7,29). Mit ihrer Einwilligung zur Taufe gaben sie Gott Recht darin, dass sie so sind, wie Gott sie sieht, die rel. Leiter hingegen nicht. Warum sollten sie in dasselbe Wasser wie die Z\u00f6llner tauchen? Was war aus all ihren ernsthaften Bem\u00fchungen um Fr\u00f6mmigkeit? Alles f\u00fcr die Katz, oder wie? Man kann sie doch nicht in dieselbe Schublade wie die Z\u00f6llner stecken. Sie hatten vielleicht hier und da noch einige Fehler, aber so schlecht wie die Z\u00f6llner waren sie auch wiederum mal nicht. Sie lie\u00dfen sich daher nicht taufen. Mit anderen Worten: Sie gaben Gott nicht recht.<br \/>\nEs ist sicherlich kein Zufall, dass im Anschluss von der Salbung Jesu durch die sogn. S\u00fcnderin berichtet wird. In dieser Geschichte erfahren wir gerade f\u00fcr beide Gruppen von Menschen ein konkretes Beispiel: Einmal die Frau, die ein Beispiel f\u00fcr die S\u00fcnder ist, die Gott Recht gaben, und einmal Simon, der ein Beispiel f\u00fcr die rel. Leiter ist, die Gott nicht Recht gaben. Betrachten wir diese beiden Beispiele im zweiten Teil der Predigt.<\/p>\n<p><strong>2. Das Beispiel der S\u00fcnderin und des Simon (V. 36 \u2013 46)<\/strong><\/p>\n<p>Jesus war in das Haus eines Pharis\u00e4ers namens Simon zum Essen eingeladen worden. Pl\u00f6tzlich trat ein unerwarteter Zwischenfall auf. Eine Frau aus der Stadt kam ins Haus. Sie war eine S\u00fcnderin. Wir alle sind S\u00fcnder, aber diese Frau war als S\u00fcnderin bekannt. Sie fiel durch ihre unmoralische Lebensweise in der Gesellschaft negativ auf. Vermutlich war sie eine Prostituierte.<br \/>\nWie sie sich aber gegen\u00fcber Jesus verhielt, ist wirklich bewundernswert. Wir wollen es im Einzelnen betrachten. In den Verse 37 und 38 wird davon berichtet. Eigentlich war es absolut unerh\u00f6rt, als stadtbekannte S\u00fcnderin in das Haus eines Pharis\u00e4ers zu gehen. Das h\u00e4tte so richtig \u00c4rger geben k\u00f6nnen. Aber die Frau hatte so einen gro\u00dfen Wunsch, Jesus aufzusuchen, dass sie es trotzdem wagte, in das Haus des Simon einzutreten. Sie kam nicht mit leeren H\u00e4nden, sondern mit einer Alabasterflasche. Die Frau kam nicht, um etwas von Jesus zu bekommen, sondern ihm etwas zu geben. Sie wollte ihm etwas Gutes tun und ehren.<br \/>\nSie trat von hinten an Jesus heran, geradeso wie es f\u00fcr Diener typisch war. Bei Tisch sa\u00dfen die Leute nicht, sondern halbliegend auf einen Divan[3]. Die F\u00fc\u00dfe waren nach hinten ausgestreckt. Die Diener standen bei der Tafel an den F\u00fc\u00dfen ihrer Herren, bereit deren Befehle auszuf\u00fchren. Die Frau reihte sich unter die Diener ein, um Jesus zu dienen und zu ehren. Als sie aber Jesus dienen wollte, brach sie in Tr\u00e4nen aus. Ihre Tr\u00e4nen flossen auf die F\u00fc\u00dfe des Heilands. Da sie kein Tuch hatte, um sie abzuwischen, hielt sie ihr Haar nicht f\u00fcr zu schade, um damit Jesu F\u00fc\u00dfe abzutrocknen. Was f\u00fcr eine Dem\u00fctigung \u2013 erstrecht, wenn man bedenkt, dass es bei den Juden f\u00fcr eine Frau eine Schande war, \u00f6ffentlich mit offenem Haaren aufzutreten. Doch das war noch nicht alles. Sie k\u00fcsste Jesu F\u00fc\u00dfe, aber nicht nur einmal. Aus Vers 45 wissen wir, dass sie die ganze Zeit, in der Jesus im Haus des Simon war, unabl\u00e4ssig Jesu F\u00fc\u00dfe gek\u00fcsste hatte. Anbetung aus tiefstem Herzen brachte die Frau Jesus entgegen.<br \/>\nSchlie\u00dflich salbte sie Jesu F\u00fc\u00dfe mit \u00d6l aus einer Alabasterflasche. Alabaster war eine \u00e4gyptische Marmorart, aus der man Beh\u00e4lter f\u00fcr kostbare Salb\u00f6le herstellte. Schon allein der Beh\u00e4lter war teuer. Eine gef\u00fcllte Flasche konnte einen Wert von 300 Denaren haben. Das war fast ein Jahreslohn. Diese Flasche war wohl das Ersparte der Frau gewesen. Was tut man so mit seinem Ersparten? Die einen sichern sich damit ihre Zukunft ab, andere kaufen sich damit etwas, was sie schon seit Langem haben wollen usw. Aber anstelle es f\u00fcr sich zu gebrauchen, wollte sie das kostbare \u00d6l auf Jesu F\u00fc\u00dfe kippen. Normalerweise gab der Hausherr den G\u00e4sten \u00d6l zum richten der Haare und zum Salben des Gesichtes, nicht aber f\u00fcr die F\u00fc\u00dfe. Daf\u00fcr war das \u00d6l eigentlich zu kostbar. Aber die Frau hielt es nicht zu schade, das kostbare \u00d6l f\u00fcr die Salbung von Jesu F\u00fc\u00dfe zu gebrauchen. Was f\u00fcr eine Wertsch\u00e4tzung Jesu gegen\u00fcber! Man kann das Verhalten der Frau Jesus gegen\u00fcber mit einem Wort zusammenfassen: Liebe! Sie liebte Jesus \u00fcber die Ma\u00dfe; mit einer hei\u00dfbl\u00fctigen und hingebungsvollen Liebe. In einem Zitat aus einem Kommentar hei\u00dft es hierzu: \u201eBei dieser Frau war die Zunge still, das Herz aber laut in innerer Bewegung und schrie in Liebe und Anbetung und Dankbarkeit zu ihrem Gott.[4]<br \/>\nGanz im Gegenteil dazu war das Verhalten von Simon gegen\u00fcber Jesus. Simon hatte Jesus in sein Haus zum Essen eingeladen. So gesehen eine gute Sache. Doch in seinen Gedanken aber sah es anders aus. Dies sehen wir v.a. in Vers 39. Simon bildete sich ziemlich schnell ein Urteil \u00fcber Jesus. In seinen Augen konnte Jesus kein Prophet sein, weil er sich zu der Frau nicht so verhielt, wie Simon es von einem Propheten erwartet h\u00e4tte (also abweisend). Anl\u00e4sslich dessen, was er \u00fcber Jesus geh\u00f6rt und gesehen hatte, w\u00e4re es angebrachter gewesen, zu forschen, warum Jesus sich so gegen\u00fcber der S\u00fcnderin verh\u00e4lt. Es h\u00e4tte ihm Anlass geben sollen, Jesus besser zu verstehen und sein Gottesbild in Frage zu stellen. Obgleich er negativ \u00fcber Jesus dachte, sprach er ihn mit Respekt an: \u201eLehrer, sprich!\u201c Was zeigt das \u00fcber ihn? \u00c4u\u00dferlich begegnete Simon Jesus respektvoll, inwendig aber voller Verachtung.<br \/>\nWenn Simon schon \u00fcber Jesus so schnell urteilte, dann \u00fcber andere sicherlich noch schneller, so z.B. \u00fcber die Frau in seinem Haus. Er hatte Recht, sie war eine S\u00fcnderin. Aber er w\u00fcrdigte nicht im Geringsten ihre Tat an Jesus. Er sah darin nichts Gutes. Die M\u00f6glichkeit, dass Menschen Bu\u00dfe tun und sich \u00e4ndern k\u00f6nnen, bedachte er nicht. Im Vers 44 fragte Jesus Simon: \u201eSiehst du diese Frau\u201c Offenbar macht Jesus hier eine Anspielung darauf, dass Simon die Frau nicht einmal angeschaut hatte. Er w\u00fcrdigte sie nicht einmal eines Blickes, so sehr verachtete er sie.[5] Nach j\u00fcdischer Sitte war es Brauch gewesen, dass der Hausherr seine G\u00e4ste beim Empfang auf die Wange k\u00fcsste. Dann kamen die Diener mit k\u00fchlem Wasser und wuschen den G\u00e4sten die F\u00fc\u00dfe, um sie von dem Stra\u00dfenstaub zu reinigen und sie zu erfrischen. Nach dem Waschen bekamen die G\u00e4ste wohlriechendes \u00d6l f\u00fcr Kopf, H\u00e4nde und Haare.[6] Nichts von all dem hatte Simon Jesus angetan. Die Verse 44-46 machen dies deutlich. Simons Gastfreundschaft war unter dem j\u00fcdischen Standard, w\u00e4hrend das Verhalten der Frau weit \u00fcber dem j\u00fcdischen Standard stand. F\u00fcr sich allein betrachtet, ist Simons Verhalten gegen\u00fcber Jesus nett \u2013 immerhin hatte er ja Jesus zum Essen eingeladen. Das tat nicht jeder Pharis\u00e4er. Doch durch den Vergleich mit der Frau wird deutlich, wie wenig Liebe er in Wirklichkeit hatte. W\u00e4hrend die Frau Jesus mit hei\u00dfbl\u00fctiger, hingebender Liebe behandelte, begegnete Simon Jesus allenfalls mit einer k\u00fchlen H\u00f6flichkeit.<br \/>\nWie kann das sein, dass die Frau so viel Liebe hatte, Simon aber so wenig? Was war das Geheimnis der gro\u00dfartigen Liebe der Frau, und was die Ursache f\u00fcr die mangelhafte Liebe von Simon? Betrachten wir dies im dritten Teil der Predigt.<\/p>\n<p><strong>3. Das Gleichnis von den Schuldnern (V. 41-49)<\/strong><\/p>\n<p>In den Versen 41 &#8211; 43 lehrt Jesus Simon ein simples, aber gleichzeitig auch ein geniales Gleichnis. Dieses Gleichnis hilft zu verstehen, warum die Frau so viel liebte, Simon aber so wenig. Jesus erz\u00e4hlt von einem Mann der zwei Schuldner hatte. Beide hatten gemeinsam, dass sie die Schulden nicht zur\u00fcckbezahlen konnten. Doch der eine hatte deutlich mehr Schulden als der andere, n\u00e4mlich das 10fache. Mit 500 Denaren konnte man mehr als ein Jahr auskommen, mit 50 Denaren sch\u00e4tzungsweise 1 bis 2 Monaten. Der zweite Schuldenbetrag war deutlich weniger.<br \/>\nSchulden k\u00f6nnen sehr belastend sein, besonders wenn sie hoch sind. Weil Schulden einen in den Ruin treiben k\u00f6nnen, verursachen sie bei vielen Stress und Angst bis hin zur Depression. Wie befreiend ist es, wenn einem die Schulden einfach so erlassen werden! Man f\u00fchlt sich dem, der die Schulden erlassen hat, zu gro\u00dfer Dankbarkeit verpflichtet. Diese Dankbarkeit ist im Normalfall umso gr\u00f6\u00dfer, je gr\u00f6\u00dfer die Schulden waren, die einem erlassen worden sind. Wenn mir jemand 50 \u20ac schenkt, w\u00fcrde ich mich bei ihm wahrscheinlich mit so etwas wie einer Merci-Schokolade plus Karte bedanken und gut ist. Ganz anders aber, wenn mir jemand 50.000 \u20ac schenken w\u00fcrde. F\u00fcr ihn w\u00fcrde ich mir eine ganz besondere Anerkennung \u00fcberlegen, vielleicht einen Urlaub spendieren oder so was \u00c4hnliches. So gesehen ist es verst\u00e4ndlich, wenn derjenige, dem 500 Denare erlassen worden sind, den Gl\u00e4ubiger mehr liebhat, als der, dem 50 Denare erlassen worden sind. Im Geistlichen ist es nicht anders. Im Vers 47 lesen wir: \u201eIhre vielen S\u00fcnden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.\u201c Das \u201edenn\u201c ist besser mit einem \u201edarum\u201c zu \u00fcbersetzen: \u201eIhre vielen S\u00fcnden sind vergeben worden, darum hat sie viel Liebe erwiesen; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.\u201c (Schlachter-\u00dcbersetzung). Die Frau glich dem Schuldner mit 500 Denaren. Sie hatte viel S\u00fcndenschuld auf sich geladen. Doch durch Jesus erfuhr sie, dass Gott bereit war, alle ihre Schuld zu vergeben. Damit hatte sie sicherlich nicht gerechnet! Das Gottesbild, das sie durch die rel. Leiter vermittelt bekam, war etwa so: \u201eGott m\u00f6chte mit dir nichts zu tun haben! Gott hasst dich! Gott wird dir nie verzeihen! Auf dich wartet das Gericht!\u201c Aber nicht nur die rel. Leiter, sicherlich auch die Gesellschaft. Die j\u00fcdische Gesellschaft war sehr religi\u00f6s. Solche Menschen wie diese Frau waren Au\u00dfenseiter. Die Art und Weise, wie ihr Menschen begegneten, war eine st\u00e4ndige Konfrontation damit, dass sie nichts anderes als Hass und Strafe verdient hatte. Bestimmt lebte sie mit dem Gef\u00fchl, verdammt zu sein. Durch Jesus hatte aber diese Frau Gott v\u00f6llig neu kennengelernt, ganz anders als sie erwartet hatte.[7] Gott hatte sie nicht aufgegeben, sondern gesucht. Gott wollte sie nicht vernichten, sondern retten. Gott hatte sie nicht gehasst, sondern geliebt. In der Person Jesus begegnete die Frau einem Gott, der sie unglaublich liebhatte, obwohl sie eine gro\u00dfe S\u00fcnderin war. Obgleich sie unglaublich viel Bockmist in ihrem Leben gebaut hatte, war Gott bereit alle ihre S\u00fcnden zu vergeben. Dass Gott so gn\u00e4dig ist, hatte sie nicht gedacht. Sie war \u00fcberrascht, ja \u00fcberw\u00e4ltigt von der Gnade Gottes. Ich denke, der Grund, warum sie weinte, war der, dass sie sehr ger\u00fchrt war, ger\u00fchrt von der \u00fcberw\u00e4ltigenden Gnade und Liebe Gottes. Eben weil sie Gott so erlebt hatte, hatte sie ihn bzw. Jesus so unglaublich lieb. Viel S\u00fcndenvergebung f\u00fchrt zu viel Liebe!<br \/>\nUnd wie stand es mit Simon? Am Ende von Vers 47 hei\u00dft es: \u201ewem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.\u201c Simon war deswegen so lieblos, weil ihm wenig vergeben worden ist. Man kann einwenden: \u201eJa, was kann denn Simon daf\u00fcr, dass er nicht so ein gro\u00dfer S\u00fcnder wie die Frau war? Muss man also erst einmal so richtig s\u00fcndigen, damit man auch viel lieben kann?\u201c Paulus w\u00fcrde hierzu sagen: \u201eDas sei ferne!\u201c (R\u00f6m. 6,2). Der Punkt ist nicht, wie viel wir ges\u00fcndigt haben (denn alle haben viel ges\u00fcndigt), sondern wie sehr wir unsere S\u00fcndenschuld erkannt haben. Hierzu ein Bild: Eine Oma rutscht auf der Stra\u00dfe aus. Ein Kind, das adoptiert ist, geht an dieser Oma vorbei, ohne ihr zu helfen. Sp\u00e4ter empfindet es Schuld f\u00fcr seine unterlassene Hilfe. Ein Jahr sp\u00e4ter erf\u00e4hrt das Kind, dass es seine Oma war, die er damals auf der Stra\u00dfe begegnet war. Das Empfinden seiner Schuld wird gr\u00f6\u00dfer. Ein halbes Jahr sp\u00e4ter kommt es zu einem ersten Treffen mit seiner Gro\u00dfmutter. Das Kind erf\u00e4hrt, dass seine Gro\u00dfmutter es war, die sich um ihn gek\u00fcmmert hatte, bis es adoptiert wurde. Wie sehr muss es ihm jetzt leidgetan haben, dass er an ihr einfach vorbeiging, <img decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Erkenntnis.png\">ohne ihr zu helfen. Simons Problem war nicht, dass er zu wenig ges\u00fcndigt hatte, sondern dass er zu wenig seine Schuld erkannt hatte! Simon nahm Ansto\u00df daran, dass Jesus die Frau in seine N\u00e4he zul\u00e4sst. Damit dr\u00fcckte er indirekt aus, dass er hingegen durchaus w\u00fcrdig sei, mit Jesus Gemeinschaft zu haben. Er hielt sich f\u00fcr etwas Besseres. Simon meinte, er w\u00e4re in Ordnung, obwohl er kaum Liebe hatte. Diese geringe Liebe ist umso schwerwiegender, wenn wir bedenken, dass nicht irgendjemand, sondern der Sohn Gottes, der sp\u00e4ter sein Leben f\u00fcr Simon lie\u00df, bei ihm zu Hause gewesen war. Simon hatte seine S\u00fcndenschuld gar nicht erkannt. Folglich hatte er auch kein oder kaum ein Bed\u00fcrfnis nach Vergebung. Und wer kaum ein Bed\u00fcrfnis nach Vergebung hat, bittet auch kaum darum. Wer kaum um Vergebung bittet, erf\u00e4hrt auch wenig Vergebung. Und wer wenig Vergebung erf\u00e4hrt, erf\u00e4hrt auch wenig davon, wie gro\u00dfartig Gottes Liebe ist. Und wer wenig davon erf\u00e4hrt, kann auch selber wenig lieben. Daher sagt Jesus: \u201ewem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig\u201c. Der Zusammenhang zwischen S\u00fcndenvergebung und Liebe ist auch sehr gut in dem Schema der sogn. Erkenntnisschere veranschaulicht \u2013 vgl. Bild rechts.<\/p>\n<p>Noch mal zur\u00fcck zum Gleichnis von den Schuldnern: Beide Schuldner hatten ein- und denselben Gl\u00e4ubiger gehabt. Aber doch haben beide Schuldner den Gl\u00e4ubiger unterschiedlich erfahren. Der, dem 500 Denare erlassen worden sind, konnte die G\u00fcte des Gl\u00e4ubigers in einem weitaus gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00df kennenlernen als der, dem nur 50 Denare erlassen wurden. Simon und die S\u00fcnderin glaubten an denselben Gott. Beide wurden von Gott in gleicher Weise geliebt. Doch beide haben die Liebe Gottes unterschiedlich erfahren \u2013 die S\u00fcnderin in einem weitaus gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00df als Simon. Folglich liebte die S\u00fcnderin Jesus weitaus mehr als Simon.<br \/>\nDie Frage ist dann, was h\u00e4tte Simon tun sollen? Betrachten wir hierzu noch einmal Vers 39. Simon hatte erwartet, dass Jesus wie es sich f\u00fcr einen Propheten geh\u00f6rt, das Verborgenen der Frau aufdeckt. Nach seiner Meinung hatte es die Frau n\u00f6tig, \u00fcberf\u00fchrt zu werden. Aber Jesus sah das anders. Anstelle an der Frau als Prophet zu handeln, handelte Jesus an Simon als Prophet. Wir sehen das in V. 40. Jesus erkennt, dass Simon b\u00f6se Gedanken hat und spricht das sofort an. In den Versen 44-46 \u00fcberf\u00fchrt dann Jesus Simon. Nicht die Frau, sondern Simon hatte es n\u00f6tig, \u00fcberf\u00fchrt zu werden. Simon hatte sich f\u00fcr insgesamt in Ordnung gehalten, doch Jesus macht ihm deutlich, wie lieblos er eigentlich gewesen war. Die Frage war ja: Was h\u00e4tte Simon tun sollen? Die Antwort ist einfach: Jesus Recht geben. Aber was tat er stattdessen? Im Vers 49 sehen wir, dass Simon die \u00dcberf\u00fchrung nicht annahm. Anstelle Jesus Recht zu geben, nahm er Ansto\u00df an Jesus. Nur ein paar Verse zuvor lesen wir die Worte Jesus: \u201eUnd gl\u00fcckselig ist, wer an mir keinen Ansto\u00df nimmt.\u201c Diejenigen, die Gott nicht Recht geben, \u00e4rgern sich an ihn. Simon konnte daher nicht in der Liebe wachsen.<br \/>\nWie steht es mit unserer Liebe? Ich glaube, eine der gr\u00f6\u00dften N\u00f6te der heutigen Christenheit ist die, dass wir (angefangen mit mir) uns zu wenig dessen bewusst sind, wie wenig Liebe wir haben. Ein bisschen H\u00f6flichkeit, hier und da mal ein nettes Wort sagen, hier und da mal jemandem etwas Gutes tun, h\u00e4lt man schon f\u00fcr liebevoll. So wie die H\u00f6flichkeit von Simon im Vergleich zu der hei\u00dfbl\u00fctigen, hingebungsvollen Liebe der Frau verblasste, so verblasst auch meine Liebe im Kontrast zu der Liebe der Frau. Jesus sagt: \u201eIhre vielen S\u00fcnden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.\u201c<br \/>\nJeder von uns hat es n\u00f6tig, in der Liebe zu wachsen. Durch verschiedene Situationen mit unseren Mitmenschen werden wir immer wieder damit konfrontiert, dass wir in der Liebe Wachstumsbedarf haben. Zu welcher Gruppe von Mensch geh\u00f6ren wir, wenn Jesus uns mit unserem Mangel an Liebe konfrontiert: Zu denen, die Ansto\u00df nehmen, oder zu denen die Gott Recht geben? In der Strophe eines Liedes hei\u00dft es: \u201eMehr Liebe, Herr, zu dir, mehr Liebe, Herr! Ich bete knieend hier, h\u00f6re doch her. So bitt ich flehentlich: Mehr, Herr, zu lieben mich; Tag f\u00fcr Tag mehr, mehr lieben, Herr\u201c. M\u00f6ge der Inhalt dieses Liedes zu unserem innersten Anliegen werden.\u201c<br \/>\nIch komme zum Schluss. Wir w\u00fcrden wir damit umgehen, wenn jemand unsere F\u00fc\u00dfe unabl\u00e4ssig k\u00fcssen und sie dann mit sehr teurer Salbe einsalben w\u00fcrde? Die meisten w\u00fcrden sich wohl besch\u00e4mt f\u00fchlen und solch eine Ehrerweisung ablehnen. Und ich denke zurecht: Wir sind nicht so besonders, dass wir es verdient haben, dass andere unsere F\u00fc\u00dfe so behandeln, als ob sie kostbarste Diamanten w\u00e4ren \u2013 meine sind es auf jeden Fall nicht. Auffallend ist, dass Jesus aber diese Ehrerweisung der Frau nicht ablehnte. Er nahm sie an und lobte sie sogar daf\u00fcr. Zudem bezeichnete er Simons Liebe indirekt als \u201ewenig Liebe\u201c. Das klingt nach Arroganz, ist es aber nicht. Warum? Ganz einfach: Jesus ist es w\u00fcrdig, so geliebt zu werden, wie es die Frau tat. Jesus wurde zur S\u00fcnde (vgl. 2. Kor. 5,21), damit selbst die schlimmsten S\u00fcnder S\u00fcndenvergebung erlangen k\u00f6nnen. Jesu sagte zu der S\u00fcnderin: \u201eGeh hin in Frieden!\u201c Jesus lie\u00df sein Leben, damit selbst die schlimmsten S\u00fcnder Frieden mit Gott haben k\u00f6nnen. Er verdient daher nichts Wenigeres als hei\u00dfbl\u00fctig, anbetungsvoll und hingebungsvoll geliebt zu werden. Weniger ist Jesus nicht w\u00fcrdig.<br \/>\n____<br \/>\n[1] Der Schwerpunkt meiner Predigt liegt auf die Geschichte von der Salbung durch die S\u00fcnderin, weil sie selbst schon viel Inhalt hat. Ich werde daher nur im ersten Teil auf einige Verse davor eingehen.<br \/>\n[2] Menschen, die wiedergeboren sind, behalten zwar ihre alte s\u00fcndhafte Natur bei, bekommen aber durch den Heiligen Geist eine neue, geistliche Natur (Gal. 5,16f; 2. Kor. 5,17).<br \/>\n[3] RIENECKER, F. (1959): Das Evangelium des Lukas. Erkl\u00e4rt von Fritz Rienecker. In: Wuppertaler Studienbibel, S. 204, SCM R. Brockhaus.<br \/>\n[4] vgl. ebd.<br \/>\n[5] vgl. ebd., S. 206<br \/>\n[6] vgl. ebd., S. 203<br \/>\n[7] Dass sie einen gro\u00dfen Wunsch hatte, Jesus etwas Gutes zu tun, l\u00e4sst annehmen, dass sie Jesus schon vorher einmal kennengelernt hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Liebe &amp; S\u00fcndenvergebung \u201eDeshalb sage ich dir: Ihre vielen S\u00fcnden sind vergeben, denn sie hat viel geliebt; wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.\u201c (Lukasevangelium 7,47) Letzte Woche hatten wir eine Konferenz, wo es darum ging, wie wir in einer nicht-christlichen Welt leben sollen. Wie k\u00f6nnen wir auf dieser Welt ein Zeugnis sein? [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[13,4],"tags":[],"class_list":["post-12049","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lukas","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12049","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12049"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12049\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12052,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12049\/revisions\/12052"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12049"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12049"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12049"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}