{"id":12042,"date":"2023-06-04T11:00:32","date_gmt":"2023-06-04T09:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=12042"},"modified":"2025-02-04T05:38:42","modified_gmt":"2025-02-04T04:38:42","slug":"predigt-lukas-231-49","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-lukas-231-49\/","title":{"rendered":"Predigt: Lukas 23,1-49"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/2022-Lukas-L.-39_23-0149-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 class=\"western\" align=\"center\">Gnade inmitten voller Ungerechtigkeit<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eJesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Lukas 23,34a)<\/p>\n<p>In der Menschheitsgeschichte hat es seit jeher viele grausamen Verbrechen gegeben. Doch das gr\u00f6\u00dfte Verbrechen der Menschheitsgeschichte bleibt oft unvergessen. Der heutige Text aus Lk. 23 berichtet davon: Die Kreuzigung Jesu Christi, des Sohnes Gottes. Wir wollen diesen Text unter zwei Gesichtspunkten betrachten:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">1. Jesu Unschuld und unsere Schuld<br \/>\n2. Jesu Bestrafung und unsere Vergebung<\/p>\n<p>\u00dcber das Volk, das beim Kreuz stand, hei\u00dft es zuerst: \u201eUnd das Volk stand da und sah zu\u201c (V.35). Doch am Ende des Textes hei\u00dft es, dass sich das Volk an die Brust schlug (V. 48). Im Laufe des Kreuzigungs-Geschehens wurden die Dabeistehenden von unber\u00fchrten Zuschauern zu Leuten mit gro\u00dfer Betroffenheit ver\u00e4ndert. M\u00f6ge die Betrachtung des Textes denselben Effekt auch auf uns aus\u00fcben.<\/p>\n<p><strong>1. Jesu Unschuld und die Bosheit der Menschen<\/strong><\/p>\n<p>Der heutige Text bezeugt immer wieder eine Sache \u00fcber Jesus. Mehrere Verse machen dies deutlich: Zuerst Vers 4 \u2013 die Worte von Pilatus: \u201eIch finde keine Schuld an diesem Menschen!\u201c; Vers 14 noch einmal: \u201eals ich ihn vor euch verh\u00f6rte, habe ich an diesem Menschen keine Schuld gefunden\u201c; Vers 15: \u201eaber auch Herodes nicht; denn ich habe euch zu ihm gesandt; und siehe, es ist nichts von ihm ver\u00fcbt worden, was des Todes w\u00fcrdig w\u00e4re.\u201c; Vers 22: \u201eUnd zum dritten Mal sprach er zu ihnen: Was hat dieser denn B\u00f6ses getan? Ich habe keine des Todes w\u00fcrdige Schuld an ihm gefunden.\u201c; Vers 41: \u201eUnd wir gerechterweise, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Unrechtes getan!\u201c; V. 47: \u201eAls aber der Hauptmann sah, was geschah, pries er Gott und sprach: Wahrlich, dieser Mensch war gerecht!\u201c Alle diese Verse sprechen eine Sprache: Jesu Unschuld. Sowohl Pilatus als auch Herodes, sowohl der Verbrecher am Kreuz als auch der Hauptmann bezeugen und erkennen: Jesus ist unschuldig und gerecht. Weder Pilatus noch Herodes, noch der Kriminelle am Kreuz noch der Hauptmann waren fromme Menschen gewesen. Sie geh\u00f6rten zu der schlimmen Sorte von Mensch. Doch Jesu Reinheit und Gerechtigkeit sind so offensichtlich, dass selbst schlimme Menschen nicht anders konnten als dies \u00fcber Jesus zu bezeugen. Der Text bezeugt auch Jesu Wahrhaftigkeit: Vers 3: Pilatus fragt Jesus: \u201eBist du der K\u00f6nig der Juden\u201c \u2013 Jesu Antwort lautet: \u201eDu sagst es\u201c. Vers 9: Herodes stellt Jesus viele Fragen, aber Jesus gibt ihm keine einzige Antwort. Jesus stand selbst unter gr\u00f6\u00dftem Druck auf der Seite der Wahrheit.<br \/>\nIm scharfen Kontrast zur Jesu Unschuld und Wahrhaftigkeit stehen die Ungerechtigkeit und der Bosheit der Menschen, durch die Jesus gekreuzigt wurde. Auch das wird im Text immer wieder bezeugt. In Vers 2 machen die rel. Leiter eine dreifache Anklage gegen Jesus: 1. Die religi\u00f6sen Leiter beschuldigten Jesus daf\u00fcr, dass er das Volk verf\u00fchrt. In Wirklichkeit hatte Jesus den Menschen nur Gutes getan \u2013 er machte viele Kranke gesund, Tote lebendig, Besessene frei, gab Hungrigen Brot, S\u00fcndern ein neues Leben, lehrte Worte des Lebens, vergab die S\u00fcnden und gab S\u00fcndern eine neue Perspektive und Berufung f\u00fcr ihr Leben. In Wirklichkeit war das Gegenteil der Fall \u2013 nicht Jesus hatte das Volk verf\u00fchrt, sondern die religi\u00f6sen Leiter. Sie hetzten das Volk gegen Jesus auf, sodass es schrie: \u201eKreuzige ihn, kreuzige ihn.\u201c Das Volk wurde soweit verf\u00fchrt, dass es ausgerechnet den Tod von dem forderte, der dem Volk nur Gutes getan hatte. 2. Klagten sie Jesus an, das Volk davon abzuhalten, Steuern zu bezahlen. Das war eine nackte L\u00fcge und eine klare Verleumdung gegen Jesus gewesen. Jesus hatte gesagt: \u201eGib dem Kaiser, was des Kaisers ist\u2026\u201c (Lk. 20,25). In Wirklichkeit war es nicht Jesus, sondern die rel. Leiter, die gegen die Steuer waren. 3. Stellten sie Jesus als einen K\u00f6nig dar, der das Volk aus der Herrschaft der R\u00f6mer befreien wolle. Aber Jesus hatte nie den Anspruch erhoben, ein politischer K\u00f6nig zu sein. Vielmehr war es so, dass sich die rel. Leiter solch einen K\u00f6nig gew\u00fcnscht hatten. Die rel. Leiter hatten Jesus f\u00fcr das beschuldigt, woran sich nicht Jesus, sondern sie sich schuldig gemacht hatten. Sie richteten Jesus f\u00fcr Dinge, die sie selber taten. Als sie ihr Zeigefinger gegen Jesus richteten, zeigten gleichzeitig drei Finger gegen sie. Auch Herodes begegnete Jesus mit einer abartigen Bosheit. Vers 8 klingt dem ersten Eindruck nach sehr positiv: Herodes freute sich sehr Jesus zu sehen. Er wollte ihn schon lange gerne sehen. Das h\u00f6rt sich fast so an wie bei den Weisen aus dem Morgenland (vgl. Mt. 2,10). Doch am Ende von Vers 8 und in Vers 9 bekommen wir einen Einblick in seine eigentlichen Motive: Herodes wollte von Jesus unterhalten werden, und zwar durch Zeichen, er wollte interessante Dinge sehen. Au\u00dferdem trieb ihn seine Neugierde dazu, Jesus viele Fragen zu stellen. Neugierde und Unterhaltung waren die Motive, warum Herodes Jesus gerne kennenlernen wollte. In Youtube kann man vieles sehen und Unterhaltung haben. Google und ChatGPD kann man alles fragen. Aber Jesus ist weder Google noch ChatGPD noch YouTube. Als Jesus der Neugierde und Unterhaltungslust von Herodes nicht diente, wurde Jesus von Herodes und den Soldaten verspottet. Schlie\u00dflich lie\u00df er Jesus mit einem Prachtgewand kleiden. Damit wollte er Jesu K\u00f6nigsanspruch ins L\u00e4cherliche ziehen.<br \/>\nIm Laufe des Geschehens spitzt sich die Bosheit gegen\u00fcber Jesus immer mehr zu. Obwohl Pilatus dem Volk erkl\u00e4rt, dass weder er noch Herodes Jesus f\u00fcr schuldig halten. Obgleich Pilatus dem Volk anbietet, Jesus trotz seiner Unschuld zu z\u00fcchtigen, schreit das Volk: \u201eHinweg mit diesem\u201c(V.18). Pilatus beteuert noch einmal die Unschuld Jesu, doch das Volk schrie: \u201eKreuzige, kreuzige ihn\u201c (V.21). Ein drittes Mal bezeugte Pilatus die Unschuld Jesus, doch das Volk wurde immer lauter und lauter und bestand darauf, Jesus unbedingt zu kreuzigen. Das Volk wollte einen K\u00f6nig, der sie aus der Macht der R\u00f6mer befreit, aber Jesus wollte sie von ihren S\u00fcnden retten. Das Volk wollte einen K\u00f6nig, der ihre Umst\u00e4nde ver\u00e4ndert. Jesus aber wollte sie selber ver\u00e4ndern. Zu solch einem K\u00f6nig sagte das Volk: \u201eHinweg mit ihm, kreuzige ihn.\u201c Dem Volk stand die Wahl, entweder Jesus oder Barabbas freizulassen. Das Volk entschied sich f\u00fcr die Freilassung von Barabbas \u2013 ausgerechnet Barabbas. Zwei Mal weist Lukas daraufhin, wer Barabbas eigentlich war \u2013 V. 19: Der war wegen eines in der Stadt vorgefallenen Aufruhrs und Mordes ins Gef\u00e4ngnis geworfen worden; V. 25: welcher eines Aufruhrs und Mordes wegen ins Gef\u00e4ngnis geworfen worden war. Barabbas war ein Rebell und M\u00f6rder. Er war glasklar schuldig. Doch das Volk stellte das Recht auf den Kopf: Die Liebe in Person sollte gekreuzigt werden, der Rebell und M\u00f6rder freigelassen werden. Was f\u00fcr eine Ungerechtigkeit und Bosheit!<br \/>\nAuch Pilatus Verhalten gegen\u00fcber Jesus war von Bosheit gekennzeichnet. Pilatus z\u00f6gerte zun\u00e4chst, Jesus preiszugeben. Vers 24 berichtet: \u201eDa entschied Pilatus, dass ihre Forderung erf\u00fcllt werden sollte.\u201c Das war nach Lukas der Moment gewesen, wo das Geschrei des Volkes \u00fcberhandnahm. Pilatus geriet unter m\u00e4chtigem Druck, dem er schlie\u00dflich nachgab. Obwohl Pilatus von Jesu Unschuld \u00fcberzeugt war, erlaubte er es schlie\u00dflich doch, Jesus kreuzigen zu lassen. Vers 32 berichtet, dass Pilatus Jesus mit zwei \u00dcbelt\u00e4tern kreuzigen lie\u00df. Er stellte Jesus mit Kriminellen gleich. Obwohl Jesus von \u201egr\u00fcnem Holz\u201c (V.31) ist, behandelte Pilatus Jesus wie \u201ed\u00fcrren Holz\u201c (V.31), das zum Verbrennen genutzt wird. Was f\u00fcr eine Bosheit und Ungerechtigkeit!<br \/>\nDie Bosheit gegen Jesus h\u00f6rte nicht auf, als Jesus schon am Kreuz hing. W\u00e4hrend Jesus voller Schmerzen und Leiden am Kreuz hing, wird er von allen Seiten verspottet, vom Volk, von den Soldaten, von den Obersten und dann auch noch von einem der beiden Geh\u00e4ngten. Jesus erlebte genau das, wovon Ps. 22 spricht: \u201eDenn Hunde haben mich umgeben, und der B\u00f6sen Rotte hat mich umringt\u201c.<br \/>\nDoch aller Bosheit zum Trotz behielt Jesu Unschuld das letzte Wort. Denn nachdem Jesus seine letzten Worte aussprach und starb, bezeugte der Hauptmann: \u201eWahrlich, dieser Mensch war gerecht!\u201c (V.47). Und das Sch\u00f6ne ist, niemand von den Leuten widerspricht ihm. Stattdessen schlugen sie sich an ihre Brust. Mit anderen Worten: Das Volk war betroffen. Es war betroffen, weil es erkannt hatte, dass es einen gerechten Menschen ans Kreuz geschlagen hatte. Einmal erz\u00e4hlte jemand die Geschichte von einem Hund, der seinem Herren \u00fcber alles loyal gewesen ist. Eines Tages \u00fcberfiel in der Abwesenheit des Herren ein Wolf dessen Kind. Der Hund griff den Wolf sofort an und konnte das Kind vor ihm besch\u00fctzen. Als der Herr kam, sah er sein Kind verletzt und daneben sein Hund. Daraufhin erschoss er den Hund, weil er meint, er h\u00e4tte seinem Kind diese Verletzung zugef\u00fcgt. Wie schmerzhaft muss es ihm hernach ergangen sein, als er erfuhr, dass er den Retter seines Kindes erschossen hatte. Wie leid muss es ihm getan haben? Ein derartiges Gef\u00fchl muss auch das Volk zu dem Zeitpunkt gehabt haben. Doch dann umso mehr die Frage: Warum das alles? Warum musste so ein gerechter, so ein unschuldiger Mensch so grausam behandelt, so zutiefst ungerecht behandelt werden?<\/p>\n<p><strong>2. Jesu Bestrafung und unsere Vergebung<\/strong><\/p>\n<p>In den Versen 24-25 ist von einem Tausch die Rede: Der Tausch von Barabbas gegen Jesus. Barabbas konnte nur deswegen freigelassen werden, weil Jesus nicht freigelassen wurde. Barabbas wurde sozusagen gegen Jesus eingetauscht. Allerdings war dieser Tausch ein sehr ungew\u00f6hnlicher Tausch. Seit jeher haben Menschen Tausch betrieben \u2013 insbesondere bevor es Geld gab, kauften Menschen damit ein, indem sie Ware gegen Ware tauschten. Menschen lassen sich auf einen Tausch ein, weil jeder einen Vorteil daraus zieht. Das ist eigentlich bei einem Tausch normal. Beim Tausch Jesu mit Barabbas hingegen hatte nur einer den vollen Vorteil, n\u00e4mlich Barabbas, und nur einer den vollen Nachteil, n\u00e4mlich Jesus. Barabbas bekam die Freilassung, die eigentlich Jesus verdient h\u00e4tte. Jesus bekam den grausamen Kreuzestod, den eigentlich Barabbas verdient h\u00e4tte. Ich habe gefragt: \u201eWarum musste der so unschuldige, der so reine Jesus so viel Ungerechtigkeit erleiden?\u201c Die alte Natur des Menschen ist vom Wesen her ein Barabbas, n\u00e4mlich ein Rebell. Jeder Mensch ist von Natur aus b\u00f6se. Erst mit der Wiedergeburt bekommt er eine neue Natur. Doch die alte, s\u00fcndhafte Natur ist rebellisch. Sie will nicht das, was Gott will. Wie mit Barabbas so tauschte Jesus auch mit uns. Er bekam das Gericht Gottes ab, wir aber wurden davon befreit. In einem Lied hei\u00dft es: \u201eGerechtigkeit umh\u00fcllt mich den Rebell. Ich leb in Ihm, der starb an meiner Stell.\u201c Wir, die wir von Natur aus Rebellen sind, werden mit Jesu Unschuld und Wahrhaftigkeit gekleidet. Was f\u00fcr ein wunderbarer Tausch.<br \/>\nIn Vers 34 betet Jesus ein ziemlich krasses Gebet: \u201eVater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!\u201c Jesus betete das, als er am Kreuz hing. Mit der Kreuzigung Jesu hatten die Menschen etwas ganz Schlimmes getan, sie hatten eine ungeheure gro\u00dfe Schuld auf sich geladen haben. Denn Jesus ist ja nicht irgendwer, sondern der Sohn Gottes. Sie hatten den Herrn der Herrlichkeit ans Kreuz geschlagen. Was gibt es Schlimmeres? Und eben das zog den Zorn Gottes auf die Menschen. Aber eben in diesem Moment trat Jesus f\u00fcr sie ein und bat um deren Vergebung. Oft verbittern Menschen schon dann, wenn sie ein bisschen Unrecht erfahren. Sie sind verletzt, hassen andere und brechen die Beziehung ab, werden selber ungerecht usw. Aber Jesu Gnade bzw. Herz ist so gro\u00df, dass er selbst f\u00fcr seine Peiniger und M\u00f6rder um Vergebung beten konnte.<br \/>\nWeil die Menschen nicht wussten[1], dass sie mit Jesus den Sohn Gottes kreuzigen, sagte Jesus: \u201esie wissen nicht, was sie tun!\u201c (V.34). Die nat\u00fcrliche Neigung ist, dass man f\u00fcr die, die einem Unrecht und Leid angetan haben, nicht im Geringsten Verst\u00e4ndnis und Nachsicht aufbringen will, vielmehr sucht man deren sch\u00e4rfste Verurteilung. Als Opfer ist es schwierig, das Verhalten des T\u00e4ters objektiv zu betrachten, schon gar nicht in dem Moment, wo dieses Unrecht geschieht. Aber Jesus ist anders. Er entschuldigte zwar die S\u00fcnde seiner M\u00f6rder nicht. Aber er konnte trotz aller Ungerechtigkeit gegen sich selbst den Umstand sehen, der die Schuld milderte, und zwar bereits in dem Moment, wo er noch am Kreuz hing. Die Schuld des Volkes war gro\u00df. Doch Jesu Gnade bzw. Herz ist gr\u00f6\u00dfer \u2013 so gro\u00df, dass er selbst seinem Peiniger und M\u00f6rder mit Nachsicht begegnet. Zurecht schreibt Rousseau: \u201eWo ist der Mann, wo der Weise, der ohne Schw\u00e4che und Ostentation so zu handeln, zu leiden und zu sterben versteht?&#8230; Er starb den Tod eines Gottes\u201c[2].<br \/>\nIm Wesentlichen sind wir nicht besser als die Leute von damals. Denn im Wesentlichen ist unsere s\u00fcndhafte Natur nicht nur ein Barabbas, sondern auch wie das Volk. Menschen neigen sehr stark dazu, \u00fcber sich selbst bestimmen zu wollen. Sie wollen so leben wie sie immer gelebt haben. Deswegen wollen sie nicht so einen K\u00f6nig wie Jesus. Sie schreien: \u201eHinweg mit so einem K\u00f6nig, kreuzige ihn.\u201c Unsere s\u00fcndhafte Natur ist in gewisser Weise auch ein Pilatus. In der Schule, in der Arbeitswelt, im Freundeskreis passiert es doch immer wieder, dass man dem Gruppenzwang nachgibt. Unsere s\u00fcndhafte Natur hat auch was von den rel. Leitern in uns. Menschen beschuldigen andere f\u00fcr Dinge, die sie selber tun, richten und verurteilen andere. Im Streit stellen sie Dinge nicht mehr ganz wahrheitsgem\u00e4\u00df dar usw. Unsere s\u00fcndhafte Natur hat auch etwas von einem Herodes. Viele Menschen haben mehr Interesse an Unterhaltung als an Jesus, verbringen lieber ihre Zeit mit YouTube, Google u.\u00c4. als mit Jesus. Wenn \u00fcberhaupt haben sie oft nur ein oberfl\u00e4chliches Interesse an Jesus, suchen bei Jesus die L\u00f6sung ihrer Probleme, aber nicht ihn als ihren Herrn und Erl\u00f6ser. Nicht nur die Leute von damals, sondern auch unsere S\u00fcnden, mit denen wir Jesus als K\u00f6nig abgelehnt haben, mit denen wir Drucksituationen und Gruppenzwang auf Kosten der Wahrheit nachgegeben haben, mit denen wir andere gerichtet und verurteilt haben usw., haben Jesus ans Kreuz geschlagen. Doch Jesu Gnade ist gr\u00f6\u00dfer. Er ist unser Hohepriester, der allezeit f\u00fcr uns bei Gott einsteht (Hebr. 4,15f; 8,1f). Zu ihm d\u00fcrfen und sollen (!) wir immer wieder mit unserer Schuldenlast kommen. Lasst uns einfach ehrlich zu ihm sein, wie schlimm auch unsere S\u00fcnde sein mag. Er vergibt, reinigt und stellt uns wieder her. Denn seine Gnade und sein Herz sind gr\u00f6\u00dfer. Lasst uns an seine Vergebung allezeit glauben und sie immer wieder neu in Anspruch nehmen. Dies ver\u00e4ndert uns und macht uns dem\u00fctiger, liebevoller, barmherziger, eben christus\u00e4hnlicher.<br \/>\nJesu gro\u00dfe Gnade leuchtet auch in den Versen 40 bis 43 auf. Diese Verse berichten von der Begegnung Jesu mit dem R\u00e4uber am Kreuz. Dieser Mann hatte erkannt, dass seine S\u00fcnde so schlimm ist, dass er die Strafe am Kreuz verdient hat. Er sagte zu seinem \u201eKollegen\u201c: \u201ewir empfangen, was unsere Taten wert sind\u201c (V.41). Dann hatte er ein einfaches Gebet gesprochen: \u201eHerr, gedenke an mich, wenn du in deiner K\u00f6nigsherrschaft kommst!\u201c (V.42). Sein Gebet macht zwei Dinge \u00fcber ihn klar: Erstens bat er Jesus um Gnade. Zweitens wollte er gerne unter der K\u00f6nigsherrschaft Jesu leben. Das war alles. Der Mann hatte gar nichts daf\u00fcr getan, um ins Paradies zu kommen. Der Mann war ja festgenagelt \u2013 er konnte gar nichts tun. Obwohl er ein Verbrecher war, sein ganzes Leben ohne Gott oder besser gesagt gegen Gott gelebt hatte, versicherte Jesus ihm: \u201eWahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein!\u201c (V.43). Was f\u00fcr eine Gnade! Jesu Tod am Kreuz ist so gn\u00e4dig, so kraftvoll, so wirkungsvoll, dass schon eine einfache Bitte darum reicht, um einen Verbrecher aus der Verdammnis in Jesu K\u00f6nigreich (Himmelreich) zu bef\u00f6rdern.<br \/>\nJesu Verhalten und sein Gebet am Kreuz m\u00fcssen f\u00fcr den R\u00e4uber B\u00e4nde gesprochen haben. Der R\u00e4uber hatte ja alles mitbekommen gehabt. Wie Jesus f\u00fcr seine Feinde betete, hat er mitbekommen gehabt. Er bekam mit, dass Jesus nichts sagte, als er verspottetet wurde. Er bekam mit, dass Jesus B\u00f6ses mit Gutem vergolten hatte. Er erkannte, dass Jesus die Gnade Gottes in Person ist. Bestimmt war es das, was ihm Zuversicht gab, Jesus um Gnade zu bitten: \u201eHerr, gedenke an mich.\u201c W\u00e4hrend andere in Jesus einen Verbrecher sahen, sah er in Jesus das, was Johannes in seinem Evangelium schreibt: \u201ewir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit\u201c (Joh. 1,14). Vers 44 berichtet, was im Anschluss vom Gespr\u00e4ch Jesu mit dem R\u00e4uber geschah. Es trat eine Finsternis \u00fcber das ganze Land ein. Sie dauerte von 15 bis 18 Uhr. Diese dreist\u00fcndige Finsternis steht f\u00fcr das Gericht Gottes. Eigentlich hatte der R\u00e4uber dieses Gericht verdient gehabt, eigentlich hatten wir dieses Gericht verdient gehabt. Doch stattdessen traf dieses Gericht Jesus. Und was war das Resultat davon? Vers 45 berichtet: Der Vorhang im Tempel zerriss in der Mitte hindurch. Dies ist ein wunderbares Bild daf\u00fcr, dass nun die Trennung zwischen dem heiligen Gott und dem S\u00fcnder aufgehoben war. Die Menschen in der ehem. DDR waren voller Freude, als die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland fiel. Eine jahrzehntelange Trennung war aufgehoben. Es war ein historisches Ereignis, das jedes Jahr neu gefeiert wird. Noch erfreulicher ist das Ende der Trennung zwischen Gott und Mensch. Wir kennen ja den Ausdruck: \u201eEs steht etwas zwischen uns\u201c. Das f\u00fchlt sich sehr belastend an. Aber eben das war die Lage der Menschen vor Gott. Es stand immer etwas zwischen ihnen und Gott, weil sie S\u00fcnder sind und Gott heilig ist. Gott war in gewisser Weise unnahbar f\u00fcr sie. Immer waren sie vor dem Vorhang, Gott hinter dem Vorhang. Aber Jesu Tod am Kreuz hob diese Trennung auf \u2013 es stand nun nichts mehr zwischen ihnen, es sei denn Menschen wollen von sich aus diese Trennung aufrechterhalten bzw. keine Vers\u00f6hnung mit Gott haben. Dank Jesu Tod darf jeder Gl\u00e4ubige aber im Frieden mit Gott, anstelle mit dem schlechten Gewissen, dass etwas zwischen ihm und Gott st\u00fcnde, leben. Es gibt nur zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder man nimmt im Glauben an, dass Jesus das Gericht Gottes f\u00fcr einen stellvertretend erlitten hat, oder man muss selbst durch das Gericht Gottes.<br \/>\nJesu unermessliche Gnade verdient allezeit unseren Dank und Anbetung. Wir d\u00fcrfen und sollen allezeit an die Gr\u00f6\u00dfe seiner Gnade glauben und wie der R\u00e4uber unsere ganze Hoffnung auf seine Gnade setzen. Wann immer uns unsere S\u00fcnden anklagen und verdammen, d\u00fcrfen und sollen wir sie zu Jesus bringen, uns von ihm reinigen lassen und dadurch im Frieden mit Gott leben.<br \/>\n_______<\/p>\n<p>[1] Das Volk hatte im Allgemeinen Jesus nicht als den Sohn Gottes erkannt. Es war schuld daran. Denn Jesus hatte sich durch Seine Worte, Werke und Wunder klar als den Sohn Gottes bezeugt. Zudem hatten Gott vom Himmel her sowie die Schrift selbst klares Zeugnis gegeben. Hinzu kam das klare Zeugnis von Johannes dem T\u00e4ufer, der vom Volk als Prophet Gottes anerkannt wurde. Insofern hatte es mit der Kreuzigung Jesu eine gro\u00dfe Schuld auf sich geladen. Nichtsdestotrotz w\u00e4re die Schuld immens gr\u00f6\u00dfer gewesen, wenn das Volk gewusst h\u00e4tte, dass Jesus der Sohn Gottes ist, und ihn dennoch gekreuzigt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>[2] vgl. <a href=\"https:\/\/jesus-der-christus.org\/index.php?title=Philosoph_Jean-Jacques_Rousseau\">https:\/\/jesus-der-christus.org\/index.php?title=Philosoph_Jean-Jacques_Rousseau<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Gnade inmitten voller Ungerechtigkeit \u201eJesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!\u201c (Lukas 23,34a) In der Menschheitsgeschichte hat es seit jeher viele grausamen Verbrechen gegeben. Doch das gr\u00f6\u00dfte Verbrechen der Menschheitsgeschichte bleibt oft unvergessen. Der heutige Text aus Lk. 23 berichtet davon: Die Kreuzigung Jesu Christi, des Sohnes Gottes. 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