{"id":11901,"date":"2023-09-24T11:00:21","date_gmt":"2023-09-24T09:00:21","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=11901"},"modified":"2025-12-02T19:12:37","modified_gmt":"2025-12-02T18:12:37","slug":"predigt-psalm-11-6-sonderlektion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-psalm-11-6-sonderlektion\/","title":{"rendered":"Predigt: Psalm 1,1-6 (Sonderlektion)"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/2023-SL-Psalm-1_0106-P.doc\">Download<\/a><\/strong><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Wer ist gl\u00fccklich?<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eEr ist wie ein Baum gepflanzt an B\u00e4chen voll Wasser, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Bl\u00e4tter nicht welken. Alles, was er tut, es wird ihm gelingen.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Psalm 1,3 [EH\u00dc2016])<\/p>\n<p>Tim Keller hatte einmal eine Predigtserie gehalten, mit dem Titel \u201eModerne Probleme \u2013 Alte L\u00f6sungen\u201c. Eines der \u201emodernen\u201c Probleme des Menschen ist, dass wir gl\u00fccklich sein wollen. Jeder Mensch will gl\u00fccklich sein. Auch diejenigen, die sich destruktiv verhalten. Die Frage ist, warum es ein \u201emodernes\u201c Problem ist. Vielleicht liegt das daran, dass es uns auf der einen Seite extrem gut geht: Wir hatten in Europa eine sehr lange Zeit der politischen Stabilit\u00e4t, wir leben in einem materiellen Reichtum, der vor 100 oder 200 Jahren absolut unvorstellbar war, wir haben ein extrem hochwertiges Gesundheitssystem, wir haben mehr Optionen, was Bildung und Karrieren angeht als es jemals der Fall war. Und trotzdem gibt es so viel ungl\u00fcckliche und unzufriedene Menschen.<br \/>\nViele kluge Menschen auf in unserer Zeit haben sich damit besch\u00e4ftigt, was den Menschen gl\u00fccklich macht. Wir gehen nachher noch ein wenig darauf ein. David Brooks hat vor einem Monat in der New York Times einen Artikel ver\u00f6ffentlicht, der sehr viel Aufsehen erregt und viel diskutiert wurde. Der Titel hie\u00df: \u201eUm gl\u00fccklich zu sein, ist die Ehe wichtiger als die Karriere.\u201c Das h\u00e4tten wir uns auch denken k\u00f6nnen. Brooks schreibt:<\/p>\n<p>\u201eWir k\u00f6nnten viel tun, um die Heiratsrate zu erh\u00f6hen, indem wir die L\u00f6hne erh\u00f6hen; finanzielle Unsicherheit hemmt die Heirat. Aber als Kultur k\u00f6nnten wir unser nationales Gl\u00fccksniveau verbessern, indem wir daf\u00fcr sorgen, dass sich die Menschen auf das konzentrieren, was prim\u00e4r ist \u2013 die Ehe und intime Beziehungen \u2013 und nicht auf das, was zwar wichtig, aber sekund\u00e4r ist \u2013 ihre Karrieren.\u201c<\/p>\n<p>Keine Frage, Partnerschaft und Beziehung k\u00f6nnen sehr zum Gl\u00fcck beitragen. Aber nicht jeder kann, und nicht jeder wird heiraten. Und viele Ehen sind ungl\u00fccklich. Und auch die besten Ehen haben ein Ende.<br \/>\nFrage ist wie wir zu gl\u00fccklichen Menschen werden k\u00f6nnen? Wer ist ein gl\u00fccklicher Mensch? Das ist f\u00fcr uns alle relevant. Und ob ihr es glaubt oder nicht, unser heutiger Text gibt eine profunde Antwort auf diese Frage. Ich m\u00f6chte euch gerne einladen, einen frischen Blick auf diesen alten und vielleicht auch bekannten Text zu werfen. Je mehr ich mich damit besch\u00e4ftigt habe, desto reichhaltiger und sch\u00f6ner fand ich ihn.<br \/>\nDer heutige Text sagt uns:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">1. Das gl\u00fcckliche Leben ist real<br \/>\n2. Wie der gl\u00fcckliche Mensch ist<br \/>\n3. Wie wir zu den Gl\u00fccklichen werden k\u00f6nnen<\/p>\n<p><strong>1. Das gl\u00fcckliche Leben ist real<\/strong><br \/>\nDas erste Wort, mit dem die 150 Psalmen beginnen, ist das Wort \u201egl\u00fccklich\u201c. Dieses Wort wird 25 weitere Male in den Psalmen erw\u00e4hnt. Das hebr\u00e4ische Wort ist \u201easre\u201c. Es wurde benutzt, wenn andere Personen auf die gesegnete Person blickten: \u201eWow, diese Person dort ist wirklich gesegnet! Diese Person hat ein gutes Leben!\u201c Die K\u00f6nigin von Saba gebrauchte dieses Wort, als sie \u00fcber das Throngefolge von Salomo sagte: \u201eGl\u00fccklich sind deine M\u00e4nner, gl\u00fccklich deine Diener, die allezeit vor dir stehen und deine Weisheit h\u00f6ren.\u201c Das ist die Bedeutung von diesem Wort. Viele Jahrhunderte sp\u00e4ter begann Jesus seine Bergpredigt mit den Worten \u201eselig&nbsp;\u2026\u201c, und er meinte damit ebenfalls \u201egl\u00fccklich\u201c.<br \/>\nWas wir hier unbedingt mitnehmen und verstehen m\u00fcssen, ist die Tatsache, dass das Gl\u00fcck real ist. Der Psalmist und Jesus haben nicht einfach von einem Zustand gesprochen, der theoretisch m\u00f6glich aber praktisch unm\u00f6glich ist. Sie machen Werbung daf\u00fcr: \u201eDas Gl\u00fcck ist real, und wenn du willst, dann kannst du zu einem gl\u00fccklichen und gesegneten Menschen werden. Wir w\u00fcnschen uns f\u00fcr dich, dass du gl\u00fccklich bist.\u201c Und das ist so wichtig, weil so viele Menschen desillusioniert sind.<br \/>\nIn dem Film \u201eDoctor Strange in the Multiverse of Madness\u201c muss die Hauptfigur mit ansehen, wie seine gro\u00dfe Liebe einen anderen Mann heiratet. Eine Schl\u00fcsselfrage, die in diesem Film immer wieder gestellt wird, ist: \u201eBist du gl\u00fccklich?\u201c Doctor Strange muss sich dieser Frage mehrmals stellen: \u201eBin ich gl\u00fccklich?\u201c, und ist \u00fcberzeugt davon, dass sein Gl\u00fcck an eine Liebe gebunden ist, die er nicht haben kann. Seine Gegnerin ist die m\u00e4chtige Zauberin Wanda Maximoff. Wie Doctor Strange ist sie ebenfalls auf der Suche nach ihrem Gl\u00fcck. Sie glaubt, dass ihr Gl\u00fcck davon abh\u00e4ngig ist, eine Mutter zu sein. F\u00fcr dieses Ziel ist sie bereit, ganze Welten in Schutt und Asche zu legen, nur um festzustellen, dass die Kinder, die sie f\u00fcr sich gewinnen wollte, sie abscheulich finden. Am Ende des Films fragt Strange Wong, seinen Freund und Mentor: \u201eBist du gl\u00fccklich?\u201c Wong ist \u00fcberrascht diese Frage zu h\u00f6ren. Doctor Strange erl\u00e4utert: \u201eIch dachte, die Welt zu retten, w\u00fcrde mich gl\u00fccklich machen. Aber dem ist nicht so.\u201c Am Ende findet er sich damit ab, dass er wohl niemals wirklich gl\u00fccklich sein wird, weil er nicht das haben kann, was er haben will.<br \/>\nVielleicht geht es euch \u00e4hnlich? Vielleicht glaubt ihr einfach nicht daran, dass es wahre Erf\u00fcllung und Freude und Gl\u00fcck gibt. Vielleicht denkt ihr auch, dass Gl\u00fcck einfach nur eine Illusion ist? Vielleicht denkt ihr, dass das Trachten nach Gl\u00fcck nichts anderes als Haschen nach dem Wind ist. Vielleicht seid ihr sogar ein wenig zynisch, was die Hoffnung auf ein gl\u00fcckliches Leben angeht. Der Text heute macht deutlich, dass das nicht stimmt. Gott will uns zu gl\u00fccklichen Menschen machen. Unser Gl\u00fcck liegt ihm am Herzen. Das Gl\u00fcck ist real. Vers 1 sagt: \u201eGl\u00fccklich der Mensch\u2026\u201c Und du kannst und darfst und sollst dieser gl\u00fcckliche Mensch werden.<\/p>\n<p><strong>2. Wie der gl\u00fcckliche Mensch ist<\/strong><br \/>\nVers 1 zeigt uns zum einen, wie der gl\u00fcckliche Mensch nicht ist: Er folgt nicht nach dem Rat der Frevler; er steht nicht auf dem Weg der S\u00fcnder; er sitzt nicht im Kreis der Sp\u00f6tter. Der Rat und der Weg beziehen sich auf das, was wir denken und wie wir uns verhalten. Drei Verben werden hier verwendet: gehen, stehen und sitzen. Viele Kommentatoren haben hier eine Steigerung gesehen. Es beginnt damit, dass man in die v\u00f6llig verkehrte Richtung geht, dass man auf dem falschen Weg verharrt also stehen bleibt; es endet damit, dass er dort sitzt, wo die Sp\u00f6tter sitzen. Sitzen bedeutet ein Dazugeh\u00f6ren. Diejenigen, mit denen man gemeinsam sitzt, das sind die Leute, zu denen man dazu geh\u00f6rt. Das ist mit ein Grund, weshalb die religi\u00f6sen Leiter sich so \u00fcber Jesus \u00e4rgerten: Jesus sa\u00df mit den S\u00fcndern und den Z\u00f6llnern. Er gab damit zu verstehen, dass er einer von ihnen war.<br \/>\nUm nicht falsch verstanden zu werden: In Vers 1 geht es nicht so sehr darum, mit wem wir abh\u00e4ngen. Man k\u00f6nnte den Eindruck bekommen, dass wir nicht zu viel Zeit mit \u201eS\u00fcndern\u201c verbringen sollten. Fakt ist, wir sind alle S\u00fcnder. Vers 1 spricht davon, wie wir denken, wie wir handeln, und was unsere Identit\u00e4t bestimmt. Es geht um die Frage, was unsere Gesinnung beeinflusst und bestimmt. Ist unser Gedankengut gr\u00f6\u00dftenteils von einer Weltanschauung gepr\u00e4gt, in der Gott \u00fcberfl\u00fcssig ist? Was ist das, womit wir unsere Herzen f\u00fcttern?<br \/>\nDen Kontrast finden wir dann in Vers 2: \u201esondern sein Gefallen hat an der Weisung des HERRN, bei Tag und bei Nacht \u00fcber seine Weisung nachsinnt\u201c. Die Gl\u00fccklichen sind diejenigen, die Freude am Gesetz haben. Und das ist vielleicht f\u00fcr viele von uns schwer begreiflich und schwer zug\u00e4nglich. Wiederum haben wir hier zwei Verben, die in engem Zusammenhang stehen. Auf der einen Seite hat man richtig Lust auf das Wort Gottes. Man freut sich darauf, man kann nicht genug davon kriegen, man liebt es. Auf der anderen Seite besch\u00e4ftigt man sich damit Tag und Nacht. Das Wort Nachsinnen hei\u00dft sprichw\u00f6rtlich, es mit leiser Stimme vor sich herzusagen. Damals hat man laut und h\u00f6rbar gelesen. Das tut der Psalmist. Und der Kreislauf geht dann folgenderma\u00dfen: Weil man Lust am Gesetz hat, besch\u00e4ftigt man sich damit Tag und Nacht; weil man sich mit dem Gesetz Tag und Nacht besch\u00e4ftigt, hat man immer mehr Lust daran.<br \/>\nWie ist dann also der gl\u00fcckliche Mensch? Negativ ausgedr\u00fcckt: Er l\u00e4sst seine Gesinnung und sein Verhalten nicht von dem bestimmen, was gottlos und verkehrt ist: Positiv formuliert: Er hat eine gesunde Sucht nach dem Wort Gottes und l\u00e4sst sich davon Tag und Nacht f\u00fcttern. Das ist der gl\u00fcckliche Mensch.<br \/>\nIn den Versen 3 und 4 finden wir einen weiteren, krassen Kontrast. Die Auswirkungen der jeweiligen Lebensmodelle werden bildhaft miteinander verglichen. Vers 3: \u201eEr ist wie ein Baum, gepflanzt an B\u00e4chen voll Wasser, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Bl\u00e4tter nicht welken. Alles, was er tut, es wird ihm gelingen.\u201c Wir alle k\u00f6nnen dieses Bild gut nachvollziehen. Wir hatten in den vergangenen Jahren einige richtig trockene Sommer, in denen es teilweise monatelang D\u00fcrre gab. Die B\u00e4ume sahen am Ende des Sommers gar nicht gut aus. Auf dem Weg nach Darmstadt fahre ich an einen Wald vorbei, der zu einem gro\u00dfen Teil aus Baumleichen besteht, weil die B\u00e4ume mit der Hitze und D\u00fcrre nicht klarkommen. Ein Baum der am Bach gepflanzt ist, hat dieses Problem nicht. Seine Wurzeln reichen in die Tiefe. Er wird niemals Mangel an Wasser haben.<br \/>\nDer Gegensatz in Vers 4 k\u00f6nnte nicht gr\u00f6\u00dfer sein: \u201eNicht so die Frevler: Sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.\u201c Ein Baum hat Substanz und Gewicht und etwas Bleibendes. Seine Wurzeln reichen so tief in die Erde, dass ein wenig Wind ihm nichts anhaben kann. Spreu ist genau das Gegenteil davon. Es hat keine Substanz, kaum Gewicht, nichts Bleibendes; und es hat auch keinen besonderen Wert. Wind war eines der Mittel der Wahl, um die Spreu vom Weizen zu trennen.<br \/>\nDie Konsequenz dessen wird in den Versen 5 und 6 erl\u00e4utert: \u201eDarum werden die Frevler im Gericht nicht bestehen noch die S\u00fcnder in der Gemeinde der Gerechten. Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten, der Weg der Frevler aber verliert sich.\u201c Wir erinnern uns an die Geschichte im Buch Daniel. Der babylonische K\u00f6nig feiert ein gro\u00dfes Fest und entweiht die Gef\u00e4\u00dfe aus dem Tempel in Jerusalem. Aus dem Nichts taucht eine Hand auf, die etwas auf die Wand schreibt. Der K\u00f6nig wird kreidebleich. Er ruft den Propheten Daniel, der diese Worte \u00fcbersetzt. Gott hatte die Tage seiner Herrschaft gez\u00e4hlt und ihnen ein Ende bereitet. Der K\u00f6nig wurde gewogen und f\u00fcr zu leicht befunden. Dieser prunkvolle Herrscher war wie Spreu. Er hatte keine Substanz, kein Gewicht, keinen bleibenden Wert.<br \/>\nBevor wir fortfahren, wollen wir kurz dar\u00fcber nachdenken, was es praktisch f\u00fcr uns bedeutet. Das Bild von dem Baum verdeutlicht uns eine wichtige Sache: Der gl\u00fcckliche Mensch ist ein Prozess. Es passiert nicht von heute auf morgen. Es braucht Wachstum und stetige Ver\u00e4nderung. Wenn wir uns das biologische Wachstum anschauen, egal ob es Pflanzen sind, oder die Vermehrung von Bakterien oder Hefe oder das Wachstum von Kindern oder das von unseren Haaren und Fingern\u00e4geln: Was alle diese Prozesse gemeinsam haben, ist, dass es so langsam vonstatten geht, dass wir das Wachstum nicht wirklich sehen k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen noch so angestrengt hinschauen, wir werden das Wachstum nicht in Echtzeit sehen. Und trotzdem wird alles, was lebt, wachsen. Erst nach Wochen oder Monaten f\u00e4llt uns auf: \u201eDas ist aber gro\u00df geworden.\u201c<br \/>\nHier ist der Punkt: Wir alle ver\u00e4ndern uns. Einer meiner Lieblingsprediger hat einen Youtube-Kanal. Er beginnt manche seiner Videos mit folgenden Worten: \u201eDu wirst dich heute ver\u00e4ndern. Also warum nicht zum Besseren ver\u00e4ndern?\u201c Und diese Worte sind so wahr: Ob du willst oder nicht, ob du dir dessen bewusst bist oder nicht, du wirst dich heute ver\u00e4ndern. Die Frage ist, ob wir uns zum Guten oder zum Schlechten hin ver\u00e4ndern. Thomas Friedman schrieb vor ein paar Jahren: \u201eWenn Menschen an die Spitze einer Organisation aufsteigen und Macht erlangen, tun sie gew\u00f6hnlich eines von zwei Dingen: Entweder sie schwellen an oder sie wachsen.\u201c Wachstum ist ein gesundes, organisches Gr\u00f6\u00dfer- und St\u00e4rkerwerden. Anschwellen ist ein ungesundes, unorganisches und krankhaftes Gr\u00f6\u00dferwerden.<br \/>\nDu wirst dich heute ver\u00e4ndern. Du hast heute die M\u00f6glichkeit, ein wenig mehr in Liebe und Freude und Hoffnung zu wachsen; oder du hast die M\u00f6glichkeit anzuschwellen, bitterer, zynischer und egoistischer zu werden. Wachstum ist anstrengend. Wachstum ist h\u00e4ufig schmerzhaft. Wachstum bedeutet Verletzlichkeit.<br \/>\nC.S. Lewis hat einmal folgendes geschrieben:<br \/>\n\u201eZu lieben bedeutet, verletzlich zu sein. Wenn du irgendetwas liebst, wird dein Herz ausgewrungen und m\u00f6glicherweise gebrochen. Wenn du sicher sein willst, dass es unversehrt bleibt, darfst du es niemandem schenken, nicht einmal einem Tier. Umschlie\u00dfe es sorgf\u00e4ltig mit Hobbys und kleinen Gen\u00fcssen; vermeide alle Verwicklungen. Schlie\u00dfe dein Herz sicher ein in den Sarg deiner Selbstsucht. Aber in diesem Sarg, sicher, dunkel, unbeweglich, luftlos, wird es sich ver\u00e4ndern. Es wird nicht zerbrechen; es wird unzerbrechlich, undurchdringlich, unausl\u00f6schlich werden.\u201c<br \/>\nDas sind die zwei M\u00f6glichkeiten, die wir jeden Tag aufs Neue haben.<br \/>\nWer ist der gl\u00fcckliche Mensch? Wir haben gesehen, dass es ein Weg ist, ein Wachstumsprozess, eine Ver\u00e4nderung unseres Herzens und unseres Lebens. Zwei Wege werden uns in diesem Psalm vorgestellt. Wir k\u00f6nnen uns nur in zwei v\u00f6llig entgegengesetzte Richtungen ver\u00e4ndern. Welche Ver\u00e4nderung wirst du heute erfahren?<\/p>\n<p><strong>3. Wie wir zu den Gl\u00fccklichen werden k\u00f6nnen<\/strong><br \/>\nDas Geheimnis des gl\u00fccklichen Lebens ist eine st\u00e4ndige Besch\u00e4ftigung mit dem Wort. Das ist es, was uns ver\u00e4ndert. Wir wollen im letzten Teil dar\u00fcber nachdenken, wie das genau geschieht. Ein Prediger hat mal etwas scherzhaft gemeint, dass wir die Bibel mehr lesen und mehr studieren m\u00fcssen. Stellen wir uns folgendes Szenario vor:<br \/>\nWir sind im Reich Gottes. Der Engel Gabriel fragt uns, welchen von den ber\u00fchmten Menschen der Bibel wir gerne als erstes kennenlernen wollen. Vielleicht Apostel Johannes? Oder Paulus? Oder David? Es stellt sich heraus, dass sich vor jeden dieser Leute eine lange Schlange gebildet hat. Das wird noch eine Weile dauern, bis wir mit ihnen reden k\u00f6nnen. Aber dann sagt er uns: \u201eIch stelle euch einer anderen biblischen Ber\u00fchmtheit vor.\u201c Wenig sp\u00e4ter kommt ein Mann auf uns zu. Wir fragen ihn: \u201eWer bist du?\u201c Er antwortet: \u201eIch bin Zefanja. Und? Wie fandet ihr das Buch, das ich geschrieben habe?\u201c W\u00fcrden wir in dieser Situation wirklich darauf antworten m\u00fcssen: \u201eEs tut mir so leid. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern.\u201c Und w\u00e4hrend wir uns in Grund und Boden sch\u00e4men, kommt ein anderer Mann auf uns zu. Er hei\u00dft Obadja und hatte auch ein Buch geschrieben.<br \/>\nFrage: Wie k\u00f6nnen wir zu den Menschen werden, die sich liebend gerne Tag und Nacht mit dem Gesetz besch\u00e4ftigen? Drei Dinge m\u00fcssen wir verstehen. Zum einen, im Wort Gottes geht es nicht prim\u00e4r um Regeln, sondern um Geschichte. Vers 2 verwendet das Wort Gesetz (torah). Bei Gesetzen denken wir vielleicht an etwas, was ungef\u00e4hr so spannend ist wie das B\u00fcrgerliche Gesetzbuch. Aber mit Gesetz gemeint waren in der Regel die f\u00fcnf B\u00fccher Mose, die Heilige Schrift, die es damals gab. Wenn wir diese B\u00fccher lesen, merken wir schnell, dass es haupts\u00e4chlich um Narrative geht. Es ist die Geschichte von der Erschaffung der Welt, die Geschichte der Patriarchen, die Geschichte der Befreiung Israels aus der Sklaverei. Die Geschichte war das, was die Identit\u00e4t des Volkes Israel pr\u00e4gte. Und das ist viel ansprechender und anregender als ein Katalog von moralischen Geboten und Verboten. Oder anders gesagt, die Gebote des Volkes Israel sind untrennbar mit seiner Geschichte verbunden.<br \/>\nDas bringt uns zum n\u00e4chsten Punkt, in Gottes Wort geht es nicht um irgendeine Geschichte, sondern es geht um unsere Geschichte. Wie k\u00f6nnen wir zu den Menschen werden, die sich Tag und Nacht mit Gottes Wort auseinandersetzen? Wenn wir verstehen, dass die Geschichte, die von Gott und Israel handelt, auch unsere Geschichte ist. Es geht um unser Leben, es geht um unsere Rettung, es geht darum, wie der Gott Israels auch zu unserem pers\u00f6nlichen Gott wird; und es geht darum, wie aus allen Menschen, die das pers\u00f6nlich erfahren, die Familie Gottes wird. Zu Beginn der Predigt habe ich Gl\u00fccksforscher zitiert, die gesagt haben, dass Ehe gl\u00fccklicher macht als Karriere. Und da ist etwas Wahres dran. Beziehung kann gl\u00fccklich machen. Es ist aber prim\u00e4r die Beziehung zu dem Gott, der uns geliebt hat und uns gerettet hat. Und es ist die Beziehung zu anderen Menschen aufgrund der Tatsache, dass wir von Gott geliebt und gerettet sind. Das ist das, was uns gl\u00fccklich macht.<br \/>\nN.T. Wright ist einer der gr\u00f6\u00dften Theologen unserer Zeit, der das neue Testament routinem\u00e4\u00dfig auf Griechisch liest und der mehr \u00fcber die Bibel wei\u00df als wir alle zusammengenommen. Er wurde gefragt, wo er sonntags den Gottesdienst besucht. Und der Interviewer meinte dann: \u201e\u2026 also, ich w\u00fcrde nicht gerne der Pastor der Gemeinde sein wollen, in der N.T. Wright in der Zuh\u00f6rerschaft sitzt.\u201c Bei jedem zweiten Satz k\u00f6nnte jemand wie er denken: \u201eDas stimmt nicht ganz; das ist aber schlecht recherchiert; da hat er aber den biblischen Text v\u00f6llig missverstanden.\u201c Wright antwortete darauf: \u201eWenn ich sonntags in den Gottesdienst gehe, dann bin ich ein Christ wie jeder andere. Ich muss ebenfalls das Evangelium von Jesus Christus h\u00f6ren. Ich muss ebenfalls die Botschaft h\u00f6ren, dass Gott mich liebt.\u201c Und das fand ich wunderbar. In unserer pers\u00f6nlichen und gemeinsamen Besch\u00e4ftigung mit dem Wort Gottes sollte es vor allem darum gehen: Wir brauchen die gute Nachricht, was Gott in Jesus Christus f\u00fcr uns getan hat, um uns zu erl\u00f6sen. Und wir m\u00fcssen immer wieder aufs Neue h\u00f6ren, wie sehr Gott uns liebt.<br \/>\nAls letztes, wir m\u00fcssen zwischen Gl\u00fcck und Vergn\u00fcgen unterscheiden. Vor einiger Zeit hatte ich aus einem Artikel zitiert, in dem ein weiser Autor schrieb: \u201eW\u00e4hlen Sie Genuss statt Vergn\u00fcgen. Vergn\u00fcgen macht s\u00fcchtig und ist tierisch; Genuss ist gewollt und menschlich.\u201c Zur Unterscheidung: Vergn\u00fcgen ist Spa\u00df und Freude, die wir einfach so auf Knopfdruck haben wollen. Genuss ist eine Freude, in welche wir Zeit, M\u00fche und Arbeit investieren m\u00fcssen, um ihn zu haben. Ein paar Beispiele: Wenn wir Hunger haben und schnell etwas bei McDonalds holen, ist das Vergn\u00fcgen; unser Hunger wird zumindest kurzzeitig gestillt. Die Zucker, Fette und Salze, die in diesem Essen enthalten sind, machen Freude. Aber wir alle sind uns darin einig, dass ein mit Liebe zu Hause zubereitetes Essen aus guten Zutaten, das mit Freunden oder in der Familie genossen wird, das Potenzial hat, uns auf eine ganz andere und viel l\u00e4ngerfristige Weise Freude zu bereiten. Oder, wenn uns langweilig ist, dann k\u00f6nnten wir den ganzen Tag auf der Couch rumh\u00e4ngen und eine neue Serie bei Netflix \u201ebinge-watchen\u201c; das macht Freude. Aber es ist qualitativ nichts zu der Freude, die man haben kann, wenn man raus geht an die frische Luft, um den Tag drau\u00dfen in der Natur zu genie\u00dfen.<br \/>\nHier ist die gro\u00dfe Frage an uns: Auf einer Skala von 0 bis 100, (Null bedeutet langweilig ohne Ende und Hundert bedeutet die beste Zeit unseres Lebens), wie viel Freude und wie viel Spa\u00df macht uns das Lesen in der Bibel? Was w\u00fcrden wir sagen? In dem Film \u201eOwning Mahowny\u201c, geht es um einen Bankangestellten, der spiels\u00fcchtig wird. Er kommt schlie\u00dflich ins Gef\u00e4ngnis, weil er seine Bank um einige Millionen Dollar betrogen hatte, die er komplett verzockt hatte. Am Ende des Films, nachdem er seine Haftstrafe abgesessen hat, wird er gefragt, wie viel Vergn\u00fcgen ihm das Zocken bereitet, auf einer Skala von 0 bis 100. Er windet sich etwas und sagt dann: \u201e100.\u201c Dann fragt der Therapeut ihn: \u201eWie viel Vergn\u00fcgen hast du maximal au\u00dferhalb des Zockens?\u201c Er \u00fcberlegt lange und antwortet: \u201e20.\u201c Und dann fragt sein Therapeut: \u201eKannst du dir vorstellen, den Rest deines Lebens mit einem maximalen Vergn\u00fcgen von 20 zu leben?\u201c Mahowney antwortet: \u201eJa. 20 ist gut.\u201c Der Film beruht auf einer wahren Begebenheit. Mahowney hat nie wieder gezockt. Warum? Weil Zocken trotz des Vergn\u00fcgens sein Leben ruiniert hatte. Und weil Zocken ihn nicht gl\u00fccklich machte, ganz anders als zum Beispiel die Beziehung zu seiner Frau.<br \/>\nVergn\u00fcgen und Gl\u00fcck sind nicht dasselbe. Und ja, es gibt Momente, in denen es anstrengend sein kann, die Bibel zu lesen. Es gibt sehr viele Momente, in denen wir liebend gerne etwas anderes tun wollen. Aber wenn wir uns auf Gott und sein Wort einlassen, wenn wir Teil werden von Gottes gro\u00dfer Rettungs- und Liebesgeschichte, wenn dieses Drama uns anf\u00e4ngt zu packen, dann beginnen wir eine Reise. Wir machen uns auf den Weg, die gl\u00fccklichsten Menschen zu werden, die wir sein k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Wer ist gl\u00fccklich? \u201eEr ist wie ein Baum gepflanzt an B\u00e4chen voll Wasser, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Bl\u00e4tter nicht welken. Alles, was er tut, es wird ihm gelingen.\u201c (Psalm 1,3 [EH\u00dc2016]) Tim Keller hatte einmal eine Predigtserie gehalten, mit dem Titel \u201eModerne Probleme \u2013 Alte L\u00f6sungen\u201c. 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