{"id":11830,"date":"2023-07-23T11:00:20","date_gmt":"2023-07-23T09:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=11830"},"modified":"2025-02-04T05:38:39","modified_gmt":"2025-02-04T04:38:39","slug":"fragebogen-1-timotheus-51-25-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/fragebogen-1-timotheus-51-25-2\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Timotheus 5,1-25"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/2023_1Tim-5-0125_P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 class=\"western\" align=\"center\">Die Gemeinde: deine Familie<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eEhre die Witwen, wenn sie wirklich Witwen sind!\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Timotheus 5,3)<\/p>\n<p>Wir haben gesehen, dass es zum Verst\u00e4ndnis vom 1. Timotheusbrief einen wichtigen Schl\u00fcssel gibt: Falsche Lehrer trieben ihr Unwesen in der Gemeinde von Ephesus. Sehr wahrscheinlich waren unter den falschen Lehrern \u00c4lteste. Und wir k\u00f6nnen ziemlich sicher davon ausgehen, dass Frauen ein Teil dieses Problems waren. Paulus geht das Problem an, indem er sehr konkrete und sehr spezifische Anweisungen gibt, was Timotheus inmitten dieser Situation tun sollte \u2013 so spezifisch, dass er ihm sogar in Vers 23 sagt, dass er nicht nur Wasser trinken sollte, sondern auch etwas Wein.<br \/>\nDieser Hintergrund ist wichtig zum Verst\u00e4ndnis unseres heutigen Texts. Es geht darum, wie die Witwen in der Gemeinde versorgt werden sollten. Wir k\u00f6nnten meinen, dass das nur bedingt etwas mit unserer Gemeinde zu tun hat. Wir sind immer noch eine relativ junge Gemeinde. Wir scheinen andere Probleme zu haben, als uns um Hinterbliebene zu k\u00fcmmern. Und doch glaube ich daran, dass uns dieser Text richtig viel zu sagen hat. Es stecken ein paar Annahmen dahinter, die richtig relevant f\u00fcr uns sind.<br \/>\nFolgende Punkte k\u00f6nnen wir mitnehmen: erstens, die Gemeinde ist deine Familie; zweitens, jede Familie braucht Regeln zum Zusammenleben; drittens, die christliche Familie hat eine identit\u00e4tsstiftende Grundlage.<\/p>\n<p><strong>1. Die Gemeinde ist deine Familie<\/strong><br \/>\nWir sehen den ersten Punkt in den ersten zwei Versen. Wir lesen da: \u201eEinen \u00e4lteren Mann sollst du nicht grob behandeln, sondern ihm zureden wie einem Vater. Mit j\u00fcngeren M\u00e4nnern rede wie mit Br\u00fcdern, mit \u00e4lteren Frauen wie mit M\u00fcttern, mit j\u00fcngeren wie mit Schwestern, in aller Zur\u00fcckhaltung!\u201c Timotheus war der tempor\u00e4re Leiter in Ephesus. Als Leiter hatte er eine ganze Reihe von schwierigen Gespr\u00e4chen zu f\u00fchren. Wir k\u00f6nnen davon ausgehen, dass es bei einigen von diesen Gespr\u00e4chen richtig zur Sache ging, dass der Ton etwas rauer werden konnte. Aber das sollte Timotheus nicht davon abhalten, respektvoll zu sein. Timotheus sollte \u00e4ltere M\u00e4nner niemals hart angehen. Paulus sagte nicht, dass Timotheus die \u00e4lteren M\u00e4nner nicht ermahnen sollte. Wenn es entsprechenden Grund gab, sollte er das tun. Aber er sollte es so tun, wie er seinen eigenen Vater ermahnen w\u00fcrde: mit Liebe und Respekt.<br \/>\nIn diesen zwei Versen erw\u00e4hnt Paulus V\u00e4ter, M\u00fctter, Br\u00fcder und Schwestern. Uns f\u00e4llt hier auf, welche Arten von Verwandtschaften Paulus nicht erw\u00e4hnt. Paulus spricht nicht von Onkeln und Tanten oder Nichten und Neffen; er erw\u00e4hnt keine Opas und Omas oder Enkelkinder; er nennt hier auch keine Cousins und Cousinen, zweiten oder dritten Grades. Er spricht von den engsten Familienmitgliedern, die man haben kann. Au\u00dfer dem Ehepartner gibt es keine engere Bindung. Viele Stellen in der Bibel weisen uns darauf hin, dass wir innerhalb der Gemeinde Br\u00fcder und Schwestern sind. In Matth\u00e4us 23,8 sagte Jesus: \u201eIhr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Br\u00fcder.\u201c Und Jesus hatte damit gemeint, dass die Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen aus Br\u00fcdern und Schwestern besteht.<br \/>\nWas bedeutet das dann f\u00fcr uns? Mindestens zwei Anwendungen k\u00f6nnen und sollten wir hier unbedingt mitnehmen. Zum einen bedeutet es, dass unsere Beziehungen hier in dieser Gemeinde wirklich wichtig sind. \u00dcbrigens gilt das nicht nur f\u00fcr unsere lokale Gemeinde hier, sondern definitiv auch gemeinde\u00fcbergreifend. Aber weil Jesus uns gelehrt hat, dass wir unsere N\u00e4chsten lieben sollen, lass uns gerne hier in diesem Raum anfangen. Neben dir, vor dir und\/oder hinter dir sitzen dein Bruder und deine Schwester. Die Person, neben der du sitzt, ist nicht egal. Sie kann dir nicht gleichg\u00fcltig sein. Und vielleicht bist du hier reingekommen und hast erst einmal geschaut, neben wem du dich sitzen kannst. Vielleicht dachtest du, dass du mit der Person neben dir, nichts gemeinsam hast, weil du denkst, dass ihr Null gemeinsame Interessen habt, weil ein kultureller Unterschied besteht, weil der Altersabstand zu gro\u00df ist. Wenn du eher zu den \u00c4lteren geh\u00f6rst, dachtest du vielleicht, dass du mit der j\u00fcngeren Person neben dir nichts anfangen kannst, weil er oder sie jeden zweiten Satz mit den Worten beginnt: \u201eEy Digger&nbsp;\u2026\u201c Wenn du zu den J\u00fcngeren geh\u00f6rst, denkst du vielleicht, dass du mit den \u00c4lteren nichts anfangen kannst, weil sie noch nicht einmal wissen, was TikTok ist.<br \/>\nAber Fakt ist, dass wir uns da nicht mehr irren k\u00f6nnten. Das, was dich mit der Person neben dir verbindet, ist gr\u00f6\u00dfer, st\u00e4rker, weitreichender, langanhaltender als die Beziehungen zu deiner leiblichen Familie, weil Jesus eure gemeinsame Grundlage ist. Der kleinste gemeinsame Nenner ist Jesus, und Jesus ist gr\u00f6\u00dfer als das ganze Universum. Die Person, neben der du gerade sitzt, ist wichtig. Die Person, neben der du sitzt, ist dein Bruder und deine Schwester. Eines Tages wirst du deine ganze Ewigkeit mit ihm oder mit ihr verbringen. Also fang besser jetzt schon an, dich f\u00fcr die andere Person zu interessieren. Fang jetzt schon an, deren Wohlbefinden auf deinem Herzen zu haben.<br \/>\nEine weitere Anwendung hat etwas mit dem Aspekt der Qualit\u00e4t der Beziehungen zu tun. Denken wir einmal kurz \u00fcber die Beziehungen nach, die wir in unserem Leben haben: unsere Freundschaften, der oder die Ehepartner\/in oder Verlobte, unsere Eltern, unsere Kinder, die Kollegen, die Mannschaft im Sportverein, unser Bekanntenkreis. Im Prinzip ist es so, dass man zwei Arten von Beziehungen unterscheiden kann, ganz grob gesprochen. Auf der einen Seite sind Gesch\u00e4ftsbeziehungen und dann gibt es Bundesbeziehungen. Und das erfordert ein paar erkl\u00e4rende Worte.<br \/>\nWenn wir das Wort \u201eGesch\u00e4ftsbeziehungen\u201c h\u00f6ren, dann denken wir an unser Berufsleben, die Kunden, um die wir uns k\u00fcmmern m\u00fcssen, Networking usw. Das, was diese Art von Beziehungen im Wesen ausmacht, ist, dass sie an Bedingungen gekn\u00fcpft sind. Solange wir einen Benefit haben, solange es uns etwas bringt, bleiben wir in dieser Beziehung. Wenn wir aber merken, dass wir dauerhaft mehr investieren m\u00fcssen als wir herausbekommen, dass es uns nur Nachteile, M\u00fche, Strapazen und Stress bringt, dann beenden wir diese Beziehung. Gesch\u00e4ftsbeziehungen sind kein Selbstzweck.<br \/>\nBundesbeziehungen funktionieren ganz anders. Sie beruhen auf der Tatsache, dass wir ein Versprechen abgeben, dass wir uns freiwillig dazu verpflichten. Wenn wir uns auf eine solche Beziehung einlassen, dann verbleiben wir auch dann noch darin, wenn es uns Nachteile bringt. Wir bleiben auch dann noch in der Beziehung, wenn es uns nichts als Nachteile bringt. Denken wir zum Beispiel an unsere Kinder: wir pflegen und hegen sie, ern\u00e4hren sie, haben schlaflose N\u00e4chte ihretwegen, kleiden und baden sie, und lesen ihnen zum tausendsten Mal ihr Lieblingsbuch vor, das wir schon l\u00e4ngst auswendig gelernt haben. Und was ist der Dank? Sie werden Teenager und sagen uns: \u201eWas hast du denn jemals f\u00fcr mich getan? Du verstehst mich nicht! Ich will nichts mehr mit dir zu tun haben!\u201c Nichts als \u00c4rger.<br \/>\nIch kann mich an eine Situation erinnern, in der ich mich (nat\u00fcrlich v\u00f6llig zurecht) \u00fcber eine Person ge\u00e4rgert habe. Ich wei\u00df nicht mehr, was genau ich in dieser Situation gesagt hatte. Aber meine Frau hatte sich das angeh\u00f6rt, und dann zu mir gesagt: \u201eDas, was du damit sagst, hei\u00dft ja nichts anderes als dass deine Liebe an Bedingungen gekn\u00fcpft ist.\u201c Meine Antwort darauf war: \u201eGenau, meine Liebe ist konditional. Ich liebe unsere Kinder so lange, wie sie sich zu benehmen wissen!\u201c<br \/>\nIch hatte mich mit Kollegen unterhalten, wie sie mit ihren Kindern klarkommen. Und einer von ihnen sagte zu mir: \u201eIch sehe die M\u00fchen und Opfer als einen Generationenvertrag.\u201c Obwohl Kindererziehung echt anstrengend ist, bleiben wir in dieser Beziehung und absorbieren den ganzen Schmerz. Wir enterben die Kinder nicht einfach (zumindest noch nicht). Warum? Weil wahre Liebe bedingungslos ist. Weil die Beziehung an sich einen Wert hat. Und wisst ihr was? Am Ende des Tages machen uns diese Art von Bundesbeziehungen viel gl\u00fccklicher. Es macht das Leben erst lebenswert.<br \/>\nDas Problem unserer westlichen Gesellschaft ist, dass so viele unserer Beziehungen selbst unter Freunden oder in der Gemeinde oder selbst beim Ehepartner, meistens unbewusst als Gesch\u00e4ftsbeziehungen gelebt werden. Vermutlich ist das einer der Hauptgr\u00fcnde, weshalb mehr als ein Drittel der Ehen in Deutschland geschieden werden: \u201eWarum sollte man in einer Ehe leben, in der man selbst nicht gl\u00fccklich wird?\u201c Damit meine ich nicht h\u00e4uslichen Missbrauch und Gewalt: Nat\u00fcrlich sollte man aus einer Beziehung raus, in der man misshandelt wird. Aber in unserer Kultur ist der Glaube tief verankert, dass Ehe und Partnerschaft dazu da sind, dich gl\u00fccklich zu machen; und wenn du in der Partnerschaft nicht gl\u00fccklich bist, dann ist es die Beziehung nicht wert.<br \/>\nWir sehen \u00c4hnliches auch in der Gemeindezugeh\u00f6rigkeit. Tim Keller schrieb in einem Aufsatz: \u201eGl\u00e4ubige wechseln oft die Gemeinde und die christliche Gemeinschaft, sobald sie sich in einer ihrer Beziehungen unwohl oder ungl\u00fccklich &#8211; oder auch nur gelangweilt und uninspiriert &#8211; f\u00fchlen.\u201c Und genau so sollten die Beziehungen in der Gemeinde nicht sein. Br\u00fcder und Schwestern zu sein, bedeutet, dass wir einander eine verbindliche Zusage machen; dass wir auch dann f\u00fcreinander einstehen, wenn es unangenehm ist oder gar nicht gut l\u00e4uft. Die Beziehungen in der Gemeinde sind kategorisch Bundesbeziehungen, nicht Gesch\u00e4ftsbeziehungen.<br \/>\nEin letztes Beispiel, bevor ich weitermache. Vor einigen Wochen waren die christlichen Hochschulgruppenleiter bei uns zu Hause zum Fr\u00fchst\u00fcck. Pastor J.L. war auch dabei. Es gab eine ziemlich lange und verfahrene Diskussion, weil bei einer gemeinsamen Veranstaltung ein Prediger eine ziemlich kontroverse Predigt gehalten hatte. Mitarbeiter der einen Hochschulgruppe hatten den Raum verlassen, weil sie mit der Predigt nicht klarkamen. Ihr Leiter stellte sich hinter seine Mitarbeiter. Am gleichen Tisch sa\u00df aber gleichzeitig derjenige, der den Prediger eingeladen hatte, und er f\u00fchlte sich pers\u00f6nlich angegriffen. Es ging eine ganze Weile hin und her. Irgendwann hat J.L. interveniert. J.L. wendete sich an den Leiter, dessen Leute w\u00e4hrend der Versammlung gegangen waren. Und er sagte einen dieser S\u00e4tze, die ich nicht vergessen kann: \u201eDu bist ein Leiter. Also tr\u00e4gst du Mitverantwortung f\u00fcr den Prediger, auch wenn du mit der Nominierung nicht einverstanden warst. Es ist ein Prinzip christlicher Einheit, auch das mitzutragen, was nicht gut l\u00e4uft, und jemanden den R\u00fccken freizuhalten, auch wenn man nicht einverstanden ist.\u201c Es bedeutet nicht, dass kein Raum f\u00fcr Ermahnung vorhanden ist; es bedeutet nicht, dass man nicht sagt, wenn einem etwas nicht passt. Aber es bedeutet, dass die Beziehung im Vordergrund steht; dass wir auch dann zur Beziehung stehen, wenn es uns wirklich kostet, einschlie\u00dflich unserer Glaubw\u00fcrdigkeit.<br \/>\nWelche Beziehungen hast du, die nicht Gesch\u00e4ftsbeziehungen sind, wo es nicht prim\u00e4r um deine Erf\u00fcllung, um dein Gl\u00fcck und um deine Bed\u00fcrfnisse geht? Welche Beziehungen hast du in der Gemeinde?<\/p>\n<p><strong>2. Jede Familie braucht Regeln im Zusammenleben<\/strong><br \/>\nIn den Versen 3\u201316 gibt Paulus Anweisungen bez\u00fcglich der Versorgung der Witwen. Wir alle wissen, dass Witwen damals in einer extrem verletzlichen Lage waren. In der Regel waren Witwen auf Hilfe von au\u00dfen angewiesen. In der Bibel sind Witwen ein Sinnbild f\u00fcr Hilfsbed\u00fcrftigkeit. Aber was in den Augen der Menschen gering aussieht, ist so wertvoll in Gottes Augen. Wir lesen in Vers 5: \u201eEine Frau aber, die wirklich eine Witwe ist und allein steht, setzt ihre Hoffnung auf Gott und betet beharrlich und inst\u00e4ndig bei Tag und Nacht.\u201c Uwe Sch\u00e4fer hatte sich voller Respekt \u00fcber die alten Frauen ge\u00e4u\u00dfert, die beten k\u00f6nnen: \u201eUnd wenn sie dann auch noch anfangen, im Gebet zu weinen, dann bekommen sie bei Gott einfach alles durch.\u201c In Boston hatte ich einmal an einem christlichen Symposium teilgenommen, wo auch ein Vertreter der russischen Kirche gesprochen hatte. Er erz\u00e4hlte, wie jemand etwas ver\u00e4chtlich \u00fcber die Gemeinde Jesu in Russland gesagt hatte: \u201eEure Gemeinde besteht doch nur aus alten Frauen. Was macht ihr, wenn eure alten Frauen tot sind?\u201c Seine Antwort war: \u201eSie werden durch die n\u00e4chste Generation von alten Frauen ersetzt.\u201c<br \/>\nIn Gottes Augen sind Witwen gro\u00dfartige Menschen. Die Gemeinde hatte die Aufgabe, diese Witwen zu versorgen. Welches Problem gab es in der Gemeinde Ephesus? Ein Problem war, dass das sehr viel Geld kostete. Und die Gemeindekasse gab das einfach nicht mehr her. Es gab zu viele Frauen, die versorgt werden mussten. Die Frage war dann, ob wirklich alle Frauen zurecht Hilfe bekamen.<br \/>\nPaulus stellt folgende Kriterien auf: Eine Witwe die Kinder oder Enkel hat, soll von ihren Angeh\u00f6rigen versorgt werden. In Vers 8 sagt Paulus, dass Angeh\u00f6rige, die nicht f\u00fcr ihre eigenen Hilfsbed\u00fcrftigen aufkamen, schlimmer sind, als die Ungl\u00e4ubigen. D.&nbsp;h., selbst von Nichtchristen erwartete die Gesellschaft, dass sie sich um ihre Angeh\u00f6rigen k\u00fcmmerten. Christen, die das nicht machten, waren in diesem Sinne schlimmer als ihre nicht gl\u00e4ubigen Nachbarn. Neben der Tatsache, dass Witwen alleinstehend sein sollten, kamen charakterliche Qualifikationen hinzu. Wir finden in dieser Liste gewisse Parallelen zu den Qualifikationen, die von \u00c4ltesten und Diakonen erwartet werden: Die Witwen, die von der Gemeinde versorgt werden sollten, waren mindestens 60 Jahre alt, Frau von einem Mann, was vermutlich bedeutet, dass sie zeit ihres Lebens ihrem Ehemann treu war, bekannt f\u00fcr ihre guten Werke, hatte Kinder gro\u00dfgezogen, war bekannt f\u00fcr ihre Gastfreundschaft und Dienerschaft. In Vers 3 schrieb Paulus: \u201eEhre die Witwen, wenn sie wirklich Witwen sind!\u201c In seinen Augen waren das die \u201erichtigen\u201c Witwen, die prim\u00e4r von der Gemeinde versorgt werden sollten. Sie sollten auf die Liste.<br \/>\nIn den Versen 11\u201315 schreibt Paulus welche Witwen nicht auf die Liste kommen sollten: j\u00fcngere Frauen. Ihnen gab er den Rat, dass sie heiraten sollten. Idealerweise sollten sie Familien gr\u00fcnden, Kinder zur Welt bringen. Warum diese Anweisung? Weil anscheinend diese Witwen vorher ein ziemlich gutes Leben hatten: Sie wurden von der Gemeinde versorgt, hatten aber keine besonderen Aufgaben. F\u00fcr sie wurde Klatsch und Tratsch ihre Hauptmission.<br \/>\nWas k\u00f6nnen hier mitnehmen? Ich denke nicht, dass diese Anweisungen eine allgemeine Abhandlung dar\u00fcber sind, wie eine Gemeinde ihre Witwen zu versorgen hat. Dieser Brief ist keine Bedienungsanleitung f\u00fcr die Gemeinde. Zum Beispiel denke ich nicht, dass die Grenze von 60 Jahren absolut ist, und dass eine alleinstehende Frau heute, die Hilfe braucht und die vielleicht nur 55 Jahre alt ist oder 59 Jahre und 10 Monate, nicht von der Gemeinde versorgt werden darf. Paulus gibt sehr spezifische Anweisungen an eine Gemeinde, die in einer sehr speziellen Lage war. Und was wir hier sehen, ist, dass Paulus nicht nur ein gro\u00dfartiger Vision\u00e4r war. Er war auch ein Macher. Er hatte genug praxisnahe Gemeindeerfahrung, um pragmatische L\u00f6sungen zu finden.<br \/>\nJede Familie braucht Regeln f\u00fcrs Zusammenleben. Und vor diesem Hintergrund denke ich, dass es gut und hilfreich ist, dass eine Gemeinde eine Gemeindesatzung hat. Und dass es die Regel gibt, dass Essensreste nicht einfach in der M\u00fclltonne entsorgt werden und unter der Woche zu einer Brutst\u00e4tte f\u00fcr Fliegen werden, sondern dass wir organische Abf\u00e4lle direkt drau\u00dfen entsorgen. Auch dieser Aspekt geh\u00f6rt zu einem Familienleben dazu.<\/p>\n<p><strong>3. Die christliche Gemeinde hat eine identit\u00e4tsstiftende Grundlage<\/strong><br \/>\nWir haben gesehen, dass Paulus\u2018 Verst\u00e4ndnis von christlicher Gemeinde eine Familie ist. Und wir haben gesehen, dass eine Familie sich um die Menschen k\u00fcmmern soll, die ansonsten niemanden haben. So weit so religi\u00f6s. Das Christentum ist nur ein Glaube, der dazu auffordert, dass wir uns um die Bed\u00fcrftigen k\u00fcmmern. Und es k\u00f6nnte den Eindruck erwecken, dass es zwei Kategorien von Menschen gibt: diejenigen, die helfen k\u00f6nnen und die anderen, die Hilfe brauchen; diejenigen, die was haben und was abgeben k\u00f6nnen und die anderen, die arm sind und nichts haben; diejenigen, die gut im Leben dastehen und die anderen, die ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen.<br \/>\nWenn wir den Text betrachten, dann sehen wir, dass Paulus das \u00fcberhaupt nicht so sah. Im Gegenteil, die Witwen, die versorgt werden sollen, haben nicht nur Qualifikationen, sondern Ansehen und W\u00fcrde. Es sind die Witwen, die nicht unbedingt auf Hilfe von der Gemeinde angewiesen sind und es doch tun, die Paulus kritisiert. Vertauschte Rollen! Wie kommt das? Es hat etwas mit der Identit\u00e4t zu tun, die es uns erst erlaubt, Teil von Gottes Familie zu werden. Wie wurden wir zu Gottes Familie?<br \/>\nIn Johannes 15,14 sagt Jesus zu seinen J\u00fcngern: \u201eIhr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.\u201c Das waren seine Worte in der Nacht vor seinem gewaltsamen Tod. Und wir sehen einen bemerkenswerten Wechsel in Jesu Wortwahl, nachdem er am Kreuz gestorben und auferstanden war. In Johannes 20,17 spricht Jesus zu Maria Magdala: \u201eGeh aber zu meinen Br\u00fcdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.\u201c Wie wurden wir also Teil von Gottes Familie? Am Kreuz wurde Jesus, der eine und der wahre Sohn Gottes vom Vater verlassen. Jesus verlor die Liebe, die Anerkennung, die freundliche Zuwendung des Vaters als er starb. Jesus bietet uns einen wunderbaren Tausch an: sein vollkommenes Leben gegen unser verkorkstes Leben; sein Status als geliebter Sohn gegen unseren Status als Feinde Gottes; seine Identit\u00e4t gegen unsere Namenslosigkeit. Unsere Identit\u00e4t als Br\u00fcder und Schwester Jesu ist, dass wir S\u00fcnder sind, die von Gott unendlich geliebt sind und gerettet sind durch das Opfer seines Sohnes.<br \/>\nDas hei\u00dft, dass es im Evangelium nicht die Helfer und die Hilfsbed\u00fcrftigen gibt. Wir sind allesamt die Hilfsbed\u00fcrftigen. Wir alle sind die Witwe, die in Jesus den wahren Br\u00e4utigam gefunden haben. Wir alle sind die Waisenkinder, die in Gott ihren wahren Vater gefunden haben. Wir alle sind die verlorenen S\u00f6hne, die durch unseren wahren \u00e4lteren Bruder Jesus gefunden wurden. Und wenn wir bereit sind, diese Hilflosigkeit immer und immer wieder neu einzugestehen und zu bekennen, dann haben wir die eine Grundlage, Jesus immer wieder neu zu begegnen. Und das ist der Grund, weshalb die wirklich hilfsbed\u00fcrftigen Witwen, die alten Frauen, die niemanden hatten au\u00dfer Jesus, in Paulus Augen so w\u00fcrdevoll und so wertvoll waren.<br \/>\nLasst mich mit einem Beispiel abschlie\u00dfen. Joni Eareckson-Tada ist eine \u00e4ltere Frau, die als 17-j\u00e4hriges M\u00e4dchen einen Badeunfall hatte und seither querschnittsgel\u00e4hmt ist. Sie sitzt seit mehr als f\u00fcnf Jahrzehnten im Rollstuhl. Als eine behinderte Person ist sie ein Beispiel von Hilfsbed\u00fcrftigkeit. Sie braucht Hilfe beim Aufstehen, Hilfe beim Waschen, Hilfe beim Anziehen, Hilfe f\u00fcr die einfachsten Dinge des Lebens. Eines Nachts wollte sie weinen, aber sie wusste, dass sie noch nicht einmal in der Lage war, sich selbst die Tr\u00e4nen abzuwischen. Also hat sie ihren ganzen Kummer geschluckt.<br \/>\nBei einem Vortrag hat sie Folgendes gesagt:<br \/>\n\u201eIch hoffe, dass es m\u00f6glich ist, im Himmel meinen Rollstuhl mit dabei zu haben. Wenn es m\u00f6glich w\u00e4re, diesen Rollstuhl mit mir im Himmel zu haben, dann w\u00fcrde ich zu meinem Heiland gehen, und ich w\u00fcrde ihm folgendes sagen: \u201aHerr Jesus, siehst du diesen Rollstuhl da? Bevor du ihn in die H\u00f6lle schickst, m\u00f6chte ich dir etwas bekennen. Du wei\u00dft das alles bereits. Aber gib mir das Vergn\u00fcgen, dich zu preisen, wenn ich dir das sage. Je schw\u00e4cher ich in diesem Ding dort war, desto mehr habe ich mich auf dich gest\u00fctzt. Und je mehr ich mich auf dich gest\u00fctzt habe, desto mehr habe ich erkannt, wie stark du bist. Ich bin so dankbar.\u2018 \u201c<br \/>\nLiebe Br\u00fcder und Schwestern, was ist eure Schw\u00e4che, die euch auf solche Art und Weise zu Jesus bringt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Die Gemeinde: deine Familie \u201eEhre die Witwen, wenn sie wirklich Witwen sind!\u201c (1. Timotheus 5,3) Wir haben gesehen, dass es zum Verst\u00e4ndnis vom 1. 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