{"id":11795,"date":"2023-07-09T11:00:42","date_gmt":"2023-07-09T09:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=11795"},"modified":"2025-02-04T05:38:40","modified_gmt":"2025-02-04T04:38:40","slug":"predigt-1-timotheus-31-16","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-1-timotheus-31-16\/","title":{"rendered":"Predigt: 1. Timotheus 3,1-16"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/2023_1Tim-3-0116-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 class=\"western\" align=\"center\">Christliche Leiterschaft<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDas Wort ist glaubw\u00fcrdig: Wer das Amt eines Bischofs anstrebt, der strebt nach einer gro\u00dfen Aufgabe.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(1. Timotheus 3,1)<\/p>\n<p>Der erste Timotheusbrief wurde an eine Person inmitten einer schwierigen Situation geschickt. Timotheus, ein immer noch relativ junger Mann, war von Paulus beauftragt worden, in der Gemeinde Ephesus f\u00fcr Ordnung zu sorgen. In den Versen 14 und 15 hei\u00dft es: \u201eIch schreibe dir das in der Hoffnung, schon bald zu dir zu kommen. Falls ich aber l\u00e4nger ausbleibe, sollst du wissen, wie man sich im Haus Gottes verhalten muss, welches die Kirche des lebendigen Gottes ist, S\u00e4ule und Fundament der Wahrheit.\u201c D.&nbsp;h. Paulus h\u00e4tte hier gerne mit in die Situation eingegriffen. Aber da es gut sein konnte, dass sich seine Ankunft versp\u00e4ten w\u00fcrde, gab er Timotheus Anweisungen f\u00fcr die spezifische Lage in der Gemeinde in Ephesus.<br \/>\nWas war das Problem? Irrlehrer hatten in der Gemeinde der Ruder \u00fcbernommen; sie sorgten mit falschen Lehren f\u00fcr Verwirrung, Streit, Unordnung und waren dabei die ganze Gemeinde richtig in Mitleidenschaft zu ziehen. Der Brief legt nahe, dass diese falschen Lehrer selbst \u00c4lteste der Gemeinde waren, also M\u00e4nner in leitenden Funktionen; und es scheint auch so, dass auch Frauen bei der Verbreitung von den Irrlehren eine sehr aktive Rolle gespielt hatten.<br \/>\nDas ist sehr wahrscheinlich der Grund, weshalb Paulus hier versucht, Ordnung in die geistliche Leiterschaft der Gemeinde hineinzubringen. Drei Dinge lernen wir dann \u00fcber christliche Leiterschaft: Was damit gemeint ist; welche Qualit\u00e4ten gebraucht werden und wer der wahre Herr ist.<\/p>\n<p><strong>1. Was christliche Leiterschaft ist<\/strong><br \/>\nIm heutigen Text werden wir mit zwei verschiedenen Arten von \u00c4mtern konfrontiert. Die erste Art von Amt finden wir in den Versen 1-7. In Vers 1 lesen wir: \u201eDas Wort ist glaubw\u00fcrdig: Wer das Amt eines Bischofs anstrebt, der strebt nach einer gro\u00dfen Aufgabe.\u201c Das Wort \u201eBischof\u201c wird in anderen \u00dcbersetzungen mit \u201e\u00c4ltester\u201c \u00fcbersetzt. Das griechische Wort ist episkopos, was Aufseher und Beobachter bedeutet. Die Elberfelder Studienbibel (die \u00fcbrigens einen wunderbaren Sprachschl\u00fcssel f\u00fcr die hebr\u00e4ische und griechische Sprache enth\u00e4lt) erkl\u00e4rt: warum Beobachter? \u201e\u2026in Anbetracht ihrer beobachtenden Sorge f\u00fcr die Gemeinde, die die Tr\u00e4ger dieses Amtes \u00fcben sollen.\u201c Ich finde diesen Ausdruck wunderbar: eine \u201ebeobachtende Sorge f\u00fcr die Gemeinde.\u201c<br \/>\nIm Titusbrief wird das gleiche Amt mit einem weiteren griechischen Wort beschrieben, Titus 1,7: \u201eDenn der Bischof [episkopos] muss unbescholten sein als Haushalter Gottes&nbsp;\u2026\u201c Hier werden die Bisch\u00f6fe Haushalter (griech. oikonomos) Gottes genannt. Was waren Haushalter? Haushalter waren zur Zeit des Neuen Testaments daf\u00fcr verantwortlich, einen ganzen Haushalt zu managen; und wer jetzt an den Haushalt von einer Kleinfamilie mit ein bis zwei Kindern denkt, irrt gewaltig. Der antike Haushalt konnte ein gro\u00dfer Grundbesitz sein, mit allem, was dazu geh\u00f6rte wie die Arbeit auf dem Feld, die Versorgung von Tieren, die Aufsicht der Sklaven, die Teil des Haushalts waren, die Beschaffung von Nahrung f\u00fcr die Gro\u00dffamilie, die Erziehung der Kinder usw. Aber hier ist der springende Punkt: Die Haushalter waren in der Regel selbst Sklaven. Sie hatten die Freiheit, den ganzen Grundbesitz zu verwalten, aber sie taten es im Interesse ihres Herrn und Meisters. Paulus spricht davon, dass ein \u00c4ltester zu sein, eine gro\u00dfe Aufgabe ist. Aber es ist gleichzeitig eine Aufgabe im Dienst ihres Herrn.<br \/>\nDas zweite Amt, das uns im Text begegnet, finden wir in den Versen 8-13. Vers 8: \u201eEbenso m\u00fcssen Diakone sein, achtbar, nicht doppelz\u00fcngig, nicht dem Wein ergeben und nicht gewinns\u00fcchtig.\u201c Das Wort Diakon wie auch das Wort Diakonie kennen wir aus dem kirchlichen Sprachgebrauch. Das zugrunde liegende Wort diakonos, ihr habt es vermutlich schon geahnt, bedeutet Diener. Aber gleichzeitig waren es Diener mit einer ehrw\u00fcrdigen Aufgabe und viel Sichtbarkeit. In Vers 13 hei\u00dft es: \u201eDenn wer seinen Dienst gut versieht, erlangt einen hohen Rang und gro\u00dfe Zuversicht im Glauben an Christus Jesus.\u201c<br \/>\nIn Apostelgeschichte sehen wir die Diakone in Action. Die Gemeinde in Jerusalem bestand aus Tausenden von Mitgliedern. Innerhalb weniger Monate kamen weitere Tausende dazu. Mit dem gigantischen Wachstum der Gemeinde kamen neue Probleme auf. Arme Menschen in der Gemeinde mussten versorgt werde. Und w\u00e4hrend es an gutem Willen nicht mangelte, gab es strukturelle Probleme. Die zw\u00f6lf Apostel setzen sieben Diakone ein, welche sich um die Versorgung der Armen k\u00fcmmern sollten. Jetzt kann man sich nat\u00fcrlich fragen, ob sieben Diakone ausreichend sind, um eine Gemeinde mit vielen Tausenden von Mitgliedern zu versorgen. Und die Antwort ist \u201enein\u201c. Es ist ein Hinweis darauf, dass die Diakone nicht einfach nur selbst Diener waren, sondern dass sie andere Menschen darin anleiteten ebenfalls zu dienen.<br \/>\nUnd aus diesem Grund denke ich, dass David Platt und seine Kollegen in ihrem Kommentar den Nagel auf den Kopf getroffen haben. Sie schreiben: \u201eDie Bibel gibt uns zwei prim\u00e4re Arten der Leiterschaft in der Gemeinde: \u00c4lteste, die dienende Leiter sind und Diakone, die leitende Diener sind.\u201c Das trifft es wunderbar.<br \/>\nLass uns kurz dar\u00fcber nachdenken, was das bedeutet. Das Erste, was ich hier sagen m\u00f6chte, ist, dass jede gute Leiterschaft dienende Leiterschaft ist. Im Moment habe ich auf der Arbeit ein Team von vier Wissenschaftlern und drei Praktikanten. Mein Team unterst\u00fctzt die Krebsforschung unserer Firma durch Bioinformatik. Jemand meinte zu mir: \u201eDu hast es gut. Wenn du irgendwelche Datenanalysen haben willst, kannst du jemanden aus deinem Team beauftragen, und die machen das dann einfach f\u00fcr dich. Ich w\u00fcnschte, ich h\u00e4tte auch mein eigenes Team.\u201c Ich musste dar\u00fcber nachdenken und bin zu dem Schluss gekommen, dass das \u00fcberhaupt nicht stimmt. Wenn ich irgendwelche Analysen haben will, muss ich die selbst machen. Warum? Weil mein Team besch\u00e4ftigt ist. Sie sind alle in verschiedene Projekte eingebunden und haben keine Zeit, mir zu helfen. Frage: Was ist dann meine Aufgabe als Chef?<br \/>\nHier sind die Schl\u00fcsse, zu denen ich gekommen bin: Ich muss ihren Urlaub freigeben. Mein Job ist es, mir ihre Sorgen und Beschwerden anzuh\u00f6ren, auch dann, wenn ich keine Lust darauf habe. Ich lobe mein Team vor anderen Leuten. Ich muss gelegentlich Konflikte schlichten. Ich muss Boni f\u00fcr sie beantragen. Ich korrigiere ihre englischen Texte. Meine Aufgabe ist es, eine Umgebung zu schaffen, in der sie ihre Aufgaben erf\u00fcllen k\u00f6nnen. Oft erledige ich Dinge, die eigentlich mein Team machen m\u00fcsste, aber f\u00fcr das sie keine Zeit finden, z.&nbsp;B. ich schreibe einen Praktikumsplan f\u00fcr deren Praktikanten, oder ich k\u00fcmmere mich um administrative Dinge an ihrer Stelle. Mit anderen Worten, ich bin ihr Chef, und gleichzeitig bin ich ihr Diener.<br \/>\nVielleicht denkt ihr, dass das nur deshalb der Fall ist, weil ich biblische Werte in mein Arbeitsleben hineintrage. Aber das geht nicht nur mir so. \u201eServant leadership\u201c, also \u201adienende Leiterschaft\u2018 ist ein Modell, das im Management durchaus seine Anh\u00e4nger hat. Es scheint sich auch bew\u00e4hrt zu haben. Zum Beispiel war im Harvard Business Review ein Ratgeber f\u00fcr angehende Manager. In dem Artikel hie\u00df es: \u201eDie Idee der \u201adienenden F\u00fchrung\u2018 ist ein guter Ausgangspunkt f\u00fcr neue F\u00fchrungskr\u00e4fte. \u2026 Zugegeben, \u201aDiener\u2018 klingt nicht ann\u00e4hernd so m\u00e4chtig wie \u201aChef\u2018, aber es hat das Potenzial, viel mehr von dem zu bieten, was die meisten von uns wirklich wollen: Einfluss. Der Grund daf\u00fcr ist einfach. Wenn Du eine Mentalit\u00e4t eines Dieners hast, geht es nicht um dich. Das Wichtigste, was Du tun kannst, um Vertrauen zu schaffen, ist, Eigeninteresse und pers\u00f6nlichen Ruhm aus deiner Motivation f\u00fcr die Arbeit zu verbannen.\u201c<br \/>\nDas Zweite, was wir hier festhalten k\u00f6nnen: Dienende Leiterschaft ist anstrengend. Wir gehen gleich auf die Qualit\u00e4ten ein, die christliche Leiter mitbringen m\u00fcssen. Wir sehen aber anhand von dem, was gefordert wird, dass dienende Leiterschaft kein Zuckerschlecken ist. In dem Film \u201ePiraten der Karibik: Salazars Rache\u201c wird ein Piratenschiff von einem Schiff der britischen Marine verfolgt. Kapit\u00e4n Gibbs der Piraten versteht, dass die Lage hoffnungslos ist und ihr Schiff bald gekapert wird. Also ruft er einen seiner Matrosen und sagt ihm: \u201eKapit\u00e4n Jack Sparrow hat sich gew\u00fcnscht, dass du Kapit\u00e4n wirst.\u201c Er setzt ihm schlie\u00dflich den Kapit\u00e4nshut auf. Man sieht dem Matrosen den Stolz dar\u00fcber an, dass er jetzt der neue Kapit\u00e4n auf dem Schiff ist. Aber im n\u00e4chsten Moment sieht man im Film, wie er von den Soldaten der Royal Navy verpr\u00fcgelt wird. Und h\u00e4ufig ist das die Realit\u00e4t von echter Leiterschaft: Man ist so stolz auf den Titel und die Verantwortung; aber man ist gleichzeitig derjenige, der den ganzen \u00c4rger bekommt. Leitender Diener oder dienender Leiter ist nicht nur ein Titel. Es ist ein Lebensstil. Erniedrigung, Selbstverleugnung und Leiden sind unweigerlich Teil davon.<br \/>\nUnd das alles gilt umso mehr bei christlicher Leiterschaft. Jesus sagte in Markus 10,42-44: \u201eIhr wisst, dass die, die als Herrscher gelten, ihre V\u00f6lker unterdr\u00fccken und ihre Gro\u00dfen ihre Macht gegen sie gebrauchen. Bei euch aber soll es nicht so sein, sondern wer bei euch gro\u00df sein will, der soll euer Diener sein, und wer bei euch der Erste sein will, soll der Sklave aller sein.\u201c Nicht jeder von uns ist berufen, ein \u00c4ltester oder ein Diakon zu sein: vielleicht noch nicht. Aber wenn du an Jesus glaubst, dann bist du in der ein oder anderen Form, dazu berufen, ein dienender Leiter zu sein. Leiterschaft bedeutet, dass man Verantwortung hat, dass man etwas bewegen kann, dass man Initiativen ergreifen kann. Und gleichzeitig ist man ein Diener: ein Diener aller anderen und ein Diener Gottes. Das ist das Leben, zu dem Gott dich ruft.<\/p>\n<p><strong>2. Welche Qualit\u00e4ten gebraucht werden<\/strong><br \/>\nWir fangen mit den Qualit\u00e4ten der \u00c4ltesten an. Viele Eigenschaften, die hier von den \u00c4ltesten gefordert werden, stehen im Kontrast zu dem, was \u00fcber die falschen Lehrer im Brief gesagt wird. Gordon Fee macht in seinem Kommentar zu 1. Timotheus auf einige sehr interessante Punkte aufmerksam: \u201eDie Liste selbst weist drei bemerkenswerte Merkmale auf: Sie nennt Qualifikationen, nicht Pflichten; die meisten Punkte spiegeln \u00e4u\u00dferes, beobachtbares Verhalten wider; und keiner der Punkte ist eindeutig christlich (z.&nbsp;B. Liebe, Glaube, Reinheit, Geduld); vielmehr spiegeln sie die h\u00f6chsten Ideale der hellenistischen Moralphilosophie wider. \u2026 Dies deutet darauf hin, dass die Irrlehrer durch ihr Verhalten das Evangelium in Verruf brachten. Es geht Paulus also nicht nur darum, dass die \u00c4ltesten christliche Tugenden haben (diese werden vorausgesetzt), sondern dass sie auch die h\u00f6chsten Ideale der Kultur widerspiegeln.\u201c<br \/>\nWas wird konkret gefordert? \u00c4lteste sollen untadelig sein, was allein schon sehr viel aussagt, aber sich hier vor allen Dingen auf das \u00e4u\u00dfere Verhalten bezieht; Mann einer einzigen Frau, d.&nbsp;h., dass M\u00e4nner in polygamen Beziehungen oder M\u00e4nner, die ihrer Ehefrau untreu waren oder unverheiratete M\u00e4nner, die uneheliche Partnerschaften eingingen, ausgeschlossen waren; n\u00fcchtern galt vor allem in Bezug auf Alkoholkonsum; besonnen hei\u00dft frei von \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Exzessen; von w\u00fcrdiger Haltung, d.&nbsp;h. dass er von anderen respektiert wurde; gastfreundlich, was nicht nur von Christen, sondern auch von hellenistischen Griechen gefordert wurde; f\u00e4hig zu lehren, was ein sehr starker Hinweis auf die Aufgabe von \u00c4ltesten ist: Ihre Leitung beinhaltete auch das Lehren von Gottes Wort.<br \/>\nKein Trinker bedeutet kein Verbot des Alkoholtrinkens, aber ein Verbot des Betrinkens; die n\u00e4chsten drei Eigenschaften galten wahrscheinlich zusammengenommen: kein gewaltt\u00e4tiger Mensch, sondern r\u00fccksichtsvoll, nicht streits\u00fcchtig, was ein Kontrast zu dem auf Krawall geb\u00fcrsteten Verhalten der Irrlehrer war; nicht geldgierig, was ein Thema ist, das Paulus sp\u00e4ter im Brief noch einmal aufgreift, weil es anscheinend ein richtiges Problem war.<br \/>\nIn den Versen 4-7 listet Paulus weitere Qualit\u00e4ten auf, die sich auf die Familie des \u00c4ltesten beziehen, auf den Zeitpunkt der Bekehrung und das Ansehen au\u00dferhalb der Gemeinde. Die Liste der Qualit\u00e4ten der Diakone hat einige \u00c4hnlichkeiten mit der der \u00c4ltestens, ist aber ist insgesamt etwas schlanker.<br \/>\nVersuchen wir das Ganze wieder in unsere Zeit zu \u00fcbertragen. Wenn Paulus an uns geschrieben h\u00e4tte, welche Qualit\u00e4ten h\u00e4tte er gefordert? Neben den zeitlosen christlichen Tugenden (Frucht des Heiligen Geistes), w\u00fcrde man vielleicht folgende Qualit\u00e4ten erw\u00e4hnen: Ein \u00c4ltester sucht immer die Wahrheit aber wird die politische Meinung der anderen respektieren, auch wenn er nicht damit einverstanden sein mag; mit Wasser, Strom, W\u00e4rme und den Ressourcen der Umwelt geht er schonend um und leistet seinen Beitrag zum Klimaschutz; er benutzt seine elektronischen Medien und das Internet ma\u00dfvoll; er ist kein Handy-Junkie; wenn er Social-Media benutzen sollte, dann nicht zur Selbstvermarktung oder Selbstbest\u00e4tigung; er teilt keine Fakenews auf Twitter; er geht w\u00e4hlen, weil er die demokratische Staatsform, in der er lebt, respektiert; obwohl er in Bezug auf Abtreibung und Homosexualit\u00e4t Haltungen einnimmt, die in der Gesellschaft als verp\u00f6nt und intolerant gelten, wird er niemals deshalb einen Streit provozieren oder seine Meinung \u00fcberheblich oder lieblos kommunizieren; er ist ein vorbildlicher Sch\u00fcler oder Student oder Angestellter, der seine Pflichten ernst nimmt; er wird auch von seinen Mitsch\u00fclern oder Kommilitonen oder Kollegen gesch\u00e4tzt und respektiert; selbstverst\u00e4ndlich ist er noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten, weil er ehrlich ist; au\u00dferdem ist er trotz seiner vielen Aufgaben nicht gestresst und bleibt ruhig \u2026<br \/>\nDas, was Paulus tut, ist nicht einfach nur ein vorbildliches Leben innerhalb der Gemeinde aufzuzeigen. Er zeigt uns, dass wir als Christen auch innerhalb unserer Gesellschaft absolut vorbildlich sein sollten. Wo immer m\u00f6glich und wenn immer mit der Bibel \u00fcbereinstimmend sollten wir die Ideale unserer Gesellschaft verk\u00f6rpern. Christ zu sein hei\u00dft nicht, dass uns die Kultur und Gesellschaft egal sind. Im Gegenteil, wir versuchen das Beste in unserer Kultur und Gesellschaft hervorzubringen.<br \/>\nDas sind wirklich hohe Ziele. Auf der einen Seite sind wir berufen, Diener zu sein. Auf der anderen Seite sollen wir nobel sein. Und es ist ein riesiger Spagat. Wie bringen wir das zusammen?<\/p>\n<p><strong>3. Wer der wahre Herr ist<\/strong><br \/>\nIn den letzten Versen des Kapitels spricht Paulus \u00fcber das Geheimnis des christlichen Lebens:<br \/>\n\u201eEr wurde offenbart im Fleisch, \/ gerechtfertigt durch den Geist,<br \/>\ngeschaut von den Engeln, \/ verk\u00fcndet unter den V\u00f6lkern,<br \/>\ngeglaubt in der Welt, \/ aufgenommen in die Herrlichkeit.\u201c<br \/>\nViele Ausleger sind der Ansicht, dass Paulus hier sehr wahrscheinlich ein altes Lied zitiert, das in der ersten Gemeinde gesungen wurde. Das Lied ist geheimnisvoll und nicht einfach. Wir finden hier Wortpaare, die vermutlich als Kontraste zu verstehen sind: Fleisch und Geist, Engel und V\u00f6lker, Welt und Herrlichkeit. Worin sich die Ausleger auch relativ einig sind, ist, dass es um die unendliche Erniedrigung Jesu geht. Jesus ist der Herr der wahre K\u00f6nig, der alle Herrlichkeit des Himmels hatte, dem alle Engel dienten. Dieser Herr, der absolut w\u00fcrdig ist, tut das Unvorstellbare. Er wird Fleisch.<br \/>\nN.T. Wright kommentiert das folgenderma\u00dfen: \u201eDie Vorstellung, dass ein g\u00f6ttliches Wesen in menschlicher Gestalt erscheint, w\u00e4re f\u00fcr die meisten Menschen in der Antike aufregend genug gewesen; aber die Christen gingen noch einen Schritt weiter. Der, den sie verehrten, war tats\u00e4chlich Fleisch geworden, ein echter Mensch, f\u00e4hig zu lachen und zu weinen, zu leiden und zu sterben. Aber nach diesem Tod hat Gott ihn gerechtfertigt, durch den Sch\u00f6pfergeist, durch dessen Kraft Jesus von den Toten auferweckt wurde; das ist es, was \u201agerechtfertigt im Geist\u2018 bedeutet. So beginnt das Geheimnis mit den zentralen Aussagen des christlichen Glaubens und fasst die Grundbotschaft des Evangeliums in eine etwas kryptische Sprache: Christus ist f\u00fcr unsere S\u00fcnden gestorben und auferstanden.\u201c Das ist eine der Kernbotschaften des Liedes.<br \/>\nIm Christentum ist die Botschaft, dass Jesus Mensch wurde und starb nicht einfach Inspiration. Jesus ist nicht einfach nur unser Vorbild. Und Paulus zitiert dieses Jesus-Lied nicht einfach, um Timotheus und die Epheser dazu anzuregen, Jesus zu imitieren. Dahinter verbirgt sich noch etwas viel Gr\u00f6\u00dferes und Besseres. Das kosmische Drama, dass Gott Mensch wird, hat ganz direkt etwas mit uns zu tun.<br \/>\nStellen wir uns folgendes vor: Dein Ehepartner oder dein bester Freund l\u00e4dt dich in ein ausverkauftes Musical ein, das von Tausenden Leuten besucht wird. Es ist ein mehrst\u00fcndiges Spektakel mit mehr als 100 Darstellern und S\u00e4ngern auf der B\u00fchne, gigantischen Licht- und Showeffekten, herrlicher Musik. Und stell dir vor, dass es zum Ende des Musicals ganz ruhig wird. Die Spannung steigt. Jeder im Publikum fragt sich, was jetzt kommen wird. Und die Hauptakteure schauen ganz pl\u00f6tzlich dich an und sagen: \u201eDiese ganze Show war alles f\u00fcr dich. Wir haben nur f\u00fcr dich gesungen und gespielt.\u201c In gewisser Weise verh\u00e4lt es sich aber auch so mit Jesu Tod und Auferstehung. Das Lied, das Paulus am Ende des Kapitels zitiert, handelt nicht nur von Jesus. Es geht um dich. Jesus wurde offenbart im Fleisch f\u00fcr dich, er wurde gerechtfertigt durch den Geist f\u00fcr dich! Die Engel im Himmel singen dieses Lied zur Ehre Jesu und wissen dabei, dass es auch etwas mit dir zu tun hat.<br \/>\nWisst ihr, warum wir uns mit dem Konzept der dienenden Leitung so schwertun? Warum f\u00fchlen wir uns davon nicht so hingezogen? Genau, weil wir keine Diener sein wollen. Wir wollen nicht Sklaven von anderen sein. Wir wollen uns nicht anderen gegen\u00fcber verpflichten. Wir wollen keine Herren \u00fcber unserem Leben haben. Wir wollen frei sein, das zu tun, was wir wollen. Wir wollen unser Leben selbst in der Hand haben. Wir wollen selbst bestimmen, wie und auf welche Art wir unser Leben f\u00fchren: \u201eNiemand macht mir Vorschriften!\u201c Und genau das ist eine Illusion. Fakt ist, wir alle dienen etwas oder jemandem in unserem Leben. Niemand von uns ist wirklich frei.<br \/>\nMurray Harris hat einmal geschrieben: \u201eFreiheit f\u00fchrt in die Sklaverei, und Sklaverei f\u00fchrt zur Freiheit.\u201c Was er damit meinte, ist folgendes: Wenn du von Gott frei bist, bist du nicht wirklich frei; du geh\u00f6rst dann einfach einem anderen Meister. Das, was du mehr liebst als Gott, das wovon du deinen Selbstwert, deine Selbstbest\u00e4tigung, deine Selbstsicherheit erwartest, es kann die Liebe deines Lebens sein oder deine Karriere oder dein Geld, das ist dein Herr und Meister. Jeder von uns dient etwas. Und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wirst du merken, wie diese Dinge dich immer wieder entt\u00e4uschen und im Stich lassen und dir eine Last aufb\u00fcrden, die du nicht tragen kannst, oder dich innerlich auffressen.<br \/>\nAber wenn wir auf Jesus schauen, was sehen wir dann? Wir sehen einen Herrn, der alle seine Herrlichkeit aufgibt, um uns zu dienen. Wir sehen einen Meister, der sich vor uns b\u00fcckt, um uns die F\u00fc\u00dfe zu waschen. Wir sehen einen K\u00f6nig, der f\u00fcr uns die Dornenkrone tr\u00e4gt und wegen unserer Schuld und S\u00fcnde am Kreuz h\u00e4ngt. Wir sehen einen Herrscher, f\u00fcr den keine Erniedrigung zu dem\u00fctigend ist, wenn es darum geht, uns zu retten. Jesus ist unser Herr und unser Diener. Das ist der Grund weshalb seine Herrschaft per Definition ganz anders ist als die aller Herren dieser Welt.<br \/>\nTim Keller zitierte eine Autorin namens Rebecca Manley Pippert, die sagte: \u201eJesu Eigentum an unserem Leben ist keine Kontrolle, die uns manipuliert oder uns unsere W\u00fcrde nimmt \u2026 Er regiert unser Leben auf die richtige Weise: Indem er kompromisslos der ist, der er ist, und indem er darauf besteht, dass wir all das werden, wozu wir bestimmt sind. Und er sagt uns, dass dies nur geschehen kann, wenn wir ihm folgen, ihm gehorchen und eine lebendige, leidenschaftliche Verwandtschaft mit ihm pflegen. &#8230; Gott hat uns f\u00fcr sich selbst geschaffen. Wenn wir mit einem anderen Mittelpunkt als Jesus leben, dann leben wir unvollst\u00e4ndig. \u2026 Er ist der Einzige im Universum, der uns kontrollieren kann, ohne uns zu zerst\u00f6ren. Niemand wird dich jemals so lieben wie Jesus.\u201c<br \/>\nJesus ist der wahre Herr, der wahre dienende Leiter. Wenn du unter seiner Herrschaft lebst, geht es dir wirklich gut. Folge ihm nach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Christliche Leiterschaft \u201eDas Wort ist glaubw\u00fcrdig: Wer das Amt eines Bischofs anstrebt, der strebt nach einer gro\u00dfen Aufgabe.\u201c (1. Timotheus 3,1) Der erste Timotheusbrief wurde an eine Person inmitten einer schwierigen Situation geschickt. Timotheus, ein immer noch relativ junger Mann, war von Paulus beauftragt worden, in der Gemeinde Ephesus f\u00fcr Ordnung zu sorgen. 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