{"id":11717,"date":"2023-03-12T11:00:20","date_gmt":"2023-03-12T10:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=11717"},"modified":"2025-02-04T05:38:46","modified_gmt":"2025-02-04T04:38:46","slug":"predigt-lukas-189-30","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-lukas-189-30\/","title":{"rendered":"Predigt: Lukas 18,9-30"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/05\/2022-Lukas-L.-31_18-0930-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 class=\"western\" align=\"center\">Essentielle Fragen zum Ewigen Leben<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eWahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annehmen wird wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Lukas 18,17)<\/p>\n<p>Das Lukas Evangelium ist eher thematisch als chronologisch geordnet. Auch in dem heutigen Text aus Kap. 18 reiht Lukas mehrere Begebenheiten aneinander, die thematisch miteinander verwandt sind. Sie befassen sich alle mit essentiellen Fragen bzgl. des Reiches Gottes bzw. um grundlegende Fragen bzgl. des Ewigen Lebens. Diese Fragen sind:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">1. Wer wird von Gott anerkannt?<br \/>\n2. Wie muss man das Reich Gottes aufnehmen?<br \/>\n3. Was behindert uns den Eingang in das Reich Gottes?<\/p>\n<p><strong>1. Die Rechtfertigung durch Gott (V. 9-14)<\/strong><br \/>\nIn dem Gleichnis vom Pharis\u00e4er und Z\u00f6llner versuchen zwei Menschen auf eine komplett verschiedene Art und Weise, gerechtfertigt zu werden \u2013 mit anderen Worten: von Gott anerkannt zu werden. In den Versen 11 und 12 bekommen wir einen Einblick in das Gebet des Pharis\u00e4ers: Normalerweise dankt man Gott f\u00fcr das, was Gott ist, und daf\u00fcr, was Gott f\u00fcr einem tut. Aber beim Dankgebet des Pharis\u00e4ers war es anders: Er dankt Gott f\u00fcr das, was Er ist, und f\u00fcr das, was Er f\u00fcr Gott tut. In seinem Gebet hei\u00dft es st\u00e4ndig \u201eIch \u2026 ich \u2026 ich \u2026 Ich danke dir, ich bin nicht wie \u2026, ich faste \u2026, ich verzehnte \u2026 ich erwerbe \u2026 ich, ich, ich\u201c. Nicht Gott, sondern Er steht im Zentrum. Nicht Gott ist gro\u00df in seinem Leben, sondern er. Nicht das, was Gott f\u00fcr ihn tut, sondern das, was er f\u00fcr Gott tut, steht im Vordergrund.<br \/>\nIn seinem Weltbild gibt es zwei Gruppen von Menschen: er und die anderen. Dabei ist er der Gute, und alle anderen die Schlechten. Er denkt von sich zu gut, und von den anderen sehr schlecht. Bei der Besch\u00e4ftigung mit Vers 11 fragte ich mich, ob es wirklich Menschen gibt, die so \u00fcber sich denken? Ist das nicht zu unrealistisch? Wie kann es sein, dass man so verkehrt \u00fcber sich denkt? Der Pharis\u00e4er begr\u00fcndet seine Ansicht damit, dass er gewisse S\u00fcnden nicht machte, wie Raub, Ehebruch, Betrug&nbsp;\u2026 Die S\u00fcnden, die der Pharis\u00e4er hier erw\u00e4hnt, sind offensichtliche S\u00fcnden. Bestimmt hatte er nicht gelogen. Bestimmt war er nicht fremdgegangen. Bestimmt hat er diese S\u00fcnden wirklich nicht gemacht. Aber was, war mit den S\u00fcnden, die nicht so offensichtlich sind? Er hatte andere S\u00fcnden wie Stolz, voll von innerer Verachtung gegen\u00fcber anderen (\u201eer sprach bei sich selbst\u201c). Er hatte sogar die gef\u00e4hrlichste aller S\u00fcnden, n\u00e4mlich Selbstgerechtigkeit. Selbstgerechtigkeit ist die direkteste Ablehnung von Gottes Hilfe in Jesus Christus. Das Gef\u00e4hrliche bei S\u00fcnden wie Stolz und Selbstgerechtigkeit ist, dass sie in religi\u00f6sen Gesellschaften nicht so f\u00fcr gravierend erachtet werden wie Ehebruch und Raub. Man kann voll von S\u00fcnden wie Selbstgerechtigkeit sein, aber in einer religi\u00f6sen Gemeinschaft dennoch als ein frommer Mensch durchgehen. Das war der eine Grund daf\u00fcr, warum er so verkehrt \u00fcber sich dachte.<br \/>\nIm Vers 12 erw\u00e4hnt er den anderen Grund. Er tat bestimmte religi\u00f6se Werke. Im Gesetz war das Fasten nur einmal im Jahr vorgeschrieben, er aber fastete zweimal pro Woche \u2013 rechnerisch also das 104-fache von dem, was vorgeschrieben war \u2013 wow! Aber das war noch nicht alles. Das Gesetz schrieb vor, den Zehnten vom Ertrag des Ackers und der Herden abzugeben. Aber was tat der Pharis\u00e4er? Er zahlte von allen Eink\u00fcnften den Zehnten. Er verzehntete sogar alle Gartenkr\u00e4uter, wie Minze, Dill, K\u00fcmmel und Raute. Er verzehntete auch das Gekaufte. Wenn der Erzeuger bereits von den Feldfr\u00fcchten den Zehnten gegeben hatte, setze der Pharis\u00e4er noch eins drauf. Er gab von den gekauften Fr\u00fcchten noch mal den Zehnten ab (vgl. RIENECKER: 424)[1]. Weil solche Werke die meisten nicht taten, hielt er sich f\u00fcr besser als die anderen. Warum eigentlich der Zehnte und das Fasten? Er tat eben genau die Werke, die auch in den Kreisen, wo er sich aufhielt, anerkannt waren.<br \/>\nZusammengefasst hatte der Pharis\u00e4er eine eigene Definition von Fr\u00f6mmigkeit: Wenn ich diese und jene S\u00fcnden lasse, und diese und jene Werke tue, dann bin ich fromm. Alle anderen Werke, die er nicht tat, waren nicht so wichtig. Alle anderen S\u00fcnden, die er tat, waren halb so schlimm. Einfach gesagt: Er fing an bei Gott zu schummeln. Er lebte nicht in der Wahrheit. Weil er genau die S\u00fcnden lie\u00df, die verp\u00f6nt waren, und genau die Werke tat, die besondere Anerkennung verdienten, bekam er auch st\u00e4ndig Best\u00e4tigung von den Leuten in seinen Kreisen. Und so kam es, dass er sich tats\u00e4chlich f\u00fcr besser hielt als alle anderen. Und was war das Resultat seines falschen Selbstbildes? Im Vers 9 sagt Jesus, dass solche Menschen wie der Pharis\u00e4er auf sich selbst vertrauen. Genauer gesagt, vertrauten sie darauf, von sich aus gut genug zu sein, um vor Gott bestehen zu k\u00f6nnen. Ihre Gutartigkeit sei schon gut genug, um von Gott anerkannt werden zu k\u00f6nnen. Sie meinten, so wie sie und andere \u00fcber sie denken, so denkt bestimmt Gott auch von ihnen. Aber in Wirklichkeit lebten sie in einem krassen Irrtum. In Vers 14 erfahren wir, dass er nicht gerechtfertigt und damit nicht von Gott anerkannt wurde.<br \/>\nIn jeder Gesellschaft, in jeder Gemeinschaft und auch in jeder Gemeinde gibt es gewisse Dos and Don&#8217;ts; also Dinge, die sich geh\u00f6ren, und Dinge, die sich nicht geh\u00f6ren. Menschen lassen sich dazu verleiten, eigene Gutartigkeit nur darauf zu beschr\u00e4nken und danach zu definieren. Wenn sie es schaffen, sich an diese Dos and Don&#8217;ts zu halten, werden sie leicht selbstzufrieden mit sich. Sie sind allenfalls bereit die Bereiche, in denen sie schon \u201egut\u201c sind auszubessern. Von den Bereichen, die in ihrem Leben nicht so gut laufen, wollen sie nichts wissen. Jede Aufdeckung von S\u00fcnde in diesen Bereichen gibt ihnen das Gef\u00fchl, dass sie doch nicht ganz so ok sind. Tiefe Betroffenheit \u00fcber die S\u00fcnde bleibt aus. Das Blut Jesu wird nicht ernsthaft in Anspruch genommen. Solche Menschen wie der Pharis\u00e4er erh\u00f6hen sich selbst, indem sie besser von sich denken als sie es in Wirklichkeit sind. Doch am Ende von Vers 14 warnt Jesus: jeder, der sich selbst erh\u00f6ht, wird erniedrigt werden. Der Weg des Pharis\u00e4ers f\u00fchrt nicht zur Anerkennung von Gott, sondern letztendlich zur Erniedrigung. \u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026<br \/>\nWie versuchte aber der Z\u00f6llner von Gott anerkannt zu werden? Betrachten wir hierzu Vers 13. Allein die K\u00f6rperhaltung verr\u00e4t schon sehr viel dar\u00fcber, mit welcher Einstellung der Z\u00f6llner zu Gott kam. Er stand weitab, mit einem gesenkten Kopf. Er hielt sich nicht f\u00fcr w\u00fcrdig, Gott zu nahen. Er hatte seinen Kopf gesenkt. Wegen seiner S\u00fcnden hatte er nicht den Freimut, zu Gott aufzublicken. Er war von Scham beherrscht. Dann schlug er sich an die Brust. Damit dr\u00fcckte er tiefste Betroffenheit aus, und zwar Betroffenheit \u00fcber die eigene S\u00fcnde. Menschen sind \u00fcber alles M\u00f6gliche betroffen, doch am seltensten und wenigsten \u00fcber die eigene S\u00fcnde Normalerweise \u00e4rgert man sich \u00fcber die S\u00fcnde des anderen, insbesondere selbstgerechte Menschen wie der aus diesem Gleichnis. Doch der Z\u00f6llner hingegen \u00e4rgerte sich \u00fcber die eigene S\u00fcnde. Schlie\u00dflich sagte er: \u201eO Gott, sei mir S\u00fcnder gn\u00e4dig!\u201c Angesichts seiner S\u00fcndhaftigkeit konnte er nichts anderes \u00fcber die Lippen bringen, als um Gnade zu schreien. Er hatte verstanden, dass es bei ihm selbst rein gar nichts gab, was ihm Hoffnung gab, vor Gott bestehen zu k\u00f6nnen. Seine einzige Hoffnung, um vor Gott bestehen zu k\u00f6nnen, war, dass Gott ihm gn\u00e4dig ist. Er war wie ein Mann, der auf offenem Meer trieb und sich mit beiden H\u00e4nden an einem Brett von einem versunkenen Schiff festhielt. Dieses Brett, an dem er mit aller Macht festhielt, ist die Gnade Gottes. Und was geschah dann? Dann geschah das Wunderbare: \u201eIch sage euch: Dieser ging gerechtfertigt in sein Haus hinab\u201c (V.14). Er wurde von Gott gerechtfertigt. Ausgerechnet ein gro\u00dfer S\u00fcnder wird von dem \u00fcber alles heiligem Gott gerechtfertigt, also anerkannt. Denn er setzte seine Hoffnung voll und ganz auf die Gnade Gottes.<br \/>\nAn dieser Stelle muss mal ein gro\u00dfer Sprung zu Vers 24 und 25 gemacht werden. Jesus macht in diesen Versen eine krasse Aussage. Es ist leichter, dass ein Kamel durchs Nadel\u00f6hr geht, als ein Reicher ins Reich Gottes. Wenn Jesus hier vom \u201eReichen\u201c spricht, meint er nicht nur die materiell Reichen. Der Oberster war nicht nur in finanzieller Hinsicht reich. Er hatte es schon in jungem Alter geschafft, zum Obersten aufzusteigen. Er war auch reich an Errungenschaften, reich an Werken, erfolgreich usw. Er hatte eine Menge an Dingen, worauf er stolz sein konnte. Reiche Menschen sind leicht dazu verleitet, ihre Hoffnung auf sich selbst oder zumindest teilweise auf sich selbst, als voll und ganz auf die Gnade Gottes zu setzen. Deswegen ist es wahrscheinlicher, dass ein Kamel durchs Nadel\u00f6hr geht, als ein Reicher ins Reich Gottes. Ganz anders war es bei dem Z\u00f6llner aus dem Gleichnis. Er wusste: \u201eIch bin bankrott, pleite, insolvent\u201c. So setzte er voll und ganz seine Hoffnung auf die Gnade Gottes. In den Seligpreisungen hei\u00dft es nicht: \u201eGl\u00fcckselig sind die geistlich Reichen, sondern die geistlich Armen, denn ihrer ist das Reich der Himmel\u201c Solange man meint, etwas in sich selber macht einen w\u00fcrdig, in das Reich Gottes zu kommen, ist man noch nicht wirklich arm geworden, dann setzt man nur teilweise seine Hoffnung auf die Gnade Gottes. Man macht sozusagen mit Gott fifty fifty. Es kann auch sein, dass man sich mal als S\u00fcnder erkannt hat, aber dann meint, doch etwas zu haben, was man Gott vorweisen kann, nur weil man dies oder jenes mal f\u00fcr Gott getan hat. Seine ganze Hoffnung auf die Gnade Gottes zu setzen, wird auch oft missverstanden, etwa so: \u201eEs ist nicht ganz so schlimm, wenn ich mit meinem Leben so weiter mache wie bisher. Denn Gott ist ja gn\u00e4dig.\u201c Gerade solche Menschen fangen fr\u00fcher oder sp\u00e4ter doch damit an, sich irgendwie zu rechtfertigen, z.B. damit, dass sie doch hin und wieder auch mal was Gutes tun.<br \/>\nWie k\u00f6nnen wir konkret darin wachsen, unsere Hoffnung voll und ganz auf die Gnade Gottes zu setzen? Der Z\u00f6llner war \u00fcber seine S\u00fcnde betroffen und sch\u00e4mte sich \u00fcber die S\u00fcnde. Mehrere Stellen in der Bibel ermutigen uns immer wieder \u00fcber die S\u00fcnde betroffen zu sein. In Ps. 51, 19: \u201e&nbsp;Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz Wirst du, o Gott, nicht verachten.\u201c; in Ps. 34,19 steht: \u201eDer HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und er hilft denen, die zerschlagenen Geistes sind.\u201c; in Ps. 147,3 hei\u00dft es: \u201eEr heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.\u201c Menschen, die immer wieder aufs Neue von ihren S\u00fcnden betroffen sind, sich dar\u00fcber sch\u00e4men, reinigen sich immer wieder aufs Neue mit dem Blut Christi, setzten mehr und mehr ihre Hoffnung auf die Gnade Gottes. Dadurch wachsen sie im Laufe ihres Glaubenslebens in der Heiligung. Das Buch Offenbarung spricht daher von einer Schar im Himmel, die ihre Gew\u00e4nder mit dem Blut des Lammes gereinigt haben. Sie hatten das Blut Jesu Christi immer wieder neu in Anspruch genommen, dadurch immer wieder aufs Neue die Rechtfertigung und Anerkennung aus Gnade erfahren, bis sie schlie\u00dflich ins Himmelreich eingekehrt waren. Ein gesundes geistliches Wachstum zeichnet sich dadurch aus, dass mit der Zeit S\u00fcnden weniger werden, aber unsere Erkenntnis der S\u00fcnde gr\u00f6\u00dfer wird. Letzteres f\u00fchrt dazu, dass man mehr und mehr seine Hoffnung auf die Gnade Gottes setzt. Der Prophet Daniel war ein sehr gottesf\u00fcrchtiger Mann, aber doch betete er so: Denn nicht um unserer eigenen Gerechtigkeit willen bringen wir unsere Bitten vor dich, sondern um deiner gro\u00dfen Barmherzigkeit willen! (Dan. 9,18).<br \/>\nViele Menschen wollen lieber von sich denken, dass sie bereits schon ziemlich gut sind und es mit ihnen gar nicht so schlecht steht. Und au\u00dferdem gibt es doch andere, die noch viel schlimmer sind. Seine S\u00fcnden immer wieder aufs Neue einzugestehen, dar\u00fcber betroffen zu sein und sich zu sch\u00e4men, ist dem\u00fctigend. Oder wie dem\u00fctigend ist es, wenn andere uns unsere S\u00fcnde aufzeigen? Daher gehen viele diesen Weg nicht. Doch am Ende von Vers 14 gibt uns Jesus eine Verhei\u00dfung: \u201ewer aber sich selbst erniedrigt, der wird erh\u00f6ht werden\u201c. Lasst uns diesen Weg der Erniedrigung gehen.<br \/>\nSo wie es nur eine Art und Weise gibt, wie wir von Gott gerechtfertigt und anerkannt werden k\u00f6nnen, so gibt es auch nur eine Art und Weise, wie wir das Reich Gottes annehmen k\u00f6nnen. Wie wir das Reich Gottes aufnehmen sollen, wollen wir im 2. Teil der Predigt betrachten.<\/p>\n<p><strong>Teil 2: Die Aufnahme von Gottes Reich (V. 15-17)<\/strong><br \/>\nVers 15 berichtet, man brachte Kinder zu Jesus, damit er sie segnet. Eine gute Sache. Doch die J\u00fcnger schimpften mit denen, die sie brachten (vgl. Mk. 10,13). Sie wollten die Kinder aufhalten zu Jesus zu kommen. Warum? Wie wir wissen, hatten Kinder in der j\u00fcdischen Gesellschaft nichts zu melden. Ihre Anliegen, W\u00fcnsche und Probleme waren nicht so wichtig, wurden nicht so ernst genommen. F\u00fcr Kinder hatte man i.d.R. keine Zeit. Da gab es wichtigere Dinge. Sie galten nicht als vollwertige Menschen. In den Augen der J\u00fcnger waren die Kinder es nicht wert, Jesus zu beanspruchen. Doch sie irrten sich sehr. Jesus sagte: \u201eLasst die Kinder zu mir kommen und wehrt ihnen nicht\u201c Jesus hie\u00df die Kinder herzlich willkommen. Gerade sie waren f\u00fcr das Reich Gottes pr\u00e4destiniert. Gerade sie waren Kandidaten des Reiches Gottes. Wieso? Kinder haben Eigenschaften, die ihnen die Aufnahme von Gottes Reich erleichtern: Kinder sind hilflos und mittellos. Sie wissen, dass sie auf die Hilfe der Erwachsenen angewiesen sind. Deswegen nehmen sie Dinge einfacher an als Erwachsene. Kinder glauben an die Liebe der Eltern. Wenn ihnen ihre Eltern was schenken, denken sie nicht: \u201eBei der ganzen Sache ist doch bestimmt ein Haken. Bestimmt wollen meine Eltern eine Gegenleistung von mir haben\u2026.\u201c Kinder glauben, dass ihre Eltern es tun, weil sie sie liebhaben. Daher k\u00f6nnen sie ein Geschenk wirklich wie ein Geschenk annehmen. Was bedeutet das f\u00fcr uns Erwachsene? Jesus sagt: \u201eWahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird gar nicht hineinkommen!\u201c Die J\u00fcnger dachten, die Kinder m\u00fcssen erst einmal so werden wie wir. Doch Jesus machte ihnen deutlich: Nein, sie m\u00fcssen so werden wie die Kinder, um in das Reich Gottes hineinzukommen. Wir sollen das Reich Gottes wie ein Kind annehmen, anstelle zu versuchen, es uns in irgendeiner Weise zu verdienen. Wir wollen Jesus nachfolgen, wir wollen Jesus \u00e4hnlicher werden, nicht damit wir in das Reich Gottes kommen, sondern weil wir bereits B\u00fcrger des Reiches Gottes sind.<br \/>\nIn der nachfolgenden Begebenheit sehen wir ein klares Beispiel daf\u00fcr, was das Gegenteil davon ist, das Reich Gottes wie ein Kind aufzunehmen. Vers 18 berichtet davon, dass Jesus eine Begegnung mit einem Obersten hatte. Ihn besch\u00e4ftigte die Frage nach dem Ewigen Leben. Seine Frage war: \u201eGuter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben?\u201c Einerseits war es gut, dass er nach dem ewigen Leben fragte. Andererseits war doch seine Frage bedenklich. Er war der \u00dcberzeugung gewesen, dass er durchs Tun das Ewige Leben bekommen k\u00f6nne, es sich also irgendwie erarbeiten k\u00f6nne. Auf die Frage des Obersten antwortete Jesus: \u201eWas nennst du mich gut? Niemand ist gut als Gott allein!\u201c Jesu Antwort auf seine Frage wirkt dem ersten Eindruck nach unpassend, aber in Wirklichkeit sprach sie direkt das geistliche Problem des Mannes an. Er hatte ein oberfl\u00e4chliches Verst\u00e4ndnis von \u201egut\u201c. Obwohl er nicht wusste, dass Jesus Gott ist, bezeichnete er ihn als gut. F\u00fcr ihn waren geistliche Menschen bereits gute Menschen. Doch im Vergleich zu dem einen guten Gott ist selbst der geistlichste Mensch ein hoffnungsloser S\u00fcnder. Der Oberste kannte nicht die heilige Wirklichkeit Gottes. Deswegen dachte er auch von sich, dass er insgesamt ok sei. Aufgrund seines oberfl\u00e4chlichen Verst\u00e4ndnisses der 10 Gebote dachte er von sich, dass er alle Gebote Gottes eingehalten habe, und zwar von Jugend auf. Warum ihn die Frage nach dem Ewigen Leben doch noch besch\u00e4ftigte, war eben das gewisse Etwas. In seinen Augen hatte er schon den Standard Gottes fast erreicht, aber eben nur fast. Was fehlte ihm noch, um sich des Ewigen Lebens ganz gewiss zu sein? So in etwa muss er gedacht haben. Dieser Oberster konnte das Reich Gottes nicht wie ein Kind aufnehmen, weil er meinte, es g\u00e4be vieles Gutes in seinem Leben, was bei Gott z\u00e4hlen w\u00fcrde, um von ihm angenommen zu werden. Er konnte es nicht wie ein Kind annehmen, weil er meinte, er k\u00f6nne sich den Zugang zum Reich Gottes erarbeiten, als es einfach anzunehmen. Menschen, die irgendwie meinen, dass es in ihnen irgendetwas noch gibt, was bei Gott Anerkennung findet, tun sich schwer, das Reich Gottes anzunehmen wie ein Kind. Ganz anders der Z\u00f6llner aus dem Gleichnis. Er konnte das Reich Gottes wie ein Kind aufnehmen, weil er wusste, dass in seinem Leben nichts gibt, was vor Gott Bestand hat. Wenn wir das Reich Gottes wie ein Kind annehmen, kommen in uns Freude und Dankbarkeit auf. Wir k\u00f6nnen dadurch dann in der Beziehung und Liebe zu Jesus wachsen.<br \/>\nSolange wir aber auf dieser Erde sind, gibt es Dinge, die uns den Eingang in das Reich Gottes versperren und das Erbe des Reiches Gottes aus der Hand rei\u00dfen wollen. Wie gehen wir mit dieser Herausforderung um? Lasst uns das im 3. Teil der Predigt betrachten.<\/p>\n<p><strong>3. Die Herausforderung des Reiches Gottes (V. 21 \u2013 30)<\/strong><br \/>\nAls der Oberste immer noch von seiner Gutartigkeit \u00fcberzeugt gewesen war, gebot Jesus ihm, all sein Hab und Gut zu verkaufen und das Geld den Armen zu geben. Der Mann dachte von sich, dass er die von Jesus zitierten sechs Gebote gehalten habe. Der Geist dieser Gebote war die N\u00e4chstenliebe. Jesu Gebot, den Erl\u00f6s den Armen zu geben, war eine Aufforderung zur puren N\u00e4chstenliebe. Im Vers 23 erfahren wir, dass der Mann Schwierigkeiten damit hatte, dieses Gebot zu befolgen. Denn er war sehr reich. Sp\u00e4testens als der Mann mit dieser Aufforderung Jesu konfrontiert worden war, h\u00e4tte er erkennen m\u00fcssen, dass auch er ein \u00dcbertreter des Gesetzes ist. Er h\u00e4tte erkennen m\u00fcssen, dass er sein Reichtum mehr liebhat als das Ewige Leben und damit mehr liebhat als Gott. Er war nicht nur \u00dcbertreter der sechs Gebote, sondern vor allem des allerersten Gebotes: Sein Reichtum war sein G\u00f6tze. Das Eine, was dem Mann fehlte, war also Gott selbst. Es fehlte ihm nicht nur das gewisse Etwas, sondern es fehlte ihm Alles. Mit all seiner Fr\u00f6mmigkeit konnte und wollte Gott nichts anfangen, weil Gott selbst darin keinen Platz hatte. Der Mann war sozusagen ein frommer G\u00f6tzendiener. Das Herz des Mannes hing an seinem Reichtum. Sein Herz war davon beherrscht. Und warum war das jetzt so schlimm? Anstelle Jesus nachzufolgen, ging er traurig weg. Dies bedauerte Jesus mit den Worten: Wie schwer werden die Reichen ins Reich Gottes hineinkommen! 25&nbsp;Denn es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadel\u00f6hr geht, als dass ein Reicher in das Reich Gottes hineinkommt. Weil sein Herz vom Reichtum beherrscht war, bildete der Reichtum ein Hindernis f\u00fcr das Empfangen des Ewigen Lebens. Solange sein Herz am Reichtum hing, war er nicht in der Lage, das Ewige Leben zu empfangen. Jesu Gebot, alles zu verkaufen, was er hatte, war eine geistliche Hilfe f\u00fcr den Mann. So h\u00e4tte er ganz praktisch sein Herzensproblem angehen k\u00f6nnen. Nicht zu jedem Menschen sagte Jesus, alles zu verkaufen, was man hat. Aber bei diesem Mann war es hilfreich. Jesus ermutigte ihn dazu mit den Worten: \u201eso wirst du einen Schatz im Himmel haben\u201c. Alles zu verkaufen, was er hatte, war nicht der Preis f\u00fcr das Ewige Leben. Das Ewige Leben ist ja umsonst. Aber es gibt Hindernisse zum Ewigen Leben, die es gilt zu \u00fcberwinden. Und eben der Reichtum ist ein Hindernis f\u00fcr viele Menschen, weil sie ihr Herz davon beherrschen lassen. Es kann aber auch etwas anderes als Reichtum sein, wie etwa Macht, Ansehen, Ehre, Stolz, Begierden etc. Das, wovon unser Herz beherrscht ist, behindert uns auf dem Weg zum Reich Gottes.<br \/>\nVerkaufe alles, was du hast, bedeutet in weiterem Sinne, das loszulassen, was uns beherrscht, und zwar restlos. Es war sicherlich kein Zufall, dass Jesus bei dem Mann genau das ansprach, was ihn beherrschte und behinderte, das Ewige Leben zu bekommen. Genau dasselbe tat Jesus auch mit der samaritischen Frau. Jesus m\u00f6chte auch bei uns das ansprechen, was uns beherrscht. Es kann auch sein, dass er uns absichtlich in Situationen f\u00fchrt, die uns vor die Wahl stellen, das loszulassen, was einem beherrscht. Man sollte sich fragen: Gibt es Dinge, die mich beherrschen? Welche? Wie kann es konkret in meinem Leben aussehen, alles zu verkaufen, was ich habe? Gibt es Situationen in meinem Leben, die mich eben gerade dazu auffordern, das, was mir wichtig ist, loszulassen?<br \/>\nIn Vers 28 bezeugt Petrus, dass er und die J\u00fcnger alles verlassen haben und Jesus nachgefolgt waren. Im Gegensatz zu dem reichen Mann hatten sie Jesu Aufforderung \u201eVerkaufe, alles was du hast\u201c befolgt. Jesus versprach ihnen und damit auch jedem, der um seinetwillen alles verkauft, was er hat, ihn um ein Vielfaches zu belohnen, und zwar nicht nur in der Ewigkeit, sondern auch bereits in diesem Leben. Zum Beispiel hatten die J\u00fcnger ihre H\u00e4user verlassen, aber daf\u00fcr die Aufnahme in vielen H\u00e4usern von Gl\u00e4ubigen gefunden. Sie hatten ihre Familien verlassen, aber daf\u00fcr hatte ihnen Gott viele andere geistliche Geschwister gegeben.<br \/>\nAls Jesus am Kreuz starb, verkaufte er alles, was er hatte, und zwar um unsertwillen. Der Erl\u00f6s davon ging ebenfalls an die Armen, n\u00e4mlich an uns. Wie der Z\u00f6llner, haben wir in uns nichts, was wir Gott vorweisen k\u00f6nnen. Wir sind arm. Aber Jesus wurde am Kreuz arm, um uns bei Gott reich zu machen. Er ist es wert, dass wir f\u00fcr ihn alles verkaufen, was wir haben.<br \/>\n______<br \/>\n[1] RIENECKER, F. 1959: Das Evangelium des Lukas. Erkl\u00e4rt von Fritz Rienecker. In: Wuppertaler Studienbibel, S. 424.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Essentielle Fragen zum Ewigen Leben \u201eWahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht annehmen wird wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.\u201c (Lukas 18,17) Das Lukas Evangelium ist eher thematisch als chronologisch geordnet. Auch in dem heutigen Text aus Kap. 18 reiht Lukas mehrere Begebenheiten aneinander, die thematisch miteinander verwandt sind. 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