{"id":11673,"date":"2023-04-23T11:00:03","date_gmt":"2023-04-23T09:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=11673"},"modified":"2025-02-04T05:38:43","modified_gmt":"2025-02-04T04:38:43","slug":"predigt-lukas-2027-40","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-lukas-2027-40\/","title":{"rendered":"Predigt: Lukas 20,27-40"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/2022-Lukas-L.-35_20-2740-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 class=\"western\" align=\"center\">Leben nach dem Tod<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201edoch in der zuk\u00fcnftigen Welt wird es anders sein \u2026\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Lukas 20,35)<\/p>\n<p>In Jerusalem wird Jesus von verschiedenen religi\u00f6sen und politischen Leitern herausgefordert. Das Resultat ist eine Reihe von Streitgespr\u00e4chen. Lukas ordnet diese ganzen Gespr\u00e4che auf eine Weise an, dass sie wie in Kurzform das ganze Leben von Jesus nachzuerz\u00e4hlen scheinen. Letzte Woche haben wir ein Gleichnis geh\u00f6rt, das Jesus in diesem Zusammenhang erz\u00e4hlt hatte. Wir betrachten heute ein weiteres Streitgespr\u00e4ch \u00fcber das Leben nach dem Tod. Wir sehen im Text heute, wie Jesus herausfordert wird und auf welche faszinierende Art und Weise Jesus darauf antwortet.<\/p>\n<p><strong>1. Die seltsame Herausforderung<\/strong><br \/>\nIn Vers 27 lesen wir, dass einige Sadduz\u00e4er zu Jesus kamen. Lukas erkl\u00e4rt, dass die Sadduz\u00e4er nicht an die Auferstehung glauben. Die Sadduz\u00e4er waren sowohl eine religi\u00f6se als auch eine politische Elite des Landes. Sie glaubten nicht an das \u00dcbernat\u00fcrliche, sie glaubten nicht an Engel und Geister, und sie glaubten auch nicht an ein Leben nach dem Tod. Was die Schrift angeht, glaubten die Sadduz\u00e4er nur an die ersten f\u00fcnf B\u00fccher Mose. Mit den Propheten konnten sie nichts anfangen.<br \/>\nDiese Sadduz\u00e4er stellen Jesus jetzt eine Frage. Die Frage wird mit einer ziemlich seltsamen und auch ziemlich d\u00e4mlichen Geschichte eingeleitet. Vor der Geschichte aber kommt noch ein Gebot in Vers 28: \u201eMeister, Mose hat uns folgendes Gesetz gegeben: Wenn ein Mann stirbt und zwar eine Frau, aber keine Kinder hinterl\u00e4sst, soll sein Bruder die Witwe zu einem Erben verhelfen.\u201c Wir finden das Gebot in 5. Mose 25,5 und folgende: Wenn eine Witwe keine Kinder hatte, dann durfte sie den Bruder ihres Mannes heiraten. F\u00fcr uns klingt dieses Gebot vermutlich sehr seltsam. Es hatte zwei Hintergr\u00fcnde. Zum einen waren Witwen damals in einer sehr verletzlichen Situation: sie konnten sich nicht einfach einen neuen Job suchen und sich ein zweites Standbein aufbauen. Sie waren auf Hilfe und Versorgung von au\u00dfen angewiesen. Der andere Grund war, dass der verstorbene Mann auf diese Weise Nachkommen haben sollte. Seine Linie sollte nicht abrupt enden. 5. Mose 25,6 sagt: \u201eDer erste Sohn, den sie bekommt, soll als Sohn des verstorbenen Bruders gelten, damit sein Name in Israel fortbesteht.\u201c<br \/>\nDie Sadduz\u00e4er hatten sich jetzt gedacht: Mal schauen wie es dann ist, wenn wir das Ganze ins Absurde f\u00fchren. Es waren einmal sieben Br\u00fcder. Der erste heiratete und starb ohne Nachkommen. Sein Bruder heiratet die Witwe. Wenig sp\u00e4ter stirbt er ebenfalls ohne Kinder. Das gleiche passiert mit dem dritten Bruder. Nachdem allen sieben Br\u00fcdern das gleiche Schicksal widerfahren ist, stirbt zuletzt die Witwe. Hier kommt jetzt die Frage in Vers 33: \u201eSage uns nun: Wessen Frau wird sie bei der Auferstehung sein? Denn alle sieben waren mit ihr verheiratet!\u201c<br \/>\nAllersp\u00e4testens nach dem dritten Todesfall h\u00e4tten sich die verbleibenden Br\u00fcder sagen m\u00fcssen: \u201eIrgendwas ist faul hier. Ich passe. Ich will die schwarze Witwe nicht heiraten.\u201c Nichtsdestotrotz, hinter einer makaberen und etwas d\u00e4mlichen Geschichte verbirgt sich eine relevante Frage. Macht das Konzept Sinn, dass mit dem Tod nicht alles aus ist? Macht es Sinn, dass es ein Leben nach dem Tod gibt? Oder ist das einfach nur Wunschdenken und einfach nur Opium f\u00fcr das Volk wie Karl Marx es gesagt h\u00e4tte? Gibt es da nicht einfach einen Haufen von Widerspr\u00fcchen, die unl\u00f6sbar erscheinen? Wer wird mit wem verheiratet sein ist nur eine dieser ungel\u00f6sten Fragen.<br \/>\nVor weniger als einem Jahr ist ein Pianist an Krebs gestorben, der mir sehr am Herzen liegt. Er hie\u00df Lars Vogt. Aber es ist nicht nur das Musikalische, was mich anr\u00fchrte. Er war ein zutiefst sympathischer, bodenst\u00e4ndiger, ehrlicher Mensch, der so viele Dinge sagte, was mich sofort angesprochen hatte. Wenige Monate vor seinem Tod erz\u00e4hlte er in einem Interview von seinem Klavierlehrer, der ungef\u00e4hr zehn Jahre vorher gestorben war. Er hatte zu seinem Lehrer ein sehr gutes und sehr freundschaftliches Verh\u00e4ltnis. Das Verh\u00e4ltnis war so gut, dass er auch sp\u00e4ter noch als 40-j\u00e4hriger immer wieder Rat bei ihm einholte. Beim letzten Unterricht erz\u00e4hlte er davon, wie sein Lehrer ihn richtig hart drangsalierte und ihn wie einen kleinen, unerfahrenen Jungen behandelte. So etwas kann nat\u00fcrlich richtig kr\u00e4nkend sein. Aber irgendwann sagte sein alter Lehrer: \u201eLars, du musst mir vergeben. Wenn man \u00e4lter wird, dann werden die Dinge dringend.\u201c<br \/>\nLars Vogt erz\u00e4hlte in diesem Interview davon, dass ihm bewusst war, dass er seine 4\u00bd Jahre alte Tochter vermutlich nicht als Erwachsene sehen w\u00fcrde. Er erz\u00e4hlte davon, wie die Krankheit und die Behandlung dazu f\u00fchrte, dass ihm an schlechten Tagen jegliche Energie fehlt, irgendetwas zu machen; dass selbst Lesen zu einer gro\u00dfen Anstrengung wird. Und dann brachte er das Zitat: \u201eWenn ich w\u00fcsste, dass morgen die Welt unterginge, w\u00fcrde ich heute noch ein Apfelb\u00e4umchen pflanzen.\u201c Zum Schluss sagt er diese Worte: \u201eIch mag den Gedanken, dass das Leben weitergeht.\u201c Dieses Gespr\u00e4ch hat viele Zuh\u00f6rer zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt.<br \/>\nIm dritten \u201eHerr der Ringe\u201c Film gibt es eine Szene, die ich fr\u00fcher schonmal erw\u00e4hnt hatte. Die Stadt Gondor wird gerade gest\u00fcrmt und ist gerade dabei zu Fallen. Der Hobbit Pippin und der Zauberer Gandalf befinden sich hinter dem letzten verschlossenen Tor, das ein riesiger Ork versucht aufzubrechen. Pippin sagt daraufhin: \u201eIch h\u00e4tte nicht gedacht, dass es so enden w\u00fcrde.\u201c Gandalf antwortet: \u201eEnden? Nein, die Reise ist hier nicht zu Ende. Der Tod ist nur ein weiterer Weg, einer, den wir alle gehen m\u00fcssen. Der graue Regenvorhang dieser Welt rollt zur\u00fcck, und alles wird zu silbernem Glas, und dann siehst du es.\u201c Pippin fragt: \u201eWas? Gandalf, was sehe ich?\u201c \u201eWei\u00dfe Str\u00e4nde und dahinter ein weites, gr\u00fcnes Land unter einer schnell aufgehenden Sonne.\u201c Pippin sagt daraufhin: \u201eDas ist gar nicht so schlecht.\u201c Gandalf best\u00e4tigt das: \u201eNein. Das ist es nicht.\u201c<br \/>\nWenn ihr wollt, k\u00f6nnt ihr diese Filmszene auf Youtube sehen. Tausende haben zu dieser Szene ihre Kommentare hinterlassen. Jemand schrieb folgendes: \u201eIch bin nicht besonders religi\u00f6s. Aber ich will, dass das bei meiner Beerdigung vorgelesen wird.\u201c Jemand anderes sagte: \u201eIch liebe es, wie Gandalf ganz beil\u00e4ufig eine Frage beantwortet, welche die Menschheit seit Jahrhunderten zu beantworten versucht.\u201c Und das ist eine Untertreibung. Denn tats\u00e4chlich ist die Frage nach dem Leben nach dem Tod so alt wie die Menschheit und der Tod selbst.<br \/>\nHier ist das, was ich sagen m\u00f6chte: ganz egal woran du glauben magst, jeder Mensch w\u00fcnscht sich, dass mit dem Tod nicht alles aus ist. Und bewusst oder unbewusst lebt jeder Mensch so, als ob es nach dem Tod irgendwie weitergeht. Vielleicht denkt ihr, dass das eine gewagte These ist. Um ein paar ganz einfache Beispiele zu geben: Egal welche Weltanschauung wir haben, wir glauben daran, dass Liebe real ist; wir glauben daran, dass es besser ist, einer \u00e4lteren Dame zu helfen, anstatt ihr die Handtasche zu rauben; dass es eine gute Sache ist, die Umwelt zu sch\u00fctzen, statt sie erbarmungslos auszubeuten; dass es nobel ist, sich um behinderte Menschen zu k\u00fcmmern und daran zu arbeiten, Krankheiten zu heilen. Fakt ist aber, dass alle guten Taten keine Bedeutung haben, wenn mit diesem Leben alles vorbei ist. Gute Taten w\u00fcrden dann ungef\u00e4hr so viel Sinn machen, wie das Deck der Titanic zu putzen, nachdem sie den Eisberg gerammt hat. Wir alle leben also wie, als ob der Tod nicht das letzte Wort hat.<br \/>\nAus diesem Grund befinden wir uns daher in diesem Spannungsfeld: Auf der einen Seite ist es schwer zu glauben oder zu begreifen, dass es eine Auferstehung von den Toten gibt; auf der anderen Seite ist es genauso schwer zu glauben und zu begreifen, dass es das nicht gibt.<br \/>\nWie beantwortet Jesus diese Frage dann?<\/p>\n<p><strong>2. Die \u00fcberraschende Antwort<\/strong><br \/>\nJesus gibt zwei Antworten auf diese Frage. In Vers 34 sagt Jesus: \u201eHier auf der Erde heiraten die Menschen und werden geheiratet.\u201c Besser \u00fcbersetzt das die Lutherbibel: \u201eDie Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten.\u201c Das griechische Wort hier ist huios. Und das gleiche Wort gebraucht Jesus wieder, in Vers 36, wenn es hei\u00dft: \u201eDenn sie k\u00f6nnen hinfort nicht sterben; denn sie sind den Engeln gleich und Gottes Kinder, weil sie Kinder der Auferstehung sind.\u201c Jesus stellt \u201edie Kinder der Welt\u201c \u201edie Kinder der Auferstehung\u201c gegen\u00fcber. Auf diese Weise macht er auf einen fundamentalen Unterschied aufmerksam. So lange wir hier auf Erden leben, sind wir Kinder dieser Welt. Wir heiraten gr\u00fcnden Familien und haben Kinder. So lange es diese Welt gibt, wird das auch nicht aufh\u00f6ren.<br \/>\nIrgendwo bin ich dankbar f\u00fcr die Frage der Sadduz\u00e4er. Jesus nimmt das zum Anlass, um uns ein klein wenig zu zeigen, wie die kommende Welt werden wird. Jesus sagt, dass die Menschen nicht mehr heiraten werden. Der Grund ist in Vers 36: \u201esie werden auch nicht mehr sterben.\u201c Die meisten Menschen heiraten, um Kinder zu zeugen. Aber Nachwuchs zu generieren, um damit die n\u00e4chste Generation zu sichern, wird nicht mehr notwendig sein, weil Menschen nicht mehr sterben. Die Annahme der Sadduz\u00e4er war, dass das Leben nach dem Tod einfach nur eine Fortsetzung des jetzigen Lebens ist. Jesus zeigt, dass diese Annahme grunds\u00e4tzlich falsch ist.<br \/>\nJesus gibt in den Versen 37 und 38 eine zweite Antwort. Jesus zitiert die Schrift. Im AT gibt es einige stellen, die explizit von der Auferstehung der Toten sprechen. In der Pfingstpredigt zitiert Petrus z.B. Psalm 16. Oder in Jesaja 26,19 hei\u00dft es: \u201eDoch die Toten, die Gott geh\u00f6ren, werden leben; sie werden von den Toten auferstehen! Die Begrabenen sollen sich erheben und vor Freude singen! Denn dein Tau ist strahlender Tau, und die Erde wird ihre Toten herausgeben!\u201c Das ist ziemlich eindeutig. In Daniel gibt es noch eine eindeutige Prophezeiung diesbez\u00fcglich. Aber Jesus erw\u00e4hnt keine einzige von diesen Textstellen.<br \/>\nStattdessen erw\u00e4hnt Jesus den brennenden Dornbusch. Verse 37 und 38: \u201eDass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose deutlich gemacht. In der Geschichte vom Dornbusch nennt er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs. Gott ist doch nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden; f\u00fcr ihn sind alle lebendig.\u201c Jesus zitiert keine obskure Textstelle. Er erw\u00e4hnt eine der wichtigsten Begebenheiten aus der Geschichte Israels. Dieser Text hat direkt mit dem Selbstverst\u00e4ndnis der Juden zu tun. D.&nbsp;h., Jesus besiegt sie auf ihrem Heimspielfeld, indem er direkt aus den B\u00fcchern zitiert, die die Sadduz\u00e4er als ma\u00dfgebend sahen.<br \/>\nGott offenbarte sich als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs zu einer Zeit als diese drei Patriarchen schon l\u00e4ngst im Grab lagen. Leon Morris fasst Jesu Argument folgenderma\u00dfen zusammen: \u201eDie Behauptung, dass Gott ein Gott der Lebenden und nicht ein Gott der Toten ist, kann nur dann wahr sein, wenn sie \u00fcber das Grab hinaus leben. Die Alternative w\u00e4re zu denken, dass Gott ein Gott der nichtexistierenden Wesen ist, was absurd w\u00e4re. Alles Leben, hier und im Jenseits, besteht aus Freundschaft mit Gott. Der Tod mag die physische Existenz beenden, aber keine Beziehung, die an und f\u00fcr sich ewig ist. Menschen k\u00f6nnen ihre Freunde durch den Tod verlieren aber nicht Gott.\u201c In Gott sind Abraham, Isaak und Jakob nicht einfach l\u00e4ngst verblichene Figuren oder alte Geschichte. Sie sind seine Freunde, die leben und die auferstehen werden.<br \/>\nJohn Ortberg schrieb in einem Artikel \u00fcber den christlichen Philosophen Dallas Willard: \u201eAls bei Dallas Willard im Sp\u00e4tsommer 2012 Bauchspeicheldr\u00fcsenkrebs diagnostiziert wurde, sagte er: &#8222;Ich glaube, dass wenn ich sterbe, es noch eine Weile dauern wird, bis ich es merke.&#8220; Dallas sagte immer Dinge, auf die sonst niemand kommen w\u00fcrde. Er sagte, dass eine Person eine Reihe von bewussten Erfahrungen ist, und dass f\u00fcr denjenigen, der Jesus vertraut und ihm folgt, selbst der Tod keine Macht hat, dieses Leben zu unterbrechen, denn Jesus sagte, dass derjenige, der ihm vertraut, den Tod nicht schmecken wird.\u201c Ich denke, dass es in der Tat das ist, was Jesus meinte, als er sagte, dass Gott ein Gott der Lebenden ist.<br \/>\nDas war die Art und Weise, wie Jesus die Einw\u00e4nde der Sadduz\u00e4er beantworte. Welche Einw\u00e4nde haben wir bez\u00fcglich der Auferstehung der Toten?<\/p>\n<p><strong>3. Jesu Antwort an uns<\/strong><br \/>\nIch habe vorhin gesagt, dass Jesus uns einen kleinen Einblick darin geben wird, wie die zuk\u00fcnftige Welt werden wird. Und ein gewaltiger Unterschied zwischen dieser und der kommenden Welt ist, dass es sp\u00e4ter keine Ehen und Familien in dem Sinne mehr geben wird. Kurze Frage an euch: Wer von euch war, als ihr zum ersten Mal geh\u00f6rt hattet, dass es in der kommenden Welt keine Ehe und Partnerschaft mehr geben wird, entt\u00e4uscht? Denkt ihr nicht auch (zumindest ganz tief im Innern), dass es damit vergleichbar ist, wenn man seiner Angebeteten bekennt, dass man in sie verliebt ist, und es folgt die Antwort: \u201eEs tut mir sehr leid. Aber ich m\u00f6chte nur Freundschaft.\u201c Und wir denken dann: \u201eNur Freundschaft? Wie entt\u00e4uschend!\u201c<br \/>\nHier in dieser Welt scheinen Romanze, Partnerschaft, Sex mit zum Aufregendsten zu geh\u00f6ren, was es \u00fcberhaupt gibt. Beim Elternabend hatte eine Biolehrerin davon erz\u00e4hlt, \u00fcber welchen Stoff welche Tests und Arbeiten geschrieben werden. Dann hatte jemand von den Eltern gefragt, ob es zum Thema Sex und Verh\u00fctung auch einen Test gibt. Und dann sagte sie: \u201eNein, das brauchen wir nicht. Das ist ein Stoff, bei dem die Klasse besonders gut zuh\u00f6rt und aufpasst. Da haben die Sch\u00fcler ein ziemlich hohes Ma\u00df an Eigenmotivation, das zu lernen.\u201c Fakt ist: Romantik und Eros werden in unserer Gesellschaft verg\u00f6ttert. Die Hoffnung, die Menschen auf die Liebe des Lebens setzen, ist schlichtweg \u00fcberdimensional. Wir leben in einer Zeit, in welcher der Irrglaube vorherrscht, dass das Leben ohne die gro\u00dfe Liebe nicht lebenswert ist. Die Erwartungen, die Menschen an Partnerschaft haben, sind v\u00f6llig unrealistisch.<br \/>\nDavon einmal abgesehen, ist es aber auch Tatsache, dass eine harmonische und funktionierende Ehe mit zum Sch\u00f6nsten geh\u00f6rt, was es hier auf Erden gibt. Wir h\u00f6ren Geschichten von Paaren, die \u00fcber die Jahrzehnte so eng zusammenwachsen, dass sie eins sind. Im Spiegel gab es einen kurzen Artikel \u00fcber ein Ehepaar aus Neuseeland: \u201eMehr als 60 Jahre lang waren Ruth und Peter Bedford unzertrennlich. Bis der 86-j\u00e4hrige Peter Bedford ins Krankenhaus eingeliefert wurde: Wenig sp\u00e4ter starb seine 83-j\u00e4hrige Ehefrau Ruth zu Hause. Neun Stunden sp\u00e4ter folgte dann auch ihr Ehemann, beide starben eines nat\u00fcrlichen Todes. Tochter Caroline Bedford sagte: \u201eEs ist gut, dass sie zusammen gegangen sind. Der eine w\u00e4re ohne den anderen v\u00f6llig verloren gewesen.\u201c Frage: Was w\u00e4re mit solch einem unzertrennlichen Ehepaar im Himmel? Im Himmel w\u00e4ren sie einfach \u201enur\u201c noch Freunde? Ist das nicht etwas traurig? Ist das nicht langweilig?<br \/>\nGreg Boyd geht auf diese Fragen ein. Nein, Gottes neue Welt ist alles andere als langweilig. Boyd argumentiert, dass wir aufgrund unserer Unreife, einfach keine Ahnung haben. Was die Realit\u00e4t Gottes angeht, sind wir Kleinkinder. Paulus schreibt im 1. Korintherbrief: \u201eJetzt erkennen wir nur wenig, und auch unser prophetisches Reden offenbart nur wenig! Doch wenn am Ende das Vollkommene erscheint, wird das Wenige aufh\u00f6ren. Als ich ein Kind war, redete und dachte und urteilte ich wie ein Kind. Doch als ich erwachsen wurde, legte ich das Kindliche ab. Jetzt sehen wir die Dinge noch unvollkommen, wie in einem tr\u00fcben Spiegel, dann aber werden wir alles in v\u00f6lliger Klarheit erkennen. Alles, was ich jetzt wei\u00df, ist unvollst\u00e4ndig; dann aber werde ich alles erkennen, so wie Gott mich jetzt schon kennt. Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei bleiben. Aber am gr\u00f6\u00dften ist die Liebe.\u201c<br \/>\nWir alle, die wir entweder Kinder haben oder mit Kindern zu tun haben, lieben die naiven und einfachen und kindlichen Gedanken, die sie von sich geben. Eine Grundschullehrerin erz\u00e4hlte davon, wie sie ihrer Klasse erkl\u00e4ren musste, woher Babys kommen; was \u201epassieren\u201c muss, damit eine Eizelle befruchtet wird. Ein Kind sagte daraufhin: \u201eIgitt! Und das haben meine Eltern dreimal gemacht?\u201c Kindliche Anschauungen sind super! Gleichzeitig wissen wir, dass es nicht so bleiben wird und auch nicht so bleiben kann. Irgendwann brauchen Menschen eine etwas reifere und differenziertere Sicht auf die Welt, die uns umgibt. Irgendwann m\u00fcssen wir verstehen, dass wir uns nicht nur von Pizza, Pommes und Eiscreme ern\u00e4hren k\u00f6nnen. Der Punkt ist, wir sind in Gottes Augen immer noch Kleinkinder. Aber Gott verspricht uns, dass wir aufwachsen werden, dass wir das Kindliche ablegen werden, dass wir in v\u00f6lliger Klarheit erkennen werden.<br \/>\nIn Bezug auf unsere W\u00fcnsche hat C.S. Lewis einmal folgendes geschrieben: \u201eEs scheint, dass unser Herr unsere Sehns\u00fcchte nicht zu stark, sondern zu schwach findet. Wir sind halbherzige Gesch\u00f6pfe, die mit Alkohol, Sex und Ehrgeiz herumspielen, wenn uns unendliche Freude angeboten wird, wie ein ignorantes Kind, das in einem Elendsviertel weiter Schlammkuchen backen will, weil es sich nicht vorstellen kann, was das Angebot eines Urlaubs am Meer bedeutet. Wir sind viel zu leicht zufriedenzustellen.\u201c Oder lasst es mich anders formulieren: Gott ist der Erfinder zwischenmenschlicher Romanze. Wenn er uns sagt, dass er noch etwas Gr\u00f6\u00dferes, Besseres und Sch\u00f6neres bereith\u00e4lt als das, vielleicht sollten wir ihm da vertrauen.<br \/>\nEine Anwendung zum Schluss: Jesus sagt uns, dass die zuk\u00fcnftige Welt anders sein wird. Vielleicht sollten wir uns mehr Zeit nehmen, uns vorzustellen, wie diese zuk\u00fcnftige Welt werden wird. Greg Boyd erz\u00e4hlte davon, wie er sich von seinem kranken und alten Vater verabschiedete. Seine letzten Worte an ihn waren: \u201ePapa, verbringe Zeit damit, vom Himmel zu tr\u00e4umen. Versuch dir einfach vorzustellen, wie es dort sein wird.\u201c Er l\u00e4chelte und sagte einfach: \u201eJa, mein Junge.\u201c Ich denke, wir sind gut beraten, das Gleiche zu tun. Versucht euch vorzustellen, wie wunderbar das kommende Leben werden wird.<br \/>\nVersucht euch eine Welt vorzustellen, in der es keine Krankheiten, kein Krebs, keine Herzleiden, kein Diabetes gibt; eine Welt, in der es keinen Tod mehr gibt und keine Leiden. Versucht euch eine Welt vorzustellen, in der es keine Kriege, keine K\u00e4mpfe und keine Konflikte gibt; eine Welt, die stattdessen an jeder Stelle durchdrungen ist vom unendlichen Frieden Gottes. Versucht euch eine Welt vorzustellen, in der es keine S\u00fcnde gibt: keine Selbstsucht und keine Selbstzentriertheit; eine Welt, in der jeder Mensch Gott von ganzem Herzen, ganzer Seele, ganzem Verstand und mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Kr\u00e4ften liebt; und eine Welt in der jeder seinen N\u00e4chsten so liebt wie sich selbst. Versucht euch eine Welt vorzustellen, in der die ganze Sch\u00f6pfung erl\u00f6st ist, in der es kein Fressen und Gefressen werden mehr gibt, kein \u00dcberleben nur des St\u00e4rkeren und Fitteren; eine Welt, in der Wolf und Lamm, Leopard und Ziege, zusammenleben, und ein kleiner Junge Kalb L\u00f6we und Vieh h\u00fcten wird. Versucht euch eine Welt vorzustellen, in der selbst B\u00e4ume und Berge in der Lage sein werden zu singen und zu tanzen; wenn B\u00e4ume und Berge das k\u00f6nnen werden, wozu werden wir erst in der Lage sein?<br \/>\nDas ist die Welt, in der wir, die Kinder Gottes, zu neuem Leben erweckt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Leben nach dem Tod \u201edoch in der zuk\u00fcnftigen Welt wird es anders sein \u2026\u201c (Lukas 20,35) In Jerusalem wird Jesus von verschiedenen religi\u00f6sen und politischen Leitern herausgefordert. Das Resultat ist eine Reihe von Streitgespr\u00e4chen. 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