{"id":11661,"date":"2023-04-16T11:00:18","date_gmt":"2023-04-16T09:00:18","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=11661"},"modified":"2025-02-04T05:38:44","modified_gmt":"2025-02-04T04:38:44","slug":"predigt-lukas-201-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-lukas-201-18\/","title":{"rendered":"Predigt: Lukas 20,1-18"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/04\/2022-Lukas-L.-34b_20-0118-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 class=\"western\" align=\"center\">Das Gleichnis von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eEr fing aber an, dem Volk dies Gleichnis zu sagen: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und verpachtete ihn an Weing\u00e4rtner und ging au\u00dfer Landes f\u00fcr eine lange Zeit.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Lukas 20,9)<\/p>\n<p>Vor zwei Wochen haben wir betrachtet, wie Jesus in Jerusalem eingezogen ist unter dem Jubel der Menschen, die riefen: \u201eGelobt sei, der da kommt, der K\u00f6nig, in dem Namen des Herrn!\u201c (19,38a) Durch seinen triumphalen Einzug hat Jesus sich als der wahre K\u00f6nig offenbart, den Gott verhei\u00dfen hat. Anschlie\u00dfend ging Jesus in den Tempel und vertrieb dort die H\u00e4ndler und sagte: \u201eMein Haus wird ein Bethaus sein\u201c (19,46a). Dadurch hat Jesus erneut demonstriert, dass er der Eigent\u00fcmer und Herr des Tempels ist. Im heutigen Text erfahren wir, wie die Leiter der Juden Jesus daraufhin zur Rede stellten, anstatt Jesu Offenbarung anzunehmen. Daraufhin erz\u00e4hlte Jesus dem Volk ein Gleichnis, in dem er ihre Geschichte mit Gott anschaulich zusammenfasste. Dieses Gleichnis war wie ein Spiegel, in dem sie sich selbst erkennen sollten, in dem sie vor allem Jesus als den Sohn Gottes erkennen sollten, und eine starke Ermahnung, von ihrem eingeschlagenen Weg umzukehren. Dieses Gleichnis veranschaulicht gleichzeitig die Beziehung zwischen Gott und uns Menschen im Allgemeinen und macht klar, warum Jesus unsere einzige Chance ist, unsere kaputte Beziehung zu Gott wiederherzustellen und von seinem Gericht gerettet zu werden. Ich bete, dass Jesus jedem von uns hilft, ihm zuzuh\u00f6ren, sodass er uns durch sein Wort ansprechen und helfen kann.<\/p>\n<p>Wie begann diese Auseinandersetzung? Als Jesus wieder im Tempel lehrte und dem Volk das Evangelium predigte, traten die Hohenpriester und Schriftgelehrten mit den \u00c4ltesten zu ihm und sagten: \u201eSage uns, aus welcher Vollmacht tust du das? Oder wer hat dir diese Macht gegeben?\u201c (2) Ihre Frage bezieht sich offensichtlich auf Jesu triumphalen Einzug in Jerusalem und darauf, dass er im Tempel die H\u00e4ndler vertrieben und dort t\u00e4glich Gottes Wort gelehrt hat. Aber statt Jesu Offenbarung anzuerkennen, fragten sie ihn, wer ihn dazu bevollm\u00e4chtigt hatte, und stellten so seine Autorit\u00e4t in Frage. Ihre Frage war zum einen unehrlich, weil Jesus durch sein Handeln gerade demonstriert hatte, wer er ist und woher seine Autorit\u00e4t kommt. Zum anderen war es eine Fangfrage. Die Hohenpriester, Schriftgelehrten und \u00c4ltesten hatten die h\u00f6chste religi\u00f6se und politische Autorit\u00e4t im Land; insbesondere galt der Hohepriester als oberster Verwalter des Tempels. Wenn Jesus zugab, dass er von diesen Leuten keine Vollmacht hatte, w\u00fcrde er als einer dastehen, der das geltende Recht gebrochen hat. Wenn Jesus aber sagen w\u00fcrde, dass seine Vollmacht vom Vater im Himmel kam, w\u00fcrden sie das sofort als Gottesl\u00e4sterung interpretieren und ihn deswegen anklagen.<\/p>\n<p>Wie reagierte Jesus auf ihre Frage? Er sagte zu ihnen: \u201eIch will euch auch eine Sache fragen; sagt mir: Die Taufe des Johannes \u2013 war sie vom Himmel oder von Menschen?\u201c Durch diese Gegenfrage stellte Jesus die Aufrichtigkeit der religi\u00f6sen Leiter auf die Probe. Eigentlich war Jesu Frage leicht zu beantworten. Johannes der T\u00e4ufer hatte mit gro\u00dfer geistlicher Vollmacht gepredigt, sodass die meisten Menschen im Volk zu ihm in die W\u00fcste gingen und sich von ihm taufen lie\u00dfen und \u00fcberzeugt waren, dass er ein Prophet war, dessen Vollmacht von Gott kam. Das wussten die Leiter offenbar, wollten es aber nicht anerkennen. Sie trauten sich aber auch nicht zu behaupten, dass Johannes\u2018 Wirken nur menschlich war, weil sie bef\u00fcrchteten, dass das Volk sie daf\u00fcr steinigen w\u00fcrden. Die Leiter fragten nicht danach, was richtig und wahr ist, sondern \u00fcberlegten hin und her, welche Antwort welche Folge h\u00e4tte. Sie waren Menschen, die nicht mehr nach der Wahrheit fragten, sondern nur danach, was ihren Interessen diente. Sie ignorierten die Wahrheit und lie\u00dfen sich von ihren Interessen an Ansehen, Macht und Geld leiten. Schlie\u00dflich sagten sie Jesus, sie w\u00fcssten nicht, wo die Autorit\u00e4t von Johannes herkam. Daraufhin sagte Jesus ihnen: \u201eSo sage ich euch auch nicht, aus welcher Vollmacht ich das tue\u201c (8). Durch seine Antwort hat Jesus nicht nur vermieden, in ihre Falle zu laufen. Jesus hat auch aufgedeckt, wie verkehrt die religi\u00f6sen Leiter dachten, wie verkehrt ihre Haltung der Wahrheit bzw. Gott gegen\u00fcber war. Jesus muss \u00fcber ihre ignorante Haltung betr\u00fcbt gewesen sein, weil sie sich dadurch unf\u00e4hig machten, Jesus zu erkennen, der sie retten wollte. Jesus muss umso mehr bek\u00fcmmert gewesen sein, weil sie als religi\u00f6se Leiter damit auch das Volk vom Weg zur Rettung abhielten. Was tat Jesus in dieser Situation?<\/p>\n<p>Betrachten wir Vers 9: \u201eEr fing aber an, dem Volk dies Gleichnis zu sagen: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und verpachtete ihn an Weing\u00e4rtner und ging au\u00dfer Landes f\u00fcr eine lange Zeit.\u201c Jesus war keineswegs orientierungslos. Er fing an, dem Volk ein Gleichnis zu erz\u00e4hlen, das ihnen helfen sollte, Gottes Geschichte mit ihnen Werk zu begreifen und nicht den gleichen Weg zu gehen, den ihre Leiter eingeschlagen hatten. Gleichzeitig gab Jesus dadurch auch den Leitern nochmal eine Gelegenheit, Gottes Liebe und ihre eigene b\u00f6se Haltung zu erkennen und Bu\u00dfe zu tun, wenn sie irgendwie noch dazu bereit w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Das Bild vom Weinberg war den Zuh\u00f6rern damals sehr vertraut. In Israel gab es schon lange viele Weinberge, weil Wein ein h\u00e4ufiges Getr\u00e4nk war. Einen Weinberg anzulegen war damals die gewinntr\u00e4chtigste M\u00f6glichkeit, um ein St\u00fcck fruchtbares Land zu nutzen. Daher war es nicht selten, dass ein reicher Mensch einen Weinberg anlegte und ihn anschlie\u00dfend an Weing\u00e4rtner verpachtete, wenn er keine Zeit hatte, ihn zu bewirtschaften. F\u00fcr die Weing\u00e4rtner, die gew\u00f6hnlich kein eigenes Land besa\u00dfen, war es eine gro\u00dfartige Chance, den Weinberg pachten zu d\u00fcrfen. Sie konnten ihn nach ihrem Ermessen bearbeiten und konnten die Trauben essen oder zu Wein machen und sich davon alles kaufen, was sie zum Leben brauchten. Und all das, ohne dass sie irgendeine Vorleistung bringen mussten. Sie mussten dem Eigent\u00fcmer nur die vereinbarte Pacht geben. Die Pacht war damals gew\u00f6hnlich zehn Prozent, sodass sie neunzig Prozent des Ertrags f\u00fcr sich frei zur Verf\u00fcgung hatten. Anfangs m\u00fcssen sie dem Eigent\u00fcmer dankbar gewesen sein, dass er ihnen seinen guten Weinberg anvertraute, und sie machten sich mit Freude an die Arbeit. Alles fing gut an.<\/p>\n<p>Wie ging es aber weiter? Vers 10 sagt: \u201eUnd als die Zeit kam, sandte er einen Knecht zu den Weing\u00e4rtnern, damit sie ihm seinen Anteil g\u00e4ben an der Frucht des Weinbergs\u201c (10a). Wenn man einen Weinberg anlegt, dauert es zwei bis drei Jahre, bis die Weinst\u00f6cken zum ersten Mal Fr\u00fcchte tragen. Als es so weit war, sandte der Eigent\u00fcmer einen Knecht, damit die Weing\u00e4rtner ihm seinen vereinbarten Anteil g\u00e4ben. Aber die reagierten ganz \u00fcberraschend. Es hei\u00dft: \u201eAber die Weing\u00e4rtner schlugen ihn und schickten ihn mit leeren H\u00e4nden fort.\u201c Ihre Reaktion war v\u00f6llig unangemessen. Ihre Reaktion zeigte, dass sie keinerlei Dankbarkeit mehr gegen\u00fcber dem Eigent\u00fcmer hatten und keinen Respekt. Dass sie den Knecht schlugen und mit leeren H\u00e4nden wegschickten, war eine Verachtung des Eigent\u00fcmers und ein offener Affront gegen ihn.<\/p>\n<p>Der Herr h\u00e4tte sie f\u00fcr ihr unrechtes Verhalten bestrafen k\u00f6nnen; aber das tat er nicht. Die Verse 11 und 12 sagen: \u201eUnd er sandte noch einen zweiten Knecht; sie aber schlugen den auch und schm\u00e4hten ihn und schickten ihn mit leeren H\u00e4nden fort. Und er sandte noch einen dritten; sie aber schlugen auch den blutig und stie\u00dfen ihn hinaus.\u201c Der Eigent\u00fcmer sprach die Weing\u00e4rtner immer wieder durch seine Knechte an, um sie dazu zu bewegen, ihm seinen Anteil zu geben. Aber sie weigerten sich jedes Mal und schlugen seine Knechte, wobei sie immer aggressiver wurden. Ihr Verhalten zeigt, dass sie nicht bereit waren, den Herrn als Eigent\u00fcmer anzuerkennen. Obwohl der geforderte Anteil nicht gro\u00df war, wollten sie alles f\u00fcr sich selbst behalten. Von dieser Habgier getrieben, wiesen sie alle Knechte entschieden zur\u00fcck, egal, wie freundlich oder ernst diese sie ansprachen.<\/p>\n<p>Wie reagierte der Eigent\u00fcmer? Vers 13 sagt: \u201eDa sprach der Herr des Weinbergs: Was soll ich tun? Ich will meinen lieben Sohn senden; vielleicht werden sie sich vor dem scheuen.\u201c Der Eigent\u00fcmer musste \u00fcberlegen, was er tun sollte. Die Weing\u00e4rtner hatten alle seine Knechte geschlagen und davongejagt. Damit hatten sie gezeigt, dass sie ihn nicht mehr anerkannten und ihm seinem Anteil nicht geben wollten. Ihre wiederholte Aggression hatte gezeigt, wie stark sie sich von ihm abgewandt hatten und wie tief ihre rebellische Haltung ihm gegen\u00fcber war. Eigentlich sollte er sie wegen ihrem kriminellen Verhalten vor Gericht stellen und sie bestrafen lassen. Aber er sagte: \u201eIch will meinen lieben Sohn senden; vielleicht werden sie sich vor dem scheuen.\u201c Obwohl er so viele schlechte Erfahrungen mit ihnen gemacht hatte, wollte er seinen geliebten Sohn senden. Er ging das Risiko ein, dass sie auch ihn verwerfen und misshandeln w\u00fcrden. Seine Worte \u201eVielleicht werden sie sich vor dem scheuen\u201c wundern uns, weil sie nicht zu der Realit\u00e4t passen, wie die Weing\u00e4rtner sich verhalten hatten. Seine Hoffnung kam aus seiner Liebe zu ihnen und dem Wunsch, die Beziehung zu ihnen irgendwie wiederherzustellen.<\/p>\n<p>Aber wie reagierten die Weing\u00e4rtner? \u201eAls aber die Weing\u00e4rtner den Sohn sahen, dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das ist der Erbe; lasst uns ihn t\u00f6ten, damit das Erbe unser sei. Und sie stie\u00dfen ihn hinaus vor den Weinberg und t\u00f6teten ihn\u201c (14.15a). Sie lehnten auch den Sohn ab und t\u00f6teten ihn. Sie waren von ihrer Habgier so verblendet, dass sie nicht mehr vern\u00fcnftig denken konnten und sich einbildeten, dass sie Eigent\u00fcmer des Weinbergs w\u00fcrden, wenn sie den Sohn t\u00f6teten.<\/p>\n<p>Jesus fuhrt fort: \u201eWas wird nun der Herr des Weinbergs mit ihnen tun? Er wird kommen und diese Weing\u00e4rtner umbringen und seinen Weinberg andern geben\u201c (15b). Mit der T\u00f6tung des Sohnes hatten die Weing\u00e4rtner ihre letzte und beste Chance zur Vers\u00f6hnung vertan. Der Eigent\u00fcmer w\u00fcrde sie umbringen und seinen Weinberg anderen geben. Jesus k\u00fcndigte den Zuh\u00f6rern dadurch an, dass Gott den Juden sein Erl\u00f6sungswerk wegnehmen und es den Heiden anvertrauen w\u00fcrde. Sie verloren ihr Privileg, als Gottes Volk in der Gemeinschaft mit ihm zu leben. 70 nach Christus w\u00fcrde Jerusalem von den R\u00f6mern belagert und v\u00f6llig zerst\u00f6rt werden. Als die j\u00fcdischen Leiter davon h\u00f6rten, sagten sie erschrocken: \u201eDas sei ferne!\u201c (16) Jesus sah sie an und sagte: \u201eWas bedeutet dann das, was geschrieben steht: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden? Wer auf diesen Stein f\u00e4llt, der wird zerschellen; auf wen er aber f\u00e4llt, den wird er zermalmen\u201c (17.18). Dieses Wort war ein Zitat aus Psalm 118,22, den die Juden kannten. Der Eckstein war fr\u00fcher ein besonders gro\u00dfer quaderf\u00f6rmiger Stein, der an der Ecke des Geb\u00e4udes gebraucht wurde und das ganze Geb\u00e4ude trug. Durch das Gleichnis und das Wort vom Eckstein offenbarte Jesus deutlich, dass er der Sohn Gottes ist; und dass er die beste Chance und letzte Chance ist, sich mit Gott zu vers\u00f6hnen.<\/p>\n<p>Mit diesem Gleichnis hat Jesus die Geschichte von Gott mit seinem Volk Israels bis zu seiner Zeit abgebildet. Gott hatte sie aus der Sklaverei herausgeholt und in ein gutes, fruchtbares Land gef\u00fchrt, in dem sie sich ern\u00e4hren und f\u00fcr Gottes Ehre sinnvoll leben konnten. Aber im Laufe der Zeit verloren sie ihre Dankbarkeit und verga\u00dfen Gott, dem sie alles zu verdanken hatten. Sie vers\u00e4umten es, ihm ihre Opfer und ihren Gehorsam zu geben, und wollten ganz f\u00fcr sich nach Lust und Laune leben. Sie machten Wohlstand und Sicherheit zum Ziel und dienten anderen G\u00f6ttern, durch die sie diese Ziele zu erreichen hofften. Sie wiesen die Propheten, die Gott ihnen unerm\u00fcdlich sandte, zur\u00fcck, verh\u00f6hnten und schlugen sie. Sie wurden so besessen von ihrer Habgier, alles f\u00fcr sich zu besitzen, dass sie schlie\u00dflich auch den Sohn Gottes nicht anerkannten und nun im Begriff waren, ihn sogar zu t\u00f6ten. Jesu Gleichnis war eine ultimative Warnung an sie, Gottes ausgestreckte Hand nicht abzuschlagen, sondern sie zu ergreifen.<\/p>\n<p>Mit diesem Gleichnis beschreibt Jesus auch die Beziehung zwischen Gott und den Menschen im Allgemeinen. Gott schuf die Welt mit einem guten Klima, Pflanzen und Tieren als eine gute Lebensumgebung f\u00fcr die Menschen und vertraute sie ihnen an. Gott gab ihnen die sinnvolle Aufgabe, die Erde zu bebauen und zu bewahren, wof\u00fcr sie ihre F\u00e4higkeiten, Kraft und Kreativit\u00e4t einsetzen d\u00fcrfen und von Gott viel Freiheit bekommen haben. Trotzdem bleibt Gott der Eigent\u00fcmer der Welt und von allem, was darauf ist, und will als solcher anerkannt werden.<\/p>\n<p>Gott hat auch jedem von uns das Leben mit einem K\u00f6rper, bestimmten F\u00e4higkeiten und einem bestimmten Umfeld aus Familie und Freunden und einen Platz in seiner Gemeinde als seinen pers\u00f6nlichen Weinberg gegeben. Jeder hat in seinem Weinberg Raum zum Leben und eine sinnvolle Aufgabe, die er wahrnehmen und gestalten darf. Dabei l\u00e4sst Gott uns viel Freiheit. Aber Gott will von jedem von uns als Gott anerkannt werden und fordert dazu seinen Anteil.<\/p>\n<p>Was ist der \u201eAnteil\u201c, den Gott von den Menschen fordert? In der Bibel lesen wir an vielen Stellen, dass Gott von seinem Volk verlangt, dass sie ihn als Eigent\u00fcmer anerkennen sollen, indem sie ihm den zehnten Teil vom Ertrag ihrer Felder und ihrer Tierherden geben. Die Opferung des Zehnten wird schon im ersten Buch der Bibel in Kapitel 15 erw\u00e4hnt, wo der Glaubensvater Abraham Gott den Zehnten opferte. Sp\u00e4ter hat Gott das Opfern des Zehnten im Gesetz verankert. Die ganze Geschichte hindurch hat Gott seinem Volk immer wieder Propheten gesandt, die sie ermahnten, Gott zu f\u00fcrchten und ihm praktisch den Zehnten zu geben. Im Buch Maleachi, dem letzten Propheten im Alten Testament, ist ein Hauptinhalt, dass Gott das Volk tadelte, weil sie ihm nicht den Zehnten in voller H\u00f6he brachten. Sie gaben zwar den Zehnten von ihren Fr\u00fcchten und ihren Herden, aber sie gaben Gott nicht jedes zehnte Tier, sondern opferten ihm blinde oder gel\u00e4hmte bzw. minderwertige Tiere. Gott tadelte sie und warf ihnen vor, dass sie ihn dadurch betrogen und verachteten. Warum hat Gott das Opfer des Zehnten so ernst genommen, obwohl er weder Getreide noch Tiere braucht? Gott verlangte es so nachdr\u00fccklich, weil sie ihn dadurch praktisch als Eigent\u00fcmer und Herrn ihres Lebens anerkennen sollten. Gott verkn\u00fcpfte seine Aufforderung mit einer gro\u00dfen Verhei\u00dfung: \u201eBringt aber die Zehnten in voller H\u00f6he in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und pr\u00fcft mich hiermit, spricht der Herr Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herabsch\u00fctten die F\u00fclle\u201c (Maleachi 3,10). Diese Form der Anerkennung w\u00fcnscht sich Gott auch von uns als seinen Kindern im neuen Bund. Wenn wir den Zehnten von unseren Eink\u00fcnften opfern, erkennen wir Gott praktisch als den Eigent\u00fcmer und Herrn unseres Lebens an. Dadurch k\u00f6nnen wir in einer Haltung des Respekts und des Vertrauens ihm gegen\u00fcber bleiben, ob unsere Einnahmen klein oder gro\u00df sind. Au\u00dferdem k\u00f6nnen wir uns dadurch davor sch\u00fctzen, dass wir unser Einkommen bzw. Geld zu unserem Ziel machen und in Habgier oder Sorgen verfallen. Stattdessen werden wir erfahren, dass Gott seine Verhei\u00dfung noch heute erf\u00fcllt und vielerlei Segen auf uns herabsch\u00fctten wird.<\/p>\n<p>Das Opfer des Zehnten ist nat\u00fcrlich nicht das Einzige, wodurch wir Gott unsere Anerkennung zeigen sollen. Gott sagte durch den Propheten Micha: \u201eEs ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe \u00fcben und dem\u00fctig sein vor deinem Gott\u201c (Micha 6,8). Gott will grundlegend, dass wir ihn als Gott achten, indem wir seine Worte h\u00f6ren und behalten und dem\u00fctig danach leben, insbesondere unsere Mitmenschen lieben. Jesus sagte seinen J\u00fcngern am Abend vor seiner Kreuzigung: \u201eLiebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten.\u201c Und: \u201eWer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen\u201c (Johannes 14,15.23). Der Anteil, den Gott verlangt, ist nicht viel. Wir sollen dem\u00fctig auf Jesu Worte h\u00f6ren und praktisch danach leben. Das ist nicht schwer, sondern eigentlich f\u00fcr jeden machbar. Dadurch werden wir immer mehr Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn haben und ihn immer mehr erkennen. Was ist dann eigentlich das Problem?<\/p>\n<p>Das Problem hat Jesus im heutigen Gleichnis dargestellt. Die Weing\u00e4rtner h\u00e4tten dem Eigent\u00fcmer nat\u00fcrlich seinen Anteil ohne weiteres geben k\u00f6nnen. Von neunzig Prozent der Trauben konnten sie gut leben. Aber in ihnen kam die Begierde auf, den Weinberg ganz f\u00fcr sich zu besitzen und nichts von seinem Ertrag abzugeben. Diese Begierde kam auf, als sie ihre Dankbarkeit gegen\u00fcber dem Eigent\u00fcmer verloren. Als sie die Begierde in ihrem Herzen zulie\u00dfen, verleitete sie sie dazu, eine kritische und ablehnende Einstellung gegen\u00fcber dem Herrn zu entwickeln und gegen ihn immer st\u00e4rker zu rebellieren. Ihre Begierde f\u00fchrte dazu, dass ihre Wahrnehmung immer verzerrter war, bis sie nicht mehr vern\u00fcnftig denken konnten, sondern sich einbildeten, sie w\u00fcrden Eigent\u00fcmer des Weinbergs werden, wenn sie den Sohn t\u00f6teten.<\/p>\n<p>Damit beschreibt Jesus das abgrundtiefe s\u00fcndige Verlangen im Herzen von uns Menschen, alles f\u00fcr uns selbst haben und niemanden \u00fcber uns anzuerkennen zu wollen, dem wir etwas zu geben haben. Diese Begierde und Aufbegehren gegen Gott ist das grundlegende Problem, durch das der Mensch sich selbst und andere ungl\u00fccklich macht und zugrunde richtet, das sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Es fing damit an, dass die ersten Menschen sich verf\u00fchren lie\u00dfen, etwas gegen Gottes Gebot zu tun, und ging damit weiter, dass Kain seinen Bruder erschlug und danach frech zu Gott sagte: \u201eSoll ich meines Bruders H\u00fcter sein?\u201c Die Begierde, alles f\u00fcr sich zu haben, ist an sich unvern\u00fcnftig und unerf\u00fcllbar. Sie l\u00e4sst uns Menschen nicht gl\u00fccklich werden, sondern f\u00fchrt dazu, dass wir unsere Umwelt, unsere Beziehungen zu anderen Menschen und vor allem unsere Beziehung zu Gott zerst\u00f6ren und dadurch unser Leben selbst zugrunde richten. Alle Bem\u00fchungen der Menschen, das durch ausgefeilte Gesetze, moralische Regeln und Religionen zu verhindern, schlagen fehl. Gott selbst ist derjenigen, der sich die Geschichte hindurch st\u00e4ndig bem\u00fcht hat, uns Menschen anzusprechen, an unsere Vernunft zu appellieren und uns zur Umkehr zu ihm f\u00fchren. Gott hat dieses Bem\u00fchen trotz unz\u00e4hliger R\u00fcckschl\u00e4ge und Entt\u00e4uschungen nicht aufgegeben, weil er uns Menschen liebt und die Beziehung zu uns wiederherstellen will, anstatt uns richten zu m\u00fcssen. Schlie\u00dflich hat Gott daf\u00fcr sogar seinen geliebten Sohn zu uns gesandt.<\/p>\n<p>Jesu Kommen ist der ultimative Ausdruck von Gottes Liebe zu uns und von seinem Bem\u00fchen, die Beziehung zu uns wiederherzustellen. Dass Jesus schlie\u00dflich am Kreuz starb, beweist, dass wir Menschen tats\u00e4chlich so schlimm sind, wie Jesus es in dem Gleichnis dargestellt hat. Gleichzeitig ist Jesu Tod f\u00fcr uns s\u00fcndige Menschen die ultimative Chance, von unserer Bosheit geheilt zu werden und geistlich wiederhergestellt zu werden, wenn wir seinen Tod wirklich von Herzen annehmen und Bu\u00dfe tun. Das Gleichnis fordert dadurch umso mehr jeden von uns heraus, unseren eigenen Standpunkt zu bestimmen und unsere Antwort darauf zu geben. Jesus ist Gottes lieber Sohn, der zu uns kam, damit wir uns durch ihn mit Gott vers\u00f6hnen k\u00f6nnen. Jesus ist der Eckstein, an dem kein Mensch vorbeikommt, auf den jeder entweder sein ewiges Leben bauen kann oder an dem er mitsamt seinen Illusionen zerschellen wird.<\/p>\n<p>Wie die Weing\u00e4rtner im Gleichnis haben die meisten Menschen ihre eigenen Priorit\u00e4ten im Leben, Begierde nach bestimmten Dingen und Zielen, die ihnen wichtiger sind als Gott und eine richtige Beziehung zu ihm. Weil sie Gott nicht den ersten Platz in ihrem Leben geben wollen, sind sie geistlich verblendet und k\u00f6nnen auch den Sohn Gottes nicht erkennen. Dadurch k\u00f6nnen sie keine richtige Beziehung zu Gott erlangen, auch wenn sie formal ein religi\u00f6ses Leben f\u00fchren und Gottesdienste feiern m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage ist, was wir wirklich im Herzen haben. Wir sollen uns selbst pr\u00fcfen, was uns im Herzen antreibt. Treibt dich die Liebe Gottes und sein Geist dazu an, ihn zu ehren und ihm praktisch das Beste deiner Zeit, Kraft, F\u00e4higkeiten und Mittel zu geben? Oder gibt es eine Habgier, die dich verleitet, deine Zeit und Kraft am meisten f\u00fcr andere Dinge oder Ziele einzusetzen? Jesu Gleichnis und die Geschichte Israels zeigen, dass eine f\u00f6rmliche Beziehung zu Gott nicht reicht, sondern dazu f\u00fchrt, dass wir Gott und uns selbst betr\u00fcgen und untergehen. M\u00f6ge Gott uns helfen, auf Jesus zu schauen, der am Kreuz f\u00fcr unsere Habgier und alles s\u00fcndige Streben gestorben ist, daf\u00fcr vor Gott Bu\u00dfe zu tun und ihn als den Herrn unseres Lebens tief anzunehmen, sodass wir ihm wirklich die Priorit\u00e4t in unserem Leben geben, ihm unsere Zeit und Kraft und unser Herz zur Verf\u00fcgung stellen und unser Leben auf ihn bauen!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Das Gleichnis von den b\u00f6sen Weing\u00e4rtnern \u201eEr fing aber an, dem Volk dies Gleichnis zu sagen: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und verpachtete ihn an Weing\u00e4rtner und ging au\u00dfer Landes f\u00fcr eine lange Zeit.\u201c (Lukas 20,9) Vor zwei Wochen haben wir betrachtet, wie Jesus in Jerusalem eingezogen ist unter dem Jubel der Menschen, die [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[13,4],"tags":[],"class_list":["post-11661","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lukas","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11661","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=11661"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11661\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11665,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/11661\/revisions\/11665"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=11661"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=11661"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=11661"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}