{"id":11550,"date":"2023-02-19T11:00:17","date_gmt":"2023-02-19T10:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/?p=11550"},"modified":"2025-02-04T05:38:47","modified_gmt":"2025-02-04T04:38:47","slug":"predigt-lukas-1619-31","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-lukas-1619-31\/","title":{"rendered":"Predigt: Lukas 16,19-31"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/02\/2022-Lukas-L.-28_16-1931-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 class=\"western\" align=\"center\">Lazarus und der Reiche<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eEs geschah aber: Der Arme starb und wurde von den Engeln in Abrahams Scho\u00df getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Lukas 16,22)<\/p>\n<p>Das Gleichnis von dem Reichen und dem armen Lazarus ist ein Text, \u00fcber den man eigentlich zweimal predigen sollte. Es gibt zwei Themen, von denen wir heute nur eines beleuchten k\u00f6nnen. Das erste Thema ist der Umgang mit Geld. Dieses Gleichnis steht im Kontext von verschiedenen Gespr\u00e4chen und Diskussionen, die sich um das Thema Geld drehen. Und auch in unserem Text geht es darum. Das andere gro\u00dfe Thema ist die H\u00f6lle. Was geschieht, nachdem wir sterben? Ist mit dem Tod alles vorbei, oder kommt da noch etwas?<br \/>\nWir besch\u00e4ftigen uns heute vor allem mit dem zweiten Thema. Der Grund daf\u00fcr ist, weil es ein schwieriges und auch extrem unbequemes Thema ist, \u00fcber das wir nicht so oft sprechen. Gleichzeitig ist es ein sehr wichtiges Thema. Und vielleicht wird \u00fcber dieses Thema nicht so h\u00e4ufig gepredigt, weil es auch leicht missverstanden werden kann. Oder anders gesagt: es gibt verschiedene Meinungen zu diesem Thema. Ich will heute das weitergeben, was ich aufgrund von dem Text verstanden habe.<br \/>\nDie drei Teile der Predigt sind: erstens, heute; zweitens, morgen; drittens, heute. Das ist die Kurzform, damit ihr euch gut erinnern k\u00f6nnt. Die l\u00e4ngere Form: erstens, die Identit\u00e4t, die wir heute bauen; zweitens, was davon morgen standhalten wird; drittens, was Gott uns heute anbietet.<\/p>\n<p><strong>1. Die Identit\u00e4t, die wir heute bauen<\/strong><br \/>\nZwei Personen werden uns im Gleichnis vorgestellt, die unterschiedlicher nicht sein k\u00f6nnten. Vers 19: \u201eEs war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag f\u00fcr Tag glanzvolle Fest feierte.\u201c Die Beschreibungen, die Jesus hier erw\u00e4hnt, klingen in unseren Ohren vielleicht etwas fremd. Wir w\u00fcrden heute Reichtum vielleicht eher dar\u00fcber definieren, welche Immobilien eine Person wo besitzt; oder wie viel Geld sich auf dem Konto befindet. Als der Republikaner Mitt Romney sich um die amerikanische Pr\u00e4sidentschaft beworben hatte, haben sich viele Menschen \u00fcber ihn lustig gemacht, weil er unglaublich reich ist und aufgrund dessen unglaublich weltfremd ist und die N\u00f6te der \u201enormalen\u201c Menschen nicht verstehen kann. In einem Artikel hie\u00df es, dass viele Leute sagten, dass er ein ungeeigneter Kandidat ist, weil es in seinem Haus einen Aufzug gibt, damit er mehrere Autos in seiner Garage unterbringen kann: wie abgehoben! Der Autor sagte dazu, dass diese Behauptung unfair ist, weil Romney viele H\u00e4user besitzt und es nicht in allen seinen H\u00e4usern einen solchen Aufzug gibt. Wir verstehen alle: so jemand ist wirklich sehr reich.<br \/>\nDer Mann, den Jesus uns vorstellt, war auch sehr reich. Er kleidete sich in Purpur und feine Leinen. Purpur war der teuerste Farbstoff der Antike. Dieser Farbstoff war so exklusiv und so aufw\u00e4ndig in der Herstellung, dass es eigentlich nur den allerh\u00f6chsten politischen Ebenen erlaubt war. Es war die Kleidung des Kaisers. Aber Geld regierte auch damals schon die Welt. Und wer es sich leisten konnte, weil er viel zu viel Geld hatte, trug diesen Stoff, um allen Menschen anzuzeigen, wie reich man war. Dann trug er auch noch feinen Leinen. Falls ihr euch fragt, was das ist: Das ist Unterw\u00e4sche. Kleidung war damals extrem teuer, und die meisten Menschen trugen keine Unterw\u00e4sche. Der Reiche trug aber Unterw\u00e4sche, und nicht nur irgendwelche Unterw\u00e4sche: feinste Leinen. Was Jesus hier sagte, war, dass selbst die Unterhose des Reichen war s\u00fcndhaft teuer.<br \/>\nNoch zwei weitere Details sehen wir. Das eine Detail: der Arme lag vor seinen Toren. Die meisten von uns haben eine Wohnungst\u00fcr, z.&nbsp;B. an unserer Mietwohnung, aber wir haben kein Tor. Tor deutet darauf hin, dass der Reiche ein gro\u00dfes Anwesen hatte, eine Luxus-Villa mit entsprechenden Eingangsbereichen. Und das andere Detail: er feierte Tag f\u00fcr Tag rauschende Feste. Jesus ist sicherlich der Letzte, der etwas gegen gro\u00dfe Feste einzuwenden h\u00e4tte. Im Gleichnis von den verlorenen S\u00f6hnen wird bei der R\u00fcckkehr des j\u00fcngeren Bruders ein gro\u00dfes Fest gefeiert. Das Himmelreich wird mit einem gro\u00dfen Fest verglichen. Feste sind an und f\u00fcr sich eine sch\u00f6ne Sache. Aber das, was Jesus im Gleichnis beschreibt, geht \u00fcber alles Ertr\u00e4gliche hinaus. Das Leben des Reichen war eine einzige, exzessive Party-Meile. Jeden Tag war er damit besch\u00e4ftigt, es so richtig krachen zu lassen, mit Champagner und Kaviar.<br \/>\nVers 20: \u201eVor der T\u00fcr des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschw\u00fcre war. Er h\u00e4tte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschw\u00fcren.\u201c Der Kontrast k\u00f6nnte nicht krasser sein. Lazarus war sprichw\u00f6rtlich bettelarm. Er lag vor dem Tor. Der Urtext deutet an, dass er sich diesen Platz nicht unbedingt selbst ausgesucht hatte: er wurde dort hingelegt. Und das ist ein Hinweis darauf, dass er wahrscheinlich gel\u00e4hmt war. Als ein Mensch mit einer k\u00f6rperlichen Behinderung konnte er nicht arbeiten. Er war auf das Betteln angewiesen. Lazarus war nicht nur arm, er war nicht nur gel\u00e4hmt, er war auch krank. Sein K\u00f6rper war mit Geschw\u00fcren bedeckt. Er musste erb\u00e4rmlich ausgesehen haben. Lazarus war nicht nur arm, er war nicht nur gel\u00e4hmt, und er war nicht nur sehr krank, er wurde auch noch von Hunden geleckt. Die Ausleger sind sich nicht einig, ob das jetzt eher positiv oder negativ zu verstehen ist. Wir kennen Hunde als die loyalsten und treuesten Freunde des Menschen. Aber im antiken Pal\u00e4stina waren Hunde in der Regel herrenlose Streuner. Und ich denke, dass Jesus meinte, dass die Hunde eher zu seiner Misere und zu seinem Leid beigetragen haben als umgekehrt.<br \/>\nDas also sind die Protagonisten: extrem reich und extrem arm. Falls wir jetzt denken, dass der Grund weshalb der Reiche in die H\u00f6lle kam, sein Reichtum war, und dass der Grund, weshalb Lazarus in den Himmel kam, sein Elend und seine Armut waren, dann irren wir uns gewaltig. Bei dieser Geschichte geht es nicht einfach um eine Umkehrung des Schicksals. \u00dcberhaupt nicht. Worum geht es dann? Wir finden einen ganz wesentlichen Hinweis in der Tatsache, dass der Arme einen Namen hat, der Reiche hingegen nicht. Tats\u00e4chlich ist es das einzige Gleichnis, in dem Jesus einem der Charaktere einen Namen gibt. Der Arme hei\u00dft Lazarus. Lazarus bedeutet \u201eGott hat geholfen.\u201c Der Reiche ist einfach nur das: der Reiche, sonst nichts.<br \/>\nWenn Lazarus bedeutet, dass Gott geholfen hat, dann stellt sich uns die Frage: Wer oder was ist deine Hilfe in deinem Leben? Wer oder was ist der Fels, auf den du dein Leben baust? Wer oder was ist das, das dir einen Namen gibt? Oder anders gefragt: Welche Identit\u00e4t baust du in deinem Leben heute?<br \/>\nEine Sache, die sich in den letzten 2.000 Jahren nicht ge\u00e4ndert hat, ist, dass Menschen Geld lieben. Praktisch alle Menschen in unserer Gesellschaft w\u00fcrden folgendem zustimmen: tiefgehende und liebevolle Beziehungen zu haben, ist viel wertvoller und besser als alles Geld der Welt. Wenn wir Menschen sehen, die ganz klar dazu stehen, dass ihnen Geld wichtiger als Freunde und Familie sind, dann w\u00fcrden wir sie als \u201eoberfl\u00e4chlich\u201c charakterisieren. Aber, wenn wir dem allem zustimmen w\u00fcrden, warum machen wir so viele \u00dcberstunden f\u00fcr die Arbeit aber sind nicht bereit, die gleichen \u00dcberstunden in unsere Beziehungen zu investieren? Und warum sind wir eher gewillt, uns den Stress auf der Arbeit zu geben, aber nicht den Stress, den echte Beziehungsarbeit erfordert? Der Grund k\u00f6nnte sein, weil wir heimlich doch mehr auf Geld stehen, als wir es zugeben wollen. Vielleicht sind wir doch etwas geldgeiler als uns lieb ist. Und wenn dem so ist, dann ist Geld unsere \u201eHilfe\u201c; Geld ist das, auf das wir vertrauen; Geld wird zu unserer Identit\u00e4t.<br \/>\nAnderes Beispiel: hier in diesem Raum befinden sich viele attraktive, sch\u00f6ne Menschen. Und vielleicht ist ein Teil deiner Identit\u00e4t, dass du der Gutaussehende und der sportliche Typ bist, oder die H\u00fcbsche, die Sch\u00f6ne. Vielleicht ist die Tatsache, ob du einen guten oder schlechten Tag hattest, davon abh\u00e4ngig, welche Komplimente zu bekommen hast; wie viele oder wer dich auf Instagram ge-liked hat; wer sich von dir angezogen f\u00fchlt und wer mit dir befreundet sein will. In diesem Fall ist Sch\u00f6nheit deine Hilfe. Oder, vielleicht ist Teil deiner Identit\u00e4t, dass du der oder die Smarte bist; dass du talentiert bist; dass du die Schule und die Uni mit links meisterst; dass alle die Hausaufgaben bei dir abschreiben oder sich von dir erkl\u00e4ren lassen wollen, wie die physikalische Formel funktioniert, weil du so schlau bist. Dann ist deine Intelligenz deine Hilfe.<br \/>\nVielleicht bauen wir Identit\u00e4t durch Beziehungen. Vielleicht machen wir die Tatsache, wer wir sind, davon abh\u00e4ngig, mit wem wir verheiratet sind; oder etwas wahrscheinlicher, wie unsere Kinder geraten. Die Identit\u00e4t, die wir in diesem Fall bauen, ist, eine hervorragende Mutter zu sein, ein \u00fcberragender Papa zu sein.<br \/>\nUnd wisst ihr was: gegen alles ist erst einmal nichts einzuwenden! Wenn du einen tollen Job hast, ist das auf sicherlich ein Segen. Wenn du intelligent bist, gut f\u00fcr dich! Wenn du ein tolles Aussehen hast, dann God bless you! Wenn du ein guter Ehepartner bist, eine gute Mutter oder guter Vater bist, ist das eine wundervolle Sache. Aber hier ist das, was der Text sagt: wenn es das einzige ist, wof\u00fcr zu lebst, wenn es deine prim\u00e4re Identit\u00e4t ist, wenn es au\u00dfer dem nichts in deinem Leben gibt, dann bist du ein Namenloser. Wenn Gott nicht derjenige ist, der dein Helfer ist, bist du am Ende des Tages ein Niemand. Lazarus hatte nichts, gar nichts, keine Freunde und keine Familie und noch nicht einmal Gesundheit. Aber er hatte einen Namen. Er war ein Jemand, weil Gott seine Hilfe war.<\/p>\n<p><strong>2. Welche Identit\u00e4t morgen standhalten wird<\/strong><br \/>\nBeide sterben. Die Beerdigungen sahen nat\u00fcrlich ganz anders aus. Der Reiche wurde begraben. Sein Grab allein war gr\u00f6\u00dfer als ein Einfamilienhaus. Der Arme hingegen lag einfach tot auf der Stra\u00dfe. Aber er wird von Engeln in Abrahams Scho\u00df getragen. Wir lesen dann in Vers 23: \u201eIn der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von Weitem Abraham und Lazarus in seinem Scho\u00df.\u201c<br \/>\nAufgrund von diesen und anderen Versen hat sich unter vielen Christen eine bestimmte Vorstellung von H\u00f6lle durchgesetzt. Ich nenne es mal eine \u201emittelalterliche\u201c Vorstellung von H\u00f6lle, in der Menschen in alle Ewigkeit im Feuer r\u00f6sten und Gott anflehen: \u201ebitte, bitte, lass uns hier raus!\u201c und Gott der sich an den unendlichen Qualen erfreut. Ist das damit gemeint? Tim Keller hatte erz\u00e4hlt, dass wenn er gefragt wird, was es mit der H\u00f6lle auf sich hat, er in der Regel antwortet: \u201eEine Sache, die ich bez\u00fcglich der H\u00f6lle glaube, ist, dass das biblische Bild des H\u00f6llenfeuers wahrscheinlich metaphorisch gemeint ist.\u201c Erleichterung! Danach sagt er folgendes: \u201eIch glaube, dass es eine Metapher f\u00fcr etwas ist, das unendlich viel schlimmer ist als Feuer.\u201c<br \/>\nH\u00f6lle ist ein schwieriges Thema. Die zentrale Frage ist: wie vereinbaren wir die Existenz der H\u00f6lle (ein Ort ewiger, fortw\u00e4hrender Qual) mit einem Gott der Liebe? Wie bringen wir beides zusammen? Die Bibel sagt, dass Gott die Liebe ist. Gott ist die Liebe, nicht der Zorn. Das hei\u00dft, wenn Gott die Liebe ist, dann sollten wir alle anderen Eigenschaften Gottes, und dazu geh\u00f6rt auch sein Zorn, im Kontext seiner Liebe betrachten. Alles, was er sagt und alles, was er tut, ist Ausdruck seiner sich selbst opfernden agape Liebe. Inwiefern w\u00e4re dann die H\u00f6lle ein \u201eAusdruck seiner Liebe\u201c? Hinzu kommt, dass es Bibelstellen gibt, die sagen: \u201eDenn sein Zorn dauert nur einen Augenblick, doch seine G\u00fcte ein Leben lang.\u201c Wenn die H\u00f6lle ein ewiger Ort unendlichen Leidens ist, w\u00fcrde das nicht bedeuten, dass Gottes G\u00fcte nur kurz andauert, sein Zorn aber ewig ist? Noch einmal: wenn die H\u00f6lle dir keine Kopfschmerzen bereitet, dann liegt es vielleicht daran, dass du die Liebe und Barmherzigkeit Gottes nicht ernst genug nimmst.<br \/>\nDer Text gibt uns einige aufschlussreiche Hinweise, wie H\u00f6lle nicht zu verstehen ist. In Vers 24 sagt der Reiche: \u201eVater Abraham, hab Erbarmen mit mir und schick Lazarus; er soll die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge k\u00fchlen, denn ich leide gro\u00dfe Qual in diesem Feuer.\u201c Was uns hier auff\u00e4llt ist, dass der Reiche nicht danach fragt, aus der H\u00f6lle herauszukommen. Er sagt nicht: \u201eHol mich hier raus!\u201c Anstatt darum zu bitten, herausgeholt zu werden, bittet er darum, dass Lazarus mit in die H\u00f6lle kommen sollte. Was uns hier auch auff\u00e4llt: Seine Bitte hat die gleiche Arroganz an sich, die er Zeit seines Lebens hatte. Noch immer denkt er, dass er \u00fcber Lazarus steht; dass er das Recht hat, ihn nach seinem Belieben herumzukommandieren; dass Lazarus nichts weiter ist, als sein pers\u00f6nlicher Diener und Lakai.<br \/>\nAls Abraham diese Bitte abweist und erkl\u00e4rt, dass zwischen ihnen ein un\u00fcberwindlicher Abgrund ist, sagt der Reiche: \u201eDann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters! Denn ich habe noch f\u00fcnf Br\u00fcder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.\u201c Er sagt praktisch: \u201eeigentlich ist es gar nicht mein Fehler, dass ich hier gelandet bin. H\u00e4tte man mich anst\u00e4ndig gewarnt, dann w\u00e4re das alles nicht passiert. Ganz klar: es ist die Schuld der anderen.\u201c Wir sehen weder Einsicht noch Reue. Er ist sich keine Schuld bewusst. Weil er seine S\u00fcnde nicht einsehen kann, kann er auch nicht um Vergebung bitten. Die H\u00f6lle ist verschlossen, es gibt kein Herauskommen. Aber sie ist nicht von au\u00dfen, sondern von innen verschlossen.<br \/>\nWas bedeutet dann das Feuer der H\u00f6lle? Feuer hat etwas Verzehrendes. Feuer vernichtet alles, was oxidiert werden kann. Wenn ein Haus ausbrennt, frisst das Feuer alles, was brennbar ist: die M\u00f6bel und die Einrichtung, der Dachstuhl, wenn er aus Holz ist. Was \u00fcbrig bleibt ist das Gem\u00e4uer aus Stein. Und das ist es, was mit uns geschieht, wenn wir sterben. Das Feuer verzehrt alles in uns und an uns, das brennbar ist. Was bleibt dann noch von uns \u00fcbrig? Was h\u00e4lt dem Feuer stand?<br \/>\nC.S. Lewis hat die H\u00f6lle folgenderma\u00dfen beschrieben: \u201eNach all unseren Erfahrungen bedeutet [\u2026] die Zerst\u00f6rung einer Sache das Entstehen von etwas anderem. Wenn du ein Holzscheit verbrennst, entstehen Gase, Hitze und Asche. Ein es-war-einmal ein Holzscheit bedeutet, jetzt diese drei Dinge zu sein. Wenn Seelen zerst\u00f6rt werden k\u00f6nnen, muss es dann nicht auch den Zustand geben, eines es-war-einmal eine menschliche Seele? [\u2026] In den Himmel zu kommen bedeutet, menschlicher zu werden, als man es auf der Erde je sein konnte; in die H\u00f6lle zu kommen bedeutet, aus der Menschheit verbannt zu werden. Was in die H\u00f6lle geworfen wird (oder sich selbst wirft), ist kein Mensch: Es ist das, was vom Menschsein \u00fcbriggeblieben ist. Ein vollst\u00e4ndiger Mensch zu sein bedeutet, dass die Leidenschaften dem Willen gehorsam sind und der Wille sich Gott hingibt: Ein Mensch gewesen zu sein \u2013 ein Ex-Mensch oder verdammter Geist zu sein \u2013 w\u00fcrde vermutlich bedeuten, aus einem Willen zu bestehen, der v\u00f6llig selbstzentriert ist, und aus Leidenschaften, die vom Willen v\u00f6llig unkontrolliert sind.\u201c<br \/>\nDas, was uns zutiefst ungl\u00fccklich macht, ist die tiefe Selbstsucht und Selbstzentriertheit in uns selbst, oder anders gesagt, unsere eigene S\u00fcnde. D.&nbsp;h., in jedem von uns ist die Veranlagung zur H\u00f6lle bereits vorhanden: das, was uns in alle Ewigkeiten leiden l\u00e4sst, wenn es nicht mitsamt der bitteren Wurzel entfernt wird. H\u00f6lle ist der Ort, an dem Gott zu den Menschen, die sich seinem Willen verweigern, spricht \u201eeuer Wille geschehe\u201c. Dallas Willard hat mal gesagt, dass er glaubt, dass Gott jeden Menschen in den Himmel l\u00e4sst, der es dort aush\u00e4lt. H\u00f6lle ist der Ort der Menschen, die es nicht bei Gott aushalten. Und es ist der Ort der ewigen Verlorenheit, an dem Gott uns in Ruhe l\u00e4sst.<br \/>\nWenn dem so ist, dann ist die Frage, was uns davon retten kann.<\/p>\n<p><strong>3. Was Gott uns heute anbietet<\/strong><br \/>\nDer Reiche bittet Abraham darum, dass seine Familienmitglieder gewarnt werden. Hier hat unsere Geschichte ein unerwartetes Element. Wir m\u00fcssen verstehen, dass Jesus nicht der erste war, der ein solches Gleichnis erz\u00e4hlt hat mit dem vertauschten Schicksal nach dem Tod. Diese Art von Geschichten waren ziemlich verbreitet. N.T. Wright schreibt in seinem Kommentar: \u201eTats\u00e4chlich waren Geschichten dieser Art so bekannt, dass wir sehen k\u00f6nnen, wie Jesus von dem erwarteten Muster abweicht, das seine Zuh\u00f6rer erwarten w\u00fcrden. Wenn jemand um Erlaubnis bittet, den Menschen, die noch auf der Erde leben, eine Nachricht zu schicken, wird dieser Bitte in der Regel stattgegeben. Aber nicht hier.\u201c Zweimal lehnt Abraham die Bitte ganz klar ab. In Vers 31 sagt er: \u201eWenn sie nicht auf Mose und die Propheten h\u00f6ren, werden sie sich auch nicht \u00fcberzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.\u201c<br \/>\nDie Ironie von diesem Gleichnis ist folgende: die Zeitgenossen von Jesus hatten das ganze AT, und sie bekamen sprichw\u00f6rtlich mit, wie die Toten auferstanden. Jesus hatte w\u00e4hrend seiner Wanderjahre einige Menschen auferweckt. Zuletzt starb Jesus selbst am Kreuz und \u00fcberwand den Tod. Jesus ist der Lazarus, der von Krankheit und Leid geschlagen war; er ist der Lazarus, der so arm war, dass selbst das Grab, in das er gelegt wurde, geliehen war; und er ist der Lazarus, der von den Toten auferstand. Wer l\u00e4sst sich von diesem Jesus \u00fcberzeugen?<br \/>\nDie Tatsache aber, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, zeigt uns eine Identit\u00e4t, die auf einer v\u00f6llig anderen Grundlage steht als alle anderen Identit\u00e4ten. Jede Identit\u00e4t, die wir selbst bauen, ist gepr\u00e4gt von Furcht. Hier sind ein paar Beispiele: wenn wie beim Reichen dein Selbst vor allem davon abh\u00e4ngt, wie viel Geld zu hast, dann wird dein Leben von der Furcht davor gepr\u00e4gt sein, das Geld zu verlieren: die n\u00e4chste Wirtschaftskrise, die Inflation, die dein m\u00fchsam Erspartes auffrisst. Wenn du dich vor allem dar\u00fcber definierst, gute Eltern zu sein, dann ist unser Leben von der Furcht gepr\u00e4gt, die Kinder zu verlieren; und fr\u00fcher oder sp\u00e4ter verlieren wir die Kinder auf die ein oder andere Art und Weise (weil sie wegziehen, weil sie wegheiraten, weil sie ihren eigenen Weg gehen). Wenn dein Selbstwert davon abh\u00e4ngt, dass du der \/ die Superattraktive bist, dann wirst du dich von jeder Person bedroht f\u00fchlen, die sch\u00f6ner ist als du; und du wirst dich st\u00e4ndig mit anderen vergleichen, und dich fragen, was die anderen haben, was du nicht hast. (\u00dcbrigens, sich st\u00e4ndig mit anderen zu vergleichen ist ein Rezept f\u00fcr Ungl\u00fccklichsein). Jede Identit\u00e4t, die wir bauen, ist gepr\u00e4gt von der st\u00e4ndigen Angst, zu verlieren oder zu kurz zu kommen oder etwas Gro\u00dfartiges zu verpassen.<br \/>\nAber wei\u00dft du was? Jesus ist f\u00fcr dich gestorben. Im Apostolischen Glaubensbekenntnis sprechen wir Woche f\u00fcr Woche, dass Jesus gestorben ist und hinabgestiegen ist, ins Reich der Toten. Jesus ging sprichw\u00f6rtlich durch die H\u00f6lle der Gottverlassenheit. Am Kreuz kam das Feuer der H\u00f6lle auf ihn. Warum?<br \/>\nDamit Gott uns in Jesu Tod und in seiner Auferstehung eine Identit\u00e4t anbieten kann, die fundamental anders ist, als alle Identit\u00e4ten, die wir uns hier auf Erden bauen k\u00f6nnten. Gott macht uns zu seinen Kindern. Er adoptiert uns in seine Familie. Er macht uns zu K\u00f6nigst\u00f6chtern und K\u00f6nigss\u00f6hnen. Diese Identit\u00e4t ist nicht mehr gepr\u00e4gt von Furcht, weil nichts und niemand uns das wegnehmen kann. Die Identit\u00e4t, die Gott uns zuspricht, ist gepr\u00e4gt von Liebe. 1. Johannes 4,18 sagt: \u201eFurcht gibt es in der Liebe nicht, sondern die vollkommene Liebe vertreibt die Furcht.\u201c Oder wie die Neue Genfer \u00dcbersetzung hier schreibt: \u201eWo die Liebe regiert, hat die Angst keinen Platz; Gottes vollkommene Liebe vertreibt jede Angst.\u201c<br \/>\nWer von dieser Liebe Gottes anger\u00fchrt wird, wer von dieser Liebe Gottes ver\u00e4ndert wird, dessen Herz verwandelt sich mehr und mehr in reines Gold; das Gold der Liebe Gottes, das jedem Feuer standhalten wird.<\/p>\n<p>Jerry Seinfeld hat folgendes gesagt: \u201eWenn das Leben f\u00fcr mich auf eine wichtige Sache hinausl\u00e4uft, dann ist es, st\u00e4ndig in Bewegung zu sein. Leben hei\u00dft, umzuziehen. Leider bedeutet das, dass wir f\u00fcr den Rest unseres Lebens nach Kisten suchen werden. Wenn du umziehst, besteht deine ganze Welt aus Kisten. Man denkt an nichts anderes mehr. &#8222;Kisten, wo sind die Kisten?&#8220; Du l\u00e4ufst die Stra\u00dfe entlang, gehst in L\u00e4den rein und raus und fragst: &#8222;Gibt es hier Kisten? Hast du irgendwelche Kartons gesehen?&#8220; Das ist alles, woran du denkst. Du k\u00f6nntest auf einer Beerdigung sein, alle um dich herum trauern, weinen, und du schaust dir den Sarg an. &#8222;Das ist eine sch\u00f6ne Kiste. [\u2026].&#8220; Ich meine, das ist es, was der Tod wirklich ist, &#8211; der letzte gro\u00dfe Umzug deines Lebens. Der Leichenwagen ist dein Umzugsauto, die Sargtr\u00e4ger sind deine engen Freunde, die einzigen, die du wirklich bitten kannst, dir bei so einem gro\u00dfen Umzug zu helfen. Und der Sarg ist die gro\u00dfe, perfekte Kiste, nach der du dein ganzes Leben lang gesucht hast.\u201c<\/p>\n<p>C.S. Lewis hat in seinem Buch \u201eThe great divorce\u201c folgendes geschrieben: &#8222;Die ganze Schwierigkeit, die H\u00f6lle zu verstehen, besteht darin, dass die zu verstehende Sache fast ein Nichts ist. Aber du wirst Erfahrungen gemacht haben &#8230; es beginnt mit einer n\u00f6rgelnden Haltung, und du selbst bist noch davon getrennt: vielleicht kritisierst du das. Und du selbst kannst diese Gem\u00fctslage in einer dunklen Stunde wollen, sie annehmen. Du kannst sie auch bereuen und wieder herauskommen. Aber es kann der Tag kommen, an dem du das nicht mehr tun kannst. Dann bist du nicht mehr in der Lage, das N\u00f6rgeln zu kritisieren oder gar zu genie\u00dfen, sondern es bleibt nur noch das N\u00f6rgeln selbst, das wie eine Maschine ewig weiterl\u00e4uft.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Lazarus und der Reiche \u201eEs geschah aber: Der Arme starb und wurde von den Engeln in Abrahams Scho\u00df getragen. 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