{"id":10922,"date":"2022-10-09T11:00:35","date_gmt":"2022-10-09T09:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10922"},"modified":"2022-11-18T12:08:19","modified_gmt":"2022-11-18T11:08:19","slug":"predigt-lukas-1025-42-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-lukas-1025-42-2\/","title":{"rendered":"Predigt: Lukas 10,25-42"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/2022-Lukas-L.-18_10-2542-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 class=\"western\" align=\"center\">Der N\u00e4chste<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eWas meinst du, wer von diesen dreien der N\u00e4chste dessen gewesen ist, der unter die R\u00e4uber gefallen war? Er aber sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm \u00fcbte. Jesus aber sprach zu ihm: Geh hin und handle du ebenso!\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Lukasevangelium 10,36-37)<\/p>\n<p>In dem heutigen Text geht es um das bekannte Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Es taucht nur im Lukasevangelium auf. Wir k\u00f6nnen Gott daf\u00fcr dankbar sein, dass Lukas uns dieses wertvolle Gleichnis \u00fcberliefert hat. Denn es geht um jemanden, mit dem wir st\u00e4ndig zu tun haben. Es geht um jemanden, mit dem jeder, was zu tun hat. Es geht um jemanden, den man nicht umgehen kann. Es geht um den N\u00e4chsten. Wie sollten wir mit ihm umgehen? Wie stellt Gott es sich vor, wie wir Christen leben sollen? Das Gleichnis vom barmherzigen Samariter geht hierauf ein. Anlass f\u00fcr die Erz\u00e4hlung dieses Gleichnisses war die Frage eines Schriftgelehrten, wer denn sein N\u00e4chster sei. Doch auffallend ist, dass Jesus diese Frage nicht direkt beantwortete. Jesus erz\u00e4hlte ihm ein Gleichnis und dann formulierte er dessen Frage um mit den Worten: Welcher von diesen dreien ist deiner Meinung nach nun der N\u00e4chste dessen gewesen, der unter die R\u00e4uber gefallen ist? (Lk 10,36). Die Frage: \u201eWer ist mein N\u00e4chster\u201c kam aus dem Wunsch, sich zu rechtfertigen (lies Vers 29). \u201eUm wem muss ich mich k\u00fcmmern, wer kann mir egal sein?\u201c \u2013 das war ungef\u00e4hr die Einstellung, mit der der Schriftgelehrte diese Frage stellte. Aber die Liebe fragt anders. Sie fragt so: \u201eWem alles kann ich der N\u00e4chste sein?\u201c Dementsprechend soll das Gleichnis unter diesen drei Fragen betrachtet werden:<br \/>\n1. Wer ist f\u00fcr andere der N\u00e4chste?<br \/>\n2. Wem sollte man gerade der N\u00e4chste sein?<br \/>\n3. Was hilft uns, f\u00fcr andere der N\u00e4chste zu sein?<\/p>\n<p><strong>1. Der Notleidende im Gleichnis vom barmherzigen Samariter (V. 25 \u2013 30)<\/strong><br \/>\nZu Beginn des Gleichnisses bekommen wir eine Antwort auf die Frage, wem man der N\u00e4chste sein sollte. Als Erstes sagt Jesus: \u201eEin Mensch ging von \u2026\u201c Ein Mensch! Die Juden glaubten, dass man nur seine eigenen Volksgenossen lieben m\u00fcsse wie sich selbst, aber die Heiden durchaus hassen d\u00fcrfe oder vielleicht sogar hassen m\u00fcsse (vgl. Mt. 5,43). Aber Jesus sagt: \u201eEin Mensch \u2026\u201c Weder Ethnie noch Charakter noch Person noch irgendein anderes Unterscheidungsmerkmal spielen in der Frage, wem wir der N\u00e4chste sein sollen, eine Rolle. Als Christ hilft man gerne Menschen, bei denen Aussicht besteht, dass sie gl\u00e4ubig werden, oder solchen, die potenzielle Bibelsch\u00fcler sein k\u00f6nnen. Aber Jesus sagt: \u201eEin Mensch\u201c \u2013 Unabh\u00e4ngig davon, ob \u201egeistliche Aussichten\u201c bestehen oder nicht, sollen wir anderen der N\u00e4chste sein. In den Evangelien sehen wir, dass Jesus jede Art von Menschen half und heilte. Er pr\u00fcfte nicht vorher, ob es sich bei der einen oder anderen Person um einen potenziellen J\u00fcnger handelt oder nicht. Nichtsdestoweniger verherrlichte Jesus mit seinen Werken Gott. Sie sprachen f\u00fcr sich und waren ein Zeugnis f\u00fcr Gott. Und dasselbe gilt auch f\u00fcr die guten Werke seiner J\u00fcnger. Jesus verhie\u00df ihnen: \u201eSo soll euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen\u201c (Mt. 5,16).<\/p>\n<p>Doch nun zur\u00fcck zum Gleichnis vom barmherzigen Samariter. In welche Situation geriet dieser Mensch? Auf dem Weg von Jerusalem nach Jericho wurde er von R\u00e4ubern \u00fcberfallen. Da Kleidung damals eine Wertsache war, nahmen sie ihm auch seine Kleidung. Man nahm ihm buchst\u00e4blich sein letztes Hemd. Sicherlich wehrte sich der \u00dcberfallene, allerdings erfolglos. Die R\u00e4uber verpr\u00fcgelten ihn, schlugen ohne Hemmung auf ihn ein, wahrscheinlich so lange, bis er sich nicht mehr wehren konnte oder ohnm\u00e4chtig wurde. Als sie alles von ihm hatten, lie\u00dfen sie ihn halbtot zur\u00fcck. Der Mensch befand sich also in einer Notsituation, und zwar in einer ziemlich heiklen Lage. Er hatte ein gro\u00dfes Problem. Warum ist das so wichtig zu verstehen? Wie reagiert man normalerweise auf Menschen, die uns mit ihrer Not, mit ihren Problemen konfrontieren? Im Vers 31 und 32 sehen wir, dass der Levit und der Priester in ein- und derselben Art und Weise auf den \u00dcberfallenen reagierten: Sobald sie ihn sahen, gingen sie ihm aus dem Weg. Sie nahmen Abstand von ihm. Das ist die gew\u00f6hnliche Reaktion von Menschen, wenn sie mit den Problemen und N\u00f6ten anderer konfrontiert werden. Man nimmt Abstand. Man will gerade solchen Menschen nicht nah sein. Das Wort \u201enah\u201c und \u201eN\u00e4chster\u201c sind ja miteinander verwandt. Denn die h\u00f6chste Steigerungsform von \u201enah\u201c ist \u201en\u00e4chster\u201c. Gerade Menschen mit Problemen will man nicht der N\u00e4chste sein. Der Jakobusbrief beschreibt es so: \u201cWenn aber ein Bruder oder eine Schwester d\u00fcrftig gekleidet ist und der t\u00e4glichen Nahrung entbehrt, aber jemand unter euch spricht zu ihnen: Geht hin in Frieden, w\u00e4rmt euch und s\u00e4ttigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht das f\u00fcr den Leib Notwendige, was n\u00fctzt es?\u201c (Jak 2,15.16). \u201eGeht hin in Frieden\u201c \u2013 das ist das, was man am liebsten Menschen in der Not sagen will. Man sucht eher die Distanz zu solchen Menschen. Mit \u201eGeht hin in Frieden\u201c meint man wohl eher: \u201eLass mich in Frieden, und zwar mit deinen Problemen\u201c. Manche Menschen h\u00f6ren sich gerne die Probleme anderer an, aber sie wollen nicht darin involviert werden. Aber das Gleichnis vom barmherzigen Samariter lehrt, gerade den Menschen, die Probleme haben, die in Not sind, sollte man nah bzw. ihnen der N\u00e4chste sein.<br \/>\nDer Samariter und der Erschlagene waren Reisende. Reisende sind sich einander fremd. Gew\u00f6hnlich bleibt man fremden Menschen gegen\u00fcber eher distanziert. Wir kennen das, wenn wir Zug fahren. Die Reisenden unterhalten sich zumeist nicht miteinander, auch wenn sie stundenlang nebeneinander oder sich gegen\u00fcber sitzen, weil sie einander fremd sind. Vielleicht kommt es zu einem kurzen Wortwechsel, aber in der Regel nicht zu pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4chen. Gew\u00f6hnlich haben wir es ungern, wenn uns Fremde zu nahetreten. Von Natur aus bleiben die meisten Menschen Fremden eher distanziert, was auch verst\u00e4ndlich ist. Doch wenn Menschen in Not geraten, Probleme haben, \u00f6ffnen sich viele. Sie lassen andere an sich ganz nah heran, um sich helfen zu lassen. Daher sind N\u00f6te und Probleme gerade die besten Gelegenheiten, um N\u00e4chstenliebe auszu\u00fcben, und damit auch ein gelegener Anlass, das Evangelium zu erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Was erfahren wir in dem Gleichnis noch \u00fcber die Leute, denen wir der N\u00e4chste sein sollen? Der Priester, der Levit und auch der Samariter hatten den \u00fcberfallenen Menschen auf dieselbe Weise kennengelernt: Der \u00dcberfallene war mitten auf ihrem Weg (der Levit und der Priester mussten ja extra die Seite wechseln). Keiner der drei hatte ihn von sich aus aufgesucht. Auf einmal war er da. Menschen, denen wir die N\u00e4chsten sein sollen, sind Menschen, die Gott in unser Leben gestellt hat. Weder unsere Verwandten, noch unsere Schulkameraden noch unsere Kollegen noch die Leute in der Gemeinde haben wir uns selbst ausgesucht. Es sind Menschen, die Gott in unser Leben gestellt. Wenn man auf der Reise ist, will man eigentlich so schnell wie m\u00f6glich vorankommen. Man m\u00f6chte sein Ziel erreichen &#8211; erst recht, wenn man von Jericho nach Jerusalem reiste. Denn die Strecke von Jericho nach Jerusalem f\u00fchrte durch die felsige W\u00fcste von Juda hindurch. Diese Gegend war daf\u00fcr bekannt, gef\u00e4hrlich zu sein. Wer hierdurch reiste, wollte sich sicherlich nicht aufhalten. So einer, der mitten auf dem Weg ist, ist eher ein St\u00f6rfaktor, jemand, bei dem man sagt: \u201eDer hat mir jetzt noch gerade gefehlt.\u201c Unter den Menschen, die Gott in unser Leben gestellt, gibt es welche, die uns sympathisch sind, aber auch welche, die wir als st\u00f6rend empfinden. Das sind vor allem die, die uns mit ihren Problemen belasten, solche die uns hindern, eigene Ziele zu erreichen. Sie st\u00f6ren einfach. Aus diesem Grund brechen viele die Beziehung zu solchen Menschen ab, selbst wenn es sich hierbei um Leute handelt, die zu der engsten Verwandtschaft geh\u00f6ren. Man m\u00f6chte solche Verwandte am liebsten aus seinem Leben ausradieren. Man will einfach mit dem Onkel, der sich st\u00e4ndig wegen seiner Geldprobleme meldet, nichts mehr zu tun haben. Aber das Gleichnis vom barmherzigen Samariter lehrt das Gegenteil: Das sind Menschen, die Gott dir und mir auf den Lebensweg gestellt hat. Und gerade du sollst ihnen der N\u00e4chste sein!<br \/>\nSoweit zu den Menschen, denen wir die N\u00e4chsten sein sollen. Was bedeutet es aber genau, anderen der N\u00e4chste zu sein? Wie sind solche Menschen, die anderen der N\u00e4chste sind? Das Verhalten des Samariters gibt eine Antwort hierauf.<\/p>\n<p><strong>2. Das Verhalten des barmherzigen Samariters (V. 31\u201335)<\/strong><br \/>\nIm Vers 34 hei\u00dft es: \u201eund er trat hinzu\u201c. Der Samariter tat genau das Gegenteil von dem, was der Levit oder der Priester taten: Er entfernte sich nicht von dem Erschlagenen, sondern suchte seine N\u00e4he auf. Das ist eben, was ein N\u00e4chster tut. Wie die Bezeichnung \u201eN\u00e4chster\u201c schon sagt, ist man nahe, nahe denen die in Problemen und N\u00f6ten sind.<br \/>\nSelbst bei sozialen Berufen wie Psychologe, Lehrer, Arzt, Seelsorger usw. geh\u00f6rt es zur Professionalit\u00e4t des Berufes, dass man eine gewisse Distanz zu den Problemen seiner Klienten aufbaut. \u201eLass das nicht so sehr an dich ran\u201c hei\u00dft es oft. Aber beim Samariter war das anders. Dies sehen wir v.a. wenn wir die weiteren Verse 34 und 35 betrachten. Bei der Betrachtung dieser Verse f\u00e4llt auf, dass Jesus alle Handlungen des Samariters im Einzelnen erw\u00e4hnt: Der Samariter verband die Wunden, goss darauf \u00d6l und Wein, setzte ihn auf sein Tier, f\u00fchrte ihn zur Herberge, nahm zwei Denare aus seiner Tasche und gab sie dem Wirt usw. Anstelle einfach zu sagen: \u201eEr trug Sorge f\u00fcr ihn\u201c, berichtet Jesus sehr detailliert. Was zeigt das? Der Samariter nahm sich dem Problem des \u00dcberfallenen vom Herzen an. Seine Not wurde ihm zum eigenen Anliegen. Er wollte nicht nur oberfl\u00e4chlich helfen, sondern wirklich helfen.<br \/>\n\u201eEr trug Sorge f\u00fcr ihn\u201c hei\u00dft es am Ende von Vers 34. Er sagte auch zum Wirt: \u201eTrage Sorge f\u00fcr ihn\u201c d.h. der Samariter \u00fcbernahm Verantwortung f\u00fcr ihn. Wenn ich einem Niedergeschlagenen \u00fcber dem Weg laufen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich wohl einen Krankenwagen rufen, vielleicht noch die Angeh\u00f6rigen benachrichtigen und schauen, dass die Person erst mal das N\u00f6tigste hat. Wahrscheinlich w\u00fcrde ich dann nach Hause gehen. Kurz gesagt: In so einer Situation habe ich eher das Anliegen, m\u00f6glichst schnell aus der Verantwortung f\u00fcr diesen Menschen herauszukommen. Aber beim Samariter war das anders. Er lie\u00df den Samariter nicht einfach in der Herberge zur\u00fcck. Er wollte nach einigen Tagen wieder zur\u00fcckkommen, um die restlichen Kosten zu bezahlen, aber sicherlich auch deswegen, um sich \u00fcber das Wohlergehen des Kranken zu erkundigen. Er nahm die Verantwortung f\u00fcr diesen notleidenden Menschen von Herzen an und zwar solange, wie er es wirklich brauchte. Diejenigen, die anderen ein N\u00e4chster sein wollen, lassen die Probleme anderer zu ihrem eigenen Anliegen werden. Sie \u00fcbernehmen auch vom Herzen Verantwortung f\u00fcr die N\u00f6te der Menschen, die Gott in ihr Leben gestellt hat.<br \/>\nDas Verhalten des Samariters war nicht normal. Es war nicht so, wie man es sonst von Menschen her kennt. Wie ist dieses Verhalten zu erkl\u00e4ren? Was war sein Motiv? Vers 33 berichtet dar\u00fcber, dass der Samariter innerlich bewegt war, nach Luther jammerte es ihn. W\u00e4hrend der Levit und der Priester beim Anblick des Erschlagenen kalt blieben, hatte der Samariter zutiefst Mitleid mit ihm. Alles Verhalten des Samariters, das wir in den nachfolgenden Versen erfahren, kommt aus dem Motiv, dass er Mitleid mit dem Erschlagenen hatte. Der Samariter musste sich nicht zwingen, sondern hatte aufgrund seines Mitleids einen inneren Antrieb, sich um das Opfer zu k\u00fcmmern. Niemals ist es m\u00f6glich, sich der Probleme anderer so anzunehmen, wie es der Samariter tat, wenn man kein Mitleid hat. Bei einer reinen Pflichterf\u00fcllung w\u00fcrde man sehr bald an seine Grenzen sto\u00dfen. Der Schriftgelehrte, dem Jesus das Gleichnis erz\u00e4hlt hatte, interessierte sich f\u00fcr seinen N\u00e4chsten aus einem anderen Grund als Mitleid. Im Vers 29 hei\u00dft es, dass er sich rechtfertigen wollte. Manche sind so wie dieser Schriftgelehrte: Sie tun ihrem N\u00e4chsten nur deswegen etwas Gutes, weil sie sich selbst rechtfertigen wollen. Sie wollen f\u00fcr sich selbst als in Ordnung gelten. Sie wollen sich sagen k\u00f6nnen, dass sie ein guter Mensch oder ein guter Christ sind. So war das aber nicht beim Samariter: Ihm ging es nicht um sich selbst, sondern wirklich um die Not des Niedergeschlagenen.<br \/>\nAm Ende des Gleichnisses sagte Jesus zum Schriftgelehrten: \u201eGeh hin und handle du ebenso!\u201c Das Verhalten des Samariters soll uns ein Vorbild darin sein, auf welche Art und Weise wir anderen der N\u00e4chste sein sollen. So wie ich die Bibel verstehe, besteht der Inhalt des christlichen Lebens darin, f\u00fcr andere ein N\u00e4chster zu sein. So hei\u00dft es in Micha 8,8: \u201eEs ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: Was anders als Recht tun, Liebe \u00fcben und dem\u00fctig wandeln mit deinem Gott?\u201c<br \/>\nMit dem Beispiel des Samariters bekommen wir ein klares Bild davon, wer in Wahrheit ein N\u00e4chster f\u00fcr andere ist. Gleichzeitig sind der Levit und Priester ein abschreckendes Beispiel, wie wir nicht sein sollen. Es ist verwunderlich, wie kalt sie sich gegen\u00fcber dem Niedergeschlagen verhielten. Und es ist auch verwunderlich, dass ausgerechnet der Samariter, der ja nicht zum Volk Gottes geh\u00f6rte, jenem Menschen half. Wie verwunderlich dies auch sein mag, es ist ein Bild von der Realit\u00e4t. Die Welt hat zahlreiche Hilfsorganisationen, mit denen Menschen in der Not geholfen wird. Wenn man im Internet sucht, bekommt man eine ganze Reihe von Hilfsorganisationen, wie \u201eAktion Mensch\u201c, \u201eAktion Deutschland\u201c, \u201ePlan international\u201c, \u201eDas Rote Kreuz\u201c, \u201eSOS-Kinderd\u00f6rfer\u201c, \u201eUNICEF\u201c, \u201edeutsche Krebshilfe\u201c, \u201edie Tafel\u201c usw. Hinzu kommen die Hilfsorganisationen der verweltlichten Kirchen, wie \u201eBrot f\u00fcr die Welt\u201c, \u201eCaritas\u201c, \u201eJohanniter\u201c, \u201eMisereor\u201c usw. Im Vergleich dazu bietet die Gemeinde Gottes relativ wenig an praktischer Hilfe f\u00fcr Menschen in der Not an. Nat\u00fcrlich gibt es da von Ortsgemeinde zu Ortsgemeinde Unterschiede, aber insgesamt geschieht im Bereich humanit\u00e4rer Hilfe noch zu wenig. Es ist gut vorstellbar, dass der Levit und der Priester \u201egeistliche Gr\u00fcnde\u201c daf\u00fcr hatten, warum sie einfach an den Erschlagenen vorbeigegangen waren. Vielleicht wollten sie sich an ihm nicht unrein machen \u2013 der Mann k\u00f6nnte ja jeden Moment sterben, Tote aber galten als unrein. Auch die Christen heutzutage haben vermeintlich geistliche Gr\u00fcnde, warum sie an der Not des Menschen vorbeigehen, wie z.&nbsp;B. dieser: \u201eEs ist besser, wenn wir uns darauf konzentrieren, den Menschen mit dem Wort Gottes zu helfen.\u201c Mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter h\u00e4lt uns Jesus also ein Spiegel vor Augen.<br \/>\nJesus gibt uns den barmherzigen Samariter als Vorbild daf\u00fcr, wie wir f\u00fcr Menschen in der Not ein N\u00e4chster sein k\u00f6nnen. Doch gleichzeitig scheint dies ein viel zu hoher Anspruch zu sein. Was kann uns helfen, nach dem Vorbild des Samariters ein N\u00e4chster f\u00fcr andere zu sein? Lasst uns hierzu die Geschichte von Maria und Marta betrachten.<\/p>\n<p><strong>3.&nbsp;Martas Scheitern, anderen ein N\u00e4chster zu sein (V. 38 \u2013 42)<\/strong><br \/>\nIm Vers 38 erfahren wir, dass Jesus auf seiner Reise nach Jerusalem von einer Frau namens Marta ins Haus aufgenommen wurde. Marta hatte Jesus nicht in ihr Haus aufgenommen, weil sie etwas von Jesus wollte, wie z.&nbsp;B. Heilung. Sie wollte Jesus bewirten. Sie wollte ihm was Gutes tun. Sie wollte ihm dienen. Mit anderen Worten: Sie wollte f\u00fcr Jesus die N\u00e4chste sein. Marta h\u00e4tte sich sagen k\u00f6nnen: \u201eEs gibt in dem Dorf sicherlich jemand, der Jesus und seine J\u00fcnger bewirtet. Das muss ja nicht unbedingt ich sein. Einer wird sich schon bereit erkl\u00e4ren\u201c. Aber Marta dachte nicht so. Sie dachte nicht so, weil sie f\u00fcr Jesus die N\u00e4chste sein wollte. Das war \u00fcbrigens keine kleine Sache. Denn Jesus war ja nicht allein. Er kam ja mit seinen J\u00fcngern und wahrscheinlich waren es nicht nur die Zw\u00f6lf. Es hatte sich eine ganze Mannschaft in Martas Haus versammelt! Alle diese Leute zu bewirten, bedeutete allerhand Arbeit! Daher erfahren wir im Vers 40, dass Marta mit vielem Dienen besch\u00e4ftigt war. Vor diesem Hintergrund war das Vorhaben von Marta sehr edel gewesen. Doch was wurde aus diesem edlen Vorhaben? Der weitere Verlauf von Vers 40 verr\u00e4t es uns. Marta trat hinzu. Sie kam in die N\u00e4he zu Jesus, doch nun nicht mehr um Jesus zu dienen, nicht mehr um f\u00fcr ihn die N\u00e4chste zu sein. Sie kam in seine N\u00e4he, um Jesus anzuklagen und ihm Vorw\u00fcrfe zu machen. Aber vor allem galt der Angriff ihrer Schwester. Sie beschwerte sich ja bei Jesus \u00fcber sie. Indirekt verurteilte sie Maria als egoistisch. Aber nicht allein Jesus und Maria wurden zum Opfer von Marta, sondern bestimmt auch die G\u00e4ste. Man kann sich die Situation der G\u00e4ste gut vorstellen. Man h\u00f6rte Jesus gespannt zu. Es war eine sch\u00f6ne Gemeinschaft. Doch dann, wie aus heiterem Himmel platzte die Bombe. Normalerweise ist es ja f\u00fcr G\u00e4ste sehr unangenehm, wenn sie das Gef\u00fchl haben, dem Gastgeber eine Last zu sein. Man m\u00f6chte dann am liebsten gehen. Zur\u00fcck zu der anf\u00e4nglichen Frage: Was wurde aus dem Vorhaben von Marta, Jesus und anderen die N\u00e4chste zu sein? Es lief schief. Was hatte Marta falsch gemacht? Jesu Antwort an Marta macht deutlich, was das Problem von Marta war: Sie war besorgt und beunruhigt um viele Dinge. Heute w\u00fcrden wir sagen: \u201eSie war au\u00dferordentlich gestresst.\u201c Wir k\u00f6nnen weiter fragen: \u201eWarum war sie \u00fcberfordert gewesen?\u201c Solchen Menschen wie Marta w\u00fcrde man am liebsten den Rat geben: \u201eMach weniger.\u201c Aber Jesus gab ihr diesen Rat nicht. Das Problem lag n\u00e4mlich woanders. Im Vers 42 macht Jesus Marta deutlich, dass sie im Gegensatz zu Maria die Priorit\u00e4ten falsch gesetzt hatte. Maria hielt es f\u00fcr wichtiger, Jesu Wort zu h\u00f6ren, als Jesus zu bewirten. Maria hatte mehr Wert daraufgelegt, sich von Jesus bedienen zu lassen, als ihm zu dienen. Marta hingegen meinte, es w\u00e4re wichtiger, Jesus zu dienen, als sich von ihm bedienen zu lassen. Wenn Jesus in ein Haus einkehrt, dann ist es nat\u00fcrlich sein erstes Anliegen, das seinem Wort zugeh\u00f6rt und es geglaubt wird. Jesu prim\u00e4res Anliegen ist es, uns zu dienen. So hei\u00dft es auch in Mk 10, 45: \u201eDenn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen\u201c Nat\u00fcrlich ist es eine sehr gute Sache, wenn wir Jesus dienen wollen. Das sollen wir ja auch tun und nicht unterlassen. Aber dies geht nur, wenn wir zulassen, dass er uns dient. Denn ohne ihn k\u00f6nnen wir nichts tun (vgl. Joh 15,5). Mit anderen Worten: Jesus m\u00f6chte f\u00fcr uns der N\u00e4chste sein, damit wir f\u00fcr andere der N\u00e4chste sein k\u00f6nnen.<br \/>\nGerade in solchen Momenten, in denen man wie Marta sehr besch\u00e4ftigt, besorgt und beunruhigt ist, ist man versucht, Jesus nicht an sich heranzulassen. Man hat dann keinen Raum f\u00fcr Jesus und sein Wort. Aber gerade dann ist es wichtig, Jesus unseren N\u00e4chsten sein zu lassen. Maria konnte etwas, was viele nicht k\u00f6nnen. Obwohl das Haus voller G\u00e4ste war und es allerhand Arbeit kam, konnte sie innerlich doch zu Ruhe kommen. Sie sa\u00df zu Jesu F\u00fc\u00dfen und h\u00f6rte ihm (also seinem Wort!) zu. Sie erlaubte Jesus, auch in stressigen Momenten f\u00fcr sie der N\u00e4chste zu sein. Wenn wir f\u00fcr andere der N\u00e4chste sein wollen, ohne zuzulassen, dass Jesus f\u00fcr uns der N\u00e4chste ist, dann kann uns dasselbe wie Marta passieren: Anstelle f\u00fcr andere ein Segen zu sein, werden wir selbstgerecht, verurteilen andere und beklagen uns bei Jesus, machen ihm Vorw\u00fcrfe, reagieren auf andere genervt usw. Dies ist die nat\u00fcrliche Folge davon, wenn man das, was man f\u00fcr Jesus tut, als wichtiger erachtet, als das, was Jesus f\u00fcr uns tut. In der Beziehung mit Jesus sind wir die Empfangende und Er ist der Gebende. Alles was wir f\u00fcr Jesus geben, sollte aus dem kommen, was er uns zuvor gegeben hat. Anderes will Jesus gar nicht von uns haben.<br \/>\nJesus m\u00f6chte f\u00fcr uns der N\u00e4chste sein. Jesus ist uns der N\u00e4chste dadurch, indem er uns immer wieder mit seinem Wort ansprechen m\u00f6chten. Dadurch ermahnt er uns, warnt uns, ermutigt uns, erinnert uns an bestimmte Verhei\u00dfungen, offenbart uns mehr und mehr, wie sehr er uns lieb hat usw. Daher ist es wichtig, dass wir wie Maria zu Ruhe kommen und ihm bzw. seinem Wort gut zuh\u00f6ren. Was geh\u00f6rt zum guten Zuh\u00f6ren dazu? Im Vers 26 fragte Jesus den Schriftgelehrten: \u201eWie liest du es?\u201c. Er sagte nicht: \u201eWas liest du?\u201c, sondern: \u201eWie liest du es?\u201c (Sowohl in der Elberfelder- als auch in der Schlachter- und NIV-\u00dcbersetzung steht: \u201eWie liest du es?\u201c). Mit anderen Worten: Jesus fragte den Schriftgelehrten, mit welcher Brille er das Gesetz lese. Dies ist eine sehr wichtige Frage: Mit welcher Brille lesen wir Gottes Wort? In Joh. 5,39 lehrt uns Jesus, das Wort mit seiner Brille zu lesen. Ihr erforscht die Schriften, denn ihr meint, in ihnen ewiges Leben zu haben, und sie sind es, die von mir zeugen (Joh. 5,39). Der Schriftgelehrte las das Gesetz als den Weg zum Ewigen Himmel. Doch mit der Brille Christi lesen wir das Gesetz ganz anders. Das h\u00f6chste Gebot weist uns auf Jesus hin: Am Kreuz wurde sichtbar, dass Jesus Gott von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzer Kraft und mit seinem ganzen Verstand liebt. Am Kreuz liebte Jesus uns wie sich selbst. Durch Jesus k\u00f6nnen auch wir Gott und unseren N\u00e4chsten lieben wie uns selbst.<br \/>\nEin anderes Beispiel: Wie lesen wir das Gleichnis vom Samariter? Lesen wir es mit der Brille Christi, werden mir merken, dass Jesus hier nicht nur (auch, aber nicht nur) ein Vorbild lehrt, sondern auch von sich selbst spricht. Jesus erz\u00e4hlte dieses Gleichnis auf dem Weg nach Jerusalem, wo Er ans Kreuz ging. Jesus ist der barmherzige Samariter. Wir waren aufgrund unserer S\u00fcnde wie der Erschlagene. Die S\u00fcnde machte uns unfrei, ungl\u00fccklich und verloren. Die S\u00fcnde machte uns elend und armselig. Die S\u00fcnde beraubte uns unseres Lebens. Wie der barmherzige Samariter hatte Jesus Mitleid mit uns. Jesus kam uns zu Hilfe. Doch wie kam er uns zu Hilfe? Ihm passierte das, was dem Reisenden von Jericho geschah. Jesus lie\u00df sich berauben, seine Kleider wurden ihm genommen, er wurde geschlagen und nicht nur halbtot zur\u00fcckgelassen, sondern tats\u00e4chlich get\u00f6tet. Niemand kam Jesus zu Hilfe \u2013 nicht einmal seine Freunde. Sie lie\u00dfen ihn im Stich. Einer verleugnete ihn und einer verriet ihn sogar. Jesus hielt zu unserer Not keine professionelle Distanz. Er war uns in der Not so nah, dass er selber in unsere Not geriet. Noch mehr N\u00e4chster zu sein geht nicht. Jesus ist uns soviel der N\u00e4chste, wie es nur m\u00f6glich ist.<br \/>\nWenn wir die Bibel mit der Brille Christi lesen, erfahren wir nicht nur, wie wir Jesus dienen sollen, sondern erst mal und v.a., was Jesus f\u00fcr uns getan hat und noch tut. Wir lernen Jesus mehr und mehr kennen und erlauben ihm, unser N\u00e4chster zu sein. Wir verstehen sein mitleidiges Herz uns gegen\u00fcber besser. Das hilft uns, f\u00fcr andere Notleidende ein N\u00e4chster zu sein. Wenn wir aber die Bibel nur mit der Fragestellung lesen: \u201eWas soll ich tun, was soll ich lassen\u201c, steht unser Dienen im Vordergrund, Jesu Dienst an uns aber im Hintergrund. Wenn wir die Bibel nur so lesen, dann werden wir zu einer Marta, also zu Christen, die sich schwer damit tun, f\u00fcr andere ein N\u00e4chster zu sein. Daher gilt die Frage Jesu auch an uns: \u201eWie liest du?\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Der N\u00e4chste \u201eWas meinst du, wer von diesen dreien der N\u00e4chste dessen gewesen ist, der unter die R\u00e4uber gefallen war? Er aber sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm \u00fcbte. 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