{"id":10832,"date":"2022-10-16T11:00:08","date_gmt":"2022-10-16T09:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10832"},"modified":"2025-02-04T05:38:51","modified_gmt":"2025-02-04T04:38:51","slug":"predigt-lukas-115-13","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-lukas-115-13\/","title":{"rendered":"Predigt: Lukas 11,5-13"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/2022-Lukas-L.-19_11-0513.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 class=\"western\" align=\"center\">Unversch\u00e4mtes Beten<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eWenn nun ihr, die ihr b\u00f6se seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Lukasevangelium 11,13)<\/p>\n<p>Das Thema ist das Gebet. Und ich denke, dass Jesus uns drei Dinge \u00fcber das Gebet lehrt. Jesus lehrt uns zu wem wir beten sollen, wie wir beten sollen und wozu wir beten sollen. Das sind nat\u00fcrlich sehr generische Frage. Wir wollen aber schauen, welche spezifischen Antworten Jesus auf diese sehr allgemeinen Fragen gibt.<\/p>\n<p><strong>1. Zu wem wir beten sollen<\/strong><br \/>\nEs gibt eine Geschichte von Spurgeon. Bei einem Gottesdienst sollte ein Mann beten. Er fing an, mit richtig blumigen Worten Gott anzusprechen, vermutlich mit S\u00e4tzen wie \u201eOh, du gro\u00dfer Sch\u00f6pfer von Himmel und Erde, du Ursprung aller Dinge, du unsere einzige Hoffnung und Freude, du Zentrum des Universums&nbsp;\u2026\u201c Irgendwann trat Spurgeon an ihn heran und sagte zu ihm: \u201eNenne ihn einfach Vater und bitte ihn um etwas.\u201c Auf die Frage zu wem wir beten sollen, ist die Antwort so offensichtlich, dass wir meinen k\u00f6nnten, nicht l\u00e4nger dar\u00fcber sprechen zu m\u00fcssen. Nat\u00fcrlich beten wir zu Gott. Und damit k\u00f6nnten wir eigentlich direkt zum zweiten Teil der Predigt. Das Interessante aber ist, wie Jesus uns Gott, den Vater, n\u00e4herbringt. Er gebraucht dazu zwei unterschiedliche und teilweise auch sehr humorvolle Illustrationen.<br \/>\nIn der ersten Illustration gibt es einen Freund, der anscheinend unerwartet, spontan Besuch bekommt. Der Besuch kommt aber nicht zur normalen Tageszeit an, sondern sp\u00e4t nachts. Und jetzt hatte er nichts mehr zu Hause, um es dem Gast vorsetzen zu k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen die Not hier vermutlich nicht so gut nachvollziehen. Es war mitten in der Nacht. Wir k\u00f6nnten meinen, dass ein Gast sicher dar\u00fcber freuen w\u00fcrde, ein warmes Bett vorzufinden. Der Grund, weshalb wir so denken, ist der, dass es bei uns im Westen zwar Gastfreundschaft gibt. Aber die Gastfreundschaft, die wir in Deutschland kennen, ist nichts im Vergleich zu dem, was im Orient ein absolutes Muss ist.<br \/>\nFriedemann Fritsch von der Evangelischen Kirche wurde einmal von Fl\u00fcchtlingen in Deutschland eingeladen. Und er erz\u00e4hlte Folgendes: \u201eIn der Kultur des Orients ist Gastfreundschaft etwas Heiliges. \u2026 Muslime, Kurden, Yeziden \u2013 sie bitten uns zu Tisch. Aber nicht schriftlich oder telefonisch, sondern sie kommen selber. Und kurz vor dem Termin schicken sie noch einmal eines ihrer Kinder. Ihr m\u00fcsst kommen, bitte, fast ein wenig bedr\u00e4ngend. Als wollten sie sicherstellen, dass nicht irgendwelche Gr\u00fcnde die Einladung zunichte machen. Denn dies w\u00e4re schlimm, fast wie ein Sakrileg. Ein Syrer erkl\u00e4rt uns, dass f\u00fcr ihre Kultur eine Einladung absolut verpflichtend ist. Unm\u00f6glich, sie abzulehnen, ja kr\u00e4nkend. Wie kann man auch? Ich werde als Gast praktisch zum K\u00f6nig gekr\u00f6nt. \u2026 Und dann das Essen: K\u00f6stlichkeiten in gro\u00dfer Menge, und wir m\u00fcssen alles probieren, Geb\u00e4ck, Obstteller, arabischen Kaffee. Wir essen entschieden zu viel. Ich f\u00fchlte mich wohl. Ich sp\u00fcrte durch manche Zw\u00e4nge hindurch: Diese Leute wollen dir Gutes tun, sie wollen es um jeden Preis. \u2026 Sie sind keine Christen, und doch lerne ich durch sie viel \u00fcber den Gott der Bibel.\u201c Wenn ein reisender Mensch als Gast aufgenommen wurde, war es nicht einfach nur H\u00f6flichkeit, sondern ein zwingendes Prinzip der Gastfreundschaft: Es musste dem Gast Essen serviert werden, und der Gast musste essen, egal, ob er Hunger hatte oder nicht. Alles andere ist nicht einfach nur inakzeptabel, sondern schlichtweg unvorstellbar. Das Problem war nur, der unfreiwillige Gastgeber hatte zu Hause nichts zu essen. Aber genau dazu sind ja Freunde da.<br \/>\nVers 5: \u201eWenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote.\u201c Der Freund im Gleichnis hat zwar Brote im Haus, aber er hat auch eine schlafende Familie. Was Jesus hier im Sinn hat war vermutlich ein sehr kleines Haus mit einem einzelnen Zimmer, das vielleicht \u00fcber einem Stall war. Aufzustehen, Brote zu suchen und zu holen und sie an die T\u00fcr zu bringen war kaum m\u00f6glich, ohne die ganze Familie aufzuwecken. Es war das Beispiel schlechthin f\u00fcr eine maximal nervige Situation.<br \/>\nUnd doch sagt Jesus in Vers 8: \u201eIch sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.\u201c Der Ausdruck \u201eihm geben, was er braucht\u201c ist interessant. Die Brote, von denen im Gleichnis die Rede ist, sind keine deutschen Bauernbrote, sondern d\u00fcnne Fladenbrote. Je nach Gr\u00f6\u00dfe des Brotes brauchte ein erwachsener Mann 1\u20133 St\u00fcck davon, um satt zu werden. Aber eine Mahlzeit brauchte nat\u00fcrlich noch etwas mehr als Brote. Es brauchte noch eine So\u00dfe oder Oliven oder K\u00e4se. Der Bittende bekam von seinem genervten Freund alles, was er brauchte. Ich kann mir vorstellen, dass die Ehefrau irgendwann gesagt haben muss: \u201eGib dieser Nervens\u00e4ge endlich alles, was er haben will. Hauptsache, wir k\u00f6nnen das Licht wieder ausmachen und weiterschlafen.\u201c Was Jesus hier vermutlich meint: Freundschaft mag zwar um 22 Uhr enden, wenn man ins Bett geht, aber mit ein wenig Unversch\u00e4mtheit bekommt man doch alles, was man braucht.<br \/>\nDas zweite Gleichnis ist noch einfacher. \u201eOder welcher Vater unter euch, den der Sohn um einen Fisch bittet, gibt ihm statt eines Fisches eine Schlange oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?\u201c Wenn man sich die F\u00fcrsorglichkeit im direkten Vergleich zwischen M\u00fcttern und V\u00e4tern anschaut, haben die V\u00e4ter ganz klar das Nachsehen. Aber obwohl viele V\u00e4ter im Vergleich zu den M\u00fcttern viel leichtsinniger und unverantwortlicher sind, w\u00fcrden selbst V\u00e4ter ihren Kindern keine schlechten Dinge geben. In Vers 13 bringt Jesus es auf den Punkt: \u201eWenn nun ihr, die ihr b\u00f6se seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.\u201c Earle Ellis schreibt in seinem wunderbaren Kommentar zu manchen Stellen etwas mehr, an dieser Stelle etwas weniger. Zu dem Wort b\u00f6se schreibt er folgenden Kommentar: \u201eDie angeborene menschliche S\u00fcndigkeit ist f\u00fcr Jesus eine Grundannahme.\u201c Jesus ging einfach davon aus, dass Menschen b\u00f6se sind. Aber selbst b\u00f6se Menschen tun ihren Kindern meistens Gutes.<br \/>\nWir kommen zur Frage zur\u00fcck: zu wem beten wir? Jesus bringt hier zwei sehr interessante Illustrationen: ein genervter, unwilliger Freund und V\u00e4ter, die im Grunde ihres Herzens b\u00f6se sind. In Lukas 15 erz\u00e4hlt Jesus das Gleichnis, von den verlorenen S\u00f6hnen, um zu zeigen wie Gott ist. Und hier ist der entscheidende Punkt. Diese beiden Beispiele im heutigen Text verwendet Jesus nicht, um zu zeigen, wie Gott ist. Er verwendet diese beiden Beispiele, um zu zeigen, wie Gott nicht ist. Gott ist unser Freund, aber nicht der genervte Freund, der um Mitternacht fest schl\u00e4ft, sondern der Helfer Israels, der nicht schlummert und nicht schl\u00e4ft, und der immer willig ist zu helfen. Und Gott ist unser Vater, aber nicht wie alle irdischen V\u00e4ter, die b\u00f6se sind und trotzdem Gutes tun; sondern der vollkommene Vater, der uns mehr liebt, als wir zu tr\u00e4umen wagen w\u00fcrden. Das ist die Person, zu der wir kommen d\u00fcrfen und zu sehr wir beten d\u00fcrfen.<br \/>\nKurze Anwendung, bevor wir fortfahren. Was wir \u00fcber Gott denken, ist so zentral wichtig f\u00fcr unser Gebets- und Glaubensleben. Wer ist Gott f\u00fcr dich? Vor einigen Jahren hatte ich mit einem Freund ein Gespr\u00e4ch. Als wir uns \u00fcber Religion unterhalten hatte, hatte ich versehentlich seinen Standpunkt falsch wiedergegeben. Ich war davon ausgegangen, dass er nicht an Gott glaubt. Er sagte daraufhin: \u201eDas habe ich nicht so gesagt. Ich habe Folgendes gesagt: Ich habe Angst davor, dass es ihn gibt.\u201c Und vielleicht geht es manchen von uns \u00e4hnlich: dass wir Gott als einen prim\u00e4r schlecht gelaunten, missmutigen, unfreundlichen, rachs\u00fcchtigen Gott ansehen; wenn nicht bewusst, dann doch unbewusst eher eine unangenehme Person, mit der wir nicht mehr zu tun haben wollen, als unbedingt notwendig. Und das ist ein riesiges Problem.<br \/>\nDer jesuitische Priester Boyle k\u00fcmmert sich um junge M\u00e4nner in Los Angeles, die aus kriminellen Banden aussteigen wollen. Er erz\u00e4hlte die Geschichte, wie ein junger Mann namens Willy ihn um etwas Geld bat, weil er Hunger hatte. Boyle selbst hatte kein Geld zur Hand. Er lud ihn ein, in sein Auto zu steigen, um zum n\u00e4chsten Bankautomat zu fahren. An der Bank angekommen, bat er ihn, im Auto zu warten, weil er sich Sorgen machten, dass feindliche Bandenmitglieder Willy erkennen k\u00f6nnten. Willy wollte aber den Autoschl\u00fcssel haben, um das Radio anzumachen. Und Boyle sagt \u201enein.\u201c Und sagt dann mit einer demonstrativen Geste: \u201eBete!\u201c<br \/>\nAls Boyle zur\u00fcck ins Auto kommt, scheint Willy ganz anders zu sein. Er ist ruhig, reflektiert, und im Auto herrscht ein gewisser Friede. Boyle fragt ihn: \u201eDu hast gebetet, nicht?\u201c Er ist ruhig und still. \u201eJa, sagt er.\u201c Boyle fragt ihn: \u201eWas hat Gott dir gesagt?\u201c \u201eZuerst hat Gott mir gesagt, dass ich die Klappe halten soll und auf ihn h\u00f6ren soll.\u201c Boyle fragte ihn: \u201eWer ist Gott f\u00fcr dich?\u201c Willy antwortet: \u201eEr ist mein Helfer, auf den ich mich verlassen kann.\u201c \u201eUnd Gott? Wie sieht Gott dich?\u201c Willy antwortet nicht. Er legt seinen Kopf nach hinten, starrt nach oben. Eine Tr\u00e4ne rollt seine Wangen runter. \u201eGott&nbsp;\u2026 denkt&nbsp;\u2026, dass ich wunderbar bin, dass ich nicht besser sein k\u00f6nnte.\u201c<br \/>\nWer Gott f\u00fcr uns ist, hat Auswirkungen darauf, wie wir \u00fcber uns denken. Wenn Gott f\u00fcr uns der wunderbare Freund und der Vater im Himmel ist, dann verstehen wir uns als seine Geliebten und als seine Kinder: b\u00f6se und doch geliebt, abtr\u00fcnnig und doch angenommen, s\u00fcndig und doch heilig, verdorben und doch vollkommen. Und das ist eine Voraussetzung, um beten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>2. Wie wir beten sollen<\/strong><br \/>\nVers 8: \u201eIch sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.\u201c Jesus verwendet hier ein Wort, das auf verschiedene Art und Weisen \u00fcbersetzt wird. Die Einheits\u00fcbersetzung verwendet \u201eZudringlichkeit\u201c. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich die Nuancen des Wortes \u201ezudringlich\u201c nicht so gut kenne. Aber bei \u201eDeutsch-als-Fremsprache.de\u201c habe ich gelesen, dass \u201ezudringlich\u201c eine Steigerung von \u201eaufdringlich\u201c ist. Die Neues Leben \u00dcbersetzung spricht von \u201ebeharrlich\u201c. Elberfelder spricht von Unversch\u00e4mtheit. Jesus erl\u00e4utert das weiter.<br \/>\nVers 9: \u201eDarum sage ich euch: Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch ge\u00f6ffnet. Denn wer bittet, der empf\u00e4ngt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird ge\u00f6ffnet.\u201c Das mit dem Klopfen ist sehr bildhaft. Damals gab es noch keine elektrischen Klingeln. Bei den meisten elektrischen Klingeln ist das Signal so eindeutig, dass man wei\u00df, dass jemand vor der T\u00fcr steht. Aber wenn man klopft, dann reicht es nicht, nur einmal zu klopfen. Man muss mehrfach klopfen, die Mindestanzahl ist zweimal, damit die Menschen drinnen, wissen, dass jemand da ist. Wie sollen wir dann also beten? Jesus fordert von uns ein unmissverst\u00e4ndliches, aufdringliches, direktes, unversch\u00e4mtes, kontinuierliches Bitten.<br \/>\nUnd das ist sehr einzigartig f\u00fcr den christlichen Glauben. Tim Keller hat die rhetorische Frage gestellt, ob wir uns vorstellen k\u00f6nnen, dass Muslime dazu aufgefordert werden, Allah auf solche Art und Weise zu bitten. Absolut nicht. Es w\u00e4re ein v\u00f6lliger Tabubruch. Und gleichzeitig wissen wir, dass Gott heilig ist, dass er der souver\u00e4ne Herrscher des Universums ist, dass er ein verzehrendes Feuer ist. \u201eKomm nicht n\u00e4her! Ziehe deine Schuhe aus, denn du steht auf heiligem Boden\u201c bekommt Mose gesagt. Wie k\u00f6nnen wir das mit einem unaufh\u00f6rlichen, unversch\u00e4mten Bitten in Einklang bringen? Warum lehrt uns Jesus auf solche Weise beten? Und warum will Gott das von uns?<br \/>\nAls ich damals in Hannover war, hatte ich einen Vortrag von einem christlichen Familienberater geh\u00f6rt. Er spielte folgende Szene aus einer Ehe nach. Ehefrau fragt ihren Mann: \u201eSag mal, liebst du mich eigentlich?\u201c Der Ehemann kann mit dieser Frage nichts anfangen und sagt: \u201eWas soll die Frage? Das habe ich dir doch vor zwei Jahren schon gesagt. Und? Habe ich dir seitdem etwas anderes gesagt?\u201c Ehefrau sagt: \u201eNein.\u201c Der Mann sagt dann: \u201eNa also.\u201c Wir m\u00fcssen keine Beziehungsgenies sein, um zu wissen, dass das so nicht funktioniert. Die Liebe zu bekennen, ist nicht einfach Informationsaustausch. Wir sagen unseren Ehepartnern und unseren Kindern, dass wir sie lieben, nicht als Wissenstransfer, sondern um Beziehung zu bauen. Gleiches gilt f\u00fcr das Gebet.<br \/>\nGott braucht unser Gebet nicht, um zu wissen, was uns weh tut, wo uns der Schuh dr\u00fcckt. Gott will unser insistierendes Gebet, weil er an Beziehung interessiert ist. Gott ist unser Vater und wir seine Kinder sind. Ich habe vorhin gesagt, dass die Frage, wer Gott f\u00fcr uns ist, ma\u00dfgeblich dar\u00fcber entscheidet, wie wir beten. Das Problem ist, dass f\u00fcr viele von uns Gott nicht prim\u00e4r unser Vater ist, sondern eine Art Chef-Figur. Beim Chef klopfen wir nicht mutig an der T\u00fcr. Wir tippen die T\u00fcr an. Und beim Chef bitten wir meistens nicht mutig. Wir fragen oft etwas unsicher: \u201eSt\u00f6re ich gerade?&nbsp;\u2026 ich wei\u00df, dass ich mit meiner Abgabe zu sp\u00e4t dran bin. Aber darf ich trotzdem Urlaub nehmen?\u201c Und vielleicht ist das die Art und Weise, wie wir beten: \u201eIch wei\u00df, dass ich mich letzte Woche nicht an deine Regeln gehalten habe&nbsp;\u2026 aber k\u00f6nntest du mir vielleicht helfen?\u201c<br \/>\nVor ein paar Tagen sa\u00df ich auf dem Sofa und hatte auf dem Tablet etwas gelesen. Eliot (3 Jahre) wollte, dass ich ihm ein Buch vorlese. Er sagte mehrfach, ungeduldig: \u201ePapa, vorlesen! Vorlesen! VORLESEN!\u201c Eliots Aufforderungen sind einfach nur ein Wort und trotzdem sehr klar und unmissverst\u00e4ndlich. Und weil ich aber den Artikel noch zu Ende lesen wollte und seiner direkten, aufdringlichen Bitte nicht nachgekommen bin, machte er pl\u00f6tzlich einen richtigen, vollst\u00e4ndigen Satz: \u201eSo, ich mache jetzt aus!\u201c Und dann schaltete er mit seinem kleinen Finger mein Tablet aus. Eine sehr passende Illustration f\u00fcrs Gebet. Ungef\u00e4hr so d\u00fcrfen und sollen wir zu Gott kommen im Gebet.<\/p>\n<p><strong>3. Wozu wir beten sollen<\/strong><br \/>\nWir finden die Antwort in Vers 13: \u201eWenn nun ihr, die ihr b\u00f6se seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.\u201c Der Kontext ist der, dass Jesus die J\u00fcnger beten lehrt. Und Jesus lehrte sie das Vater Unser. Wenn wir beten, dann haben wir vielleicht unsere Liste an Anliegen, mit denen wir zu Gott kommen. Aber hier scheint Jesus nicht allgemein von Erh\u00f6rung von Gebeten zu sprechen. Er scheint, als ob er vor allem ein spezifisches Anliegen im Sinn hat, und zwar das Kommen des Heiligen Geistes. Wie passt das alles dann zusammen?<br \/>\nZwei Antworten k\u00f6nnen wir darauf geben. Zum einen m\u00fcssen wir verstehen, dass der Heilige Geist alles ist, wof\u00fcr wir zu beten brauchen. Wer den Heiligen Geist hat, der hat alles. Zum Beispiel beten wir in der Gemeinde f\u00fcr Menschen, die unter Krankheiten leiden. Gott will uns nicht nur Heilung schenken. Gott will uns den Heiler geben. Manche beten, weil sie sich unfrei und gebunden f\u00fchlen. Gott will uns nicht nur Freiheit schenken, sondern den Befreier. Manche beten wegen finanziellen N\u00f6ten. Gott will uns nicht einfach Mittel schenken. Gott schenkt uns mit dem Heiligen Geist die ganze Bank. Wir verstehen, dass wenn wir den Heiligen Geist haben, wir alles haben und mehr haben, als wir uns jemals ertr\u00e4umen k\u00f6nnten. Der Heilige Geist ist daher nicht einfach nur ein Anliegen unter vielen. Er ist das zentrale Anliegen der Gemeinde, f\u00fcr das wir gemeinsam flehen d\u00fcrfen.<br \/>\nDie andere Antwort h\u00e4ngt mit dem zusammen, was wir vorher gelernt haben: Gott ist unser Freund und Vater; er will, dass wir aufdringlich beten, weil er an Beziehung interessiert ist. Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen dem Gebet von Kindern Gottes und praktisch allen anderen Gebeten. Praktisch alle Menschen beten, wenn sie N\u00f6te haben. Jemand sagte einmal, dass es in Zeiten der Not keine Atheisten gibt. Selbst Atheisten beten, wenn es ihnen wirklich schlecht geht. Kinder Gottes beten aber nicht nur in Zeiten der Not. Sie beten auch dann, wenn es ihnen gut geht. Bei allen anderen bestehen die Gebete vor allen Dingen aus Bitten. Bei Kindern Gottes bestehen die Gebete vor allem aus Dank und aus Lobpreis. Alle anderen beten vor allem, um etwas von Gott zu erhalten. Kinder Gottes beten, um Gott selbst zu haben.<br \/>\nJohannes Hartl hatte gesagt, dass Gebet immer auch etwas mit Verschwendung zu tun hat, weil echtes Gebet ein Ausdruck der Liebe ist und Liebe immer etwas mit Verschwendung zu tun hat. Wie ist es bei uns? Ist unser Gebet einfach nur ein Abhaken von Gebetsanliegen? Oder ist Gebet vor allem eine Zeit der Gemeinschaft mit Gott? Ein Freuen dar\u00fcber, in der Gegenwart des Vaters zu sein, als seine geliebten Kinder?<br \/>\nZu Anfang des Jahres hatte ich meine Predigt mit einem Zitat von C.S. Lewis beendet. Da ich ziemlich sicher bin, dass ihr dieses Zitat wieder vergessen habt, bringe ich es gerne wieder. Er schrieb: \u201eEin gew\u00f6hnlicher Christ kniet nieder, um seine Gebete zu sprechen. Er versucht, mit Gott in Kontakt zu kommen. Aber wenn er ein Christ ist, wei\u00df er, dass das, was ihn zum Beten veranlasst, auch Gott ist: Gott ist sozusagen in ihm selbst. Aber er wei\u00df auch, dass all sein wirkliches Wissen \u00fcber Gott durch Christus kommt, den Mann, der Gott war \u2013 dass Christus neben ihm steht, ihm hilft zu beten, f\u00fcr ihn betet. Du siehst, was hier geschieht. Gott ist das Ziel, zu dem er betet \u2013 das Ziel, das er zu erreichen versucht. Gott ist auch das, was ihn in seinem Inneren antreibt \u2013 die treibende Kraft. Gott ist auch die Stra\u00dfe oder Br\u00fccke, auf der er zu diesem Ziel geschoben wird. Das ganze dreifache Leben des dreifach-pers\u00f6nlichen Wesens spielt sich also tats\u00e4chlich in diesem einfachen kleinen Schlafzimmer ab, in dem ein gew\u00f6hnlicher Mensch seine Gebete spricht.\u201c<br \/>\nWas f\u00fcr ein unendliches Privileg, dass wir unversch\u00e4mt beten d\u00fcrfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Unversch\u00e4mtes Beten \u201eWenn nun ihr, die ihr b\u00f6se seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.\u201c (Lukasevangelium 11,13) Das Thema ist das Gebet. Und ich denke, dass Jesus uns drei Dinge \u00fcber das Gebet lehrt. 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