{"id":10660,"date":"2022-07-03T11:00:03","date_gmt":"2022-07-03T09:00:03","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10660"},"modified":"2022-11-18T12:11:06","modified_gmt":"2022-11-18T11:11:06","slug":"predigt-lukas-617-49-teil-a-17-26","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-lukas-617-49-teil-a-17-26\/","title":{"rendered":"Predigt: Lukas 6,17-49 &#8211; Teil A: 17-26"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/2022-Lukas-L.-8a_6-1726_P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 class=\"western\" align=\"center\">Die Revolution beginnt<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eEr richtete seine Augen auf seine J\u00fcnger und sagte: Selig ihr Armen, denn euch geh\u00f6rt das Reich Gottes.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Lukasevangelium 6,20)<\/p>\n<p>Letzte Woche haben wir gesehen, dass Jesus zw\u00f6lf J\u00fcnger als Apostel berufen. Ich hatte argumentiert, dass die Berufung der Zw\u00f6lf nicht der Anfang der J\u00fcngerschaft war (Jesus hatte viele J\u00fcnger zus\u00e4tzlich zu den Zw\u00f6lfen). Rebecca McLaughlin hatte folgende kleine Anekdote erz\u00e4hlt: Ihre Tochter hatte sie gefragt: \u201eMami, waren hatte Jesus keine Frauen als J\u00fcnger.\u201c Ihre Frage war verst\u00e4ndlich. Jesus hatte zw\u00f6lf Apostel, die allesamt j\u00fcdische M\u00e4nner waren, welche die zw\u00f6lf j\u00fcdischen Br\u00fcder spiegelten, welche der biologische Ausgangspunkt der zw\u00f6lf St\u00fccke Israels waren. Aber die Zw\u00f6lf waren nur eine Untergruppe der J\u00fcnger, die mit ihm unterwegs waren, und innerhalb dieser Gruppe waren viele Frauen. Die Berufung der zw\u00f6lf Apostel, dass Jesus ein neues Team Israel zusammenstellt. Das war das Besondere am Text der letzten Woche.<br \/>\nDie Frage ist dann, wie es weitergeht mit dem neuen Volk Israel. Und die Antwort ist durch eine Revolution. Wir sehen als erstes, die Ausbreitung des K\u00f6nigreiches; zweitens, die Revolution des K\u00f6nigreiches; und drittens, die Kraft des K\u00f6nigreiches.<\/p>\n<p><strong>1. Die Ausbreitung des K\u00f6nigreiches<\/strong><br \/>\nWie breiten sich K\u00f6nigreiche aus? Wenn wir einen Blick auf die Geschichte der Menschheit werfen, ist die Antwort offensichtlich. Praktisch alle Nationen und Reiche tun es durch Gewalt: z.B. durch milit\u00e4rische Eroberung. Eigentlich gibt es kein Reich in dieser Welt, das sich nicht durch irgendeine Form von Blutvergie\u00dfen durchgesetzt hat. Wie Stephen Surh gesagt hatte, beruht jedes Reich auf Erden auf Gewalt und in den besten F\u00e4llen auf der Androhung von Gewalt.<br \/>\nWie sieht es dann mit Jesu K\u00f6nigreich aus? Jesus kommt mit seinen J\u00fcngern den Berg herunter. In den Versen 17 und 18 lesen wir dann: \u201eIn der Ebene blieb er mit einer gro\u00dfen Schar seiner J\u00fcnger stehen und viele Menschen aus ganz Jud\u00e4a und Jerusalem und dem K\u00fcstengebiet von Tyrus und Sidon waren gekommen, um ihn zu h\u00f6ren und von ihren Krankheiten geheilt zu werden.\u201c Es kamen zus\u00e4tzlich auch Menschen, die von D\u00e4monen geplagt waren. Jesus heilte sie. Und in Vers 19 lesen wir: \u201eAlle Leute versuchten, ihn zu ber\u00fchren; denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte.\u201c In diesen Versen erfahren wir, dass Jesus zwei Dinge tat, um sein Reich zu verbreiten: Er predigte und er heilte. Diese beiden Dinge geschahen Hand in Hand. Predigt und Heilung waren nicht voneinander zu trennen.<br \/>\nDer NT Theologe Darrell Bock, der einen ausf\u00fchrlichen Kommentar zum Lukas-Evangelium geschrieben hatte, sagte folgendes: \u201eJesu Dienst umfasste sowohl das Predigen als auch das Eingehen auf die Bed\u00fcrfnisse der Menschen. Er bedr\u00e4ngte seine Zuh\u00f6rer nicht nur mit Worten, sondern zeigte auch Mitgef\u00fchl durch F\u00fcrsorge. [\u2026] Der kirchliche Dienst heute sollte sich ebenfalls mit barmherzigen H\u00e4nden ausstrecken. Jeder Dienst, der etwas taugt, sollte Mitgef\u00fchl widerspiegeln und nicht nur ein Dienst der Worte sein. Jesus hat gezeigt, wie Gott sich um die Menschen k\u00fcmmert, die er liebt. Wenn Gott die Menschen liebt, denen die Kirche predigt, dann sollten seine Diener diese Liebe auch zeigen.\u201c<br \/>\nJede Gemeinde Jesu, die sich als Teil von diesem K\u00f6nigreich Jesu versteht, hat zwei Berufungen, die untrennbar miteinander verbunden sind: das Evangelium zu predigen und sich um die Bed\u00fcrftigen zu k\u00fcmmern. Wenn wir die Apostelgeschichte und die Briefe im NT lesen, dann sehen wir, wie die fr\u00fche Gemeinde kompromisslos beides gemacht hat. Wir sehen das Gleiche im weiteren Verlauf der Kirchengeschichte. Um nur ein Beispiel zu geben: ganz viele Waisenh\u00e4user, wenn nicht sogar die allermeisten, wurden von Christen erbaut. Georg M\u00fcller, der Pastor einer Gemeinde in Bristol, war gleichzeitig der Leiter eines Waisenhauses. Spurgeon hatte ebenfalls ein Waisenhaus und George Whitefield hatte ebenfalls eines. F\u00fcr alle diese Prediger war es die nat\u00fcrlichste Sache der Welt, sich um die Armen zu k\u00fcmmern.<br \/>\nFrage ist: Was sind die N\u00f6te unserer Zeit, um die wir uns als Gemeinde k\u00fcmmern sollten? Wo sehen wir Bed\u00fcrftigkeit in unserer Umgebung? Was k\u00f6nnen wir tun, um innerhalb unserer Umgebung Armut zu lindern?<br \/>\nPredigt und Barmherzigkeit geh\u00f6ren zusammen. Und wo beides geschieht, wird sich das Reich Gottes ausbreiten auf die ein oder andere Art und Weise.<\/p>\n<p><strong>2. Die Revolution des K\u00f6nigreiches<\/strong><br \/>\nIn Vers 20 beginnt Jesus eine l\u00e4ngere Rede. Eine \u00e4hnliche Rede finden wir in Matth\u00e4us-Evangelium. Die Rede in Matth\u00e4us ist bekannt als die Bergpredigt. Wenn wir die Reden in Matth\u00e4us und Lukas vergleichen, fallen uns \u00c4hnlichkeiten und Parallelen auf. Gleichzeitig gibt es auch viele Unterschiede. Viele schlaue Leute haben sich dar\u00fcber den Kopf zerbrochen. Im Prinzip gibt es nur zwei verschiedene Ansichten. Die eine ist, dass Jesus nur eine Predigt gehalten hat; und dass Matth\u00e4us und Lukas diese eine Rede auf sehr unterschiedliche Art und Weise wiedergeben, z.B. weil sie unterschiedliche Quellen zu Rate ziehen und weil sie ihr Material f\u00fcr unterschiedliche Zuh\u00f6rerschaften aufbereiten. Das ist die eine Erkl\u00e4rung.<br \/>\nPers\u00f6nlich finde ich die andere Erkl\u00e4rung viel plausibler, n\u00e4mlich dass es sich einfach um verschiedene Reden handelt, die an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten vor unterschiedlichen Leuten gehalten wurden. Frage ist dann nat\u00fcrlich, warum es die vielen \u00c4hnlichkeiten gibt. Antwort ist, warum nicht? Die Bibel selbst, die wir als das Wort Gottes annehmen, ist voller Wiederholungen. Warum sollte Jesus nicht die gleichen Worte mehrfach predigen und entsprechend anpassen d\u00fcrfen? Ich halte das f\u00fcr die beste Erkl\u00e4rung f\u00fcr die Unterschiede.<br \/>\nDavon abgesehen, ist die Rede, die Jesus h\u00e4lt, wirklich absolut unerh\u00f6rt. Jesu Worte zeigen, wie revolution\u00e4r und wie einzigartig das Reich Gottes ist. Jesu Rede stellt alles auf den Kopf, was wir kennen. Jesus sagt: \u201eSelig, ihr Armen.\u201c Die Seligkeit, von der hier die Rede ist, k\u00f6nnte man verstehen als die Definition dessen, wer ein Gewinner ist. Die Gewinner sind die Armen. Wir k\u00f6nnten das Wort \u201eselig\u201c auch mit \u201egl\u00fccklich\u201c \u00fcbersetzen. Gl\u00fccklich sind die Armen; gl\u00fccklich sind die Hungrigen; gl\u00fccklich sind die Weinenden; gl\u00fccklich sind diejenigen, die gehasst, ausgesto\u00dfen und geschm\u00e4ht werden. Es ist so ziemlich das genaue Gegenteil, von dem, was die Welt sagt.<br \/>\nDie Welt, in der wir leben, operiert nach einem v\u00f6llig anderen Prinzip. Gewinner sind diejenigen, die reich genug sind, um sich ein angenehmes Leben leisten zu k\u00f6nnen. Weil dem so ist, sind Menschen bereit, ihre Ellenbogen auszufahren und manchmal sprichw\u00f6rtlich \u00fcber Leichen zu gehen, um einen Job zu haben, der gut bezahlt wird. Die Gewinner sind diejenigen, die keinen Hunger haben, also an keinem Mangel leiden m\u00fcssen. Die Gewinner sind diejenigen, die jetzt lachen; das Lachen, von dem hier die Rede ist, ist eine h\u00e4mische Freude von derjenigen, die gerade einen Sieg eingefahren haben. Die Gewinner sind diejenigen, die anerkannt werden, die respektiert werden, die bewundert werden. Selbst die gr\u00f6\u00dften Scheusale wollen immer noch geliebt werden.<br \/>\nNoch schockierender: Jesus spricht auch vier Wehrufe aus. Diese Wehrufe sind das Spiegelbild von den Seligpreisungen: \u201eDoch weh euch, ihr Reichen; Weh euch, die ihr jetzt satt seid; Weh die ihr jetzt lacht; Weh, wenn euch alle Menschen loben.\u201c Wie ist das Wort \u201eWehe\u201c zu verstehen? Wir verwenden dieses Wort nicht so oft; eigentlich kenne ich es fast nur noch aus der Kindererziehung: \u201eWehe, wenn du jetzt wegl\u00e4ufst; wehe, wenn du jetzt Krach machst.\u201c \u201eWehe\u201c ist eine Androhung von schrecklichen Konsequenzen. (Bei den meisten Kindern funktioniert das mit dem \u201eWehe\u201c so gut, dass sie danach erst recht machen, was man ihnen verbietet). Leon Morris sagt, dass Jesu \u201eWehe\u201c anders zu verstehen ist. \u201eWehe\u201c ist zu verstehen ist als ein \u201eLeider\u201c oder \u201ewie schrecklich\u201c. Morris schreibt. \u201eEs ist ein Ausdruck des Bedauerns und des Mitleids, keine Drohung.\u201c Jesus droht hier kein Gericht an. Aber Jesus sagt, dass die echten Verlierer die Reichen, die Ges\u00e4ttigten, die Triumphierenden und die Angesehenen sind.<br \/>\nFrage ist dann nat\u00fcrlich: wovon redet Jesus hier? Was meint Jesus damit? Wie ist das zu verstehen? Ich denke, dass es zuerst hilfreich ist, festzuhalten, was Jesus nicht meinte. Jesus meinte nicht, dass Armut, Hunger, Trauer, Marginalisierung an und f\u00fcr sich gute Dinge sind. Um es ganz explizit zu sagen: Armut, Hunger, Trauer und Ausgrenzung sind extrem schlecht. Sie sind die Folgen einer kaputten, zerbrochenen Welt. Jede einzelne ist die Konsequenz von S\u00fcnde: ungerechte, unfaire Verteilung, soziale Ungerechtigkeit, Korruption, Ausbeutung, Unterdr\u00fcckung. D.h., noch einmal: Armut, Hunger, Trauer, Ausgrenzung sind intrinsisch schlecht.<br \/>\nWas Jesus auch nicht meinte, ist folgendes: Christen brauchen diese Art von Leid nicht aktiv zu suchen. Wenn wir die M\u00f6glichkeit zu einem Leben in moderatem Wohlstand und Armut zu haben, bedeutet Christusnachfolge nicht unbedingt, dass wir uns immer f\u00fcr die Armut entscheiden m\u00fcssen. Wir sehen das an der Art und Weise, wie Jesus mit den Reichen umging: zum reichen jungen Mann sagte Jesus, dass er seinen ganzen Reichtum aufgeben soll; bei Zach\u00e4us war Jesus einverstanden, als er sagte, dass er die H\u00e4lfte seines Reichtums weggibt; bei Nikodemus sagte Jesus nichts davon, dass er seinen Wohlstand aufgeben soll. Gleiches gilt f\u00fcr die anderen Formen von Leid: wir brauchen nicht absichtlich zu hungern, wir brauchen nicht proaktiv nach Anl\u00e4ssen zu suchen, um zu trauern; und wir brauchen uns nicht absichtlich bei den anderen unbeliebt machen.<br \/>\nC.S. Lewis hat es so formuliert: \u201eIm Christentum gibt es ein Paradoxon in Bezug auf Tr\u00fcbsal. Gesegnet sind die Armen, aber durch das Gericht (d.h. soziale Gerechtigkeit) und Almosen sollen wir die Armut beseitigen, wo immer es m\u00f6glich ist. Selig sind wir, wenn wir verfolgt werden, aber wir k\u00f6nnen der Verfolgung entgehen, indem wir von Stadt zu Stadt fliehen, und wir k\u00f6nnen darum beten, von Verfolgung verschont zu bleiben. Unser Herr hat in Gethsemane gebetet. Aber wenn das Leiden gut ist, sollte man es dann nicht eher anstreben als zu vermeiden? Ich antworte, dass das Leiden an sich nicht gut ist. Was in jeder schmerzhaften Erfahrung gut ist, ist f\u00fcr den Leidenden die Unterwerfung unter den Willen Gottes, und f\u00fcr die Zuschauer das erweckte Mitgef\u00fchl und die Taten der Barmherzigkeit, zu denen es f\u00fchrt.\u201c<br \/>\nUnd ich denke, hier kommen wir der Tatsache schon entschieden n\u00e4her. Menschen im Reich Gottes, sind in der Lage, mit Leiden ganz anders umzugehen. Sie k\u00f6nnen sich auf Armut in ihrem Leben einlassen, weil sie wissen, dass es sie n\u00e4her zu Gott f\u00fchrt. Und Armut, Hunger, Trauer, Ausgrenzung k\u00f6nnen, wenn sie in unserem Leben auftreten, Aufschluss dar\u00fcber geben, wof\u00fcr wir leben. Zum einen sehen wir in den Versen 21 und folgende den Kontrast zwischen jetzt und sp\u00e4ter. Vers 21: \u201eSelig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet ges\u00e4ttigt werden. \/ Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen.\u201c Der erste Kontrast ist also zwischen Menschen, die nur das Hier und Jetzt kennen und Menschen, die wissen, dass es eine Auferstehung gibt.<br \/>\nUm das etwas zu veranschaulichen, Eltern und Kinder kennen diesen st\u00e4ndigen Konflikt, der ungef\u00e4hr so verl\u00e4uft: \u201eMama, Papa, kann ich ein Eis essen?\u201c Die Eltern antworten: \u201eWir essen gleich zu Mittag. Du kannst nach dem Mittagessen ein Eis essen.\u201c Wie lautet die Antwort der Kinder: \u201eWunderbar! Das macht total viel Sinn. Auf die Idee h\u00e4tte ich selber kommen k\u00f6nnen. Danke ihr wunderbaren Eltern, dass ihr mir immer so geduldig helft, die richtigen Priorit\u00e4ten im Leben zu setzen. Ich liebe euch!\u201c Genau so habe ich Kinder noch nie antworten sehen. Das, was die Kinder tats\u00e4chlich sagen, ist: \u201eIch will jetzt sofort ein Eis! Ich will jetzt sofort fernsehen! Ich will jetzt sofort zocken!\u201c<br \/>\nVor einigen Monaten war im Atlantic ein sehr interessanter Artikel von Arthur Brooks. Der Titel lautete: \u201eW\u00e4hle Freude statt Vergn\u00fcgen\u201c. Der Autor schreibt: \u201eFreude und Vergn\u00fcgen sind Begriffe, die oft synonym verwendet werden, aber sie sind nicht dasselbe. Vergn\u00fcgen ist etwas, das uns passiert. Freude ist etwas, das wir durch unsere eigene Anstrengung schaffen. Vergn\u00fcgen ist der Schwindel, den man von ein bisschen Alkohol bekommt; Freude ist die Befriedigung eines guten Weins, den man richtig verstanden hat. Vergn\u00fcgen macht s\u00fcchtig und ist animalisch; Freude ist freiwillig und menschlich. \u2026 Jeder Mensch hat Vergn\u00fcgen am Essen, wenn er hungrig ist, aber es erfordert ein gewisses Ma\u00df an Wissen und Kultivierung, um Essen zu genie\u00dfen. Nach dem Essen ist das Vergn\u00fcgen vorbei, und der Gedanke ans Essen nicht mehr attraktiv, weil das k\u00f6rperliche Bed\u00fcrfnis befriedigt ist. Die Erinnerung an eine Mahlzeit, die man mit Freunden genossen hat, geht dagegen \u00fcber das unmittelbare Erlebnis hinaus und kann noch lange nach dem Essen gute Gef\u00fchle hervorrufen.\u201c<br \/>\nWeitere wichtige Beobachtung: sehr, sehr oft stehen Freude und Vergn\u00fcgen in Konflikt zueinander. Zum Beispiel, kann es ein Vergn\u00fcgen sein, den ganzen Tag auf der Couch zu sitzen und Disney Plus zu schauen und dabei McDonalds Essen vom Lieferando Dienst zu essen. Nach drau\u00dfen zu gehen, um zu joggen, seinen K\u00f6rper zu trainieren kann das genaue Gegenteil von Vergn\u00fcgen sein. Es kann sich richtig eklig und elend anf\u00fchlen. Aber es folgt die Freude an frischer Luft, die Freude der Lebensqualit\u00e4t, weil man in einem gesunden K\u00f6rper lebt.<br \/>\nHier kommt der Transfer zum heutigen Text. Der Grund, weshalb die Hungernden gl\u00fccklich sind, ist der, weil Jesus eine Zeit verspricht, in der sie satt werden. Der Grund, weshalb die Weinenden gl\u00fccklich sind, ist der, dass Psalm 30,6 sagt: \u201eWenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel.\u201c Der Grund, weshalb die Verfolgten gl\u00fccklich sind, ist der, dass ihr Lohn im Himmel gro\u00df ist. Und der Grund, weshalb die Armen die Gewinner sind, weil ihnen das K\u00f6nigreich Gottes geh\u00f6rt. Mit anderen Worten, alles Leid, das wir erfahren, ist nur tempor\u00e4r. Am Ende eines relativ gesehen sehr kurzen Lebens, folgt die Auferstehung und das ewige Leben. Gott will uns eine Herrlichkeit schenken, die alle Schmerzen, die wir hier erfahren, verblassen l\u00e4sst.<br \/>\nArmut, Hunger, Trauer und Ausgrenzung verraten noch in anderer Hinsicht, wof\u00fcr wir leben. Stellen wir uns zwei Personen vor, die sich auf den Medizinertest vorbereiten, weil sie in Heidelberg Medizin studieren wollen. Beide scheitern kl\u00e4glich und sind ganz traurig. Stellen wir uns vor, f\u00fcr den einen war es die erste Pr\u00e4ferenz, in Heidelberg Medizin zu studieren. Aber in Wirklichkeit findet er es auch nicht schlimm, Biologie zu studieren. Und stellen wir uns vor, f\u00fcr den zweiten war das sein ganzer Lebenstraum. Wen von den beiden w\u00fcrde es h\u00e4rter treffen? Oder stellen wir uns zwei Manager in leitenden Funktionen vor. Beide verlieren ihren Job. Nat\u00fcrlich sind beide niedergeschlagen und m\u00fcssen erst einmal ihren Schock verarbeiten. F\u00fcr den einen der beiden war es \u201enur\u201c ein Job. F\u00fcr den anderen Manager war die Arbeit sein Ein und Alles. Durch die Arbeit f\u00fchlte er sich, dass er jemand ist. Wer von den beiden wird sich besser erholen k\u00f6nnen?<br \/>\nWas ist also der Unterschied zwischen den Bed\u00fcrftigen und den Wohlhabenden im Text? Die Wohlhabenden verlassen sich auf ihren Reichtum, auf ihr Bankkonto, auf ihre F\u00e4higkeiten. Das ist es, was ihre Identit\u00e4t ausmacht. Die Bed\u00fcrftigen haben praktisch nichts, was ihre Identit\u00e4t definiert. Sie haben nichts, auf das sie sich verlassen k\u00f6nnen. Sie haben nichts, au\u00dfer Gott selbst. Und deshalb ist Gott ihr Ein und Alles. Zeiten des Leidens sind Zeiten, in denen sich herausstellt, worauf wir vertrauen; worauf wir bauen; was unsere prim\u00e4re Identit\u00e4t ist.<br \/>\nWof\u00fcr lebst du? Wenn man uns alles nimmt, was wir haben, was bleibt uns dann? Jemand hat einmal folgendes gesagt: Ich wusste nicht, dass Jesus alles ist, was ich brauchte, bis Jesus alles war, was ich hatte. Ist das auch unsere Erfahrung?<\/p>\n<p><strong>3. Die Kraft des K\u00f6nigreiches<\/strong><br \/>\nZu Anfang hatte ich gesagt, dass sich jedes Reich und jede Nation auf Erden durch milit\u00e4rische Gewalt durchsetzt: sei es durch Kriege und Konflikte oder auch nur die Androhung von Gewalt. Bei Jesu K\u00f6nigreich ist das ganz anders. Jesu Reich breitet sich durch Verk\u00fcndigung der frohen Botschaft und durch Heilung der Bed\u00fcrftigen aus. Und wir haben gesehen, dass Jesu K\u00f6nigreich radikal anders, revolution\u00e4r ist: Die Verlierer sind die eigentlichen Gewinner, und die Gewinner sind die eigentlichen Verlierer; unten ist oben; und oben ist unten.<br \/>\nDie Frage ist dann: woher kommt die Kraft, so zu leben? Woher kommt die Kraft, auch Armut, N\u00f6te, Traurigkeit und Ausgrenzung \u00fcber uns ergehen zu lassen, nicht zu verbittern und das Gute zu sehen, das es in uns hervorbringen kann? Wie k\u00f6nnen wir inmitten von N\u00f6ten das tun, was Vers 23 sagt: \u201eFreut euch, wenn das geschieht; tanzt und springt vor Freude!\u201c Tim Keller machte darauf aufmerksam, dass wir eine Antwort in Vers 19 finden: \u201eAlle Leute versuchten, ihn zu ber\u00fchren; denn es ging eine Kraft von ihm aus, die alle heilte.\u201c Und das ist die Antwort. Wir finden in Jesus eine Kraft, die uns alle heilen kann. Wir finden in Jesus eine Kraft, welche die ganze Welt heilen kann und wieder gut machen kann. Jesus ist die Quelle.<br \/>\nGleichzeitig m\u00fcssen wir verstehen, dass Jesu Kraft ihn etwas gekostet hat. Nat\u00fcrlich ist das ein Hinweis auf das Kreuz. Jesus hat die Wehrufe nicht nur ausgesprochen. Er ging selbst hindurch: Jesus erfuhr echte Armut; Jesus erduldete Hunger; Jesus klagte und weinte; und es gibt niemanden, der so gehasst, verabscheut und abgelehnt wurde wie Jesus: Jesus hing am Kreuz zwischen Himmel und Erde, wie als ob, um es mit den Worten von Matthew Henry zu sagen, weder der Himmel noch die Erde etwas mit ihm zu tun haben wollten. Warum erduldete Jesus das alles?<br \/>\nHebr\u00e4er 12,2 sagt, dass Jesus um der vor ihm liegenden Freude willen, das Kreuz erduldet hat. Jesus tat das alles in freudiger Erwartung auf seinen Lohn. Frage, was ist der Lohn Jesu? Jeder einzelne von uns. Wir sind Jesu Freude. Jesus hat uns angesehen und sich gesagt, dass er die ganze Ewigkeit mit uns verbringen will. Jesus sieht uns an, und er sagt sich, dass wir jedes Leid, das er auf sich genommen hat, wert sind. So sehr liebt Jesus uns. So sehr freut er sich \u00fcber uns.<br \/>\nJesu Liebe zu uns ist so unendlich gro\u00df, dass er mit seinem Leben f\u00fcr uns bezahlt hat. Und genau diese Liebe ist die Kraft und die Macht von Jesu neuem K\u00f6nigreich. Die Revolution hat begonnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Die Revolution beginnt \u201eEr richtete seine Augen auf seine J\u00fcnger und sagte: Selig ihr Armen, denn euch geh\u00f6rt das Reich Gottes.\u201c (Lukasevangelium 6,20) Letzte Woche haben wir gesehen, dass Jesus zw\u00f6lf J\u00fcnger als Apostel berufen. 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