{"id":10628,"date":"2022-06-12T12:00:24","date_gmt":"2022-06-12T10:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10628"},"modified":"2022-11-18T12:11:07","modified_gmt":"2022-11-18T11:11:07","slug":"predigt-lukas-527-39-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-lukas-527-39-2\/","title":{"rendered":"Predigt: Lukas 5,27-39"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/06\/2022-Lukas-L.-6_5-2739_P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 class=\"western\" align=\"center\">Ich bin gekommen, S\u00fcnder zur Bu\u00dfe zu rufen<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eIch bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern S\u00fcnder zur Bu\u00dfe.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Lukasevangelium 5,32)<\/p>\n<p>Vorletzte Woche haben wir geh\u00f6rt, wie Jesus einen Mann voller Aussatz heilte, der zu ihm kam und ihn bat: \u201eHerr, willst du, so kannst du mich reinigen.\u201c Jesus streckte seine Hand aus, ber\u00fchrte ihn und sagte: \u201eIch will\u2019s tun, sei rein!\u201c Sofort wich der Aussatz von ihm. Danach half Jesus einem gel\u00e4hmten Mann, den einige durch das Dach des Hauses vor ihn brachten. Jesus vergab dem Mann seine S\u00fcnde; danach heilte er ihn auch von seiner L\u00e4hmung, sodass der Mann vor den Augen aller aufstand und nach Hause ging und Gott fr\u00f6hlich pries. Im heutigen Text begegnete Jesus Levi, einem Mann, der f\u00fcr die R\u00f6mer Z\u00f6lle eintrieb und dessen Leben schiefgelaufen war. Jesus berief ihn mit einem Wort, das sein ganzes Leben ver\u00e4nderte, sodass er von einem frustrierten Egoisten zu dem Heiligen Matth\u00e4us wurde, der ein Mitautor der Bibel wurde. Im anschlie\u00dfenden Gespr\u00e4ch mit den religi\u00f6sen Leitern sagte Jesus klar, f\u00fcr wen er in die Welt gekommen ist und f\u00fcr wen nicht, und mit was f\u00fcr einer Haltung wir seine frohe Botschaft h\u00f6ren sollen. Gott m\u00f6ge uns heute helfen, zu erkennen, f\u00fcr wen Jesus gekommen ist, uns vor ihm neu als S\u00fcnder zu erkennen und wie Levi ein Wort tief anzunehmen, das unser ganzes Leben ver\u00e4ndert!<\/p>\n<p><strong>I. Folge mir nach (27-28)<\/strong><\/p>\n<p>Betrachten wir den Text. Er beginnt mit den Worten: \u201eUnd danach ging er hinaus und sah einen Z\u00f6llner mit Namen Levi am Zoll sitzen\u201c. Als Jesus aus Kapernaum hinausging, sah er am Stadtrand einen Z\u00f6llner namens Levi an seinem Zollhaus sitzen. Wie die meisten von uns wissen, trieben Z\u00f6llner damals f\u00fcr die r\u00f6mische Besatzungsmacht von ihren Landsleuten Z\u00f6lle ein. Nach den Worten von Johannes dem T\u00e4ufer in Kap. 3 haben die Z\u00f6llner von den Leuten mehr Geld gefordert, als vorgeschrieben war (3,12). Die R\u00f6mer haben diese Praxis gedeckt und noch gef\u00f6rdert, indem sie die Stellen als Z\u00f6llner oft versteigerten und denen gaben, die am meisten Zoll abzuliefern versprachen. Die Juden haben die Z\u00f6llner als Vaterlandsverr\u00e4ter angesehen und haben sie gehasst, weil sie sich in einer Zeit nationaler Not an ihren eigenen Landsleuten bereichert haben. \u201eZ\u00f6llner\u201c war damals ein schlimmes Schimpfwort und gleichbedeutend mit \u201eS\u00fcnder\u201c.<\/p>\n<p>Warum hatte Levi es dann gew\u00e4hlt, ein Z\u00f6llner zu werden? Wie erw\u00e4hnt, musste man sich ja richtig darum bem\u00fchen, so eine Stelle zu bekommen. Offenbar hatte Levi die Vorstellung, dass er gl\u00fccklich w\u00fcrde, wenn er nicht mehr in der Armut leben m\u00fcsste wie die meisten seiner Landsleute. Er muss gedacht haben, dass er auf die Anerkennung anderer in der Gesellschaft ruhig verzichten kann, wenn er daf\u00fcr reich wird und sich endlich die Dinge kaufen kann, die er schon immer haben wollte, und sein Leben im Wohlstand genie\u00dfen kann. Wenn wir bedenken, wie arm die meisten Leute in Israel damals waren, k\u00f6nnen wir seine Gedanken irgendwie verstehen. Trotzdem zeigt Levis Entscheidung, ein Z\u00f6llner zu werden, dass er ziemlich selbsts\u00fcchtig und geldgierig war.<\/p>\n<p>Levi wurde tats\u00e4chlich ein Z\u00f6llner, und er wurde offenbar auch reich (29). Aber offensichtlich wurde Levi trotz seines Reichtums nicht gl\u00fccklich. Als Z\u00f6llner verlor er seine fr\u00fcheren Freunde und wurde von allen in der Gesellschaft gemieden und verachtet. Das k\u00f6nnen wir daran erkennen, dass zu seinem Essen nur Z\u00f6llner und andere kamen; im Markusevangelium steht \u201eviele Z\u00f6llner und S\u00fcnder\u201c (Mk 2,15). Als \u201eS\u00fcnder\u201c wurden damals haupts\u00e4chlich Prostituierte bezeichnet. Wegen seines Verhaltens wurde Levi auf dieselbe Ebene wie Prostituierte eingestuft. Das war ein tiefer Fall, der wohl nur schwer zu ertragen war. Jeder Mensch braucht die Anerkennung anderer Menschen. Jeder leidet, wenn er von seinen Mitmenschen gemieden und verachtet wird, aus welchem Grund auch immer. Levi hatte es gew\u00e4hlt, Z\u00f6llner zu werden, aber er hatte sich die Folgen davon wohl nicht so vorgestellt. Es war aber nicht nur die t\u00e4gliche Ablehnung durch seine Mitmenschen. Er selbst war ein Mensch geworden, dem es haupts\u00e4chlich um Geld ging, sein Hauptthema in seinen Gedanken und Gespr\u00e4chen war immer Geld; er war ein geldgieriger Mensch geworden. Aber er musste feststellen, dass Geld ihn nicht gl\u00fccklich machte, auch all die Dinge nicht, die er damit kaufte. Er muss alles M\u00f6gliche versucht haben, durch sein Geld gl\u00fccklich zu werden, und muss in viele S\u00fcnden geraten sein. Aber er wusste, dass selbst wenn er aufh\u00f6ren w\u00fcrde, als Z\u00f6llner zu arbeiten, die anderen ihn trotzdem weiterhin als einen Z\u00f6llner ansehen und behandeln w\u00fcrden. Levi hatte sein Leben in eine Sackgasse man\u00f6vriert, in der er feststeckte und aus der er nicht mehr herauskam.<\/p>\n<p>Betrachten wir noch einmal den Vers 27: \u201eUnd danach ging er hinaus und sah einen Z\u00f6llner mit Namen Levi am Zoll sitzen und sprach zu ihm: Folge mir nach!\u201c Jesus sah Levi an seinem Zollhaus sitzen, und er ging nicht an ihm vor\u00fcber. Jesus sah ihn nicht wie die anderen Leute mit Unverst\u00e4ndnis, Verachtung und Hass wegen seines egoistischen Verhaltens. Jesus sah ihn mit Verst\u00e4ndnis und mit Liebe. Jesus fand nicht gut, wie er lebte, aber er verstand, warum er so geworden war. Jesus sah seine innere Not und dass er seine Hilfe brauchte, um aus seiner S\u00fcnde herauszukommen. Als Jesus ihn sah, wollte er ihm wirklich helfen. Darum sagte Jesus zu ihm: \u201eFolge mir nach!\u201c<\/p>\n<p>Was bedeutete diese Einladung Jesu? Jesu Einladung zeigt, dass er Levi trotz seiner Selbstsucht liebte. Jesus wollte mit ihm Gemeinschaft haben. Durch die Gemeinschaft sollte Levi Jesus kennenlernen. Er sollte Gottes Liebe zu ihm und das richtige Ziel f\u00fcr sein Leben kennenlernen und daf\u00fcr leben lernen. Jesu Einladung war absolut nicht selbstverst\u00e4ndlich. Eigentlich war Levi eine Last f\u00fcr ihn. Wenn Jesus einen Z\u00f6llner in den Kreis seiner J\u00fcnger aufnehmen w\u00fcrde, w\u00fcrde das seinem Ansehen schaden und dem Ansehen seines Werkes. Es w\u00fcrde wohl auch manche Schwierigkeiten unter den J\u00fcngern hervorrufen. Aber Jesus war bereit, Levis Selbstsucht zu tragen und die daraus resultierenden schlechten Gewohnheiten. Wie gn\u00e4dig ist Jesus, dass er bereit war, mit so einem egoistischen und habgierigen Mann zusammenzuleben und ihn zu erdulden, bis er ganz ver\u00e4ndert w\u00e4re! Wie sehr muss er ihn geliebt haben, dass er zu ihm sagte: \u201eFolge mir nach!\u201c Durch die Nachfolge Jesu sollte Levi seine selbsts\u00fcchtige Gesinnung \u00fcberwinden und in der Beziehung zu Jesus f\u00fcr Gottes Ehre und sein Reich leben lernen. Durch die Einladung zur Nachfolge zeigte Jesus ihm sowohl das Lebensziel als auch den Lebensweg. Als Jesus ihn einlud, ihm nachzufolgen, war er sich sicher, dass Levis Problem durch die Nachfolge gel\u00f6st und sein Leben vor Gott in Ordnung kommen w\u00fcrde, wenn er Jesu Wort beherzigen w\u00fcrde.&nbsp;<\/p>\n<p>Wie reagierte Levi darauf? Der Vers 28 sagt: \u201eUnd er verlie\u00df alles, stand auf und folgte ihm nach.\u201c Levi traf auf der Stelle eine klare Entscheidung, Jesus nachzufolgen. Der Vers erw\u00e4hnt ausdr\u00fccklich, dass er dabei alles verlie\u00df. W\u00f6rtlich \u00fcbersetzt hei\u00dft es: \u201eAlles verlassend stand er auf und folgte ihm nach.\u201c Es waren also nicht zwei getrennte Schritte, sondern alles zu verlassen, war Teil seiner Entscheidung f\u00fcr die Nachfolge. Er verlie\u00df seine Arbeitsstelle als Z\u00f6llner und die materielle Sicherheit und das komfortable Leben, das sie ihm bot. Er verlie\u00df auch seine alte selbsts\u00fcchtige Gesinnung und Lebensweise, bei der er sich haupts\u00e4chlich an seinen eigenen W\u00fcnschen orientiert und f\u00fcr Dinge in der Welt interessiert hatte. Stattdessen wollte er von Jesus \u00fcber das Reich Gottes lernen und danach streben. Levi war wirklich vom richtigen Kurs abgekommen und hatte sehr verkehrt gelebt. Aber als Jesus ihn berief, traf er eine klare Entscheidung. Vielen Menschen f\u00e4llt es schwer, eine klare Entscheidung zu treffen, wenn sie mit Jesu Ruf konfrontiert werden. Sie z\u00f6gern und berechnen endlos die Konsequenzen, wenn sie ihr altes Leben verlassen und Jesus konsequent folgen werden. Dadurch verpassen viele die Chance, Jesus wirklich zu folgen und seine Hilfe zu erfahren. Aber als Levi Jesu Berufung h\u00f6rte, verlie\u00df er alles, stand auf und folgte Jesus nach. Dadurch konnte Jesus ihn von seiner S\u00fcnde gr\u00fcndlich heilen und ihn vom geldgierigen Z\u00f6llner Levi zum Heiligen Matth\u00e4us ver\u00e4ndern und ihn als seinen Apostel und als Verfasser des Matth\u00e4usevangeliums gebrauchen. M\u00f6ge Gott uns helfen, Jesu Ruf zu h\u00f6ren und darauf vom Herzen mit einer klaren Entscheidung zu reagieren!<\/p>\n<p><strong>II. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern S\u00fcnder zur Bu\u00dfe (29-32)<\/strong><\/p>\n<p>Betrachten wir die Verse 29 und 30. Levi war \u00fcber sein neues Leben mit Jesus anscheinend so froh, dass er ihn zu einem gro\u00dfen Mahl in sein Haus einlud. Au\u00dfer Jesus und seinen J\u00fcngern kamen viele Z\u00f6llner und andere und setzten sich an den Tisch. Als das die Pharis\u00e4er und ihre Schriftgelehrten sahen, freuten sie sich nicht, sondern murrten und sagten zu Jesu J\u00fcngern: \u201eWarum esst und trinkt ihr mit den Z\u00f6llnern und S\u00fcndern?\u201c F\u00fcr sie war es unvorstellbar, sich mit \u201esolchen Leuten\u201c zusammen an einen Tisch zu setzen. Sie versuchten, solche Menschen zu meiden, damit man sich nicht selbst unrein machten. F\u00fcr \u201esolche Menschen\u201c hatten sie sowieso keine Hoffnung und keinen Wunsch, ihnen zu helfen. Ihre kritische Frage an die J\u00fcnger war eigentlich eine Kritik an Jesus.<\/p>\n<p>Wie reagierte Jesus darauf? Jesus stellte sich sch\u00fctzend vor seine J\u00fcnger und antwortete auf die Kritik: \u201eDie Gesunden bed\u00fcrfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern S\u00fcnder zur Bu\u00dfe\u201c (31.32). Hier hat Jesus verk\u00fcndet, wie er uns Menschen sieht und wozu er in die Welt gekommen ist. Die Pharis\u00e4er betrachteten die Menschen mit kritischen Augen wie Polizisten und suchten richtiggehend danach, ihre Fehler und S\u00fcnden zu finden und anzuklagen. Selbst wenn jemand andere Leute zum Essen in sein Haus einlud und mit ihnen fr\u00f6hlich war, war das f\u00fcr sie bereits \u00e4u\u00dferst verd\u00e4chtig. Aber Jesus sieht uns Menschen nicht wie ein Staatsanwalt oder Richter, sondern wie ein guter Arzt, der seine Patienten wegen ihrer Krankheit nicht anklagt, sondern sein Bestes tut, um sie von ihren Krankheiten zu heilen. Jesus ist der Arzt, der alle, die an der S\u00fcnde krank sind, heilen will.<\/p>\n<p>Jesus sagt hier auch, f\u00fcr wen er gekommen ist: \u201eIch bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern S\u00fcnder zur Bu\u00dfe.\u201c Wie gn\u00e4dig ist Jesus, der f\u00fcr die S\u00fcnder gekommen ist, die ihn ignoriert und verachtet und verkehrt gelebt haben, um sie mit seiner unsagbar starken Medizin von ihrer Verkehrtheit und S\u00fcnde zu heilen. Die einzige Voraussetzung daf\u00fcr ist, dass wir zugeben, dass wir S\u00fcnder sind, und sein heilsames Wort der Gnade annehmen. Menschliche \u00c4rzte haben ein gro\u00dfes Wissen \u00fcber alle m\u00f6glichen Krankheiten und haben f\u00fcr viele davon ein Medikament oder eine andere Therapie, die Heilung oder mindestens Besserung bringt. Aber ihr Wissen und die Wirksamkeit ihrer Therapien sind doch oft begrenzt. Aber Jesus ist der vollkommene Arzt. Er kennt unsere k\u00f6rperlichen und geistlichen Krankheiten samt ihren Ursachen genau. Er reicht uns durch sein Wort die f\u00fcr uns passende, hochwirksame Medizin dar. Sein Wort ist die vollkommene Medizin, die uns v\u00f6llig heil und gesund macht, wenn wir es wirklich in uns einlassen. Nichts und niemand kann die Wirksamkeit seines Wortes verhindern. Das Einzige, was das verhindern kann, ist, wenn wir sein heilsames Wort nicht beherzigen, weil wir ihm nicht genug vertrauen, oder weil wir denken, dass wir gesund w\u00e4ren und gar nicht unbedingt Hilfe br\u00e4uchten.<\/p>\n<p>Diese Einstellung ist die der Gerechten bzw. derer, die sich f\u00fcr selbst f\u00fcr gerecht halten. Sie meinen, sie br\u00e4uchten Jesus nicht als Arzt und als Retter. Sie finden es h\u00f6chstens interessant, ihm zuzuh\u00f6ren als einem Ratgeber, dessen Rat sie hier und da befolgen k\u00f6nnen. Sie wollen nicht erkennen, dass sie S\u00fcnder sind, dass sie todkrank sind und unbedingt die g\u00f6ttliche Heilung brauchen, weil sie sonst verloren gehen. Sie verlassen sich auf sich selbst und meinen, sie w\u00e4ren von sich aus schon gerecht, durch ihre Zugeh\u00f6rigkeit zu einer bestimmten Religion oder Institution, und durch ihre angeblich guten Werke. Jesus ist nicht gekommen, um solche scheinbar gerechten Leute zu rufen, weil sie nicht bereit sind, auf ihn zu h\u00f6ren. Dieses Wort Jesu ist also keine Verurteilung, sondern eine starke Warnung an die, die sich f\u00fcr gesund bzw. f\u00fcr gerecht vor Gott halten. Kein Mensch ist vor Gott gerecht. Durch das Wort, dass er nicht gekommen ist, die Gerechten zu rufen, ermahnt Jesus uns, dass wir nicht auf eine eigene Gerechtigkeit vertrauen, sondern immer neu seine heilsamen Worte annehmen sollen.<\/p>\n<p>Denn Jesus ist gekommen, die S\u00fcnder zur Bu\u00dfe zu rufen, also diejenigen, die bereit sind, zuzugeben, dass sie S\u00fcnder sind, und seine Worte anzunehmen. Jesus ruft sie aus seiner Liebe dazu auf, Bu\u00dfe zu tun. Bu\u00dfe tun bedeutet, unsere Gesinnung zu \u00e4ndern. Unsere Gesinnung ist vor allem mit unserem Lebensziel verbunden. Wenn wir ein falsches Ziel im Leben haben, ist unsere Gesinnung verkehrt, weil sie nach dem falschen Ziel ausgerichtet ist. In der Bibel gibt es mehrere W\u00f6rter f\u00fcr S\u00fcnde, aber das am meisten gebr\u00e4uchliche Wort im Neuen Testament ist \u201ehamartia\u201c, was Zielverfehlung bedeutet. S\u00fcnde bedeutet, dass wir das wahre Ziel, f\u00fcr das Gott uns bestimmt hat, verfehlen, n\u00e4mlich ihn durch unser Leben im Vertrauen auf Jesu zu verherrlichen und hier und in Ewigkeit in Gemeinschaft mit ihm zu leben. Anders gesagt bedeutet S\u00fcnde, dass wir bewusst oder unbewusst verkehrte Ziele verfolgen. Alle S\u00fcnden in unserem Leben und im Leben anderer sind Folgen dieser Haupts\u00fcnde und lassen sich darauf zur\u00fcckf\u00fchren. Wir k\u00f6nnen von allen S\u00fcnden geheilt werden, wenn wir von dieser grundlegenden S\u00fcnde frei werden. Deswegen ruft Jesus uns und alle S\u00fcnder zur Bu\u00dfe auf, also zur gr\u00fcndlichen \u00c4nderung unseres Lebensziels.<\/p>\n<p>Ein gutes Beispiel daf\u00fcr sehen wir in Levi. Levi hat sein eigenes Gl\u00fcck zum Ziel gemacht und Geld, durch das er sein Gl\u00fcck erlangen wollte, anstatt nach Gottes Ehre und sein Reich zu streben. Wegen dieses verkehrten Ziels erkrankte er an vielen weiteren S\u00fcnden, Geldgier, Selbstsucht, Gleichg\u00fcltigkeit und Unbarmherzigkeit gegen\u00fcber anderen, bis er ein Mensch wurde, den alle hassten. Wie half ihm Jesus? Jesus forderte ihn durch seine Berufung zur Nachfolge zur Bu\u00dfe bzw. zu einer gr\u00fcndlichen \u00c4nderung seines Ziels. Als Levi Jesu Ruf annahm und Jesus folgte, befreite Jesus ihn nach und nach von seiner tief verwurzelten Selbstsucht, seiner schrecklichen Geldgier und von anderen S\u00fcnden und ver\u00e4nderte ihn zu einem Mann nach Gottes Bild und zu einem heiligen Apostel, der durch sein Zeugnis unz\u00e4hlige Menschen zu Jesus f\u00fchren konnte. Levi ist damit ein Beispiel daf\u00fcr, wie heilsam und m\u00e4chtig Jesu Wort in einem Menschen wirkt, der auf ihn h\u00f6rt und seinen Ruf annimmt, und wie wunderbar seine Pers\u00f6nlichkeit und sein Leben dadurch ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p>Es ist die gute Nachricht im heutigen Text f\u00fcr uns alle, dass Jesus als Arzt gekommen ist, der die S\u00fcnder zur Bu\u00dfe ruft. Jesus will auch jedem von uns als unser Arzt begegnen und uns sein heilsames Wort geben. Manche jungen Leute unter uns sind vielleicht gerade dabei, dar\u00fcber nachzudenken, welches Ziel sie in ihrem Leben anstreben sollen. Manche, die schon etwas \u00e4lter sind, haben schon Erfahrungen damit gemacht und sind dabei, ihre Ziele zu \u00fcberdenken. F\u00fcr alle ist es so wertvoll und wichtig, auf Jesus zu h\u00f6ren, der uns das wahre, richtige Ziel f\u00fcr unser Leben zeigen will und uns dazu aufruft, es zu beherzigen, damit wir geistlich und k\u00f6rperliche gesund leben und seinem Bild \u00e4hnlich werden und ihn verherrlichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Viele von uns haben Jesu Ruf schon vor l\u00e4ngerem geh\u00f6rt und haben sich mit ihm auf den Weg gemacht. Das bedeutet aber nicht, dass wir nun den Arzt nicht mehr br\u00e4uchten. Selbst Gesunde gehen, wenn sie klug sind, regelm\u00e4\u00dfig zum Arzt, um sich untersuchen zu lassen und aufkommende Krankheiten fr\u00fchzeitig zu behandeln. Wir haben das Privileg, dass wir jeden Tag kostenlos zum vollkommenen liebevollen Arzt Jesus kommen und uns in das Licht seines Wortes stellen d\u00fcrfen. Wenn wir uns vor ihm neu als S\u00fcnder erkennen, dann k\u00f6nnen wir seinen liebevollen Ruf zur Bu\u00dfe h\u00f6ren, damit wir durch seine heilsame Gnade von allen geistlichen Krankheiten ganz geheilt werden und seinem Bild immer \u00e4hnlicher werden. M\u00f6ge Gott jedem von uns helfen, jeden Tag zu Jesus in sein Licht zu kommen und seinen liebevollen Ruf zur Bu\u00dfe zu h\u00f6ren, damit wir geistlich heil und seinem Bild immer \u00e4hnlicher werden und ein Leben f\u00fchren k\u00f6nnen, das ihn verherrlicht und andere zu ihm einl\u00e4dt!<\/p>\n<p><strong>III. Neuen Wein soll man in neue Schl\u00e4uche f\u00fcllen (33-39)<\/strong><\/p>\n<p>Einige gaben sich mit Jesu Antwort immer noch nicht zufrieden und sagten zu ihm: \u201eDie J\u00fcnger des Johannes fasten oft und beten viel, ebenso die J\u00fcnger der Pharis\u00e4er; aber deine J\u00fcnger essen und trinken\u201c (33). Zu fasten galt damals als ein Ausdruck wahrer Fr\u00f6mmigkeit. Die Pharis\u00e4er hatten die Praxis, dass sie und ihre J\u00fcnger jeden Montag und Donnerstag fasteten. Auch Johannes der T\u00e4ufer lehrte seine J\u00fcnger, enthaltsam zu leben und regelm\u00e4\u00dfig zu fasten. Daher konnten sie nicht verstehen, wieso Jesus seinen J\u00fcngern erlaubte, nach ihrem Bedarf zu essen und zu trinken, obwohl Jesus offensichtlich fromm war und Autorit\u00e4t von Gott hatte. Was antwortete Jesus? \u201eJesus sprach aber zu ihnen: K\u00f6nnt ihr denn die Hochzeitsg\u00e4ste fasten lassen, solange der Br\u00e4utigam bei ihnen ist? Es wird aber die Zeit kommen, dass der Br\u00e4utigam von ihnen genommen ist; dann werden sie fasten in jenen Tagen\u201c (34.35). Jesus verwies sie auf die Tradition, dass bei einer Hochzeit nicht gefastet wurde. Die Hochzeit galt als so wichtig, dass selbst in Zeiten nationaler Not, in denen viele fasteten, man auf Hochzeiten nicht fastete. Jesus lehrte sie dadurch, dass er als der Br\u00e4utigam gekommen war und die Hochzeit bereits begonnen hatte, was sie nicht wussten. Jesus lehrte auch, dass sein Kommen Grund zu gro\u00dfer Freude ist und dass der Charakter des Lebens mit ihm einer Hochzeit gleicht. Denn seine J\u00fcnger sind wie die Freunde des Br\u00e4utigams, die sich mit ihm freuen und fr\u00f6hlich sein d\u00fcrfen. Diejenigen, die seine Gnade angenommen haben, sind gleichzeitig seine Braut, die sich auf die bald bevorstehende Heimholung freuen darf. Deshalb w\u00e4re es unpassend, wenn er seine J\u00fcnger dazu auffordern w\u00fcrde, zu fasten. Jesus k\u00fcndigte aber die Zeit, in der er von ihnen genommen w\u00fcrde; dann w\u00fcrden sie fasten, in jenen Tagen. Diese Ank\u00fcndigung bezieht sich zum einen auf die Tage nach Jesu Kreuzigung, an denen er buchst\u00e4blich von ihnen genommen wurde und an denen die J\u00fcnger \u00fcber seinen Weggang und ihr geistliches Versagen trauerten. Es kann sich aber auch die Zeit beziehen, in denen wir durch unsere S\u00fcnde im Herzen von Jesus getrennt sind und durch ernsthafte Bu\u00dfe neu zu ihm kommen sollen.<\/p>\n<p>Jesus sah hinter ihrer Frage, warum seine J\u00fcnger nicht fasteten, ein grunds\u00e4tzliches geistliches Problem und erz\u00e4hlte ihnen ein Gleichnis, das ihnen helfen sollte, ihr Problem zu begreifen. Betrachten wir die Verse 36-38: \u201eUnd er sagte zu ihnen ein Gleichnis: Niemand rei\u00dft einen Lappen von einem neuen Kleid und flickt ihn auf ein altes Kleid; sonst zerrei\u00dft man das neue und der Lappen vom neuen passt nicht auf das alte. Und niemand f\u00fcllt neuen Wein in alte Schl\u00e4uche; sonst zerrei\u00dft der neue Wein die Schl\u00e4uche und wird versch\u00fcttet, und die Schl\u00e4uche verderben. Sondern neuen Wein soll man in neue Schl\u00e4uche f\u00fcllen.\u201c Damals ging neuer Stoff beim Waschen und Trocknen noch stark ein. Deshalb flickte niemand ein altes Kleidungsst\u00fcck mit einem St\u00fcck Stoff von einem neuen Kleidungsst\u00fcck, weil am Ende beide Kleider kaputt w\u00e4ren. Da Glas damals noch eine Rarit\u00e4t war, f\u00fcllte man Wein in Schl\u00e4uche aus H\u00e4uten oder Ged\u00e4rmen von Tieren. Aber niemand f\u00fcllte neuen Wein, der noch g\u00e4rt und Gas entwickelt, in alte Schl\u00e4uche, die schon ihre Elastizit\u00e4t verloren haben. Nur neue Schl\u00e4uche, die noch f\u00e4hig waren, der Wirkung des neuen Weins nachzugeben und sich entsprechend auszudehnen, waren als Beh\u00e4ltnisse f\u00fcr neuen Wein geeignet.<\/p>\n<p>Hier steht der neue Lappen und der neue Wein f\u00fcr das Evangelium, das eine ver\u00e4ndernde Wirkung hat und die Gesinnung und das Leben der Menschen, in die es gelangt, mit seiner Kraft ver\u00e4ndert. Das alte Kleid und die alten Schl\u00e4uche stehen sinnbildlich f\u00fcr die Menschen, die zu so einer Ver\u00e4nderung nicht bereit oder nicht in der Lage sind. Die Pharis\u00e4er und ihre Schriftgelehrten hatten ihre festen Vorstellungen von Gott, seinem Willen und von sich selbst und waren so \u00fcberzeugt davon, dass sie nicht wirklich bereit waren, sie zu ver\u00e4ndern. Wann immer sie das Evangelium h\u00f6rten, nahmen sie daran Ansto\u00df und rebellierten dagegen, weil sie nicht bereit bzw. nicht in der Lage waren, ihr Denken und Leben an die Wahrheit des Evangeliums anzupassen. Die J\u00fcnger waren dagegen innerlich noch beweglich und dazu in der Lage waren, das Evangelium anzunehmen und ihm ihre Vorstellungen und ihre Lebensweise anzupassen. Sie waren wie neue Schl\u00e4uche. Jesus sagte schlussfolgernd: \u201eNeuen Wein soll man in neue Schl\u00e4uche f\u00fcllen.\u201c Im ersten Teil haben wir gelernt, dass es wichtig ist, dass wir zu Jesus als unserem Arzt kommen und seinen freundlichen Ruf zur Bu\u00dfe h\u00f6ren und befolgen, damit er uns von unserer S\u00fcnde v\u00f6llig heilen und ihm \u00e4hnlich machen kann. Im zweiten Teil lehrt Jesus nun, was f\u00fcr eine Haltung wir dazu gegen\u00fcber dem heilsamen Evangelium brauchen. Wir sollen nicht wie alte Schl\u00e4uche sein, die mit ihrem bisherigen Verst\u00e4ndnis der Bibel und ihrem geistlichen Leben zufrieden sind und darin erstarren. Wir sollen f\u00fcr das Evangelium wie neue Schl\u00e4uche sein, die wie die J\u00fcnger Jesu Worte lernwillig annehmen und Bu\u00dfe tun und ihre Gesinnung, ihr Lebensziel und ihre Lebensweise immer neu und immer v\u00f6lliger danach ausrichten. Dann kann Jesus sein heilsames und Leben gebendes Evangelium immer mehr und unbegrenzt in uns f\u00fcllen, sodass es uns immer weiter heilt und nach seinem Bild ver\u00e4ndert und wir Gott durch unser ganzes Leben ehren und verherrlichen und viele junge Menschen zu ihm einladen und f\u00fchren k\u00f6nnen. M\u00f6ge Gott jedem von uns helfen, gegen\u00fcber seinem Wort wie neue Schl\u00e4uche zu sein und sein heilsames Wort t\u00e4glich neu zu empfangen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Ich bin gekommen, S\u00fcnder zur Bu\u00dfe zu rufen \u201eIch bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern S\u00fcnder zur Bu\u00dfe.\u201c (Lukasevangelium 5,32) Vorletzte Woche haben wir geh\u00f6rt, wie Jesus einen Mann voller Aussatz heilte, der zu ihm kam und ihn bat: \u201eHerr, willst du, so kannst du mich reinigen.\u201c Jesus streckte seine Hand aus, ber\u00fchrte [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[13,4],"tags":[],"class_list":["post-10628","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lukas","category-predigt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10628","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10628"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10628\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":10630,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/10628\/revisions\/10630"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10628"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=10628"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=10628"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}