{"id":10588,"date":"2022-04-03T11:00:16","date_gmt":"2022-04-03T09:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10588"},"modified":"2022-11-18T12:18:35","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:35","slug":"predigt-matthaeus-2636-46-ostern-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-matthaeus-2636-46-ostern-2022\/","title":{"rendered":"Predigt: Matth\u00e4us 26,36-46  &#8211;   Ostern 2022"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/Ostern-1_Mt26-3646_P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\">Der Gebetskampf<\/h1>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eWiederum ging er zum zweiten Mal hin, betete und sprach: Mein Vater, wenn dieser Kelch nicht an mir vor\u00fcbergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille! \u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Matth\u00e4usevangelium 26,42)<\/p>\n<p>In der Bibel gibt es zahlreiche Erz\u00e4hlungen dar\u00fcber, dass sich Menschen schwer damit taten, den Willen Gottes zu tun. Sie gingen damit unterschiedlich um: Die einen diskutierten mit Gott oder machten Gegenvorschl\u00e4ge, andere verlangten erst einmal ein Wunder. Jonah floh sogar von Gott, als er Gottes Auftrag nicht erf\u00fcllen wollte. Die Israeliten murrten und machten Gott Vorw\u00fcrfe. Auch der Herr Jesus hatte am Ende seines Lebens mit einem Willen Gottes zu tun, der ihm alles andere als leichtfiel. Doch wie ging Jesus damit um? Jesus k\u00e4mpfte. Jesus murrte nicht, Jesus diskutierte nicht, nein, er k\u00e4mpfte. Es war nicht ein Kampf mit Schwert und Lanze, sondern ein Kampf des Gebets. In zwei Wochen feiern wir Ostern, wo wir der Auferstehung unseres Herrn Jesus gedenken. Jesu Auferstehung ist ein Ereignis des Sieges, ein Sieg gegen den Tod. Doch dieser Sieg fiel nicht einfach so vom Himmel. Diesem Sieg ging ein bitterer Gebetskampf voraus. Auch wir kennen es: Gott verlangt etwas, was uns schwerf\u00e4llt. Doch der heutige Text gibt uns eine Antwort darauf, wie wir damit umgehen sollen. Wir wollen ihn anhand von drei Fragen betrachten:<br \/>\n1. Was blockiert den Gebetskampf?<br \/>\n2. Was ist die Grundlage unseres Gebetskampfes?<br \/>\n3. Wie sollten wir den Gebetskampf ausf\u00fchren?<\/p>\n<p><strong>1. Blockade des Gebetskampfes (V. 31 \u2013 35)<\/strong><br \/>\nNach dem Abendmahl k\u00fcndigte Jesus den J\u00fcngern an, dass sie alle Ansto\u00df an ihm nehmen w\u00fcrden. Diese Ank\u00fcndigung von Jesus beruhte nicht einfach auf eine Annahme oder Vermutung von Jesus. Jesus berief sich hierbei auf eine Stelle aus Sacharja 13,7. Laut Sacharja w\u00fcrden die J\u00fcnger Jesus im Stich lassen, und zwar ausgerechnet in der schlimmsten Stunde seines Lebens. Eigentlich ist es schon glaubw\u00fcrdig genug, wenn Jesus etwas ank\u00fcndigt &#8211; eben weil es Jesus gesagt hat. Dass Jesus seine Ank\u00fcndigung zus\u00e4tzlich mit der Schrift untermauert hatte, h\u00e4tte eigentlich jedem Widerspruch den Wind aus den Segeln nehmen m\u00fcssen. Doch wie reagierte Petrus auf die Ank\u00fcndigung von Jesus? Im Vers 33 erfahren wir, dass Petrus Jesus mit aller Deutlichkeit widerspricht. Eigentlich ist ja die Logik so: \u201eWenn alle anderen an Jesus Ansto\u00df nehmen werden, dann bestimmt ich auch. Warum sollte es bei mir anders sein?\u201c Aber bei Petrus stand die Logik auf dem Kopf \u2013 er sagte: \u201eWenn alle an dir Ansto\u00df nehmen werden, ich werde niemals Ansto\u00df nehmen\u201c (V. 33). Das bedeutet so viel wie: \u201eIch liebe dich mehr als die anderen, ich bin besser als die anderen, ich bin geistlicher als die anderen\u201c. Doch Jesus korrigierte Petrus mit den Worten: \u201eWahrlich, ich sage dir, dass du in dieser Nacht, ehe der Hahn kr\u00e4ht, mich dreimal verleugnen wirst.\u201c (V. 34). Petrus hatte gesagt: \u201eNiemals\u201c, doch Jesus sagte \u201edrei Mal!\u201c Aber nicht nur das, diese dreimalige Verleugnung geschah noch ehe der Hahn kr\u00e4hte, also rasch, ohne Verz\u00f6gerung folgte eine Verleugnung der anderen. Petrus musste nicht erst unter Folter gesetzt werden, um Jesus zu verleugnen. Bereits die Worte einer Magd und eines Knechtes versetzten ihn in so einer gro\u00dfen Angst, dass er Jesus mehrfach verleugnete. Doch Petrus beharrt auf Gedeih und Verderb auf seinen Standpunkt &#8211; nicht einmal, wenn der Druck so gro\u00df w\u00e4re, dass sein Leben aufs Spiel st\u00fcnde, w\u00fcrde er Jesus verleugnen (V. 35). Zwischen dem, was Jesus \u00fcber Petrus sagte, und dem wie, Petrus \u00fcber sich selbst sprach, lagen Welten. Petrus Worte: \u201eWenn alle an dir Ansto\u00df nehmen werden, ich werde niemals Ansto\u00df nehmen.\u201c und \u201eSelbst wenn ich mit dir sterben m\u00fcsste, werde ich dich nicht verleugnen.\u201c &#8211; das sind Worte von tiefster \u00dcberzeugung, das sind Worte von felsenfester Gewissheit und doch Worte voller Irrtum. Wie ist so etwas m\u00f6glich? Die Antwort ist: Selbstvertrauen \u2013 die tiefe Gewissheit, dass die eigene \u00dcberzeugung, die eigene Wahrnehmung, die eigene Sichtweise, das eigene Selbstbild usw. ganz bestimmt richtig sind. Bemerkenswert ist, dass Jesus die Aussage des Petrus so stehen l\u00e4sst. Es scheint so, als ob Petrus die Diskussion gewonnen h\u00e4tte. Warum korrigierte Jesus Petrus nicht weiterhin? Der Grund ist ganz einfach: \u201eEs h\u00e4tte nichts gebracht.\u201c Dieses Selbstvertrauen steckte in Petrus so tief drin, dass er sich nicht einmal von dem Sohn des allwissenden Gottes eines Besseren belehren lie\u00df. Es gab jetzt nur noch eine Sache, die Petrus\u00b4 Selbstvertrauen h\u00e4tte knicken k\u00f6nnen \u2013 Petrus musste das, was Jesus \u00fcber ihn vorausgesagt hatte, mit eigener Haut erfahren. Es zu h\u00f6ren, gen\u00fcgte nicht. Anders gesagt: Petrus musste ordentlich auf die Nase fallen. In Ps. 119,67 hei\u00dft es: \u201eBevor ich gedem\u00fctigt wurde, irrte ich. Jetzt aber halte ich dein Wort.\u201c<br \/>\nWar aber das Selbstvertrauen nur ein Problem von Petrus gewesen? Am Ende von Vers 35 hei\u00dft es: \u201eEbenso sprachen auch alle J\u00fcnger.\u201c Eigentlich h\u00e4tten die J\u00fcnger zu Petrus sagen m\u00fcssen: \u201ePetrus, wei\u00dft du es etwa besser als Jesus? Jesus wei\u00df schon, was er sagt.\u201c Aber anstelle Petrus zurechtzuweisen, redeten sie in derselben Weise wie er. Selbst die J\u00fcnger, die bereits mit Jesus drei Jahre zusammen waren, hatten immer noch sehr viel Selbstvertrauen. Wenn schon sie, um wie viel mehr andere. Selbstvertrauen ist ein grunds\u00e4tzliches Problem des Menschen.<br \/>\nAber was hat das Ganze mit Gebet zu tun? Die J\u00fcnger hatten mit Jesus schon so allerlei Anfechtungen erlebt. Doch nun stand ihnen die gr\u00f6\u00dfte Anfechtung bevor. Aus dem Lukasevangelium wissen wir, dass Jesus zu Petrus sagte: \u201eSimon, Simon! Siehe, der Satan hat euer begehrt, euch zu sichten wie den Weizen. Ich aber habe f\u00fcr dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufh\u00f6rt\u201c (Lk 22,31.32). Die J\u00fcnger standen in der Gefahr, vom Glauben abzufallen. Gerade jetzt war es angesagt, zu beten. Im Vers 41 ermahnte sie Jesus mit den Worten: \u201eWachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!\u201c Es war ein Moment der gr\u00f6\u00dften Notwendigkeit von Gebet. Doch was taten die J\u00fcnger ausgerechnet in diesem Moment? Sie schliefen. Sie schliefen, obgleich sie Jesus mehrmals dazu aufgefordert hatte, zu wachen. Im Vers 40 erfahren wir, dass sie nicht einmal eine Stunde mit Jesus wach blieben. Wie konnten die J\u00fcnger in so einem akuten Moment schlafen, anstatt zu beten? Offenbar hatten sie viel zu wenig erkannt, wie sehr gerade sie gerade jetzt das Gebet n\u00f6tig hatten. Weil sie zu sehr auf sich selbst vertrauten, konnten sie zu wenig die Notwendigkeit des Gebets erkennen. Ihr Selbstvertrauen hatte sie f\u00fcr die eigene Schwachheit blind gemacht.<br \/>\nDie J\u00fcnger waren zwar so willig gewesen, dass sie bereit waren, ihr Leben f\u00fcr Jesus zu lassen, aber gleichzeitig doch so schwach, dass sie Jesus, ihrem besten Freund, in der schlimmsten Zeit seines Lebens nicht einmal eine Stunde Beistand leisten konnten. Die eigene Willigkeit oder gute Einstellung der J\u00fcnger reichte nicht aus, um der bevorstehenden Anfechtung standzuhalten. Willigkeit und gute Einstellung sind zwar unerl\u00e4sslich, aber sie reichen allein nicht aus. Jesus sagte zu den J\u00fcngern: \u201eDer Geist zwar ist willig, das Fleisch aber schwach.\u201c Mit diesen Worten ermahnte sie Jesus, nicht auf ihre Willigkeit oder guten Einstellung zu vertrauen, sondern sich vielmehr der Schwachheit ihres Fleisches bewusst zu sein. Dadurch w\u00fcrde ihnen klar werden, wie sehr sie auf das Gebet angewiesen sind. Doch das Selbstvertrauen der J\u00fcnger machte sie blind f\u00fcr ihre eigene Schwachheit.<br \/>\nDas Beispiel der J\u00fcnger lehrt uns, dass Selbstvertrauen das Gebet behindert. Wie sehr sind wir uns der eigenen Schwachheit bewusst? Wie sehr meinen wir, mit einer guten Einstellung ist schon alles getan? Wie sehr haben wir Jesu Worte: \u201eOhne mich k\u00f6nnt ihr nichts tun\u201c (Joh 15,5) im Herzen verstanden? Es hat was unglaublich Befreiendes an sich zu wissen, dass wir nichts aus uns selbst heraustun k\u00f6nnen und es damit auch nicht m\u00fcssen. Dies im Herzen verstanden zu haben, treibt uns zum Gebet. In Phil. 2,13 steht: \u201edenn Gott ist es, der in euch sowohl das Wollen als auch das Vollbringen wirkt nach seinem Wohlgefallen.\u201c Von Gott kommt nicht nur das Vollbringen, sondern auch das Wollen. Zu wissen, dass alles vom Herrn erbeten werden darf und muss, ermutigt, im Gebet zu k\u00e4mpfen und zu ringen. Beten wir, weil wir es m\u00fcssen, oder beten wir, weil wir es brauchen? Je mehr unser Gebet aus einem Bed\u00fcrfnis heraus geschieht, desto leichter f\u00e4llt es uns, im Gebet zu k\u00e4mpfen.<br \/>\nDa das eigene Selbstvertrauen f\u00fcr den Gebetskampf hinderlich ist, m\u00fcssen wir es dem Herrn erlauben, es zu schleifen. Jesus gebraucht sein Wort oder bestimmte Situationen, um uns unsere Schwachheit zu offenbaren. Anders als die J\u00fcnger sollen wir die Offenbarung der eigenen Schw\u00e4che annehmen, anstelle ihr zu widersprechen. M\u00f6ge Gott einen jeden von uns schwach machen. Denn Gott ist im Schwachen m\u00e4chtig (2. Kor. 12,9).<br \/>\nW\u00e4hrend das Verhalten der J\u00fcnger im Garten Gethsemane von Versagen zeugt, zeugt Jesu Gebetskampf von Heldentum. Damit kommen wir auch schon zum 2. Teil der Predigt.<\/p>\n<p><strong>2. Jesu Gebetskampf &#8211; die Grundlage unseres Gebetskampfes (V. 36 \u2013 46)<\/strong><br \/>\nIm Kommentar von MacDonald zu der Begebenheit in Gethsemane hei\u00dft es: \u201eNiemand kann diesen Bericht aus dem Garten Gethsemane lesen, ohne zu merken, dass er heiliges Land betritt. Jeder, der hier versucht zu kommentieren, versp\u00fcrt eine enorme Ehrfurcht und den Wunsch zur Zur\u00fcckhaltung. Wie Guy King schrieb: \u201eDer \u00fcberragende Charakter des Ereignisses l\u00e4sst einen f\u00fcrchten, man k\u00f6nne es durch Ber\u00fchrung irgendwie verderben\u201c (MACDONALD, W. 20095: 145)1. Mir geht es ebenso \u2013 ich bin dankbar, wenn durch die Predigt zumindest ein Hauch von dem, was damals im Garten Gethsemane wirklich geschah, r\u00fcberkommt. Nach dem Abendmahl ging Jesus mit seinen J\u00fcngern hinaus zum \u00d6lberg. Dort befand sich ein Grundst\u00fcck namens Gethsemane. Gethsemane bedeutet \u201e\u00d6lpresse\u201c, weil dort Oliven gepresst wurden, um \u00d6l herzustellen. Jesus hatte die Gewohnheit, diesen Ort mit seinen J\u00fcngern aufzusuchen, um zu beten. Es war nicht das erste Mal, doch gleichzeitig war dieses eine Mal anders als die bisherigen Male. Vers 37 berichtet: \u201efing an, betr\u00fcbt und ge\u00e4ngstigt zu werden.\u201c Die Wolken hatten sich schon lange zusammengezogen und erschienen schwarz. Doch jetzt begann der Sturm ernsthaft loszubrechen (vgl. MATTHEW, H. 20132: 247)2. Jesus wurde von Angst und Traurigkeit ergriffen. Seinen vertrautesten J\u00fcngern er\u00f6ffnete er: \u201eMeine Seele ist sehr betr\u00fcbt, bis zum Tod\u201c (V.38). Betr\u00fcbt bis zum Tod. Der Mann, dem die Elemente der Natur sofort gehorchten, vor dem der Tod floh, der keine Furcht kannte \u2013 der steht jetzt vor schwachen J\u00fcngern, klagend, trauernd, zitternd, zagend! Sein ganzes Wesen bebt und schaudert; unaussprechliches Weh dr\u00fcckt sich in seinem Angesicht aus; eine Beklemmung, eine Bangigkeit, eine Angst, ein Todesweh \u2013 ein Zagen bis fast zum Zusammenbrechen -, eine Ersch\u00fctterung seines Leibes und seiner Seele bis zum Erliegen, bis zum Vergehen erfasst ihn!\u201c (RIENECKER, F. 20112: 459)3. Wir k\u00f6nnen nur erahnen, wie es Jesus zumute war. Weil es Jesus so schrecklich erging, sagte er zu seinen vertrautesten J\u00fcngern: Bleibt hier und wacht mit mir (V.38). Mit diesen Worten w\u00fcnschte sich Jesus von seinen J\u00fcngern Beistand.<br \/>\nDoch dann war der Zeitpunkt gekommen, dass Jesus alleine sein musste, ganz allein mit dem Vater. Im Vers 39 erfahren wir, dass sich Jesus von seinen J\u00fcngern zur\u00fcckzog, indem er ein St\u00fcck weiterzog. Ein paar Meter weiter fiel dann Jesus auf sein Angesicht. Jesu Hoffnungslosigkeit und Verzagtheit hatten ihn kraftlos gemacht. Er konnte und wollte nicht mehr l\u00e4nger stehen. Seine Not war so gro\u00df, dass er zu Gott flehentlich, mit aller Inst\u00e4ndigkeit kommen wollte. Hebr\u00e4er 5,7 verr\u00e4t noch mehr dar\u00fcber, wie Jesus im Garten Gethsemane gebetet haben muss: \u201eDieser hat in den Tagen seines Fleisches sowohl Bitten als auch Flehen mit lautem Rufen und Tr\u00e4nen dem dargebracht, der ihn aus dem Tod erretten konnte.\u201c Jesus redete nicht einfach nur ein paar Worte zu Gott. Nein, sein Gebet vollzog sich in Flehen, lautem Rufen und Tr\u00e4nen. Jesus lag auf dem Boden, kr\u00fcmmte sich wie ein Wurm und schrie aus der Tiefe seines Herzens, dass es weit durch die stille Nacht hallt (vgl. ebd.): \u201eMein Vater, wenn es m\u00f6glich ist, so gehe dieser Kelch an mir vor\u00fcber! Doch nicht wie ich will, sondern wie du \u27e8willst\u27e9 (V. 39).\u201c<br \/>\nInmitten von gr\u00f6\u00dfter Angst, Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit konnte Jesus immer noch sagen: \u201eMein Vater\u201c (V.39). Er glaubte weiterhin an die Liebe Gottes. Sein ganzes Gebet setzt sein Vertrauen auf die v\u00e4terliche Liebe Gottes zu ihm. Und so bittet er: \u201ewenn es m\u00f6glich ist, so gehe dieser Kelch an mir vor\u00fcber! (V.39)\u201c Der Kelch ist sowohl im Alten als auch im Neuen Testament ein Bild f\u00fcr den Zorn Gottes. Nicht der Zorn von Feinden, nein ausgerechnet der Zorn von seinem \u00fcber alles geliebten Vater sollte ihn treffen. In Sacharja hatte es ja Gott vorausgesagt: \u201eIch werde den Hirten schlagen\u201c. In erster Linie waren es weder die Heiden noch die Juden, die Jesus schlugen. Nein, \u201eich werde den Hirten schlagen\u201c. In erster Linie war es Gott selbst, der seinen Sohn schlug, besser gesagt zerschlug. Dem Wortlaut nach lautet die Sacharja-Stelle so: \u201eSchwert, mach dich auf \u00fcber meinen Hirten, \u00fcber den Mann, der mir der n\u00e4chste ist!, spricht der HERR Zebaoth. Schlage den Hirten, dass sich die Herde zerstreue\u201c (Sach. 13,7). Gott holte Sein Schwert des Gerichts ausgerechnet gegen den aus, der ihm am n\u00e4chsten ist. W\u00e4hrend Seines Wirkens auf der Erde hatte sich Gott vom Himmel her mehrfach zu Jesus bekannt &#8211; z.B. bei der Taufe: \u201eDu bist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe!\u201c (Mk. 1,11). Doch nun war der Zeitpunkt gekommen, dass Jesus seinen Vater ganz anders erleben musste als bisher, ja geradeso wie sein schlimmster Feind. Warum war das so? In 2. Kor. 5,21 hei\u00dft es: Denn er hat den, der von keiner S\u00fcnde wusste, f\u00fcr uns zur S\u00fcnde gemacht. Am Kreuz trug Jesus nicht nur unser aller S\u00fcnde, nein er selbst wurde zur S\u00fcnde. Da musste sich selbst Gott von Jesus abwenden und ihm die volle Wucht Seines Zornes treffen lassen. Zudem, wie abscheulich muss es f\u00fcr Jesus, der ohne S\u00fcnde war, gewesen sein, f\u00fcr uns zur S\u00fcnde zu werden. Wir, die wir s\u00fcndig sind, k\u00f6nnen es nicht ermessen, was f\u00fcr eine Abscheu Jesus dabei empfunden haben muss (MACDONALD, W. 20095: 145). Daher war es f\u00fcr Jesus, obgleich er der Sohn Gottes ist, alles andere als eine einfache Sache gewesen, den Kelch des Kreuzes aus Gottes Hand zu nehmen.<br \/>\nDoch wie schwer Jesus die Annahme dieses Kelches auch fiel, so betete er doch letztendlich f\u00fcr den Willen Gottes: \u201enicht wie ich will, sondern wie du willst.\u201c Sinngem\u00e4\u00df hatte Jesus so gebetet: \u201eMein Vater, wenn es einen anderen Weg gibt, damit S\u00fcnder gerettet werden k\u00f6nnen, als ans Kreuz zu gehen, dann lass es auf diese andere Weise geschehen \u2013 aber nur unter der Voraussetzung, dass es im Einklang mit deinem Willen ist. Auf jeden Fall soll dein Wille geschehen.\u201c Wie lautete Gottes Antwort auf dieses Gebet? Nichts. Gott schwieg. Warum? Es gab keinen anderen Weg. Der Name des Ortes Gethsemane war Programm. Wie die Oliven sollte auch Jesus zerschlagen werden, sodass von ihm frisches \u00d6l zu allen Gl\u00e4ubigen flie\u00dfen k\u00f6nne (vgl. MATTHEW, H. 20132: 247)2.<br \/>\nNach seinem ersten Gebet kehrt Jesus zu seinen J\u00fcngern zur\u00fcck. Vielleicht hatte sich Jesus erhofft, dass die J\u00fcnger ihm auf der Grundlage ihres Gebets ein Wort des Trostes geben konnten (RIENECKER, F. 20112: 460)3. Doch als Jesus seine J\u00fcnger antraf, fand er sie nicht betend, sondern schlafend. Jesus war zutiefst entt\u00e4uscht. \u201eAlso nicht eine Stunde konntet ihr mit mir wachen?\u201c (V.40) Als die J\u00fcnger einmal einen heftigen Seesturm erlitten, wachte Jesus auf, um ihnen zu helfen. Doch die J\u00fcnger hingegen schliefen, als sich Jesus im heftigsten Sturm seines Lebens befand.<br \/>\nDer Vater schwieg und der J\u00fcnger schlief \u2013 wie verlassen musste sich Jesus in diesem Augenblick gef\u00fchlt haben. Doch wie ging Jesus damit um? Verzweifelte er? Im Vers 42 erfahren wir, dass Jesus ein zweites Mal betete. Jesus betete zwar \u00e4hnliche Worte wie zuvor, doch nicht ganz. Beim zweiten Mal betet Jesus nicht mehr darum, dass der Kelch vor\u00fcbergehe, sondern darum, dass in jedem Fall, auch dann, wenn er den bitteren Kelch trinken muss, Gottes Wille geschehen m\u00f6ge. Jesus hatte zunehmend erkannt, dass es der Wille Gottes war, den Kelch zu trinken. Daher rang Jesus im Gebet damit, sich diesem Willen Gottes ganz und gar unterzustellen. Im Vers 44 erfahren wir, dass Jesus sogar ein drittes Mal ins Gebet ging, um erneut f\u00fcr den Willen Gottes zu beten und zu ringen. Von diesem Ringen um den Willen Gottes spricht auch Hebr.&nbsp;5,8: \u201eUnd obwohl er Sohn war, hat er doch an dem, was er litt, den Gehorsam gelernt\u201c. Dabei ging es in diesem Gebetskampf ziemlich heftig zu. Dies geht insbesondere aus dem Lukasevangelium hervor. Lk. 22,44 berichtet: \u201eUnd er war in ringendem Kampf und betete inbr\u00fcnstiger; sein Schwei\u00df wurde aber wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.\u201c Jesus stand unter einem Stress von h\u00f6chstem Ausma\u00df.<br \/>\nDoch Jesu Gebetskampf blieb nicht ohne Frucht. In den Versen 45f sehen wir die Frucht von Jesu Gebetskampf. Obgleich Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, seine Henker sozusagen schon vor der T\u00fcr standen, sagte Jesus dennoch: \u201eSteht auf, lasst uns gehen\u201c (V. 46). Diese Worte sagte Jesus nicht, um zu fliehen, sondern um dem Feind entgegenzutreten (vgl. MACDONALD, W. 20095: 146). Dem Kreuz, vor dessen Angesicht er kurz vorher noch gebebt hatte, ging Jesus nun festen Schrittes entgegen. Zwar hatte der Kreuzestod nichts von seiner Qual verloren, aber sein Eindruck auf Jesus war nicht mehr derselbe (RIENECKER, F. 20112: 460f)3. Der entscheidende Schritt zum Sieg auf Golgatha war bereits durch Jesu Gebet im Garten Gethsemane geschehen.<br \/>\nSoweit die Betrachtung von Jesu Gebet im Garten Gethsemane. Wir haben gesehen, dass Jesus den bittersten und schwersten Gebetskampf, der je auf Erden ausgek\u00e4mpft worden ist, ausgetragen hat. Er k\u00e4mpfte einen Kampf, den wir niemals h\u00e4tten k\u00e4mpfen k\u00f6nnen. Doch gleichzeitig k\u00e4mpfte er diesen Kampf nicht um Seinetwegen, sondern um unseretwegen. Sein Gebetskampf erbrachte uns das Heil. Jesus musste bis ans \u00c4u\u00dferste ringen, damit wir das Heil erlangen k\u00f6nnen. Jesus musste viel durchmachen, damit gerettet werden k\u00f6nnen. Sein Gebetskampf erbrachte uns eine Beziehung zu Gott, auf deren Grundlage wir beten k\u00f6nnen. Sein Gebetskampf schaffte den Durchbruch f\u00fcr jeden anderen Gebetskampf. Weil Jesus den heftigsten Gebetskampf \u00fcberstanden hat, kann er Kraft und Sieg f\u00fcr jeden anderen Gebetskampf geben. Weil Jesus gesiegt hat, k\u00f6nnen auch wir durch das Gebet in Seinem Namen Sieg und Kraft erfahren. Dank sei Jesus, dass er diesen alles entscheidenden Kampf f\u00fcr uns siegreich ausgefochten hat!<br \/>\nJesus sagte zu seinen J\u00fcngern: \u201eWacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!\u201c (V. 41). Jesus m\u00f6chte, dass auch seine J\u00fcnger durchs Gebet k\u00e4mpfen. Wir m\u00fcssen zwar nicht den Gebetskampf durchmachen, den Jesus in Gethsemane durchmachte, doch auch wir ben\u00f6tigen den Kampf des Gebets. Wir m\u00fcssen zwar nicht das Kreuz Jesu tragen, doch jeder Gl\u00e4ubige muss sein Kreuz tragen (Lk.&nbsp;9,23). Deswegen haben auch wir es n\u00f6tig zu k\u00e4mpfen, insbesondere in Zeiten, wo uns das Tragen des eigenen Kreuzes schwerf\u00e4llt. Doch wie, in welcher Art und Weise sollen wir den Kampf des Gebets k\u00e4mpfen? Wir wollen das im dritten Teil der Predigt betrachten.<\/p>\n<p><strong>3. Der Gebetskampf in der Praxis (V. 37-42)<\/strong><br \/>\nVon dem Gebetskampf Jesu lassen sich einige praktische Hinweise f\u00fcr unseren eigenen Gebetskampf ableiten. Einen dieser praktischen Hinweise finden wir in V. 37. Jesus teilte seine Not den J\u00fcngern mit, in der Hoffnung, dass sie daf\u00fcr beten. Jesus hatte nicht vor, allein zu k\u00e4mpfen. Ebenso brauchen und sollten wir nicht allein k\u00e4mpfen. Wir k\u00f6nnen unsere geistlichen Herausforderungen anderen aus der Gemeinde mitteilen, sodass mehrere daf\u00fcr beten.<br \/>\nEine weitere praktische Hilfe steht in Vers 39. Dort erfahren wir, dass sich Jesus ein wenig von seinen J\u00fcngern entfernte, um mit Gott allein zu sein. Jesus wollte zwar nicht allein k\u00e4mpfen, aber er wollte allein beten bzw. mit Gott allein sein. Jemand sagte einmal: \u201eChristus hat uns gelehrt, dass das vertrauliche Gebet allein verrichtet werden muss.\u201c Wenn man vor geistlichen Herausforderungen steht, kann und sollte man daf\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich auch mit anderen beten, aber es sollte nicht den pers\u00f6nlichen Gebetskampf ersetzen. Wir sehen das auch in der Geschichte von Jakob am Jabbok. Jakob war ganz allein, als er mit Gott k\u00e4mpfte. Der Kampf des Gebets erfordert also das Alleinsein mit Gott.<br \/>\nDrittens k\u00f6nnen wir aus dem Gebet Jesu lernen, worum wir im Gebet ringen und k\u00e4mpfen sollten. Es ist der Wille Gottes. Jesus rang um den Willen Gottes, bis er sich diesem ganz unterstellen konnte, bis Gottes Wille ganz Sein Wille wurde. Wenn wir uns in einer Sache schwertun, Gott zu gehorchen, sollten wir im Gebet so lange daf\u00fcr k\u00e4mpfen, bis wir Gottes Wille von Herzen annehmen k\u00f6nnen. Gott befreite Jesus zwar nicht von dem bitteren Kelch, schickte aber einen Engel, um ihn zu st\u00e4rken. Gott befreit uns zwar nicht von Seinem Willen, m\u00f6chte uns aber die Kraft geben, seinen Willen zu tun.<br \/>\nSchlie\u00dflich sollte es uns nicht irritieren, wenn Gott schweigt. Er tat es bei Jesus auch. Im festen Glauben an die v\u00e4terliche Liebe Gottes sollten wir hartn\u00e4ckig weiter beten, bis unser Gebetskampf zu seinem Ziel gekommen ist.<br \/>\nIm Garten Gethsemane k\u00e4mpfte Jesus, bis er siegte. Jesus ist ein K\u00e4mpfer und er hat auch uns dazu berufen, K\u00e4mpfer zu sein. Durch ihn k\u00f6nnen auch wir K\u00e4mpfer sein, und zwar K\u00e4mpfer des Gebets. M\u00f6ge Gott einen jeden von uns zu einem K\u00e4mpfer des Gebets machen. M\u00f6ge Gott uns zu einer k\u00e4mpfenden Gemeinde ver\u00e4ndern. Lasst uns beten.<br \/>\n__________<br \/>\n1 MACDONALD, W. (2009, 5. Auflage): Kommentar zum Neuen Testament.<br \/>\nDas Evangelium nach Matth\u00e4us, S. 145.<br \/>\n2 MATTHEW, H. (2013, 2. Auflage): Der neue Matthew Henry Kommentar.<br \/>\nMatth\u00e4us \u2013 Johannes, S. 247.<br \/>\n3RIENECKER, F. (2011, 2. Auflage): Das Evangelium des Matth\u00e4us. Erkl\u00e4rt von Fritz Rienecker.<br \/>\nIn Wuppertaler Studienbibel, S. 459.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Der Gebetskampf \u201eWiederum ging er zum zweiten Mal hin, betete und sprach: Mein Vater, wenn dieser Kelch nicht an mir vor\u00fcbergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille! \u201c (Matth\u00e4usevangelium 26,42) In der Bibel gibt es zahlreiche Erz\u00e4hlungen dar\u00fcber, dass sich Menschen schwer damit taten, den Willen Gottes zu tun. 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