{"id":10585,"date":"2022-05-15T11:00:39","date_gmt":"2022-05-15T09:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10585"},"modified":"2022-11-18T12:18:32","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:32","slug":"predigt-lukas-416-30","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-lukas-416-30\/","title":{"rendered":"Predigt: Lukas 4,16 &#8211; 30"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/05\/2022-Lukas-L.-3_4-1630_P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Das Jahr der Gnade<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eDa begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben geh\u00f6rt habt, erf\u00fcllt.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Lukasevangelium 4,21)<\/p>\n<p>Ich gehe davon aus, dass die meisten von euch noch nie auf einem wissenschaftlichen Kongress waren. Und deshalb meine kurze Beschreibung: sie sind langweilig. F\u00fcr Wissenschaftler, f\u00fcr Nerds kann es nat\u00fcrlich interessant sein. Aber eigentlich ist es einfach nur ein Vortrag nach dem anderen. Nach drei Tagen kann man weder die Vortr\u00e4ge noch die Vortr\u00e4ger auseinanderhalten, weil es zu viel Information ist. Es braucht da schon etwas sehr Au\u00dfergew\u00f6hnliches, damit man sich Jahre sp\u00e4ter noch daran erinnert. Und so etwas Besonderes gab es auf einer Konferenz vor 10 Jahren: Eine Harvard-Professorin gab einen Vortrag. Ein anderer ber\u00fchmter Forscher, der von vielen auf diesem Gebiet als der gr\u00f6\u00dfte Experte angesehen wird, stellte im Anschluss eine kritische Frage. Sie gab eine ausf\u00fchrliche und sehr eloquente Antwort auf seine Frage. Nachdem sie fertig war, schimpfte er nur: \u201eDas ergibt \u00fcberhaupt keinen Sinn!\u201c, und setzt sich. Ein Mini-Affront.<br \/>\nIm heutigen Text haben wir es nicht mit einem Mini-Affront zu tun. Was dort passiert, war ein Riesen-Affront. Wir lesen heute von Jesu Auftritt in einer kleinen Synagoge in Nazareth. Aus alten j\u00fcdischen Quellen wie die Mischna wissen wir, wie der Gottesdienst ungef\u00e4hr abgelaufen ist: zuerst wurde im Gottesdienst ein Psalm gesungen, die Shema gelesen, die 18 Segnungen wurden rezitiert (oder andere Gebete). Dann wurde aus dem Gesetz ein Ausschnitt gelesen, und zwar auf Hebr\u00e4isch. Weil die meisten Menschen kein Hebr\u00e4isch konnten, wurde der Text dann auf Aram\u00e4isch \u00fcbersetzt. Es folgte dann eine Lesung aus den Propheten mit der entsprechenden \u00dcbersetzung. Dann wurde die Predigt gehalten. Zum Schluss gab es den Segen vom Synagogenleiter.<br \/>\nAn diesem Sabbat war Jesus eingeladen, zu lesen und zu predigen. Der Text sagt, dass Jesus zum Lesen aufstand. Er bekam die Jesaja Schriftrolle gereicht. (Fun Fact: eine der wichtigsten biblischen arch\u00e4ologischen Funde waren die sogenannten Qumran Rollen vom Toten Meer. Der gr\u00f6\u00dfte Sensationsfund war eine relativ vollst\u00e4ndige Schriftrolle vom ganzen Buch Jesaja, ungef\u00e4hr aus der Zeit Jesu. Das zeigt, dass das ganze biblische Buch auf eine Rolle passte.) Jesus stand und las aus Jesaja 61 vor: \u201eDer Geist des Herrn ruht auf mir; \/ denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, \/ damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verk\u00fcnde \/ und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.\u201c Nach der Lesung setzte er sich. Damals war es \u00fcblich, dass die Prediger sa\u00dfen, und die Zuh\u00f6rer standen.<br \/>\nUnd dann hielt Jesus eine Predigt, die in der Form, wie Lukas es \u00fcberliefert, nur einen einzigen Satz lang ist: \u201eHeute hat sich das Schriftwort, das ihr eben geh\u00f6rt habt, erf\u00fcllt.\u201c Mehr brauchte Jesus nicht zu sagen. Nach dieser Rede war die Welt schon eine andere. Jesus sagt, dass sich das Wort der Schrift an diesem Tag erf\u00fcllt hat. Ziemlich krasse Predigt.<br \/>\n\u00dcber drei Dinge wollen wir dann heute nachdenken:<br \/>\n1. Was hat sich erf\u00fcllt?&nbsp;<br \/>\n2. F\u00fcr wen hat sich die Schrift erf\u00fcllt?<br \/>\n3. Wie hat sich die Schrift erf\u00fcllt?<\/p>\n<p><strong>1. Was hat sich erf\u00fcllt?<\/strong><br \/>\nIn gewisser Weise ist dieser \u00f6ffentliche Auftritt Jesu wie eine Zusammenfassung vom ganzen Evangelium. Robert Stein, der einen sehr sch\u00f6nen Kommentar zu Lukas geschrieben hat, sagte folgendes: \u201eLukas beginnt seine Darstellung des Dienstes Jesu mit dem Bericht \u00fcber die erste Predigt Jesu. Diese Predigt ist sehr wichtig, denn sie ist programmatisch, und Lukas gibt seinen Lesern darin Jesu eigene Beschreibung seiner Mission und seines Dienstes.\u201c So vieles, was sich im restlichen Evangelium entfalten wird, sehen wir bereits im Keim angelegt.<br \/>\nWas hat sich dann also erf\u00fcllt? Vers 18 sagt, dass den Armen frohe Botschaft verk\u00fcndigt wird; dass den Gefangenen Entlassung verk\u00fcndigt wird; dass die Blinden ihr Augenlicht bekommen; Unterdr\u00fcckte bekommen ihre Freiheit. Und dann sagt Jesus: \u201eein Jahr der Gnade des Herrn auszurufen.\u201c Was bedeutet das Jahr der Gnade? In 3. Mose 25 gibt Gott den Israeliten Anweisungen, dass alle sieben Jahre ein Sabbatjahr stattfinden soll. Im siebten Jahr sollte keine Landwirtschaft betrieben werden. Die Israeliten sollten von dem leben, was sie im Jahr vorher erwirtschaftet hatten. Das ist nicht alles. Alle sieben Sabbatjahre, also nach 49 Jahren, fand ein weiteres Sabbatjahr statt. Wir lesen in 3. Mose 25,10: \u201eErkl\u00e4rt dieses f\u00fcnfzigste Jahr f\u00fcr heilig und ruft Freiheit f\u00fcr alle Bewohner des Landes aus! Es gelte euch als Jubeljahr. Jeder von euch soll zu seinem Grundbesitz zur\u00fcckkehren, jeder soll zu seiner Sippe heimkehren.\u201c In diesem Jahr sollten alle Sklaven unter den Israeliten freigelassen werden. Jeder, der seinen Besitz aus finanziellen Gr\u00fcnden verloren hatte, sollte zur\u00fcck zu seinem Besitz kommen. Es war ein Jahr der Freiheit von Armut und Unterdr\u00fcckung.<br \/>\nTrotz der detaillierten Anweisungen zu diesem besonderen Sabbatjahr finden wir im weiteren AT keine wirkliche Erw\u00e4hnung davon. Es scheint so, als ob dieses Gnadenjahr nicht praktiziert wurde, wie ein Versprechen, das nie eingel\u00f6st wurde. Vielleicht war es in der Zwischenzeit in Vergessenheit geraten. Jesus tritt in seiner Heimat Nazareth auf und verk\u00fcndet, dass das Gnadenjahr jetzt angebrochen ist. Jetzt ist das besondere, doppelte Sabbatjahr. Es bedeutet nichts anderes als dass Jesus gekommen ist, um uns zu retten. Die Erf\u00fcllung der Schrift bedeutet, dass durch Jesu Kommen und sein Wirken eine Zeit der Rettung angebrochen ist.<br \/>\nBevor wir fortfahren, m\u00f6chte ich ganz kurz versuchen zu zeigen, wie relevant der Text heute ist. Wenn wir andere evangelisieren und sagen, dass Jesus gekommen ist, sie zu retten, bekommen wir oft zu h\u00f6ren \u201eNein Danke. Ich brauche keine Rettung.\u201c Tats\u00e4chlich ist es aber so, dass jeder Mensch Rettung sucht, weil jeder Mensch Rettung braucht. Wir nennen es nur nicht so. Was uns Menschen eint, ist, dass wir alle auf der Suche nach einem gl\u00fccklichen und gesegneten Leben sind; wir alle wollen ein Leben mit Sinn und mit Bedeutung; wir alle wollen W\u00fcrde und Ehre; wir alle haben Hoffnung auf etwas; wir alle wollen die Liebe unseres Lebens; wir alle w\u00fcnschen uns Sicherheit und Versorgung; wir alle w\u00fcnschen uns Gerechtigkeit und Fairness. Alle diese W\u00fcnsche sind nichts anderes als der Ausdruck unseres Bed\u00fcrfnisses nach Rettung.<br \/>\nDer Grund, weshalb wir Rettung brauchen, ist, weil alle diese Dinge, die ich gerade aufgez\u00e4hlt habe (Gl\u00fcck, Sinn, W\u00fcrde, Hoffnung, Liebe, Sicherheit, Gerechtigkeit), nicht in unserer Hand liegen. Wir k\u00f6nnen das nicht kontrollieren. Wir k\u00f6nnen den ein oder anderen Schritt tun, um das ein oder andere zu beg\u00fcnstigen. Aber am Ende des Tages haben wir es \u00fcberhaupt nicht in der Hand. Niemand von uns kann kontrollieren, wie der Krieg in der Ukraine ausgeht. Niemand von uns kann kontrollieren, wie schlimm die Inflation noch werden wird. Wir k\u00f6nnen weder die Erdgaskosten kontrollieren, noch die Preise f\u00fcr Sonnenblumen\u00f6l. Und das sind ja noch die trivialen Dinge. Unser Wohlergehen ist au\u00dferhalb dessen, was wir bestimmen k\u00f6nnen. Wir sind nicht die Schmiede unseres eigenen Gl\u00fccks. Wir alle sind auf Rettung von au\u00dfen angewiesen.<br \/>\nDie Rettung, die Jesus bringt, ist die Rettung von S\u00fcnde. S\u00fcnde ist ein pers\u00f6nliches Problem. Die Bibel sagt, dass jeder individuelle Mensch ein S\u00fcnder ist und Rettung braucht. Aber S\u00fcnde ist nicht nur ein pers\u00f6nliches Problem. Es ist auch ein gesellschaftliches und ein globales Problem. Es \u00e4u\u00dfert sich in ungerechten und schlechten Systemen, in denen wir unser Leben f\u00fchren. S\u00fcnde ist nat\u00fcrlich ein geistliches Problem. Aber es ist nicht nur ein geistliches Problem, sondern hat auch ganz praktisch mit unserem K\u00f6rper zu tun. S\u00fcnde ist nat\u00fcrlich ein moralisches Problem. Aber S\u00fcnde ist nicht nur ein moralisches Problem, sondern auch ein soziales Problem. Wir sehen das im heutigen Text. Es sind von den Armen die Rede, von den Gefangenen, den Blinden, den Unterdr\u00fcckten. S\u00fcnde zerst\u00f6rt Beziehung mit Gott. S\u00fcnde zerst\u00f6rt die Beziehungen der Menschen untereinander. S\u00fcnde zersetzt unsere Gesellschaft, zerbricht unseren K\u00f6rper, zerst\u00f6rt unser Wohlbefinden und f\u00fchrt am Ende zum Tod.<br \/>\nWir brauchen Rettung. Nat\u00fcrlich brauchen wir Rettung. Und ich hoffe, dass wir verstehen, dass wir Rettung in jeglicher Hinsicht brauchen: Rettung unserer Seele und Rettung unseres Verstandes, unseres K\u00f6rpers, unserer Beziehungen, unserer Gesellschaft, unseres Landes, unserer Umwelt und unseres Planeten. Die gute Nachricht ist, dass Jesus uns genau diese Rettung anbietet. Jesu Rettung ist nicht minimalistisch. Jesu Rettung ist nicht eindimensional. Jesu Rettung umfasst alles, alles, was es zu einem Leben braucht, das wirklich lebenswert ist. Das ist das Wort und das Versprechen, das sich durch Jesu Kommen erf\u00fcllt hat.<\/p>\n<p><strong>2. F\u00fcr wen hat sich die Schrift erf\u00fcllt?<\/strong><br \/>\nWir haben in Vers 18 gesehen, dass die Empf\u00e4nger der frohen Botschaft die Armen sind. Es sind die Armen im erweiterten Sinne: die Gefangenen, die Blinden und die Unterdr\u00fcckten. Aber was genau bedeutet das? Und wer ist damit gemeint? Wir finden ein paar Hinweise in den folgenden Versen. Verse 25-27: \u201eWahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel f\u00fcr drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine gro\u00dfe Hungersnot \u00fcber das ganze Land kam. Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon. Und viele Auss\u00e4tzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.\u201c<br \/>\nJesus spricht von armen und bed\u00fcrftigen Menschen. Witwen hatte ich schon \u00f6fters gesagt, waren ein Inbegriff der Bed\u00fcrftigkeit. In der Regel waren sie auf Hilfe angewiesen. Jesus sagte, dass es viele Witwen in Israel gab. Keine von ihnen hatte das Privileg, den Propheten Elia aufnehmen zu d\u00fcrfen. Ausgerechnet eine heidnische Witwe. Naaman war materiell gesehen ein extrem wohlhabender Mensch. Aber er litt an einer unheilbaren Krankheit. In Israel gab es einige Auss\u00e4tzige, die nicht nur unheilbar krank waren, sondern auch noch weniger Geld hatten. Die Heilung bekam ausgerechnet ein Heide; nicht nur ein Heide, sondern einer von den Feinden Israels. Was f\u00fcr ein Skandal! Die Zuh\u00f6rer von Jesu Worten m\u00fcssen sich gefragt haben: \u201eWas hat denn diese Heiden so viel besser gemacht als die Israeliten? Was hatten sie, was wir nicht haben?\u201c Die Antwort auf diese Frage lautet: nichts. Die Heiden waren keinen Millimeter besser. Und sie hatten nichts, was die Israeliten nicht auch hatten.<br \/>\nWenn Gottes frohe Botschaft den Armen gilt, warum ist Gott so selektiv mit den Armen? Zwei Punkte m\u00fcssen wir hier erw\u00e4hnen. Der erste Punkt ist, dass mit Jesu Kommen das Reich Gottes prinzipiell allen Menschen offensteht. Vers 21 sagt: \u201eHeute hat sich das Schriftwort, das ihr eben geh\u00f6rt habt, erf\u00fcllt.\u201c Jesus sagt: \u201edas Schriftwort, das ihr eben geh\u00f6rt habt.\u201c Dieses Wort ist f\u00fcr euch. Es ist f\u00fcr uns, die wir gerade eben dieses Wort geh\u00f6rt haben. Das Reich Gottes steht grunds\u00e4tzlich allen Menschen offen. Alle, die wollen, d\u00fcrfen und sollen kommen.<br \/>\nDer andere Punkt ist, dass es geistliche Armut braucht. Was ist geistliche Armut? Wie so oft hat es Tim Keller wunderbar erkl\u00e4rt. \u201eEs bedeutet, zu erkennen, dass du vor Gott tief in der Schuld stehst und dass du nicht einmal ansatzweise in der Lage bist, dich selbst zu erl\u00f6sen. Gottes kostenlose Gro\u00dfz\u00fcgigkeit, die ihn unendlich viel gekostet hat, war das Einzige, was dich gerettet hat. Was aber, wenn du nicht geistlich arm bist? Das w\u00fcrde bedeuten, dass du nicht glaubst, dass du so s\u00fcndig, moralisch bankrott und verloren bist, dass nur kostenlose Gnade dich retten kann. [\u2026] Du glaubst, dass Gott dir etwas schuldig ist &#8211; er sollte deine Gebete erh\u00f6ren und dich f\u00fcr die vielen guten Taten segnen, die du getan hast. Auch wenn die Bibel diesen Begriff nicht verwendet, k\u00f6nnen wir daraus schlie\u00dfen, dass du zur geistlichen \u201eMittelklasse\u201c geh\u00f6rst. Du hast das Gef\u00fchl, dass du dir durch deine harte Arbeit einen gewissen Status bei Gott verdient hast. Vielleicht glaubst du auch, dass der Erfolg und die Mittel, die du hast, in erster Linie auf deinen eigenen Flei\u00df und deinen Einsatz zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.\u201c<br \/>\nDas Problem ist oftmals, dass wir mit einer Mittelklasse-Haltung zu Gott kommen statt mit geistlicher Armut. Das Evangelium ist f\u00fcr die Armen: f\u00fcr die geistlich Armen. D.h., wir erkennen die Tatsache an, dass das, was wir vor Gott haben m\u00fcssen, nichts ist; was wir bed\u00fcrfen, ist Bed\u00fcrfnis; was wir brauchen, ist Not. Wenn dem so ist, dann hat sich Jesu Wort auch f\u00fcr uns erf\u00fcllt. Wir k\u00f6nnen eintreten in Gottes Heilungsprozess und in seine neue Welt.<\/p>\n<p><strong>3. Wie hat sich die Schrift erf\u00fcllt?<\/strong><br \/>\nVorhin habe ich gesagt, dass der heutige Text wie eine kleine Zusammenfassung von Jesu \u00f6ffentlicher Wirksamkeit ist. Was erstaunt, ist, dass wir von Anbeginn Hinweise auf Jesu Tod finden. Robert Stein schreibt, dass das Kreuz von Anfang an seinen Schatten \u00fcber Jesu Wirksamkeit warf. Wir sehen das zum einen in der gewaltt\u00e4tigen Reaktion der Zuh\u00f6rer. Vers 29: \u201eSie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabst\u00fcrzen.\u201c Die Ablehnung Jesu durch die Menschen in Nazareth ist prophetisch. Wir sehen hier bereits, wie die ganze Welt ihn ablehnen w\u00fcrde. Sie trieben Jesus aus der Stadt hinaus. Wenige Jahre sp\u00e4ter w\u00fcrde er wieder aus der Stadt hinausgetrieben werden, um drau\u00dfen ans Kreuz geh\u00e4ngt zu werden.<br \/>\nWir finden noch einen Hinweis auf Jesu Tod. Diejenigen unter euch, die diesen Text vorher studiert haben, haben vielleicht einen Vergleich zwischen dem originalen Jesaja-Text und dem Text hier gemacht. Es gibt ein paar Unterschiede. Der gravierendste Unterschied ist vielleicht der eine Zusatz, den Jesus in Lukas-Evangelium ausl\u00e4sst. In Jesaja 61,2 lesen wir: \u201eum ein Gnadenjahr des HERRN auszurufen, \/ einen Tag der Vergeltung f\u00fcr unseren Gott.\u201c Elberfelder-\u00dcbersetzung sagt hier \u201eTag der Rache f\u00fcr unseren Gott\u201c. In Jesaja ist von Gottes Gericht die Rede. Jesus ruft Gottes Gnadenjahr aus, aber l\u00e4sst den Tag der Vergeltung weg.<br \/>\nVielleicht hatte Jesus den Tag des Gerichts mit Absicht unerw\u00e4hnt gelassen. Vielleicht fehlt dieser Zusatz hier, weil Jesus wusste, dass Gottes Vergeltung ihn treffen w\u00fcrde. Jesus ist gekommen, um uns vollst\u00e4ndig zu retten: frohe Botschaft f\u00fcr die Armen, Entlassung der Gefangenen, Heilung der Kranken, Freiheit f\u00fcr die Unterdr\u00fcckten. Die Art und Weise wie sich dieses Wort erf\u00fcllt und die Art und Weise wie er uns rettet, ist, in dem er selbst arm wird. Jesus gibt seinen ganzen Besitz auf, er wird f\u00fcr uns gefangen genommen, er tr\u00e4gt alle unsere Krankheit, er wird f\u00fcr uns zerschlagen. Jesus wird f\u00fcr uns gerichtet. Er empf\u00e4ngt die Vergeltung Gottes, weil er am Kreuz betet: \u201eVater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.\u201c Jesus rettet, indem er die Stelle einnimmt, die wir verdient h\u00e4tten, damit wir die Position einnehmen k\u00f6nnen, die nur er verdient h\u00e4tte, als Gottes geliebte Kinder und Miterben von allen Verhei\u00dfungen Gottes.<br \/>\nDie drei Fragen zu Beginn waren: Was hat sich erf\u00fcllt? Antwort: Jesus ist gekommen, um uns zu retten. F\u00fcr wen hat sich das Wort erf\u00fcllt? Antwort: f\u00fcr die Armen, die bereit sind, sich auf Gottes Gnade einzulassen. Wie hat sich das Wort erf\u00fcllt? Antwort: indem Jesus f\u00fcr uns am Kreuz bezahlt.<br \/>\nZwei Anwendungen zum Schluss. Der Text zeigt uns, wie umfangreich unsere Mission ist. Die Mission ist umfangreich, weil Gottes Reich umfangreich ist. Gott will eine neue Sch\u00f6pfung und er l\u00e4dt uns dazu ein, uns daran zu beteiligen. Jesus hat uns den Auftrag gegeben, an seiner Rettungsmission teilzunehmen. Ganz grob gesprochen besteht die Mission darin, das Evangelium zu predigen und sich um die Armen zu k\u00fcmmern. Das Problem ist, dass viele Christen heutzutage nur eines von beiden adressieren. Extrem vereinfacht gesprochen gibt es christliche Institutionen, die ganz stark sind, sich um die Armen zu k\u00fcmmern, Kindergarten und Schulen zu betreiben, viele wohlt\u00e4tige und karitative Arbeiten zu \u00fcbernehmen; und es gibt christliche Gemeinden, die sich ganz darauf verschrieben haben, das Evangelium zu predigen. Der Text sagt uns, dass beides getan werden muss. Nur das eine zu tun und das andere zu lassen, ist vielleicht ungef\u00e4hr so, wie mit einem Bein zu gehen. Die fr\u00fche christliche Gemeinde war bekannt daf\u00fcr, beides zu tun. Es gab in der Antike keine Gemeinschaft, die sich so aufopferungsvoll um die Armen, die Kranken und die Unterdr\u00fcckten gek\u00fcmmert haben, wie die Christen. Ihre Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und Liebe zu den Armen ist geschichtlich dokumentiert. Es war das Markenzeichen der Christen. Frage: sind wir ebenfalls bekannt daf\u00fcr? Was k\u00f6nnen wir individuell und als Gemeinde tun, um Teil von Jesu umfangreicher Rettung zu sein?<br \/>\nZweite Anwendung, Jesus geb\u00fchrt alle Anbetung unabh\u00e4ngig von unseren Bed\u00fcrfnissen. Um das mit einer einfachen Illustration zu erkl\u00e4ren: wer von euch findet ein Glas abgestandenes Leitungswasser attraktiv? Wer von euch findet eine Butterbrezel vom Vortag attraktiv? Was wir attraktiv finden, h\u00e4ngt sehr mit den Bed\u00fcrfnissen zusammen, die wir gerade haben. Wenn wir gerade gut gefr\u00fchst\u00fcckt haben, finden wir das nicht so anziehend. Wenn wir im Sommer den ganzen Tag nicht getrunken oder drei Tage nicht gegessen haben, dann k\u00f6nnen wir uns nichts Leckereres vorstellen. In Psalm 131 schreibt David: \u201eWie ein gestilltes Kind bei seiner Mutter, wie das gestillte Kind, so ist meine Selle in mir.\u201c Wir alle sind mit dem Bild vertraut. Nat\u00fcrlich liebe Babys ihre M\u00fctter, weil M\u00fctter diejenigen sind, die das Kind mit Nahrung versorgen. Aber was ist mit Babys, die bereits gestillt sind? Ein Baby, das bereits satt ist, ist bei der Mutter nicht deshalb, weil es noch mehr essen will; es ist bei der Mutter, um die Mutter selbst zu haben.<br \/>\nFakt ist, dass Jesus die Antwort auf alle unsere Bed\u00fcrfnisse ist. Er ist derjenige, der gekommen ist, um unseren Hunger zu stillen, unseren Durst zu l\u00f6schen, unsere Krankheit zu heilen, unser Leben mit Bedeutung und Hoffnung zu erf\u00fcllen, uns selbst mit W\u00fcrde und Ehre zu kr\u00f6nen. Wir k\u00f6nnen zu Jesus mit all unseren Lasten und Sorgen; wir k\u00f6nnen zu ihm mit all unseren Zukunfts\u00e4ngsten; wir k\u00f6nnen zu ihm mit all unserer Schuld! Allein diese Tatsache macht Jesus in unseren Augen attraktiv und anziehend. Er ist unser Retter. Aber ich m\u00f6chte hier gerne argumentieren, dass die Sch\u00f6nheit Christi v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von unseren Bed\u00fcrfnissen ist.<br \/>\nJesus ist die ultimative Erf\u00fcllung der ganzen Schrift. Wer ist so wie er? Im weiteren Verlauf des Evangeliums sehen wir eine Person, die unendlich faszinierend ist, immer \u00fcberraschend, nie langweilig. Jesus ist heilig ohne verstaubt zu sein, er ist weise ohne besserwisserisch zu sein, er ist K\u00f6nig ohne herrschs\u00fcchtig zu sein. Er ist jung ohne naiv zu sein, alt ohne senil zu sein, immer hoffnungsvoll ohne realit\u00e4tsfremd zu sein. Er hat eine friedvolle Gelassenheit, auch dann, wenn er aufbrausend ist. Er ist allm\u00e4chtig und schl\u00e4ft vor Ersch\u00f6pfung inmitten eines tobenden Sturms auf dem Boot ein. Vor allen Dingen ist er die personifizierte Liebe Gottes, der f\u00fcr seine Feinde stirbt und am Kreuz die Herrlichkeit der Liebe Gottes demonstriert. Ich kann mir keine andere Person vorstellen, die so anziehend und so faszinierend und so wunderbar ist wie Jesus. Jesus ist w\u00fcrdig und sch\u00f6n, ganz egal welche Bed\u00fcrfnisse wir haben. Jesus ist herrlich, ganz egal, was wir brauchen, und gleichzeitig ist er alles, was wir brauchen. Er ist nichts weniger als das wahre Objekt unserer Anbetung und Verehrung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Das Jahr der Gnade \u201eDa begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben geh\u00f6rt habt, erf\u00fcllt.\u201c (Lukasevangelium 4,21) Ich gehe davon aus, dass die meisten von euch noch nie auf einem wissenschaftlichen Kongress waren. Und deshalb meine kurze Beschreibung: sie sind langweilig. 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