{"id":10548,"date":"2022-04-10T11:00:13","date_gmt":"2022-04-10T09:00:13","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10548"},"modified":"2022-11-18T12:18:34","modified_gmt":"2022-11-18T11:18:34","slug":"predigt-matthaeus-2731-66-ostern-2022","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-matthaeus-2731-66-ostern-2022\/","title":{"rendered":"Predigt: Matth\u00e4us 27,31-66  &#8211;   Ostern 2022"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Ostern-2_Mt27-3166-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\">Der K\u00f6nig stirbt<\/h1>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eJesus aber schrie noch einmal mit lauter Stimme. Dann hauchte er den Geist aus.\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Matth\u00e4usevangelium 27,50)<\/p>\n<p>Mir wurde das Privileg zuteil, in dieser Osterzeit gleich zwei Predigten \u00fcber Jesu Tod zu halten. F\u00fcr viele Menschen ist die Karwoche eine Zeit, in der man anhand von Jesu Leiden und Sterben \u00fcber seine eigenen S\u00fcnden und Schuld reflektiert. Das ist auch richtig so. Jesus ist f\u00fcr unsere S\u00fcnden gestorben. Durch Jesu Tod werden wir gerettet. Durch sein Sterben leben wir. W\u00e4hrend der Andacht am kommenden Freitag wollen wir gerne dar\u00fcber nachsinnen.<br \/>\nDen heutigen Text wollen wir aber gerne unter einem etwas anderen Gesichtspunkt betrachten. Mir scheint es, dass sowohl im Matth\u00e4us-Evangelium wie auch im Johannes-Evangelium betont wird, dass Jesus nicht einfach nur das Opfer ist, das f\u00fcr uns geschlachtet wird. Jesus ist der K\u00f6nig, und er stirbt als K\u00f6nig. \u00dcber drei Dinge wollen wir dann nachdenken.<br \/>\n1. Die Tatsache, dass Jesus der K\u00f6nig der Juden ist.<br \/>\n2. Die Offenbarung, was f\u00fcr ein K\u00f6nig er ist.<br \/>\n3. Die Entscheidung, vor die uns dieser K\u00f6nig stellt.<\/p>\n<p><strong>1. Die Tatsache, dass Jesus der K\u00f6nig der Juden ist.<\/strong><br \/>\nDieser Punkt ist so offensichtlich, dass man ihn kaum \u00fcbersehen kann. Als Jesus vor dem r\u00f6mischen Statthalter Pilatus steht, ist die erste Frage, die Matth\u00e4us uns \u00fcberliefert, folgende: \u201eBist du der K\u00f6nig der Juden?\u201c Jesus antwortet auf diese Frage: \u201eDu sagst es.\u201c Und damit w\u00e4re eigentlich schon alles gesagt.<br \/>\nSp\u00e4ter wird Jesus von den Soldaten verspottet. Zu diesem Zeitpunkt stand nicht nur Jesu Todesurteil fest, sondern auch der Grund f\u00fcr die Verurteilung. Jesus hatte sich als K\u00f6nig der Juden geoutet. Die Folterknechte machten sich einen Spott daraus. Sie setzten Jesus eine Dornenkrone auf. Matthew Henry kommentierte, dass eine Krone aus Stroh Hohn genug gewesen w\u00e4re, aber mit der Krone aus Dornen qu\u00e4len sie ihn zus\u00e4tzlich. Sie fallen vor ihm nieder und sagen: \u201eSei gegr\u00fc\u00dft, K\u00f6nig der Juden!\u201c Vers 30 sagt: \u201eUnd sie spuckten ihn an, nahmen ihm den Stock wieder weg und schlugen damit auf seinen Kopf.\u201c Das ist die zweite Erw\u00e4hnung.<br \/>\nAls Jesus am Kreuz hing, wurde eine Aufschrift \u00fcber seinem Kopf angebracht. Alle Zuschauer sollten sehen, weshalb Jesus am Kreuz hing. Vers 37 sagt: \u201e\u00dcber seinem Kopf hatten sie eine Aufschrift angebracht, die seine Schuld angab: Das ist Jesus, der K\u00f6nig der Juden.\u201c Das ist die dritte Erw\u00e4hnung.<br \/>\nAls ob das nicht ausreichen w\u00fcrde, finden wir weitere indirekte Erw\u00e4hnungen. In Vers 22 fragte Pilatus: \u201eWas soll ich dann mit Jesus tun, den man den Christus nennt?\u201c Wie die meisten von uns wissen, bedeutet Christus der Gesalbte, was wieder nichts anderes bedeutet, als dass Jesus der Messias und der K\u00f6nig ist. Und in Vers 42 sehen wir, wie die religi\u00f6sen Leiter Jesus noch weiter verspotten, als er sich l\u00e4ngst im Todeskampf befindet. Sie sagen: \u201eAndere hat er gerettet, sich selbst kann er nicht retten. Er ist doch der K\u00f6nig von Israel!\u201c<br \/>\nWir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass Jesu K\u00f6nigtum ein Thema ist, das f\u00fcr Matth\u00e4us in seinem Evangelium ganz zentral war. Ich wei\u00df, dass Weihnachten ganz sch\u00f6n lange her ist. Aber vielleicht erinnert der ein oder andere, dass wir letztes Jahr die ersten Kapitel von Matth\u00e4us betrachtet haben. Gleich im allerersten Vers hei\u00dft es: \u201eBuch des Ursprungs Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.\u201c Jesus ist der Sohn von K\u00f6nig David und somit rechtm\u00e4\u00dfiger Erbe des Thrones Davids. Ein K\u00f6nig hat nat\u00fcrlich auch einen Stammbaum. Also beginnt Matth\u00e4us gleich mit dem Stammbaum Jesu. In Kapitel 2 sehen wir die Frage der Weisen aus dem Orient: \u201eWo ist der neugeborene K\u00f6nig der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.\u201c Ich hoffe, ihr k\u00f6nnt es sehen: vom ersten Kapitel bis zur Passionsgeschichte spannt Matth\u00e4us einen gro\u00dfen Bogen. Wo ist der neugeborene K\u00f6nig der Juden? In Matth\u00e4us 27 sehen wir schlie\u00dflich den K\u00f6nig der Juden.<br \/>\nHier ist das Interessante: Der Text verk\u00fcndet immer und immer wieder, dass Jesus der K\u00f6nig der Juden ist. Aber niemand meint es ernst. F\u00fcr die Soldaten war Jesus, der K\u00f6nig der Juden, ein Objekt ihrer Verachtung und ihr Spott. F\u00fcr Pilatus war Jesus, der K\u00f6nig der Juden, ein politischer Aufr\u00fchrer, der im r\u00f6mischen Reich nicht geduldet werden konnte und deshalb beseitigt werden musste. Deshalb auch die Aufschrift. F\u00fcr die Pharis\u00e4er und Priester war Jesus der K\u00f6nig der Juden, den sie unter gar keinen Umst\u00e4nden haben wollten, weil sie Angst um ihre eigene Macht und ihren eigenen Einfluss hatten. Jesus, der K\u00f6nig der Juden: jeder, der in diesem Mord verwickelt war, gebrauchte diesen Ausdruck; jeder nahm diese Worte in den Mund; jeder Augenzeuge von Jesu Tod bekam es zu lesen; keiner von ihnen meinte es, und keiner verstand es.<br \/>\nWir als Leser dieser Geschichte sollten verstehen, dass gerade darin eine unglaubliche Ironie verborgen ist. Alle sagen das Richtige und meinen das Falsche. Denn Fakt ist: Jesus ist der K\u00f6nig der Juden. Jesus ist der Christus, der Gesalbte. Jesus ist der verhei\u00dfene Messias. Jesus ist der wahre Nachkomme Davids, der bessere und der gr\u00f6\u00dfere David, der K\u00f6nig nicht nur von Israel, sondern der K\u00f6nig der ganzen Welt und Herrscher des Universums.<\/p>\n<p><strong>2. Die Offenbarung, was f\u00fcr ein K\u00f6nig er ist.<\/strong><br \/>\nStephen Surh, ein Theologe, mit dem ich befreundet bin, hat einmal folgendes gesagt: Jedes K\u00f6nigreich auf Erden basiert auf Blutvergie\u00dfen. Wir sehen das auch in der Bibel: Kain erschl\u00e4gt seinen Bruder Abel und baut danach eine Stadt. Selbst die Gr\u00fcndungsmythen der Weltreiche haben Mord und Totschlag in sich. Denken wir an Romulus und Remus: Romulus t\u00f6tet seinen Bruder Remus. Das ist der Mythos, auf dem das r\u00f6mische Reich beruht. Wir sehen es in der Geschichte der Menschheit immer und immer wieder best\u00e4tigt. Die immer noch m\u00e4chtigste Nation der Welt ist im Moment die USA. Gegr\u00fcndet sind die Vereinigten Staaten von Amerika auf dem Boden, auf dem Millionen von indigenen Menschen ausgerottet und vertrieben wurden und wo Millionen von afrikanischen Sklaven unterdr\u00fcckt und ausgebeutet wurden. Wir haben das Gl\u00fcck, in Europa zu leben, wo in den letzten Jahrzehnten ein relativ stabiler Frieden herrschte. (Zumindest bis vor wenigen Wochen war das so). Dieses Europa ist gegr\u00fcndet auf einem Kontinent, in dem zwei Weltkriege unz\u00e4hlige Millionen von Menschenleben gekostet hatten, nicht eingeschlossen die geplante und systematische Ermordung von Millionen von Juden und anderen unschuldigen Menschen durch die Nazis. Egal wohin wir schauen, jedes Reich, das von Menschen gebaut ist, basiert auf Blutvergie\u00dfen.<br \/>\nWie ist es mit dem Reich, das Jesus baut? In den Versen 39 und folgenden sehen wir, wie die Zuschauer Jesus verspotten. Sie sagen z.B.: \u201eDu willst den Tempel niederrei\u00dfen und in drei Tagen wieder aufbauen? Wenn du Gottes Sohn bist, rette dich selbst und steig herab vom Kreuz!\u201c Die religi\u00f6sen Leiter sagen: \u201eEr soll jetzt vom Kreuz herabsteigen, dann werden wir an ihn glauben.\u201c Und in Vers 43: \u201eEr hat auf Gott vertraut, der soll ihn jetzt retten, wenn er an ihm Gefallen hat; er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn.\u201c Selbst die Verbrecher links und rechts von ihm sagten \u00e4hnliche Dinge. Was war Jesu Antwort auf alle diesen Spott? Jesus erduldete alles stillschweigend. Warum? Weil Jesus nicht vom Kreuz herabsteigen konnte. Jesus konnte nicht sich selbst retten und gleichzeitig uns retten. Jesus konnte sich nicht selbst helfen und gleichzeitig uns helfen. Die einzige M\u00f6glichkeit, uns das Leben zu schenken, bestand darin, dass er sein Leben f\u00fcr uns hingab. Das war der Grund, weshalb er am Kreuz blieb.<br \/>\nWir sehen den H\u00f6hepunkt seines Leidens in Vers 46: \u201eUm die neunte Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eli, Eli, lema sabachtani?, das hei\u00dft: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?\u201c Warum sind uns diese Worte auf Aram\u00e4isch \u00fcberliefert, die Sprache, die Jesus gesprochen hatte, w\u00e4hrend uns praktisch alle anderen Worte Jesu auf Griechisch \u00fcberliefert sind (die einzige andere Ausnahme, die mir einf\u00e4llt, ist \u201etalita cum\u201c? Die einzige plausible Erkl\u00e4rung, die ich habe, ist die, dass dieser Schrei Jesu unvergesslich gewesen sein musste. Jesu Schrei muss so voller Schmerz und unertr\u00e4glicher Qual gewesen sein, dass die Augenzeugen das unm\u00f6glich vergessen konnten. Jesus ging sprichw\u00f6rtlich durch die H\u00f6lle der Gottverlassenheit. Jesus erduldete alles das, das wir verdient h\u00e4tten, und er tut es an unserer Stelle.<br \/>\nWas bedeutet das dann f\u00fcr das K\u00f6nigreich, das Jesus regiert? Wir haben vorhin gesehen, dass jedes Reich, das von Menschen gebaut ist, auf Blutvergie\u00dfen gegr\u00fcndet ist. Das gilt auch f\u00fcr das Reich Gottes. Und doch gibt es einen kategorischen Unterschied. Im Reich Gottes ist es nicht unser Blut, das vergossen wird. Der Sohn Gottes vergie\u00dft sein Blut. Der K\u00f6nig der Juden stirbt. Gott geht zu Boden. Jesus geht f\u00fcr uns durch die H\u00f6lle. Das ist die Basis f\u00fcr sein K\u00f6nigreich. Das ist die Art und Weise, wie Jesus regiert: Er opfert sich f\u00fcr seine Feinde aus radikaler Agape-Liebe.<br \/>\nWas sind die Implikationen dessen? Vor einigen Wochen berichteten einige Medien dar\u00fcber, dass weltweit die meisten Kirchen den russischen Angriff auf die Ukraine verurteilten. Eine Kirche h\u00e4lt sich zur\u00fcck, bzw. unterst\u00fctzt den Krieg: die russisch-orthodoxe Kirche. Und das ist ein Desaster. Jesus hatte selbst gesagt, dass sein Reich nicht von dieser Welt ist. In der Geschichte der Christenheit gibt es viele, viel zu viele Beispiele f\u00fcr die Vermischung von Politik und Kirche. Was wir auf jeden Fall sagen k\u00f6nnen, ist, dass die Folgen immer desastr\u00f6s waren, wenn \u2013 wie jemand es einmal formuliert hat \u2013 Politik und Kirche ins Bett gegangen sind: angefangen mit Kaiser Konstantin, die Kreuzz\u00fcge, Inquisition, Glaubenskriege bis hin zu den vielen Kirchen, die Hitler unterst\u00fctzt haben. Das Resultat war immer unr\u00fchmlich.<br \/>\nDer Grund daf\u00fcr ist, dass die Art und Weise wie Jesus regiert und das K\u00f6nigreich, das er baut, sich grunds\u00e4tzlich von allen K\u00f6nigreichen dieser Welt unterscheidet. Das Kreuz offenbart das. Um einige wenige Unterschiede zu nennen. In allen irdischen Reichen wird Macht von oben ausge\u00fcbt. Macht zu haben, bedeutet, \u00fcber andere zu herrschen. In Gottes Reich wird Macht nicht von oben ausge\u00fcbt, sondern sie kommt von unten. Macht zu haben, bedeutet, anderen zu dienen.<br \/>\nIn allen Reichen dieser Welt wird Konformit\u00e4t durch Gewalt erzwungen. Es geschieht unter Androhung von Strafen. Wenn du gegen das Gesetz verst\u00f6\u00dft, dann drohen Bu\u00dfgelder oder in schweren F\u00e4llen Freiheitsentzug. Paulus sprach davon, dass die staatliche Gewalt das Schwert tr\u00e4gt und das Urteil vollstreckt. Unter Jesu Herrschaft wird Konformit\u00e4t ganz anders hervorgerufen. Nicht unter Androhung von Gewalt, sondern durch ein Erweisen von unendlicher Gnade und Liebe am Kreuz. Die Argumentation lautet: \u201eWeil Gott mich so sehr geliebt hat, weil Gott mir in Jesus Christus nichts vorenthalten hat, wie k\u00f6nnte ich ihm nicht gehorchen wollen?\u201c<br \/>\nWo wir bei Konformit\u00e4t sind: die Art und Weise, wie ein \u201egutes\u201c Leben definiert wird, unterscheidet sich radikal voneinander. In allen irdischen Reichen geht es um \u00e4u\u00dfere Konformit\u00e4t: h\u00e4ltst du dich an die Regeln? Tust du das, was das Gesetz von dir erfordert? Zahlst du deine Steuern? Verh\u00e4ltst du dich so, wie es angemessen ist? Es geht um das, \u00e4u\u00dferlich sichtbar ist. Solange wir uns \u00e4u\u00dferlich an das Gesetz halten, haben wir keine Probleme mit dem politischen System. Wir k\u00f6nnen das mit Freude oder zerknirscht tun, dem Staat ist das egal. Im Reich Gottes geht es prim\u00e4r nicht darum, was wir tun, sondern wer wir sind. Es geht nicht darum, ob wir heilig aussehen, sondern ob wir heilig sind. Es geht in erster Linie um unsere Innerlichkeit: hast du Liebe und Freude und Dankbarkeit im Herzen? Und hast du mehr Liebe und Freude in diesem Jahr als im vergangenen Jahr (das ist geistliches Wachstum)?<br \/>\nAlle Reiche dieser Welt sind geografisch lokal. Wir Menschen haben so etwas an sich: unser Essen ist das Leckerste, unsere Fu\u00dfballmannschaft ist die Beste, unsere Schule ist die Angesehenste, unser Land ist das Gro\u00dfartigste. Wir tun das, um uns hervorzuheben und von anderen zu differenzieren. Nationalismus ist im Prinzip nichts anderes. Aber das Reich Gottes ist ganz anders. Es ist kein geografisches oder nationales \u201eWir gegen die anderen\u201c. Jesu K\u00f6nigreich \u00fcberwindet alle Grenzen aller Menschen aller Zeiten. Es unterscheidet nicht zwischen Sklaven und Freien, L\u00e4ndern und Ethnien, reich und arm, M\u00e4nner und Frauen. Jesu Reich ist \u00fcberall dort, wo Jesus als K\u00f6nig geliebt wird. Es ist multikulturell und global im besten Sinne.<br \/>\nUm nicht missverstanden zu werden: nat\u00fcrlich gibt es bessere und schlechtere Regierungsformen. Niemand von uns w\u00fcrde vermutlich abstreiten, dass es besser ist, in einem demokratischen Rechtsstaat zu leben als unter einer korrupten Milit\u00e4rdiktatur. Und trotzdem unterscheiden sich alle Reiche dieser Welt kategorisch von dem Reich, das Jesus baut.<br \/>\nJesus ist der K\u00f6nig der Juden. Sein Leiden und Sterben offenbaren das Wesen von seinem Reich, das durch radikale Agape-Liebe und Selbstaufgabe gekennzeichnet ist.<\/p>\n<p><strong>3. Die Entscheidung, vor die wir gestellt werden.<\/strong><br \/>\nDas im Moment bestimmende Thema in den Nachrichten ist der Krieg in der Ukraine. Allein dieser Angriffskrieg zeigt, wie unsere Welt ist. Was ist sehr interessant fand, ist, dass diese Aggression als so ungerechtfertigt, unn\u00f6tig und schlimm angesehen wurde, dass praktisch von allen Politikern und \u00f6ffentlichen Menschen im Westen gefordert wurde, sich zu positionieren: verurteilst du diesen Krieg? Auf welcher Seite stehst du? Dem Dirigenten Valery Gergiev oder die S\u00e4ngerin Anna Netrebko wurden ihre Vertr\u00e4ge und Einladungen gek\u00fcndigt, weil sie nicht bereit waren, sich von Putin zu distanzieren. Letzte Woche war auch in den Medien, dass die \u00fcber 90-j\u00e4hrige, rechtsradikale Holocaust-Leugnerin Ursula Habeck ins Gef\u00e4ngnis muss. Ein grausamer V\u00f6lkermord von einem solchen Ausma\u00df darf niemanden kalt oder neutral lassen. Wenn wir vor den Massengr\u00e4bern der Welt stehen, sind wir gezwungen eine Entscheidung zu treffen. Die Bosheit in von solch einem Ausma\u00df, dass Gleichg\u00fcltigkeit keine Option ist.<br \/>\nFrage: gibt es irgendetwas, was so gut und so wunderbar ist, dass wir ebenfalls zu einer Entscheidung gezwungen werden? Der Tod des K\u00f6nigs der Juden offenbart Gottes radikale G\u00fcte und unermessliche Liebe f\u00fcr diese verlorene Welt. Wenn wir mit Gottes unendlicher, selbst-hingebender, selbst-aufopfernder Agape-Liebe konfrontiert sind, stellt uns das unweigerlich vor die Wahl. Wir m\u00fcssen eine Entscheidung treffen. Die Entscheidung ist: nimmst du diesen K\u00f6nig der Liebe an? Ist er auch dein K\u00f6nig? Bist du bereit, dein Leben unter seine Herrschaft zu stellen? Oder stellst du dich gegen ihn? Es gibt keinen Raum in der Mitte. Entweder du bist ein Anbeter der Liebe Jesu; oder du stehst bei den Sp\u00f6ttern und Feinden Jesu. Die Liebe Jesu ist von solch einer Absolutheit, dass Gleichg\u00fcltigkeit keine Option ist, die wir haben.<br \/>\nIsaac Watts hatte gedichtet:<br \/>\n\u201eWere every realm of nature mine<br \/>\nMy gift was still be far too small.<br \/>\nLove so amazing, so divine<br \/>\nDemands my soul, my life, my all.\u201d<br \/>\n\u00dcbersetzt hei\u00dft das: \u201eW\u00e4re jedes Reich der Natur mein, meine Gabe w\u00e4re immer noch viel zu klein. Eine Liebe, so g\u00f6ttlich und so erhaben, verlangt meine Seele, mein Leben, mein ganzes Sein.\u201c Jesus, der Sohn Gottes, starb f\u00fcr dich. Wie k\u00f6nnten wir uns an irgendetwas anderes klammern wollen? Wie k\u00f6nnten wir ihm nicht unsere Seele, unser Leben und unser ganzes Sein zur\u00fcckgeben?<br \/>\nDie zweite Anwendung: Die Tatsache, dass Jesus als K\u00f6nig der Juden starb, offenbart die Art und Weise, wie Gottes Reich sich ausbreitet. Vorhin haben wir gesagt, dass es immer desastr\u00f6se Folgen hatte, wenn die Kirche sich mit den M\u00e4chtigen dieser Welt verb\u00fcndet hat. Noch einmal: Jesu Reich ist nicht von dieser Welt. Jesu Reich breitet sich niemals durch politische Macht und durch das Schwert aus. Jesus unterwirft nicht durch Gewalt, sondern durch \u00fcberzeugende Liebe. Die Ausbreitung seines Reiches geschieht durch Verk\u00fcndigung der Wahrheit in Liebe. Es schlie\u00dft jede Form von Manipulation, Machtanwendung, Bevormundung aus. Es ist auch der Grund, weshalb \u201echristliche Werte\u201c durch politische Ma\u00dfnahmen durchzusetzen grunds\u00e4tzlich immer ein Schuss in den Ofen ist. Die einzige M\u00f6glichkeit, christliche Werte wirklich in der Gesellschaft zu verankern, ist durch Christus-nachfolgende Menschen, die Jesu Weg der Liebe praktizieren.<br \/>\nLetzte Anwendung: als B\u00fcrger von Jesu Reich gilt, dass Menschen nicht unsere Feinde sind. Paulus schrieb in Epheserbrief: \u201eDenn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu k\u00e4mpfen, sondern gegen M\u00e4chte und Gewalten, gegen die Weltherrschaft dieser Finsternis, gegen die b\u00f6sen Geister in den himmlischen Bereichen.\u201c In der Fernsehserie \u201eHow I met your mother\u201c gibt es ein Paar (Robin und Barney), die von einem anderen Paar in einem Restaurant richtig genervt werden. Robin fragt dann: \u201eSind diese beiden gerade unsere Erzfeinde geworden?\u201c Und Barney antwortet auf diese Frage: \u201eNein, Robin. Sie waren schon immer unsere Erzfeinde. Sie haben sich uns nur erst jetzt offenbart.\u201c Vielleicht hab ihr in eurem Leben Menschen, die euch das Leben schwer machen: der nervige Mitsch\u00fcler; der Gegenspieler, der mich immer foult; der l\u00e4sternde Kollege, der Nachbar, der sich immer beschwert. Oder vielleicht habt ihr zum Gl\u00fcck harmonische Beziehungen im Umfeld. Aber trotzdem gibt es Leute, die ihr im Herzen verachtet: Politiker, die ihr nicht ausstehen k\u00f6nnt, Schauspieler, K\u00fcnstler, Autoren, die ihr ganz f\u00fcrchterlich findet. Und vielleicht haben wir gute Gr\u00fcnde, weil das, was die anderen tun, unmoralisch ist, weil die Meinungen, die sie vertreten, objektiv schlecht sind.<br \/>\nJesus hatte ganz viele Feinde, die ihn nicht ausstehen konnten. Und er hat f\u00fcr jeden einzelnen von ihnen gebetet und ihnen vergeben. Wir k\u00e4mpfen nicht gegen Menschen, sondern M\u00e4chte und Gewalten der Finsternis. Wenn es Menschen in deinem Leben gibt, die du nicht ausstehen kannst, ist das die Gelegenheit, Jesu Liebe zu lernen. Wir wollen gerade f\u00fcr diese Menschen beten, dass Gott sie segnet; dass sie Gottes Liebe und F\u00fcrsorge in besonderem Ma\u00df erfahren.<br \/>\nEine Person, die das gepredigt und auf vorbildliche Art und Weise vorgelebt hatte, war der B\u00fcrgerrechtler Martin Luther King Jr. King hielt eine Predigt \u00fcber die Feindesliebe. Am Ende der Predigt spricht er \u00fcber Jesu Tod. Er sagte folgendes: \u201eEs war einmal ein kleiner Baum, der auf einem kleinen H\u00fcgel gepflanzt wurde, und an diesem Baum hing die einflussreichste Pers\u00f6nlichkeit, die je in diese Welt kam. Aber denkt ja nicht, dass dieser Baum ein bedeutungsloses Drama ist, das sich auf den B\u00fchnen der Geschichte abspielt. Oh nein, es ist ein Fernrohr, durch das wir in den weiten Blick der Ewigkeit schauen und die Liebe Gottes sehen, die in die Zeit hineinbricht. Es ist eine ewige Mahnung an eine machtbetrunkene Generation, dass die Liebe der einzige Weg ist. Es ist eine ewige Mahnung an eine Generation, die von nuklearer und atomarer Energie abh\u00e4ngig ist, eine Generation, die von physischer Gewalt abh\u00e4ngig ist, dass die Liebe die einzige sch\u00f6pferische, erl\u00f6sende und verwandelnde Kraft im Universum ist.<br \/>\nW\u00e4hrend ich also heute Morgen in deine Augen schaue und in die Augen all meiner Br\u00fcder in Alabama und in ganz Amerika und auf der ganzen Welt, sage ich euch: \u201eIch liebe euch. Ich w\u00fcrde lieber sterben, als euch zu hassen.\u201c Und ich bin t\u00f6richt genug zu glauben, dass durch die Kraft dieser Liebe die widerspenstigsten Menschen verwandelt werden k\u00f6nnen. Und dann werden wir in Gottes Reich sein. Wir werden in der Lage sein, uns an der Universit\u00e4t des ewigen Lebens einzuschreiben, weil wir die Kraft hatten, unsere Feinde zu lieben, die Menschen zu segnen, die uns verflucht haben, uns sogar dazu zu entschlie\u00dfen, gut zu den Menschen zu sein, die uns gehasst haben, und wir haben sogar f\u00fcr die Menschen gebetet, die uns missbraucht haben.\u201c<br \/>\nJesus, der K\u00f6nig der Juden, ist f\u00fcr uns gestorben. Die Liebe Gottes ist offenbar. Jetzt bist du an der Reihe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Der K\u00f6nig stirbt \u201eJesus aber schrie noch einmal mit lauter Stimme. Dann hauchte er den Geist aus.\u201c (Matth\u00e4usevangelium 27,50) Mir wurde das Privileg zuteil, in dieser Osterzeit gleich zwei Predigten \u00fcber Jesu Tod zu halten. 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