{"id":10519,"date":"2022-03-06T11:00:57","date_gmt":"2022-03-06T10:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/?p=10519"},"modified":"2023-11-20T20:39:39","modified_gmt":"2023-11-20T19:39:39","slug":"predigt-psalm-32-gebet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/predigt-psalm-32-gebet\/","title":{"rendered":"Predigt: Psalm 32   &#8211;   Gebet"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><a href=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/2022-SL-Gebet-9_Ps32-P.doc\"><strong>Download<\/strong><\/a><\/p>\n<h2 style=\"text-align: center;\">Das Bekenntnisgebet<\/h2>\n<h3 style=\"text-align: center;\">\u201eIch tat dir kund meine S\u00fcnde und deckte meine Schuld nicht zu. Ich sagte: Ich will dem HERRN meine \u00dcbertretungen bekennen; und du, du hast vergeben die Schuld meiner S\u00fcnde\u201c<\/h3>\n<p style=\"text-align: center;\">(Psalm 32, 5)<\/p>\n<p>In der heutigen Predigt geht es um ein Thema, \u00fcber das viele Menschen nicht sprechen wollen. Manche nehmen lieber gro\u00dfe Nachteile in Kauf, als dar\u00fcber zu sprechen. Andere werden sogar kriminell, um zu vermeiden, dass dieses Thema an die Oberfl\u00e4che kommt. Viele verdr\u00e4ngen es bis zum Tod. Auch unter Gl\u00e4ubigen gibt es solche, die bereit sind mit Gott \u00fcber alles und jenes zu sprechen, aber blo\u00df nicht \u00fcber dieses Thema. Gleichzeitig ist dieses Thema ein Thema, \u00fcber das Gott unbedingt, auf jeden Fall sprechen m\u00f6chte. Das Thema, von dem hier die Rede ist, ist die eigene Schuld. Wer eine gesunde Beziehung zu Gott haben will, muss bereit sein, mit Gott dar\u00fcber zu sprechen. Anhand von Psalm 32 wollen wir drei Dinge \u00fcber den Umgang mit der eigenen Schuld nachdenken:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 40px;\">1. Wie sollten wir mit unserer Schuld nicht umgehen?<br \/>\n2. Wie sollten wir mit Gott \u00fcber unsere Schuld sprechen?<br \/>\n3. Welchen Segen bringt es mit sich, wenn wir mit unserer Schuld in rechter Weise umgehen?<\/p>\n<p><strong>1. Das Verschweigen von Schuld (V. 3 &#8211; 4)<\/strong><\/p>\n<p>Mit Mord und Ehebruch hatte David gro\u00dfe Schuld auf sich geladen. Wie ging David anfangs mit dieser Schuld um? Zu Beginn von Vers 3 hei\u00dft es: \u201eAls ich es verschwieg\u2026\u201c David verschwieg zun\u00e4chst seine Schuld. Er vertuschte und verheimlichte sein Vergehen. Er verdr\u00e4ngte seine Schuld. Er tat so, als w\u00e4re nichts gewesen. So mit der eigenen Schuld umzugehen ist eher typisch als untypisch. Die Medien sind voll von solchen Berichten. Nicht selten wird die Schuld selbst dann noch verschwiegen, obgleich sie offensichtlich geworden ist. Aber wie ist es mit uns? Sicherlich kennen wir es alle, Schuld zu verschweigen und zu verdr\u00e4ngen. Wir verschweigen Schuld, weil wir die Folgen f\u00fcrchten. David bspw. m\u00fcsste mit Strafe von Gott rechnen. Zudem war es eine gro\u00dfe Schande, ja Blamage, als K\u00f6nig des Volk Gottes Ehebruch und Mord begangen zu haben.<br \/>\nWas sollte da das Volk noch von ihm denken, wer w\u00fcrde ihn noch achten? Er w\u00fcrde ja seine eigene Autorit\u00e4t untergraben, seinen eigenen Ruf ermorden. Aber wurde es dadurch besser, dass David seine Schuld verschwieg? Welche Erfahrung machte David? Betrachten wir weiter die Verse 3 und 4. David schrie Tag und Nacht. Wer sich so verh\u00e4lt, empfindet nicht nur irgendwelche Schmerzen, sondern eher Qualen. Sein Schreien Tag und Nacht lie\u00df seine Gebeine verschmachten, machte ihn also kraftlos. Er f\u00fchle sich wie einer, der stundenlang in der W\u00fcste ohne Wasser ist \u2013 total ausgepowert. \u201eSein Saft\u201c vertrocknete, er hatte also keine Lebenskraft mehr. Und das Erschreckende bei alldem: David erkannte, dass diese Pein von Gott h\u00f6chstpers\u00f6nlich kam. Gott hatte ein Problem, ja sogar ein sehr gro\u00dfes Problem damit, dass David seine Schuld verschwieg. Gott legte seinen Finger solange in die Wunde, bis David damit aufh\u00f6rte, seine Schuld zu verschweigen.<br \/>\nViele Menschen hoffen, dass mit der Zeit Gras \u00fcber ihre Vergehen w\u00e4chst. Sie wollen geschehene Fehler ungern noch einmal aufw\u00e4rmen, einfach vergessen lassen. Doch Gott ist da anders. Im Stammbaum Jesu, also ca. 1000 Jahre sp\u00e4ter, erw\u00e4hnt der Heilige Geist noch einmal explizit den Ehebruch Davids (Mt. 1,6). Unsereiner w\u00fcrde wohl sagen: \u201eMuss das denn sein?\u201c Oder wie ist mit den Fehlern des Volkes Israels? Dessen Fehler werden im Alten Testament breit und offen dargelegt. Ein Gro\u00dfteil des Alten Testaments berichtet \u00fcber die S\u00fcnden des Volkes Israels. Gott hatte Israel als Sein Volk bezeichnet und David als einen Mann nach seinem Herzen (1. Sam. 13,14). Daher warf Er beiden vor, dass ihretwegen Sein Name verl\u00e4stert wird (R\u00f6m. 2,24; 2.Sam 12,14). Deren S\u00fcnden waren eine Schande f\u00fcr Gott. Aber obwohl das so war, vertuschte Gott deren S\u00fcnde nicht, sondern legte sie vor aller \u00d6ffentlichkeit dar, f\u00fcr alle Menschen zu allen Zeiten lesbar. Ist das nicht bemerkenswert? In 1. Johannes 1,15 hei\u00dft es: \u201eGott ist Licht, und in ihm ist keine Finsternis\u201c. Halten wir also fest: Gott hat ein gro\u00dfes Problem damit, wenn Menschen ihre Schuld vertuschen. Er selbst tut es nicht, weil es Seinem Wesen als Licht widerspricht.<br \/>\nDaher ist es keineswegs der gesegnete Weg, seine Schuld zu vertuschen. Gott kann auch in unserem Leben Leiden gebrauchen, um uns auf gewisse, nicht zugegebene Schuld hinzuweisen. Zudem hat Gott etwas in uns hineingelegt, das uns belastet, wenn wir Schuld verbergen. Es geh\u00f6rt zu den Eigenschaften, die uns als Abbild Gottes auszeichnen. Andere Lebewesen auf dieser Erde haben es nicht &#8211; kurz: Das Gewissen. Im Bibelstudium erz\u00e4hlte ich von einer gl\u00e4ubigen Frau, die mit einem ungl\u00e4ubigen Mann verheiratet war. Mit der Zeit wurde ihr Mann psychisch krank, so sehr, dass sich die Frau um ihr eigenes Leben f\u00fcrchten musste. Das ging mehrere Jahre lang, bis rauskam, dass der Mann fremdging. Sein jahrelanges Verschweigen seiner S\u00fcnde hatte ihn krank gemacht. Offenbar hatte ihn die Gegenwart seiner Frau st\u00e4ndig an seine Schuld erinnert. Jeder liebevolle Anblick seiner Frau war wohl ein Stich in sein Gewissen. Nachdem es rauskam, sagte die Frau: \u201eDa wurde mir klar: S\u00fcnde macht krank.\u201c Das Verschweigen von Schuld ist wie ein Splitter, den man l\u00e4sst. Je l\u00e4nger man damit wartet, desto schlimmer wird es. In einem Traktat des Missionswerkes Werner Heukelbach wird unbereinigte Schuld mit dem Bild eines Steins im Schuh veranschaulicht:<br \/>\n\u201eSteine geh\u00f6ren nicht in Schuhe und Sand nicht ins Getriebe. Das eine verursacht Blasen an den F\u00fc\u00dfen und das andere ein Knirschen in der Gangschaltung. Beides scheuert, beides st\u00f6rt erheblich. Es muss kein gro\u00dfer Stein sein \u2013 was ihn aber so unangenehm werden l\u00e4sst, ist seine beharrliche Wirkung. Da gibt es Dinge im Leben, die scheuern \u00e4hnlich wie ein Stein im Schuh. Aber du ignorierst sie und gehst weiter, bis das rohe Fleisch zutage tritt. Es gibt nichts D\u00fcmmeres als das, doch irgendwie kriegst du die Kurve nicht, um die Sache zu kl\u00e4ren. Doch jemand sieht dich leiden und bietet dir ein Pflaster an. Aber du sch\u00fcttelst den Kopf und sagst: \u201eEin Indianer kennt keinen Schmerz.\u201c Dir reicht jemand die Salbe, doch stolz lehnst du ab: \u201eAlles gut, brauch ich nicht!\u201c Sind Steine im Schuh etwa da, dein ganzes Leben kaputt zu machen? Geh und deck dein Fehlverhalten auf, zieh den Latschen aus und entferne das, was scheuert. Erleichtere dein Gewissen! Geh nicht nur zur Polizei, geh auch zu Gott.\u201c[1]<br \/>\nMenschen, die ihre S\u00fcnden nicht zugeben, leben nach der Bibel in der Finsternis. Nach 1. Joh. 1,6 hat Gott keine Gemeinschaft mit solchen. Gott entzieht ihnen die Gemeinschaft. Die Beziehung mit Gott ist dann gest\u00f6rt, was dazu f\u00fchrt, dass man Unfrieden bzw. innere Unruhe erlebt. Daher die Frage: Wie gehen wir mit unserer Schuld um? Gibt es auch bei uns vertuschte, unbereinigte Schuld?<br \/>\nEs gibt aber auch positive Beispiele, in denen Schuld nicht verschwiegen, sondern \u00f6ffentlich dargelegt wurde: Der christliche Autor und Apologet Ravi Zacharias wurde f\u00fcr seine Weisheit bewundert. Er galt wohl als Salomo unserer Zeit. Doch sp\u00e4ter kam heraus, dass sich Ravi Zacharias des sexuellen Missbrauchs schuldig gemacht hatte. Bemerkenswert ist, wie dessen gleichnamiges Institut damit umging. Auf der Homepage nimmt es Stellung zu seinem Vergehen:<br \/>\n\u201e(\u2026) Als Team des Zacharias Instituts sind wir best\u00fcrzt und entsetzt \u00fcber das, was da ans Licht kommt. Unser Mitgef\u00fchl und unsere Solidarit\u00e4t sind mit den Opfern, denen unfassbares Leid zugef\u00fcgt wurde. Wir sind dankbar, dass die Wahrheit ans Licht kommt, auch wenn sie schmerzhaft ist. Nur eine vollst\u00e4ndige, schonungslose Aufkl\u00e4rung entspricht den Werten der Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit, die f\u00fcr uns als Christinnen und Christen zentral sind. Wir wollen uns von der Treue zu Jesus leiten lassen. Ihm gilt unsere Berufung und ihm vertrauen wir uns an.\u201c[2]<\/p>\n<p>Der offene und aufrichtige Umgang des Instituts mit der Schuld seines Gr\u00fcnders ist bemerkenswert und vorbildlich. Damit kommen wir auch schon zum 2. Teil der Predigt: Wie gehen wir richtigerweise mit unserer Schuld um?<\/p>\n<p><strong>2. Das Bekennen von Schuld (V. 5)<\/strong><\/p>\n<p>Betrachten wir Vers 5. W\u00e4hrend sich David auf Gedeih und Verderb mehr als ein halbes Jahr geweigert hatte, seine Schuld zuzugeben, sagte er nun: \u201eIch will dem HERRN meine \u00dcbertretungen bekennen.\u201c Gott hatte David zu dem Punkt gebracht, dass er willig seine Schuld bekannte. Gott dr\u00fcckte sozusagen auf den Abszess seiner S\u00fcnde solange, bis der Eiter endlich rauskam. Damit hatte Gott an David nicht als ein Feind, sondern als guter Arzt gehandelt (vgl. 2. Mo. 15,26; Lk. 5,31). Gottes erstes Medikament an David war das Bekennen. Das Bekennen ist zwar ein Medikament mit Nebenwirkungen \u2013 denn es bringt durchaus Nachteile f\u00fcr uns mit &#8211; aber es ist ein sehr heilsames Medikament. Das sehen wir am Ende von Vers 5: und du, du hast vergeben die Schuld meiner S\u00fcnde. Dies ist wirklich erstaunlich! Mit seinem Mord und Ehebruch hatte sich David krass gegen Gott vers\u00fcndigt. Als Sahne obendrein hatte er es auch noch monatelang verschwiegen. Doch sobald David Gott seine Schuld bekannte, vergab Gott ihm im Nu. Das zeigt, wie heilsam das Bekennen der eigenen Schuld ist. Man kann das in der Geschichte von der Begegnung mit Nathan nachlesen. Nach der Zurechtweisung Nathans sagte David: \u201eIch habe gegen den HERRN ges\u00fcndigt!\u201c (2. Sam. 12,13a). Unmittelbar darauf erwiderte Nathan mit den Worten: \u201eSo hat auch der HERR deine S\u00fcnde hinweggenommen; du sollst nicht sterben! Doch weil du den Feinden des HERRN durch diese Sache Anlass zur L\u00e4sterung gegeben hast, so wird auch der Sohn, der dir geboren wurde, gewisslich sterben!\u201c (2. Sam. 12,13b). Unmittelbar nach Davids Bekenntnis vergab Gott seine Schuld, ersparte ihm aber nicht die Konsequenzen seiner S\u00fcnde (2.Sam. 12,14). Diese Konsequenzen sind keine Rache Gottes, sondern u.a. eine Erziehungsma\u00dfnahme Gottes.<br \/>\nGott vergibt auch uns unmittelbar nach unserem Bekenntnis. In 1. Joh. 1,9 haben wir es ja in Schwarz auf Wei\u00df: Wenn wir aber unsere S\u00fcnden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die S\u00fcnden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. Der richtige Umgang mit Schuld ist also das Bekennen.<br \/>\nAllerdings m\u00fcssen wir gut verstehen, was die Bibel mit \u201eBekennen\u201c meint. Warum sage ich das? Es gibt eine Geschichte in der Bibel, die einige Parallelen zu der Begebenheit der Begegnung Davids mit Nathan aufweist. Es ist die Geschichte von Saul und Samuel in 1. Sam. 15. In dieser Geschichte geht es ebenfalls darum, dass ein K\u00f6nig s\u00fcndigt. Wie David wird auch Saul von einem Propheten zurechtgewiesen. Bemerkenswerterweise verwendet Saul \u00e4hnliche Worte wie David. Er sagte: \u201eIch habe ges\u00fcndigt, dass ich des HERRN Befehl und deine Worte \u00fcbertreten habe; denn ich f\u00fcrchtete das Volk und gehorchte seiner Stimme\u201c (1. Sam. 15,24). Aber dann kommt es zu einem gro\u00dfen Bruch der Parallelit\u00e4t dieser beiden Geschichten: W\u00e4hrend Nathan David die Vergebung seiner S\u00fcnden zuspricht, sagte Samuel zu Saul: \u201eIch will nicht mit dir umkehren; denn du hast des HERRN Wort verworfen, und der HERR hat dich auch verworfen, dass du nicht mehr K\u00f6nig \u00fcber Israel seist.\u201c (1. Sam. 15,26). In diesen Worten ist nicht die leiseste Spur von Vergebung. Warum? Dem ersten Eindruck nach wirkt das Bekenntnis von Saul sehr fromm, aber in Wirklichkeit war es kein echtes Bekenntnis. Dies wird deutlich, wenn wir einmal Sauls Worte mit Davids Worten vergleichen:<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ubfheidelberg.org\/Wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Vergleich-David-Saul.png\"><\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund m\u00fcssen wir gut verstehen, was David meint, wenn er das Wort \u201ebekennen\u201c gebraucht. Ein wichtiges Kennzeichen eines echten Bekenntnisses ist, dass es die S\u00fcnde nicht rechtfertigt. Menschen haben die Neigung, die Ursache ihrer S\u00fcnden auf andere oder bestimmte Umst\u00e4nde zu schieben. Doch nach der Bibel kann S\u00fcnde nie gerechtfertigt werden.<br \/>\nWenn wir uns in schwierigen Umst\u00e4nden befinden, ist Gott mitf\u00fchlend und wei\u00df genau, was wir durchmachen, aber Gott l\u00e4sst diese Umst\u00e4nde nicht als Entschuldigung f\u00fcrs S\u00fcndigen zu. Man muss das eine von dem anderen unterscheiden. Daf\u00fcr gibt es mehrere Beispiele in der Bibel: Jesus verstand den Lebensdurst der samaritischen Frau sehr gut, sodass er ihr das wahre Wasser anbot. Aber als er mit ihr \u00fcber ihre S\u00fcnde sprach, entschuldigt er sie in keiner Weise. Er konfrontierte sie ohne Blatt vorm Mund damit, dass sie bereits ihren sechsten Mann hat (Joh. 4,17f). Oder hier ein anderes Beispiel: Als Elia aus Angst vor Isebel floh, ging Gott mit ihm sehr mitf\u00fchlend um. Ein Engel ber\u00fchrte ihn und gab ihm zu essen. Dasselbe ein zweites Mal. Aber wisst ihr, was das erste war, was Gott zu Elia sagte, als Elia etwa nach 40 Tagen endlich ankam: \u201eWas tust du hier, Elia?\u201c (1. K\u00f6 19, 9 + 13). In unseren schwierigen Umst\u00e4nden, Leiden und Herausforderungen f\u00fchlt Jesus mit uns, l\u00e4sst sie aber nicht als Entschuldigung f\u00fcr die S\u00fcnde zu. Um das besser zu verstehen, ein Gedankenexperiment: Beim Erdr\u00fccken einer Zitrone kommt Saures. Die meisten w\u00fcrden wohl sagen: \u201eEs kam Saures raus, weil man die Zitrone erdr\u00fcckt hat.\u201c Aber strenggenommen ist das nicht richtig. Denn w\u00fcrde ich dasselbe mit einer Banane tun, dann w\u00fcrde S\u00fc\u00dfes rauskommen. Aus der Zitrone kommt Saures heraus, weil in der Zitrone Saures ist. Das Dr\u00fccken macht lediglich offenbar, was in der Zitrone ist, ist aber nicht die Ursache daf\u00fcr. Ebenso verh\u00e4lt es sich auch mit uns und den Umst\u00e4nden: Die Umst\u00e4nde offenbaren lediglich, was in uns ist, sind aber nicht die Ursache f\u00fcr die S\u00fcnde. Halten wir also fest: Echtes Bekenntnis l\u00e4sst keine Rechtfertigung von S\u00fcnde zu.<br \/>\nWas sind weitere Merkmale eines echten Bekenntnisses? Bevor ich darauf eingehe, sollte eins vorab gesagt werden: Es geht nicht darum, aus dem Bekennen etwas Kompliziertes zu machen. Intuitiv wissen wir wohl alle, was Bekennen ist. Aber weil Menschen aufgrund ihrer s\u00fcndhaften Natur allzu schnell dazu neigen, sich selbst zu betr\u00fcgen, muss doch dar\u00fcber gesprochen werden, was ein echtes Bekenntnis ausmacht. Zu aufschlussreichen Antworten hierzu kommen wir, wenn wir einmal mehrere Bu\u00dfausgebete aus der Bibel miteinander vergleichen (Neh. 9, Dan. 9, Esr. 9 und Ps. 51):<br \/>\n1. Anstatt die S\u00fcnde zu rechtfertigen, erkennen und bekennen die Beter, wie schlimm das ist, was sie getan haben (Neh. 9,7; Esr. 9, 6b; Dan. 9,5; Ps. 51,5f).<br \/>\n2. Sie ergreifen gegen sich Partei und geben Gott ohne Wenn und Aber Recht (Neh. 9,7; Esr. 9,7a+8; Dan. 9,6-7a; Ps. 51,6b). Nach dem Motto: \u201eSo wie wir uns dir gegen\u00fcber verhalten, ist wirklich unterste Schublade. Deine Strafe \u00fcber uns vollkommen gerecht.\u201c So reden kann man nur, wenn man echte S\u00fcndenerkenntnis hat.<br \/>\n3. Eine weitere Gemeinsamkeit ist mir in den Gebeten von Esra und Daniel aufgefallen. Anstatt die Umst\u00e4nde zu nennen, die ihre S\u00fcnde vermeintlich entschuldigt, nennen sie eher Gr\u00fcnde, warum sie die S\u00fcnde eher nicht h\u00e4tten tun sollen (Esr. 9,13-14; Dan. 9,10-12). Es lohnt sich einmal vor Augen zu f\u00fchren, welche geistlichen Hilfen Gott einem im Leben schon gegeben hat, um seine S\u00fcnde im rechten Licht zu sehen. In meinem Fall w\u00e4ren das z.B. ca. 14 Jahre Bibelstudium, eine abgeschlossene theologische Ausbildung, die vielen Predigten, die ich geh\u00f6rt oder selbst geschrieben habe, das Privileg, den meisten Teil meiner Zeit in einem gl\u00e4ubigen Umfeld sein zu d\u00fcrfen, weil auch mein Arbeitgeber christlich ist, hinzu kommen die vielen Erfahrungen mit Gott: seien es Gebetserh\u00f6rungen, Glaubenserfahrungen oder einfach die Erfahrung, welche schrecklichen Konsequenzen S\u00fcnde mit sich bringt u.v.m. Angesichts dieser vielen Hilfen Gottes m\u00fcsste ich eigentlich geistlich schon weiter sein.<br \/>\n4. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass es in 3 der 4 Gebete um S\u00fcnden ging, die fast alle vom Volk taten. In so einem Fall kann man leicht denken: \u201eNaja, jeder macht das ja. Dann kann das ja nicht so schlimm sein.\u201c Die Beter dieser Bu\u00dfgebete hatten verstanden, dass die Schuld nicht dadurch weniger wird, wenn jeder Gottes Gebote missachtet. Denn Gott nimmt nicht die anderen, sondern seine Heiligkeit zum Ma\u00dfstab.<br \/>\nSoweit einige Kennzeichen eines echten Bekenntnisses. Das griechische Wort f\u00fcr Bekennen lautet \u201ehomologeo\u201c. Darin steckt die Vorsilbe \u201ehomo\u201c drin. \u201eHomologeo\u201c hei\u00dft eigentlich: \u201eDas Gleiche sagen\u201c. Bekennen ist nichts anderes als \u201edas Gleiche sagen\u201c. Im Falle eines Vergehens spreche ich so wie derjenige, dem ich das Unrecht angetan habe. Und eben genau das sehen wir in allen vier Bu\u00dfgebeten: Sie reden \u00fcber ihre S\u00fcnde so, wie es Gott tun w\u00fcrde. Und geradeso sollten auch wir mit Jesus \u00fcber unsere S\u00fcnden sprechen. Es ist kein Zufall, dass Psalm 32 an mehreren Stellen die Aufrichtigkeit betont: In Vers 2 spricht David von einem, in dessen Geist kein Trug ist. Am Ende von Vers 11 spricht David von denen, die von Herzen aufrichtig sind (Elberfelder-\u00dcbersetzung). Jesus Christus spricht: \u201eIch bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern S\u00fcnder zur Bu\u00dfe\u201c (Lk. 5,32). Wenn ich Jesus meine S\u00fcnde bekenne, aber im Hinterkopf meine: \u201eJa, aber eigentlich ist das verst\u00e4ndlich, dass ich mich so oder so verhalten habe\u201c, dann komme ich nicht als S\u00fcnder, sondern als Gerechter zu Jesus. Dann bin ich wie ein Kranker, der zum Arzt geht und ihm sagt: \u201eEigentlich ist mit mir alles in Ordnung\u201c. Der Arzt w\u00fcrde dann wohl sagen: \u201eJa, was willst du dann von mir?\u201c Noch einmal: Jesus ist f\u00fcr die S\u00fcnder, nicht f\u00fcr die Gerechten gekommen. Wer die Begegnung mit diesem Jesus haben will, muss aufrichtig zu ihm kommen. Lasst uns allezeit mit Jesus aufrichtig \u00fcber unsere S\u00fcnden sprechen, eben so dar\u00fcber sprechen, wie Er es tun w\u00fcrde.<br \/>\nWas sind die Resultate eines aufrichtigen Bekenntnisses? Lasst uns das im 3. Teil der Predigt betrachten.<\/p>\n<p><strong>3. Der Segen der S\u00fcndenvergebung (V. 1-2; 6 \u2013 10)<\/strong><\/p>\n<p>Bei einer Umfrage aus dem Internet zum Thema, was den Menschen wirklich gl\u00fccklich macht, nannten die meisten Gesundheit (89%), dann Partnerschaft (79%) und Familie (74%)[3]. Andere Dinge, die h\u00e4ufig genannt wurden, waren: Menschen, eine Aufgabe, Kinder, Beruf, Erfolg und Freunde. Zu einer ganz anderen Antwort kommt David in seinem Psalm. Laut der Elberfelder-\u00dcbersetzung hei\u00dfen die Verse 1 und 2 so: \u201eGl\u00fccklich, wem \u00dcbertretung vergeben, wem S\u00fcnde zugedeckt ist! Gl\u00fccklich der Mensch, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet und in dessen Geist kein Trug ist!\u201c Was den Menschen wahrhaft gl\u00fccklich macht, ist die S\u00fcndenvergebung. David spricht hier aus eigener Erfahrung. Er gibt Zeugnis dar\u00fcber, wie gro\u00dfartig es ist, die S\u00fcnden vergeben zu bekommen. Weil David so sehr unter der S\u00fcnde litt, freute sich David auch \u00fcber die Ma\u00dfe an der S\u00fcndenvergebung. Diese Freude k\u00f6nnen auch alle erfahren, die mit ihrer Schuld aufrichtig umgehen. So wie David k\u00f6nnen sie dadurch \u00fcbergl\u00fccklich werden, \u00fcbergl\u00fccklich dar\u00fcber, dass ihre S\u00fcnden bedeckt sind, \u00fcbergl\u00fccklich dar\u00fcber, dass der heilige Gott ihnen die S\u00fcnden nicht zurechnet, \u00fcbergl\u00fccklich dar\u00fcber, dass in ihrem Geist kein Falsch mehr ist \u2013 d.h. da ist keine unbereinigte Schuld mehr. Es steht nichts mehr zwischen einem s selbst und Gott. Eben das ist so unglaublich entlastend, gibt Frieden und innere Ruhe.<br \/>\nWie die o.g. Umfrage nahelegt, k\u00f6nnen aber wohl die meisten Menschen die Freude Davids nicht nachempfinden. Woran liegt das? Viele Menschen k\u00f6nnen die Freude Davids nicht nachempfinden, weil sie auch nicht unter der Schuld ihrer S\u00fcnde leiden. Sie leiden unter den Konsequenzen ihrer S\u00fcnde, aber nicht so sehr unter der Schuld ihrer S\u00fcnde, weil sie sehr kreativ darin sein k\u00f6nnen, ihr Schuldbewusstsein zu unterdr\u00fccken. Sie betr\u00fcgen sich selbst, die einen durch Rechtfertigung, anderen durch ein vermeintliches Aufwiegen mit Hilfe von guten Taten usw. Da ist kein Verlangen nach Vergebung und somit auch keine Wertsch\u00e4tzung von Vergebung. Solche Menschen werden nicht erfahren, was wahres Gl\u00fcck ist. Wie sich aus der Umfrage schlie\u00dfen l\u00e4sst, ist es vielen ein Geheimnis, was sie wahrhaft gl\u00fccklich macht \u2013 ein Geheimnis, das nur diejenigen kennen, die mit ihrer S\u00fcndhaftigkeit aufrichtig umgehen. Sie bekommen eine gro\u00dfartige Einladung von Jesus. Diese Einladung lautet so: \u201eKommt her zu mir alle, die ihr m\u00fchselig und beladen seid, so will ich euch erquicken!\u201c (Mt. 11,28).<br \/>\nWeitere Auswirkungen eines echten Bekenntnisses erfahren wir in den Versen 6 bis 10, auf die ich kurz eingehen werde: 1) Vers 6 leitet mit dem Wort \u201edeshalb\u201c ein. Deshalb, weil Gott so gn\u00e4dig mit David umgegangen ist und ihn aus seiner Not herausholte, soll dies f\u00fcr jeden Frommen eine Ermutigung sein, sich in der Not an Gott zu wenden. 2) In den Versen 7 und 8 ist von einem gegenseitigen Bekenntnis zwischen Gott und David die Rede. David ehrt Gott damit, dass Er Gott als sein \u201eSchutz\u201c sein vollstes Vertrauen schenkt. Gott verspricht David, dieses Vertrauen nicht zu entt\u00e4uschen, indem er David Leitung und Bewahrung garantiert. Unbereinigte Schuld macht die Beziehung zwischen Gott und Mensch kaputt, doch bereinigte Schuld stellt die Beziehung mit Gott wieder her.<br \/>\nIn den Versen 9 und 10 richtet David sein Appell an die Unverst\u00e4ndigen. Er ermahnt sie, nicht dickk\u00f6pfig gegen\u00fcber Gott zu sein. Das bereitet einem nur Plagen. David spricht hier aus eigenen Erfahrungen. Er war mehrere Monate lang dickk\u00f6pfig gewesen, h\u00f6rte nicht auf die Stimme seines Gewissens. Dann musste Gott ihm Leid zuf\u00fchren. Gott hatte an David sozusagen \u201eZaum und Gebiss\u201c (V.9) angelegt, damit David endlich zu ihm kommt. Was zeigt das? Eigene Erfahrungen mit der S\u00fcndenvergebung erwecken das Anliegen, andere, die in S\u00fcnde leben, zu ermahnen, nicht l\u00e4nger unverst\u00e4ndig zu sein, sondern mit ihren S\u00fcnden zu Gott zu kommen und sich dadurch viel Leid zu ersparen.<br \/>\nIm Vers 11 schlie\u00dft David seinen Psalm mit einem Aufruf an die Frommen, sich zu freuen, ja sogar zu jubeln. Warum? Dem Kontext des Psalms nach zu urteilen muss der Grund darin liegen, dass ihnen die S\u00fcnden vergeben worden sind[4]. S\u00fcndenvergebung ist ein Grund zur Freude, ja sogar zum Jubel! Jedem, dem die S\u00fcnden vergeben worden sind, hat Grund zur Freude, zu \u00fcbergro\u00dfer Freude!<br \/>\nDie in den Versen 3 und 4 beschriebenen Leiden sind ein Typus f\u00fcr die Leiden Christi am Kreuz: Am Kreuz verschmachteten Christus die Gebeine, am Kreuz lastete Gottes Hand auf Jesus anstelle auf uns, am Kreuz vertrocknete Jesu Lebenssaft. Und wozu machte Christi all das durch? Damit wir nicht mehr \u00fcber unsere S\u00fcnde schweigen m\u00fcssen. Denn dank Jesu Tod am Kreuz gibt es Vergebung f\u00fcr jede noch so schlimme S\u00fcnde. Lasst uns beten.<br \/>\n_________<br \/>\n[1] Aus dem Traktat: \u201eStein im Schuh plus\u201c. Stiftung Missionswerk Werner Heukelbach.<br \/>\n[2] <a href=\"https:\/\/zachariasinstitut.org\/ressource\/vorwuerfe-gegen-ravi-zacharias\/\">https:\/\/zachariasinstitut.org\/ressource\/vorwuerfe-gegen-ravi-zacharias\/<\/a><br \/>\n[3] vgl. <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/818\/umfrage\/was-gluecklich-macht\/\">https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/818\/umfrage\/was-gluecklich-macht\/<\/a><br \/>\n[4] Im Vers 11 werden die Frommen daher auch als \u201evon Herzen Aufrichtige\u201c beschrieben<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Download Das Bekenntnisgebet \u201eIch tat dir kund meine S\u00fcnde und deckte meine Schuld nicht zu. Ich sagte: Ich will dem HERRN meine \u00dcbertretungen bekennen; und du, du hast vergeben die Schuld meiner S\u00fcnde\u201c (Psalm 32, 5) In der heutigen Predigt geht es um ein Thema, \u00fcber das viele Menschen nicht sprechen wollen. 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